Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.088

E_1936_Zeitung_Nr.088

BERN, Freitag, 30. Oktober 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N» 88 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Anscab* A (ohne Versieberang) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Ft. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Encheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürich: Ldwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU bMeratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen 0er Nnmmer Probleme des Schweiz. Benzinmarktes Die Neuorientierung der schweizerischen Wirtschaftspolitik infolge der am 26. September 1936 durch den Bundesrat erlassenen währungspolitischen Massnahmen hat sowohl für die Export- als auch für die Inlandsindustrie ganz neue Probleme geschaffen. Unter diesen Fragen, welche samt und sonders mehr oder weniger gebieterisch einer Lösung entgegendrängen, kommt wohl vor allem den Belangen des schweizerischen Benzinmarktes grosse Bedeutung zu. Für unser Land verkörpern die motorischen Treibstoffe äusserst wertvolle Produkte, und das nicht etwa nur mit Rücksicht auf deren überaus «liebevolle £:Behandlung» durch den Fiskus, sondern vor allem in ihrer Eigenschaft als Importgut und hinsichtlich ihrer weittragenden Wichtigkeit für unsere militärische und wirtschaftliche Landesverteidigung. Dass die oben erwähnten Währungsmassnahmen gerade derart unentbehrliche Verbrauchsgüter, wie sie Treib- und Brennstoffe dar- % stellen, recht empfindlich treffen würden, lag auf der Hand. Schon gar, wenn, wie in diesem Falle, deren Weltmarktnotierurigen gemessen am Inlands-Verkaufspreis um das Sechsfache tiefer liegen. Setzt man zudem die bisherige Benzinmarktordnung in Rechnung, dann wird verständlich, dass die Neuregelung der sich heute präsentierenden Verhältnisse der schweizerischen Wirtschaftspolitik eine harte Nuss zu knacken gibt. Zwei Lösungen sind möglich: Entweder ^Zertrümmerung der bisherigen Marktordnung w und Sicherstellung des Säulenpreises auf dem gegenwärtigen Niveau von 43 Rp. pro Liter durch Aufhebung der Kontingentierung oder Beibehaltung der alten Marktregelung unter Anpassung derselben an die veränderten Verhältnisse. Nun hat sich aber im Zuge der rapid zunehmenden Motorisierung des schweizerischen Strassenverkehrs und weil die Benzineinfuhr während der letzten Jahre zu einem der / Grundpfeiler der eidg. Zollpolitik wurde, unser Benzinmarkt zu einem derart komplizierten Gebilde ausgewachsen, dass dessen Beherrschung einem eigentlichen Kunststück gleichkommt. Kein Wunder also, wenn wegen dieses kostbaren Stoffes in den letzten Tagen heisse Kämpfe ausgefochten wurden! Das Resultat? Rote Köpfe und hitzige Rededuelle, doch die einigende Lösung ist bis heute noch nicht gefunden. Nachdem unsere oberste Landesbehörde ihrem Grundsatz: Preishaltung auf dem Vorabwertungsniveau den nötigen Nachdruck verliehen und durch eine Reihe von Zollreduktionen und Kontingentsauflockerungen dieser für unsere gesamte Volkswirtschaft einzig richtigen Politik auch zum Durchbruch verholfen hat, verlangen die Tausende von Benzinkonsumenten heute mit vollem Recht: die Anwendung des nämlichen Grundsatzes auf das Benzin. Eine Erhöhung des Benzinpre-ises einzig und allein der bisherigen Marktordnung zuliebe, hätte eine erneute Welle des Misstrauens gegen die seit der Abwertung eingeschlagene Wirtschaftspolitik zur Folge, was selbst der Chef des Volkswirtschaftsdepartementes nicht verantworten könnte. Bundesrat Obrecht wie der Direktor der Handelsabteilung des E.V.D. sind sich denn auch dieser gefährlichen Klippe wohl bewusst. Im Rahmen der letzten Montag abgehaltenen Konferenzen hat nun Direktor Hotz die verschiedenen, am schweizerischen Benzinmarkt interessierten Kreise über die vom Bundesrat in Aussicht genommenen Verfügungen orientiert. In Uebereinstimmung mit den Auffassungen der ZoHexpertenkommission strebt dieser eine Auflockerung der Kontingentswirtschaft und zwar auf der ganzen Linie an, die auch vor dem Benzin nicht Halt machen dürfte. Es muss sich also auch der mit Rücksicht auf handeis- und landesverteidigungspolitische Massnahmen auf einem streng gehandhabten Einfuhr-Kontingentssystem aufgebaute Benzinmarkt den durch die Abwertung des Schweizerfrankens geschaffenen neuen Verhältnissen irgendwie anpassen. Dass es sich hiebei nicht etwa nur um eine blosse Neuorientierung der Importwirtschaft . ^ handelt, sondern um viel weiterreichende Probleme, bedarf keiner weitern Erörterungen. Einerseits wird der Bund kaum auf dem Einsatz des Benzins als handelspolitische Waffe verzichten, anderseits aber selbst bei freier Gestaltung der Einfuhr aus zoll- und landesverteidigungspolitischen Erwägungen eine gewisse Kontrolle der Benzinwirtschaft beibehalten wollen. Die Freigabe der Benzinimporte aber wäre zweifelsohne gefolgt von einem wahren Benzinpreischaos. Während der Säulenpreis in den Grenzzonen um 1—3 Rappen pro Liter unter das gegenwärtige Niveau zu liegen käme, hätte man bezüglich Säuleneinheitspreis im Innern des Landes unbedingt das Nachsehen. Die differenzierten Frachtzuschläge müssten zu einer recht vielgestaltigen Preisskala führen; namentlich die Berggegenden kämen schlecht weg. Nun mag zwar eine solche Lösung scheinbar im Interesse der Benzinkonsumenten liegen; dass sie aber zu deren wirklichem Vorteile wäre, davon kann nicht die Rede sein: Wohl könnte die Eidgenossenschaft durch das Mittel der Zollreduktion den, wie wir gesehen haben, unzweckmässigen Ausgleich über die Aufhebung der Kontingentierung herbeiführen. Da jedoch die Bundesbehörde jeder Tangierung des Benzinzolles durchaus ablehnend gegenübersteht, fällt diese Möglichkeit wohl dahin. Wie also kann eine Lösung gefunden werden, welche ausser der Wahrung der automobilwirtschaftlichen Interessen auch die Belange der Landesverteidigung angemessen berücksichtigt? Unser Volk hat vor kurzem erst dem Lande die Mittel zur vorgesehenen vermehrten Motorisierung der Armee zur Verfügung gestellt. Der Erfolg des gebrachten Opfers ist jedoch hinfällig*,wenn nicht gleichzeitig eine ebensoweitgehende Reserve- und Vorratswirtschaft auf dem Gebiete des Benzins wie demjenigen des Getreides Platz greift. ,Dje. bestehenden und erprobten privatwirtschaftlichen Organisationen des Benzinhandels vermögen dieser Forderung zweifellos gerecht zu werden, unter zwei Voraussetzungen allerdings: Einmal werden sich die am Benzinimport beteiligten Firmen nur dann im gewünschten Masse eindecken, wenn sie die Gewähr haben, diese auf längere Sicht zu haltenden Lager auch abstossen zu können, und zum andern kann man den wenigen, gegenwärtig Kontingente erhaltenden Firmen die Bildung solcher Reserven Man muss zugeben, dass das kürzlich erschienene Buch von Vital Gawer, « Die Eisenbahnkrise, ihre Ursachen und ihre Entwicklung », in verschiedener Beziehung eine Lücke ausfüllt,^ die jeder, der sich mit dem Problem der Eisenbahnkrise befasste, schmerzlich empfunden hat. Eine. Vergleichsmöglichkeit mit verschiedenen Ländern fehlte und so wurde sehr oft verallgemeinert, ohne dass wirkliche Grundlagen für eine vergleichende Betrachtung vorlagen. Man hat unsern Bundesbahnen oft zum Vorwurf gemacht, dass 'sie überkapitalisiert seien und Hippolyt Saurer t (Siehe unsern Nekrolog in Nr. 87) nicht zumuten, d. h. die Zahl der Importeure muss ohne direkte Freigabe des Marktes erhöht werden. Denn würde die Benzineinfuhr einfach dem freien Spiel der Kräfte überlassen, so müsste mit dem Einsetzen einer schaffen Konkurrenz gerechnet werden, die den Zusammenbruch der heutigen Preisregelung zur Folge hätte. (Fortsetzung