Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1940_Zeitung_Nr.032

E_1940_Zeitung_Nr.032

BERN, Dienstag, 6. August 1940 Nummer 20 Cts. 36. Jahrgang — No 32 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. IC- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75 Erscheint jeden Dienstag REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geseh&rustelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 30.743 INSERTIONS-PREIS DM aeotgespattene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Grßssere Inserate nach Spezialtarif InseratonsehraM 4 Tage vor Erseheinen der Ifnmmer Reclti und Unrecht Anpassung der Verkehrssteuern und Versicherungsprämien an die Benzinzuteilung Die Motorisierung des amerikanischen Heeres Die nachstehende Einsendung darf als Diskussionsbeitrag zur Frage «Benzinrationierung und finanzielle Belastung des Motorfahrzeugs> gerade heute Anspruch auf besonderes Interesse erheben. Von einer Stellungnahme dd^u sieht die Redaktion ab. Auf Grund der Eingaben und Vorstellungen der luzernischen kantonalen Automobilverbände zur Erreichung einer gerechten Anpassung der Gebühren für die Ausstellung und alljährliche Erneuerung der Verkehrsibewilligung für Motorwagen und Motorfahrräder, hat der Grosse Rat des Kantons Luzern mit Gesetz vom 2. Juli 1940 den Regierungsrat ermächtigt, während der Dauer der Rationierung der Betriebsstoffe für Motorfahrzeuge und nach deren Aufhebung bis zum Beginn des folgenden Kalenderjahres die im Gesetz betr. den Verkehr mit Motorfahrzeugen enthaltenen Vorschriften über die Höhe und den Bezug der Gebühren vorübergehend den ausserordentlichen Verhältnissen anzupassen. Das Gesetz tritt rückwirkend auf den I. April in Kraft. In Ausführung dieses Beschlusses erliess der Regierungsrat bereits am 25. Juli 1940 einen Beschluss, der die Aufmerksamkeit wohl aller am Automobilverkehr interessierten Kreise unseres Landes beanspruchen darf. Er lautet: « Motorfahrzeugge'bühren werden während der Dauer der Rationierung des flüssigen Kraft- und Brennstoffs nach Massgabe der Zuteilung des Betriebsstoffe es berechnet. Die Gebühr beträgt für jeden zugeteilten Liter Benzin 15 Rp. und für jeden Liter Dieselöl 25 Rp., jedoch erfolgt der Bezug der Gebühren höchstens bis zu den Ansätzen von § 21 des Gesetzes betr. den Verkehr mit Motorfahrzeugen. Ausserdem wird eine jährliche Grundgebühr von Fr. 1.— pro PS erhoben, im Mindestbetrag von Fr. 15.— pro Motorwagen und Fr. 5.— pro Motorrad. Für Motorwagenhändlerschilder beträgt diese Grundgebühr Fr. 20.— und für Motorradhändlerschilder Fr. 8.—. Sie ist mit ihrer Einzahlung konsumiert.» Mit diesem Beschluss, der sich der Auffassung der tessinischen Regierung anschliesst, mit Ausnahme der Verrechnungsart bei bereits bezahlten Gebühren, dokumentiert die luzernische Regierung ihr volles Verständnis für die durch die Rationierung geschaffene Notlage im Automobilgewerbe. Sie will nicht durch ungerechtfertigte, den Tatsachen in keiner Weise mehr angepasste und demzufolge willkürlich erhobene Gebüh- ren eine Einnahmenquelle für den Staat aufrechterhalten, die infolge ungenügender Benzinzufuhr und vielleicht auch anderer Gründe versagen musste. Der Beschluss hat weiter zur Folge, dass er den Autobesitzer davon abhält, zu Beginn des Monats, mit Rücksicht auf untragbare Gebühren, seinen Wagen auf unibestimmte Zeit stillzulegen, vielmehr bildet die neue vernünftige Gebührenerhebung für ihn einen Anreiz, auch die kleinste Benzinzuteilung auszunützen. Folgendes Beispiel zeigt das eklatant: Ein 7,5-BS-Wagen zahlte nach bisheriger Gebührenordnung im Kanton Luzern jährlich eine Steuer von Fr. 180.—, also pro iMonat Fr. 15.—. Ist der Halter dieses 7,5-PS-Wagene z. B. der Dringlichkeits-Kategorie D zugeteilt, erhält er für den Monat August 10 Liter Benzin. Nach Massgabe der bisherigen Gebühren käme ihn der Liter Benzan zu stehen auf —.64 Benzinpreis und 1.50 Fahrgebühr = Fr. 2.14. Bei der heutigen,Regelung'tommt er auf —.64 Benzinpreis und —.15 Benzinsteuer = Fr. —.79. Bei einer Zuteilung zur Dringlichkeitekategorie BI z. B. mit 30 Liter Benzin, kam ihn der Liter Benzin nach alter SteueTberechnung auf —.64 Benzinpreis und —.50 Verkehrssteuer = Fr. 1.14. Nach der neuen Ordnung auf —.64 Benzinpreie und —.15 Fahrgebühr = Fr. —.79. Wer seinen Wagen aus beruflichen oder geschäftlichen Gründen bei der neuen Benzinrationierung noch eiriigermassen gebrauchen kann oder gebrauchen muss, zahlt genau gleich viel wie derjenige, der sein Auto noch zu einem kleinen Vergnügen halten darf, selbstverständlich ohne Einkalkulierung der Unterhalts- und Amortisationskosten sowie der Haftpflichtversicherungsprämien. Sofern man sich zu der Auffassung bekennt, dass der Bezug von Steuern für Au- Oben: Schwere Flab auf dem Marsch. Unten: Panzerdivisionen bei den letzten ManÖYtrn. tos und Motorräder sich eigentlich nur im| Hinblick auf die grossen Kosten für den Ausbau unserer Strassen rechtfertige, weil einerseits durch gute Strassen der Abnützungskoeffizient der Fahrzeuge herabgesetzt werde und anderseits ein flüssiger Verkehr überhaupt nur bei guten und breiten Strassen möglich sei, der wird ohne weiteres auch den Standpunkt einnehmen müssen, dass derjenige, der die Strassen mehr oder mit schwereren Wagen benutzt, auch mehr Steuern zu entrichten habe als derjenige, der nur wenig fährt (Schluss Seite 3.) In dieser Nummer: Bundesrat Celio über die Benzinsteuer. Zur Inkraftsetzung der Autotransport-Ordnung. Ersatztreibstoff-Probleme. Die Benzinsteuer marschiert in den Kantonen. Ein Mann entlaufen! Roman von Vera Bern. 34. Fortsetzung Alfred Becker steht auf der Schwelle, der frühere Kassierer der Maschinenfabrik Vulkan. Beide Männer sehen einander an, ohne Wimperzucken. Der Portier sagt : «Soll ich eine Karaffe Wasser hereinschicken ? » Da ihm keine Antwort wird, geht er hinaus. Das Schweigen in dem schmalen Zimmer, das nach Zeitungsdruck und abgestandenem Parfüm riecht, ist atembeklemmend. Es ist das erstemal, dass Heinrich Römer einer Lage nicht gewachsen ist, sie nicht sofort zu seinen Gunsten umbiegt. Aus sich jagenden Gedanken heraus sagt er : « Woher wissen Sie, dass ich... Wie kommen Sie nach Grasse ?... Seit wann sind Sie hier?» « Seit einer halben Stunde. Ich verfolge Ihre Spur seit Tagen und fand sie... in Villefranche! Es war einer der grössten Eindrücke meines Lebens. » Heinrich Römers Lippen legen sich zu einem schmalen, harten Strich zusammen. Sein Blick flackert. Alfred Becker legt seinen Strohhut auf den Tisch : «Ich fahre nach beendeter Unterredung sofort wieder ab ! Sie haben von mir nichts zu befürchten ! > Römer wird blass. Von so grünlicher Blässe, dass Becker einen Schritt auf ihn zukommt. Fast ohne Kraft wiederholt Römer: «... befürchten ? » Becker sagt, mit einem Gemisch aus Selbstverteidigungsdrang und Dreistigkeit: « Auch ich habe Verständnis für — .Abirrungen', Herr Direktor... Ob einer unter dem Zwang einer Leidenschaft für eine Frau handelt — wie ich — oder einem Zwang erliegt, der aus ihm selbst heraus kommt, das ist doch wohl gleich, Herr Römer! Wenn der Betreffende dadurch in Konflikt mit der sogenannten bürgerlichen Gesellschaft kommt ! » « Wieso wussten Sie denn überhaupt, dass ich in dieser Gegend bin ? » herrscht Römer den Kassierer an—-zum erstenmal in seinem Leben in die Defensive gedrängt. «Ich verdanke die Orientierung Ihrem Herrn Sohn. Ich erfuhr, dass Sie jede Verfolgung meiner Person abbliesen, als Sie hörten, dass ich an die Riviera flüchten wollte! Sie mussten Ihren Grund dazu haben — hatten vermutlich selbst die Absicht, an die Riviera zu fahren, und wünschten kein Aufsehen um sich herum !... Man beschäftigt sich viel mit Ihnen in der Fabrik, Herr Direktor... Ich reiste an die Riviera. Ich suchte. Und fand Ihre Spur... ! Ich werde Ihren Wunsch, kein Aufsehen zu erregen, respektieren— das ist mein Dank für Ihr damaliges Wohlwollen gegen mich — und bitte Sie jetzt um Rückgabe des von mir in Ihrem Büro unterschriebenen Scheines !... Hier sind die fehlenden zehntausend Franken. > Becker zählt sie auf den Tisch: «... für deren Rückerstattung Sie mir allerdings fünf Jahre Zeit Hessen!... Also bitte den Schein!» Heinrich Römer kann sich zu keiner Denkschärfe sammeln. Er greift zur Brieftasche, zieht den Schein heraus, entfaltet ihn, will ihn Becker übergeben. Er hat nur den Wunsch, diesen Mann da. aus seinem Gesichtsfeld zu bekommen. Er wirft einen Zufallsblick auf den Schein — seine Augen weiten sich. « Ja. Ich habe das getan! » Becker starrt ihm dreist ins Gesicht, sagt: « Sie haben eine Null an die Zehntausend gehängt ?... Haben den Schein gefälscht ? ... Haben geschrieben... was haben Sie geschrieben? ... Mit metallischer, wieder echt Römerscher Stimme liest er den Wortlaut: «... an Eides Statt, dass ich in meiner Tätigkeit bei genannter Firma Unterschlagungen in Höhe von 100 000 Franken begangen habe...» « Ja», sagt Becker. «Ich habe mir dadurch, dass mir auf diesem Schein fünf Jahre Zeit für die Rückzahlung des betreffenden Betrages und Schweigen zugesichert wird, Rückendeckung geschaffen für die Tat, die ich in der folgenden Nacht begehen wollte und dann begangen habe ! » Römer faltet das Papier zusammen und steckt die auf dem Tisch liegenden zehntausend Franken ein. ' « Der von Ihnen unterschriebene Schein bleibt in meiner Tasche, bis Sie die restlichen neunzigtausend Franken zurückerstattet haben ! » Noch dreister ist Beckers Blick: