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E_1939_Zeitung_Nr.012

E_1939_Zeitung_Nr.012

BERN, Freitag, 10. Februar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No la ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Anif&b« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgab« B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Autofahren—eine Sache des Charakters Der Gewissenlose und der Unfähige — die beiden Grundtypen der Verkehrssünder. Bei der Frage nach den Ursachen eines Verkehrsunfalles wurde bisher nach der Methode vorgegangen, dass man den konkreten Unfallbedingungen nachforschte, sie vielseitig beleuchtete und am Schluss fein säuberlich nachwies, es habe aus den « vorgenannten Gründen zwangsläufig zu dem Unfall kommen müssen ». Heute beginnt indessen eine neue Betrachtungsweise Fuss zu fassen, die sich in ganz anderer Richtung bewegt Sie gibt sich nicht mehr mit der Feststellung des Bremsweges und einiger komplizierter mechanischer Zusammenhänge zufrieden, sondern sie greift vom arbeitenden willenlosen Material über zum « geistigen Urheber > und darin liegt das Wesen dieser neuen Richtung begründet, dass sie 1) den Gewissenlosen and 2) den Unfähigen als die beiden Erbfeinde eines reibungslosen Verkehrs herausschält Der « Gewissenlose » und der c Unfähige » verkörpern zwei Menschentypen, ja sie können, grob gesprochen, sogar zwei verschie? dene Temperamente repräsentieren. Jedenfalls stellen sie zwei uns allen sofort geläufige «Arbeitstypen» dar, die sich in der ihrem « Typus » gemässen Form als Fahrer verhalten. Ein gewichtiger Prozentsatz aller überhaupt vorkommender Verkehrsunfälle geht wohl tatsächlich auf deren Konto. Daneben ist natürlich eine — allerdings geringe — Anzahl von Unfällen natürlich auf Faktoren zurückzuführen, die dem menschlichen Zugriff verschlossen bleiben, die < Zufälle », mit denen wir für alle Zeiten werden rechnen müssen, wie Materialfehler usw. Unsere Betrachtung soll also den beiden obenerwähnten Typen gelten. Und wenn der Schein nicht trügt, so dürfen, wir glauben, uns diesmal auf der richtigen Fährte zu befinden. Der Unfähige. F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Jobann Friedrich. 13. Fortsetzung. Im Wartezimmer nebenan erhebt sich ein Flüstern. Muriel spitzt die Ohren und — siehe da! — man spricht englisch, allerdings ein Englisch, das es-an Fehlerhaftigkeit mit Muriels Französisch durchaus aufnehmen kann. Sie unterscheidet deutlich das Organ des Arztes, der mit einem andern Mann, wohl dem Diener, flüstert. « Paulo », sagt Dr. Martinez, « diese Person da drin ist mehr als verdächtig. Nervenkrank ist sie" bestimmt nicht, sie hätte meine Ausfragerei sonst nicht die Hälfte der Zeit ausgehalten. Spanisch sprechen will sie auch nicht, ich bin mir nicht klar darüber, ob sie es sieht beherrscht, oder ob sie andere Gründe für ihre Weigerung hat. Jedenfalls wird sie hoffentlich nicht englisch verstehen, falls sie etwa horchen sollte, was ich ihr durchaus zutraue.» Erscheint Jeden Dienstag und Freitag WSchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe U«te" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesohirtsttelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 merksamkeit auf ein eng begrenztes wie auf ein sehr weites Umfeld zu verteilen und gleichförmig gespannt zu halten. Man hat die « Schreckzeit» erforscht und nicht zuletzt die völlige Beherrschung des körperlichen Bewegungsapparates analysiert und in zahllose Einzelkomponenten zerlegt, denen man verschieden hohe Bedeutung beimisst. Uebbarkeit, Entfernungs- und Geschwindigkeitsabschätzungsvermögen waren und sind Gegenstand langer Erörterungen über die Eignung zum Motorfahrzeuglenker. Zweifellos würde es ermüden und zum Teil auch wenig Neues bringen, wollte man aufzählen, welche wichtigen und unwichtigen psychischen und physischen Faktoren auf der Suche nach dem Unfallfaktor schon ins Zentrum wissenschaftlicher Reflexion gerückt worden sind. Nicht dass wir uns freilich über diese Bemühungen hinwegsetzen wollten. Nein, wir anerkennen und wissen, dass vor dem Auto die Einzelteile waren, ebensogut wie wir wissen, dass die < Medizin» erst entstand, nachdem man über einen gewissen Umfang' stichfester Einzelforschungen verfügte. Gerade die mühsame, jahrelange und exakteste (meist experimentelle) Kleinarbeit hat uns eine derartige Menge von genauer Einzelkenntnis