Seite 2.) Eisenbahnkrise nnd Antofconknrrenz i. dass deren Leiter es in dieser Hinsicht an einer vorausschauenden Politik haben fehlen lassen. Da zeigt uns die Studie von Dr. Gawer, dass auch andere Staatsbahnen am selben Fehler leiden und dass es in dieser Hinsicht im Auslande nicht viel besser steht als bei uns. Für uns ist das Buch von Gawer wertvoll, weil es sich auch mit dem Automobil als «Konkurrenz» des Bahnbetriebes befasst. Allerdings vermag sich der Verfasser hier von Voreingenommenheit nicht zu befreien, wie wir bei der Betrachtung des Kapitels Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 22. Fortsetzung. In der Stunde zwischen drei und vier werden die Schatten riesig und geheimnisvoll. Wie ein laues, duftendes Bad ist die Luft. Die Augustnacht feiert ihre Herrschaft mit Wohlgerüchen, Dunkelheit und Schweigen. Sie liebt die Liebenden, die Bettler und die Schlaflosen. «Ich! Ich! Ich!» flüstert die Nacht eine ganze Stunde lang. Aber um vier verstummt sie und erbleicht. Neuntes Kapitel • Der gelbe Seidenkimono leuchtete matt im Halbdunkel. Er war mit Bäumen, Pagoden, Drachen und Blumen bestickt. «Ein ganzes Bilderbuch!» konstatierte Lukas. Er lag rieben Sybil auf dem Diwan,, ein wenig schläfrig und sehr glücklich. Von dem grossen, wütenden Schmerz der vergangenen Stunden war nur eine undeutliche Erinnerung zurückgeblieben, verschwommen und blass. Der Lauf durch die Strassen, sein Haus, Park und Garten, die Bar... Sein Hirn erinnerte sich, aber sein Herz wusste nichts mehr davon. Sein Herz war erfüllt mit dem Bewusstsein, dass es herrlich sei, zu leben. Nichts Feindliches war auf der Welt, nicht Streit, noch Jammer. Es gab keine Minuten mehr, alles war ein sanfter, köstlicher Traum, jenseits der Zeit und über alle Wirklichkeit hinaus. Seit Lukas wieder in das Zimmer getreten war, fühlte er diese grosse Sicherheit: alles, was geschieht, ist wunderbar... Wunderbar war es gewesen, in dem hellen Badezimmer den letzten Rest von Elend und Whiskydurist abzuspülen, unter dem sprudelnden Wasser wieder kühl und frisch zu werden. «Es kann nie wieder Morgen werden...», dachte Lukas. «Und wenn doch ein neuer Tag kommt, dann wird das Leben anders sein als bisher.» «Wie wird es sein?» überlegte er. Aber er fand nur diese Antwort: «...anders als bisher.» Aus der Verzauberung der Umarmung hatten sie den Weg gefunden zu Zärtlichkeit und Vertrauen. In der schattenvollen Finsternis hatten sie leise Gespräche geführt, zaghaft und voll zielloser Sehnsucht. Es waren törichte Dinge, die sie sich zugeflüstert haben, — aber jedes arme Wort war beladen mit Entzückung. «Wir gehören zueinander.. .» «Wir werden uns immer, immer lieben..» «Nie mehr können wir einsam sein nach dieser Nacht!» «Wie schön du bist, schön und stark und gut. Du bist mein wunderbarer Geliebter.. .> «Du bist die Frau, von der ich als Kind geträumt habe... endlich hab ich.dich gefunden.» Jenseits aller Zeit und über alle Wirklichkeit hinaus, waren die kleinen Wortboote durch Dunkel gezogen, beladen mit dem inbrünstigen Gestammel ihrer Herzen. Als dann der Taumel dieser Seligkeit langsam abklang, als sie wieder in die Aussenwelt zurückgleiten mussten, waren sie sanfter geworden, vertrauensvoll und wahrhaft glücklich. Es schien ihnen jetzt unwichtig, ob sie zueinander sprachen, was sie sagten — oder ob sie schwiegen. Auch dieses Schweigen war innige und vollkommene Gemeinsamkeit, ein letztes keusches Liebesbekenntnis. Lukas lächelte. Seine Blicke wanderten durch das dämmerige Zimmer. Alles war überraschend wirklich: die hohe Tür, Sessel und Koffer, der matte Widerschein der Wir berichten heute Ober: Bundesgericht und Unterhalt der Simplonstrasse. Zu Caracciolas neuen Internat. Rekorden. Hypoid-Hinterachsen. Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz. Beilage: