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E_1938_Zeitung_Nr.009

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BERN, Dienstag, 1. Februar 1938 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 9 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEiMENTS-PREIS Ei AUlgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlieb Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenverslcheruna) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Line" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürichi Löwenstrasse Sl. Telephon 39.743 INS ER TIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm höbe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarM Inseratensrhluss 4 Tan* Tor Erscheinen der Nummer Heere$-Hotori$ierung Bernd Rosemeyer t Im Rahmen des von der ETH veranstalteten Vortragszyklus über kriegsvorsorgliche Massnahmen sprach letzten Freitag vor vollbesetztem Auditorium III Oberst Ruf, der Kommandant unserer Schulen für Motortransporttruppen. Seine Ausführungen über das Motorisierungsproblem begegneten um so grösserem Interesse, als kurz vorher an nämlicher Stelle Generaldirektor Schrafl (SBB) sich zu den kriegswirtschaftlichen Vorbereitungen der Eisenbahnen geäussert und überdies die Probleme der Heeresmotorisierung im Hinblick auf die vorstehenden Parlamentarischen Auseinandersetzungen bezüglich Sanierung der SBB, bezüglich Verkehrsteilung, und schliesslich auch der Gütertransportinitiative gegenwärtig eifrig diskutiert werden. Um es gleich vorwegzunehmen : Während auf die grossenteils auf historische Reminiszenzen aufgebauten Ausführungen Dr. Schrafls sehr wohl das Prädikat « Verteidigung auf der ganzen Linie » passt, spürte man aus den Worten Oberst Rufs den Glauben an den Sieg des Motors, der unser Zeitalter und damit auch seine Kriege beherrscht, erfüllt er doch die drei Entwicklung des Motorisleningsgedankens •und trat dann auf dessen Durchführung in den verschiedenen Armeen näher ein. Instruktive Beispiele aus der Kriegserfahrung zeigten, wie die Eisenbahnen aus der eigentlichen Kampf- und Operationszone allmählich verdrängt wurden, während denselben für den Nach- oder Rückschub auch heute noch grosse Bedeutung zukommt. Der im Jahre 1916 erstmals erfolgte Einsatz von Panzerspäh- und Kampfwagen schuf neben dem Transportaggregat ein Kampfaggregat und damit einen neuen Faktor in der Motorisierung der Heere. Zu einer gepanzerten Waffe entwickelt, fand der Motor rasch und in zunehmendem Masse Eingang in die vordersten Kampflinien, um — wie der Referent treffend bemerkte — gleichsam in letzter Anstrengung die erstarrten Fronten durch Angriff und Durchbrnch wieder in Fluss und den Krieg zur Entscheidung zu bringen. Am bekannten Beispiel des Transportes der 62. Infanteriedivision von Paris gegen die Marne mit Hilfe von Pariser Taxis zeigte der Vortragende, dass ohne feldtüchtiges, gut unterhaltenes Wagenmaterlal .und ohne gründliche Vorbereitung Jeder Kriegstransport versagen muss. Was gute Zusammenarbeit zwischen Schiene und Strasse im Kriegsfalle bedeuten kann, illustrierte der Hinweis auf jenen Fall, da im Oktober 1917 zur Stützung der bei Capporetto zusammengebrochenen italienischen Front die Eisenbahn den Transport von 400 Lastwagen, grossen Betriebsstoffmengen und Ersatzteilen bewerkstelligte und im Anschlüsse daran Lastwagenkolonnen, Truppen und Artillerie aus den Vogesen und von der Aisne über Grenoble — zum Teil über verschneite Alpenpässe — bis in die Gegend des Gardasees verschoben. Sehr aufschlussreich waren sodann die Ausführungen hinsichtlich der Betriebsstoff- und Gummireserven, der Ersatzteillager, der Organisation des Reparaturwesens, welche der grosse Einsatz motorisierter Transportmittel während des Krieges notwendig machte. Mit dem Hinweis darauf, wie in unsern Nachbarländern motorisiert wird, was unter Berücksichtigung der topographischen Grenzverhältnisse nur motorisiert werden kann, kam Oberst Ruf dann auf die Verhältnisse bezüglich Armeemotorisierung in der Schweiz zu sprechen. Wie dem Grossteil unserer Leser wohl erinnerlich, veröffentlichte die «A.-R.» Ende Juni 1936 eine Abhandlung des damaligen Waffenchefs der Kavallerie, unserem heutigen Generalstabschef, betitelt: «Motorisierung und neue Truppenordnung». Hauptbedinffunsren neuzeitlicher Kriegsführung : Schnelligkeit, Ueberraschung und schen Motorisierungsverhältnisse gefordert. Unter- Im Interesse der Landesverteidigung wurde in jenem Expose eine Uoberprüfung der schweizeri- Durchschlagskraft. Die wiederholt von akademischem Beifall unterbrochenen, von ho- geschah. Die eidgenössischen Parlamentarier iiberdessen ist geraume Zeit verstrichen, doch nichts hem soldatischem Verantwortungsgefühl getragenen Ausführungen von Oberst Ruf zeugverkehr drosselnden Fiskallasten nur zaghaft hörten die Warnungen, und auf kantonalem Boden vermochte sich die Lockerung der den Motorfahr- zeigten klar und deutlich, wie innerhalb der durchzusetzen. Die Bestände der schweizerischen neuzeitlichen Kriegsführung sowohl der Motorfahrzeuge nahmen weiterhin ab — zur Freude jener Leute, denen jedes Mittel zur endgültigen Erledigung der schweizerischen Automobilwirtschaft Schiene als der Strasse wichtige Aufgaben zufallen, dass jedoch die in unserem Lande recht ist. Dass sich zur Unterstützung dieser Bestrebungen aber Männer hergeben, denen ein klares bis anhin triumphierende Verkehrspolitik den Urteil unbedingt zugebilligt werden muss, kann man primitivsten militärischen Erfordernissen zu- weder begreifen noch verstehen. Welch betrübliche widerläuft. Wie sehr die Worte des Vortragenden vor allem den Beifall der jungen werden der Zusammensetzung des Landes- und der Enthüllungen dieser Art brachte nur las Bekannt- Generation und speziell der akademischen Regionalkomitees für die Gütertransportinitiative Jugend fanden, bewies die einmütige Zustimmung am Schlüsse des Vortrages — für dieses Protegieren von Massnahmen, die unserer mit sich! Und es geschieht wider besseres Wissen, Wehrbereitschaft — weil sie auf Verunrnöglichung die von Sorgen niedergedrückte schweizerische Automobilwirtschaft unbedingt ein Denn künftig jedenfalls wird niemand mehr mit der Motorisierung hinauslaufen — Abbruch tun. Lichtblick ! Einreden von Nichterkennen der Zusammenhänge zwischen Einleitend skizzierte Oberst Ruf in Kürze die allgemeine privatem Motorfahrzeugbestand und Motorisierungsmöglichkeiten der Armee, von Unkenntnis der weittragenden Bedeutung des Motorfahrzeuges für unsere Wehrfähigkeit fechten dürfen. Denn die Ausführungen, welche Oberst Ruf in Zürich gemacht, Hessen keinen Zweifel irgendwelcher Art mehr aufkommen, und es steht nur zu hoffen, dass dieselben heute, im Momente einer entschiedenen Zuspitzung der internationalen Politik, endlich gehört und behersich an die Oeffentlichkeit wenden, dann handelt es zint werden möchten. Wenn militärische Fachleute sich um Belange des ganzen Volkes und danach sollte man sich in den eidgenössischen und kantonalen Parlamenten und Amtsstuben richten! Was aber hat der Kommandant unserer Schulen für Motortransporttruppen über die Grundlagen der Heoresmotorisierung in der Schweiz auszuführen sioh verpflichtet gefühlt? Die Entwicklung der Heeresmotorisierung enseits unserer Grenzen zwinge zu Gegenmassnahmen, da ein erfolgreicher Kampf gegen einen motorisierten Gegner nur mögich sei, wenn hinter dem Grenzschutz die Möglichkeit einer ebenso schnellen Abwehr bestehe. Die aus diesem Grunde unumgängliche Motorisierung unserer Armee stelle nun aber für den Bund vor allem ein finanzielles Problem dar. Da jedoch infolge der durch verschiedene Neubewaffnungen bedingten starken Inanspruchnahme der Werhrkredite die Heeresmotorisierung nach wie vor auf Grund des Requisitionssystems durchgeführt werden müsse, handle es sich hiebei nicht länger «um eine ausschliesslich militärische und technische, sondern vor allem um eine wirtschaftliche Angelegenheit. (Fortsetzung Seite 2.) Bernd Rosemeyer Isl nicht mehr. Bin schwerer Verlust hat den deutschen und den internationalen Automobilsport mit dem tragischen Tod des sympathischen und überall beliebten Spitzenfahrers der Auto-Union getroffen. Wie sich das Unglück ereignete, was der talentierte Fahrer Rosemeyer in seiner kurzen, aber ruhmreichen Laufbahn geleistet und was der Mensch Rosemeyer gewesen, darüber berichten wir auf Seite 3 dieser Nummer. Unsere Rundfrage: Trinkgelder oder nicht? Wir Setzen heute die in der letzten Nummer der «.A-R.» begonnene Rundfrage über die Trinkgeldangelegenheit fort und veröffentlichen ein& weitere der uns zugegangenen Antworten: Red. Folgen Sie Ihrem Gefühl! — Trinkgelder nur bei Extradienstleistungen. Die Rundfrage der «Automobil-Revue» ist um so aktueller, als der durch die hohen Benzinpreise ausgesogene Automobilist in der Trinkgeldangelegenheit je länger desto mehr zaudert. Zur guten alten Zeit opferten viele Fahrer da und dort ein Fränklein, ohne sich deswegen gross den Kopf zu zerbrechen. Heute haben sich die Dinge geändert, und dieselben Herren, die vor ein paar Jahren noch ohne zu zögern ein Trinkgeld gaben, ersetzen es Jetzt durch ein freundliches Lächeln und ein kräftiges « Dankeschön ! > In meinem Bekanntenkreis, in dem ich die interessante Frage aufwarf, gibt es ebenso viele Nie-Trinkgeldgeber, wie solche, die ziemlich regelmässig den ungeforderten Obolus blechen. Die Meinungen sind also geteilt, und während die einen behaupten, es sei nirgends geschrieben, man müsse Trinkgelder verabfolgen, erwidern die andern, der Anstand gebiete das Trinkgeldgeben, schon weil wahrscheinlich die Angestellten in Garagen und an den Tankstellen auf Trinkgelder angewiesen seien... Wahrscheinlich ! Orientiert darüber ist niemand. Ich selbst halte es folgendermassen: Bet dem Autoservice, wo ich regelmässig den Wagen säubern und auffüllen lasse, gehe ich das ganze Jahr hindurch den verschiedenen Angestellten je ein- bis zweimal ein kleines Trinkgeld, und zwar immer dann, wenn ich von ihnen noch etwas Besonderes verlangte: eine Schraube anziehen, bei Regen im Freien Luft in die Pneus pumpen etc. Bei fremden Tankstellen bezahle ich die Rechnung und runde bis zum Werte von zirka 50 Rappen auf. Ich bin dabei nicht schlecht gefahren, denn als ich wieder kam, wurde ich freundlich bedient, als hätte ich das grösste Trinkgeld gegeben. Wobei freilich lobend erwähnt werden muss, dass man wohl in keinem Geschäft so aufmerksam serviert wird wie an den Auto-Tankstellen. Um auf Ihre drei Fragen zu antworten: 1. Falls der Garagist das Waschen und Schmieren des Wagens regelmässig verrichtet, gebe ich ihm zu Weihnachten Fr. 10.—. Wenn er jedoch an Nebenarbeiten noch beispielsweise einen neuen Winker in einem Geschäft abholen muss, um ihn erst dann zu montieren, wird er selbstverständlich durch 50 Rappen bis Fr. 1.— extra belohnt. 2. Der jüngste Mechaniker, der mir meinen Wägen nach Beendigung der Reparatur nach Hausa Wir berichten heute Ober : Bernd Rosemeyers Rennfahrer- Laufbahn. Mineralöl-Weltesport im Aufschwung. Neuzeitliche Einrichtungen zur Abdichtung von Lagern. Programm des Genfer Salons. Feuilleton «Blatt im Wind» auf Seite 2.