verschafft, dass nun die Zeit gekommen sein mag, das viele Kleine zusammenzutragen zum grossen Ganzen. « Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile » haben schon die alten Philosophen gelehrt. Und wie ein Automobil mehr verkörpert als die Summe einfach nebeneinandergestellter Räder, Achsen, Bleche usw., so muss auch der unfallstiftende und erleidende Mensch nicht nur als ein loses Konglomerat von dem Unfall günstigen Einzeleigenschaften gewertet werden. Diesen Gedankengängen nähert sich eine schon 1929 entstandene Arbeit des Psychologen Poppelreuter über « Die Analyse der Fahrer-Lenkertätigkeit». Darin spricht er bereits den Gedanken aus, dass das Autofahren nicht so sehr eine Geschickiichkeits- als vielmehr eine Charakterfrage ist. Wenn auch den obenerwähnten Einzelfaktoren und deren Untersuchung für die Beleuchtung der einzelnen Unfallsituation, d. h. also für deren nachträgliche Rekonstruktion unbestreitbar ihre Bedeutung zukommt, so führt deren Kenntnis jedoch noch nicht ohne I weiteres vorwärts, d. h. vor den Unfall und « Da habe ich ja einen guten Eindruck gemacht », denkt Muriel und öffnet jetzt wirklich etwas nervös ihr Täschchen, in dem ein kleiner, doch gut eingeschossener Revolver mit Silberbeschlägen liegt. « Was sollte sie denn aber wollen, wenn sie keine richtige Patientin ist ? » hört Muriel Paulo fragen. « Sie wird ein Attentat auf mich vorhaben ! » zischt Dr. Martinez zurück. «Sie wird von Riveraltas Leuten bestochen sein. Sie werden auf diese Weise verhindern wollen, dass ich für Sabanillos zu einem Abschluss mit dem Engländer komme, der das Schiff mit Minution verschachern will.» «Er fürchtet sich ja vor mir! » Muriel klappt mit einem kleinen, erstaunten und mokanten Lächeln die Tasche wieder zu. Draussen flüstert es noch eine Weile ganz vorsichtig und unverständlich, datin kehrt der Arzt zurück. « Verzeihen Sie, Madame >, sagt Dr. Martinez, «ich hatte eine wichtige Abhaltung. Mit ihm hat man sich bisher eigentlich ganz allein befasst, man hat die Grenzen des menschlichen Reaktionsvermögens zum Gegenstand exaktester Messungen durch elektrische Instrumente gemacht und die Ermüdbarkeit der Sinne und Muskeln langwierigen und schwierigen psychologischen und physiologischen Experimenten unterworfen. Man hat sich bemüht, die Blendung des Auges zu vermeiden und Versuchseinrichtungen konstruiert, um festzustellen, inwieweit ein künftiger Fahrer imstande sei, gleichzeitig seine Aufgegen den Unfall. Diese Ueberlegungsart zeigt vielmehr, dass ein Unterschied besteht zwischen einer Unfallerklärungs- und Unfallvermeidungspsychologie. Poppelreuter bezeichnet das Autofahren als « die Lösung des Konflikts zwischen Schnelligkeit und Sicherheit einerseits und der Sorgsamkeit anderseits >. Immer wächst oder nimmt das eine ab auf Kosten des andern. Wie er diesen Gewissenskonflikt löst, bleibt jedem Automobilisten selbst überlassen. Hochinteressante Versuchsfahrten haben indessen Aufschluss darüber geliefert, wie die einzelnen Prüflinge den Konflikt zwischen der freigestellten Geschwindigkeit und der genauen Einhaltung des vorgeschriebenen Weges überwanden. Sofort schälten sich einzelne markante, jedem Fahrlehrer geläufige Typen heraus. Da war zunächst der «mechanische », der das Steuern sofort heraus hatte, dann der «bewusste», der viel weniger glatt, sondern eher unsicher und ängstlich die Strassenmitte einhaltend im Zuckeltrab einherschlich, da war aber auch der « Drauflos »-Typ, dem es gar nicht auf Einhaltung der ihm zugewiesenen Fahrbahn ankam, sondern der in zwar glatter, aber völlig unvorschriftsmässiger Fahrt davonzisehte. Ueberhaupt hat es den Anschein, als ob das vom automobilistischen Säugling gewählte Tempo jedem Fahrlehrer sofort verraten könne, mit welchem Typus er es zu tun habe. So oder so lässt sich das Resultat dieser Versuche • ijeteendermassen zusammenfassen : Der' anfänglich unsichere Fahrer, der ängstlich nach rechts und links schielt, holt alsbald den sozusagen «von Hause aus» Schon eine oberflächliche Betrachtung der Schweizerkarte genügt, um erkennen zu lassen, in welchem Ausmasse die politischen Veränderungen an unserer Ostgrenze zu einer Verschlechterung unserer militärgeographischen Lage geführt haben. Immer dringender wird neben der im Maximum während ganzen 6 Monaten befahrbaren alpinen Transversale vom Genfersee über Pillon oder Les Mosses, Sustenpass (bestenfalls 1943/44 fahrbar), Klausen, sowie der in Aussicht genommenen Verbindung vom Glarnerland ins Vorderrheintal der Ruf nach einer voralpinen Verbindung vom Genfersee ins Gebiet des obern Zürichsees. Anfänglich vertraten militärische Kreise die Ansicht, es genüge der Ausbau des 1952 m hohen Klausenpasses zu einer wintersichern Verbindung vollkommen, und der Pragel, Wir können nun fortfahren.» Damit schlägt er wie unwillkürlich auf die rechte Jackettasche. Er hatte das nicht nötig. Muriel hat auch ohnedies sofort gesehen, dass er inzwischen eine Pistole von mächtigem Kaliber zu sich gesteckt hat. «Herr Doktor», flötet sie mit gespielter Hast, « lieber Herr Doktor, ich bin untröstlich. Ich sehe eben, meine Zeit ist um. Ich muss in zwanzig Minuten im Salon Ambrose sein. Mme Ambrose hat mir ein schwarzes Kleid zurückgelegt — bonheur futur heisst das Modell — schon der Name fasziniert mich. Sie können sich nicht denken, wie entzückend es ist. Es passt so gut zu mir. Aber sie wird es mir nicht eine Minute länger aufheben als verabredet und, nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Doktor, Sie würden grosse Mühe haben, den Schaden wieder gutzumachen, den mir die Aufregung zufügen würde, wenn eine andere mir dieses Kunstwerk vor der Nase wegkaufte. Ich habe solche Eile, lieber Herr Doktor, wirklich solche Eile ! » Muriel ist aufgestanden und eilt wie m plötzlicher Hysterie zur Tür. Dr. Martinez folgt ihr langsam. Er nimmt sich nicht die Mühe, ihr zu antworten und lächelt vielsagend. Er glaubt nicht an das Kleid der Mme • INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 HD. Grössere Inserate nach Spezialtarii Inseratenschlnss 4 Taae »or Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Sir Henry Deterding f. Einweihung der Dessauer Rekordstrecke. Prüfung eines Wagens mit VD-Einbaukompressor. Vierganggetriebe mit drei synchronisierten Gängen. Beilage: eleganten an Geschicklichkeit ein. Eine Frage der Uebung und Zeit nur ist es, wann dieser Moment im einzelnen Fall eintritt. Die tatsächliche spätere Fahrleistung, d. h. also die gewissensmässige Lösung des Konflikts zwischen Tempo und eigenem Können stellt sich dann gar nicht in dem vermeintlichen Umfange als eine Geschicklichkeitsleistung, sondern als eine Gewissensfrage dar. Der gewissenhafte ungeschickte Fahrer kann jahrelang sein Unfallkonto sauber halten, weil er jeweils im richtigen Moment langsam fährt; der Draufgänger aber erleidet weit eher einen Unfall — trotz seiner hervorragenden Fahrtechnik. Schluss Seite 2. Es tagt in Sachen Prageistrasse! welcher vom Muotatal über den Klöntalersee ins Tal der Linth führt, brauche deshalb nur als 4,6 m breites Gütersträsschen erstellt zu werden. Als dann die Prageistrasse aus finanziellen Gründen im ersten Alpenstrassenausbauprogramm keine Berücksichtigung finden konnte, fand der Gedanke, wenigstens eine Güterstrasse zu erstellen, immer mehr Anklang. Auf diese Weise hoffte man der endlichen Verwirklichung dieses mehr als 100 Jahre alten Strassenprojektes am ehesten näher zu kommen-, in diesem Falle hätte man nämlich die Baute der Sektion für Bodenverbesserungen unterstellen können und nicht länger mehr umsonst auf Zuwendungen aus .den Alpenstrassenbaukrediten warten müssen. Dass die Glarner wie die Schwyzer getreu dem Sprichwort: Lieber den Soatz in der Hand als die Taube auf dem Dache ! sich mit einem Gütersträsschen abzufinden Ambrose, sondern an die Wirkung des Schiesseisens in seiner Tasche. Offenbar hat ihn diesmal sein Scharfblick gerettet. Im Bewusstsein seiner Ueberlegenheit hilft er Muriel höflich in den Mantel und fragt hinterhältig : « Werden Sie wiederkommen, Madame ? » «Aber selbstverständlich!» Muriel ist geradezu beleidigt. « Und jetzt hätte ich doch fast das Wichtigste vergessen ! Das ist eben meine nervöse Vergesslichkeit, Herr Doktor. Da sehen Sie es ! Ist es nicht furchtbar ? > Ein Blick aus Murieis untermalten Augen trifft ihn, so voll koketter Hilfslosigkeit, dass Martinez noch einmal schwankend wird. Sollte sie doch eine halbverrückte Patientin sein ? Da, plötzlich, mit einer raschen, taschenspielerhaften Bewegung hält Muriel dem Arzt etwas vor die Nase. Der fährt entsetzt zurück und vergisst sogar, nach der Pistole zu greifen. Wird sie ihm Vitriol ins Gesicht schütten ? « Dies ist ein Brief meines Hausarztes ! > ruft Muriel. «Lesen Sie ihn genau, Herr Doktor. Ich glaube nicht, dass Sie mich