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E_1939_Zeitung_Nr.086

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BERN, Dienstag, 12. Dezember 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 80 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint, jeden REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III4J4 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Spukt der zwang noch immer? Im Ständerat begründete letzten Donnerstag der Bündner Vieli folgendes Postulat: «Der Bundesrat •wird eingeladen, zu prüfen und zu berichten, ob es sich volkswirtschaftlich und kriegswirtschaftlich rechtfertigt, und, soweit dies zutrifft, durch welche Massnahmen es möglich wird, die Verwendung einheimischer Triebstoffe, wie Holasprit, Obstsprit. Holz und anderes mehr wirksam zu fördern.» Wie die Darlegungen des Postulanten erkennen Hessen, stand seinem Vorstoss vor allem der Gedanke zu Gevatter, neue Verwertungsmöglichkeiten für den Waldreichtum des Kantons Graubünden zu erschüessen. Dazu redete der Bündner Ständeherr der Errichtung einer Holzverzuckerungs-, will sagen Holzverschnapsungsanlage das Wort, die in Verbindung mit einer Reinigungsanlage imstande wäre, die Hälfte unseres Spritimportes, nämlich 200 «Wagen, zu ersetzen. Allerdings kam er dabei nicht um das gerade heute schwerwiegende Eingeständnis herum, dass „die. Sache finanziell insofern einen Haken Habe, als der importierte Sprit um 13 Fr. pro Hektoliter billiger sei wie der « eigengebraute > Holzsprit, doch Hesse sich diese Differenz ja auf dem Wege des Zollschutzes ausgleichen... Im Gegensatz zur Erzeugung von Holzgas biete die Holzverzuckeruung überdies die Möglichkeit, selbst die geringsten Holzqualitäten zu verwerten. Ob wir es uns heute, da es hauptsächlich durch das Mittel der vermehrten Umstellung auf Qualitätsobstbau gelungen ist, die Alkoholverwaltung aus der Aera der Misswirtschaft herauszuführen und sie zu sanieren, so dass sie sogar wieder Erträge abwirft, ob wir es uns heute leisten können, diese Erfolge aufs Spiel zu setzen und eine Anlage zu errichten, die mit unfehlbarer Sicherheit eine Periode neuer Defizite eröffnet, diese Frage stellen heisst sie auch verneinen. Anderer Meinung freilich scheint der nachgerade zu etwelcher Berühmtheit gelangte Herr Käser (Schaffhausen) zu sein. Für ihn, den Litra-Präsidenten, bedeutete das Thema «Sprit» so etwas wie ein Stichwort, auf das er denn auch promptestem einfiel, um einen Hymnus auf die Spritbeimischung anzustimmen, in strahlender Sorglosigkeit und gänzlich unbekümmert nicht nur darum, dass besagte Spritmischerei schon seit geraumer Zeit in einen ausgiebigen Dornröschenschlaf versunken, sondern auch, dass seit einem Vierteljahr die Kriegsfackel entbrannt ist. Es hätte ja gerade noch gefehlt, dass ausgerechnet jetzt, da die Benzinrationierung den motorischen Strassenverkehr hemmt und zum F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. Copyright Verlag «Das Bergland-Buch». « Windstärke 12 ! » ruft Personalchef Fehling von der Maschinenfabrik „Vulkan" der Telephonistin Gerda Manz zu. Die Zentrale ist ein grosser Glaskasten, der in den Durchgang zum Sekretariat der Direktion eingebaut ist. Der Kassierer Alfred Becker, der gerade vorbeigehen will, um den Kassenraum aufzuschliessen — Direktor Römer verlangt, dass bereits eine Minute nach acht in den Büros höchster Arbeitsgang eingeschaltet ist — bleibt stehen. «.Besondere Ursache zu