Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.034

E_1938_Zeitung_Nr.034

BERN, Dienstag, 26. April 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Ei Aufgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10*— Ausland mit Portozuschlae, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Grlbe Liste** REDAKTION a. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse" 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die «ehtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarll tnseratenseblros 4 Tage vor Erseheinen der Nummer £in Uaquwcdiqts Jkapa^attdamUtel Das verbilligte Ausländerbenzin Rund 800.000 Fr. gab der Bund 1937 für dieses Dumping aus. — Die Kehrseite der Medaille: Abwanderung der Schweizer Automobilisten ins Ausland. « Die Rückvergütung für das von den fremden Kurgästen in der Schweiz bezogene Benzin wurde, in Anpassung an den Zapf- Säulenpreis, von 13 Rappen auf 15 Rappen pro Liter erhöht. Aus diesem Grund und infolge der Wiederbelebung des Fremdenverkehrs wurde in 49 242 Fällen an ausländische Feriengäste der Gesamtbetrag von ca. Fr. 800.000 (1936: ca. Fr. 500.000) zurückvergütet >, lesen wir im Geschäftsbericht des Eidg. Finanz- und Zolldepartements für 1937. Unseres Wissens geschieht es damit zum erstenmal, dass die Behörden der Oeffentlichkeit genaue Rechenschaft über die Zahl der Ausländer ablegen, welche von der — nebenbei bemerkt auch auf das laufende Jahr ausgedehnten — Möglichkeit des verbilligten Benzinbezugs Gebrauch gemacht haben. Ob man es bei der Abfassung des Berichts wollte oder nicht: mit den paar wenigen Sätzen über diese Dumping-Aktion, denn um nichts anderes handelt es sich, strafen die Behörden sich selbst und ihre eigene Fiskalpolitik gegenüber dem schweizerischen Automobilwesen Lügen. Zum einen nämlich schliesst allein schon die Tatsache, dass sich der Bundesrat entschlossen hat, den fremden Autogästen das Benzin zu einem um nahezu ein Drittel ermässigten Ansatz auszuschenken, eo ipso das Eingeständnis in sich, er knöpfe dem biederen Eidgenossen für diesen ganz besondern Saft einen weit übersetzten Preis ab. Und wenn zum andern, nicht ohne eine gewisse Genugtuung ob des erzielten «Erfolgs», auf die vermehrte Inanspruchnahme des den Ausländern so grossmütig gewährten Entgegenkommens und auf die Erhöhung der Bundesaufwendungen für das Fremdenbenzin, teilweise als Folge der neu dekretierten, noch weiter gehenden Preisreduktion hingewiesen wird, dann liefert uns das Finanzdepartement damit den Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptung, wonach der Bund mit dem Säulenpreis herunter müsse, um die am Boden liegende Automobilwirtschaft unseres Landes wieder aufzurichten. Währenddem er aber bei der Preissenkung auf dem Fremdenbenzin noch Hunderttausende zulegen durfte, würde er bei einer gleichen Massnahme zugunsten der einheimischen Fahrzeugbesitzer seine Einnahmen wachsen sehen, ganz zu schweigen von der Befruchtung der allgemeinen Wirtschaft, der ein solcher Schritt rufen würde. Aber halt, das ist etwas ganz anderes. Die Henne, welche die goldenen Eier legt, darf in ihren Leistungen nicht herabgesetzt werden. Als ob sie es nicht schon längst wäre, dank dem überaus « einnehmenden Wesen », das der Fiskus dem Auto gegenüber an den Tag legt und wovon er sich trotz dem offensichtlichen Misslingen seiner 'Schröpf- methoden nicht abbringen lässt. Was für ein Fiasko er mit seiner Politik der Schraube ohne Ende hat einstecken müssen, bringt folgende einfache Kopfrechnung an den Tag: 16 Millionen Mehrerlös sollten als Erträgnis der 1936 vorgenommenen Benzinzollerhöhung von 20 auf 28 Rappen in seine Kasse fliessen. 