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E_1936_Zeitung_Nr.075

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BERN, Dienstag, 15. September 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N« 75 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozusehlaf, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Aussähe C (mit Insassenversicheruna) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Auswirkungen der eidg. Benzinzollpolitik Bei der am 25. Juni 1935 durch dringlichen Bundesbeschluss vorgenommenen Erhöhung des BenzJnzolles von 20 Fr. auf 28 Fr. pro 100 kg Benzin, resp. von 17 auf 23% Rappen pro Liter, setzte unsere oberste Landesbehörde einen Importrückgang von 10—15 % der im Jahre 1934 erzielten Maximaleinfuhr von 218,540 t in Rechnung. Man nahm also eine weitere jährliche Benzin- und Benzoleinfuhr von 186,000 bis 197,000 t an. Immerhin setzte der eidg. Finanzminister die ungeachtet des Importausfalles aus «dieser Zollerhöhung resultierenden Mehreinnahmen auf 16 Millionen Fr. fest, welche Summe denn auch ins Finanzprogramm 2 eingestellt wurde. Nun kamen während der ersten 8 Monate des laufenden Jahres im ganzen 1,260,288 q Benzin und Benzol zur Einfuhr gegenüber 1,374,259 q während der vorjährigen Parallelperiode, d.h. der Import ging um 113,971 q zurück. Nachstehende Darstellung vermittelt ein genaues Bild dieses mehr als Sprozentigen Rückganges: Benzin- und Benzoleinfuhr. 1934 1935 1936 q q; q Januar 111011 118 863 95 207 Februar 113 457 129 003 127 040 März 158 362 125 406 135 541 April 176 516 164 986 157 306 Mai 214 384 195 990 177 542 Juni 208 291 215 828 185 273 Juli 209 035 211519 182 916 August 238 769 212 664 199 463 September 200 347 202187 Oktober 220 748 207 826 November 169 272 147 957 Dezember 165 278 134 695 2 185 470 2066 925 Zugegeben ist nun, dass sich dieser Rückschlag in den erwarteten Bahnen bewegt. Die bedenklichen Folgen der durch diese Tatsache hervorgerufenen Erwerbsschrumpfung beim gesamten Automobilgewerbe allerdings sind in dieser Rechnung nicht inbegriffen, wiegen aber zweifellos viel schwerer als gemeinhin angenommen. Immerhin verzeichnen mit Ausnahme des März alle vergangenen Monate zum Teil ganz erhebliche Einfuhrausfälle. Wir verweisen nur auf den August 1936, die typische automobilistische Hochsaison, mit seiner um 13,201 q geringeren Importziffer. Dass der motorisierte Strassenverkehr auf diese starke Erhöhung des Benzinpreises nicht stärker reagierte, F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 10. Fortsetzung. Ich bin für meinen Onkel und gegen die Vernunft. Aber gerade deshalb hab ich manchmal eine solche Sehnsucht nach Menschen, bei denen man nicht fürchten muss, dass sie eines Morgens nicht mehr zum Frühstück er- 10.- Erscherat jeden Diensten und PrsltafJ Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelfc* Ulto" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 also nicht noch wesentlichere Einbussen verzeichnet, ist der beste Beweis für dessen bedeutsame Stellung innerhalb der schweizerischen Verkehrswirtschaft, in erster Linie als Preisregulator hinsichtlich der übersetzten Tarifansätze der Schiene. Gerade die ganz aussergewöhnliche Verquickung aller schweizerischen Wirtschaftsfragen und Wirtschaftsnöte führt in letzter Zeit immer mehr zur Erkenntnis, dass unser Land ganz einfach gezwungen