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E_1940_Zeitung_Nr.001

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BERN, Donnerstag, 4. Januar 1940 Dia Redaktif>ü3 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 1 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 1 O.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 Wie vermeiden wir den Ruin des schweizerischen Autogewerbes? I. Armee und Volk als Einheit Anfang Oktober 1939 habe ich an dieser Stelle die zum Aufsehen mahnende Lage des schweizerischen Autogewerbes und -handeis geschildert, die Not der ohne Arbeit dastehenden Reparaturwerkstätten, die Misere der Tausende von kleinen Qaragisten, welche dem Bankrott entgegentreiben, weil sie ausserstande sind, ihre Hypothekarzinsen zu bezahlen. Ich habe die Zivil- und Militärbehörden beschworen, unverzüglich zu handeln, wobei ich ihnen gewisse zwar einfache, aber wirksame Mittel vorschlug, die vom Gedanken ausgingen, rechtzeitig zu retten was noch zu retten ist. Dieser Appell hat mir Hunderte von Briefen aus allen Gauen unseres Landes eingetragen, wahre Notschreie, die mich in der Ueberzeugung bestärkten, dass das Autogewerbe mit seinen 50.000 Interessenten vor dem -Zusammenbrach" stand und dass dieser 1 Zusammenbruch schwere Folgen für unsere Landesverteidigung nach sich ziehen würde. Tatsächlich — und ich kann das nicht genug betonen — stellt unsere Armee lediglich ein technisches Instrument dar, das sich auf die Nation selbst stützt, die ihre Substanz, ihre Reserven aus dem Volk schöpft. Armee und Zivilbevölkerung bilden eine Einheit; die Schwäche des einen wirkt sich in Kriegszeiten für beide Teile verhängnisvoll aus. Anders ausgedrückt: die Armee verkörpert die Wache an der Grenze. Dahinter im Landesinnern arbeitet der Bürger für sie, er versorgt sie mit Munition, mit Lebensmitteln, mit Material, mit Geld. Das Schicksal des einen verschmilzt mit dem Schicksal des andern. Enge Verbundenheit und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen ihnen sind darum unerlässlich. Der Offizier, der die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung verkennt, bedeutete ebensosehr eine Gefahr wie der Industrielle, der sich nicht um das kümmert, was der Armee not tut. II. Armee und Lastwagen Theoretisch wussten wir um alle diese Zusammenhänge schon vor dem Krieg. Die F E U I L L E T O N 1 , Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 3. Fortsetzung (Fortsetzung.) Wo stehen wir? Von Oberst Henry Vallotton, Nationalrat. Mobilisation aber hat sie uns in ihrer vollen praktischen, um nicht zu sagen brutalen Tragweite enthüllt. Und nirgends vielleicht so unerbittlich klar wie im Gebiet der Lastund Personenwagen. Ersparnisgründe gestatten lediglich die Haltung eines zahlenmässig sehr beschränkten armee-eigenen Parks. Woraus er sich zusammensetzt ? Aus einigen Dutzend ausgezeichneter Personenwagen, einer bescheidenen Anzahl hervorragender Diesel-Lastwagen und aus einer « schmerzlich berührenden» Kollektion in Ehren ergrauter Methusaleme, die mitunter an die 300.000 km in den Rädern haben und auf ihre Art' Zeugnis ablegen von der verblüffenden Robustheit, von der UnverwiüstMchkeit des 1 schweizerischen Lastwagens. Unsere Armee bleibt also auf die Requisition und Miete ziviler Fahrzeuge angewiesen (währenddem z. B. die französische Armee die zivilen Fahrzeuge, welche sie benötigt, zwar .requte. Ein zager Schritt, aber immerhin: riert, aber sogleich auch kauft). Welche Konsequenzen haften nun diesem durch,Requisition und Miete gekennzeichneten System an ? a) Bei der Knappheit, welche in der Schweiz an Lastwagen von 3—5 Tonnen herrscht, sehen sich Industrie, Handel und Landwirtschaft ihrer Beförderungsmittel und Arbeitswerkzeuge unvermittelt beraubt. Die Eigentümer bestürmen den Armeekommandanten — der allein dafür zuständig ist — um Rückgabe der für sie unentbehrlichen Lastwagen. Wohl anerkennt er die Berechtigung, ja die unausweichliche Notwendigkeit einer Menge dieser Gesuche, denen er indessen nicht entsprechen kann, weil die Armee selbst dieser Fahrzeuge bedarf und über kein Mittel für deren Ersetzung durch andere verfügt — ganz einfach deshalb, weil diese « anderen » nicht vorhanden sind. So erhebt sich denn für den Armeekommandanten das Dilemma: entweder die Lastwagen ins zivile Leben zurückkehren lassen und damit die Beweglichkeit, die Verpflegung, die Vorbereitung der Armee zu beeinträch- Der Bundesrat bricht sein Schweigen Kantone sollen die Steuern einstweilen In Raten erheben, entsprechend den Rationierungsperioden. Dem Bundesrat sind in letzter Zeit von verschiedenen Seiten Eingaben zugegangen, in welchen auf die heutigen, nicht zuletzt durch die Rationierung der flüssigen Treibstoffe bedingten Verhältnisse im Motorfahrzeugwesen aufmerksam gemacht wird, die für die Fahrzeugbesitzer, das Reparaturund Garagegewerbe, die Armee und den Fiskus mit sehr nachteiligen Folgen verbunden sind. Der Bundesrat ist namentlich aufgefordert worden, auf dem Gebiet der kantonalen Motorfahrzeugsteuern Massnahmen zu ergreifen, mit denen die Gefahr zahlreicher Stillegungen von Motorfahrzeugen abgewendet werden soll. Die zuständigen eidgenössischen Behörden unterziehen gegenwärtig diese Eingaben einer eingehenden Prüfung und werden nach ihrem Abschluss dem Bundesrat sachdienliche Vorschläge unterbreiten. In seiner Sitzung vom 29. Dezember 1939 hat der Bundesrat beschlossen, den Kantonsregierungen ein Kreisschreiben zugehen zu lassen, in welchem ihnen gewisse Massnahmen zur Anwendung c Ein Glas Wasser für die Dame! » sagt Becker und beisst sich auf die Lippe. Er wirft einen Blick auf die Uhr. Es ist gleich sieben. Wenn das Mädel sich ein Necessaire kaufen soll — die Läden werden bald geschlossen !... Wenn sie nicht auf ihn hört, wenn sie nicht pariert, wenn sie nicht abreist noch heute, so dass er ihr morgen folgen kann — wenn sie morgen ins Büro geht, dann ist alles aus ! Dann hat er sie verloren ! Für immer !... Behutsam streicht er über ihre Hand. «Ich werde es dir nie vergessen, Gerda, was du jetzt für mich tust. Nie !... Und mit der Hochzeit werde ich dich auch nicht drängen... mit nichts, hörst du?... Aber du wirst später eine glückliche Frau werden mit mir, Gerda ! Und eine reiche! Wirst auch mit einem blaulackierten Wagen fahren, mit einem Chauffeur in weisser Dienstkleidung am Steuer ! Wirst jedes Jahr an die Riviera fahren mit mir — aber ur/er andern Umständen. Mit einem Schrankkoffer und Handgepäck.» Der Ober stellt das Glas Wasser auf den Tisch und verschwindet. Im gleichen Augenblick steht Gerda auf: « So. Und jetzt geh' ich nach Hause.» « Was sagst du ? » Becker ist aufgesprungen. Er starrt Gerda an : « Nach Hause ?... Nach Hause...» Seine fleckige Röte ist grünlicher Blässe gewichen. « Nach Hause ?. „ Und morgen früh ins Büro ? » « Und morgen früh ins Büro.» Sie sagt es ganz langsam und ganz ruhig, weil sie fühlt, dass nur diese Ruhe ihr einiges Uebergewicht gibt über den Mann. Und fügt hinzu, weil ihr scheint, dass diese Worte ihrem Fortgang etwas von seiner Roheit nehmen : «Ich habe dich nie geliebt. Liebgehabt wohl auch nie. Ich dachte eben ich „geh' mit dir", wie man das so nennt, und dachte, das gehört zum Leben, dass abends nach der Arbeit einer auf einen wartet und einen ausführt. Du warst ja auch gut zu mir... Und ich dachte ja auch, du seist ein ordentlicher, rechtlicher Mensch.-. empfohlen werden, mit denen nach seiner Auffassung verhütet werden kann, dass die heutigen Verhältnisse sich verschlimmern. Als solche Massnahmen, die innert nützlicher Zeit zu verwirklichen wären, betrachtet der Bundesrat Erleichterungen in den Zahlungsbedingungen für die Motorfahrzeugsteuern, welche über die in Friedenszeiten bereits bestehenden hinausgehen. Aehnlich wie in einem Kreisschreiben des ei dg. Amtes für Verkehr vom 19. Dezember 1939 werden die Kantonsregierungen durch den Bundesrat ersucht, bis zur Abklärung der aufgeworfenen Frage, die kantonalen Motorfahrzeugsteuern in Raten zu erheben, welche den für die Rationierung der flüssigen Treibstoffe festgesetzten Zeitabschnitten angepasst sind. Diese Massnahmen wären ohne Präjudiz für eine allfällige, für die Dauer der Kriegswirtschaft geltende allgemeine Lösung zur Behebung der nachteiligen Folgen der heutigen Verhältnisse für die Landesverteidigung, die Volkswirtschaft und die Finanzen der Kantone und des Bundes. (Mits.) Becker reisst sie zu sich herum : « Hat dich der Lump, der Römer, in sein Büro bestellt ? Hat er was gesagt ? Hat er was gezeigt über mich ?... Ein Papier ?... Wenn du mir jetzt nicht die Wahrheit sagst — wenn du mich anlügst — ich geh' noch heute zu ihm! In die Privatwohnung... Ich stell' ihn zur Rede ! > Gerda fühlt, dass es Augenblicke gibt, in denen Lügen das Natürlichste von der Welt ist und das Vernünftigste. Sie schlägt die blauen Kinderaugen zu ihm auf und sagt : « Ich verstehe deine Aufregung nicht. Ich habe Direktor Römer den ganzen Tag nicht gesprochen. Ich weiss nicht, von was für einem Papier du sprichst... Aber jetzt lass mich gehen — ich glaub', es ist besser... > Sie trinkt — stehend — das Glas Wasser aus. Nicht, dass sie Durst hat, aber ihre Beine versagen; sie fühlt, dass sie schwankt, und kann sich mit der Hand auf den Tisch stützen, während sie trinkt. Noch den letzten Versuch wagt er: «Du willst also morgen wie immer ins Büro gehn, während ich...» Sie reicht ihm die Hand. « Leb' wohl, Alfred. Du hast es wohl gut gemeint mit mir. Möge dir alles nach Wunsch gehn im Leben. > INSERTIONS-PREIS DM achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarif Inaratenscnluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s « Gasfabrik » im Anhänger jetzt erlaubt Steuerrückvergütung für requirierte Fahrzeuge. Deutschland auch 1940 sportlich aktiv. Kriegswirtschaft und Steuerfragen. tigen — oder aber die Lastwagen zu behalten, was gleichbedeutend wäre mit einer Schädigung des « Hinterlandes »... b) Der Generalstab hatte der Requisition die Marke und den Typ des Lastwagens zugrunde gelegt, wobei er sich von der Ueberlegung leiten Hess, dass es damit möglich sein sollte, die Einheitlichkeit in den Kolonnen, eine ausreichende Vorratshaltung an Ersatzteilen und die rasche Vornahme von Reparaturen zu gewährleisten. Beim Mangel an Lastwagen jedoch muss es zu krassen Ungleichheiten in der Behandlung der Fahrzeugeigentümer führen. Währenddem nämlich das eine Unternehmen seinen ganzen Lastwagenpark mobilisiert sah, konnte ein anderes einen grossen Teil davon behalten. Die praktische Durchführung hat somit die Unvollkommenheit dieser Methode offenbart. Eine Milderung, wobei (im Rahmen des Möglichen) der zivilen Wirtschaft jene Zahl an Lastwagen verbleibt, deren sie auf keinen Fall entraten kann, die aber anderseits auch der Notwendigkeit einer Ausfüllung der Lücken durch die Requisition anderer Fahrzeuge Rechnung trägt, drängt sich deshalb auf. c) Bei der Entlassung einer Einheit werden deren Fahrzeuge dem Halter zurückgegeben und auf Pikett gestellt. Um diese Einheit von einer Stunde zur andern wieder unter die Waffen rufen zu können, müssen auch deren Fahrzeuge ständig verfügbar und fahrbereit sein. Das heisst also, dass sie im Prinzip während der Dauer ihrer Dienstbefreiung keiner andern Einheit zugeteilt werden dürfen. Und dies aus zwei Gründen : beim Wiedereinrüoken könnte sie die erste Einheit nicht sogleich fassen, die zweite hätte sie zurückzuerstatten und sich ohne sie zu behefl'fen, bis es ihr gelänge, Ersatz da- Der Kojenvorhang fällt hinter ihr zusammen. Alfred Becker bricht auf den Stuhl nieder, vergräbt das Glicht In den Händen. Dazu — um dieses Mädel zu halten, um dieses Mädel, von dem er besessen war, zur glücklichen reichen Frau zu machen, hatte er, der zehn Jahre ein tadelloses Leben geführt, der neunhundert Franken monatliches Gehalt und Tantieme bezogen hatte, gehandelt — wie irgend ein Portokassenjüngling ! Hatte mit angeeignetem fremdem Geld in verbotenen nächtlichen Spielclubs unzählige eigene Roulettesysteme ausprobiert... mit fremden Gelde, das er allnächtlich an Fremde verlor ! Um dieses Mädels willen, das nie etwas von ihm verlangt hatte ! Nein — eben weil sie nie etwas von ihm verlangt hatte, weder Liebe noch Geschenke, hatte er sich so machtlos gefühlt ihr gegenüber! Um dieses Mädels willen hatte er alles verloren — Stellung, Ansehen, Ehre ! Aber nun gab es kein Zurück mehr für ihn — nun gab es nur noch ein Vorwärts auf der beschrittenen Bahn zum Verbrechen... die Rückendeckung hatte er sich im voraus heute vormittag im Direktionsbüro geschaffen !... Und dann, eines Tages, vielleicht sehr bald I schon, würde er alles zurückerstatten kön-