Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.065

E_1938_Zeitung_Nr.065

BERN, Freitag, 12. August 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 65 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Es Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfailversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenrersicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Oelrüstung und Heeresmotorisierung Während die Frage nach den Aussichten einer gesicherten Mineralölversorgung Europas im Falle eines Weltkriegs eindeutig dahin beantwortet werden kann, dass die verfügbaren Petroleumquellen an sich den militärischen Bedarf der alten Welt in ihrer Gesamtheit mengenmässig zu decken vermögen, ist sie für die Länder im einzelnen, soweit für sie die Wahrscheinlichkeit einer Beteiligung an einem kriegerischen Konflikt besteht, nur nach Massgabe der jeweiligen geographischen und wirtschaftspolitischen Vorbedingungen zu entscheiden. General Serrigny, dessen Ausführungen über die europäische Gesamtlage der Oelrüstung und Heeresmotorisierung wir kürzlich erörterten («A.-R.» Nr. 52), hat in einem besonderen Teil seiner Untersuchung auch diese Einzelprobleme, vor allem die Situation Grossbritanniens, Deutschlands, Italiens und Russlands, näher analysiert, ohne allerdings hinsichtlich der drei erstgenannten Länder wesentlich über das hinauszugehen, was wir selbst schon bei früherem Anlass eingehender dargelegt haben. Wir dürfen uns daher heute darauf beschränken, einige uns besonders wichtig erscheinende Punkte der Darstellung zu beleuchten. Nach Auffassung Serrignys ist Englands Rüstungsprogramm entscheidend durch den Grundsatz bestimmt, die Beherrschung der Meere mit allen Mitteln sicherzustellen und somit seinen militärischen Oelbedarf in erster Linie nach den Anforderungen der Flotte zu orientieren. Der französische General schätzt deren Mehrbedürfnisse gegenüber dem Friedensstandard so enorm gross ein, dass er für das Inselreich mit einer Verdreifachung seines gesamten Mineralverbrauchs rechnet, was uns an sich als sehr hoch gegriffen erscheint. Unzweifelhaft wird der englischen Flotte in ihrer Funktion als Schützerin der lebenswichtigen Zufuhren eine entscheidende Rolle zukommen und das bedeutet einen stark vergrösserten Heizölbedarf. Da unter diesen Zufuhren die Oeltransporte selbst in vorderster Reihe stehen, ist die Wahrung der maritimen Vormachtstellung eine unerlässliche Voraussetzung für die Politik der britischen Regierung, die sich im Sinne der Empfehlungen des Falmouth-Komitees dafür entschieden hat, den wirtschaftlichsten und zugleich zuverlässigsten Weg der Oel Versorgung des *) Aus Raumgründen nrusste die Veröffentlichung des 2. Teiles unseres Artikels in Nr. 52 der «A.-R.» bis heute zurückgestellt werden F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 10. Fortsetzung. Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe U«te" REDAKTION u. ADMINISTRATION: ßreltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürich! J.öwenstraste 51, Telephon 39.743 Mutterlandes durch Sicherung der Zufuhren aus dem Ausland mittels einer starken Tankerflotte beizubehalten und ausserdem reichliche Vorräte anzusammeln. Wie wenig auch die weitestgehende Heranziehung der Kohlenschätze eines Landes ein ausreichendes Aequivalent für fehlende Petroleumvorkommen zu bieten vermag, zeigt Serrigny am Falle Deutschlands. Trotz beispielloser Anstrengungen um den Ausbau der Kohleverflüssigungen standen 1937 der deutschen Eigenerzeugung von 1,630,000 t Leichtkraftstoffen — von denen 630,000 t auf Benzol -und Alkohol entfielen, die man dm Kriegsfall fast restlos für die Munitionsherstellung benötigen würde — Importe von rund 4,300,000 t gegenüber, davon allein 1,200,000 Tonnen Gasöl, dessen Gewinnung aus Inlandsrohstoffen bisher in nennenwertem Umfang überhaupt noch nicht durchgeführt worden ist. Dabei wird die gerade für Deutschland überragende Bedeutung der schweren Kraftstoffe durch nichts eindrucksvoller demonstriert als durch die von den Militärsachverständi&en, angestellten Schätzungen des Kriegsbedarfs,' von dessen 12,650,000 t allein für Dieselöl nicht weniger als 6,300,000 t angesetzt sind. Mit gutem Grund; denn nirgends in der Welt ist der Schwerölantrieb sowohl im Luft- wie im Strassenverkehr so hochentwickelt wie in Deutschland, wo allein von insgesamt 42,000 Lastwagen über 3 t rund 40,000 Einheiten mit Dieselmotoren ausgerüstet sind. Serrigny verfehlte in diesem Zusammenhang nicht, auf die Systematik hinzuweisen, mit der die deutschen Staatsbehörden auf die Entwicklung eines leistungsfähigen Parks von schweren Lastwagen hingearbeitet haben, die heute in wenigen, sogar schon bis zum uniformen Anstrich völlig einheitlich durchgebildeten Typen umlaufen. Bei aller Verwandschaft in den Grundtendenzen ist die Lage Italiens wieder ab. Halbe Lösungen, wie sie heute von der deutschen doch wesentlich verschieden. Wenngleich sich auch das römische Im- ärgern nur viele gute Gäste, welche von die- von den Zollämtern praktiziert werden, perium die völlige Oelselbstversorgung zum sem Vorteil nichts wussten und erst später, Ziel gesetzt hat, sind doch die ihm hierfür vielleicht erst bei der Ausreise, erfahren von der Natur gebotenen Mittel noch um vieles begrenzter. Selbst wenn es, entsprechend Schweizer Aufenhalt zu teuer bezahlt haben. müssen, dass sie das Benzin für ihren früheren Ankündigungen, gelänge, in diesem Denn man hat es so schlau eingerichtet, dass Jahr aus nationalen Rohstoffen einen Ersatz solch ein düpierter Auslandsautomobilist, der für die Einfuhr von über 600,000 t Leichtkraftstoffen zu schaffen, so zeigt die Ziffer noch durch Zufall auf das «blaue > Ausländer- nach der Einreise im Landesinneren doch von über 2,500,000 t Mineralölimporten für benzin aufmerksam gemacht wird, die Bezugskarte wohil bei einem 1937 doch unzweideutig den heute noch un- Inlandszollamt absehbar weiten Abstand von einer gänzlichen Einfuhr-Unabhängigkeit. Vor allem aber muss die qualitative Unzulänglichkeit und verwirrende Vielzahl der gegenwärtig für den italienischen Kraftverkehr herangezogenen Treibstoffe und ihrer Surrogate im Kriegsfall zu einem unheilvollen Chaos führen und die Aktionsfähigkeit des vorhandenen, dem Umfang nach im übrigen völlig unzureichenden Automobilparks entscheidend begrenzen. Abgesehen von alledem verfügt Italien über keine Rohstofflager, die es auch nur annähernd gestatten würden, die in einem Kriege erforderlichen Mengen flüssiger Brennstoffe in den verlangten Mengen und Qualitäten im Lande selbst zu gewinnen. Gleichsam das Gegenbeispiel zu den vorgenannten Ländern, bietet die Sowjet-Union mit ihren überaus reichen, aber schlecht genutzten Möglichkeiten einer grossangelegten Oelrüstung und Heeresmotorisierung. Die In den letzten Wochen haben sich die Klagen ausländischer Automobilisten darüber gemehrt, dass man sie bei der Einreise am schweizerischen Grenzzollamt nicht auf das verbilligte Ausländerbenzin aufmerksam gemacht,- 4., h. ihnen die Benzinbezugskarte njcht verabfolgt hat, worin die in der Schweiz gemachten Benzinbezüge einzutragen sind und welche bei der Ausreise die Legitimation für die Ausrichtung der entsprechenden Rückvergütung bildet. Es scheint wirklich, dass man auch hier wieder ein Propagandamittel geschaffen hat, um die ausländischen Autotouristen in die Schweiz zu locken, dass man aber anderseits wiederum alles tut, damit die Vergünstigung nicht in Anspruch genommen wird. Spielen dabei Sparsamkeitsgründe mit und sind die Zollbeamten instruiert, mit dieser « Vergünstigung », aus der man gewissen Orts soviel Aufhebens macht, Zurückhaltung zu üben? iEntweder man führt eine solche Dumping- Aktion, wenn sie einmal beschlossen ist, durch und Iässt sich dabei nicht lumpen, oder — dann schaffe man sie raschestens Und so blieb ich eines Tages zu Hause, als die andern, dem Wetter trotzend, einen Ausflug machten, und S^b ihnen meinen Segen dazu. Alberta konnte ich das Einkochen nicht anvertrauen, und von Zeit zu Zeit bin ich sehr froh, einen ruhigen Tag in meinem Hause zu haben. Die Weber war mit ihrer Herrin gegangen, Melinda veranstaltete ein Grossreinemachen im Salon, und ich war eben mit Albertas Hilfe dabei, die Johannisbeeren und den Zucker in der Küche zu wiegen. Anfangs musste ich meinen Kopf auf d'ese Arbeit richten, aber als ich dann neben dem Herd sass und die Früchte rührte, dattiii sie nicht anbrennen, dachte ich an andere Dinge, mit gewisser Zufriedenheit auch daran, dass Tante Betty uns übermorgen verlassen würde. Dann versuchte ich mir klarzuwerden, was ich mir in bezug auf Nancy und Martha wünsche, und mir schien es, dass, was immer auch kommen möge, mit Kummer verbunden sein würde. Wenn Lukas keines meiner Mädchen heiratete, würden beide enttäuscht sein, wenn er aber eine der Schwestern zur Frau nahm, würde die andere darunter leiden. Es war sehr still in der Meinen Köche, und ich dachte eben darüber nach, ob ich den schweren Topf allein vom Feuer würde heben können, als Martha in die Küche kam und es für mich besorgte. Sie war ohne Hut; sonst hätte mich ihr plötzliches Auftauchen erschreckt. Ich hätte gedacht, es sei ein Unglück geschehen. « Du bist nicht mitgegangen ?» sagte ich überrascht. « Nein. Ich habe mit dir zu sprechen, Mutter », sagte sie, als die Gläser gefüllt im Einkochapparat auf dem Feuer standen, und setzte sich. « Ich habe über Verschiedenes nachgedacht. > Ich konnte sehen, dass sie auch geweint hatte, und war neugierig, was da kommen würde. «Wenn man Alberta und Meilinda mitzählt, muss der arme Vater für neun Frauen in diesem Hause arbeiten », fuhr sie fort. « Daran habe ich oft gedacht », sagte ich, « aber es scheint ihm nicht zuviel zu sein. » « Es ist Zeit, dass einige von uns ihn entlasten. Ich möchte einen Beruf ergreifen; vielleicht könnte ich Säuglingspflegerin werden. » Das Gespräch fand keine Fortsetzung, Martha verstummte und sprang auf, denn in diesem Augenblick hörten wir die Stimme Hardacres von der Eingangstür her. Ich Hess Martha vorangehen, aber als ich die Halle erreichte, war sie verschwunden, und Hardacre war in den Garten gegangen. Ich fand ihn dort seine Pfeife rauchend. INSERTIONS-PREISs Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Hp, Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratenscbluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummer gleiche Diskrepanz zwischen Erstrebtem und Erzieltem, wie bei der Durchführung seines letzten Fünfjahresplanes, zeigt sich im Bereich des russischen Automobilverkehrs. Hält man sich nur an Zahlen, so würde man allerdings ein rückhaltlos zu bestaunendes Wachstum der russischen Autoproduktion feststellen, wie sie sich allein im Bereich der Lastwagen und Traktoren in einem Anstieg von 4200 Einheiten in 1930 auf 182,200 Einheitert in 1937 dokumentiert. Für Ende vorigen Jahres wird die jährliche Produktionskapazität der Stalin-Werke in Moskau und der Molitör- Werke in Gorki auf zusammen 380,000 Fahrzeuge angegeben; sie soll im Laufe des dritten Fünfjahresplans um 150,000. gesteigert werden, während für zwei neu zu errichtende Fabriken eine Leistungsfähigkeit von 200,000 Lastwagen jährlich ins Auge gefasst ist. Der Gesamtbestand an Nutzfahrzeugen belief sich Ende 1937 auf 433,600 Einheiten, also um nur 37,000 Wagen weniger als in Grossbritannien. (Schluss Seite 2.) Das verbilligte Äusländer-Benzin nachträglich noch lösen kann, wobei sie aber nicht mit rückwirkender Kraft ausgestattet wird, sondern lediglich vom Tage der verspäteten Ausstellung an gilt — verspätet durch das Verschulden der Zollbeamten selbst. Es ist mehr als unverständlich, mit welchem Dilettantismus und mit welcher Verständnislosigkeit die massgebenden Instanzen solche Propagandamittel handhaben. Zum Ausschluss der Gesellschaftswagen von diesem verbilligten Benzinbezug, zu der sonderbaren Beschränkung des reduktionsberechtigten Höchstquantums auf 300 Liter, womit man gerade denjenigen Gast bestraft, der sich möglichst lange in der Schweiz aufhält, kommt nun noch die offensichtliche Verheim- In dieser Nummer s Ein offenes Wort — und ein starkes Echo. Der Thurgau verbessert seine Strassenmarkienmg. XIV. Coppa Acerbo. Von seltsamen Getrieben. Ein Besuch bei den Boschwerken in Stuttgart Beilage: . «Ich habe Obst eingekocht», sagte ich. Ich zeigte kein Erstaunen über sein unerwartetes Erscheinen, denn ich witterte eine Krisis und hatte nicht den Wunsch, mich einzumischen. Ich setzte mich neben ihn und zündete mir eine Zigarette an. «Eine anstrengende Arbeit an einem so heissen Tag», entgegnete er. Dann blickten wir beide schweigend auf die See hinaus; aber es dauerte nicht lang, denn Martha erschien, einen Hut auf dem Kopf und einen Mantel über dem Arm. Ihr Blick war jetzt zwar klar, aber ihre Augen hatten einen verwirrten und bekümmerten Ausdruck. Lukas hatte seine Pfeife in die Tasche gesteckt. Sein Wagen stand vor dem Hause, und die jungen Leute verschwanden damit, ohne mir die geringste Erklärung zu geben. Es wurde sechs Uhr, bevor die anderen zurückkehrten; ich nahm Celia zur Seite und fragte, was eigentlich geschehen sei. «Das weiss niemand von uns», sagte sie. «Im Augenblick, als wir fortgehen wollten,