ist, seine ganze Wirtschaftsführung und Preisbildung vernünftigerweise wieder mehr nach dem ausländischen Niveau zu orientieren. Dabei gewinnt die Ueberzeugung zusehends an Ausdehnung: Hohe inländische Transportkosten bedeuten unbedingt eine Fesselung von Industrie, .Handel und Gewerbe. Mag^ daher allen Tariffragen der Schiene noch so sehr der Ruf des noli me tangere vorausgehen, unsere Wirtschaft muss von diesem Hemmschuh befreit werden. Es geht nicht an, aus Schrecken vor der unerfreulichen Situation unserer Bundesbahnen, die Augen vor den immer gebieterischer werdenden Notwendigkeiten zu ! verschliessen und die Lage durch ein in die Höheschrauben der Transportkosten der Strasse zu retten versuchen. Diese unglückliche Preispolitik wird sich je länger je mehr rächen, als unser Land nicht nur eine schlechte Rohstoffbasis, sondern dazu noch eine nicht viel bessere Verkehrslage aufweist. Wenn wenigstens die Drosselung der natürlichen Verkehrsentwicklung der Strasse infolge übermässiger Belastung der Treibstoffe sich einzig in rückläufigen Benzin- und Benzol-Einfuhrziffern bemerkbar machte ! In immer schärferem Masse machen sich jedoch die nachteiligen Folgen dieser Politik auch beim Import der Motorfahrzeuge und deren Zubehörteilen geltend. Um so bemühender das gegenwärtige Schauspiel der unterschiedlichen politischen Behandlung von Benzin und Bier! So sehr wir den Brauern und Wirten Erfolg wünschen in ihrer Abwehr gegen die steten neuerlichen Beutezüge des Bundesfiskus, so sehr müssen wir darauf dringen, dass auch den Benzinkonsumenten und den 50,000 im schweizerischen Automobilgewerbe Beschäftigten Recht widerfahre. Man messe mit gleicher Elle ! Im Gegensatz zu den Benzin- und Benzolimporten ist die Entwicklung der Gasölimporte schon heute als höchst bedenklich zu qualifizieren : Sybil klammerte die Hände um Lukas' Nacken und horchte. Knisterte es nicht durch die Stille, ruhelos, wie Schutt in bröckelndem Mauerwerk? «Vielleicht kommt ein Gewitter...» Lukas prüfte den Himmel und beugte sich verliebt zu ihrem Mund. «Hilf mir doch — so hilf mir doch...» Alber Sybil flüsterte, ohne die Lippen zu regen, es klang nur wie ein Hauch. «Sie seufzte», dachte Lukas bedrückt Aber er vergass es gleich. «Also so siehst du aus... warum lachst du? Bin ich kindisch, Lieber? loh will dich ansehen, so lange ich es noch kann. Denn morgen — — nein, wir denken jetzt nicht an morgen! Was hast du an der Schläfe — eine Narbe ? Warst du im Krieg ? Ist es schrecklich gewesen ? > Sybil sprach hastig, wartete keine Antwort ab. Ihre Stimme jagte immer weiter, beschwörend, atemlos. So viele Worte mussten noch gesagt werden, und es war spät, die Minuten tickten vorbei, unersetzlich und kostbar wie nie vorher. « Du musst mir erzählen, du musst mir viel erzählen ! Hast du Geschwister, Freunde ? Du bist fleissig, nicht wahr ? Sitzst immer über deinen Plänen, rechnest, zeichnest ? Und wenn du den Bau kontrollierst, dann grüssen dich die Arbeiter, haben Respekt vor dir... Bist du freundlich zu ihnen, bist du ein guter Herr? Dass ich dich früher nie gesehen hab, die Stadt ist doch so klein, jeder kennt jeden. Und nicht einmal deinen Namen hab ich gehört... Alber wir leben ja hin, wissen nicht einmal von uns selbst etwas Genaues...» « Wir ... », sagte Sybil. Sie zuckte verächtlich die Brauen. «Lackierte Puppen in einer Spielzeugwelt. Alles so hübsch, so bunt, so niedlich — und klein wie unser Hirn. Der Golfplatz, das Motorboot, man trägt Blau, und Angela hat ihren geschiedenen Gatten wieder geheiratet. Bar, die Bridgepartie, Theater — wird Tulipan das Derby machen ? So leben wir, siehst du, es ist ein furchtbares Leben, ich hatte so viel Pläne, ich wollte... Nein, nicht wieder küssen ! Sei gut, sei lieb, leg deinen Kopf an meine Gasölimporti 1934 1935 1936 q 1 q Januar Februar 7 931 4 073 14669 2 707 * 1861 14Ö7 März 2650 9601 5040 April 7 672 11130 1021 Mai 3 977 9 803 3032 Juni 5 371 13 084 6163 Juli 5 346 5198 2 916 August 5 238 12 730 10 086 September 3166 17 672 Oktober 9 337 22187 November 18 498 12 527 Dezember 12 089 22168 85 329 153 476 Einer Einfuhr von 78,922 q während der ersten 8 Monate des Vorjahres stehen in der diesjährigen Vergleichsperiode ganze 31,626 q gegenüber. Dabei weist der Monat August mit seiner Mindereinfuhr von rund 2500 q verglichen mit dam vorjährigen Parallelmonat noch die höchste Importmenge von allen 8 Berichtsabschnitten des laufenden Jahres auf. Es beträgt demnach der Rückschlag bei den Gasölimporten 47,296 q oder volle 58 % \ Diese Ziffern dürften doch sicher selbst für imsern Bundesrat Beweiskraft genug besitzen hinsichtlich der Zweischneidigkeit seiner Benzin- und Gasölpolitik. Oder wird zuständigen Orts erst der Ruin der schweizerischen Automobilwirtschaft, insbesondere des Schwerverkehrs, als beweiskräftig anerkannt ? Doch während die Einfuhrziffern für Benzin, Benzol, Gasöl, Motorfahrzeuge verschiedenster .Kategorien einem ununterbrochenen Schrumpfungsprozess unterliegen, der mit Bezug auf die Lage der schweizerischen Motorfahrzeug- und Zubehörindustrien, des Garagen- und Reparaturgewerbes Schlimmstes voraussehen lässt, gibt es in der schweizerischen Aussenhandelsbi'lanz wenigstens eine Position, die sich in stetigem Aufstieg befindet: die ominösen,- weder durch juristische noch kommerzielle Kunstkniffe zu begründenden Alkoholimporte. Alkoholimporte: 1934 1935 1936 bl hl hl Januar 6908 567 2848 Februar 5700 132 3227 März 3551 133 1887 April 6369 — 2834 Mai 3781 472 3982 Juni 3686 — 2643 Juli 934 — 3937 August 4221 — 3754 September 2795 — Oktober 1653 414 November 2817 2249 Dezember 1702 4895 44,117 8862 Benzin, Benzol und Gasöl stellen Produkte dar, zu deren Einfuhr wir gezwungen sind. Schulter. Ich will dein Gesicht kennen, ich will es auswendig lernen, dass ich es noch an meinem letzten Tag aufsagen kann wie einen Spruch: hohe Stirn, schöner Mund, schöne Augen... aber die sind noch nicht erwachsen, die sind um zwanzig Jahre jünger als du! Ich kann mir denken, dass deine Mutter sehr stolz ist auf dich... Ich habe schon lang keine Eltern, Mama ist gestorben, da war ich noch ein kleines Mädchen. Aber man darf nicht davon sprechen — sie ist nicht daheim gestorben, sondern in der Wohnung ihres Geliebten. Ein Tenor, berühmt... ich habe Photos von ihm gesehen, mein Gott, ein fetter, gelangweilter Mann, aber sie muss ihn sehr geliebt haben. Ich hab alles erst viel später erfahren, niemand durfte davon wissen. Es hätte Papa die Karriere kosten können ! Mama war so schön — ach, so schön # und zart und elegant! » Syb'il beugte den Kopf und starrte in die schwankenden Lichtkugeln der Laternen. < Ich erinnere mich noch deutlich an sie. Ihr Haar war dunkel wie meines, und sie hatte immer