10,4 Millionen warf der neue Fischzug im Brennstoff tank ab, doch gleichzeitig sohrumpften die Einnahmen aus der Automobileinfuhr um 5,9 Millionen zusammen. Setzt man djeses Minus in die Rechnung ein, so bleiben an Stelle der 16 Millionen, die sich auf dem Papier so verheissungsvoll ausgenommen, noch ganze 4,5 Millionen an Einnahmesteigerung. So reagiert die ausgesaugte und ausgelaugte Automobilwirtschaft auf den untragbaren Steuerdruck. Doch kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen, zum Fremdenbenzin zurück. Rund Fr. 800.000 hat der Bund im letzten Jahr dafür geopfert, für eine Massnahme, deren Wert der Präsident des Schweiz. Fremdenverkehrsverbandes mit den Worten charakterisiert, sie könne mit dauerhaftem Erfolg für die Binnenwirtschaft nur von Ländern mit Devisenbewirtschaftung oder sonstigen Ausreisekontrollen angewendet werden, denn die Vergünstigung führe zu einer Verärgerung der Inländer und dränge sie nach fremden Staaten ab. Womit es allerdings seine Richtigkeit hat. Vor Juli 1936 bis Juni 1937 empfing beispielsweise Deutschland 91,000 Motorfahrzeuge mit dem CH-Schild bei sich, währenddem es im Jahr zuvor nur 82,000 waren. Weil wir gerade von unserem nördlichen Nachbarn sprechen, so sei in diesem Zusammenhang die Tatsache hervorgehoben, dass sich der fremde Autotoürisfnus nach Deutschland unaufhörlich in ansteigender Linie entwickelt (541,972 Einreisen im Jahr 1934/35, 603,313 im Jahr 1935/36 und 797,000 von Juli 1936 bis Juni 1937), wiewohl es auf Lockmittel wie das Ausländerbenzin verzichtet. Dafür kann es mit seinen Reichsautobahnen werben. Neben der Flucht ins Ausland, wofür sich unser Gastgewerbe beim Bundesrat bedanken mag, macht sich die Ungehaltenheit der einheimischen Automobilisten darüber, dass sie Nach Art. 27 des Motorfahrzeuggesetzes hat bei Strassengabelungen und -kreuzungen der Fahrer einem gleichzeitig von rechts kommenden Fahrzeug den Vortritt zu lassen; werden bestimmte Strassen als Hauptstrassen gekennzeichnet, so hat das auf der Hauptstrasse verkehrende Fahrzeug den Vortritt. Am Nachmittag des 9. Oktober 1937 fuhr in Basel ein Lastwagen durch die Schützenmattstrasse, während sich zugleich ein Personenwagen durch die Eulerstrasse der Strassenkreuzung näherte. Der Lastwagen fuhr mit 2fr~25 km, der Personenwagen mit 20 km Geschwindigkeit; da der Lastwagen von rechts kam, hatte er nach Art. 27 MFG das Vortrittsrecht, doch langte der Personenwagen einen Augenblick früher an der Kreuzung an, worauf er hinten vom Lastwagen angerannt und umgeworfen wurde. Ein Insasse des Personenautos wurde verletzt und es entstand erheblicher Sachschaden. Der Polizeigerichtspräsident von Baselstadt entschied, dass das Vortrittsrecht des Lastwagenführers hier nicht in Frage gekommen sei; dieser hätte vielmehr nach der Vorschrift des Art. 25 MFG die Geschwindigkeit den gegebenen Verkehrsverhältnissen anpassen, also langsamer fahren sollen. Er verhängte daher über den Lastwagenführer eine Busse, während er den Lenker des Personenautos freisprach. Das Urteil wurde vom Appellationsgericht Baselstadt bestätigt In seiner letzten Sitzung hat der Kassationshof des Bundesgerichts eine vom Lastwagenführer eingereichte Nichtigkeitsbeschwerde begründet erklärt und den Lastwagenchauffeur freigesprochen. Nach der bundesgerichtlichen Praxis ist ein ihr eigener Staat schlechter behandelt als die Fremden, noch in einer anderen Form Luft: im Stillesitzen. Man schränkt seine Vergnügungsfahrten ein, weil man will, nicht selten auch, weil man bei dem astronomischen Benzinpreis,, womit uns der Bund bedacht, auch muss. Dafür hat der nämliche Bund bis Ende 1937 für Sanierungsdarlehen und Betriebsvorschüsse an unsere Hotelerie Subventionen in der Höhe von 5,6 Millionen Franken ausgerichtet. Wie sich das zusammenreimen soll, darüber zerbrechen wir uns umsonst den Kopf. Fest steht für uns lediglich das eine: dass die Schaffung des Ausländerbenzins ein Palliativmittelchen ist und bleiben muss, solange man sich nicht dazu aufrafft, endlich dem Binnen-Reiseverkehr, wozu selbstredend auch der Autotourismus zählt, auf dem Wege einer Verbilligung neuen Auftrieb zu verleihen. Vor zwei Jahren bald ist dieser Ruf zum erstenmal laut geworden. Seither marschieren wir an Ort. Noch geht es uns und dem Bund anscheinend nicht schlecht genug, als dass er an einen Abbau der ruinösen Treibstoff-Zollbelastung heranzutreten gedächte. Vom Vortriitsreckt (Aus dem Bundesgericht.) gleichzeitiges Eintreffen an einer Strassenkreuzung im Sinne von Art. 27 MFG jedesmal dann anzunehmen, «wenn der Vortrittsberechtigte seine Fahrt nicht ungestört fortsetzen könnte, ohne mit dem seine Fahrbahn kreuzenden oder in diese einschwenkenden andern Fahrzeug zu kollidieren ». Schon die Tatsache, dass es hier zum Zusammenstoss kam, beweist also die Gleichzeitigkeit im Sinne von Art. 27. Somit konnte sich der Lastwagenchauffeur darauf verlassen, dass sein Vortrittsrecht von dem von links kommenden Fahrzeug beachtet werde und es war ihm nicht zuzumuten, sein Tempo zu massigen, um einen um einen Augenblick früher von links eintreffenden Wagen passieren zu lassen; auch ist ihm kein Vorwurf daraus zu machen, dass er die Fahrt beschleunigte, denn es wird als Anstandspflicht des Vortrittsberechtigten angesehen, den andern Wagen möglichst wenig zu behindern. * Der Autofahrer S. fuhr nachts in Kilchberg bei Zürich die Hornhaldenstrasse herab, die in einer scharfen Linkskurve in die nach Zürich führende Seestrasse einmündet. Er schnitt diese Kurve und hatte schon die Seestrasse zur Hälfte überquert, also dort seine rechte Strassenseite gewonnen, als er mit dem aus entgegengesetzter Richtung eintreffenden Wagen des B. zusamtnenstiess. Beide Wagen wurden erheblich beschädigt. S. wurde wegen Schneidens der Kurve und Missachtung des Vortrittsrechtes mit 30 Fr. vom Bezirksgericht Horgen gebüsst und der Kassationshof des Bundesgerichts hat die hiegegen eingereichte Nichtigkeitsbeschwerde abgewiesen. S. hatte das Schneiden der Kurve nicht bestritten und es handelte sich nur noch Die Sieger der Gelände- und Orientierungsfahrt Neuenburg In dieser Nummer: Weltrundfahrt im Automobil. 2. Nat. Gelände- und Orientierungsfahrt Neuenburg. Grosser Preis von Zürich 1939. Vom Umgang mit Schmierpressen. Automobil-Aussenhandel 1937. S Links: Santschi, Chaux-de-Fonds (links) und sein Mitfahrer Willy Bernath. der Schweiz. Ex-Skimeister (rechts) erzielten auf Peugeot die beste Tageszeit und holten sich damit den ersten Bang der Experten und der reservierten Konkurrenz. Rechts: Der Berner Nikiaus (links) auf Riley klassierte sich, mit seinem Passagier Hohl als bester Amateur,