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E_1940_Zeitung_Nr.035

E_1940_Zeitung_Nr.035

BERN, Dienstag, 27. August 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 35 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: •••gab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlieh Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 JÜL JlgLg^* Erscheint Jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Ben Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS Di* aehtfwpaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Ity. GrSssere Inserate nach Spezialtarü iMtratonsehluM 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Aus dem Bandesgericht Verbotsübertretung und Bahngefährdung Am 30. September 1938 wollte ein ortsunkundiger Automobilist von der Hauptstrasse Mammern-Steckborn zu einem nördlich davon am Ufer des Untersees gelegenen Woohenendhäuschen fahren, wählte dabei aber aus Irrtum ein für den Autoverkehr gesperrtes Strässchen, das zu einem andern Wochenendhäuschen führte. Diese Abzweigung war mit dem vorschriftsge.mässen Verbotsignal versehen, ausserdem mit einer rechteckigen Tafel, deren Aufschrift lautete « Qüterstrasse, Autofahren verboten ». Das Strässchen führt mit etwa 12 % Qefäll auf die Bahnlinie Romanshorn-Schaffhausen, die an jener Stelle eine Kurve beschreibt und deshalb auf der äussern Seite der Kurve, gegen das Seeufer zu, überhöht ist. Der Automobilist fuhr sehr langsam auf den Bahnkörper und sein Wagen blieb mit den Vorderrädern an der äusseren, überhöhten Schiene stecken; hiebei setzte der Motor aus der erst in Gang gesetzt werden musste. Als der Fährer wieder einschaltete, machte der'Wagen einen Ruck vorwärts, wurde aber von einem eben um die Kurve biegenden Zug erfasst, 20 ni weit fortgerissen und auf den Bahndamm geschleudert. Ein© im Fond des Wagens sitzende Dame wurde dabei getötet und der Wagenlenker verletz, während ein neben ihm sitzender Passagier noch im letzten Augenblick den Wagen hatte verlassen können. Nach Art. 67/2 des Bundesstrafreohts wird mit Gefängnis oder Busse bestraft, wer durch Fahrlässigkeit die Sicherheit des Eisenbahnverkehrs erheblich gefährdet. In Anwendung dieser Bestimmung wurde der Autofahrer vom Bezirksgericht Steckborn, in oberer Instanz vom Thurgauer Obergericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt (unter Gewährung des bedingten Straferlasses), ferner zu 300 Fr. Busse. Der Verurteilte behauptete in einer hiegegen eingereichten Nichtigkeitsklage, er habe keine Fahrlässigkeit begangen, da er und sein Nebenmann sich vor dem Befahren des Niveauübergamgs nach beiden Seiten umgeschaut hätten, ohne einen Zug wahrzunehmen. Der Kassationshof des Bundesgeriohts stellte bei der Beurteilung dieser Beschwerde znächst fest, dass es sich um ein allgemeines Fahrverbot handelte, da das Verbotssignal den Vermerk « Anstösserverkehr erlaubt > nicht aufwies. Aus diesem Grunde war die Bahn keineswegs — wie in der Beschwerde behauptet wurde — zum Anbringen eines kostspieligen Aus den behördlichen Vernehmlassungen war schon seit einiger Zeit zu entnehmen, dass unsere Treibstoffversorgung zusehends Verhältnissen entgegentreibt, die eine weitere drastische Drosselung der Benzinabgabe nicht mehr länger aufschieben Hessen. Die für den Monat September aufgestellten Litertafeln der Sektion für Kraft und Wärme sehen denn auch die Streichung ganzer Wagenkategorien aus der Liste der Benzin- 7. Rationierungsperiode: 1.