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E_1938_Zeitung_Nr.031

E_1938_Zeitung_Nr.031

BERN, Dienstag, 12. April 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 31 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE« AlUfab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtltch abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit liwassenversicherunsrt vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freltaa Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gelhr Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breit enniirntr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern GesrtiartsUrlle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 46 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratensrhln«! 4 Teoe vor Enehelnrn der Nummer Grosszügigere Strassenbaupolitik Infolge der Eingliederung Oesterreichs ins reichsdeutsche Hoheitsgebiet sieht sich die Schweiz in ihrer Eigenschaft als Nachbarstaat heute nicht nur vor aussen- und militärpolitisch, sondern auch vor verkehrspolitisch durchaus neuen Situationen. Oesterreich hat in den letzten Jahren unsern Fremdenverkehr stark konkurrenziert, es hatte uns seit einiger Zeit schon vor allem im alpinen Strassenbau überflügelt: Welche unserer Alpenrouten dürften wir mit gutem Gewissen der Grossglocknerstrasse gegenüberstellen? Und doch sind, die Lehrmeister auf dem Gebiete des alpinen Strassenbaues schweizerische Bauingenieure gewesen! Gewesen — denn heute müssen sich unsere Strassenfachmänner durch Besichtigung ausländischer Baustellen über die technischen Fortschritte, über die unaufhörlich vorwärts drängende Entwicklung des Strassenbaues orientieren. Das alte Oesterreich, dem die Bereitstellung der für seinen Strassenaus- und -neubau erforderlichen Mittel nur unter grossen Schwierigkeiten gelang, war uns im Augenblick seiner Annexion strassenbau- und damit auch fremdenverkehrspolitisch um mehr als eine Nasenlänge voraus. Was wird seine Einbeziehung ins grossdeutsche Reich auf diesem Gebiete für Folgen zeitigen, wie wird sich der Ausbau seines Strassennetzes, nach reichsdeutschen Gesichtspunkten betrieben, für uns auswirken? Wie anlässlich der Machtübernahme durch Hitler im Jahre 1933, Hess auch nach der Einverleibung Oesterreichs im Jahre 1938 die Aufstellung eines ein sonderbares Ueberbleibsel sei. Die Sonne schien und schien, dass die Regenschirme Kummerfalten bekamen, und der Himmel war so blau, dass sämtliche Tessiner- und andere Rivieraplakate verschämt die Augen niederschlugen und vor lauter Neid eine leichte Gelbsucht kriegten. Kurz, männiglich erwachte mit einem Male aus dem Winterschlaf und wurde sich peinvoll des angesetzten Winterspecks bewusst. Da hatte man an Weihnachten und Neujahr und bei manch anderem gastlichen Gelage wider den Geist der schlanken Linie gesündigt. Man war sorglos in der Trambahn gefahren, man hatte ein Sündengeld tropfen- und spritzerweise in Taxifahrten angelegt, man war mit tapferen Freunden in deren Automobilen gefahren und nun verspürte man auf einmal die Lust, grosse Wege zu Fuss zurückzulegen und die letztjährige, treue, alte Flanellhose wieder zu Ehren kommen zu lassen, bei welchen Unternehmungen einem dann in peinsamer Weise besagter Winterspeck mehr oder weniger in den Weg kam. Ein sonderbarer Drang in die Ferne regte sich, wobei sich das Unterbewusstseln hämisch grinsend mit Nomaden- und Wanderburschenherrlichkeit zu beschäftigen beliebte. Die fürchterlichsten Pessimisten kämpften auf verlorenem Posten, und man sah täglich weniger Leute auf den Strassen, die sich noch halb misstrauisch, halb gewissenhaft mit Regenschirmen abschleppten. Und zuletzt war auch der letzte Pessimist besiegt und riskierte auf dem linken, hinteren Stockzahn (der ja wohl doch bald ein Loch haben würde!) ein zuversichtlich gemeintes Lächeln. Was Wunder, dass sich da In der Brust des Automobilisten, der ja, wie eingangs bemerkt, als I notorischer Optimist verschrien ist, allerhand Gewirklich grosszügigen Strassenbauprogrammes nicht auf sich warten. Einst wie jetzt betraf eine der ersten Amtshandlungen der nationalsozialistischen Regierung die Schaffung hervorragender Verbindungswege. Für das alte Reichsgebiet sah man damals ein Autostrassennetz von 7000 km, resp. heute von 10 000 km Länge vor; zwecks streckenmässiger Aufschliessung soll nun Oesterreich ebenfalls ein 1100 km langes Fernstrassennetz erhalten. Projektiert sind die nachfolgenden neuen Autostrassenverbindungen: 1. Salzburg, bzw. Passau, Linz, Wien, und zwar als Teilstück der grossen Durchgangsverbindung London-Istanbul gedacht; 2. Wien, Semmering, Brück, Radstadt, Salzburg mit Abzweigung nach Graz; 3. Inntallinie Kufstein, Schwaz, Innsbruck mit Anschluss an die Reichsautobahn München-Salzburg bei Rosenheim. Daneben wurde mit den Bauarbeiten auf dem Teilstück Salzburg-Wien der Transkontinentalen unverzüglich begonnen, so dass die Strecke bereits im Jahre 1941 dem Verkehr übergeben werden dürfte. In ihren Auswirkungen für unsere schweizerischen Verhältnisse besonders bedeutsam kann der beabsichtigte Bau einer zweiten Tirolerstrecke als Teilstück der Autobahn Berlin-Müncheh- Rom gedacht werden. Die Trasse dieser Strasse zweigt an der Südspitze des Starnbergersees von der Autostrasse München-Bodensee ab und stösst, zwischen Kochel- und Walchensee durchführend, ins Isartal vor, um dann in nordsüdlicher Richtung an Innsbruck vorbei den 1370 m hohen Brennersattel zu erreichen. Grundsätzlich beschlossen wurde die Autoverbindung Berlin-Rom im Jahre 1937. Heute spricht man schon von einer Reservestrasse über den Zentralalpenkamm, welche im Falle einer Unterbrechung der Brennerroute zufolge Naturereignissen die Verbindung herstellen soll. Vorgesehen scheint hiefür die Strasse von Tirols Hauptstadt inntalaufwärts über Landeck zur Reschenscheldeck, deren Gelände geologisch bedeutend ruhiger ist als das Brennergebiet. Diese projektierten Bauten machen zusammen mit. den im südlichen Teil Deutschlands bereits bestehenden Reichsautobahnen eine bequeme Erreichung des Reiselandes Oesterreich nicht nur vom Süden her, sondern über München auch vom westlichen und nördlichen Deutschland her möglich. Welche Bedeutung kommt nun dieser sehr aktiven verkehrspolitischen Erschliessnng Oesterreichs für unsere Strassenbaupolitik zu ? Zugegeben — der rasche Einmarsch deutscher Truppen in Oesterreich hat mit aller Deutlichkeit auch die Kehrseite gutausgebauter Fernverkehrsstrassen illustriert. Lebte Moltke heute, dann müsste er seinem seinerzeitigen Ausruf: Bauen Sie nicht Festungen, sondern Eisenbahnen! jedenfalls hinzufügen: Ober besser noch Strassen und Motorfahrzeuge! Deshalb bedarf auch der Entscheid, ob beispielsweise die von Domo- Hurrah, jetzt kann's wieder losgehen! Die Freude leuchtet dem Kleinen strahlend aus den Augen. In dieser Nummer s Automobil-Weltproduktton auf neuem Rekordstand. Der Äutotunnel unter dem Fort de 1'EcIuse. Delahaye vor Mercedes-Benz in Pau. Alles unter Schloss und Riegel. Güterbeförderung mit Motorfahrzeugen im Juni 1937. Beilage: dossola durchs Val Formazza zum Giacomopass hinaufführende Strasse auf der Schweizerseite abgenommen und nach Alaqua resp. ins Bedretto hinuntergeführt werden soll, reiflicher Ueberlegung. Und so wenig geneigt man uns in diesem Falle zur Aushändigung einer Art Passierscheines an Italien zwecks müheloser Erreichung des Südportals unseres Gotthardtunnels finden dürfte, so wenig werden solche Ueber!egungen bei ähnlichen Entscheiden an, der Nord- resp. Ostgrenze ausser Betracht fallen. Diese vor allem militärpolitische Betrachtungsweise des Strassenbauproblems darf aber unter keinen Umständen als Argument gegen die Erstellung neuzeitlicher Strassenzüge an und für sich ausgewertet werden. Eigentliche Autostrassen dürften für uns überdies kaum in Betracht fallen. Was dagegen bitter not tut und wogegen militärische Be* denken gar nicht bestehen können, ist eine möglichst rasche und durchgreifende Verbesserung des recht schlechten Zustandes zahlreicher Strassenzüge 1. Klasse. So sollten wir beispielsweise gerade im Interesse des internationalen Fremdenverkehrs und zur Abwehr der vermehrten Konkurrenzierung durch die Brennerroute das letzte Teilstück der Gotthardstrasse nicht erst im Jahre 1942 in Angriff nehmen. Der Ausbau muss möglichst beschleunigt werden. Denn wenn der Brenner schon zu einer verkehrspolitischen Achse gemacht wird, müssen wir daraus die Pflicht ableiten, nichts unversucht zu lassen, um wenigstens einen Teil des an unserer Ostgrenze vorüberrollenden Verkehrs trotz allem abzuleiten. So unmöglich ist das nämlich gar Tüiedetsehensfaeuden im £etiz Von Fridolin. Pessimisten sind vorsichtige Leute. Es soll sogar pessimistische Automobilisten geben, obwohl viele behaupten, heute müsse man schon Optimist sein, wenn man überhaupt ein Automobilist sein wolle. Die Behauptung ist nicht von der Hand zu weisen. Der Frühling naht rrHt Brausen — wenigstens das Dichterwort will es so haben. Aber wir wissen ja, die Dichter... I Wer dieses Jahr auf das Brausen gewartet hat, hat eben umsonst gewartet. Es sei denn, er habe sich im stillen Kämmerlein eine Brauselimonade zusammengebraut, oder hie und da ein Brausepulver genommen, um wenigstens den Frühling komplett zu haben. Weniger exakte Frühiings-Schwärmer dürften mit wachsendem Erstaunen aus ihren Fenstern in den März hinausgeblickt und sich wie tausend andere bass darüber gewundert haben, wieviel dieser März vom üblichen Mai an sich hatte. Wir wissen, dass der leibesumfang in Kilo, auf der Waage, gemessen wird; wir wissen, dass der Liter Benzin in Rappen gemessen wird — aber dass der Sonnenschein nicht nach Celsius, sondern nach Stunden gemessen wird, das blieb der modernen Meteorologie vorbehalten. Und in dieser Hinsicht war der März eben schon fast kein März mehr. Ein Rekordmonat war er, heisst es. Ein richtiger kleiner Bruder des Monats Mai und ein Vetter des Monats Juni. Jedenfalls fiel es einem plötzlich auf, dass man da aus alter Gewohnheit tagaus, tagein einen Mantel trug, und dass ein Mantel eigentlich ein höchst störender Ballast, und dass schliessJich auch die Weste löste nach ferner gelegenen Gegenden zu regen begannen? Die Gedanken begannen plötzlich in aufdringlichster Weise immer öfter um den fast vergessenen, eigenen Wagen zu kreisen, den man dereinst im vergangenen Herbst aus Sparsamkeitsrücksichten zu einem langen Schlaf verurteilt hatte. Was doch so eine längere Trennung für einen guten Einfluss auf die Gefühle haben kann! Mit Sehnsucht gedachte man der treuen Kiste und die Phantasie gaukelte sie einem fast als Rennwagen vor. Vor dem geistigen Auge erstand der Wagen in seiner ganzen, jungfräulichen Pracht der ersten Tage. Schon sah man sich im Polohemd und ohne Hut über aalglatte Landstrassen dahinjagen, alles überholend, was vor einem her zuckelte. Ueberholen ist Optimismus *— wieder ein Beweis dafür, dass wir wohl eben doch Optimisten sind, samt und sonders. Wer hätte noch nie überholt? * So nimmt man denn schliesslich ein grosses Stück von diesem Optimismus in beide Hände und sieht mal im Strumpf nach, wie dort das Niveau steht? (Bessere Leute sollen sogar einen schriftlichen Strumpf auf einer Bank unterhalten). Nach einigem Kopfschütteln tut man den bewussten, tiefen Griff hinein und wandert zu jener Amtsstube, die immer nach Bodenöl und Stumpenrauch duftet und berappt die Steuer. Bezahlt ist bezahlt; also kehrt man mit den Nummern unterm Arm nach Hause zurück und tänzelt pfeifend durch den sonnigen Garten zur Garage. Jetzt kann's losgehen. Der grosse Moment ist da. Die trockenste Zigarre, die schaurigste Krawatte kann unter dem Weihnachtsbaum einen gewissen Glanz abbekommen. Also kurbeln wir ouch ietzt die Einbildungskraft kräftig an und öffnen die Türe zur Garage. Da werden wir unsern wunderschönen Wagen wiederfinden. Das Tor steht offen und wir angewurzelt. Also das ist er? Ja, wo hat man denn seine Augen nur immer gehabt? Man wusste ja wohl, dass das gute Möbel nicht mehr der Jüngsten eines war. Aber immerhin. . Es ist doch ewig die gleiche Geschichte I Wer an irgendetwas eine schöne Erinnerung hat, sollte dieselbe für sich behalten und still geniessen. Ja nicht zum Tatort zurückkehren. Man wäre nur enttäuscht. So ist es mit Süssigkeiten, für die man In der Kindheit jedes Verbrechen riskiert hätte. So ist es mit der ersten, grossen Liebe: Um Gotteswillen nicht nach zwanzig Jahren wiedersehen wollen! Wozu noch mehr Beispiele? Jeder mag die Liste selber verlängern. Etwas niedergeschlagen pilgert man also einmal um den Wagen herum und. beschnüffelt ihn von allen Seiten. Dafür hat man also Steuern bezahlt? Und Versicherung? Darauf soll man sich gefreut haben? Ob es wohl besser wird, wenn man erst einmal drin sitzt? Er macht (a zwar keine hundert mehr und die Federung ist auch etwas holprig geworden mit den Jahren. Die Fenster rütteln bedenklich in ihren Rahmen und der Oelverbrauch ist nicht gerade von Pappe. Der Wagen des Freundes hat so eine fabelhafte, neumodische Schaltung — nur ein Hebelchen unterm Steuer. Einfach toll. Und da Fortsetzung des Feuilletons «Blatt im Wind» in nächster Nummer.