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E_1940_Zeitung_Nr.006

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BERN, Dienstag, 6. Februar 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 6 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen AB ONNEMENTS-P REISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassen Versicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Diemtag REDAKTION u. ADMINISTRATION; Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222- Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesehiftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtartl Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmnser Vernunft fängt an zu sprechen Wie wir in unserer letzten Nummer meldeten, haben die Bemühungen der zürcherischen kantonalen Strassenverkehrsliga um Anpassung der Verkehrssteuern an die durch die Benzinrationierung geschaffenen Verhältnisse insofern ihre ersten Früchte gezeitigt, als sich der Regierungsrat mit einer Aenderung des Motorfahrzeug- und Fahrradgesetzes einverstanden erklärt und bereits auch einen entsprechenden Entwurf samt Weisung ausgearbeitet hat. Danach erfolgt die Angleichung der Steuern in der Weise, dass -die Regierung durch ein besonderes Gesetz die Ermächtigung erhält, während der Dauer der Brennstoffrationierung und nach deren Aufhebung längstens bis zum Beginn des folgenden Kalenderjahres die Fahrzeugsteuern zu ermässigen und zugleich für Holzgasfahrzeuge und Trolleybusse besondere ermässigte Gebühren festzusetzen. Das Beispiel sei andern Kantonen, die sich bisher nicht dazu aufraffen konnten, dem Motorfahrzeughalter in steuerlicher Hinsicht entgegenzukommen, zur Nachahmung angelegentlich, empfohlen, nicht minder aber .auch die Lektüre der Weisung des Zürcher Regierungsrates, die ein Muster vorurteilsloser, verständnisvoller Beurteilung der Situation darstellt und die wohltuend absticht von der unversönlich intransigenten Haltung, welche andere Kantone in dieser für ihren eigenen Staatshaushalt wie für die Erhaltung unserer wirtschaftlichen und militärischen Kraft so bedeutsamen Frage einnehmen. Weil die Ueberlegungen, auf welche sich die Zürcher Regierung bei der von ihr geplanten Massnahme stützt, zum grossen Teil Allgemeingültigkeit für sich beanspruchen dürfen, scheint es uns angebracht, den Bericht, der dem vom 25. Januar datierten Gesetzesentwurf beigegeben ist, wenigstens in seinen Hauptzügen vollinhaltlich wiederzugeben. Die gegenwärtige Vorlage soll eine rasche und zweckmässige Anpassung der Motorfahrzeugsteuer an die kriegswirtschaftliche Rationierung der Treib. Stoffe für Motorfahrzeuge ermöglichen. Diese Rationierung hat für den Motorfahrzeugverkehr einschneidende Wirkungen gebracht. Die den Motorfahrzeugbesitzern zugeteilte Brennstoffmenge beträgt zur Zeit durchschnittlich nur noch etwa die Hälfte des Vcrkriegsbedarfes. Die zwangsläufige Folge ist eine starke Einschränkung des gesamten Motorfahrzeugverkehrs. F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 7. Fortsetzung « Man bringt nicht so leicht einen Menschen um, mein liebes Kind. Na — jedenfalls, ich danke Ihnen. Lassen Sie sich Ihr Gehalt für diesen Monat noch ein zweites Mal auszahlen und bitten Sie Fehling in meinem Namen, Ihnen vierzehn Tage Extraferien zu geben, damit Sie Ihr erschüttertes Oleichgewicht wiederfinden.» Römer klingelt. Zum Diener : «Einen Wagen! Und der Koffer muss runter ! » Zum Sohn : « Ich übergebe dir die ganze Angelegenheit, die ja jetzt für dich ebenso sonnenklar liegt wie für mich... vermutlich Nachschlüssel. Du Wirst dich deinerseits mit der Kriminalpolizei verständigen. Fräulein Manz wird das genaueste Signalement des Defraudanten geben können. Im übrigen kennst du ihn ja auch — hast ja mehrfach mit ihm gesprochen. Ich denke, dass wir mit Hilfe des Radios und aller üblichen Fahndungsmittel Daraus hat sich für die Motorfahrzeugbesitzer eine äusserst ungünstige Lage entwickelt. Obwohl sie ihre Fahrzeuge nur noch in beschränktem Umfang verwenden können, bleiben die festen Kosten, die mit der Haltung eines Motorfahrzeuges verbunden sind, wie Steuer. Versicherungsprämie, Abschreibung, Garagemiete, in der bisherigen Höhe weiter bestehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der grösste Teil der Motorfährzeuge im Geschäfts- und Erwerbsleben verwendet wird. .Die sogenannten Luxus- und Vergnügungsfahrer machen nur einen Zehntel aller Fahrer aus. Für vie-o Geschäftsleute wird unter diesen Umständen der Gebrauch eines Motorfahrzeuges geradezu unwirtschaftlich. So sehen eich heute zahlreiche Fahrzeugbesitzer gezwungen, ihre Fahrzeuge ausser Verkehr zu setzen. Diese Entwicklung ist im Kanton Zürich deutlich erkennbar. Bis Ende Dezember 1939 waren im Kanton Zürich 2000 Fahrzeuge, mehr stillgelegt, das heisst 2000 Kontrollschilder mehr abgegeben als bis zum gleichen Zeitpunkt im Jahre 1938. Von diesen ungünstigen Verhältnissen wird aber nicht nur der einzelne Motorfahrzeugbesitzer betroffen. Weit schwerer, Ja beängstigend, wirken sich die Folgen dieses Zustandes für das gesamte Motorfahrzeuggewerbe aus. In den letzten Jahren befanden sich im Kanton Zürich über 20 000 Motorfahrzeuge im Yerkehr. Ächi- bis zehntausend Personen sind'iifi Kanton Zürich im Autogewerbe tätig, sei es im Handel mit Motorfahrzeugen und Motorfahrzeugzubehören, sei es in Garagen und Reparaturwerkstätten, oder sei es im Transportgewerbe. Der bisherige Motorfahrzeugtoeetand bildete für Tausende von Personen eine Quelle von Beschäftigung und Verdienst. Mit dem Rückgang des TVfotorfahrzeugverkehrs gehen naturgemäss die Verdienstmöglichkeiten in allen Erwerbszweigen, die mit dem Motorfahrzeug zusammenhangen, zurück. Die Garagen und Reparaturwerkstätten haben weniger Reparaturen auszuführen; es werden keine Fahrzeuge' mehr gekauft, so dass der Handel mit Motorfahrzeugen und allen ihren Zubehören lahmgelegt wird; Transport- und Versicherungegeschäft verlieren einen grossen Teil ihrer Einnahmen. Einschränkung oder Schliessung der Betriebe ist in vielen Fällen die unumgängliche Folge. Zahlreiche Arbeiter und Angestellt« verlieren dadurch ihre Beschäftigung. Das gesamte Motörfahfzeuggewerbe steht heute vor der Gefahr einer allgemeinen Arbeits- und Verdienstlosigkeit. Aber auch für den Staatshaushalt wirkt sich diese Entwicklung ungünstig aus, denn mit der Abnahme des Fahrzeugbestandes gehen auch sofort seine Steuererträgnisse zurück. Bereits das Jahr 1939 brachte für den Kanton Zürich einen Rückgang der Einnahmen aus Fahrzeugsteuern um rund Fr. 100 000. Im Vergleich zu dem Steuerertrag von sechs Millionen Franken mag dieser Betrag gering erscheinen. Dieses verhält- den flüchtigen Verbrecher in wenigen Tagen dingfest gemacht haben — noch ehe das ganze Geld zwischen seinen Händen zerronnen ist!... « Ich danke Ihnen, Fräulein Manz.» Er reicht ihr, die verlegen aufsteht, die Hand. Hans blättert bereits im Telephonbuch. Sucht die Nummer der Polizei, ruft befehlend, ganz im Tonfall des Vaters. «Fräulein! Kommen Sie einmal her!... Ich rufe jetzt die-Kriminalpolizei an. Ich sage die einleitenden Worte. Die Beschreibung des Täters geben Sie am besten selbst... Und dann fahren wir zusammen zur Polizei, um die Anzeige schriftlich zu bestätigen. Römer beugt sich über seine Frau : «Na Wanda, das war eine dramatische Abschiedsstunde diesmal!... Also — lass dir's gut gehen ! » Wanda klammert sich an ihren Mann. Sie vergisst das fremde Fräulein, sagt — es ist mehr wie ein