Windstärke 12? » « Weiss nicht. Ist ja jedes Jahr so! Bevor der Chef sich seine Sommerferien macht. Spritbeiiiiiseliim;;* Schrumpfen bringt, da sich stärker denn je die Rufe nach fiskalischer Entlastung des Motorfahrzeugs erheben, weil die festen Betriebskosten durch die zwangsläufige Einschränkung der Fahrleistungen zu untragbarer Höhe angewachsen sind und da unsere Armee wie die Wirtschaft die verhängnisvollen Folgen der seit Jahren betriebenen Drosselung des Automobilwesens in ihrer vollen Schwere verspüren, der finanziell wie wirtschaftlich unsinnige Spritbeirnischungszwang wieder beschworen wird. Das aber und nichts anderes tat Herr Käser aus Schafihausen, der nämliche Herr Käser, der vor knapp anderthalb Jahren im Brustton der Ueberzeugung vor dem selben Ständerat für eine Vermehrung der militärtauglichen Lastwagen plädiert hatte. Der Zeitpunkt sei gekommen, erklärte er, um die Frage der Spritbeimischung, die in verschiedenen Ländern mit Erfolg praktiziert werde, nach allen Seiten hin zu prüfen, auch wenn die Alkoholverwaltung dafür nicht eben viel Interesse zeige. In den Augen dieses Ständevertreters geht es dem Motorfahrzeug offentrar-auclr jetzt noch dermassen^gtit;' cüdej^ist es in solcher Ueberzähl vorhanden, dass man Die ersten Bilder aus Helsinki nach sere Aufnahme zeigt einen Autobus, den der ist s überhaupt nicht mehr zu ertragen. Und morgen will er ja abdampfen ! » Der Kassierer zieht seinen Schlüsselbund durch die Finger: «Ich glaube, in einem Zuchthaus geht's heiterer zu als bei uns hier! Gestern soll in der Postzentrale die eine kleine Postexpedientin plötzlich zu lachen angefangen haben — hatte sie die Sonne an der Nase gekitzelt oder ihre eigene Jugend, ich weiss nicht — aber auf einmal stand der Alte vor ihr. Der armen Kleinen blieb der Atem weg vor Entsetzen; sie stotterte nur immer : Ach, Herr Direktor... Herr Direktor... Römer hat sie buchstäblich niedergedonnert mit seinem Blick!» « Haben Sie sich doch nicht», sagt Gerda Manz, die sich ihrer frischen Schönheit willen mehr erlauben darf als alle andern. «Wenn Sie beide wirklich solche Angst vorm Chef hätten, würden Sie nicht jetzt seit geschlagenen zehn Minuten hiet bei mir stehen und quatschen ! » ihm durch die Verwirklichung der Spritmixerei die Daumenschrauben getrost noch kräftiger anziehen und den «Lebenssaft > verteuern kann. Und auch der Bund verträgt nach des Litra-Präsidenten Auffassung eine in die Millionen gehende Einbusse, denn was bedeutet sie schon gemessen an den Milliardenschulden, die ihm Mobilisation und Kriegswirtschaft aufbürden ! Wenn Bundespräsident Etter das Postulat Vieli auch zur Prüfung entgegennahm, so stellte er doch ein jedes Ding auf seinen richtigen Platz, indem er darauf hinwies, dass die Frage einer Holzverschnapsungsanlage zwar geprüft und abgeklärt sei. Wenn aber das Volkswirtschaftsdepartement bisher gezaudert habe, einen Entschluss zu treffen, so Ein Opfer der Bomben. Angriffen der russischen Luftwaffe sind eingetroffen. TJneiner schwerkalibrigen. volltreffenden im Wirkungsbereich Bombe stand. «Ja, ja... weiss schon», knurrt Kassier Becker ärgerlich. « Sie haben ja schon immer was übrig gehabt für den Alten ! Kriegen 's Zittern bei jedem Stirnrunzeln und werden, blass und. rot, wenn er mal vorbeikommt Aber "wenn ich mir von dem lumpigen Gehalt hier noch Geld abspare, um unsere künftige Einrichtung zu kaufen — das imponiert dir nicht!...» .. Personalchef Fehling