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E_1940_Zeitung_Nr.022

E_1940_Zeitung_Nr.022

BERN, Dienstag, 28. Mai 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 22 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Diemtag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222- Postcheck III414 -Telegramm-Adresse: Autoren)*, Bern Getchiftsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS DU achtge»p»ltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grftssere Inserate nach Spezialtarif iBMratcnsehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Ifinner Signal geben oder langsam fahren ? « Die Warnvorrichtung ist zu gebrauchen, wenn es die Sicherheit des Verkehrs erfordert >, schreibt das MFG in Art. 20 vor. Was die Bestimmung will, ist klar: Sie bezweckt, die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer zu verhüten, wobei allerdings daran erinnert sei, dass die Betätigung des Signals den Fahrer keineswegs von der primären Pflicht entbindet, das Tempo den jeweiligen Verhältnissen anzupassen und sein Fahrzeug ständig zu beherrschen. Wann und unter welchen Umständen Signal gegeben werden darf und soll, Jässt sich natürlich nicht durch Einzelnormen abklären. Vielmehr bleibt es dem Pflichtgefühl und dem Verantwortungsbeiwusstsein des Mannes am Volant überlassen, sich zu entschliessen, ob er der Möglichkeit einer Gefährdung der Verkehrssicherheit durch ein Warnzeichen oder durch Verminderung seiner Geschwindigkeit begegnen will. Diese Auffassung vertritt auch Strebel in seinem Kommentar zum MFG, wenn er zum Schluss kommt, der Lenker müsse sich in jedem Fall bewusst bleiben, dass das Warnen stets nur ein Hilfsmittel zur Vermeidung von Unfällen sei und das erste Mittel hiezu, das den gegebenen Verhältnissen entsprechende vorsichtige Fahren, nicht ersetzen, sondern- nur unterstützen könne. Die Warnvorrichtuhg diene keineswegs dem Zweck, die übrigen Strassenbenützer zu verscheuchen, damit der Fahrzeuglenker die Verkehrsregeln nicht mehr zu beachten brauche. Wenn man davon ausgeht, dass das Signal eine Gefährdung anderer verhindern helfen soll, dann dürften für die Albgabe von Warnungszeichen ungefähr folgende Richtlinien gelten: Ob mit einer Gefährdung anderer zu rechnen ist, hängt einerseits von der Verkehrslage und anderseits von der Fahrweise des Lenkers ab. Auf die Gestaltung der Verkehrslage vermag er einen Einfluss auszuüben, indem er durch ein Signal die Aufmerksamkeit der übrigen Strassenbenützer auf sich zieht und sie veranlasst, seine Fahrbahn zu räumen. Die Fahrweise dagegen richtet sich ausschliesslich nach seinem Willen und seiner Verkehrsmoral. Hat er also angesichts der konkreten Situation zu gewärtigen, dass er andere in Gefahr bringen oder gar einen Unfall heraufbeschwören könnte, so steht ihm die Wahl offen, entweder seine Warnvorrichtung in Funktion zu setzen oder sein Tempo zu massigen und nötigenfalls anzuhalten, dann nämlich, wenn die Gefahr für den übrigen Verkehr wächst und sich zur Möglichkeit einer Kollision verdichtet. Die Antwort auf die Frage, ob er seiner Pflicht zur Rücksichtnahme auf diese oder jene Art nachkommt, erteilt dem Fahrer sein Verkehrsgewissen, F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 24. Fortsetzung «Monsieur, wissen Sie, ob die Post in Vence sehr weit von der Bahn ist ? » c Wir haben Bahnpost, Monsieur. Wenn Sie telegraphieren