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E_1940_Zeitung_Nr.003

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BERN, Dienstag, 16. Januar 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 3 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Aufgabe C (mit Ingaasenvenicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Fiskus und Motorfahrzeugverkehr Erseheint Jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevu«, B«rn Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 Nachdem das Jahr 1937 Bund und Kantonen einen Ausfall von über Fr. 4 Millionen Fr. Fr. Jahr Anteil am Benzinzoll Zu- resp. Abnahme aus den Erträgnissen des Motorfahrzeugverkehrs erbrachte und die bezüglichen Total- 1936 11195 202 — 692 120 1934 12 230 882 +1 309 580 1935 11887 322 — 343 560 einnahmen von Fr. 100 auf 96 Mill. zurückgingen,, dürfte das nun ebenfalls vorliegende 1938 11695 796 + 547 796 1937 11148000 — 47 202 1938er Ergebnis besonderem Interesse begegnenposten der Kantone aus dem Motorfahrzeug- Stabil geblieben ist der dritte Einnahme- I. Die Kantone. verkehr, nämlich die Bundessubvention an Der erste Einbruch in der aufsteigenden Linie der kantonalen Einnahmen aus dem Mofreimachung der Alpenstrassen. Der bezügli- die Gebirgskantone für Unterhalt und Schneetorfahrzeugverkehr erfolgte in den Jahren che Gesamtbetrag von Fr. 1060 000 verteilte 1934 resp. 1936. Aber bereits 1937 zeichnete sich auf die beteiligten Kantone wie folgt: sich wieder durch eine Erholung aus, dieGraiMnden Fr. 400 000, Tessin Fr. 400 Q00, nun auch- während des Jahres 1938 angehalten hat. Die Zunahme ist zwar nicht mehr Ueber den vierten kantonalen Einnahme- Uri Fr. 160 000, Wallis Fr. 100000. eine so starke wie im Vorjahr (Fr.. 355 830 posten: «Erträgnisse aus Verkehrspolizeibussen», ist man auch für 1938 .auf reine gegenüber Fr. 506.458). Das Total des 1938er Erträgnisses von Fr. 30 081 226 steht immer noch rund 1 Mill. Fr. unter dem Rekordresultat des Jahres 1933. An diesem eigentlich nicht so befriedigenden Ergebnis mag die vermehrte Indienststellung von Kleinwagen KANTONE wesentlich beigetragen haben. Von den 25 Kantonen verzeichnen deren 18 eine Zunahme der Steuer- und Gebührenerträgnisse, während deren sieben (Luzern, Schwyz, Obwalden, Glarus, Freiburg, Baselstadt und Appenzell A.-Rh.) mit Rückschlägen aufwarteten. Bei Baselstadt ist dies auf die Reduktion der Steueransätze zurückzuführen, während interessanterweise der Kanton Aargau, der ebenfalls seine Steuern herabsetzte, mit einem Zuwachs von Fr. 13 000 den durch die Steuersenkung bedingten Ausfall mehr als auszugleichen vermochte. Den grössten Einnahmenbetrag verzeichnet der Kanton Zürich mit Fr. 6 681 744; ihm folgen als weitere «Grossaktionäre» Bern mit Fr. 4 558991, Waadt mit Fr. 3 474 645, Genf mit Fr. 1859 120 und St. Gallen mit 1 762 019 Franken. Auch Luzern, Baselstadt, Aargau, Thurgau und Tessin zählen zu den «Millionären». Die grössten Jahreszunahmen weisen Zürich, Bern, Graubünden und Waadt auf (siehe Tabelle). Die seit 1934 eingetretene rückläufige Bewegung des Anteils der Kantone an den Benzinzolieinnahmeh des Bundes schlug 1938 wieder eine aufwärtsführende Kurve ein, wie folgende Zusammenstellung zeigt: Zürich . . . Bern . . . • Luzern**). . Uri . . . . Schwyz . . Obwalden Nidwaiden*). Glarus . . . Zug . . . . Fribourg . . Solothurn Basel Stadt . Baselland . . Schaffhausen Appenzell A.-Rh, Appenzell I.-Bh. St. Gallen . . Graubünden . Aargau . . . . , Thurgau . . . Ticino . . . . , Vaud*) . . . . Valais . . . . Neuchatel*) . . Geneve . . . . , Total 1938 . . Total 1937 . . , Total 1936 . . , Total 1935 . . , Total 1934 . . Schätzungen angewiesen, da statistische Angaben für die ganze Schweiz leider fehlen. Es sei hier ein etwas reduzierter Betrag von Fr. 500 000 in Rechnung gestellt. .Somit stellt sich das Totalresultat der Einnahmen der Kantone aus dem Motorfahrzeugverkehr pro 1938 wie folgt: Zu resp. Art d. Einnahmen 1938 1937 Abnahme (in Franken) 'Motorfahrzeugsteuern u. -ge- ; bühren.. 30 081226 29 725 396 +355 830 Anteil der. Kantone am Benzinzoll 11695 796 11148 000 +547 796 BundeseubVention f. Alpenstrassen 1060 000 1 060 000 — Bussen aus dem Motorfahrzeug- Terkebr 500 000 600000 —100 000 Totaleinnahmen der Kantone 43 337 022 42 533396 +803 626 Die Kantone sind pro 1938 mit ihren Einnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr nicht gerade schlecht weggekommen, können sie doch im gesamten eine Mehreinnahme von Einnahmen aus Motorfahrzeugen Total 1933 Fr. 6 681 744.— 4 558 991.— 1 233 565.— 52 322.— 294 834.— 59 931.— 55 630.— 169 915.— 187.796.— 457 502.— 988 910.— 1135 448.— 625 853.— 284117.— 204 134.— 22 200.— 1 762 019.— 487.846.— 1 664 520.— 1108 246.— 1 350 277.— 3 474 645.— 410 528.— 951 133.— 1 859 120.— Total 1937 Fr. 6 506 897.— 4 508 805— 1 286 430.— 50 468.— 298 471.— 62 452.— 55 213.— 171 122.— 184.808.— 460 146.— 980 539.— 1 225 599.— 622 108.— 273107.— 207 337.— 20 880.— 1 748 342.— 438 712.— 1 651 733.— 1 080 934.— 1 315 312.— 3 425 356.— 388 604.— 926 550 1 835 471.— INSERTIONS-PREIS DU •ebtgwpattene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 4» Rp. Grossere Inserate nach Spezialtartf laMratonseblnM 4 Tage vor Erscheinen der lfnmmer Motorfahrzeug- Andere Gebühren ans steuern dem 1938 Motorfahrzengrerkehr 193S Fr. Fr. 6 013 997.- 667 747.— 3 622 888.- 936 103.— 1104 270.- 129-295.— 42.698.- 9 624.=--; 266.540.- 28 294.— 51.887.- 8.044.— 54 174.- 1 456.— 160 412.- 9 503.— 169 546.- 18 250.— 444 328.- 13 174 788 209.- 200 701.— 937 704.- 197 744.— 570 162.- 55 691.— 242 696.- 41 421.— 163 595.- 40 539.— 21 175.- 1 025.— 1 678 849.- 83 170.— 420 415.- 67 431.— 1 528 891.- 135 629.— 1 017 222.- 91 024.— 1 283 874.- 66 403.— 3 228 105.- 246 540.— 397 823.- 12 705.— 855 571.- 95 562.— 1 559 780.- 299 340.— Zuresp. Abnahme Fr. +174 847.- + 50186.- — 52.865.- + 1854.- — 3 637.- — 2 521.- + 417.- — 1207.- + 2 988.- — 2 644.- + 8 371.- — 90 151.- + 3 745.- + 11010.- — 3 203.- + 1 320.- + 13 677.- + 49 134.- + 12 787.- + 27 312.- + 34 965.- + 49 289.- + 21 924.- + 24 583.- + 23 649.- 4.811 3 456 415.— 30 081 226 29 725 396.- +355 830.— 26 431 724.— 3 293 672.— 29 725 396.— +506 458.- 26 116 840.— 3 102 098.— 29 218 938.— —1 464 395.- 27 445 439.— 3 237 894.— 30 683 333.— + 7 719.- 27 367 247.— 3 308 367.— 30 675 614.— —381 934.- *) Inkl. Anteil der Gemeinden. **) Inkl. Beitrag an die Gemeinden. In dieser Nummer: Wie sichern wir der Armee im Ernstfall die nötigen Fahrzeuge? Der Entwicklungsstand des Flugmotorenbaues bei Kriegsbeginn. Einsatz von Motoren bei — 40° C. rund Fr. 800 000 verbuchen. Immerhin steht auch das 1938er Ergebnis immer noch um mehr als 1 Million Franken hinter dem Rekordresultat des Jahres 1934 mit rund Fr. 44,5 Millionen zurück. II. Der Bund. Der Bund besitzt im Benzinzoll seit Jahren eine seiner wichtigsten Einnahmequellen, die von 1928 bis 1936, dank rigoroser Zollerhöhungen von Fr. 26 auf 57,4 Mill. gesteigert werden konnte. Erstmals brachte dann das Jahr 1937 einen Rückfall um rund Fr. 5 Mill., einen erheblichen Ausfall, der auch im Jahre 1938 noch nicht wett gemacht werden konnte. Bei einer Benzinzolleinnahme von 55 689113 Franken ergibt sich aber immerhin eine Zunahme von Fr. 3,15 Mill. gegenüber dem VON jähr, so dass sich das Bild der Benzinzollerträgnisse für die letzten 10 Jahre wie folgt präsentiert: Jahr 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 1936 1937 1938 Benzinzoll- Zu- resp. einnähme Abnahme Fr. Fr. 32 204 712 +6 187 111 34987 236 +2 782 523 39 933 781 +4 946 546 44 820 965 +4 887 084 42 685 211 —2135 654 47 923530 +5 238319 55 354 357 +7 430 827 57431405 +2077 048 52 536 878 —i 894 527 55 689 113 +3 152 235 Für den Finanzhaushalt des Bundes kommt allerdings nicht der ganze Zollbetrag in Betracht, indem hievon der Anteil der Kantone von Fr. 11695 796 und die Bundessubvention für Unterhalt und Schneefreimachung der Alpenstrassen von Fr. 1060 000 in Abzug kommen. Immerhin verblieben dem Bund aus dieser Einnahmequelle 1938 noch 42933 317 Franken, gegenüber Fr. 40 328 878 im Vor- F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 5. Fortsetzung Und wenn du dann noch das Gefühl haben sollst, dass du dich auch zu Hause erst durchsetzen musst... das möchte ich nicht! > Dunkel war es inzwischen geworden in dem alten Esszimmer, in dem sie in irgend einer Ecke standen, als lüden nicht die vielen Stühle rund um den Tisch und an den Wänden zum Sitzen ein. Römer hatte Wandas Hand an seine Lippen gezogen. «Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, dass du mich lieb hast, Wanda. Ich muss dich um Verzeihung bitten, dass ich dich erst lieben lernen muss. > Später war der Notar gekommen und hatte den Heiratsvertrag aufgesetzt. Dann hatte er dem Brautpaar die Hand geschüttelt, der Schwiegervater aber hatte Römer zu sich herabgezogen : < Sie ist ein prachtvolles, vernünftiges Ding, meine Tochter. Bescheiden und mit allem zufrieden, wenn sie liebt. Nur Heiterkeit braucht sie und frohes Lachen... Sie hat zu lange mit mir altem, ernstem Mann gelebt. Darum wohl auch ist ihre Wahl auf dich gefallen, mein Sohn, mit deiner frischen Jugend!» An jenem Abend hatte Römer zum erstenmal über sich selbst und seinen Charakter nachgedacht. Heiterkeit brauchte seine künftige Frau und frohes Lachen ?... Frohes Lachen ?... Es hatte sich ihm schwer auf die Seele gelegt. Konnte er ihr das geben, was sie von ihm erwartete ?... Er konnte sich schon als Vierundzwanzigjähriger nicht entsinnen, gelacht zu haben... richtig herzlich harmlos gelacht