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E_1938_Zeitung_Nr.079

E_1938_Zeitung_Nr.079

BERN, Freitag, 30. September 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 79 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-PIl EISE» Ausj»b« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Richtige Winker Erscheint Jeden Dienstag nnd Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschiftestelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Der Fortschritt auf jedem Gebiet der Technik, also auch auf demjenigen des Automobilbaues und des Verkehrswesens überhaupt, vollzieht sich immer derart, dass der Spezialist eine Seite, ein Teilchen des « Ganzen » vorwärtstreibt. Das « Ganze » bleibt dadurch vorläufig zurück und wird dann allmählich und gleichfalls wiederum in Teilschüben vorwärtsgebracht. Zurückgeblieben hinter dem davoneilenden Feld ist vor allem der Winker. Gemeint ist der rote Richtungsanzeiger, der gewöhnlich im letzten Augenblick unter Aufwand der ersterbenden Kräfte einer matten Batterie langsam aufwärts strebt. Aber das geht noch an ! Schlimmer ist die Sache, wenn dieser Winker von Geburt aus verkümmert ist oder sich verschämt hinter die robusteren Teile seines flinken Trägers versteckt. Im Grunde ist die Sache aber keinesfalls so humoristisch. Tagtäglich ereignen sich infolge mangelhafter Winkereinrichtungen Unfälle, so dass man dem Unheil sofort und energisch entgegenwirken muss. Der Hauptzweck eines Winkers ist doch der, dass ein anderer Passant ~>- Fussgänger, Radfahrer, Wagenlenker oder sonstwer — ganz unwillkürlich und ohne jegliches eigenes Zutun auf den Winker und die durch ihn angezeigte beabsichtigte Richtungsänderung des nahenden Fahrzeugs aufmerksam gemacht wird. Nimmt der Passant das Fahrzeug zwar wahr, muss er aber erst noch mühsam nach dem Richtungsanzeiger suchen, dann hat dieser seinen Zweck völlig verfehlt! Jedes War- •nungszeichen auf der ganzen Welt hat nur den einen eigentlichen Sinn: jemanden in einem Moment zu warnen, wo er an alles andere, nur nicht an diese Gefahr denkt! Ich brauche keine Zeit damit zu versäumen, alle Mängel des gegenwärtigen Richtungsanzeige-Systems zu enthüllen. Es gibt aber wohl keinen richtigen Automobilisten, der, infolge mangelhafter Winkereinrichtungen, nicht schon tatsächlich oder doch beinahe Schaden erlitten hätte. Am schlimmsten sind die kleinen, zierlichen Winkerchen mit dem winzigen glühenden Fünkchen an der äussersten Spitze, dann kommen die matt leuchtenden und schliesslich die auf gleichfarbigem Untergrund getarnten Modelle. Bei einigermassen ungünstiger Witterung, besonders jedoch an hellen Sonnentagen entziehen sich die kleinen und matt leuchtenden Winker dem Blick. Das helle Sonnenlicht überblendet das meist ungesättigte Rot und nach dem Gesetz von der Unterschiedsempfindlichkeit für Helligkeit und Farbe kann dann der Winker auch gar nicht mehr ohne weiteres gesehen werden. Nach wahrnehmungspsychologischen und physiologischen Gesetzen muss das farbige (hier rote) Licht eine Mindestintensität besitzen, um den Zapfenapparat des Auges zu erregen. Wie sehr die Wahrnehmung der Farben an Helligkeit gebunden ist, lehrt uns die Nacht, wo bekanntlich «alle Katzen grau > sind. Ein Winker, der an einem trüben Tag in völlig ausreichender Art den Blick auf sich zieht, kann bei helller Witterung unsichtbar sein, d. h. sich nicht mehr merklich von seiner Umgebung abheben. Nachts verschwindet er möglicherweise vor dem Hintergrund der buntfarbigen Großstadtstrasse. Weil aber die Wahrnehmbarkeit eines optischen Reizes im selben Verhältnis wie die Grosse der Reizfläche (Winkergrösse !) wächst, verdient die Forderung nach gut beleuchteten und vor allem genügend grossen Winkern um so eher Beachtung. Schönheit hin oder her, sie muss vor der Sorge um die Sicherheit des Verkehrs zurücktreten. Und der Gewarnte wird diesen « unästhetischen > Anblick dankbar in Kauf nehmen ! Natürlich sollen damit keine erheiternden Ubergrössen gefordert werden. Der routinierte Lastwagenfahrer hat sich in richtiger praktischer Erkenntnis dieser Gesetze des Sehens schon längst entsprechende Modelle von geringem Schönheits-, aber um so höherem praktischen Wert zugelegt. Aber unsere Betrachtungen gelten nicht nur dem Negativen, sondern auch ,dem erreichbaren Positiven. Wohl alle die" genannten Mängel sind auf denkbar einfachste Art zu beseitigen. Und was das Schönste daran ist: wir haben das Mittel schon seit geraumer Zeit in Händen, allerdings ohne es zu gebrauchen. Die Lösung bringt aHein der bewegliche Richtungsanzeiger! Wenn unser Aufsatz schon wissenschaftlich orientiert sein soll, dann ist es unerlässlich, ihn auch nach den Ergebnissen der Wissenschaft zu untermauern und mit entsprechender Dokumentation aufzuwarten : Das hier zur Anwendung gelangende Grundgesetz lautet: € Ein scharf umschriebenes Feld auf hellerem oder dunklerem Grunde, das sich so wenig von «einer Umgebung unterscheidet, dass es nicht mehr •wahrgenommen werden kann, wird, -wenn der Unterschied nicht zu gering ist, sofort erkannt, sowie es anfängt, sich zu bewegen >. Experimente beweisen, dass die Wahrnehmbarkeit bei Bewegung oft gerade doppelt so gross ist! Beispielsweise kann man praktisch unsichtbare Flecken auf Kleidern dadurch sichtbar machen, dass man feinen Tüll über sie legt und den Stoff darunter hin und herbewegt ! Alles hängt davon ab, ob sich der wahrzunehmende Gegenstand gegenüber seiner Umgebung bewegt. Woraus folgt, dass ein Autowinker an einem fahrenden Wagen nicht als eigentlich bewegter Winker angesprochen werden darf. Bei den Fahrzeugen der Post und mancher städtischen Omnibusbetriebe kennen wir schon seit längerer Zeit bewegliche Winker, die sich ganz hervorragend bewähren ! Der wahrnehmungspsychologische Vorgang ist hier gerade der, Die im letzten Monatsbericht des Eidgenössischen Statistischen Amtes gemachten Feststellungen über die Entwicklung von Umfang und Struktur des Fremdenverkehrs gelten grundsätzlich auch für den ersten Hochsommermonat. Die gesamtschweizerischen Frequenzzahlen sind ungefähr gleich gross wie während der gleichen Zeit des letzten Jahres. In den von der Statistik erfassten 7195 Gaststätten mit 187 000 Gastbetten wurden 575 000 Ankünfte und 2 486 000 Uebernachtungen gezählt; das sind 15 000 Arrivees (2,5%) weniger und 8500 Logiernächte (0,3%) mehr als im Juli 1987. Wieder ist der Verkehr aus dem Ausland zurückgegangen, und zwar vor allem aus Frankreich und den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Der Ausfall von über 100 000 Uebernachtungen der Auslandgäste wurde wettgemacht durch eine Zunahme von 110 000 Logiernächten der Schweizer Gäste. Die mittlere Bettenfoesetzung ist mit 42,9% ungefähr gleich gross wie letztes Jahr. In gleicher Richtung wie in der ganzen Schweiz ging die Entwicklung des Fremdenverkehrs auch in den einzelnen Fremdengehieten. Eine Ausnahme machen einzig der Tessin und das ostechweizerische Voralpengebiet. So meldet Graubünden einen Rückgang des Besuches aus dem Ausland, der durch den stärkeren Inlandvenkehr nicht gedeckt wurde. Da gegen tausend Gastbetten weniger zur Verfügung standen, war die mittlere Bettenbesetzung, trotz einem Rückgang um über 12 000 Logiernächte, mit 42% ungefähr gleich gross wie letztes Jahr. Auch im INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach SpezialtarU Inseratenscblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer: Zu Rudolf Diesels 25. Todestag. Grosser Preis von Donington abgesagt. Gefährliches und ungefährliches Kuppeln von Anhängern. Bilder: S.4. Beilage: dass einzig und allein auf Grund der Bewegung ein sonst unsichtbar gebliebener Richtungszeiger mühelos erkannt wird! (Fortsetzung Seite 2.) Der Fremdenverkehr in der Schweiz im Juli 1938 Berner Oberland wird der schwächere Zustrom aus dem Ausland nicht ganz aufgewogen durch den etwas stärkeren Binnenverkehr, so dass die Logiernächtezahl um 14 000 Einheiten auf 403 000 zurückging. Wie im Bündnerland eind die vorjährigen Frequenzzahlen vor allem dort nicht erreicht worden, wo die Auslandgäste zahlreicher eind als die Schweizer Gäste. In der Zentralschweiz sank die Zahl der Logiernächte für die Auelandgäste um 10% auf 206 000, für die Inlandgästa stieg sie um 2% auf 189 000. Von hundert Betten waren durchschnittlich 43 besetzt (Vorjahr 46). Im Wallis ergab die Statistiik eine Zunahme von 17 500 Uebernachtungen (14%) für die Inlandgäste und eine Abnahme von 6000 Logiernächten (8%) für die Auslandgäste. Die mittlere Bettenbesetzung erreichte mit 47% die Vorjahresquote. In den Waadtländer Alpen ging die Zahl der Uebernachtungen für die Auslandgäste von 51 000 auf 41 000 zurück, die mittlere Bettenbesetzung von 51 auf 47%. Wie hier, sind auch am Genfersee alle Fremdenzentren vom Ausbleiben der französischen Gäste betroffen worden. Im ganzen Gebiet wurden für die Auslandgäste gegen 22000 Uebernachtungen weniger registriert. Im Gegensatz zu allen andern Fremdeflgebieten wurden in der Südund in der Ostschweiz die vorjährigen Frequenzzahlen überschritten. Im Tessin stieg die Logiernächtezahl um 7800 (5%) auf F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 19. Fortsetzung. « Nancy ! Nancy !» schrie ich ausser mir, denn obwohl ich wusste, die Pflegerin verdiene es nicht besser, wollte ich doch nicht, dass meine Tochter eigenhändig eingriff. Sie spielte sich selbst zum Richter auf, und wenn man das in einem Lande tut, das seine Gesetze hat, kann es einem übel ergehen. « Sie hat Rose geschlagen», entgegnete Nancy. « Ich wünschte, ich hätte eine Hundepeitsche, die hätte sie besser gespürt.» Die Pflegerin richtete sich auf und ballte ihre Fäuste drohend gegen uns. « Das werden Sie teuer bezahlen», schrie sie. «Sie müssen ins Gefängnis ! Machen Sie, dass Sie aus dem Hause kommen ! Verstanden ! Sehen Sie, dass Sie weiterkommen, oder ich rufe die Polizei. » «Das tun Sie nur», sagte Nancy sehr ruhig, aber wie ich sehen konnte, innerlich kochend. Und dann wandte sie sich an Rose. «Hol' dir deinen Mantel, Hut und Nachtwäsche », sagte sie. «Du kommst heute nacht zu uns. Aber schnell, Kind, ich muss zu Kenneth.» « Oh, wegen Kenneth ist das alles ? » äffte die Pflegerin. « Kenneth ! Alle fünf Minuten hat er Durchfall oder er übergibt sich. Diese kleine Bestie ! Hier einzudringen, mich halb zu ermorden und die Kinder zu entführen ! » raste das Weib. Ich fühlte mich sehr beunruhigt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, was daraus werden sollte, wenn sie Nancy verklagte und Nancy sie anzeigen würde. Aber ich wollte Nancy nicht mit dieser verrückten Person allein lassen. «Die Polizei werde ich rufen», sagte Nancy, als Rose aus dem Zimmer war. « Wenn Kenneth stirbt, werden Sie wegen Totschlags oder Mordes angeklagt. Ich befürchte, dass er stirbt. Sieben Jahre Zuchthaus ist das mindeste, was Sie bekommen, hoffentlich. Wo. ist Dermot ? » « Dort, wo ich ihn hingesteckt habe », sagte die Frau mürrisch, aber ihr Gesicht war grau und ihre Stimme heiser vor Furcht. «Wahrscheinlich wird sich herausstellen, dass Sie schon etwas auf dem Kerbholz haben », sagte Nancy, die aber auf ihrer Hut war, als sich das Weib wie ein Tiger auf sie stürzte. Sie packte sie bei den Gelenken, rang mit ihr, blieb aber die stärkere. Aber sie wurde zerkratzt und gebissen von dieser Bestie, die gar nichts Menschenähnliches mehr hatte, und obwohl ich einzugreifen versuchte, konnte ich nicht viel nützen. In diesem Augenblick kam Rose zurück, und die Lage wurde noch verworrener, denn die Pflegerin musste bewacht, Rose fortgeschickt, Dermot aufgefunden, Nicholas herbeigerufen werden, und es war höchste Eile, zu Kenneth zu gelangen. « Wo ist Dermot ? » fragte Nancy. « Im Kohlenkeller», antwortete Rose mit weitaufgerissenen Augen. < Hol ihn heraus, und bringe ihn zu uns hinüber.» < Er hat nichts an >, sagte Rose etwas verblödet. < Was ? » « Ich weiss nicht, wo seine Kleider sind. » « Geh hinunter, lass ihn heraus, und bring ihn her.» «Ich bin nur neugierig, was Sie noch hier wollen? » sagte die Pflegerin höhnisch. « Sie haben wohl die Absicht, die ganze Nacht hierzubleiben ? » « Führen Sie sich anständig auf, sagen Sie uns, wo Dermots Kleider sind, und wir werden Sie jetzt laufen lassen», sagte Nancy, und ihr Blick traf den meinen. Ich nickte zustimmend. « Auf dem Küchentisch liegen sie, selbstverständlich. » Wir Hessen die Frau jetzt los. Im selben Augenblick sprang sie auf, versetzte jedem von uns einen Schlag mit der Faust, stürzte in das Nebenzimmer, und der Schlüssel drehte sich im Schloss. Es war eine Erleichterung, dass wir sie los waren. Es dauerte eine oder zwei Minuten, bis wir uns erholt hatten, dann erschien Rose, um zu melden, dass sie den Kellerschlüssel nicht umdrehen könne und dass Dermot entsetzlich schreie. Nancy stürzte aus dem Kinderzimmer, und ich setzte mich, denn letzt fühlte ich mich so schwach, dass mir die Beine den Dienst versagten, von meinen Nerven ganz zu schweigen. Rose starrte mich an. «Aus Ihrem Munde fliesst Blut», sagte sie İch führte mein Taschentuch gegen die Lippen und merkte, dass sie recht hatte. Dieses Weib, dessen Name ich nicht einmal kannte, hatte mir einen Zahn im Munde gelockert. «Ist Dermot schon einmal vorher in den Keller gesteckt worden ? >