Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1948_Zeitung_Nr.028

E_1948_Zeitung_Nr.028

Nr. 28 - BERN, Mittwoch, 23. Juni 1948 44. Jahrgang Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Schweiz: ABONN EM ENTS-PHE1SE: halbjährlich Fr. 6.30 jährlich Fr. 12.60 Erscheint jeden Mittwoch REDAKTION und ADMINISTRATION: Breitenrainstr.97, Bern Telephon (031)2 82 22 - Pottcheck III414 • Telegramm-Adrefie: Aotorevoe,Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenttratse 51, Zürich 23. Telephon 23 97 43 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grondzeile oder deren Raum 60 Rp. Gröasere Inserate nach Spezialtarif ln»eralenechiuss Freitag 12 00 Uhr Der Motorfahrzeugführer als Gegenstand der Tatbestandsaufnahme bei Verkehrsunfällen Erweiterung des Strassentunnels unter den Erdpyramiden von Eusefgnt 1. Der Strassenvcrkehr und die Volksgesundheit. Wer, jahrelang, ohne mit 6cinen Gedanken auf viel Verständnis zu stossen, eine gewisse Auffassung von der Natur irgendeiner Gruppe von Erscheinungen des Menschenlebens verfochten hat und seine Ansichten nun auf einmal von mausgebenden Kreisen übernommen sieht, der erfährt begreiflicherweise eine lebhafte Genugtuung. So ergeht es gegenwärtig dem Verfasser dieser Zeilen, der schon seit Jahren in den Spalten der « A.-R. » die Schaffung befriedigender Verkehrsverhältnisse auf der Strasse immer wieder als ein sozialhygienisches Problem erster Ordnung bezeichnete und betonte, dass es sich dabei nicht nur um den Kampf gegen den Verkehrsunfall, sondern um die allgemeine Sicherung von Ruhe und Frieden im Strassenverkehr handle. Denn nun hat die Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspflege ihre diesjährige Hauptversammlung dem Thema « Das Verkehrsproblem und die Unfallgefahr» gewidmet und dadurch anerkannt, dass die Ordnung und Sicherheit des Strassenverkehrs nicht nur ein Problem des Verkehrstechnikers, der Polizei und der Justiz ist, sondern auch alle angeht, denen auf irgendeine Weise die Volksgesundheit anvertraut ist, in erster Linie also den Arzt und den Hygieniker. Vollends betont wurde die Aktualität des Problems durch die hohe Stellung der Referenten, denn neben einem prominenten Angehörigen der forensischen Medizin hielten zwei hervorragende Polizeifunktionäre Vorträge. 2. Polizei und Motoriahrzeugführer im Angesicht des Verkehrsunialls. Von den drei Referaten, die sich mit der oben umrissenen Aufgabe der Sozialhygiene befassten, 6oll heute zunächst auf die Ausführungen von D r. Max Früh, Chef der Kriminalpolizei der Stadt Zürich, über «Die Person des Motorfahrzeugführers im Rahmen der polizeilichen Tatbestandsaufnahme von Verkehrsunfällen» eingegangen werden. Als die oft vernachlässigte Hauptaufgabe der Polizei im Zusammenhang mit dem Problem des Verkehrsunfalles bezeichnete der Referent dessen systematische Auswertung im Interesse der Unfallverhütung durch Beseitigung der Unfallursachen. Daraus folgt die außerordentliche Wichtigkeit einer gründlichen Tatbestandsaufnahme in «objekiver Hinsicht, also mit Bezug auf die Persönlichkeit der am Unfall Beteiligten und vor allem der an ihm Schuldigen. Denn «zu welchen Massnahmen und Verfahren ein Verkehrsunfall auch immer führen mag, sei es auf administrativem, auf verkehrspolizeilichem oder auf strafrechtlichem Gebiet — immer ist die ursprünglichste und unmittelbarste Grundlage dafür die polizeiliche Tatbestandsaufnahme •». Ihre ganz besondere Bedeutung erlangt diese Feststellung allerdings für das,Verkehrestrafrecht, wo bis zur Schlussverhandlung vor dem Gericht oft Monate vergehen, so dass inzwischen vor allem die psychische Verfassung der Beteiligten und deren innere Einstellung zum Unfallereignis tiefgreifende Veränderungen durchmachen können. Damit sind die an Ort und Stelle vorgenommenen Erhebungen der Polizei schwersten Bewährungsproben ausgesetzt. Selbst bloss administrative Massnahmen und polizeirechtliche Ahndungen eines Verkehrsvergehens bedürfen aber einer standfesten Untermauerung durch die Tatbestandsaufnahme, wenn sie ihren vornehmsten Zweck erreichen sollen, und das ist der Beitrag zur allgemeinen Unfallverhütung, den sie — richtig verstanden — zu leisten haben. 