wollen... ? » «Nein, Monsieur. Ich erwarte Briefpost, postlagernd Vence.» «Die Post liegt mitten'in der Stadt, Monsieur. Gute zehn Minuten zu gehen. Nach dem Hotel de Ville. In Vence werde ich übrigens abgelöst! » «Sind Sie in Vence zu Hause, Monsieur ? » «Gott sei Dank, Monsieur. Wo anders möchte ich auch nicht leben. » « Sie können mir einen Gefallen erweisen, Monsieur. > wobei er sich freilich zu vergegenwärtigen hat, dass das Gebot der ständigen Beherrschung des Fahrzeuges und der Anpassung der Geschwindigkeit an die Strassen- und Verkehrsverhältnisse allem andern vorangeht. In keinem Fall darf er sich nur auf sein Warnsignal verlassen. Wenn aber das Gesetz dem Fahrzeugführer selbst den Entscheid in die Hand legt, ob er einem drohenden Zusammenstoss durch Eine Armee braucht Benzin — d«r « Habermotor» tritt in Tätigkeit. Ein sprechendes Bild aus dem besetzten Dänemark, wo die Benzinbestände für Armeezwecke requiriert •worden sind: Die grossen Stadtomnibusse der dänischen Stadt Vejle werden mangels Benzin von Pferden gezogen. Die Brennstoffe sind' an die deutsche Armee abgeliefert worden. Der kluge Mann baut vor, sagte sich der bernische Färbereibesitzer, der sich schon tetztes Jahr diesen Lieferwagen mit Habermotor bauen liess, für den Fall, dass seine Autos requiriert würden. Und er hat richtig vorausgesehen. * Aber gern, Monsieur. Was steht zu Diensten ? » « Ich gebe Ihnen meine Visitenkarte. Sie werden die Gefälligkeit haben, zur Post zu gehen oder jemanden hinzuschicken und nachzufragen, ob etwas Postlagerndes für mich gekommen ist. Wollen Sie mir diesen Dienst erweisen ? > « Aber mit Vergnügen, Monsieur, mit dem grössten Vergnügen ! » Der Kondukteur wirft einen Blick auf die Visitenkarte : Direktor Heinrich Römer. « Wohin darf ich dann die Post oder den Brief bringen,, Monsieur ? » «Nirgendswohin. Sie holen die Post ab, damit ist es erledigt. Ich will vermeiden, dass sie nach Wochen in der .Poststelle geöffnet und dem Absender wieder zugestellt wird. Sie können den Brief nachher ins Feuer werfen oder zerreissen, Monsieur — das ist mir gleich. Natürlich lesen brauchen Sie ihn nicht. » « Ah ! Mais, Monsieur... fremde Briefe lesen ! > Verlangsamung der Fahrt und durch erhöhte das Gegenteil des gewollten Effektes erreichen kann: Statt eine Gefahr zu beseitigen, Konzentration oder aber dadurch vorbeugen will, dass er das Signal betätigt, dann gilt es verschärft es sie noch, weil andere Strassenbenützer erschreckt werden und dann in ihrer zu beachten, dass unsern Verkehrsvorschriften das Bestreben innewohnt, die Huperei Verwirrung irgend eine Kopflosigkeit begehen. Im einzelnen Fall kann sich somit vom nicht überborden zu lassen, sondern sie soweit als angängig einzuschränken. Darum Standpunkt der Verkehrssicherheit aus das statuiert Art. 20 des MFG für den Fahrer sehr langsame Fahren als tauglicheres Mittel auch die Pflicht, bei der Signalabgabe Zurückhaltung zu üben, währenddem die Voll- das « Anhupen». Zudem hat bei stark ver- zur Verhütung eines Unfalles erweisen wie ziehungsverordnung präzisierend und ergänzend beifügt, dass der grundlos und über- besser in der Gewalt, so dass es ihm auch mindertem Tempo der Lenker sein Fahrzeug mässige Gebrauch der Warnvorrichtung untersagt sei. Denn die Erfahrung lehrt, dass der Verkehrslage unverzüglich und wirksam leichter gelingen sollte, auf jede Veränderung ein zur Unzeit: erfolgendes Warnungszeichen zu reagieren. «Können Sie mir sagen, Monsieur, wann genau der nächste Zug wieder nach Cannes zurückgeht ? » « Morgen früh um... > Direktor Römer winkt ungeduldig ab : « Nicht morgen. Heute. Gleich. Der nächste Zug ? » « Verzeihung, Monsieur, ich dachte... Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft in Vence geht bereits ein Zug zurück nach Cannes.» < Danke, Monsieur.» « Ich besorge dann auch gleich ^einen Träger, Monsieur.» « Danke, Monsieur, nicht mehr nötig.» Er hat eine Spinne an der Decke, denkt der Kondukteur — verrückt, total verrückt!... Aber er steckt mit einem ergebenen « Merci, Monsieur! » die zwanzig Francs ein, die ihm der Reisende hinreicht. Römer hängt seinen Gedanken nach : — eigentlich blödsinnig, dass er extra nach Vence fährt, um sich die Empfangsbestätigung für das Geld zu holen! Aber — man konnte ja nie wissen... Er war überhaupt Zur Psychologie des Fahrunterrichts Die besorgte Frage: «Bin ich zum Lenken eines Autos geeignet?» wird in jeder Fahrschule häufig gehört und dabei übersieht man, dass sich eine Antwort darauf nicht ohne weiteres erteilen lässt. (Von körperlichen Defekten wird hier abgesehen.) Die Unmöglichkeit, einen halbwegs begabten Menschen zu einem Durchschnittsfahrer heranzubilden, besteht äusserst selten. Das Mass der Eignung aber zeigt natürlich Abstufungen und es gehört jahrelange Erfahrung und Beobachtung dazu, all diesen die Eignung günstig oder ungünstig beeinflussenden Umständen Rechnung zu tragen. Auf Grund der Beobachtungen, zu denen sich dem Verfasser in Tausenden von Fahrstunden und bei einer sehr grossen Zahl von Fahrprüfungen Gelegenheit bot, soll nachstehend der Versuch unternommen werden, die psychologische Seite des Fahrunterrichts unter die Lupe zu nehmen. Der Einfluss des Alters. Je früher mit dem Fahrunterricht begonnen wird, dasto besser. Das günstigste Alter liegt zwischen 18 und 30 Jahren, wobei mit Maturanden unmittelbar nach der Reifeprüfung, vielleicht infolge des seelischen Aufschwunges, die besten Erfahrungen gemacht wurden. Allerdings sei dazu einschränkend bemerkt, dass der Einfluss des Alters nicht unbedingt massgebend sein muss, da in manchen Fällen bei jungen Leuten ein gewisses Draufgängertum zu beobachten ist, das den Unterricht erschwert und das bei älteren Menschen mit entsprechender Eignung häufig durch Vor- und Einsicht ersetzt wird, also durch Eigenschaften, die für den Fortschritt des Unterrichts eminent wichtig sind. Einen starken Mangel an den letztgenannten Fähigkeiten bewies jene 24jährige Dame, die plötzlich im dichtesten Verkehr das Lenkrad fahren liees und sich höchst interessiert umwandte, um «einen besonders schneidigen Polizisten^ genauer besehen zu können! Der Einfluss des Gesundheitszustandes. Der körperliche Zustand wirkt sich in geringerem Mase auf die Fähigkeit zur sichern Lenkung eines Fahrzeuges aus als der seelische. Vielfach reichlich nervös diesmal!.,., gar nicht in Form. Unter einem Unstern hatte die Reise ja schon begonnen!... Die Schweinerei da mit dem Becker!... ob der Karsten wohl fähig war, den Betrieb allein zusammenzuhalten, bis der Prokurist wieder antreten konnte?... In dieser Nummer: Arbeitsgemeinschaften im Autotransportwesen. Der Benzinzollviertel für die Kantone. Franz. Vorschläge über Projektierung von Nachkriegs-Automobilen. Beilage: Auto-Magazin.