Schrei : « Heinrich ! Und wenn du nicht wiederkommst diesmal ? Ich habe solche Angst. » Sie hat einmal gehört, dass auch die Männer ihr « gefährliches Alter» haben. Wenn jene fremde Frau ihn diesmal so zu fesseln versteht, dass er nicht mehr loskommt von ihr ?... Sie kennt ihren Mann : wenn der erst etwas im Schädel hat, dann ist es nicht Das Tessiner Benzinsteuer-Experiment Ausser der Frage der Steuerrückvergütung für requirierte Motorfahrzeuge beschäftigt das Problem» der Steuerreduktion die Mehrzahl der Motorfahr-" zeughalter und die kantonalen Behörden. Im Mittelpunkt der Postulate steht der Wunsch, die Hubraumtaxen möchten der Brennstoffrationierung, d. h. der eingeschränkten Fahrleistung, angepasst werden. Das naheliegende Begehren, die Abgabe in eine funktioneile Beziehung zu den variablen Treibstoffrationen zu setzen, fand bisher nur im Kanton Tessin Gehör. Auf Grund einer Vorlage des Regierungsrats nahm der Grosse Rat ein Dekret an, das erstmals in der Schweiz die viel diskutierte und teilweise umstrittene Brennstoffumlage einführt. Ausser einer Grundtaxe von 1 Fr. pro PS (im Minimum 10 Fr. für Motorwagen und 3 Fr. pro Motorrad) sind pro Liter Benzin 15 Rp. und pro Liter Dieselöl 25 Rp. zu entrichten. Die wesentlichen Vorzüge dieses Systems liegen darin, dass sich einmal die Abgaben nach den zugeteilten Brennstoffmengen richten, zweitens wird praktisch die Steuer nur noch für 2 Monate im voraus in kleineren Raten einkassiert und drittens bedeutet sie in den meisten Fällen eine nennenswerte Reduktion. Im weiteren sorgt der Erlass dafür, dass die früheren, oberen Steuergrenzen nicht überschritten werden. In keinem Fall muss ein Halter für das ganze Jahr mehr als früher bezahlen. Um eich über die Auswirkungen des Versuches für den Fahrzeughalter eine Vorstellung zu verschaffen, stellt man am besten einige Berechnungen an. Dabei bleibt vorläufig allerdings ein Hauptfaktor, die Benzinration, eine Unbekannte, so dass man hypothetische Annahmen zu Hilfe nehmen muss. Um nämlich zuverlässige Vergleiche zu erhalten, ist es • notwendig, die möglichen oder wahrscheinlichen Gesamtausgaben eines Jahres zu ermitteln, damit sie den alten Jahrestaxen gegenübergestellt werden können. Wir legen unseren Berechnungen, die Benzinrationen für die ersten beiden Monate des laufenden Jahres, und zwar de Grenzwerte aller Hubraumgruppen grunde. Personenwagen bis 7,5 PS Minimum Maximum 7,5—15,5 PS Minimum Maximum über 15,51 PS Minimum und Dringlichkeitskategorien, zu- Benzin-Ration pro Monat Jahr Liter Liter Fr. 23 276 ä 0.15 105 1260 ä 0.15 ä5 420 ä 0.15 160 1920 ä 0.15 40 480 ä 0,15 Maximum 185 2220 ä 0.15 = msmässig günsige Ergebnis hängt damit zusammen, dass der grösste Teil der F'ahrzeugibesitzer die Steuer für das laufende Jahr bezahlt hatte und darum das Fahrzeug noch bis Ende des Jahres benützte Im Jahre 1940 wird mit einem bedeutend grösseren Ausfall zu rechnen sein, sofern es nicht gelingt, die gegenwärtige Situation im Motorfahrzeugverkehr zu verbessern und die zunehmende Ausserbetriebsetzung der Fahrzeuge durch geeignete Maf&nahmen zu verhindern. mehr herauszubringen aus ihm — und wenn man ihm den Kopf einschlüge ! So kraftvoll, so energisch er auch ist, wenn es sich darum handelt, andern Menschen seinen Willen aufzuzwingen oder den Willen anderer abzuschütteln — irgend .einem Wunsche, einem Gedanken, der aus ihm selbst heraus, der aus seiner eigenen. Seele erwächst —, dem ist er wehrlos ausgeliefert! Einmal hatten sie über Herrennaturen gesprochen und Despotismus. Da hatte sie wohl das klügste Wort ihrer Ehe gesagt: *« Du bist ein Herrenmensch, Heinrich — ja, »das bist du ! Andern gegenüber ! Aber nicht dir selbst gegenüber! Du versklavst an dir selbst! » Vor