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E_1938_Zeitung_Nr.016

E_1938_Zeitung_Nr.016

BERN, Freitag, 18. Februar 1938 6. Sahm-Hummer Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 16 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM EMTS-PREIS Ei A (ohne Versicherung) halbjährlich Hr. 5 , jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich ahonniert Ausgabe b (mit gew. Unfaiiversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 AusRahe C (mit InsnssenversichenimO viertelifihrtich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Maaazin". Monatlich 1 mal ..Gelbp U«te" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck [II 414 Telegramm Adresse: Autorevue. Bern (ie«rli8rt«Mrll>' Zflrlrh: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe ürundzeile oder deren Baum 45 Rp. Grossere Inserate nach SpezialtarU lnseratemrhlns» 4 Tage vor Erorheinrn der Nummer Einfluss der Autobahnen auf den Kraftfahrbau Die deutschen Reichsautobahnen sind, darüber kann kein Zweifel bestehen, ganz besonders gute Strassen. Da setzt es auf den ersten B'ick in Erstaunen, dass solche ganz besonders gute Strassen überhaupt einen Einfluss auf den Motorfahrzeug-Bau ausüben sollten. Tatsächlich kann man aber sogar zwei grundsätzlich verschiedene und sehr bedeutsame Einflüsse beobachten, seitdem sich eine grossere Gesamtstrecke — zurzeit über 2000 km — und ununterbrochene längere Streckenstücke — zurzeit bis über 200 km — in Betrieb befinden. Der eine dieser Einflüsse liegt nahe. Die Autobahnen in ihrer sehr grossen Zügigkeit, Freiheit von Steigungen über 8 %, Freiheit von jedem unvorhersehbaren Querverkehr und ihrer Einbahnbeschaffenheit-verschaffen dem Motorfahrzeug ganz neue Möglichkeiten, z. B. an Fahrgeschwindigkeit. Man wird also Fahrzeuge dahin entwickeln können, dass sie die von den neuen Eigenschaften der Reichsautobahn gewährten Vorzüge vollständiger ausnutzen als die heutigen Konstruktionen, welche ja für gewöhnliche Strassen, nicht für Autobahnen konstruiert worden sind, dies zu tun vermögen. Aüsserdem handelt es sich aber noch um einen zweiten Einfluss. Auf den Reichsautobahnen bestehen für die Motorfahrzeuge ganz andere Betriebsverhältnisse, "welche zu Schädigungen statt Schonung des Motors, statt zu Ersparnis zu Treibstoffvergeudung und sogar zu Gefahren führen können. Es wird sich also auch darum handeln, die Wagen reichsautobahn/esf, reichsautobahnsparsam und reichsautobahn&e^em zu entwickeln, — so dass auf der Reichsautobahn keine besonderen Regeln mehr befolgt •werden müssen, um Schönheit und Vorteile dieser neuzeitlichen Strassen ohne bitteren Nachgeschmack unbesorgt geniessen zu Jcönnen. Heute gibt es ja z. B. noch eine ganze Anzahl von Fahrzeugen, welche es nicht ver. tragen, auf der Reichsautobahn bei heissem Wetter über auch nur 200 km Strecke voll ausgefahren zu werden. Richtig in Ordnung sind die Fahrzeuge natürlich erst dann, wenn auch der Laie sie auf diesen Strassen rücksichtslos ausfahren kann, ohne etwa an die Regel zu denken, 10 % unter Spitzengeschwindigkeit zu bleiben, alle 5 km kurz den Gashebel wegzunehmen und was dergleichen Massnahmen mehr sind. Man könnte daran denken, Sonderfahrzeuge für die Reichsautobahn zu entwickeln, welche also z. B. angesichts der geringen Krümmungen und hohen Fahrgeschwindigkeiten eine besonders empfindliche Steuerung, angesichts der ebenen Fahrbahn nur eine vereinfachte Federung, angesichts der seltenen Verwendung der Bremsen verkümmerte Bremseinrichtungen besässen und dafür ausschlaggebenden Wert auf-die windschlüpfige Formung, auf die richtige