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E_1936_Zeitung_Nr.082

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BERN, Freitag, 9. Oktober 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N° 82 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PH EISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Ft. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Verkehrswirtschaftliche Probleme im Spiegel der Abwertung Was zu erwarten stand, ist prompt eingetroffen. Wir haben ja nicht einen Augenblick daran gezweifelt, dass früher oder später irgend einem ganz besonders erleuchteten Gehirn die geniale Idee entspringen würde, die durch die Frankenabwertung geschaffene Lage zugunsten der Bahnen auszunützen und den Autoverkehr vollends zu bodigen. Und siehe da: der Retter der Bahnen ist erstanden! Im nämlichen bernischen Blatt, das schon bei der Protestkundgebung der Automobilisten am 5. Juli durch eine von bemerkenswerten Verwandlungskünsten zeugende Haltung «geglänzt» hatte, gelangt dieser Heilsbringer zum Wort. Hören wir, was seine Botschaft verkündet: « Sicher ist, dass die Abwertung in ihrem Zusammenhang mit der Gestaltung des Benzinpreises sich für die Bahnen günstig auswirken kann. Der Benzinpreis wird um 6—7 Rappen pro Liter steigen, sofern nicht die Herkunftsländer ebenfalls abwerten, was derzeit unwahrscheinlich erscheint. Auch die Wagen kosten, bei gleichbleibenden Zollansätzen, erheblich mehr. Es wird also kostspieliger sein als bisher, die Bahn zu konkurrenzieren, zumal diese durch die , fortschreitende Elektrifizierung in. Sachen .Triebstoff ihrerseits weitgehend vom Ausland unabhängig geworden ist. » Das aber ist nicht der einzige Nutzen (siel Red.) Die Bahnen können mit einer Verkehrsbelebung rechnen, die besonders im ausländischen Personenverkehr beträchtlich werden dürfte, aber auch im Inland nicht zu unterschätzen ist... "Während es sich beim Benzinpreis und bei der Verkehrsbelebung um Faktoren handelt, welche mehr oder weniger sicher in die Rechnung gestellt werden können, steht dahin, ob und inwieweit in bezug auf die Zinslasten die Frankenabwertung für die Bahnen eine Entlastung bedeutet... » Man greift sich an den Kopf bei der Lektüre dieser Suada, man staunt ob der geradezu herausfordernden Unbekümmertheit, womit der von Kenntnissen über wirtschaftliche Zusammenhänge offentsichtlich völlig unbeschwerte Verfasser die Welt mit seinen Weisheiten beglückt. Die schlechterdings ans Groteske grenzende Naivität, die rührende Einfalt und Selbstsicherheit, die ihn das grosse Wort von einem Nutzen aus der gänzlichen Abwürgung des Strassenverkehrs stammeln lassen, könnten beinahe versöhnlich stimmen, müssten wir nicht die Möglichkeit berücksichtigen, dass diese absurden Tiraden da und dort sogar ernst genommen würden. Das aber ist gerade Grund genug, uns mit diesem Elaborat etwas näher zu beschäftigen. Erscheint Jeden Dienstag and Freitag wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Ein Weg zur Bahnsanierung • der Abwertungsgewinn der Nationalbank. Wie liegen eigentlich heute die Dinge? Vorweg muss man sich im klaren darüber sein, dass sich mit der Abwertung die Lage der S.B.B. weder zum Bessern noch zum Schlechtem wendet. Aber da sind die 656 Millionen buchmässigen Gewinne, welche die Nationalbank durch die Devalvation erzielt hat. Immerhin kein Pappenstiel. Und wenn wir den Gedanken zur Diskussion stellen, ob dieser Betrag nicht zur Sanierung der Bundesbahnen verwendet werden sollte, dann wissen wir uns damit durchaus nicht allein. Im Gegenteil. Wir befinden uns sogar in illustrer Gesellschaft, ist doch eben diese Frage bei der Behandlung des S. B. B.-Geschäftsberichtes 1935 im Nationalrat auch von den Kommissionsreferenten angeschnitten worden. Bringt man obendrein noch den Mut und die Festigkeit auf, den kalten Lohnabbau beim Bahnpersonal durchzuführen, dessen Privilegien eine gewisse Rückbildung wohl vertragen, so w|re damit eine weitere Etappe auf dem Weg zur Sanierung zurückgelegt. Aber eben: Rückgrat und harte Hand gegenüber den Gewerkschaften! Darin läge ein wirklicher Nutzen für die Bahnen. « Die Abwertung kann sich in ihrem-Zusammenhang mit der Gestaltung des Benzin*- Preises für die Bahnen günstig auswirken», orakelt mit hellseherischer Sicherheit Herr -i- in seinem oben zitierten Spruch. Sicher könnte sie das, denn nichts wäre einfacher als durch Beibehaltung des bisherigen Benzinzollansatzes, d. h. durch eine dem vollen Ausmass der Abwertung entsprechende Erhöhung des Brennstoffpreises dem Automobilverkehr den Rest zu geben, auf dass ihm die Lust an der Konkurrenzierung der Bahnen gründlich ausgetrieben werde. Der Bundesrat scheint jedoch den wirtschaftlichen Unsinn eines solchen Experimentes erkannt zu haben und nicht gesonnen zu sein, Sirenengesängen, wie sie der erwähnte Einsender von sich gibt, Gehör zu schenken. Aus allen Lagern bedeutet man ihm heute : Abbau der Zölle, Lockerung der Kontingente, endgültige Absage an den Unfug der Subventionen,; Herabsetzung der Steuern. Man führt ihm zu Gemüte, dass es gerade der unerhörte Steuerdruck gewesen sei, der unsere Wirtschaft in die Sackgasse hineinmanövriert hat, worin sie sich gegenwärtig befindet. Und das Motorfahrzeug weiss ein Lied davon zu singen, dass ihm der Bund in steuerlichen Belangen je länger desto mehr eine