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E_1939_Zeitung_Nr.027

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BERN, Dienstag, 28. März 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 27 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Ausgab* A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlieh Fr. 7.50 IC- Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gelbe UU«" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschirtsstellr Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarM Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Ueber das Einspuren von Kreuzungen Vor rund zwei Jahren haben wir in den Spalten der «Automobil-Revue» zu einigen « Problemen des Abbiegens an Kreuzungen » Stellung genommen. Anlass zu jenem Aufsatz gab die kurz zuvor durch verschiedene Einsender vertretene Forderung, dass auf Strassen, die infolge ihrer Breite das Nebeneinanderfähren mehrerer Fahrzeuge in der gleichen Richtung zulassen, die einzelnen Vehikel bei der Annäherung an Kreuzungen rechtzeitig diejenige Fahrspur aufsuchen sollten, die der Richtung ihrer Weiterfahrt jenseits der Kreuzung zugeordnet sei. Ein nach rechts abzweigendes Fahrzeug sollte sich danach dicht an den rechten Fahrbahnrand halten, ein gradaus weiterfahrendes die unmittelbar danebenliegende Spur aufsuchen und ein nach links abbiegendes sich in die gegen die Strassenmitte hin liegende dritte Spur begeben. Gegen den Erlass einer solchen Vorschrift, wie sie die damals im Wurfe liegende Lokalverkehrsverordnung vorsah, machten wir die Befürchtung geltend, dass die Aufstellung einer allgemeinen Verpflichtung zur rechtoder . gar ;> ,frühzeitigen Vorgliederung der Fahrzeuge -nach'. Abbiegerichtungen vor'den Kreuzungen, gewisse Gefahren in sich bergen könnte. Statt dessen redeten wir einer Rahmenbestimmung das Wort, die den zuständigen Ortsbehörden die Befugnis verliehe, von Fall zu Fall an einzelnen Kreuzungen ein derartiges Regime einzuführen, das dann aber unmissverständlich kenntlich zu machen sei. Im übrigen vertreten wir die Ansicht, es dürfte genügen, wenn durch eine weitere Vorschrift die Fahrzeugführer dazu verhalten würden, an Gabelungen und Kreuzungen ihre Fahrt so einzurichten, dass die nach andern Richtungen abzweigenden Vehikel in ihrer Weiterfahrt möglichst wenig beeinträchtigt würden. In dem seit jenen Ausführungen verstrichenen Zeitraum hat nun die technische und polizeiliche Verkehrsregelung in der Schweiz an einzelnen Orten eine Entwicklung durchgemacht, die es erlaubt, an Hand neuer Beobachtungen die seinerzeitigen Bedenken nachzuprüfen. Einzelne Städte sind dazu übergegangen, nach ausländischem Vorbild gewisse Strassen vor ihrer Ausmündung auf Kreuzungen oder Plätze durch weisse Linien auf der Fahrbahn in Richtungsspuren zu unterteilen und diese durch gerade oder geknickte Pfeile je nach der F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrieb. 25. Fortsetzung. « Ganz recht, Matnmy», Peggy ist ganz wohlerzogene Tochter. «Ich bin mit allem einverstanden. Wenn du nicht grade Barchentwäsche für mich anschaffst...» « Kannst du denn niemals ernst sein ?» Lady Constanza empört sich bereits im Aufstehen. Sie ist richtig nervös und hat sich ganz im stillen im Verdacht, dass sie selbst das Einkaufen der Aussteuer heisser nimmt als Peggy. Die Pariser Schaufenster bewähren wieder einmal ihre zauberischen Eigenschaften. Abgesehen davon, dass wirklich viel besonders Hübsches und Apartes zu sehen ist, bekommen auch Dinge, die man an anderem Orte kaum sehr beachten würde, in ihrer Auslage etwas Verlockendes. An einigen Läden schleppt sich Lady Constanza mit Energie vorbei, dann beginnt sie doch zu kaufen. Kleinigkeiten