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E_1939_Zeitung_Nr.062

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BERN, Dienstag, 1. August 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 62 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausfabe A (ohne Versicherung) halbjahrlieh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.6U. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Stationieren und Parken Der Gemeingebrauch an den öffentlichen Strassen gibt jedermann das Recht, diese Strassen in einer die öffentlichen Interessen nicht beeinträchtigenden Weise zu benützen. Unter dem Benützen ist in erster Linie das Befahren zu verstehen. Das Stationieren fällt nur so weit unter den Begriff des Gemeingebrauchs, als es mit dem Fahrverkehr in direktem Zusammenhange steht. Die meisten Leute fahren ja nicht um des Fahrens willen, sondern um von A nach B zu gelangen, sei es zum Transport von Personen oder Waren. Was man transportiert, muss man aber aufund abladen, und das bedingt ein Stationieren. In diesem Sinne hängen Fahren und Stationieren zusammen und bilden ein bestimmtes Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zweckes. Der direkte Zusammenhang zwischen Fahren und Stationieren reisst ab, wenn das Stationieren zum Selbstzweck und der öffentliche Boden als Abstellplatz für Fahrzeuge erkoren wird. Das Parken, d. h. das Abstellen zum alleinigen Zweck, sich während einer bestimmten Zeit des Fahrzeuges zu entledigen, gehört nicht zum Gemeingebrauch. Man kann es auch einen gesteigerten Gerneingebia^cji nennen, um damit an- ' zudeuten, dass es überall da verboten ist oder einer Ausnahmebewilligung bedarf, wo eine Strasse bloss für den ordentlichen Gemeingebrauch bestimmt ist...Parken soll man nur in den hiezu bezeichneten Strassen und Plätzen. Nun ist aber beim Stationieren die Grenze zwischen ordentlichem und gesteigertem Gemeingebrauch, zwischen erlaubtem Stationieren und verpöntem Parken sehr schwer zu ziehen. Zur Nachtzeit gelingt es noch eher, die weissen von den schwarzen Schafen zu scheiden. Deshalb haben einige Schweizerstädte sogenannte Nachtparkverbote erlassen, übrigens sehr zum Leidwesen der Strolche und Autodiebe. Am Tag hingegen lässt sich ein Kriterium nur schwer finden, und noch schwieriger ist die Handhabung entsprechender Vorschriften, die sich, solange sie nicht äusserst drakonisch und rigoros sind, immer nur in allgemeinen Wendungen wiedergeben lassen, es sei denn, dass man für das erlaubte Stationieren eine bestimmte maximal© Zeit vorschreibt. Ist diese Zeit ganz kurz bemessen und beschränkt sich ein solches System auf wenige Strassenzüge, so ist eine polizeiliche Kontrolle möglich. Andernfalls aber lässt sich ein solches System praktisch kaum durchführen. Angesichts der Schwierigkeit, das Problem Erscheint jeden Dienstag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin". Monatlich Frellag 1 mal „Gelbe ionatllch mal Ulte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenraibstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III,414 - Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich : LSwenstrasse 51. Telephon .39.743 allein mit dem Buchstaben des Gesetzes zu meistern, muss auch hier, wie in andern Dingen, an die Vernunft und den Anstand der Automobilwelt appelliert werden. Derjenige, der seinen Wagen tagelang vor seinem oder gar des lieben Nachbars Geschäft stehen lässt, begeht zwei Kapitalsünden : Er blockiert während des ganzen Tages die Zufahrt andrer Leute zu den betreffenden Gebäuden, und er nimmt allen andern die ohnehin knapp bemessenen Stationierungsmöglichkeiten weg. Mit andern Worten, ein solcher Mann ist ein Egoist. Dabei wäre es ihm ein Leichtes, sein Fahrzeug ausserhalb des Geschäftsviertels oder auf einem amtlich bezeichneten Parkplatz aufzustellen. Man wird einwenden, es gebe eben in den Stadtzentren gar nicht genügend offizielle Parkplätze. Ganz daneben trifft diese Behauptung nicht und in gewissen Städten mit grossem wirtschaftlichem Einzugsgebiet wird dieser Mangel z. B. an Markttagen besonders augenfällig. Das Parkproblem, nämlich die Frage, wie eine ständig zunehmende Zahl von Fahrzeugen auf einer im grossen und ganzen gleichbleibenden Bodenfläohe unterzur bringen sei, erscheint heute in allen grössern Städten auf der Tagesordnung, und die Möglichkeiten einer Lösung bilden den Gegenstand internationalen Meinungsaustausches. Allerdings, es ist leicht gesagt, die Behörden sollen Häuserblocks abreissen, Innenhöfe erwerben, unter- und oberirdische Bauten errichten, um vermehrte Parkmöglichkeiten zu schaffen. Solche Dinge kosten selbstverständlich Geld und nochmals Geld. Wenn die in den Grossgaragen sich bietenden, zum grossen Teil zwar nicht kostenlos, aber gegen geringes Entgelt zur Verfügung stehenden Einstellmögiichkeiten besser ausgenützt würden, hätte heute das Parkproblem in der Schweiz noch keine solch akute Form angenommen. Ein Weg zu dessen Lösung liegt daher beispielsweise darin, dass die Behörden eine intensivere Inanspruchnahme der privaten Garagierungsmöglichkeiten anordnen. Noch wirksamer Hesse sich die Knappheit an Park- Dringende Strassenkorrektion: INSERTIONS-FREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Bp. Grossere Inserate nach Spezlaltaril. Inserntensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Kammer In dieser Nummer: Haftpflichtversichemng von Motorfahrzeugen im Jahre 1938. Ein heikles Sport-Thema. Int Camping-Lager auf der Bächau. Cohhs Weltrekordwagen etwas abgeändert. Beilage : Der Automobilist an der Landesausstellung. räum dadurch beheben, wenn bei allen Neubauten innerhalb eines bestimmten Stadtrayons ein unter- oder oberirdischer Einstelfraum für die Insassen oder Besucher des Gebäudes vorgesehen sein müsste. Wie dem auch sei, mit der fortschreitenden Entwicklung wird sich der Automobilist daran gewöhnen müssen, dass der Platz weder vor seinem, noch vor des Nachbars Haus ihm gehört, sondern der Allgemeinheit. Dringende Strassenkorrektion. Wer kennt sie nicht, die «Nase» von Lampenberg,,an.der Hauptstrasse Liestal—Waldenburg gelegen? Mit Hilfe neu«etllicher Strassenbaumaschinen wird z. Z. unterhalb der Station Lampenberg von einem basellandschaftlichen Strassenbauunternehmen die vorspringende Kalksteinpartie abgetragen. Nach Beendigung dieser Arbeit verschwindet eine recht unübersichtliche Kurve, die nicht nur den Strassenverkehr, sondern ebensosehr das «iWaldeaburgerli> während Jahrzehnten behinderte. F E U I L L E T O N Der Siedler/ Roman von Heinrich Lämmlin. I. Teil. Da steht der Wald.. Er ist stolz und unbesiegt. Die Feuchtigkeit des Frühlings, der kleine Rinnsale von den Bergen bringt, konnte ihm so wenig anhaben, wie die Hitze des Sommers, die Stürme des Herbstes und der Frost des Winters. Selbst dem grossen Feuer, das vor vielen Jahren auf dem Berge wütete, hat er widerstanden. Es frass das Unterholz und dorrte die jungen Stämme aus. Die alten Riesen Hessen nur einige Monate die vom Feuer versengten Blätter hängen. Im folgenden Jahr trugen sie Knospen, aus denen Blätter hervorbrachen. Sie blühten auch und ihre Blüten rundeten sich zu Früchten. Nach wenigen Jahren war der Wald wieder so dicht wie in den Zeiten vor dem Brande. Jetzt aber kommt der Mensch. Er kommt vom Tal herauf, er kommt so langsam, als habe die Zeit, die er auf dem Weg« versäumt, für ihn keinen Wert. Auf der Strasse, die am Waldrand vorbeizieht, bleibt er stehen, blickt hinab" in das Tal, auf den Lago Maggiore und hinüber nach Locarno, nickt dann mit dem Kopf und sagt leise : « Gut, gut! > Endlich geht er weiter und zwängt sich durch das dichte Gebüsch, das den Waldrand säumt. Es ist eine harte Arbeit und er atmet auf, als das Gebüsch hinter ihm liegt. Dämmerung umgibt ihn. Unter einer breitästigen Kastanie bleibt er stehen, wischt sich den Schweiss von der Stirn und sagt noch einmal: « Gut, gut! » Er ist ein junger Mann. Kein silberner Faden zieht durch sein dunkelblondes Haar. Wenn er so steht, sich den Schweiss abwischt und aus neugierigen Augen umherschaut, gleicht er einem kräftig entwickelten Knaben. Jetzt aber richtet er sich auf, legt mit einer herrischen Bewegung die schmale, weisse Hand an den Stamm des Baumes und zischt — wie im Zorn über die eigenen Gedanken — ein hartes « Trotzdem » durch die Zähne. Der kindliche Zug in seinem Gesicht ist ausgelöscht, aus seinen dunklen Augen leuchtet ein starker, unbeugsamer Wille. Langsam geht er im Wald umher und hat seine Blicke überall. Er prüft die Bodenverhältnisse sehr genau. Die Rinnsale, die den ganzen Boden durchweicht haben, gefallen ihm; er beugt sich über sie und spiegelt sein erhitztes Gesicht in ihrem klaren Wasser. Als ein Eichhörnchen schimpfend am Stamm einer alten Eiche emporeilt, bleibt er stehen und lacht hell auf. Auch an den Eichen, die verstreut im Kastanienwald' stehen, hat er seine Freude. Auf einer Lichtung, auf der die nackten Felsen aus der Erde hervorragen, bleibt er wieder stehen und sagt sein nachdenkliches : « Gut so, gut! > Doch als er an einem andern Platz Erdbeeren rot unter den Stauden hervorleuchten sieht, weicht der nachdenkliche Zug aus seinem Gesicht. Er •legt sich mitten in die Stauden und pflückt die Früchte ab. Ja, er wird ganz übermütig und beisst die Beeren mit den Zähnen von den Stielen. Nachdem im Umkreis seines Mundes und seiner Arme alles abgeerntet ist, legt er sich auf den Rücken; •blinzelt in den blauen Himmel und, schläft ein... Ein Windstoss, der durch den Wald fährt, schreckt ihn auf. Mit einem Sprung steht.er auf den Beinen, schaut zum Himmel empor, der sich überzogen hat, und geht dann mit langen Schritten auf den Waldrand zu. Das : Wasser spritzt unter seinen Füssen auf, doch er achtet es nicht. Eilig zwängt er sich durch das Gebüsch und eilt hinab ins Dorf— Am folgenden Morgen kommt der Mann wieder. Zwei Männer aus dem Dorf begleiten ihn. Sie gehen den Weg am Waldrand entlang, bis sie an ein tiefes Tobel kommen. Von dort schreiten sie eine lange Strecke auf dem Wege ab und machen dann mit weisser Farbe, die einer der Bauern trägt, ein Zeichen an einen Baum. Darauf gehen sie die gleiche Anzahl Schritte quer durch den Wald. Auch hier machen sie wieder ein Zeichen an einen Baum. Noch zweimal schreiten sie. die Strecke ab : einmal am Tobel hinauf und von dort wieder durch den Wald. Sie schwitzen und keuchen, denn es ist ein heisser Tag, obwohl das Jahr erst wenige Wochen zählt. Endlich ist auch diese Arbeit getan, und sie gehen langsam zur Strasse zurück. « Sie müssen mit uns in das Dorf kommen, damit wir den Kauf abschliessen können», sagt der eine der Dorfbewohner zu dem Mann. « Gewiss >, nickt dieser, schaut un-