aus vollem Halse. In der Schule ?... Nein. Er war auch darum nicht recht beliebt gewesen. Obwohl er tüchtig mit den Fäusten dreinschlug, wenn es galt, einen Schwächeren vor Übergriffen zu schützen. Aber wenn die andern spielend und schreiend durchemanderliefen, stand er daneben mit ernstem Gesicht. Nicht, dass er nicht auch Lust gehabt hätte, sich hineinzustürzen in den Knäuel tobender Knaben, aber es war, als verlor 2 der Wunsch an Kraft, wenn er drauf und dran war, sich unter die Schar der Johlenden zu mischen. Es war eine Scheu in ihm, sein Inneres zu entblössen. Er verkroch sich in seinen stillen Ernst wie in eine Rüstung, die seine Seele schützte. Einmal, ein einziges Mal, hatte er in der frühreife Strenge wirkte und ihm den Spott- « Der finstere Heinrich » eintrug. Schule gelacht. Da war während des Geo-namegraphieunterrichts sin Klassenkamerad in die Er schleppte den Spitznamen durch alle Ecke gestellt worden. Es war ein Gelächter Klassen und verlor ihn erst, als beim Besuch herausgeschossen aus ihm, so plötzlich, so der Handelsschule der Ernst seines Wesens laut, so unglaublich ansteckend, dass die mit seinem Alter in Einklang zu bringen war. ganze Klasse aufgefahren und dann einmütig eingefallen war in sein Lachen, und die nüchterne Schulstube plötzlich erfüllt war von dem hellen, grölenden Lachen aus vierzig Knabenkehlen. Und obwohl schon einen Augenblick später weder der Lehrer, noch die Schüler mehr wussten, dass das grosse Kinderlachen von ihm ausgegangen war, sass er an seinem Pult, blutübergossen, in Scham getaucht. Als wären ihm plötzlich die Kleider vom Leibe gerissen worden. Und er erkannte ... nein, dazu war er noch zu jung gewesen, zum Erkennen... er fühlte nur dumpf, was ihm dann später klar bewusst geworden : dass die Auflösung seiner selbst im Lachen die stärkste Hingabe war, deren er fähig. Und zugleich, dass diese hilflose Hingabe an die Umgebung, in der er aufging durch sein Lachen, ihn erniedrigte, wie sonst nichts ihn hätte erniedrigen können. Um wieder in sich selbst zu stehen, um die Schranke wieder aufzurichten zwischen sich und der Umwelt wurde das Kind noch ernster von diesem Augenblick an, von einem bewussten Ernst, der bei dem Knaben wie « Vater ! Das gibt's nicht... Dein Zug geht bestimmt erst in anderthalb oder zwei Stunden... Du brauchst uns in .Gedanken nicht jetzt schon davonzufahren ! > Und Hans Römer legt ihm in freundschaftlicher Zugehörigkeit die Hand auf den Arm. Merkwürdig ergeht es diesem Sohn mit seinem Vater! Hans hat eine Hochachtung vor seinem Vater wie sonst vor keinem Menschen auf der Welt; doch mischt sich in diese Achtung ein Mitleid dessen Ursache er sich nicht erklären kann. Das ist auch der Grund, warum er sich bei den wenigen häuslichen Zwisten stets auf Seite des Vaters schlägt, ohne Recht und Unrecht zu unterscheiden. Ohne Ueberlegung! Aus einen* inneren Zwang heraus. Am liebsten würde er jetzt die Mutter aus dem Zimmer schicken, unter irgend einem Vorwand, nur dass der Vater sich nicht daran zu stoSsen brauchte, dass sie in regelmässigen Stössen in ihr kleines Taschentuch hineinschluchzt und von Zeit zu Zeit qualvolle Blicke zu Else hinüberwirft. Als könne