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E_1939_Zeitung_Nr.002

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BERN, Freitag, 6. Januar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 2 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Anifab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10«— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgab* B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Landesausstellung und autotouristische Probleme Am 6. Mai 1939 öffnet die Schweizerische Landesausstellung in Zürich ihre Pforten. Man braucht kaum viele Worte darüber zu verlieren, dass auf diesen Zeitpunkt hin alle Vorkehrungen getroffen sein sollten, welche den Zustrom der Autotouristen des In- und Auslandes nach der Limmatstadt zu intensivieren vermögen. Denn allerdings wäre es eine nicht wieder gutzumachende Unterlassungssünde, wenn die in Betracht fallenden Massnahmen nicht rechtzeitig genug vorbereitet würden, als dass die Propaganda hiefür sowohl in der einheimischen wie in der Auslandspresse bis Ende April ihre Wirkung entfalten könnte. Im Rahmen einer solchen Aktion Hessen sich eine ganze Reihe von Erleichterungen und Verbesserungen durchführen, die berufen sein dürften, den Zustrom der Automobilisten zur Schweizerischen Landesschau zu steigern. Nach welcher Richtung hin sich diese Massnahmen in der Hauptsach© bewegen sollten, sei hier kurz zu skizzieren versucht. Frühzeitige Oeffnung der Alpenstrassen. Die Ausstellungsöffnung fällt auf einen Zeitpunkt, da die Alpenstrassen normalerweise noch geschlossen sind. Wenn auch im Frühjahr 1938 der Gotthard am 13. Mai erstmals fahrbar war, so bedeutet dies eine Ausnahme. Liegt am Gotthard viel Schnee, hilft der Föhn im Frühjahr nicht kräftig genug mit, und unternimmt der Kanton Tessin keine ausserordentlichen Anstrengungen, so wird der Gotthard kaum vor Anfang Juni offen sein. Das Gebot muss daher lauten : rechtzeitige Einleitung aller erforderlichen Schritte durch die Kantone, damit eine frühere Oeffnung gewährleistet bleibt. Das gleiche gilt auch bezüglich des Simiplons für den Kanton Wallis. Ueberhaupt sollte man aber dafür sorgen können, dass alle wichtigeren Alpenstrassen im « Jahre der Schweiz » möglichst früh aufgehen, da, wie anzunehmen steht, besonders die Auslandsautogäste mit dem Besuch der Ausstellung gerne eine lohnende Alpenfahrt verbinden. Aus dieser Forderung ergibt sich zwangsläufig die andere : nach einer möglichst langen Offenhaltung der wichtigeren Alpenstrassen im Spätherbst. F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 3. Fortsetzung. « Die meisten Menschen werden in ihrem Wesen von ihrem Beruf bestimmt», gibt der Radscha zu, «es ist recht wahrscheinlich, dass Don Aguillar etwas Raubtierhaftes an Sich hat. » « Das hat er unbedingt », bekräftigt Muriel die Worte des Inders, aber sie sieht dabei 'Alajor Law an, «ich hoffe wirklich, ich " werde mich nicht mehr mit ihm zu unterhalten brauchen. Mein Mann hatte mich gebeten, ihm eine geschäftliche Nachricht persönlich zu überbringen, aber ich.muss sagen, es ist kein Vergnügen für eine Dame, mit Don Aguillar zu verhandeln.» «War er ?» — Sir Andrews Antlitz spannt sich, dass die Backenknochen hervortreten — « Ist er zudringlich gewesen ?, Mistress d'Andrade ? > « Unhöflich ist er gewesen ! » erklärt Muriel und belohnt die sichtliche Besorgnis des Erscheint jeden Dlensta« und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürichs Lflwenstrasse 51, Telephon 39.743 Der Willkomm an der Grenze. Wie wär's, wenn man die Zollbeamten anwiese, im Jahre der Schweiz den ankommenden Autotouristen eine möglichst rasche, anstandslose Zollabfertigung zu bereiten ? « Keep smiling » sollte für unsere Douaniers die Losung sein, wie es denn auch wünschbar wäre, die Zollämter dieses Jahr besonders gut mit allem autotouristischen Auskunftsmaterial zu versehen. Mit zuverlässiger Auskunft an der Grenze wird man dem fremden Automobilisten grösste Dienste leisten können. Wegfall der statistischen Gebühren. Nichts verärgert den Auslandsgast so sehr, als wenn er, kaum beim Grenzzollamt vörgefahren, den Geldbeutel ziehen muss, um irgend eine Gebühr zu bezahlen, mag sie auch noch so klein bemessen sein. Oft besitzt er zudem noch kein Schweizergeld. Noch immer jedoch verlangt die Schweiz von den Inhabern von Grenzpassierscheinheften für die erste Einreise eine statistische Gebühr von 10 Rappen pro 100 kg, die aus irgend einer prähistorischen Verordnung hergeleitet wird, während für die Einreisen mit andern Zolldokumenten diese Gebühr nicht zu bezahlen ist. Im « Jahre der Schweiz » darf man mit diesem « Zopf» getrost aufräumen. Der Ausfall wird das finanzielle Gleichgewicht (!) des Bundes nicht in Mitleidenschaft ziehen. Verbilligtes Ausländerbenzin. Angesichts der Tatsache, dass Italien, Frankreich, Belgien und Luxemburg auch 1939 am Dumpingsystem des verbilligten Ausländerbenzins festhalten, wird auch der Schweiz nichts anderes übrig bleiben, als mitzumachen. In diesem Falle aber proklamiere man die Verlängerung des gegenwärtigen Regimes, das noch bis Ende März 1939 Gültigkeit besitzt, so rasch als möglich und bringe zugleich auch die dringend nötigen Korrekturen an. Beseitigung des Höchstquantums von 300 Liter, Gewährung der Verbilligung auch für Gesellschaftswagen, Bezug der Benzingutscheinkarte in allen wichtigern Städten und Touristenzentren, Orientierung aller einfahrenden Automobilisten über die Vergünstigung, ohne dass vorerst darnach gefragt werden muss (kurzgefasster Proi spekt). (Schluss folgt.) Das «Arrowbile», eine Konstruktion des Amerikaners Waterman, die an der Flugzeug-Ausstellung von Los Angeles zu sehen war und über die wir auf Seite 3 dieser Ausgabe berichten. Majors mit einem Blick, der ihn vollends aus dem Gleichgewicht bringt. «Er ist mit mir umgegangen wie mit einem Geschäftsboten, der eine unerwünschte Nachricht bringt.» « Ich werde ihm nach der Vorstellung Manieren beibringe ! » verspricht Major Law. Bei der Erklärung Muriel d'Andrades ist ihm ein Stein vom Herzen gefallen und er freut sich ehrlich auf einen Zusammenstoss mit Don Aguillar, dem die meisten Männer lieber weit aus dem Wege gehen würden. «Sie werden gar nichts tun!» verlangt jedoch Muriel gebieterisch. « Widersprechen Sie nicht ! Sie werden mich nicht kränken wollen. Ausserdem ist es Sache meines Mannes, sich mit Aguillar auseinanderzusetzen. » « Aber Ihr Herr Gemahl ist nicht anwesend ! » wendet Sir Andrew ein. «Wenn er überhaupt vorhanden ist ?» zweifelt der Radscha im stillen. Natürlich bringt er nichts Derartiges über die Lippen, doch seine Erfahrungen berechtigen ihn zu einiger Skepsis schönen Frauen gegenüber. « Charles kommt morgen in Le Bourget an», verkündet Muriel bestimmt, doch ohne Begeisterung, «ich werde ihn vom Flugplatz T)as «((tieyettde» Automobil abholen und er wird dann alles selbst erledigen. » «Ihr Gatte ist Kaufmann, Madame ? > fragt der neugierige Inder. « Handelsagent, Hoheit», erwidert Muriel so kühl, dass weitere Fragen abgeschnitten sind. Vor Sir Andrews geistigem Auge erscheint das Bild eines kleinen, dicken, plattfüssigen Kommissärs, den er gleichzeitig verachtet und beneidet. Staubsauger gefällig ? Radioapparate ? Grammophone ? Ekelhaft, dass diese Frau einen solchen Mann hat. « Was verkauft ein Agent, dessen Frau im Carlton wohnt, an einen Tigerdompteur ?» grübelt der Radscha. « Merkwürdiges Europa! » Inzwischen ist die Manege voll Wasser gelaufen, die Clowns sind hinausgepurzelt und die grosse Goldrgäberpantomime beginnt. Von der Bühne ist ein schräger Steg INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 48 Rp. Grfissere Inserate nach SpezialtarM Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer „Pflüder" und Glatteis wie wir sie gerade jetzt in-lieblichem Wechsel vorgesetzt kriegen, sind in selten hohem Mass dazu angetan, den Automobilisten in brenzlige und gefährliche Situationen zu verwickeln. Nicht immer meint es das Geschick so gnädig, dass es ihm — in Gestalt eines mehr oder weniger ausgewachsenen Schlenkers — bloss eine warnende Lektion erteilt. Wer sich in die Unfallchronik der letzten Tage vertieft, der findet in den Zeitungsmeldungen eine ebenso umfangreiche wie nachdenkliche Musterkarte von Verkehrsunfällen, die samt und sonders auf das Konto c Pflotsch und Glatteis » gehen. Wirklich ? Nur diese mit Recht so unbeliebten Zutaten des Winters sollen dabei die Hand im Spiel gehabt haben ? Als äussere Ursache: ja, oder « meistens mindestens >, aber geschlossen wurde die Kette des Kausalzusammenhangs, an deren Ende der Unfall stand, eben erst durch menschliches Fehlverhalten. Genauer gesagt dadurch, dass der Fahrer die Tücken besagten Matsches und der Vereisung unterschätzte, seine Geschwindigkeit dem gegebenen Strassenzustand nicht anpasste, anders ausgedrückt also zu schnell fuhr. Einen Wagen auf völlig trockener Strasse und auf solcher mit Schneemarmelade oder Glatteisüberzug zum Stehen zu bringen, .sind jedoch zwei paar Stiefel. Es ist von Vorteil, sich dieser Regel der automobilistischen Elementarschule indessen nicht erst zu entsinnen, wenn es geknallt hat. Fahren Sie daher weich, geschmeidig und mit der nach den Umständen gebotenen Vorsicht. Immer noch besser, Sie kommen, wenn auch behutsam bummelnd und schleichend ans Ziel als gar nicht. Dann haben Sie es auch nicht nötig, die Bremsen zu beanspru- In dieser Nummer s Um die Typenbeschränkung in Deutschland. Das «fliegende» Automobil. Maserati vor ERA im G.P. von Südafrika. Betrachtungen zum Problem der Federung. Beilage: heruntergelegt, auf dem Pferde, Reiter und einige exotische Tiere unter bengalischer Beleuchtung ins hochaufspritzende Wasser sausen. Es sieht ungemein halsbrecherisch aus. Der Anführer der Indianer ist ein grosser Kerl auf einem wundervollen Rappen. Man glaubt ihm Mut, Kraft und Blutdurst auf den ersten Blick. Der Häuptling ist Don Aguillar, der wie alle andern Artisten auch in der Pantomime mitwirkt. Sir Andrew vergleicht ihn mit dem Bilde, das er sich von Mister d'Andrade gemacht hat Wenn es wirklich zu einem Rencontre zwischen den beiden kommt, wird Muriel bald frei sein. Major Law erschrickt nachträglich selbst über diesen Gedanken, der eines Gen- Ieman ganz unwürdig ist., II. Der Mann aus der Fremde. «Charles! Charles'!» Peggy Troy lehnt sich weit aus dem Fenster, um einem jungen Mann zuzuwinken, der vor dem Gartentor gerade aus einem Mietsauto steigt. «Aber Peggy.!•»• mahnt Lady Constanza Troy chokieft. Sie findet es weder passend noch klug, einem Manne seine Zuneigung so offen zu zeigen, selbst wenn man mit ihm jung verlobt ist. Doch ihre Tochter lässt sich nicht stören. Während sie schon fast gefährlich weit hinausgebeugt ist ruft sie mit ungenierter Begeisterung ins Zimmer zurück: