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E_1936_Zeitung_Nr.068

E_1936_Zeitung_Nr.068

BERN, Freitag, 21. August 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang — N« 68 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjahrlieh Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unffllversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Aktuelle Tagesprobleme Nume nid gsprängt! Noch zwei kurze Monate und unsere Alpenistrassen verschwinden in unsern Alpen erbeut unter dem Schnee. Der Sommer geht vorüber — die Arbeitslosenziffern steigen ununterbrochen. Ein paar wenige Baustellen nur sind alles, was aus der Alpenstrasseninitiative, aus den heissen Parlamentsdebatten resultierte. Man sprach im Frühjahr vom sofortigen Ausbau unserer Gebirgsstrassen, von ungesäumter Inangriffnahme der Bauarbeiten. Bald ist es Herbst, und noch immer diskutiert der Bundesrat Projekte. Man hat nämlich eingesehen, dass das vom Departement des Innern vor einiger Zeit aufgestellte Alpenstrassenbauprogramm sich mit den gebieterisch sich aufdrängenden Forderungen hinsichtlich Arbeitsbeschaffung und Landesverteidigung nur beschränkt deckt und will es nun auf breitere Basis gestellt wissen. Was das benachbarte Ausland bereits ausgeführt, ist bei uns noch nicht einmal spruchreif. Beschlüsse können erst gefasst werden, wenn auch die drei noch in Ferien weilenden Bundesräte ihre Tätigkeit wieder aufgenommen haben. Was bis jetzt an Bauarbeiten zu sehen War, ist nicht gerade überwältigend. In Anbetracht der bescheidenen, zur Verfügung stehenden Kredite ist dies allerdings auch picht sehr verwunderlich. Gebaut wird am Julier, an den Maloyakehren, an der Gotthardnordrampe, an der Simmentaistrasse und am Brünig. Die Ausbaustrecke bei Brienzwiler zum Beispiel ist recht typisch für das eingeschlagene Arbeitstempo. Im obern Dorfteil sind Stütz- und Futtermauern im Entstehen, wird am Strassenbelag gearbeitet Als am letzten Samstag die Uhr Feierabend zeigte, herrschte männiglich Freude. Jedenfalls wurde husch, husch alles versorgt, auch die Strassenwalze. Nur so kann man sich den frisch mit Hartschotter belegten, zirka 5 m breiten Streifen quer zur Strasse erklären, der dann am Sonntag mehr als einem Radfahrer gefährlich wurde. Denn kamen diese, eingehüllt in endlose Staubwolken, die Brünigstrasse heruntergefahren, so Heien sie unweigerlich Gefahr, bei diesem Hindernis kopfüber auf die Fahrbahn zu fliegen. Dächte man etwas über die eigene Nase hinaus, und brächte man ein klein wenig guten Willen auf, dann Hessen sich derartige Unfälle provozierende Gleichgültigkeiten doch wahrlich vermeiden. Unerbittlicher Niedergang! Der Verkehrs- und Einnahmenrückgang 'der SBB nimmt immer schärfere Formen an. Verglichen mit der vorjährigen Parallelperiode, ging die Zahl der beförderten Personen im Monat Juli 1936 um 1,195,000 Fr. zurück. Selbst die Stillegung des Motorfahrzeugverkehrs am 5. Juli a. c. samt der an diesem strahlend schönen Sonntage in vermehrter Auflage ausgeführten Extrafahrten vermochten an diesem betrüblichen Ergebnis nichts zu ändern. So weisen denn auch die Einnahmen aus Personenverkehr erneut einen Rückschlag um 1,736,000 Fr. oder 12,4% auf. Gleichzeitig verzeichnet ferner der Güterverkehr gegenüber dem Monat Juli 1935 eine Abnahme der beförderten Mengen um 136,569 Tonnen oder 10,8%. Der hieraus resultierende Einnahmenrückgang beträgt 2,408,000 Franken oder 16,2%. Die gesamten Betriebseinnahmen sind im vergangenen Monat um nicht weniger als 4,12 Millionen Franken oder 13,7% zurückgegangen. Die Betriebsausgaben dagegen konnten um nur 1,07 Millionen Franken, resp. nm 5,4% gesenkt werden. Machte der Betriebsüberschuss im Juli des letzten Jahres noch 10,21 Millionen Franken aus, so betrug derselbe in der gleichen Periode des laufenden Jahres nur mehr 7,16 Millionen Franken. Erseheint Jeden Dlenstap und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 -Postcheck III.414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Diese erneute Schrumpfung der Bundesbahneinnahmen ist als um so bedrohlicher zu werten, weil bereits seit Jahren, nicWt erst seit Monaten, mit Fingern auf die immer unhaltbarer werdende finanzielle Lage dieses grössten schweizerischen Staatsbetriebes hingewiesen und wiederholt in diesem Zusammenhange bereits Befürchtungen hinsichtlich des Landeskredites laut wurden. Doch alles bleibt beim alten! An der Spitze des eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartementes scheint man auf ein rettendes Wunder zu warten. Es wird aber nicht geschehen, dieses Wunder — es sei denn: Entschlossenheit und Tatkraft schüfen es selbst in hartem Kampf! Oder soll am Ende der Bundesbahnkarren im Schatten der Verkehrszählung so tief, in den Sumpf hineinmanöveriert werden, um den Moment für einen dringlichen Bundesbeschluss zum Zwecke der diktatorischen Verkehrsteilung günstig zu gestalten? Den denkenden Bürger jedenfalls packt ob der Tatenlosigkeit, mit welcher unsere Behörden dieser Entwicklung zusehen, die Verzweiflung; Er ahnt das bittere Ende: Die Bundesbahnschulden dem Schweizervolke! Notabene — was nützt der Bundesratsbeschluss zum Schütze unserer Währung, wenn anderseits ihrer Bedrohung durch die Misere der Schiene nicht gesteuert wird? Kann hier neues Leben wirklich erst aus Ruinen wieder erstehen? Die Yerbandspfeffe. Am vergangenen Dienstag befasste sich der Bundesrat erneut mit der noch immer zur Behandlung stehenden Beimischungsfrage. Bei diesem Anlasse kam, wie beabsichtigt, das den Bundesräten letzten Freitag persönlich überreichte Schreiben der Via Vita zur Sprache, in welchem unter Bezugnahme auf den 5. Juli 1936 bekanntlich Klage gelührt wird gegen die eingetretene Verschleppung der zugesicherten Audienz (siehe «A.-R.» Nr. 67). Die vier anwesenden Mitglieder des Bundesrates gaben der Auffassung Ausdruck, es dürfe sich unsere oberste Landesbehörde nicht durch Interessentenkreise unter Druck setzen lassen. Prinzipiell sei man zu einer Aussprache bereit, doch werde von den Motorfahrzeugbesitzern und Benzinkonsumenten ein gemässigtes, sich in gewissen Schranken haltendes Vorgehen erwartet. Im weitern nahm der Bundesrat das Recht für sich in Anspruch, den Zeitpunkt dieser Aussprache nach freiem Ermessen festzusetzen, habe er doch zu bestimmen, in welchem Momente den hieran Interessierten Aufschluss über beabsichtigte Massnahmen zu erteilen sei. Die Frage der Alkoholbeimischung komme in der Septembersession erneut vor den eidg. Räten zur Behandlung. Nun spielen bei diesem Geschäfte näturgemäss die Vorbereitungen für die dringend notwendigen Reformen hinsichtlich inländischer Branntweinerzeugung eine wichtige Rolle und es hat sich denn auch bekanntlich die Brugger Nebenregierung bereits zum Worte gemeldet. Der Chef des Finanzdepartementes sieht die von der Via Vita verlangte Konferenz nun ca. 3 Wochen vor Sessionsbeginn,, also ein Vierteljahr nach dem 5. Juli 1936 vor. Aus diesem Grunde erübrige es sich, den drei noch in den Ferien weilenden Bundesratsmitgliedern eine Aenderung ihrer Dispositionen zuzumuten. •oweit die bundesrätliche Vernehmlassung. Wir verstehen, wenn unsere oberste Landesbehörde nicht gerne an den 5. Juli a.c. erinnert wird. Demgegenüber gestatten wir uns, darauf hinzuweisen, dass der Bundesrat die Benzinkonsumenten periodisch durch dringliche Bundesbeschlüsse vor faits aecomplis stellte, ohne sich im mindesten darüber zu beunruhigen, ob sein Vorgehen mit den abgegebenen Versprechungen in Uebereinstimmung stehe oder ob seine Politik die Leistungsfähigkeit der Motorfahrzeughalter angemessen in Berücksichtigung ziehe. Das Drängen der Via Vita auf baldige Klärung einiger wichtiger Probleme ist nicht zuletzt auf deren Bangen vor neuen dringlichen, die gesamte schweizerische Automobilwirtschaft tangierenden Bundesratsbeschlüssen zurückzuführen. Man hat es im Bundeshause bisher meisterhaft verstanden, derartige Situationen bis zum Sessionsbeginn hinauszuzögern, um sich dann vom überrumpelten Parlament möglichst rasch die nötige Unterstützung zu sichern. Kein Wunder, wenn auch von der Herbstsession unangenehme Ueberraschungen befürchtet werden, um so mehr als ausser dem Beimischungszwang ja wahrscheinlich auch die eidg. Verkehrssteuer zur Diskussion steht, ein Problem — das mit der beängstigenden Gestaltung der Bundesbahneinnahmen immer brennender wird. Er war eine bittere Pille, der 5. Juli 1936. Doch was .blieb den Motorfahrzeughaltern und Benzinkonsumegten schliesslich anderes übrig, als aus jahrelangen Erfahrungen die Konsequenzen zu ziehen? Sinnen und Trachten sowohl der Motorfahrzeugsteuer- als auch der Benzinpreispolitik .ging einzig auf ein überraschungsweises Fesseln des Motorfahrzeugverkehrs, auf ein ratenweises Abwürgen desselben hinaus. Dass dabei die verschiedenen, am motorisierten Strassenverkehr interessierten^ Kreise nach Möglichkeit gegeneinander ausgespielt wurden, geschah .ebenfalls durchaus systematisch. Und nun hat ein strahlend schöner Sonntag mit nicht misszuverstehender Deutlichkeit bewiesen, wie über 100,000 Schweizertnirger nicht länger willens sind, als Ausbeutungsobjekte erster Ordnung herzuhalten, und noch viel weniger sich dazu bereitfinden, die Misswirtschaft eines verfuhrwerkten Monopolbetriebes zu berappen. Schweizerbürger aller Parteien, aller Konfessionen haben sich zu einer einmütigen Protestaktion zusammengefunden, mehr noch — weiteste Volkskreise haben mit ihnen sympathisiert. Glaubt die stadtbernische Tageszeitung, welche über die Dienstagssitzung des Bundesrates laut Nachstehendem berichtete, Man kann nicht behaupten, dass unser diesjähriger nationaler Sportkalender mit automobilsportlichen Veranstaltungen überladen wäre. Und da zudem die meisten dort aufgeführten Rennanlässe überhaupt nur auf dem Papier figurieren, konzentriert sich das gesamte Interesse der schweizerischen Automöbilkreise auf den Grossen Preis der Schweiz, welcher übermorgen Sonntag auf der 7,280 km langen Bremgartenwald-Rundstrecke in Bern zum drittenmal vor Tausenden und Abertausenden von begeisterten Zuschauern in Szene gehen wird. Wer Gelegenheit hatte, den ersten beiden Berner Grand Prix beizuwohnen und dabei mit Vergnügen konstatieren konnte, welchen grandiosen sportlichen — und Publikumserfolg diese Rennen aufwiesen, der weiss, dass es nicht übertrieben ist, wenn wir die Behauptung aufstellen, dass der III. Grosse Preis der Schweiz seine Vorgänger an Bedeutung überragen wird, wofür mancherlei Gründe sprechen. Es ist unsern Lesern wohlbekannt, dass die gegenwärtige Sportsaison bis zum Vorabend unseres Grossen Preises einen ungemein spannenden und interessanten Verlauf genommen hat. Eilte im ersten Jahre der Gültigkeit der internationalen Grand Prix-Rennformel die Auto-Urtion von Erfolg zu Erfolg und wurde sie darin im Sommer 1935 von der Untertürkheimer Firma Mercedes-Benz abgelöst, so hat man. es in der laufenden INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, ' Grfissere Inserate nach Spezialtarit Inseratenschluss 4 Tacje vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute über: Rund um den Grossen Preis der Schweiz. Der erste Grand-Prix- Trainingstag. Die Internationale Alpenfahrt ist gestartet. Elektr. Metallspritzpistole. Verkehrsbeobachtung. Beilage: wirklich, dass diese Einmütigkeit durch Schlagworte wie Macht- und Verbandspolitik, Verba'ndspfeife usw. zu stören sei ? Wenn der 5. Juli 1936 Verbandspolitik war, dann muss es einen Verband aller wirtschaftlich denkenden Bürger geben, von dem man bisher noch nichts gehört hat. •Der Bundesrat hat sich am Dienstag mit dör Peimiechungsfrage hefasst, nachdem diese Angelegenheit durch den «Autostreik» vom 5. Juli yon der Bahn der sachlichen Erörterung auf^ diejenige der Macht- und Verbandspolitik abgeglitten ist, Man ist im Bundeshaus nicht gewillt, vor dei\ Forderungen der Via Vita,, die. sich in einem neuen Schreiben an den Bundesrat gewandt hat, einfach zu kapitulieren. Der Bundesrat wird sich an den Verhandlungstisch setzen, wenn auf der ändern Seite eine Gesinnung zutage tritt, die ein früchtbares Unterhandeln ermöglicht. Schon früher ist eine Konferenz auf Ende August vorgesehen worden. Der Versuch einer Pression auf den Bundesrat, der dem Land nicht das Schauspiel einer nach Verbandspfeife tanzenden Regierurig bieten will, dürfte eine der beabsichtigten entgegengesetzte Wirkung haben. > Einen weitern Kommentar hiezu kann man sich füglich schenken. Es würde aber sicherlich allgemein freudig begrüsst werden, wenn das selbe Blatt den Bundesrat mindestens so energisch vor der Brugger Verbandspolitik, der Diktatur der Eisenbahnergewerkschaft, oder der Machtpolitik der Metallarbeiter « schützen » möchte. Zum Grossen Preis der Schweiz Rennperiode endlich erlebt, dass auch Alfa Romeo den deutschen Produkten einen ebenbürtigen Rennwagen gegenüberzustellen vermochte, so dass es dies Jahr schlechthin ein Ding der Unmöglichkeit ist, über den Ausgang der Dinge im voraus zu orakeln. Dies gilt in hohem Masse auch für den Grossen Preis der Schweiz, wo — ein Blick auf die Nennliste genügt, dies festzustellen — verbissener denn je um die Vorherrschaft im europäischen Automobilrennsport gekämpft werden dürfte. Die momentane Situation können wir wie folgt kurz umschreiben: DIE AUTO-UNION ist aus drei Rennen siegreich hervorgegangen: mit Rosemeyer aus dem Eifelrennen und dem Grossen Preis von Deutschland und mit Varzi aus dem Grossen Preis von Tripolis. MERCEDES-BENZ beendigte mit Caracciola am Steuer die Wegen Raummangel muss das Feuilleton in dieser Ausgabe ausnahmsweise ausfallen.