der Gartentür tutet der Taxichauffeur. Römer schiebt seine Frau mit schonender Kraft von sich. « Ich komm' schon wieder. Wenn ich nicht gerade bei einem Eisenbahnunglück draufgehe oder an der Grippe ! Ich komme wieder, Wanda, wie immer. Mach kein Theater. » Er wendet sich zum Gehen. Seine Nerven sind bis zum äussersten gespannt. Ueberarbeitet ist er wohl auch. Ja, das ist er wohl auch. Er steht schon auf der Schwelle, als er die Frage seines Sohnes hört: « Sagen Sie mal. Fräulein, die Hauptsache: Pro Monat sind in der Hubraumgruppe bis 7,5 PS mindestens 23 Liter (in Kategorie D) und höchstens 105 Liter (in Kategorie A I) zugeteilt. Auf das ganze Jahr bezogen, entspricht das 'wenigstens 276 und maximal 1260 Liter Benzin. Die Brennstoffsteuer beläuft sich beim Satze von 15 Rp. je Liter auf Fr. 41.40 bis Fr. 189.—. Dazu kommt die Grundtaxe von Fr. 10.—, die Gesamtabgabe bewegt sich somit zwischen Fr. 51.40 und Fr. 199.—. Bis Ende 1939 hatte der Tessin für Wagen bis 8 Steuer-PS einheitlich Fr. 220.— verlangt. In gleicher Weise haben wir die Mindest- und Höchstabgaben bei bestimmten Benzinmengen für die anderen beiden Hubraumgruppen berechnet. Da, gemessen an der Benzinsteuer, die Grundtaxe keinen erheblichen Einfluss ausübt, geht die Abstufung der Gesamtabgabe dem Benzinkontingent ziemlich parallel. Für den Grossteil der Halter dürfte die ersehnte, merkliche Erleichterung eintreten und der Abbau scheint sich progressiv mit wachsender Steuer-PS-Zahl zu vergrössern. Die Reduktion nimmt für Wagen mit grossvolumigen Motoren das höchste Mass an. Um die alten Hubraum-Steueransätze zu erreichen, müssten für Wagen bis 8 Steuer-PS pro Jahr 1400 Liter (= 210 Fr. Benzinsteuer plus Fr. 10.— Grundtaxe) und für Wagen bis 16 Steuer-PS etwas über 2400 Liter bewilligt werden. Bei der Beurteilung des Experiments darf man nicht übersehen, dass der Tessin, namentlich für die kleineren Wagen, bisher die höchsten Ansätze kannte. Schon für ein 5-PS-Modell wurden Fr. 220.— einkassiert; für den gleichen Betrag aber konnte man im benachbarten Uri 18 PS versteuern. Auch beim neuen System dürften für die Besitzer vieler Typen bis 15 PS die Gesamtabgaben i.aimer noch etwas höher sein als die Beträge, welche ihre Kollegen in andern Kantonen (wir denken speziell an Baselstadt mit seinen Fr. 60.— für 5 PS) aufzubringen haben. Die Tessiner Benzinsteuer scheint im Endeffekt hauptsächlich eine Angleichung der vor dem übersetzten Taxen an den Landesdurchschnitt zu bringen und das bedeutet nichts anderes, als dass eine einfache Kopie in andern Kantonen kaum zu erwarten ist. Frühere Hubraum- Grund- Gesamt- Hubraum- taxen . , . taxe im anderer Benzin-Stener Fr. 41.40 189.— 63.— 288.— 72.— 333.— taxe abgäbe Tesgln & t Fr. Fr. Fr. 10.— 51.40 220.— 10.— 199.— 220.— 10.— 73.— 220.— 16.— 304.— 396.— 16.— 88.— 396.— 40.— 373.— 924.— Fr. 60.— 210.— 100.— 400.— 190.— 1000.— Endlich widerspricht eine fortschreitende Verkleinerung des Motorfahrzeugbestandes den Forderungen der Armee und der Landesverteidigung. Die Erhaltung des gegenwärtigen Fahrzeugbestandes, die Betriebsbereitschaft und sofortige Verwendbarkeit der Fahrzeuge bilden eine wichtige Voraussetzung der Heeresmotorisierung. Durch wohin wollte der Täter flüchten ? Das heisst, wohin sollten Sie ihm vorausfahren ? » Gerda Manz antwortet: « Nach Cannes... ja, nach Cannes ... das soll doch in der Nähe von Nizza sein.» Sie schreit auf: « Um Gottes willen ! » Direktor Römer steht neben ihr und hat sie am Arm gepackt. Herrscht sie an, heiser vor Erregung : « Sie werden sich gefälligst um Dinge, die In dieser Nummer Um die Reduktion der kant. Verkehrssteuern. Strafregister und Fahrbewilligung. Benzinmotor ohne Vergaser. Kant. Parlamente und das Automobil.