sperrt den Mund auf: « Nanu ? \... Da wusste man ja noch gar nicht! Sie sind miteinander verlobt?... Besten Glückwunsch, Herr Becker... Herzliche Glückwünsche, Fräulein Manz ! » Vor Gerda Manz leuchtet das Lämpchen des Direktionsbüros auf. Sie hebt ab. «Verbinden Sie mich mit der Kasse!» dringt Römers metaÄsche, ungeduldige Stimme an ihr Ohr. Sie stöpselt. Einen Augenblick später tritt Alfred Be.cker, eine blaue Mappe unter den Arm liegen dafür gewichtige Gründe vor: die Tatsache nämlich, dass ein solcher Betrieb anfänglich ein Defizit von 500.000 Fr. pro Jahr herauswirtschaften würde. Diesen Fehlbetrag sollte der Bund für fünf Jahre übernehmen, aber ob es dann bei diesen fünf Jahren bleiben würde, steht auf einem andern Blatt. Zwar fand in der Abstimmung das Postulat Annahme, doch müsste es mit höchst merkwürdigen Dingen zugehen, wollte der Bund den Spritbeimischungszwang, dessen Verwirklichung er — und das mit gutem Grund — auf die lange Bank geschoben, just in den gegenwärtigen Zeiten erstehen lassen, da er sich für ihn selbst, für die Wirtschaft und die Landesverteidigung katastrophaler denn je auswirken würde. Eine neue Wendung in der Frage der Steuerrückvergütung für requirierte Fahrzeuge Auf ihre Eingabe an den Bundesrat, worin sie auf die krasse Unbilligkeit hinwies, welche darin liegt, dass ein Teil der Kantone die Steuerrückvergütung für requirierte Motorfahrzeuge verweigert, ist die Aspa bisher ohne Antwort geblieben, Inzwischen aber hat die Angelegenheit, die" natürlich* auch die Harter mobilisierter Personenwagen gleicherweise interessiert, eine Wendung genommen, die ihr neue Aspekte verleiht und eine Handhabe dafür bietet, das Problem von einer andern Seite her aufzurollen. Was geschehen ist? Die Aspa hat entdeckt, dass die Militärorganisation von 1905 in ihrem Artikel 165 den Kantonen die Erhebung von Gebühren für requirierte Motorfahrzeuge untersagt. Worauf sie keinen geringeren als den Spezialisten des Bundeshauses für Steuerfragen, Prof. Blumenstein, um die Ausarbeitung eines Gutachtens anging. Entgegen der Auffassung der « Bundesjuristen > kommt der bernische Rechtsgelehrte darin zum Schluss, ein Beweis dafür, dass die erwähnte Bestimmung der Militärorganisation von 1905 durch das eidgenössische Motorfahrzeuggesetz aufgehoben worden sei, lasse sich nicht erbringen, der Erlass des MFG berühre die Vorschriften der Militärorganisation nicht. Überdies gestatte das MFG den Kantonen eine Besteuerung der Motorfahrzeuge des Bundes nur im Verhältnis ihrer ausserdienstlichen Benutzung. Vom Augenblick der Requisition an sei aber jedes requirierte Fahrzeug als ein solches des Bundes zu betrachten und steuerlich entsprechend zu behandeln. Der erwähnte Art. 165 der Militärorganisation — heisst es im Gutachten — sagt nämlich : « Die Diensträder der Radfahrer, solange sie für militärische Zwecke verwendet werden, und die Automobile dürfen nicht mit kantonalen Steuern oder Gebühren belegt werden.» Dazu hat der Bundesrat in einem Kreisschreiben vom 6. April 1908, das der Erläuterung dieser Bestimmung diente, der Erwartung Ausdruck gegeben, «dass Automobile, solange sie für militärische Zwecke verwendet werden, von jeglicher kantonalen oder kommunalen Besteuerung, In dieser Nummer: Ueberholen an Tramhaltestellen. Entscheide zum M. F. G. Um die Reduktion der Verkehrssteuern. Rückblick auf die Rennsaison. Diesel-elektrischer Omnibus für Bern, Heute: Neuer Roman. Beilage: