Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.018

E_1938_Zeitung_Nr.018

BERN, Freitag, 25. Februar 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 18 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Awcab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.- AusUtnd mit Portozuschlag, wenn nicht postamttich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfailversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruna) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gelb« Liste'* REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm Adresse! Autorevue. Bern Geoehittsnelli- Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarii lus? 4 Tane TOT Erscheinen der Nummer Nochmals Kohlenoxydgas und Auto Genereller Bericht über Untersuchungen im fahrenden Automobil und im Windkanal. Vorbemerkung d. Red.: Wenn -wir im folgenden dem bekannten Aeiwiynamiker, Herrn Obering. Jaray, das Wort erteilen, um über die Kohlenoxydgefahr im Wagen selbst zu sprechen, so tun wir dies aus Gründen des aligemeinen Interesses, das seine Gedankengänge bieten und ohne uns deswegen in allen Einzelheiten mit seinen Ansichten zu identifizieren. Diesen Vorbehalt möchten wir in erster' Linie auf die Lüftungsverhältnisse des normalen Wagens angewendet wissen, die Herr Jaray unseres Erachtens in einem zu schwachen Lichte sieht. Insbesondere möchten wir darauf hinweisen, das« auch heute schon bei vielen, und zwar sogar kleinen Wagen die Möglichkeit besteht, eine Druckbelüftung vorzunehmen. Denn schliesslich genügt es ja, wenn im Wageninnern ein etwas höherer Druck herrscht als in den gefährlichsten, von Köhlenoxyd erfüllten sog. Gebieten. Es braucht sich dabei durchaus nicht unbedingt um einen überatmosphürisichen Druck zu handeln. Red. Die Ausführungen von E. ff. Jäggi in den Nummern 103 und 104/1937 und 1/1938 der « Automobil-Revue » beschäftigen sich in der Hauptsache mit der Frage des Kohlenoxydgehälts ausserhalb des Autos, vor allem in Garagen und zeigen die gewöhnlich weit unterschätzte Gefahr, die durch das Laufenlassen des Motors bei geschlossenen Garagetüren entsteht. Immer noch zu wenig bekannt ist aber die Tatsache, dass auch im fahrenden Auto Kohtenoxydmengen vorhanden sein können, die bei längerer Einatmung schwere Schädigungen am gesamten Organismus hervorrufen. Es ist erwiesen, dass ein Kohlenoxydgehalt von etwa 3 °/oo schon nach x k bis V2 Stunde den Tod herbeiführt und dass die hal'be Menge nach etwa einer Stunde tödlich wirkt. Und es kann nach unseren heutigen Erkenntnissen als ziemlich sicher gelten, dass auch bei zehnfacher Verdünnung, also bei einem Kohlenoxydgehalt von 0,2 bis 0,4 Promille eine Vergiftung bewirkt werden kann, wenn die Einatmung der so verunreinigten Luft längere Zeit — und das ist das Bösartige — auch mit Unterbrechungen erfolgt : das Kohlenoxydgas speichert sich gewissermassen im Blut auf. der Sauerstoffträger darin, das Hämoglobin, wird durch seine Verbindung mit dem Kohlenoxyd zu weiterer Sauerstoffaufnahme unfähig und dieser Zustand überdauert auch längere Perioden der Einatmung reiner Luft, weil die Rückbildung, d. h. der Ersatz des Kohlenoxyds durdh Sauerstoff bedeutend Von Oberingenieur P. Jaray, Luzern. mehr Zeit in Anspruch nimmt als die Bildung von Kohlenoxyd-Hämogfobin. Es ergeben sich nun folgende Fragen : 1. Erreicht Im Innern eines fahrenden Ai tos der Kohlenoxydgehalt tatsächlich die «toxische Grenze» von 0,2—0,4 %• ? 2. Wenn dies der Fall ist, wie lässt sich der Umstand erklären, da man doch annehmen muss, dass sich das mit anderen Gasen aus dem Aus- Ein schweizerischer Petrolgeologe schreibt uns : Die Erdölbohrung von Cuarny, welche von dem belgischen Bohrunternehmer Vingerhoets angesetzt worden ist, hat nun eine Tiefe von 1350 m erreicht. Zur Zeit werden Zementationsarbeiten vorgenommen, um wasserführende Schichten abzuschliessen.- Abbauwürdige Erdölhorizonte sind bis heute noch nicht angetroffen worden; man hegt jedoch die Hoffnung, in den tiefern Schichten Erdöl anzutreffen, welche auf die angebohrten Juraschichten folgen. Von Seite der meisten Schweizer Erdölgeokxsren werden die Aussichten, in den tiefern Schichten abbauwürdige Erdöllager anzutreffen, gering eingeschätzt. Die von denn Bohrunternehmer Vingerhoets vertretene Ansicht, dass in Europa wie in den Appalachen der Vereinigten Staaten die ganz alten Gesteinsschichten die hauptsächlichsten Erdölträger seien, hat sich bis jetzt nicht bestätigt; jedenfalls haben die zur Bestätigung dieser Theorie in Belgien und Deutschland vorgenommenen Bohrungen noch keine' erspriesslichen Resultate gezeitigt. Im Verhältnis zu den heute bei Erdölbohrungen erzielten Bohrfortschritten sind die bisherigen Bohrleistungen bei Cuarny stark unter dem Durchschnitt. Es soll nun eine weitere Erdölbohrung im südlichen Teil des westschweizerischen Mittellandes im Joratgebiet, 1 km südwestlich des Dorfes Servion, vorgenommen werden. Der Bohrpunkt liegt auf einer Falte, welche von Lausanne ins obere Broyetal verläuft. Auf dieser .Falte ist schon vor 10 Jahren von l puffrohr ausströmende Kohlenoxyd sehr rasch mit der Aussenluft vermischt ? 3. Lässt sich der Kohlenoxydgehalt im fahrenden Auto durch konstruktive Massnahmen verringern und zutreffenden Falls durch welche ? Diese drei Fragen sollen hier einerseits durch die Ergebnisse von Versuchen, bei welchen Gasmessungen in fahrenden Automobilen vorgenommen wurden, anderseits durch die Erkenntnisse der Aerodynamik auf Grund von Modellmessungen im Windkanal beantwortet werden. Die Gasversuohe, deren Resultate hier benuUt werden, sind im Auftrag privater Firmen von der Versuchsanstalt der Kraftfahrzeugüberwachungsgesellschait Berlin in der Nähe von Frankfurt, vom Chemischen Laboratorium der Universität in Freiburg i. Br. und vom Laboratorium des Kantonschemikers in Luzern ausgeführt worden. Die aerodynamischen Versuche stammen teils vom Verfasser selbst, teils wurden die Ergebnisse Die Erdölbohrungen in der Westschweiz Dr. Arnold Heim eine Versuchsbohrung auf Erdöl vorgeschlagen worden. Auch der Basler Geologe Dr. Tobler hat vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Falte von Lausanne für die Abklärung des Vorkommens für Erdöl in der Molasse untersucht werden sollte. Von Seite verschiedener Petrolgeologen wird vermutet, dass die ältesten Molasseschichten, die übrigens bei Servion mehr als 10O0 m tief liegen, erdölführend sein könnten. Von andern Petrolgeologen werden die Aussichten, in den Molasseschichten der Westschweiz abbauwürdige Erdölhorizonte zu finden, recht gering eingeschätzt. Wie in andern Ländern, so wird auch in der Schweiz der Bohrmeissel das Problem des Vorkommens wirtschaftlich ausbeutbarer Erdöllager lösen müssen. Von Seite der Behörden werden die Versuche zur Abklärung des Vorkommens von Erdöl in der Schweiz mit