den Mund ein wenig offen. Es war so drollig, es sah aus, als staunte sie unaufhörlich über das Leben. Sie war erst vierunddreissig — ein Herzschlag, aus. Noch im Sarg war sie eine kleine süsse Dame, die das INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spadaltarit Inseratengehluss 4 Tan« vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute Ober: Kampf der Beimischung. Grosser Preis von Italien: Abermals Rosemeyer auf Auto-Union. Verkehrsteilung in Schweden. Oesterreichische Erfahrungen mit der Spritbeimischung. Titlis-Autotunnelprojekt. Alkohol aber gibt es innerhalb der schweizerischen Grenzpfähle seit Bestehen des neuen Alkoholgesetzes in Hülle und Fülle. Die eidgenössischen Schnapsquellen sollen in den letzten Jahren so reichlich geflossen sein, dass sich der Alkoholdirektor auf die Suche nach zu mietenden Tanks begeben musste. Die der Alkoholverwaltung gehörenden DeJsberger Tanks aber standen zur selben Zeit gratis zur Verfügung einer Basler Firma ! Noch immer macht das Märchen vom typisch schweizerischen Geschmäcklein des einheimischen Alkohols die Runde, als Tarnung wohl für die ausländischen Spritimporte. Der Vizedirektor der eidg. Alkoholverwaltung spinnt den Fäden gar noch weiter : Die kapitalintensive chemische Auslandskonkurrenz der schweizerischen chemisch-pharmazeutischen Branche würde nämlich, so ineint er, bei Verwendung von erstklassigem inländischem Industriesprit durch die letztere schon dafür sorgen, dass Japaner, Chinesen, Malayen und am Ende auch Hottentotten sich wegen des typisch schweizerischen Sohnapsgeschmäckleins solcher Produkte beschweren. 1304 hl Alkohol wurden während der ersten 8 Monate des Vorjahres eingeführt. Dies Jahr beträgt der Import während der gleichen Zeitspanne 25,122 hl Sprit, d. h. 1800 % mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode ! Selbst wenn man die Ausfuhrziffern unserer chemischen Industrie durch ein Vergrösserungsglas betrachtet, findet man beim besten Willen keine Exportzunahme, wie sie sich in konsequenter Auswirkung der Tannersehen Einfuhrbegründungen ergeben musste. Wie lange soll sich eigentlich der Steuerzahler noch durch solch fürstlich entlöhnte Märchenerzähler zum Narren halten lassen ? Schluss mit der Misswirtschaft forderte der 5. Juli 1936. Wer ist verantwortlich für deren Fortdauern? Und was sagt der Bundesrat zu diesen Praktiken? Kruzifix zwischen den Händen hielt wie einen Blumenstrauss... Ich glaube, wir sind keine ehrbare Familie », sagte Sybil. « Man hält uns nur dafür weil wir immer versuchten, unsere Geschiebten heimlich abzumachen, ohne dass es andere erfuhren. Sogar Papa, dieser geliebte Bürokrat, hat am Ende Schande über uns gebracht, und man musste lügen, vertuschen, die Vorhänge zuziehen. Ach, alle meine Verwandten : sie sind so korrekt, Tag für Tag nichts als ehrbar, und dann, plötzlich, da packt es sie, und sie gehen hin und tun unsinnige Dinge. Ein Onkel von mir fuhr als Fünfzigjähriger nach Siam, um zu jagen. Glaubst du, dass es dort überhaupt Wild gibt ? Ich glaub es nicht. Er hatte genug von seiner Anständigkeit und wollte vagabundieren. Sechs Jahre lang hörte man kein Wort von ihm, wir hielten ihn alle für tot. Aber dann kam er zurück, wie von einem Spaziergang, war wieder vernünftig, legte Patience und spielte Schach mit seinen Söhnen... Ich finde, das ist eine gute Art zu leben.