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E_1938_Zeitung_Nr.058

E_1938_Zeitung_Nr.058

BERN, Dienstag, 19. Juli 1938 Liste Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» AnsfmlM A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) Werteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Das Vortrittsrecht in Gesetzgebung und Rechtsspruch ung Dr. R. von Stürler. Wohl die grösste Zahl der vorkommenden Verkehrsunfälle ist auf das unrichtige Verhalten bei Strassenkreuzungen und -einmündungen sowie auf das Ueberholen zurückzuführen. Nicht genug kann deshalb der Motorfahrzeugführer auf seine diesbezüglichen Rechte und Pflichten aufmerksam gemacht werden, wobei schon eingangs darauf hingewiesen sei, dass auch das sogenannte JVortrittsrecht für den Berechtigten Pflichten in sich schliesst. Das Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr regelt in seinem Art. 27 das Verhalten gleichzeitig bei Stras- Sengabelungen oder -kreuzungen eintreffender Fahrzeuge in dem Sinne, dass innerorts Sowie ausserorts überall da, wo eine Strasse nicht besonders als Hauptstrasse gekennzeichnet ist, grundsätzlich das Vortrittsrecht von rechts gilt. Ist eine Strasse als Hauptstrasse gekennzeichnet, hat ausserorts das auf dieser Strasse befindliche Fahrzeug den Vortritt. Im weitern schreibt das Gesetz vor, dass Innerorts und überall da, wo es sich nicht um eine als Hauptstrasse gekennzeichnete Strasse handelt, beide Führer, d. h. sowohl der von rechts als auch der von links kommende, die Geschwindigkeit zu massigen haben. Ist jedoch eine Strasse als, Hauptstrasse markiert, so hat nur das aus der Nebenstrasse kommende Motorfahrzeug die Geschwindigkeit zu massigen. Dabei ist festzuhalten, dass eine Mässigungspflicht allgemein dann nicht besteht, wenn die Strassenverhältnisse übersichtlich sind. Der Kassationshof des Bundesgerichtes hat in dieser Beziehung entschieden, dass z. B. einem Vortrittsberechtigten auf einem freien und übersichtlichen Platz nicht zugemutet wer- 'den kann, besondere Vorsicht walten zu lassen und das Tempo zu massigen, nur weil möglicherweise der Führer eines von links kommenden Automobils seine Verkehrsvor- Schriften vernachlässigt. Kein Vortrittsrecht besteht für in die öffentliche Strasse einmündende Privatwege Sowie für sogenannte Sackgassen und Hausplätze. Die auf solchen Wegen oder Plätzen zirkulierenden Fahrzeuge haben — auch wenn sie von rechts kommen — keinen Anispruch auf Vortritt. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „(Selbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GMChlrtstteUe Zürich: Löwerotrasse 51. Telephon 39.743 Regelung des Vortrittsrechts gilt nicht nur für Automobile unter sich, sondern für alle Arten von Fahrzeugen. Unklar war anfänglich nach dem Gesetzestext, ob das Vortrittsrechf nur für Motorfahrzeuge untereinander Geltung haben sollte oder für alle auf der Strasse verkehrenden Fahrzeuge überhaupt. Die Rechtssprechung hat entschieden, dass offenbar der Wille des Gesetzgebers im letzterwähnten Sinne zu interpretieren ist, d. h. dass z. B. ein von links kommendes, raschfahrendes Motorfahrzeug einem von rechts kommenden Pferdefuhrwerk den Vortritt zu lassen hat. Geht es nicht allen so, dass eigentlich das Planen einer Reise fast das Schönste ist? Die Vorfreude auf das kommende Neue erfüllt Tage und Wochen, bevor ein lange gehegter Wunsch Wirklichkeit wird. Meist wird es doch so sein, dass man zuerst überhaupt nicht recht weiss, wo man seine Ferien verbringen will. Für den Automobililisten wird die Beantwortung der «Frage deshalb noch schwieriger, weil er sich entscheiden muss, ob er seine ganze Ferienzeit an einem Orte zubringen soll, oder ob er in möglichstem Wechsel recht viele neue Gebiete kennenlernen will. Braucht man aber die Frage wirklich so als «entweder oder» zu stellen? Es gibt auch hier eine Zwischenlösung oder wie man so schön sagt: einen Kompromiss, ein Begriff, der aber in diesem Falle nicht das Unbefriedigende einschliesst, das ihm sonst leichthin anhaftet. Wir meinen, man soll das eine tun und das andere nicht lassen. Also man fährt zwei, drei Tage, bleibt dann ein paar Tage an einem Ort, wo es einem gefällt, fährt dann wieder weiter und wiederholt «Gleichzeitigkeit.» Das Vortrittsrecht tritt immer dann in Funktion, wenn Fahrzeuge « gleichzeitig > an der Kreuzungs- oder Einmündungsstelle eintreffen. Was unter « Gleichzeitigkeit» zu verstehen ist, darf heute als durch die Gerichtspraxis einwandfrei abgeklärt gelten. Gleichzeitigkeit liegt immer dann vor, wenn sich die Fahrzeuge gefährden müssten, falls sie beide unbekümmert umeinander mit der eingehaltenen Geschwindigkeit weiterfahren würden, d. h. wenn die Möglichkeit besteht, dass beide Fahrzeuge im gleichen Augenblick an die Kreuzungs- oder Einmündungsstelle gelangen oder dass das später ankommende sie erreicht, bevor das zuerst eingetroffene sie wieder vollständig freigegeben hat. Immerhin wurde kürzlich ein von rechts kommender Lastwagenführer, der mit einer den Verhältnissen angemessenen Geschwindigkeit in eine Kreuzung fuhr, bevor ein Personenwagen, der einen Augenblick früher eingetroffen war, diese ganz passiert hatte, vom Kassationshof des Bundesgerichtes freigesprochen. Der oberste Gerichtshof hob bei diesem Anlasse speziell hervor, dem Lastwagenführer könne auch daraus kein Vorwurf gemacht werden, dass er als Vortrittsberechtigter seine Fahrt im letzten Augenblick noch beschleunigt habe, denn schliesslich sei es Anstandspflicht des Vortrittsberechtigten, den Verkehr so wenig als möglich zu behindern. Anders würde der Fall selbstverständlich liegen, wenn der Lastwagenführer mit einer den Verhältnissen nicht angemessenen Geschwindigkeit gefahren wäre. Rechte and Pflichten an der Kreuzung. Derjenige, den das Gesetz verpflichtet, dem andern den Vortritt zu gewähren, ist gehalten, die diesbezüglichen Massnahmen, nämlich Mässigung seiner Geschwindigkeit, so rechtzeitig zu treffen, dass der Vortrittsberechtigte feststellen kann, ob sein Recht respektiert wird. Der Pflichtige darf nicht damit rechnen, der Berechtigte werde sein bisheriges Fahrtempo — auch wenn es übersetzt ist — verringern, wohl aber damit, dass der Berechtigte seine Geschwindigkeit nicht unerwartet beschleunigt. Der Berech- Wir schmieden Touresipläne dies Spiel so oft, als eben die Summe der Ferientage dafür ausreicht. Heute wird auch immer eine erste Frage bei der Bestimmung der Ferientour die sein: bleiben wir in der Schweiz oder fahren wir ins Ausland? Manchem mag dieser erste Entschluss schon recht schwer fallen. Aber bei vielen wird er in der heutigen Zeit doch eher zugunsten der Heimat ausfallen. Man kann auch so noch dem Wunsch, fremde Länder zu sehen, entgegenkommen, indem man am einen oder andern Tag einen Abstecher über die Landesgrenzte hinaus unternimmt, ein kleiner Seitensprung, der einen aber nicht reut, und wonach die Heimat nur um so schöner wieder anmutet. — Aber nun, wo fahren wir hin ? In die Berge, in den sonnigen Süden, an einen See oder in einen der lauschigen Badeorte, die so zahlreich über das ganze Schweizerland verstreut sind? Auch hier wird wieder die Wahl zur Qual. (Fortsetzung Seite 2.) INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach SpezialtarU Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Li dieser Nummer: Automobilist und Landesausstellung. Eine Motion für Steuererleichterungen in St. Gauen. Wie wird man Auto-Rennfahrer? Bremsweg von Motorfahrzeugen. Autotourismus im Monat Juni 1938. tigte würde überdies schuldhaft handeln, wenn er das Vortrittsrecht zwar beanspruchen, dann aber unerwarteterweise seine Fahrgeschwindigkeit herabsetzen und dadurch eine Kollision verursachen würde. Wir sehen also — wie bereits eingangs angedeutet — dass das Vortrittsrecht kein « absolutes » Recht ist, das dem einen nur Pflichten auferlegt, dem andern nur Rechte gewährt. Es handelt sich nicht um ein Recht, das unter allen Umständen, ohne Rücksicht auf den Pflichtigen, ausgeübt werden darf. Die Rechtssprechung vertritt heute allgemein den Standpunkt, dass das Vortrittsrecht auch den Berechtigten nicht von der nach den besondern örtlichen Verhältnissen gebotenen Sorgfaltspflicht entbindet. Automobilisten, die in eine verkehrsreiche Strasse einmünden oder eine solche kreuzen, haben ihre Geschwindigkeit immer und in vermehrtem Masse dem Verhältnis der Verkehrsbedeutung, Beschaffenheit und Uebersicht der Strasse entsprechend herabzusetzen und mit ganz besonderer Vorsicht das ihnen zustehende Vortrittsrecht auszuüben, ohne es jedoch zu erzwingen. Sie haben sich vorsichtig in den Verkehr «hineinzutasten », nachdem sie sich durch Sehen und Hören vergewissert, dass dies ohne Gefährdung der Verkehrssicherheit möglich ist Auf die Entschuldigung: « Ich komme von rechts, es trifft mich deshalb kein Verschulden >, kann sich jedenfalls in dieser abstrakten, absoluten Form niemand berufen. Sie gilt nur dann, wenn der Vortrittspflichtige den auch ihm obliegenden Sorgfaltspflichten in jeder Beziehung nachgekommen ist Die gleichen Vorschriften, die für das Verhalten bei Strasseneinmündungen und -kreuzungen gelten, finden Anwendung auch für das Abbiegen nach links. Dem entgegenkommenden Fahrzeug steht das Vortrittsrecht zu. Das Abbiegen ist so lange nicht statthaft, als die Gefahr einer Kollision besteht, wobei sich der abbiegende Führer vergewissern muss, ob das entgegenkommende Fahrzeug seine Absicht, abzubiegen, erkannt hat. F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. Drittes Kapitel. 3. Fortsetzung. Und dann flüsterte Sally, auf einem Bein stehend, was sie immer tat, wenn sie aufgeregt war, mit einem etwas verschlagenen Ausdruck in ihren grünen Augen: «Melinda kündigt morgen, ich habe gehört, wie sie es zu Alberta sagte... wegen der neuen Teeservices. » «Was hast du in der Küche zu suchen, Sally ? Habe ich dir nicht verboten, dich dort aufzuhalten » » «Ich gehe hinein, wenn man mich schickt. Als Bill kam, hat mir Celia aufgetragen, Melinda zu sagen, dass sie für ihn deckt; sie ist wütend. > .«Aber was hat das neue Teeservice mit all dem zu tun ? » fragte Nicholas; der wie alle Männer unfähig ist, sich etwas zusammenzureimen. « Sie will es nicht putzen >, erklärte ich ihm. < Das ist die Chose ! » bekräftigte Sally. < Sie sagte, lieber in einem Strassengraben zugrundegehen. > « Sally, wie oft habe ich dir schon verboten zu sagen ,das ist die Chose'; und du sollst nicht hinterbringen, was du in der Küche hörst.» c Aber es ist interessant», sagte Sally. Damit hatte sie nicht unrecht, es war ebenso interessant, Melindas Absichten zu erfahren, wie unangenehm. Aber ich hatte wichtigere Dinge im Kopf, als ich hinuntereilte. Nicholas war Teilhaber geworden, und Bill war im Begriff, mit Isabel Godolphin und seiner Mutter eine Weltreise zu machen ! Ich fühlte mit « Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt», wie Goethe von Verliebten sagta: einen Augenblick im Himmel vor Seligkeit und im nächsten elend auf Erden. Aber er sagte uns nicht, wie es denjenigen geht, die sich gleichzeitig in beiden Extremen befinden. Celia trug ein Kleid, in dem sie entzückend aussah. Sie hat ein kleines, schön geschnittenes Gesicht, wundervolle graue Augen und dichtes, gelocktes Haar. Sie ist schlank und zierlich, und ich glaube, wenn sie sich einen alten Sack umhinge, würden andere Frauen es ebenfalls tun. Sie sieht in allem gut aus. Sie hat angeborene Eleganz, was man sehr selten findet, und meiner Meinung nach ist sie zu gut für Bill Cleveland. Ich hätte gern, dass sie einen Mann heiratet, der eine grosse Karriere vor sich hat. Vor allem ist es Glück, was wir für unsere Kinder wünschen, und das hängt nicht von einer hohen Stellung ab. Nicholas sagt, dass wir eine glückliche Familie sind, vielmehr, dass wir es sein könnten, wenn ich weniger bekümmert wäre. Aber wie sollte ich nicht um das Wahl so .vieler bekümmert sein, da ich dafür verantwortlich bin! Die Mayonnaise war grossartig, ein Wunder, aber die Brotsauce war zu dünn, und obgleich Nicholas die Seele von einem Mann ist, stellte er doch die gereizte Frage, die Männer stellen, wenn ein Gericht misslungen ist. In einem Augenblick der Stille, die eingetreten war, rief er mir vom andern Ende des Tisches zu : « Warum ist die Brotsauce so dünn ? > « Ich weiss », piepste Sally mit einem verschmitzten Blick. »Alberta Hess die erste anbrennen, dann machte sie schell eine andere, und es war nicht genug Brot im Hause.» Alle Erwachsenen lachten, obwohl sie es hätten besser verstehen müssen. Ich fuhr, ohne darauf zu reagieren, in meinem Gespräch mit George Vincent fort. Er sagte, dass er die Sonnenfinsternis im Juni sehen und aus diesem Grunde gern eine Nordlandreise machen möchte. Ob ich glaube, dass er die Kinder beruhigt zurücklassen könne 2