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E_1940_Zeitung_Nr.029

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BERN, Dienstag, 16. Juli 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 29 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS DM aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 .ny. Grfissere Inserate nach Spezialtarif InaemteiuehluM 4 Tage vor Erseheinen der Nimmer So reagierten Publikum und Presse Vom Ausbau der rechtsufrigen Thunerseestrasse Glossen zur Benzinpreiserhöhung Skepsis, Misstrauen und Umgehaltenheit mischen sich im Echo, das die neuerliche Verteuerung des Benzins in Publikum und Presse hervorgerufen hat. Dass das Stimmungsbarometer nach diesem buchstäblich über Nacht erfolgten Coup rapid im Sinken begriffen ist, und dass der Geduldsfaden reisst, kann niemanden überraschen. So widmet im «Sport» (Zürich) ein Einsender der Benzinpreiserhöhung einen Kommentar, dem folgende Stellen entnommen seien : < So geht es nicht mehr weiter ! Dieser einfache Satz verkörpert den Ausdruck des Unmutes, der am 8. Juli alle Automobilisten und Motorradfahrer erfüllt hat, als sie durch Radio und Presse die lapidare amtliche Erklärung entgegennehmen mussten, dass der Benzinpreis ... um volle neun Rappen auf 64 Rappen pro Liter erhöht -worden sei... Wenn nicht in kurzer Zeit eine namhafte Milderung eintritt, -werden auf August und September Massenrückgaben von Kontrollschildern als eindeutiger Protest der Betroffenen erfolgen, zum grossen Schaden des eidgenössischen und kantonalen Fiskus, des gesamten Autogewerbes und der gesamten Verkehrs- und Volkswirtschaft. Zahllose Chauffeure und Arbeiter -werden brotlos -werden, in einem Zeitpunkt, da der Bundesrat dem Volk die Zusicherung gegeben hat, dass die Arbeitsbeschaffung in grösstem Maßstabe gefördert werden müsse... Und da ist nun gerade bei der Benzinpreiserhöhung eine offen daliegende Gelegenheit erster Klasse versäumt worden. Auch der Bund muss unbedingt dazu Hand bieten, durch eine massive Herabsetzung des verfassungsrechtlich unzulässig hohen Benzinzolls den Benzinverkaufspreis wieder auf den bisherigen Stand von 55 Rappen zurückzuführen ... Es wird dies ein Opfer sein, das der Bund zu tragen vermag, wern mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nicht durch Worte, sondern durch Taten ernst gemacht werden soll. Was nützt es, Millionenheiträge für den Ausbau der Alpenstrassen auszugeben, wenn anderseits der Motorfahrzeugverkehr, der sie befruchten soll, durch endlose Verteuerung teilweise verunmöglicht wird. > Eine Handelsfirma ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen : < Wie lange noch müssen wir Handelsfirmen auf eine Benzinzonreduktion warten ? Trotz grossen Inlandlagern werden die Preise ständig erhöht und erhält der einzelne Fahrer bald nichts mehr zugeteilt. Dabei kann der stille Bürger beobachten, wie man beim Militär in sehr vielen Fällen mit dem Benzin direkt Verschwendung treibt, kommt es doch Ein Mann entlaufen! Dann liegt er oft eine halbe, oft eine ganze Stunde mit geschlossenen Augen, schlappem Körper, wir ausgerungen, auf dem von der Direktion für ihn stets mitgeschleppten Klappsofa. Niemand findet Einlass zu ihm. Henri Rene fühlt, wie sich langsam, ganz langsam wieder Kräfte in ihm sammeln. Er öffnet die Augen. Spricht abgerissene Worte vor sich hin, die sich erst langsam zu Sätzen formen. Nach einer bestimmten Zeit klopft es an die Tür: « Nicht einschlafen, Herr Ren©! Ihr Wagen wartet draussen.» « Kommen Sie herein...» Molignon gibt seinem Clown, der noch schwankend im Narrenkleid mit der. weissen Fratze und der grünen Perücke dasteht, den schwarzen Cape-Mantel um die Schultern, schlägt die Kapuze über das grüne Wollhaar vor, dass eine kleine Kiste per Camion über weite Strecken transportiert wird, oder dass ein Soldat irgend etwas vergessen hat, wobei dann natürlich sehr oft ein Auto her muss, wiewohl man mit einem Velo genau so gut auskäme. « (Dass diese Behauptung keineswegs etwa aus der Luft gegriffen ist, sondern — leider — den Tatsachen entspricht, beweist auch die Kritik, welche diese Zustände kürzlich in der nationalrätlichen Vollmachtenkommission auslösten. Dabei wurden, was den Verbranch flüssiger Brennstoffe betrifft, auch von der Armee grösste Sparsamkeit und rücksichtslose Massnahmen gegen alle überflüssigen missbräuchlichen Militärautofahrten gefordert. Als Endergebnis dieeer Diskussion übermittelte die Kommission dem Bundesrat wie der Armeeleitung die übrigens einstimmig zustandegekommene Anregung, mit aUen Mitteln für besseres und gestrengeres Haushalten mit flüssigen Brennstoffen beim Militär besorgt zu sein. Red.). Von einem andern Leser erhalten wir folgende Zuschrift: » Stimmt etwas nicht? «Das offizielle Communique über die Erhöhung des Benzinpreises um 9 Rappen spricht u. a. auch von der Steigerung der Warenkosten, will sagen der Weltmarktnotierungen. Irgend etwas scheint indessen nicht