nur, eine Tasche, ein Paar Ballschuhe, einen besonders hübschen Schirm. Peggy lächelt in sich hinein, plötzlich stehen sie vor dem grossen Eckschaufenster des Salons « Mme Sonja». < Es ist die frühere Grossfürstin», erklärt Lady Constanza achtungsvoll gedämpft. Peggys Generation ist nicht so romantisch wie die ihrer Mutter. Ihr ist das Vorleben der Modeschöpferm Mme Sonja gleichgültig. Aber die Auslage fasziniert sie. Es ist eine Spezialausstellung. Man zeigt hier die Brautausstattung des .Fräulein Lisette Meunier. die bis vor wenigen. Wochen eines unter vielen Tanzgirls war, die aber in kurzem den amerikanischen Millionär Horace Vangouldt heiraten wird. Es gibt augenscheinlich nichts, was Mlle Meunier in Zukunft je fehlen wird, vom Topftuch bis zum Kopftuch aus Brüsseler Kante ist alles vorhanden, apart, zahlreich und selbstredend von allerbester Qualität. Peggy führt ihre Augen unter den Schätzen spazieren,, von" denen sie als vernünftiges Mädel weiss, dass sie auch füi ihren reichlichen Kreditbrief unerschwinglich sind. Lady Constanzas Augen hängen wie gebannt in einer Ecke des Schaufensters; Peggy bemerkt, dass auch die vielen anderen Frauen, die gleich ihr diese Demonstration unerschöpflichen Reichtums bestaunen, Abbleger!chtung, der sie zugeordnet sind, als solche kenntlich zu machen. ' So hat z. B. Zürich bereits eine ganze Reihe von Fahrbahnen auf diese Weise ausgestattet, wie die Weinbergstrasse bei der Einmündung auf den Leonhardsplatz, die Mühlegasse bei derjenigen auf den Limmatquai, die Fortsetzung des Bleicherweges auf dem Päradeplatz und diejenige der Rämistrasse auf dem Bellevueplatz, die Uraniastrasse bei der Kreuzung mit der Bahnhofstrasse usw. Die dadurch an diesen Stellen erreichte Vorgliederung der Fahrzeuge nach Abbiegerichtungen macht sich bei'*'der Verkehrsabwicklung sehr vorteilhaft bemerkbar. Sie erleichtert den Abfluss der Fahrzeuge ungemein, sei es, dass der Polizist je nach Verkehrslage'•• nur eine einzelne Fahrrichtung freigibt und dann die in der entsprechenden Fahrspur angesammelten Fahrzeuge ungestört abfliessen können, sei es, dass das Lichtsignal die Strasse gesamthaft freigibt und sich die zwei oder drei Richtungskolonnen ohne gegenseitige < Verwerfungen » reibungslos auseinanderfädeln. Dieses System funktioniert auch dann noch befriedigend, wenn die Breite der betreffenden Einbahnstrasse oder Strassenhälfte nur eine Teilung in zwei statt in drei Richtungsspuren ermöglicht, die eine Spur nimmt dann nur die Abbieger nach links oder rechts auf, während die andere für die Abbieger der andern Richtung und für die Gradausfahrer bestimmt ist und dementsprechend statt eines geknickten einen geraden Pfeil besitzt, der für die «Fahrzeuge der Mitte •» jeden Zweifel über, den ihnen zugewiesenen Fahrstreifen behebt. ; Den unbestreitbaren grossen Vorteilen einer solchen Vorordnung der Fahrzeuge nach Abbiegerichtungen stehen jedoch gewisse Nachteile, wenn nicht Gefabren gegenüber, welche die grundsätzliche Berechtigung der von uns seinerzeit geltend gemachten Bedenken in interessanter Weise bestätigen. Das Regime der Richtungsspuren an Kreuzungen beseitigt ja die gegenseitige Auseinandersetzung der einzelnen von verschiedenen Seiten kommenden und nach verschiedenen Richtungen strebenden Fahrzeuge ihre Hauptaufmerksamkeit dorthin lenken. Da steht auf einer Puppe ein zierlich einfaches Kleidchen, viel zu einfach für diese Umgebung, und nicht einmal neu. Aber es ist ein Schild daran; « Mlle Meuniers Glückskleid. In diesem Kleidchen lernte Mr. Vangouldt Mlle Lisette kennen und verliebte sich auf den ersten Blick in sie ! » « Dabei ist doch nichts Besonderes dran! » sagt eine Französin aus dem Volke nachdenklich zu ihrem Begleiter. « Das ist es ja grade », lächelt der junge Mann zurück. «Ich finde djese Glücksrobe nicht nur ziemlich bescheiden, sondern auch überaus kurz.» « Komm jetzt t •» sagt Lady Constanza auf englisch zu ihrer versunkenen Tochter. Sie wünscht keine weiteren Erklärungen über die Eigenschaften des Glückskleides mitanzuhören. In dem Augenblick, als sie sich vom Schaufenster wegdreht, erblickt sie auf der andern Strassenseite einen schlanken, grossen Herrn in einem Mantel, der ihr bekannt vorkommt. Sollte es wirklich — ? « Peggy ! » ruft sie hastig. Die wendet sich noch ganz benommen um. «Der Herr dort drüben! » flüstert Lady Constanza und zeigt ganz diskret die Richtung. « Findest du nicht, dass er aussieht wie Charles ? » durchaus nicht, sondern verlegt sie bloss von der Kreuzung weg nach rückwärts in die auf die Kreuzung mündenden Strassen hinein. Darin liegt nun gerade die Unsicherheit, die das bis zu einem gewissen Grade unvermeidliche Gegenstück der an /der Kreuzung selber erreichten Verflüssigung des Verkehrsablaufes darstellt. Denn wenn nun dort das Abströmen der angesammelten Fahrzeuge unzweideutig erleichtert wird, so erfolgen nun dafür die gegenseitigen Verwerfungen zwischen den einzelnen Fahrzeugen in einem Strassenabschnitt, wo die einzelnen Fahrzeuge teilweise noch recht grosse Geschwindigkeiten besitzen und wo einzelne Verkehrsteilnehmer sehr oft über den Wechsel der Verkehrsgliederung gar nicht orientiert sind, wodurch unverkennbar neue Quellen von Missverständnissen entstehen. Schluss auf Seite 2. Schleppfahrt oder Ueberführen? (Aus dem Bundesgericht.) Die Vollziehungsverordnung zum Motorfahrzeuggesetz hat in Art. 27 einen Versuchsschild eingeführt, der nur zu Fahrten zum Ausprobieren von Fahrzeugen und zu -Schleppfahrten verwendet werden darf, Hinsichtlich der Schleppfahrfen" enthält Art.'59 VV ausser technischen Vorschriften, nur die Bestimmung, dass das Motorfahrzeug im Schlepptau durch einen Führer gelenkt werden muss, der im Besitz eines Führerausweises sein muss. Das Obergericht von Baselland verurteilte einen Bauunternehmer zu 10 Fr. Busse, weil er einen betriebsfähigen Motorlastwagen im Schlepptau von Pratteln nach einer Baustelle in Muttenz hatte befördern lassen. In der Begründung vertrat es den Standpunkt, unter einer Schleppfahrt im Sinne von Art. 27 und 59 VV könne, obschon dies in Gesetz und Verordnung nicht ausdrücklich gesagt se!, vernünftigerweise doch nur das Schleppen eines nicht betriebsfähigen Wagens verstanden werden. Wo es sich wie im vorliegenden Falle um ein betriebsfähiges Fahrzeug handle, liege ein Ueberführen im Sinne von Art. 28 VV vor und hiefür hätte gemäss Art. 28 VV eine Tagesbewilligung und ein Köntrollschild beschafft werden müssen. Hier seien also die Vorschriften über die Kontrollschilder (Art. 25 und 28 VV) umgangen worden, ebenso Art. 5 MFG, wonach nur das mit einem Fahrzeugausweis versehene Motorfahrzeug zum Verkehr zugelassen ist. — Eine gegen dieses Urteil eingereichte Nichtigkeitsbe- « Aber Mammy ! > Peggy, die nur noch den Zipfel eines beliebigen Ulsters erhascht, ist fast beleidigt. «Ich bitte dich, Mammy ! Charles ist doch viel, viel hübscher! » Charles hat Lady Constanza noch eine zwanzigstel Sekunde eher erkannt, als sie ihn. Mit der automatischen Geschicklichkeit, die ihm als Agenten zur zweiten Natur geworden ist, hat er sofort den Kopf weggedreht und ist in das nächstbeste Geschäft getreten. Da das* zufällig ein Bazar für Babyausstattung ist, darf er sich darin ziemlich In dieser Nummer s Neues von der Strasse Genf- Lausanne. Ein Alfa-Romeo-Sieg im Tobruck-Tripolis-Bergrennen. Die Aspa tagt in Ölten. Blendfreie Beleuchtung. DIE KLEINE REVUE