Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.053

E_1938_Zeitung_Nr.053

Freitag, T. Juli 1958 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 53 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Vom Tage Wird unsere Heeresmotorisierung übertrieben ? Anlässlich der Behandlung des Geschäftsberichtes des eidg. Militärdepartementes kritisierte Nationalrat Abt gewisse Mängel beim Pferdebestand unserer. Armee, wobei er davor warnte, nur an die Motorisierung zu denken. Die Kritik Abts mag, was das Pferdematerial anbetrifft, berechtigt sein, unberechtigt dagegen ist sein Vorwurf wegen übertriebener Motorisierungstendenzen. Diesbezüglich sei die Feststellung des Bundesrates in der Botschaft zur neuen Trappenordnung in Erinnerung gerufen, wonach wir in der Schweiz nicht über genügend Motorfahrzeuge verfügen, um die dringend nötige Motorisierung unserer schweren Haubitzbatterien, der Armee- und Korpsartillerie durchzuführen. Was dies bedeutet, kann jedermann ermessen, der in den letzten Monaten die Berichte von den Kriegsschauplätzen verfolgt hat. Aus ihnen war zu erkennen, dass nicht nur bei den angreifenden, sondern auch bei den verteidigenden Truppen grösste Beweglichkeit zur unibedingten Notwendigkeit geworden ist. Durch mechanisierte und motorisierte Truppen rasch vorgetragene Angriffe führen fast immer beim Gegner zum Verlust bedeutender Materäalmengen, wenn sich dieses Material nicht durch geeignete Mittel ebenso schnell verschieben und in neue Stellungen bringen lässt. Wenn also der Bundesrat von einer dringend notwendigen Motorisierung unserer schweren Artillerie redet, sa geschieht dies sicher nicht aus Liebhaberei zum Motorfahrzeug, sondern gestützt auf die im Ausland und auch bei unseren Manövern igemiachten Erfahrungen. Dennoch sucht man vergebens einen behördlichen Hinweis darüber, wie die Zahl der nötigen schweren Lastwagen beschafft werden soll. Die neue Vorlage des Bundesrates über die Verstärkung der Landesverteidigung und die Arbeitsbeischaffung sieht, obgleich nicht weniger als rund 400 Millionen Fr. ausigegeben werden Sollen, für die Anschaffung von Motorfahrzeugen nichts vor. In ihr ist auch kein Ausgabenposten für die Erleichterung der privaten Motorfahrzeughaltung zu finden, obschon ein© solche dazu dienen könnte, der Armee in vermehrten Masse diensttaugliche Fahrzeuge zu verschaffen. Wenn also für die dringend notwendigen Anschaffungen nichts vorgesehen ist, so kann wohl kaum von übertriebenen Motorisierungstendenzen gesprochen werden. Im Gegenteil : in weiten Kreisen ist man darüber beunruhigt, dass diesbezüglich so wenig oder überhaupt nichts geschieht. Nun fehlen uns aber bekanntlich nicht nur Erseheint jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zurieht Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Lastwagen für die schwere Artillerie, sondern Lastwagen überhaupt. Nach unwidersprochen gebliebenen Angaben sollen der Armee nicht weniger als 4000 Lastwagen zur Durchführung der neuen Truppenordnung mangeln. Auch hier ist bisher nichts unternommen worden, das bedenkliche Manko zu decken. Dann fehlen uns die nötigen Fahrzeuge für die Kriegswirtschaft, die Landesversorgung und die eventuell nötige Evakuierung bedrohter Landestgegenden. Im Gegensatz zu den Armeen anderer Länder besitzen wir auch keine geländegängigen Lastwagen, obwohl solche gerade in unserem Gelände nötig wären. Und dann noch eines. Unser Instruktionsmaterial ist vollständig veraltet. Es besteht, neben einer geringen Zahl neuerer Wagen, aus Lastwagen, die in den Kriegsjahren 1916/17 geliefert wurden. Auf diesen langsamen und alten Kasten werden unsere Rekruten ausgebildet. Dass die dabei erworbenen Wagen- und Fahrkenntnisse nicht gerade vollwertig sind, wenn die Leute im Ernstfälle moderne Wagen führen müssen, liegt auf der Hand. Was Fachleute schon lange befürchten, wird sich automatisch einstellen : in den ersten Mobilisationstagen wird seihon, ein Seit 1936 geht es mit dem Ausbau der Alpenstrassen vielerorts in erfreulichem Tempo vorwärts. So wird beispielsweise die Brünigstrasse auf der Bernerseite in wenigen Wochen fertiggestellt sein. Leider konnte der Ausbau einer der schönsten und am meisten befahrenen Alpenstrassen, nämlich der Grimsel, nicht ins erste Ausbauprogramm des Bundesrates aufgenommen werden. Die Grimselstrasse ist nicht schlecht. In den letzten Jahren hat sie viele Verbesserungen erfahren, wie Konsolidierung und Verstärkung der Stützmauern, Profilkorrekturen und Anlage einer Lawinenschutzgalerie. Allein dem heutigen Verkehr ist sie zu schmal Sie bedarf der Verbreiterung auf 6 m, und vor allem einen staubfreien Belag. Ein Land, das so sehr auf den Fremdenverkehr angewiesen ist wie das unsrige, kann es sich nicht leisten, die wichtigsten Fremdenverkehrsstrassen noch auf Jahre hinaus im Staub zu belassen. Die Fremden, die zu uns kommen, um unsere Bergwelt kennen zu lernen und zu gemessen, kehren dem Lande verärgert den I grosser Teil unseres ohnehin viel zu kleinen Wagenparks wegen Defekten infolge unrichtiger Behandlung stilliegen. Aber auch für Erneuerung dieses Parks an Schulfahrzeugen, dessen wir uns wahrhaftig schämen müssen, sind keine Kredite vorgesehen. Der private Motorfahrzeughalter hat bisher ebenfalls nichts davon gemerkt, dass unseren Behörden die Motorisierung der Armee in erster Linie am Herzen liege. In den meisten europäischen Staaten hat man in den letzten Jahren aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen die Motorfahrzeughadtunig erleichtert und sie teilweise von staatswegen stark gefördert. In der Schweiz dagegen hat man alles getan, um die Verbreitung der Motorfahrzeuge durch hohe Steuern, übermässige Brennstoffzölle, durch Gewichtsund Geschwindigkeitsbeschränkungen. Nachtfahrverbote, Schutzmassnahmen für die Eisenbahnen usw. zu hemmen. Im Arbeitsbeschaffungsproigramm sind Ausgaben für den Ausbau der Eisenbahnlinien und für alle möglichen Bauten vorgesehen, für die Motorisierung der Armee, die Erleichterung der privaten Automobilhaltung oder die Hebung unserer industriellen Tätigkeit auf dem Gebiet des Motorwesens dagegen nichts. * Es kommt nicht von ungefähr, wenn höhere Truppenführer und militärische Fachleute aus Pflichtgefühl auf die bedenklichen Fdgen dieser Politik aufmerksam machen. .Statt verdientem Dank hat ihnen dies allerdings^nur einen Rüffel aus parlamentarischen Kreisen eingetragen. Hoffentlich kommt nicht einmal der Tag, an dem die Herren Kritiker erkennen müssen, dass fachmännisches Wissen auch in Militärdmgen etwas gelten sollte. Die Grimselstrasse wird staubfrei Rücken, wenn ihnen auf ihrer Fahrt anstatt der Genuss erfrischender Alpenluft nichts als Staub geboten wird. In Erkenntnis der Bedeutung guter und staubfreier Strassen für die Förderung des Fremdenverkehrs hat das Bernervolk durch den Volksbeschluss über den beschleunigten Ausbau der Fremdenverkehrsstrassen vom 8. Mai dieses Jahres die Mittel zur Beschleunigung des Ausbaues einiger unserer wichtigsten Fremdenverkehrsstrassen oder Teile hievon bewilligt. An der Spitze des bezüglichen Programms steht die Stauibfreimachung der Grimselstrasse mit einem Betrage von 280,000 Fr. Man hat erkannt, dass man damit nicht zuwarten darf, bis endlich im Jahre 1944 (Beginn der zweiten Bauetappe des vom Bund subventionierten Alpenstrassenausbaus) mit dem Einbau eines staubfreien Belages angefangen werden kann, dass es vielmehr unerlässlich ist, die Grimselstrasse in ihrer jetzigen Breite und Gestalt sofort wenigstens staubfrei zu machen. (Schluss Seite 2.) INSERTIONS-PREIS: de achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarit Inseratenseblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Internat Strassenkongress in Holland. Vorschau zum Grossen Preis von Frankreich. Auto-Ski-Meeting am Rhonegletscher. Pfostenlose Karosserien. Fahren lernen — aber bei wem? Beilage: geben oder nicht? 'Aus dem Bundesgericht. Nach Art. 20 des Motorfahrzeuggesetzes hat der Lenker die Warnvorrichtung zu gebrauchen, « wenn es die Sicherheit des Verkehrs erfordert», dagegen ist nach Art. 40 der Vollziehungsverordnung der « grundlose und übermässige Gebrauch » der Warnvorrichtung untersagt. Der Fahrer steht so bezüglich des Gebrauchs der Hupe zwischen einem Gebot und einem Verbot. Auf der über 5*Ä- Meter breiten Strasse von Boniswil nach Birrwil sah ein Autofahrer in einiger Entfernung auf der rechten Seite der Strasse einen abgestiegenen Motorradfahrer und eine Frau im eifrigen Gespräch stehen. Da er reichlich Raum zum Vorbeifahren hatte, gab er kein Hupensignal; im letzten Augenblick aber sprang die durch das Auto erschreckte Frau gerade nach der Strassenmitte und der Automobilist konnte trotz seines weiteren Ausbiegens nach links den Unfall nicht mehr verhüten, bei dem die Frau erheblich verletzt wurde. Das Aargauer Obergericht verurteilte ihn wegen Unterlassung des durch Art. 20 MFG gebotenen Hupensignals zu Fr. 20.— Busse. Das Bundesgericht (Kassationshof) hat die Nichtigkeitsbeschwerde des Automobilisten begründet erklärt und das Bussenurteil aufgehoben. In solchen Lagen muss der Lenker eines Motorfahrzeuges nach seinem Ermessen urteilen, ob die Verkehrssicherheit ein Signal erfordere (Art. 20 MFG) oder ob das Signal als überflüssig untersagt sei (Art. 40 Vo). Wäre im vorliegenden Falle eine Kindergruppe am Wege gestanden, hätte sich der Automobilist sagen müssen, dass deren Verhalten unberechenbar und ein Hupensignal somit notwendig sei. Da es sich aber um Erwachsene handelte, brauchte er nicht mit der sehr entfernten Möglichkeit zu rechnen, dass eine erwachsene Person im kritischen Momente aus Schrecken gerade in die Fahrbahn springen würde. Nach dem gewöhnlichen Blatt im Wind. Von Joe Lederer. 47. Fortsetzung. Ihrem zerschmetterten Hirn war nur noch 'der Begriff der Qual zu Bewusstsein gekommen, nicht mehr der des Todes. Cary lag auf dem Strassenpflaster, mit ausgebreiteten Armen. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt geworden. Sie hatte fünf unendliche Sekunden gebraucht, um zu sterben. Hubert ging in sein Schlafzimmer hinauf und warf sich aufs Bett. Wie die Öhren krochen. Nichts zu tun. Nichts zu denken. Er konnte auch nicht ins Büro gehen. Im Büro sass schon Ross, vor der grossen Oede daheim in die kleinere Oede des Büros geflohen. Und morgen war Sonntag. Der Abend war noch zu überstehen, und die endlose Nacht und noch ein zweiter Tag, und wieder eine Nacht. Er stand auf und holte aus einer kleinen Kassette den Schlüssel hervor, den er darin versteckt hatte. Die Tapetentür knarrte, als er in Carys Zimmer trat. Auf dem niedrigen Tisch neben dem Bett stand, noch immer die kleine weisse Kwan- Yin. Die Glasur spiegelte. Aber in den Mantelfalten, in den gewölbten Blättern der Lotosblüte, hatte sich der Staub festgesetzt. Die Göttin der Barmherzigkeit hielt die eine Hand sanft erhoben, ihr asiatisches Gesicht lächelte unbeweglich. Hubert ging langsam durchs Zimmer, er setzte sich auf den schmalen Hocker vor dem Toilettetisch. Bürsten. Eine Schale mit hellem Puder. Zum erstenmal, und nicht um zu spionieren, zog er die Schubladen auf. Ein Taschenkalender, leer, ohne jede Notiz. Eine Landkarte von Europa. Am Firmenzeichen sah er, dass sie hier, in Shanghai, gekauft war. Warum hatte sie eine Landkarte von Europa gekauft ? Herausgeschnitten aus einer Zeitung eine schlechtgedruckte, grauverwischte Photographie : St. Steiphan's Cathedrale, Vienna. Sie hatte Heimweh gehabt. Aber es rührte ihn nicht. Er hatte kein Mitleid mit ihr. In einer Dose, zwischen Manschettenknöpfen und einem abgegriffenen Sau, lag der Ring mit der Perle. Hubert streckte langsam die Hand aus. Achttausend Dollar. Eine Perle, weisser als der Mond. Es war ihr alles gleich gewesen, eine Perle, oder ein Blumenstrauss für zwanzig Coppers. ein Lied, das ihr gefiel, oder ein Mann, der sie für immer liebte. Und wen liebte sie ? Niemanden. Nur sich selbst; und ihr kleines, fahrlässiges, europäisches Leben. Den kleinen europäischen Jahrmarkt. Mit einer sturen Hartnäckigkeit wünschte er, dass sie hier wäre. Vielleicht hätte er sie geschlagen, zur Tür hinausgejagt oder in sinnloser Gier umarmt. Er sah ihr Gesicht vor sich, mit dem grossen, lächelnden Mund. Verloren. Entglitten und verloren. Schönstes Antlitz. Ein wertloses, törichtes Stück Nichts. Weisser als der Mond. Lois hatte überlegt, ob sie Hubert telegraphieren oder einen Brief schreiben sollte. Aber ein Brief brauchte vier Wochen. Es war möglich, Hubert noch eine Frist von vier Wochen zu schenken. Das entschied. Vier Wochen, ohne dass er davon wusste.