Abstimmung des grossen Ganges, auf die genügende Kühlung des Schmieröls und ähnliches mehr legten. Vorläufig strebt man nicht nach solchen Sonderfahrzeugen, sondern legt umgekehrt grossen Wert darauf, alle Fahrzeuge unter Erhaltung ihrer Eignung für Großstadtverkehr und möglichst auch Geländesport auch mit vollen Reichsautobahn-Fähigkeiten auszustatten. Unter « Autobahn-Festigkeit» versteht man eine solche Beschaffenheit des Fahrzeugs, dass es auf beliebig lange Strekken schadlos mit hoher Geschwindigkeit, womöglich Spitzenleistung, beansprucht werden kann. Dass dies mit den bislang üblichen Fahrzeugen nicht in allen Fällen gelingt, hat seinen Grund zunächst einmal in der Von Wa. Ostwald. Schmierung. Bei Motoren mit umlaufendem Oel dient in grösserem oder geringerem Ausmasse ja nicht nur zur Schmierung, sondern auch zu einer zusätzlichen Kühlung. Liegen die Verhältnisse nun so, dass bei Reichsautobahnbetrieb das umlaufende Schmieröl unzulässig hohe Temperaturen erreicht — als Grenze mag man im groben Durchschnitt 100° setzen —, dann steigt der Oelverbrauch, dann steigt der im Oel sich anreichernde Metallabrieb, d. h. die Maschinenabnutzung, und dann kann es dahin kommen, daSs auch für die Lager die Tragfähigkeit des Schmierfilms nicht ausreicht und der Motor niederbricht. Das Heimtückische an dieser Erscheinung ist, dass man bisher ja als Regel nicht einmal bei Alpenpässen Veranlassung hatte, sich viel um die Temperatur des Schmieröls linsexe Jlundhaae So ziemlich in allen Kreisen des Publikums ist man sich darüber einig, dass das Trinkgeld eine überlebte Entlöhnungsart ist, welche so rasch und so gründlich als möglich abgeschafft werden sollte. Es lässt sich in der Tat nicht einsehen, warum in vereinzelten Geschäftszweigen das Verkaufspersonal zur Hauptsache vom Käufer bezahlt werden muss. In einem Ladengeschäft ist es selbstverständlich, dass der Inhaber seine Leute selber zahlt, und er würde nie zulassen, dass der Käufer noch etwas dazu gibt. Wenn ein Geschäftsinhaber sein Personal nach dem Umsatz entlohnen will, wie es z. B. in Kleidergeschäften usf. häufig zutrifft, so liegt darin eine interne Vereinbarung, um die sich das Publikum nicht zu kümmern hat. Aus diesen Erwägungen heraus sollte die Trinkgeldfrage grundsätzlich eng ausgelegt werden. Will man diese demütigende Lohnform in vielen Branchen abschaffen, so darf man sie nicht anderswo wieder einführen. Vielmehr sind die Löhne eben so zu vereinbaren und in der Leistung einzukalkulieren, dass der Arbeitnehmer darauf nicht angewiesen bleibt. Natürlich ist jedem Arbeiter etwas mehr Butter aufs Brot zu gönnen, aber wenn die Konsumenten in dieser Hinsicht konsequent « streiken », so kann der Arbeitnehmer mit um so grösserem Nachdruck seinen sicheren und angemessenen Lohn verlangen und braucht sich nicht mit unbestimmten Trinkgeldchancen abspeisen zu lassen. Anständiger Lohn, jawohl; aber der Automobilist muss dem Garagenbesitzer usw. dessen Bezahlung auch dadurch unbedingt ermöglichen, dass er seine Rechnungen sofort bezahlt 1 . Dass hierin schwer gesündigt wird, ist eine alte, nur allzu berechtigte Klage. In neueren Gewerben mit grossem Publikumsverkehr, wie dies beim Autoservice der Fall ist, scheint mir daher eine grundsätzliche Einstellung gegen das Trinkgeldgeben angebracht. Es sollte die Ausnahme darstellen, und zwar dann, wenn eine Berechnung der Arbeit durch den Arbeitgeber zu umständlich wäre, z. B. wegen der Geringfügig- j keit der Leistung, oder wenn der Arbeiter zu kümmern. Auf der Reichsautobahn kann der Motor aber stundenlang unter Vollast beansprucht werden und die Kühlung der Zylinder reicht dabei angesichts des scharfen Fahrwindes vollkommen aus. Im Gegenteil muss man selbst bei warmem Wetter nur zu häufig im Interesse der Langlebigkeit des Motors dafür sorgen, dass nicht durch zu starke Kühlung der nach Ricardo gefährliche Taupunkt von ungefähr 65° der Zylinderwände unterschritten wird. Unbeschadet guter Kühlung der Zylinder kann aber trotzdem das umlaufende Oel eine erheblich über 100° hinausgehende Temperatur annehmen, zumal wenn etwa durch Verschmutzung die Kühlwirkung der Oelwanne mangelhaft ist. Unzulässige Steigerung der Oeltemperatur merkt aber der Laie meist nicht eher, bis das Unglück geschehen ist. Ein solches Fahrzeug gilt als nicht autobahnfest. Um diesen Verhältnissen Rechnung zu tragen, kann man an solchen zur Ueberhitzung des Schmieröls neigenden Motoren einfach in die Kurbelwanne den Fühler eines Fernthermometers einbauen. Man darf dann eben mit einem solchen Fahrzeug, je nach der Witterung, nicht schneller fahren, als bis das Oel eine ausprobierte Höchsttemperatur (meist 100°) erreicht. Solche einem wirklich einen Ausnahmedienst geleistet hat. Für komplettes Waschen und Schmieren gebe ich daher nur dann etwa einen Franken, (also nicht jedesmal), wenn mein Auftrag eine « Vorzugsbehandlung» genoss, wenn die normale Arbeitszeit überschritten wurde, wenn auf besondere Exaktheit Wert gelegt weiden musste, wenn man erwartet, dass man auch mal schnell nur vorfahren und irgendein Schräubchen anziehen lassen will, ohne sich die Hände beschmutzen zu müssen. Nach einer mehrtägigen Reparatur von vielleicht Fr. 50 halte ich einen Franken für den «Stift» als angemessen, wobei ich die gleichen Erwägungen wie oben anstelle. Keinesfalls würde ich dulden, dass der junge Mann den Franken eine Ausnahmeenlschadlgung für eine Jener unwägbaren Ausnahmeleistungen. Es soll Lob, Anerkennung und andere menschliche Gefühle symbolisieren und nicht ungeschriebener Bestandteil eines Werts- oder Dienstvertragys sein. Eröffnung der Berliner Auto* mobil-Ausstellung. Der Zürcher Straßenverkehr 1937. Rallye Feminin Paris- St RaphaeL Durch die Stände des Genfer Salons. Der Genfer Salon im Bild S. 10. Beilage: Für die Entwicklung in dieser Hinsicht reiebsautobahnfester Motoren gibt es natürlich viele Möglichkeiten. Die Mehrzahl der deutschen Bauarten ist schon längst reichsautobahnfest. Bei manohtm, wie bei Audi, Stoewer, Wanderer usw., findet man besondere Oelrückkühler, bei anderen verrippte Oelwannen, gegebenenfalls sogar aus gut wärmeleitendem Elektron, Benutzung von Oelfiltern als zusätzliche Kühler, Vergrösserug des Oelvorrates und andere Massnahmen angewendet. Am fortschrittlichsten sind naturgemäss diejenigen Motoren, deren Konstruktion von vornherein das Oel vornehmlich seiner Schmieraufgabe vorbehält und nicht als zusätzliches Kühlmittel missbraucht. Mit der bei manchen Motoren zu beobachtenden hohen Oeltemperatur hängt manchmal auch die Erscheinung der Entwicklung der Autobahnfestigkeit. erwartet, habe ich kein Kleingeld, bin ich Sehr wichtig für die Autobahnfestigkeit der Motoren ist naturgemäss das nicht von cGebikon» kleinste Uebersetzungsverhältnis Beim Tanken von 30—40 Litern wird an manchen Servicestellen zwischen Motor und Triebrädern («grosser» Gang). ein Trinkgeld ausdrücklich zurückgewiesen. Und Da die Fahrwiderstände auf der Reichsautoliahn das ist richtig. Kühler aufschrauben und Oelstab klein sind und die Beschleunigungsvorgänge auf der abwischen ist auch noch keine Extraleistung. Reichsautobahn eine geringe Rolle spielen, erweisen « Luft» kostet ja theoretisch nichts, aber da8 sich ungewöhnlich niedrige Uebersetzungsvorhältnisse (sog. «Autobahngänge») in der Regel für Lei- Herumkriechen und gute Nachprüfen des Reifendrucks belohne ich, in Verbindung mit Benzinkauf stung und Verbrauch als besondere vorteilhaft. Anderseits nehmen für sehr rasch fahrende Fahrzeuge mit 1—2 Rp. per Liter Benzin, ohne Benzinkauf mit 50 Rp. Das Windschutzreinigen entlohne ich nach Saison; an einem schwülen Sommerabend erfordern die Mückenleichen Sprit zum Abwischen, da runde ich gern noch auf; wenn es aber nur so eins-zwei geht, dann kann man es «gratis» annehmen. Nie gebe ich unter 30 Rp., dem Wert eines kleinen Biers (nachdem es schliesslich « Trink »- Geld ist...). Nun ist zu sagen, dass es viele wackere Autofahrer gibt, welche einfach bis zum äussersten sparen müssen und nur aus rein geschäftlichen Gründen fahren. Wenn ein solcher Mann sich bei strengem Fahren diese sich immerhin summierenden Fünfzigerlein und Fränklein nicht leisten kann, so hat er dennoch Anspruch auf gute und freundliche Bedienung. Vermochte die Benzinpreiserhöhung von 2 Rp. bereits die Fahrfreudigkeit zu beeinflussen, so läpst sich daraus ermessen, was für einen Tribut eine vielleicht nur vermeintliche Trinkgeldpflicht für einen wenig Bemittelten darstellt. Dabei möchte ich aber beileibe nicht etwa dazu auffordern, Benzinpreiserhöhungen nun an dem armen Tankwart einsparen zu wollen Nein, dem Manne, der uns bedient, geben wir nach wie vor, was wir für angemessen halten. Das «Trinkgeld» soll im Autoseweibe bleiben, was es seinem Begriffe nach ist: eine freudig gespendete Gabe, die mit überraschter wird, «Reichsautobahn-Thermometer» werden neuerdings recht viel benutzt. Das Trinkgeld im Automobilgewerbe Freude entgegengenommen In dieser Hummer: Dampfblasenstörung zusammen, die bei heissem Wetter auf der Rpichsautobahn vorgekommen ist und ja übrigens auf den Schweizer Alpenpässen auch nicht unbekannt sein dürfte. Wird nämlich das Oel sehr heiss, dann erhält die Kurbelgehäusewandung eine ähnliche Temperatur, so dass die vom Motor angetriebene Benzinpumpe, wenn anders sie nicht besonders geschickt im Luftstrom und wärmeisoliert angeordnet ist, leicht unzulässig hohe Temperaturen annehmen kann. Die Beseitigung dieser Möglichkeit gehört zur wechselnde Einflüsse des Luftwiderstandes, also Sehiebewind und Gegenwind, ziemlich starke Ausmasse an, so dass es verständlich ist, wenn Bestrebungen zu vielstufigen Getrieben festzustellen sind. Ein niedriges Uebersetzungsverhältnie zwischen Motorwelle und Triebrädern setzt für Autobahngeschwindigkeiten die Motordrehzahl vergleichsweise herab, was sich für die Autobahnfestigkeit d3s Motors in jeder Hinsicht günstig auswirkt. Zu der Frage der Autobahnfestigkeit gehört die Tatsache, dass man auf der Autobahn an manchen Fahrzeugen shimmy-ähnliche Erschütterungen und charakteristische Reifenabnutzungen beobachtete, welche das gleiche Fahrzeug bei Strnssenbetrieb nicht zeigte. Da die Trennfugen der Betonstrecken auf den Autobahnen unregelmässige Abstände haben, konnten diese nicht zur Erklärung herangezogen werden. Es stellte sich scbliesslich. heraus, dass die planebene Fahrbahn der Reichsautobahn bei unausgewuchteten Laufrädern starende Schwingungen auftreten lässt, welche auf den weniger ebenen gewöhnlichen Strassen sich nicht bis zu voller Wirkung aufschaukeln können. Für schnelle Fahrzeuge war das (statische) Auswuchten der bereiften Laufräder ja schon früher üblich, Reichsautobahn-Festigkeit erfordert auch bei varhältnismässig lanzsamen Wagen, dass die Räder statisch ausgewuchtet sind. (Schluss folgt.)