klar zu sein, wenn man hört, dass die. Golfpreise noch immer auf ihrem Tiefstand verharren. Die « Informations Petrolieres > stellten nämlich fest, es sei offensichtlich, dass eine Erholung der Preise solange ausgeschlossen bleiben müsse, als nicht eine drakonische Verminderung der Vorräte eintrete. Im übrigen scheint es (allerdings ohne dass bisher eine amtliche Bestätigung dafür erhältlich gewesen wäre), dass die Einfuhr rumänischen Petrols seit einiger Zeit infolge der Preishausse ins Stocken geraten sei, womit der durchschnittliche Importpreis eine Senkung erfahren sollte. Ein paar erläuternde und aufklärende Worte wären gewiss nicht fehl am Platz ! > Man darf dem Anto nicht mit untragbaren Lasten den Atem ausblasen. Im « Bund > und in den c Basler Nachrichten » äussert sich ein Einsender wie folgt zu der in der c Automobil-Revue» erhobenen Forderung nach einer massiven Senkung des Benzinzolls : « Im Jahre 1939 wurden 18 885 Wagenladungen Benzin zu 10 Tonnen im Wert von 26,3 Mill. Fr. eingeführt. Der Benzinzoll trug aber volle 52,5 Mill. ein (1938 waren es 55,7 Mill. Fr.). Die Belastung ist also immer noch mehr als doppelt so hoch wie der Warenwert, was sich seit dem Krieg etwas geändert hat. Wir stehen vor einem Fiskalzoll par und leitet ihn zum Wagen. Wie jeden Abend. Dann fährt der Wagen ab. Henri Rene wohnt nie im gleichen Ort, in dem der Zirkus seine Zelte aufschlägt. Mietet sich immer irgendwo im grösseren Nachbarort ein und lässt sich, ohne seine Adresse Zwischen Interlaken und Beatenberg wird gegenwärtig die Thunerseestrasae durch den Kanton Bern einem Ausbau unterzogen, wobei das Tram verschwindet. Dass die Behörden im Zuge dieeer Modernisierung ganze Arbeit leisten, davon vermitteln unsere eben dieser Tage aufgenommenen Bilder einen anschaulichen Begriff. Oben: Trace-Verlegung beim Balmholz-Steinbruch. Rechts die alte, links die nene Strasse. In der Mitte im Hintergrund Interlaken. Unten: So werden die Kurven erweitert. Ausgebaute Kurve im Nastel oberhalb Beatenbucht (Bell. bew. am 15. VII. 40 gemäes BRB vom 3.10. 39.) Photos Baur, Hilterfingem exceüence, er bringt der Eidgenossenschaft fast 10% ihrer Einnahmen. Ein massiver Abbau des Benzinzolls hat schwere Folgen für den Bundeshaushalt (übrigens auch für die Kantone, die vom Benzinzollsegen 25% einheimsen). Trotzdem werden die Behörden nicht darum herumkommen, die Frage zu prüfen, denn es steht ausser Frage, dass wir Rene sieht! Er war wieder grossartig heute. > Molignon rückt näher an seine Frau heran : < Du brauchst keine Angst haben, Juliette, dass er sich wegholen lässt von uns. Ich — in unserer Wirtschaft den Benzinmotor nicht ent* behren können. Man darf ihm aber nicht mit un-* tragbaren Lasten den Atem ausblasen. Ein Aus-* gleich zwischen Wirtschafts- und Fiskalinteressen wird auch auf diesem Gebiet ein Gebot der Vernunft Besonders vor seinen Auftritten. Und dann die Angst, die er hat, mit Menschen in direkte Berührung zu kommen... als ob er Roman von Vera Bern. der Direktion bekanntzugeben, zu Proben hab keine Angst mehr ! Als ich heute Rene 31. Fortsetzung In dieser Nummer: und zu den Vorstellungen von seinem gemieteten Wagen abholen und nach Hause brin- diplomatisch, so ganz harmlos und obenhin : zu seinem Wagen brachte, da sagte ich ganz gen. Stets schon in Kostüm und Schminke — Mein lieber Rene, was würden Sie wohl in Zivil kannte ihn keiner. Nicht einmal Direktor Molignon, trotz jahrelanger Zusam- würden, von einem grossen Direktor oder sagen, wenn Sie plötzlich bei mir .entdeckt' menarbeit. so ? Da sah mich der Mann an, Juliette, er Die Lampen vor dem Zirkus erlöschen. sah mich an... das Zittern hab ich bekommen vor seinem Blick ! Er packte mich an Molignon hat die Leinwandhülle über den Samtrand der Manege gelegt und ruft ins der Weste : ,Wenn Sie mir nicht alle Leute Dunkel: vom Halse halten, die mich belästigen, dann < Also, mes enfants, morgen früh um fünf — dann...' » Zelt abbauen ! » Madame Juliette rückt noch näher an ihren portordnung. Die Artisten verkriechen sich in ihre Mann heran : Wohnwagen. Das stöhnende Brüllen des « Was — dann ? » Beilage: Löwenpaares in seinem Käfig schreckt die Molignon sieht sich um, flüstert noch leiser : Pferde auf. Sie schlagen mit den Hufen gegen den Bretterverschlag, der schwarze « Weisst du, auf was für einen entsetzlichen Gedanken ich schon gekommen bin ? Pudel des Jockeys Merini bellt in die Nacht. Molignon und seine Frau sitzen im Dunkeln auf den Stufen ihres Wagens. kann uns die Konzession kosten !... Weisst ... Aber red nicht wieder darüber — das « Du, Molignon ! Ich hab so Angst vor dem du, was ich glaube, was mit dem Rene los Herrn vom Apollokonzern. Wenn der unsern ist ? Er ist doch manchmal so unheimlich. sein. > (Schluss Seite 2.) Antwort der Freiskontrolle an die CIA. Erfahrungen mit der tessinischen Benzinsteuer. Brief aus Frankreich. Von der Lebensdauer der Lastwagenreifen. Inkraftsetzung der Autotrans-