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E_1938_Zeitung_Nr.076

E_1938_Zeitung_Nr.076

BERN, Dienstag, 20. September 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 76 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aufgab* A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgab« B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freltafl Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste" Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Lieferungsstockungen beim Aufbau der Kohleverflüssigungsbetriebe. — Bei der vorgesehenen Produktionskapazität von 5 MHI. t synthetischen Benzins werden 200.000 Mann benötigt. — Deutsches Arbeiterdefizit zur Zeit 500.000 Mann. — 6,3 MM. t jährlicher Treibstoffkonsum im Frieden. — 15—20 MM. t Oelbedarf aller Streitkräfte. — Der geplante Jahresabsatz von 1,5 Mill. Volkswagen wird den Benzinbedarf beträchtlich ansteigen lassen. — Wie wird Deutschland das Arbeitermanko meistern ? In einer Proklamation vor dem jüngsten Nürnberger Parteitag hat der deutsche Reichskanzler erklärt, dass Deutschland nur unter einer wirklichen Wirtschaftssorge gegenwärtig leide, der Sorge um Arbeitskräfte in der Industrie und auf dem Lande. Diese Besorgnis ist nur zu begreiflich, denn sie hat ihre Wurzel in einem der zweifellos schwierigsten Probleme, vor das sich die Regierung des Dritten Reiches in ihrem Bemühen um die Durchführung ihres Vierjahresplans gestellt sieht. Es gipfelt in der Frage, wie weit Deutschland überhaupt imstande ist, sich die zusätzlichen Mencshenkräfte zu beschaffen, die es braucht, um allen Anforderungen der Rüstung und der Wirtschaft durch autarkische Produktion zu genügen. Schon die im Juli dieses Jahres erfolgte Einführung der Arbeitsdienstpflicht, der nunmehr alle Männer und Frauen in Deutschland uneingeschränkt unterworfen sind, war eine unzweideutige Bestätigung dafür, dass weder die Wiederaufnahme des Zehnstundentages noch die in vielen Betrieben eingeführte Dreischichtenarbeit ausreicht, um das progressiv wachsende Arbeitsprogramm zu bewältigen. Gilt dies mehr oder weniger für alle Bereiche der Wirtschaft, so muss es doch in ganz besonderem Masse in der Mineralöl-Sehbstversorgung in Erscheinung treten. Denn hier handelt es sich um einen Industriezweig, dessen Erzeugungsbasis nicht nur dem zunehmenden Verbrauchsvolumen entsprechend zu erweitern war, sondern fast von Grund auf neu geschaffen werden musste. Die im Programm vorgesehene Verlegung des Schwerpunkts der deutschen Oelwirtschaft von der Einfuhr auf die REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern 6in lefvaeickes JCapitet aus dzt deutschen AuptüstunqsuwUscha$t: Das Arbeiterproblem der deutschen Oel-Se!bstversorgung Inlandserzeugung durch Kohleverflüssigung hat neben einem gigantischen Aufwand an Kapital einen Mehrbedarf an Arbeitskraft entstehen lassen, der schon dann riesenhaft wäre, wenn er auf das eigentliche Gebiet der Oelgewinnung und des ihm vorgeschalteten Bergbaus beschränkt bliebe. Doch dies ist keineswegs so. Schon die Errichtung der grossen Hydrier- und Synthese-Anlagen erfordert einen Aufwand an hochwertigen Baumaterialien und Apparaturen, deren Herstellung allein sehr erhebliche Ansprüche an den Arbeitsmarkt stellt. Das Fehlen genügender Fachkräfte hat daher, im Verein mit anderen Faktoren, bereits empfindliche Lieferungsstockungen beim Aufbau der Kohlever- Hiissigungsbetriebe hervorgerufen. Als Beispiel hierfür mögen nur die letzten Geschäftsberichte der Ruhr-Benzin AG. und der Hydrierwerk Scholven AG. herausgegriffen werden, denen zu entnehmen war, dass die Fertigstellung der Neubauten und die Lieferung der Betriebsmaterialien sich beträchtlich verzögert habe. Indessen erscheinen diese schon bei der Errichtung der Kunstölanlagen hervortretenden Schwierigkeiten der Arbeiterbeschaffimg noch gering gemessen an denen, die sich mit dem Ingangkommen der Betriebe selbst ergeben müssen. Denn hier erst beginnt die eigentliche Aufgabe; und diese ist gewaltig. Nach den Mitteilungen der amtlichen deutschen Stellen wird sich 1940 der Bedarf an Leichtkraftstoffen um rund 3,000,000 t, der an Gasöl um 1,600,000 t und der an Schmierölen um 575,000 t bewegen. Rechnen wir, unter Annahme einer analogen Konsumsteigerung, rund 1,000,000 t Heizöl und rund 100,000 Tonnen Petroleum hinzu, so gelangen wir zu einem Totalbedarf an flüssigen Mineralölprodukten von etwa 6,300,000 t. Der einzige in praktisch unbegrenzten Menagen im Reich vorhandene Rohstoff, auf den die Deckung dieses Bedarfs im wesentlichen basiert werden muss, ist die Kohle. Alle anderen Energierohstoffe des Landes treten demgegenüber weit an Bedeutung zu-rück. Will man wissen, welche Kohlenmengen eingesetzt werden müssten, um eine an diesen Bedarf heranreichende Produktion zu gewährleisten, so muss man zunächst prüfen, was der deutschen Versorgung an flüssigen Brennstoffen* und Schmiermitteln aus allen sonstigen einheimischen Q'uellen zur Verfügung steht. Als solche kommen in Betracht: die Oelgewinnung aus eigenem Rohöl, Benzol aus Kokereien, Teerdestillationen und Gasanstalten, soweit solches für Treibzwecke bereitsteht, Alkohole (Methyl- u. Aethylalkohol), feste und gasförmige Brennstoffe. Nimmt man alles zusammen, so kommt man auf Grund der heutigen Produktionslage etwa zu folgender Rechnung (Mengen in Tonnen): Mineralöle aus deutschem Rohöl 500 000 Benzol 400 000 Alkohol und Methanol 200 000 Feste und gasförmige Surrogate 100 000 Insgesamt 1 200 000 Unter diesen Positionen ist allenfalls die Gruppe der aus inländischem Rohöl gewinnbaren Erdölprodukte in gewissem Umfang steigerungsfähig. In allen übrigen Fällen da- Die politische Hochspannung, die seit Monaten die Tschechoslowakei in den Brennpunkt des Weltinteresses gerückt hat, ist auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes natürlich nicht ohne sichtbare Wirkung geblieben. Dass diese Wirkung nicht sehr günstig sein konnte, ist einleuchtend. Der Index der Industrieproduktion (1929 = 100) stand im Juni bei 90.1 gegen 98.7 im gleichen Monat des Vo'rjahrs und gegenüber einem Durchschnitt von 96.3 für den ganzen Zeitraum von 1937. Der Wert der Einfuhr ist im ersten Halbjahr 1938 gegen die Vergleichszeit des Vorjahres um 12 % zurückgegangen. Der Export der Tschechoslowakei wurde zwar für die beiden Quartale im ganzen um 4 % höher ausgewisen, doch zeigt er seit Ende März ein Absinken unter den Stand des korrespondierenden Vorjahrsmonats. Demzufolge begann auch im Beschäftigungsgrad der Exportindustrien ein Rückgang fühlbar zu werden. Der Ermässigung der Grosshandelspreise ist eine Senkung der Lebenshaltungskosten noch nicht gefolgt. Diese liegen z. B. in Prag jetzt noch höher als vor einem Jahr, so dass sich die allgemeine Kaufkraft entsprechend vermindern musste. Trotz solcher ungünstiger Vorbedingungen konnte der Absatz von Motorfahrzeugen der Tschechoslowakei auch im Laufe dieses Jahres noch einen gewissen Fortschritt verzeichnen. Nach Jahren völliger Stagnation lässt der Automobilismus des Landes seit 1936 wieder Zeichen einer Expansion erkennen. Sie hat ihren Grund in der Besserung der Wirtschaftskonjunktur, zu einem wesentlichen Teil aber auch in der Lockerung der INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarW Imeratensehlnss 4 Taae »or Erseheinen der Nnmmer In dieser Nummer: Neuer Weltrekord 575 km/Std. Hans Stuck am Maloja-Bergrennen. ' > Scharfes Absinken der Welt- Automobilerzeugung. Campbells neuer Weltrekord auf dem Hallwilersee. DIE KLEINE REVUE gegen liegen die Ziffern bereits nahe an der Grenze des praktisch Erreichbaren, und soweit Alkohole in Betracht kommen, ist auf weite Sicht bekanntlich ein sehr weitgehender Abbau der für die Treibstoffversorgung bereitgestellten Mengen ins Auge gefasst. Fortsetzung Seite 2. Automobiiverkehr und Oelbedarf der Tschechoslowakei Steuerlasten und behördlichen Restriktionen, die dem Automobilverkehr hier wie in andern Ländern zugunsten der Eisenbahnen auferlegt sind. In dem Bestreben, den Bestand an schweren, gegebenenfalls auch für militärische Zwecke verwendbaren Nutzfahrzeugen zu erhöhen und zugleich auch den Absatz von Alkohol aus heimischer Erzeugung zu fördern, hat die Regierung den Motorfahrzeughaltern eine Reihe von Vergünstigungen gewährt, so eine Befreiung von Strassenabgaben für die Dauer von 1—\Vz Jahren für benzin- und schwerölbetriebene Fahrzeuge und von 3—4 Jahren bei Betrieb mit Ersatztreibstoffen, eine Ermässigung der Versicherungsprämien und eine Erweiterung der Lizenzen hinsichtlich des genehmigten Fahrbereichs für den gewerblichen Güterkraftverkehr. Auch durch ein allerdings sich in bescheidenen Grenzen haltendes Strassenbauprogramm war die Regierung bemüht, der Motorisierung einen stärkeren Antrieb zu geben. Die Auswirkung aller dieser Faktoren tritt in der folgenden Uebersicht in Erscheinung : Neuzulassungen von Motorfahrzeugen. Personenw. Lastw. Omnib. Insges. 1932 9 966 2048 390 12 404 1933 8 005 799 77 8 881 1934 8 857 703 96 9 656 1935 8 331 712 107 9 150 1936 10 058 1004 64 11126 1937 11141 1645 181 12 9(57 1937 (1. Halbj.) 6 117 693 78 6 888 1938 » 6 611 943 90 7 644 Leider wurden die positiven Wirkungen der Verkehrspolitik der Regierung durch Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 17. Fortsetzung. Dann ging ich ins Haus zurück, schrieb an Rose und lud sie und ihre Brüder für Nachmittag zu Sally zum Tee ein. Ich schickte Melinda mit dem Briefche,n hinüber und sagte ihr, sie soll eine mündliche Antwort bringen. Nach fünf Minuten war sie wieder zurück. « Sie kommen nicht», sagte sie. « Mit wem haben Sie gesprochen ? > «Mit dieser Person, die ein Gesicht hat wie eine Kupferpfanne. ,Si© werden nicht kommen', sagte sie und schlug mir die Tür vor der Nase zu. Woher hat Herr Vincent diese Furie ? Mit so einer möchte ich mich nicht öffentlich sehen lassen; Alberta auch nicht >. Nachdem ich Nicholas über Fräulein Woods Besuch Bericht erstattet hatte, stimmte er mit mir überein, dass wir an George schreiben wollten, und dass man im Augenblick sonst nichts tun könne. Ich fühlte mich beunruhigt und unglücklich über die Dinge, die sich im Nachbarhaus abspielten, konnte aber an eine unmittelbare Gefahr nicht glauben. Schliesslich machte diese Pflegerin bereits sechs oder sieben Wochen unter Georges Augen Dienst, und er hatte keinen Anlass gehabt, einzugreifen. Beim Lunch erzählte ich Sally, dass ich Rose und deren Brüder zum Tee eingeladen habe, dass sie aber keine Erlaubnis bekommen hätten, anzunehmen. Ich wollte herausfinden, ob sie irgend etwas wisse. Sally war, seit sie täglich zur Schule ging, nicht so viel mit den dreien beisammen, weil sie es unter ihrer Würde hielt, mit so kleinen Kindern zu spielen. «Alberta meint, dass etwas für sie geschehen müsse », sagte sie, während sie auf ihrem Teller kratzte, was ihr verboten war. Dabei sah sie mich von der Seite an, denn sie wusste, dass sie etwas Unrechtes getan hatte. Sie hatte wieder mit Alberta geklatscht. «Für wen muss etwas geschehen ?» fragte Celia. « Für Vincents Kinder. Alberta sagt, dass alle Mädchen drüben nichts wert seien, aber die Pflegerin sei der reine Teufel. Gestern hat sie Kenneth an einen Baum gebunden und ihn stundenlang dort stehen lassen, als bereits der Abendtau fiel. Alberta hörte ihn weinen, sie hopste über die Hecke und befreite ihn. Aber er war so verschüchtert, dass er nicht ins Haus zu gehen wagte, obwohl er blau vor Kälte war. » Sally blickte um den Tisch herum, um zu sehen, welchen Eindruck, ihre Worte machten. «Blau vor Kälte >, wiederholte sie noch einmal. «Alberta hatte gute Lust, einen Schutzmann zu holen, aber sie sagte, da die Kinder feinen Leuten gehören, wäre es unsere Sache und nicht ihre. Ich kann nicht sehen, wo da der Unterschied ist, wenn sich einer eine Lungenentzündung holen kann; aber Alberta sagt, sie möchte sich da nicht den Mund verbrennen. Ich wünschte, ich hätte den armen Kerl gesehen. » « Was würde Fräulein Naseweis da getan haben ? » fragte Hester. «Ich glaube, ich hätte Doktor Little gerufen », sagte Sally nachdenklich. « Schutzmänner eignen sich besser für Einbrecher. Doktor Little wäre der Pflegerin über den Mund gefahren und hätte Kenneth ins Bett gesteckt. > « Sally hat ganz recht >, sagte Nicholas. « Ich glaube, ich werde an George telegraphieren. Er soll zurückkommen und den Haushalt in die Hand nehmen.» In diesem Augenblick betrat zu unser aller Erstaunen Nancy das Zimmer. « Ich habe schon gegessen >, sagte sie zu Melinda, die soeben mit dem Puddine er-