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E_1936_Zeitung_Nr.096

E_1936_Zeitung_Nr.096

•BERN, Freitag, 27. November 1936 Nummer 20 Cts. 32. Jahrgang - N« 9 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Er. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlicb abonniert Ausgabe B (mit gen». Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab* C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Probleme des Tages Rückgang der Verkehrssteuern. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Einnahmen der Kantone an Motorfahrzeugsteuern im Jahre 1936 fast durchwegs einen namhaften Rückgang aufweisen werden. Allein im Kanton Zürich soll die Abnahme über Fr. 400 000.— ausmachen und das Schlussresultat wird sich auch andernorts entsprechend ungünstig präsentieren. Die Frage 1 ist deshalb müssig, ob die kantonalen Regierungen nicht ein Interesse daran haben, diese Erscheinung einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und Massnahmen ins Auge zu fassen, welche geeignet sind, die Einnafomenausfälle zu kompensieren. Allerdings nicht in Form von Erhöhungen der Steueransätze, was den Teufel mit dem Beizebub austreiben hiesse, sondern vielmehr mit Mitteln, die berufen sind, den Verkehr wieder anzukurbeln, wie dies in verschiedenen Auslandstaaten mit Erfolg geschehen ist. Die starke Zunahme des Motorfahrzeugbestandes in Deutschland, Oesterreich, Italien, England erbringt den schlagenden Beweis dafür, dass trotz schweren Wirtschaftszeiten eine solch© Ankurbelung möglich ist. Man muss nur endlich wollen und taugliche Mittel anwenden. Zwei Faktoren sind es, welche diesen Rückgang in den Erträgnissen der Motorfahrzeugsteuern verursacht haben: Einmal die hohen Steuern und die übersetzten Zölle Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste* REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 für Motorfahrzeuge, vor allem aber für Benzin. Tausende von Wagen liegen still, weil der Besitzer diese Lasten einfach nicht mehr zu tragen vermag und schliesslich um den Entschluss, die Wagenhaltung ganz aufzugeben, einfach nicht mehr herumkommt. Als Folge dieser Politik stellt sich immer stärker der Zug zum Kleinwagen ein. Mit unwiderlegbarer Deutlichkeit belegt die eidgenössische Motorfahrzeugstatistik 1935 diese Erscheinung. Mit dem von Jahr zu Jahr wachsenden prozentualen Anteil der Kleinwagen, d. h. der Fahrzeuge unter 15 HP, sinkt natürlich der Ertrag aus den Verkehrssteuern, während der Rückgang der Quote der grossen Wagen diese Annahme noch verschärft. Der Ausfall von Fr. 400 000.—, den der Kanton Zürich für 1936 verzeichnet, ist zu einem wesentlichen Teil dem Zug zum Kleinauto zuzuschreiben. Diese Umschichtung in der Struktur des Autobestandes äussert sich aber für die kantonalen Finanzen auch in anderer Weise nachteilig. Wenn der Benzjnkonsum der Schweiz während des laufenden Jahres in eine rückläufige Phase eingetreten ist, so hat dazu neben den Spartendenzen, wie sie der übermässige Fiskaldruck hervorgerufen, vor allem auch die Vermehrung der Kleinwagen beigetragen. Die nächste Folge ist eine geringere Einnahme aus Benzinzöllen und diese überträgt sich auch auf die Finanzen der Kantone, die mit 25 % an den Benzinzollerträgnissen beteiligt sind. Wie können sie nun dem Ausfall bei den Verkehrssteuern und dem Benzinzoll entgegenwirken? Eine Reduktion des Benzinpreises kommt für sie nicht in Betracht, weil sie hiefür nicht kompetent sind, wenn es auch in ihrem eigenen Interesse liegen würde, die bezüglichen Anstrengungen der Verkehrsinteressenverbände in Bern nach Kräften zu unterstützen. Nur durch vermehrten Benzinverbrauch kann ihr Anteil am Benzinzoll wieder eine Erhöhung erfahren. So bleiben also die kantonalen Verkehrssteuern. Durch eine zweckmässige Herabin seiner Sitzung vom letzten Dienstagnachmittag hat der Bundesrat Botschaft und Entwurf eines neuen Bundesgesetzes über die Schweizerischen Bundesbahnen, datiert den 24. November 1936, nun zuhanden der Bundesversammlung endgültig genehmigt. 27 Artikel umfasst dieses Projekt einer Neugestaltung der rechtlichen und finanziellen Lage der S.B.B.; es trägt durchaus den Charakter eines Rahmengesetzes, beschränkt sich auf Grundsätzliches und überlässt die Details der Ausführung weitgehend den Verordnungen und Reglamenten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Anforderungen, welche dieser Entwurf an den guten Willen und die Mithilfe der Allgemeinheit stellt, sind nicht klein. Grosse Opfer sind zu seiner Verwirklichung notwendig; unbedingtes Erfordernis hiefür bilden eine in die Tat umzusetzende, energische Spartendenz der Verwaltung und ein gewisses Entgegenkommen seitens des Personals. Aus Art. 1 des Entwurfs geht hervor, dass die bisherige staatsrechtliche Stellung der Schweiz. Bundesbahnen keine Aenderung erfahren soll, d. h. es wird diese, entgegen einer Setzung derselben Hesse sich — daran kann nach den Erfahrungen des Auslandes kein Zweifel sein — eine Verkehrsankurbelung mit 100 Prozent Sicherheit herbeiführen. Der Zug zum Kleinwagen aber kann durch eine Erleichterung der Steuerbelastung der Wagen über 15 HP abgebremst werden. Damit kämen die alten grossen Wagen wieder in Verkehr. Ein weiteres Mittel, um den Anreiz zur periodischen Stillegung der Wagen zu beseitigen, läge in der Berechnung der Steuer nach Monaten. Seit Jahren unternehmen die Verkehrsinteressentenverbände Anstrengungen in diesem Sinne, aber bisher haben sie noch in keinem Kanton das gewünschte nötige Entgegenkommen gefunden. Man schiebt die Sache von Jahr zu Jahr hinaus, wehrt sich mit allen Mitteln gegen Steuersenkungen und andere Erleichterungen und — wird dann notgedrungen doch zu diesem einzig tauglichen Mittel greifen müssen, allerdings wenn es bereits zu spät ist. Warum wagt man wenigstens nicht einen einjährigen Versuch? Die Einstellung der kantonalen Behörden zu diesem für sie so wichtigen Finanzproblem verrät einen bedauerlichen Mangel an Verständnis und Einfühlung in die neue Lage. V Die Reorganisation der Schweiz. Bundesbahnen seinerzeit lancierten Initiative für deren Entpolitisierung, weiterhin Staatsunternehmung bleiben; ebenso wird von deren Umwandlung in eine selbständige juristische Persönlichkeit abgesehen. Verwaltung und Betrieb der Bundesbahnen werden nach wie vor Sache einer besonderen eidgenössischen Verwaltung sein, selbständig innerhalb der Schranken unserer Bundesgesetzgebung und den Namen «Schweizerische Bundesbahnen» tragend. Art. 2 bestimmt, dass die Erwerbung weiterer Bisenbahnen oder der Bau neuer Linien durch den Bund nur gestützt auf einen dem Referendum -unterliegenden Bundesbeschluss erfolgen könne. Art. 3 ist von grundlegender Bedeutung. Er umschreibt das Verwaltungsprinzip der S.B.B. folgendermassen: « Die Bundesbahnen sind nach wirtschaftlichen Grundsätzen zu verwalten und zu betreiben, dauernd in befriedigendem Zustande zu erhalten und haben sich im Rahmen der verfügbaren Mittel den Bedürfnissen des Verkehrs und den Fortschritten der Technik anzupassen. Sie haben der schweizerischen Volkswirtschaft zu dienen und im besondern bei der Tarif- und INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp» Grfissere Inserate nach Spezialtarll Inseratenseblnss 4 Tage vor Erseheinen der Nnmmer Wir berichten heute über: New Yorker Automobfl- Ausstellung. Italiens Sportsaison 1937. Nachwuchsfahrer-Prüfung in Monza. Die Schrecksekunde. Beilage: Fahrplangestaltung auf deren Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, soweit ihre finanziellen Mittel dies erlauben.» Danach hat zwar die S.B.B, getreu ihrem Charakter als Staatsbahn auch fernerhin vor allem Dienerin der Oeffentlichkeit zu bleiben, eine Aufgabe, welche allerdings nach dem neuen Entwürfe im Interesse der finanziellen Tragbarkeit eine gewisse Einschränkung erfahren kann. Art. 4 bestimmt, dass die Bundesgesetzgebung auch auf die Bundesbahnen Anwendung zu finden habe; immerhin sind Ausnahmen, welche nur das innere Verhältnis zwischen Bund und Bundesbahnen berühren, auf Bewilligung des Bundesrates hin gestattet. Dieser kann die Bundesbahnen ausserdem zu Aenderungen in ihrer Betriebsweise, wie sie, sich infolge Anpassung an die neuzeitliche Verkehrsentwicklung unter voller Berücksichtigung der Interessen unserer Volkswirtschaft aufdrängen können, ermächtigen. Gemeint ist hier wohl in erster Linie die Umstellung verkehrsschwacher Linien auf Auto* mobilbetrieb. Die endgültige Stillegung von Eisenbahnlinien dagegen bedarf der Zustimmung der Bundesversammlung. Art. 5 ordnet Sitz und Gerichtsstand im bisherigen Sinne. Art. 6 befasst sich mit der Steuerbefreiung gegenüber Kantonen und Gemeinden; Aenderungen sind hier keine vorgesehen. Art. 7 nimmt entsprechend der angestrebten Konzentration der finanziellen Verantwortung beim Bundesrate der Bundesversammlung das Recht auf die Budgetgenehmigung. Der Bundesversammlung sollen künftig nur mehr zustehen: die Genehmigung der vom Bundesrate aufzustellenden allgemeinen Grundsätze für die Tarifbildung, der Jahresrechnung und des Geschäftsberichtes, der endgültigen Stillegung von Eisenbahnlinien und die Beschlussfassung hinsichtlich Er- F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 30. Fortsetzung. « Es ist so; ich muss morgens drei Besuche machen, vielleicht nur zwei... und mittags sind unsere Pässe fertig. Du kannst inzwischen deine Angelegenheiten ordnen, zur Bank gehen und... und heimgehen. Stasi soll einstweilen hierbleiben, bis man die Wohnung verkauft hat, sie kann später mit dem grossen Gepäck nachkommen. Wir nehmen nur das Notwendigste mit, man bekommt in der ganzen Welt Handschuhe und Badeschwämme zu kaufen. Es gibt einen Nachtschnellzug nach Genua... Hörst du zu ? Hörst du, was ich sage ? Wenn wir keine Plätze auf dem .Qiulio Cesare' bekommen, warten wir in Nizza den .Duilio' ab. Ich weiss nicht, ob wir Ehrlose sind oder Narren, ich weiss nur, dass wir zueinander gehören. Wir gehen nach Sao Paolo, du wirst arbeiten, du wirst uns ein Haus bauen. Wir werden glücklich sein, wir werden Kinder haben, vielleicht wird man uns verzeihen, dass wir uns so sehr lieben... Wir können auch den Riviera-Express nehmen, bis Nizza fahren. Fernandes gibt uns sofort die Einreisebewilligung, er wird uns auch raten können. Der Dampfer heisst ,Giulio Cesare' und fährt am 1. September... Wir erreichen ihn, es werden noch Plätze frei sein, wir reisen mit Fernandes, ich meine, wir reisen mit dem Express, und Johannes kauft die Perlen...» Aber jetzt konnte Sybil nicht weiter, sie sprang auf, taumelte — «Lukas, nein, nein, nein ! » Sie lag an seiner Brust und stöhnte : « Nein ! Ich will dich nicht! Alles gelogen ... Und wenn wir bis ans Ende der Welt laufen überall die Ehrlosigkeit. Einmal wirst du mich anklagen, einmal wirst du mir nicht verzeihen, dass du mich liebst!» t Sybil...» «Nein, nein — Lukas, ich sage nein!» Sie hatte ihre Stimme nicht mehr in ihrer Gewalt und rief schrill: «Nein, tausendmal nein, immer wieder nein! » Ihre Augen waren gläsern wie bei einer Blinden. € Nein f • «Liebes, sei ruhig, sei gut ! Sybil, sieh mich an... Sybil, du, sollst mich ansehen! Wir haben keine Schuld, ich nicht und du nicht... Das hat nichts zu tun mit unserm Willen. Worüber werde ich nie hinwegkommen ? Dass ich Gertie und das Bürschle allein lasse ? Wenn ich hier bleiben würde, wären sie genau so verlassen, noch mehr verlassen. Für mich gibt es keinen Weg als den zu dir ! Ich liebe dich... Wovor hast du Angst ? Es ist alles so einfach. Wir reisen, wir werden glücklich sein, ich liebe dich...» Sybil ist nicht schön in diesem Augenblick. Ihr Gesicht hat seinen Glanz verloren, ist voll trüber, brauner Schatten. Auf der Stirn glitzern kleine Schweisstropfen. Aber Lukas küsste dieses erbarmungswürdige Gesicht, er stammelte : « Du musst dich ausruhen. Du Arme, wie müd du sein musst! Und in ein paar Stunden ... Du wirst zwei, drei Besuche machen müssen ? Kann ich mit dir gehen ? Ich will nicht ohne dich sein, nicht eine Minute lang. Vielleicht bekommst du mich bald satt, wenn ich immer, immer, immer da bin ? Wenn du willst, kannst du mich jeden Tag zwei Stunden lang fortschicken. Aber du wirst es nicht tun — nein ? Jetzt bist du ruhiger, nicht wahr ? Liebe, Gute —, du hast mich so erschreckt ! Aber jetzt zitterst du nicht mehr, jetzt bist du wieder ruhig. So sprich doch ein Wort...» Sybil lächelt, ihre Lippen sind ein wenig frischer geworden, in blasses Rot getaucht « Wir reisen ? > • Sie dachte dabei: wenn er jetzt zögert, nach einer Antwort sucht, so heisst es Nein. « Ja ! > sagte Lukas kurz. Sybil richtete sich auf, langsam kehrten Farbe und Leben in ihr Gesicht zurück. « Ich weiss nicht einmal genau, wo Sao Paolo liegt...» « Gleich neben Santos. » Sie sah ihn schuldbewusst an. « Santos Santos ? Brasilien ist so gross ! » Arm in Arm gingen sie ins Nebenzimmer, wo die Landkarte hing. «Hier ist Genua...», erklärte Lukas und deutete .mit dem Bleistift hin. Ein schwarzer Punkt auf einer bunten Landkarte — das ist alles. Genua. Aber sie lesen : Glück, Liebe, Zukunft... Lukas zog eine dünne Bleistiftlinie über die Leinwand, die ligurische Küste entlang, bis nach Nizza.