Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.011

E_1939_Zeitung_Nr.011

BERN, Dienstag, 7. Februar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 11 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS El Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5.-, Jährlieh Fr. 10«— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgab* B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljahrlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 1 mal ..Grlbr U«t«" REDAKTION a. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GescharisMrll» Zürich: I.flwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarif Inseratensrhluss 4 Tage »or Ersehelnon der Nnmmcr RATIONELL EISEN Leichte Touren-Planung durch das Auto Die besonderen Vorteile des Automobils für den reisenden Kaufmann treten am augenfälligsten in Erscheinung bei der Planung der Reisetouren. Diese Planung hängt wiederum eng zusammen mit der Natur des betr. Geschäftsbetriebes und der bereisten Kundschaft. Je nach der Art der sich daraus ergebenden Reisetätigkeit sind die Vorteile des Autos ver- Schteden.' Vorteile bringt das Auto natürlich fast immer, und meistens geben erst die Kosten den Ausschlag in der Frage Bahn oder Auto. Im Grunde genommen sind die Methoden der Reisetätigkeit sozusagen in jedem Falle verschieden, für jeden Betrieb und für jeden reisenden Kaufmann. Trotzdem lassen sich die Reisemethoden nach einigen Hauptgesichtspunkten gewissermassen als Gegensatzpaare gruppieren. So bedingt der Verkauf von Stapelartikeln eine Reisetätigkeit, die sich nach dem voraussichtlichen Lager-Auffüllungsbedarf bei den Kunden richtet, der Kunde wird somit in regelmassigen-Abständen besucht. Bei Investitionsgütern dagegen ist der Kunde nach Tätigung des Geschäfts lange Zeit nicht mehr Besuchsöbjekt. Verschieden wird auch die Methode sein, je nachdem im allgemeinen aus dem Besuch gleich eine Bestellung hervorgeht, oder ob wegen ganz Ungewissem Bedarf der Kunde nur zur Erinnerung aufgesucht wird. Gegensätzliche Methoden werden auch durch die Verteilung der Kundschaft bedingt, wie dies entweder bei einer regelmässig aufs ganze Land dicht verstreuten Kundschaft der Fall ist und somit jede Ortschaft systematisch «abgegrast » wird, oder bei der Zusammenballung der Kundschaft in den grossen Zentren (z. B. Grossisten-Kundschaft), wo die Benützung der Schnellzüge unbestrittene Vorteile bringt. Alle diese gegensätzlichen Methoden werden selten rein angewandt, und es tritt immer eine gewisse Mischung ein. Bei näherer Betrachtung lassen sich jedoch immer wieder zwei Hauptgruppen herausschälen. Es wird entweder das « Abgrasen » von Ortschaften bei dicht verteilter Kundschaft, beim Verkauf von Gegenständen regelmässigen Bedarfs, vorwiegen und es kann im allgemeinen mit einer gewissen Anzahl fertiger Geschäfte gerechnet werden. Oder aber es wird die Kundschaft erst bei sicher vorliegendem Bedarf, z. B. nach bereits schriftlich ergangener Offerte besucht, und die Freizeit des Reisetages wird mit Erinnerungsbesuchen ausgefüllt. Im einen wie im andern Fall ist das Rückgrat jeder Reisetätigkeit eine gutgeführte Kundenkartei Für solche existieren in Spezialgeschäften gut ausgedachte Formulare; aber es lohnt sich häufig, sich solche Karten nach eigenen Angaben herstellen zu lassen. Diese Kundenkartei kann in einem sauberen Kästchen untergebracht und ständig im Wagen mitgeführt werden, mindestens die ganze Kartei der auf der betr. Tour erreichbaren Gegend. In dieser Kartei wird man gewissermassen den Steck- brief des Kunden eintragen, wie z. B. die von ihm fabrizierten Artikel, sein uns interessierender Bedarf, seine Kaufsgewohnheiten, Besuchszeiten, Namen der massgebenden Herren, sein voraussichtlicher Bedarf, frühere Offerten und Lieferungen,- Kredit, ja sogar persönliche Liebhabereien und .Marotten, die den Zugang zu der oft so wertvollen Privatsphäre erleich?' tern. Die Ordnung dieser Karten geschieht zweckmässig nach geographischem Prinzip, Im Laufe des verflossenen Jahres haben sich in einer Reihe von europäischen Ländern beachtliche Wandlungen in der staatlichen Verkehrspolitik, besonders im Bereich des motorischen Schwerverkehrs, gezeigt. Nachdem dieser Verkehr fast überall durch mehr oder minder scharfe Restriktionsmassnahmen der Behörden im Interesse der Eisenbahnen empfindlichst beengt worden ist, macht sich nunmehr in einzelnen Staaten eine bemerkbar. Sie entspringt der wachsenden Erkenntnis, dass jene systematische Unterdrückung des gewerblichen Automobilismus dem Schienenverkehr wenig Nutzen, de/ Gesamtwirtschaft aber um so grössereii Schaden gebracht hat Hierbei treten in einer po'itisch so unsteten Weltsituation wie der heutigen naturgemäss auch die wehrwirtschaftlichen Gesichtspunkte stark beherrschend in den Vordergrund. Ohne Zweifel sind zurzeit die militärischen und zwar nach dem Einzugsgebiet gewisser Rundtouren. Vom Ausgangspunkt aus wird das Vertretungsgebiet gewissermassen strahlenförmig aufgeteilt. Wenn nach Massgabe bestehender Dossiers (Offerten etc.) gereist wird, so werden diese ebenfalls zu Hause noch in der Reihenfolge der Rundtour in die Mappe klassiert, wobei an Hand der Kartei die zweckmässige Besuchszeit etc. und andere Gesichtspunkte berücksichtigt werden können. Die Reihenfolge der Kunden ergibt sich dann ohne weiteres, wenn man die Gruppierungsarbeit auf einer grossen Automobilkarte vornimmt. Dabei hüte man sich, ohne Not Nebenstrassen vorzusehen, denn die ersparten Kilometer gleichen den unvermeidlichen Zeitverlust selten aus, es sei denn, dass man sich einige Erfrischung durch Abschweifung in den « Tourismus » gönnen will. Das Mitführen der Kundenkartei ist deshalb nützlich, weil immer unerwartete Verspätungen eintreten oder wegen Abwesenheit eines massgebenden Herrn Zeitlücken vorkommen, so dass man für Erinnerungsbesuche sofort Anregungen aus der Kartei schöpfen kann. interessanten Ortschaften in Kauf nehmen muss. : .Sehr -viele lohnende Kunden liegen wegen .'.billigen Arbeits- und Wasserkräften abseits der Bahnlinien; da hat der Autoreisende viel weniger Hemmungen, auch sie aufs Geratewohl hin zu besuchen. In ausgedehnten Städten ist man froh, wenn man sein eigenes Taxi hat, um zu den meist an der Peripherie gelegenen Industrien zu gelangen. Ein gewisser Nachteil des Autos ist der Umstand, dass der Bahnreisende sich zwischen zwei Besuchen ausruhen oder präparieren kann, während der Autofahrer eigentlich ununterbrochen Arbeit leistet. Hier muss man sich eben vor einer gewissen Gier frei machen, die einen sonst treibt, immer mehr und noch mehr Kunden besuchen zu wollen; man muss sich hie und da einen Ruck geben, eine Ruhepause einzuschalten. Bei einiger Ueberlegung ist es ja eine Kleinigkeit, sich etwas Ausspannung dadurch zu verschaffen, dass man bequeme Gaststätten. Strandbäder etc. improvisierend in sein Tagesprogramm einflicht. Wenn man aber seinen guten Tag hat. so richtet man zweckmässig die Tour so, dass die hierzulande reichlich lange, unbrauchbare Mittagspause von 11.30—14,30 Uhr mit Fahren ausgefüllt wird. E. Pfister. (Weitere Artikel rum Thema «Rationell reisen» auf den folgenden Seiten.) Der Lastwagenverkehr in der Wehrpolitik « Gegenbewegung » Das ist ja die Stärke des Autos, dass die Zeit restlos ausgenützt wird, dass man nicht wegen Zugsanschlüssen Verkau'sgespräche im fruchtbaren Moment abbrechen oder wertlose Wartezeiten in un^ Instanzen die wirksamsten Förderer einer planmässigen Expansion des so lange künstlich darniederliegenden gewerblichen Automobilverkehrs, dessen Unentbehrlichkeit als Mötörisierungsreserve der kämpfenden Truppe sich in den kriegerischen Ereignissen der letzten Jahre erneut aufs drastischste erwiesen hat. Besonders sinnfällig ist die bewusste Abkehr vom früheren Prinzip der Beschränkungen des gewerblichen Automobilismus in Deutschland zutage getreten, wo schon vor Jahresfrist die Aufstellung eines Sofortprogramms für den Güterkraftverkehr die Entschlossenheit zu einer weitgehenden Neuordnung dieses Transportzweiges in Richtung einer starken Intensivierung seiner Betätigung ankündigte. Die Aussetzung von « Werbeprämien > für kraftwagenbenutzende Speditionsfirmen, der stärkere Ausbau des Reichs-Kraftwagen-BetriebsverbandeSi die Aufhebung der Konzessionssperre, sowie die engere Verquickung von Speditionsgewerbe uod. Transportbetrkh waren wichtige Schritte auf dem Wege zur Expansion des deutschen Nutzkraftverkehrs, deren wehrpolitische Motive durch die gegen Ende des vorigen Jahres erfolgte Ernennung eines « Generalbevollmächtigten für das deutsche Kraftfahrwesen » auch nach aussen hin noch besonders unterstrichen wurde. Als eine der vordringlichsten Aufgaben dieser Stelle ist die Typenbeschränkung in der deutschen Lastkraftwagenindustrie bezeichnet worden, deren Zweck es sein soll, durch äusserste Rationalisierung der Fahrzeugproduktion ihre mengenmässige Ausbeuten auf ein Höchstmass steigern und zugleich- durch weitestgehende Uniformierung der Wagenkategorien den Bedürfnissen der Landesverteidigung Rechnung zu tragen. Durch Beschränkung der gesamten Lastwagenfabrikation auf drei Grundtypen — bislang wurden noch mehr als 100 verschiedene Baumuster hergestellt — soll eine Zunahme der Erzeugung um mindestens 20 % erreicht werden. Aehnliche Tendenzen scheinen sich auch in Frankreich durchzusetzen, wo das Ministerium für Oeffentliche Arbeiten aktiv für die Normung im Nutzfahrzeugbau eintritt. Dem Vernehmen nach ist zunächst vorgesehen, die Lastwagenchassis so weit zu standardisieren, dass sie von den verschiedenen Firmen in Einheitstypen für 4- und 6-Tonner nach gleichem Baumuster in grossangelegter Serienfabrikation hergestellt werden können. Fraglos ist auch dieser Plan weitgehend durch militärische Erwägungen bestimmt. Strategische Motive dürften auch in erster Linie den jüngsten französischen Verordnungen über die künftige Besteuerung der im öffentlichen Dienst stehenden Motorfahrzeuge zugrundeliegen. Hiernach sollen alle in der Zeit zwischen November 1938 und Dezember 1942 neu registrierten Wagen bis zu 12 t für die Dauer von zwei Jahren nach dem Tag der Zulassung völlig abgabenfrei bleiben und für weitere zwei Jahre nur mit der halben Automobilsteuer belastet werden. Dafür werden ab 1. Januar 1939 die über 10 Jahre alten Fahrzeuge künftig eine um 50 % erhöhte Kraftwagensteuer zu entrichten haben. Wieweit diese deutlich auf eine Verjüngung des Nutzfahrzeugparks und somit auch auf dessen Leistungserhöhung abzielenden Massnahmen zugleich eine Steigerung des gesamten Wagenumlaufs auslösen wer- In dieser Nummer: Sportreglemente 1939 des ACS. Der nicht automatische Schongang. Lerne deinen Wagen kennen! Am Steuer sein Leben lang! Was kostet ein Wagen? Feuilleton: S. 2.