—30. September 1940 (1 Monat). Dringlich- Quantl- Motorenleistung (Steuer-PS): keiti- tätskate-bil 7,5 PS 7,51-15,6 PS 15,51 PS kateeorie gorie Liter Benzin und mehr 1 40 (45) 55 (65) 60 (80) (30+30) 2 35 (40) 50 (60) 55 (70) 3 30 (35) 40 (50) 45 (60) (20+25) A 4 25 (30) 35 (40) 40 (50) 5 20 (25) 30 (35) 35 (40) 6 20 (25) 25 (35) 30 (40) 7 15 (20) 25 (30) 30 (35) 8 15 (15) 20 (20) - 25 (25) Blinksignals verpflichtet. Die ausserdem am Anfange des Strässchens angebrachte rechteckige Tafel diente lediglich den Interessen des Grundeigentümers, der den Besitzern anderer Wochenendhäuschen und ihren Gästen das Befahren der Strecke erlaubte und sich hiefür auf ein im Grundbuch zu Lasten der SBB im Grundbuch eingetragenes « ungehindertes Fuss- und Fahrwegrecht» berief. Eine solche privatrechtliche Dienstbarkeit hindert aber die zuständig© Polizeibehörde keineswegs, im Hinblick auf die Gefährlichkeit der Strecke aus Gründen der öffentlichen Sicherheit ein allgemeines Fahrverbot zu erlassen. Art. 67/2 des Gesetzes setzt eine Fahrlässigkeit voraus. Ob eine solche — wie das kantonale Weitere Drosselung des Motorfahrzeugverkehrs Litertafel für Personenwagen (Äbstempehmg des Feldes 7 der LegitimationskaTte.) 1 25 (30) 35 (40) 40 (50) B 2 15 (20) 25 (30) 30 (35) 3 15 (15) 20 (20) 25 (25) G 1 wiesen, so dass das Strafurteil in Kraft bleibt. Wp. Die Zürcher Verkehrssteuern. Da di© von der Kantonalen Strassenverkehrsliga Zürich seit November 1939 angestrebte Anpassung der kantonalen Verkehrssteuern an die Benzinrationierung seinerzeit möglichst rasch gefördert werden musste y um die Steuerreduktion auf den 1. Juli 1940 in Kraft treten zu lassen, wurde die neue Steuerskala in einem Zeitpunkt festgelegt, dal man die Treibstoffrationierung und -Zufuhr noch etwas optimistischer beurteilte. So basierten die Steuerreduktionen von 10, 20, 30 und 40 % entsprechend den Kategorien A, B, C, D. Betreffs besserer Anpassung an die praktischen Bedürfnisse wurde bei den Verhandlungen die Auffassung vertreten, der; Reg.-Rat habe durch das Ermächtigungsgesetz stets die Kompetenz, die gewährten Steuerreduktionen zu ändern, sofern sich ine der Benzinzuteilung wesentliche Aenderun-» gen einstellen sollten. v Diese Voraussetzung ist nun eingetreten. Seit dem Erlass der Zürcher Verordnung am 27. Juni a. c. haben die Brennstoffrationen aller Kategorien eine Reduktion von 60—70%! erfahren, und zwar ist die erste Kürzung bereits mit dem Inkrafttreten der Verordnung am 1. Juli erfolgt. Es ist daher verständlich, wenn die Zürcher Automobilisten heute die vom Regierungsrat damals gemachten Zugeständnisse als völlig ungenügende bezeichnen und Erweiterung derselben verlangen. Der Arbeitsausschuss der Kantonalen). Strassenverkehrsliga hat anfangs August zu dieser wiederum aktuell gewordenen Steuerfrage Stellung bezogen und in einer Eingabe F E U I L L E T O N Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 37. Fortsetzung « Nein, danke. Ich bin nicht durstig.» Hans Römer geht wieder in den Gang hinaus, raucht eine Zigarette. Der Kondukteur bringt die bestellte Flasche Bier und ein Glas : « Gute Nacht.» Dann geht er. Nichts rührt sich mehr im Gang. Nur Hans Römer steht noch am breiten Fenster und blickt in die sinkende Dunkelheit hinaus. Immer kleiner werden die Häuser, di© vorübergleiten, die Fensterscheiben, hinter denen Lampen brennen, und immer breiter und länger die dunklen Flächen grüner Wiesen und bräunlicher Bahndämme. Die Gedanken Hans Römers eilen dem FD-Zug weit voraus, in das unbekannte Parfümstädtchen Grasse, wo ein ungetreuer Angestellter der Fabrik ihm den Weg zu seinem Vater weisen soll, zu seinem Vater, der bis zur Stunde noch nicht weiss, dass sein© Frau unter der Erde liegt. Hans Römer wirft die Zigarette hinaus, dann zieht er das Fenster hoch. Dreht sich herum. Die beiden Schlafwagentüren stehen offen. Gerda Manz sitzt, noch immer im Mantel, den Hut auf dem Kopf, auf ihrem Bett. Sieht hilflos, Rat suchend zu ihm auf. Hans Römer muss lachen, über das drollige Bild. Er klatscht in die Hände : « In die Klappe, Kindchen ! In die Klappe ! Hübsch ausschlafen! Morgen fahren wir noch den ganzen langen Tag !» Er geht in sein Abteil, riegelt die Tür zum Gang zu, will die Tür schliessen, die zu Gerda führt — nein, wie diese Person wieder niedlich aussieht! « Wie kommt Ihnen denn das vor, eine grosse Reise... so ganz plötzlich... mit einem fremden Herrn ? » Gerda sagt und müht sich ganz ruhig zu sprechen, weil sie fühlt, dass er es nicht mag, wenn sie aus sich herauskippt: «Es ist... es ist wie nicht wahr, alles.» Hans Römer muss wieder lachen. — Ist eigentlich romantisch! Das erstemal in seinem Leben, dass er mit so einem braven Mädel in der Welt herumkutschiert! « Na ausziehen, Gerda. Los, packen Sie doch Ihr Zeug aus l > Er geht, die Krawatte abbindend, in sein Abteil. So ein Mädel ohne jede Erfahrung und Reisetechnik konnte einen wirklich nervös machen..w Er ruft durch die geschlossene Tür: « Na warten Si© mal, ich zieh mich aus. Dann rieht ich Sie da drüben ein bisschen ein.» Er zieht sich aus, streift seinen pfaublauen Pyjama über und geht wieder zu Gerda hinein. Er fühlt gar nicht, wie auch das wieder verwirrend für sie ist — ein Herr, noch dazu er, in einem so schönen Pyjama, wie sie sie nur in den Auslagen der grossen Herrenmodegeschäfte gesehen hat... und die Herzlichkeit dazu, die Selbstverständlichkeit... und kein anderer Mensch in der Nähe, und das dumpfe Rattern des Zuges ! « Hut ab ! » kommandiert Hans Römer. « So ! Jacke 'runter !... So. Wird hier angehängt ! Ja, hier an den Haken. So. Jetzt Necessaire her ! So. Aufs Bett stellen ! Hat Ihnen meine Schwester die Schlüssel gegeben ? Na, dann her damit! Aufschliessen. » Gerda schliesst das Necessaire auf'. silberne Büchsen und Bürsten, Kristalldosen und Parfümflaschen, pastellfarbene Seidenund Spitzenhemden flimmern vor ihren Augen» Hans Römer reisst die duftenden Gewebe" aus dem Köfierchen, wirft sie aufs Bett, auf Gerda — wo sie gerade hinfallen. « So, Kind... diese rosa Dinger da sind, scheint's, für die Füsse !... Also los, Schuhe runter. Die Dinger überstreifen...! Das hier, das Seidenzeug, ist wohl ein Nachthemd ... Hier das geblümte Zeug vermutlich so'n Morgenrock... wenn Sie über den Gang müssen das brauche ich Ihnen wohl nicht auch noch zu erklären, Sie kleines Reisemonstrum Sie. » Gerda lacht auf, hell, froh, wie sie noch nie 1 gelacht hat. Ob sie einen Schwips hat —? Si© hat noch nie einen gehabt, aber so muss das wohl sein, dieses Prickeln in ihr, dieses süsse Schwindelgefühl, diese Glückseligkeit und diese Mattigkeit zugleich !... Hans Römer findet plötzlich, dass auch Schlafwagenreisen ganz nett sein können. « Wissen Sie was, Fräulein Gerda... wenn Sie nicht zu müde sind, ziehen Sie sich aus und wir quatschen dann beide noch ein bisschen, ja?... Also — wenn Sie fertig sind, klopfen Sie an bei mir. Ach ja, und hier, sehen Sie, das klappen Sie auf — das ist der Waschtisch ... und hier unten der Krug, und ...na, Sie werden das schon alles untersuchen. »