Interesse verfolgt, nicht zuletzt aus wehrwirtschaftlichen Erwägungen. Eine landeseigene Erdölindustrie wäre von grosser Bedeutung für die Versorgung unserer Armee mit Erdölprodukten, besonders im Kriegsfalle. Grundsätzlich sind deshalb alle Versuche zur Feststellung von Erdölvorkommen zu begrüssen; es darf jedoch erwartet werden, dass alle Explorationen mit Umsicht und unter fachmännischer Leitung von Seite schweizerischer Erdölgeologen vorgenommen werden. Es ist wohl noch wenig bekannt, dass bis jetzt keine einzige Erdölbohrung in der Schweiz von Schweizer Petrolgeologen angesetzt und fortlaufend kontrolliert worden ist. In dieser Nummer: Am Rande der Berliner Ausstellung. Sportnachrichten aus aller Welt. Wenn der Motor nicht zieht. Ergebnisse unseres Salon- Wettbewerbes. Beilage: der verschiedenen europäischen und amerikanischen Versuchsanstalten für Aerodynamik herangezogen. Der vorliegende Bericht fasst die Ergebnisse, welche für die drei Fragen Bedeutung haben, zusammen und gibt so einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand «ier hierauf bezüglichen Erkenntnisse. 1. Die Gasme-ssungen im Fiihrerranm von Automobilen sind nach verschiedenen Methoden vorgenommen worden. Die Messbedingungen waren unter dpn Gesichtspunkten, normale und ungünstige Verhältnisse zu erfassen, aufgestellt worden. So erfolgten Versuche bei ganz und teilweise geschlossenen Fenslern, bei Fahrten hinter Lastwagen, bei Stillstand des Wagens mit Zigarren- und zigaretlenrauolienden Insassen. Es wurde in Fussbodennähe, in Kopfhöhe und in der Nähe der Decke, im Bereich der Vorderund im Bereich der Fondssitze gemessen. Es ist deshalb weiter nicht verwunderlich, dass die Messergebnisse ziemlich stark streuen. Aber es Hessen sich trotzdem einige grundlegende Erkenntnisse gewinnen. Vor allem steht fest, dass in einer normalen Limousine unter gar nicht besonders ungünstigen Umständen ein Kohlenoxydgehalt von 0,17—0,36 %o und vorübergehend sogar, — bei längeren Fahrten hinter Lastwagen mit schlecht einaestellten Motoren-, von über 1 %• vorhanden ist. Es wird also nicht nur die toxische Grenze erreicht, sondern es tritt in extremen Fällen ein Kohlenoxydgehalt auf, der bereits schwere Vergiftungserscheinungen bewirken kann. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass die höchsten Werte keinesfalls bei geschlossenen Fenstern registriert wurden (abgesehen von den Versuchen bei stillstehenden Wagen mit Zigarren- und zigarettenrauchenden Insassen, die rund 0,2 %o ergaben), sondern im Gegenteil bei teilweise geöffneten Seitenfenstern. Selbst bei Ueberholung von Lastwagen, hinter denen vorher längere Zeit gefahren worden war, und beim Start nach den Zigarrenra'uchversuchea dauerte die Wiederherstellung eines gesundheitsunschädlichen Zustandes der Luft im Fahrerraum fast gleich lang hei geschlossenen wie bei teilweiss geöffneten Seitenfenstern, und zwar mehrere Minuten. Nur bei ganz geöffneten Seüenfenstern oder bei geöffneter Windschutzscheibe konnte diese Zeit unter eine Minute herabgedrückt werden. Dipse bedeutsame Tatsache hat aerodynamische Gründe, die bereits die zweite und dritte Frage betreffen. (Schluss folgt.) Blatt im Wind. Von Joe Lederer. 16. Fortsetzung. «Nein», sagte Cary. «Erst am nächsten Morgen. Es ist hell geworden, und ich war so müd, du hast sehr unrasiert ausgesehn, die Sonne war ganz rosa, und ich bin aus deinem Zimmer fortgegangen.» «Cary...», sagte Hubert. Er begriff nicht, er setzte sich auf und starrte ihr Gesicht an. «Ich hab Spass gemacht. Mein Liebes, bitte, bitte, sieh mich nicht so an. Die Wahrheit ist, es hat schon in Palma angefangen.» «Lüg mich jetzt nicht an», sagte er. Sie streckte die Arme aus und küsste ihn. Er hörte ihr Herz schlagen. «Ich lieb dich sehr», sagte sie. «Mehr kann ich nicht lieben, als ich jetzt liebe. Aber vielleicht ist es nicht genug.» «Cary, Cary», sagte er. «Ich bien, wie ich bin. Nicht wahr, du weisst, wie ich bin. Vielleicht müsste ich dich noch ganz anders lieben, aber ich kann dich nur auf meine Art lieben.» «Du musst,schlafen, Cary, du bist müd.» «Ich bin müde», sagte sie. «Ich bin schrecklich müd. Und du weisst, dass ich dich liebe?» «Schöne, Gute, Einzige», sagte er. Er deckte sie zu und küsste sie auf die Schläfe. «Ich muss noch beten», sagte sie schläfrig. Sie hob die Hände zum Gesicht und lag still. «Gute Nacht», sagte sie nach einer Weile. Hubert flüsterte: «Was hast du denn gebetet?» «Nachtgebet», sagte sie. Sie blieben zwei Tage in Mauer, sie schliefen vormittags und gingen nachmittags zwischen den Weingärten spazieren, und sie waren wach, bis die Morgendämmerung kam. Dann mussten sie wieder in die Stadt zurück. Sie sassen Hand in Hand in einer ratternden Taxe. Hubert stieg erst beim Burgtor aus dem Wagen. Zwanzig Minuten später rief er vom Parkhotel aus bei Cary an. Theres war am Telephon, sie sprach mit leicht resignierter Stimme, und Hubert hatte das Gefühl, dass sie nicht an Budapest glaubte. «Ob Cary zurück ist? Ja, mein Lieber, seit einer Viertelstunde. Nein, mein lieber Hubert, ich kann leider nicht mit euch ausgehen. Ja, Cary ist soeben ins Zimmer gekommen.» «Hallo», sagte Cary. «Ich wollte, du wärst bei mir», sagte Hubert. «Ich sitz ganz allein auf meinem Bett, und ich wollte, du wärst bei mir.» «Wenn du um halbacht kommst, können wir zusammen essen.» «Ist Theres noch im Zimmer?» «Ja.» «Cary», sagte er, «ich wollte, du wärst bei mir.» Um halbacht war Hubert am Kohlmarkt. Die Salontür war halb offen, und er ging langsam durch den dunklen Salon. Das Grammophon klang ihm entgegen, es war eine Walzermelodie, halblaut und mit vielen Geigen. Cary war im Wohnzimmer, sie hörte ihn nicht kommen. Sie sass in dem grossen Lehnsessel beim Bücherregal und horchte auf die Musik. Der Chor der Geigen schwirrte und sang. Hubert blieb in dem dunklen Salon stehen und sah zu ihr hinüber. Sie hatte das Kinn in die Hände gestützt und rauchte. Hinter dem Lehnsessel brannte eine Lampe, und das Licht fiel auf ihr Haar. Sie sass ganz still. Nur einmal streckte sie die Hände aus und griff nach einem Brief, der neben dem Grammophon lag. Aber sie schien ihn schon gelesen zu haben, sie blickte nur flüchtig hinein und legte ihn wieder zurück. Das Grammophon klang mit lauten Geigentönen aus. Cary beugte sich vor und stellte die Platte ab. Als Hubert über die Schwefle trat, sah sie plötzlich auf. Sie begann zu lächeln. Er ging zu ihr, sie sass in dem tiefen Stuhl, und er musste sich herunterbücken, um sie zu küssen. Es war, als hätte er sie länge nicht gesehen. Er wusste nichts zu sagen. Er lehnte seine Stirn an ihre Wange undschloss die Augen. «Was?» sagte Cary leise. «Was ist? Müde?» «Nein», sagte er> ohne.die Augen zu öffnen. «Traurig?» «Glücklich.» Durch die offenen Fenster kam die lau« Abendluft. « War alles in Ordnung mit Therese ? »