3, Mängel unseres Verkehrsstrafrechts. Der Kampf gegen den Verkehrsunfall wird in der Schweiz freilich erheblich beeinträchtigt durch Inkonsequenzen im Aufbau de6 neuen Strafgesetzbuches. Während nämlich unser Code Penal im allgemeinen dem modernen Schuldprinzip folgt und demnach die Strafe dem subjektiven Verschulden des Täters und nicht dem Erfolg seiner Tat anpas6t, was auch für die vorsätzliche Körperverletzung gilt, hat bei der fahrlässigen Körperverletzung, die im Verkehrs6irafrecht die wichtigste Rolle spielt, weiterhin das Erfolgsprinzip die Oberhand. Es hängt also nicht vom Grade der Fahrlässigkeit und damit des Verschuldens eines Motorfahrzeugführers ab, ob er von Amtes wegen oder nur auf Antrag unter Anklage wegen Körperverletzung gestellt wird. Ausschlaggebend dafür ist vielmehr die Schwere der Verletzungen des Opfer«, obgleich jedermann weis«, dass ein geringfügiges Versehen die grösste Katastrophe herbeiführen kann, während anderseits die verantwortungsloseste Raserei nur geringfügige Schäden nach sich zu ziehen braucht. • Der Referent ging nicht weiter darauf ein, welche Zufälligkeiten und damit Ungerechtigkeiten in dieser Ordnung der Strafverfolgung gerade bei Verkehrsunfällen beschlossen liegen. Gründlichst, befasste er sich dann aber*"mit der Bedeutung der subjektiven Faktoren eines Verkehrsunfall« bei der Betrachtung des letzteren *elbst als Fahrlässigkeitsdelikt. Mit der Definition der 'Fahrlässigkeit durch die Worte, « dass der Täter die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat», umschliesst das StGB nämlich zwei sich ziemlich stark unterscheidende Sachverhaltes die bewusste Fahrlässigkeit unter Inkaufnahme allfälliger Schadensfolgen einerseits, die unbewusste Fahrlässigkeit anderseits. Mit bemerkenswerter Offenheit ging der Referent im Anschluss an diese allgemeinen Feststellungen auf einen besonderen Aspekt der Verantwortlichkeit für die Sicherheit auf der Strasse ein, wo 6ich juristisch und psychologisch richtiger Schuldbegriff und Volksmeinung in verhängnisvoller Weise gegenüberstehen. Jedem unbefangenen Betrachter des Verkehregetriebe6 auf den Strassen ist bekannt, dass zahlreiche typische Fahrlässigkeiten tausendfach begangen werden, ohne dass es zu einem Unfall kommt und ohne dass die Betreffenden zur Rechenschaft gezogen werden. (Schluss auf Seite 6) Jeder aufmerksame Strassenbenützer macht sich ständig Gedanken über alle möglichen Fragen des Strassenzustandes, der Strassenbezeichnung und d«s Verhaltens der Strassenbenützer, wenn er täglich auf Gefahrenquellen stösst, die dem einen oder andern zum Verhängnis werden können. Er fragt sich, was eigentlich in diesen Dingen zur Verbesserung geschieht, und ob nicht mehr getan werden .könnte. Erfreulicherweise sind viele Köpfe und Hände am Werk, unseren Strassenverkehr zu einem immer besseren Instrument unserer nationalen Wirtschaft zu machen. Der Strassenverkehr ist keine Grossunternehmung wie eine Fabrik, die PTT oder die SBB. Die Benutzer bestimmen nicht über die Gestaltung der Strasse, und 6ie gehört nicht ihnen. Aber sie könnten doch manches tun, um Unzulänglichkeiten im Strassennetz, das in bezug auf flüssige und gefahrlose Abwicklung eines intensiven Verkehrs noch viele Wünsche offen lässt, beseitigen zu helfen. Sie könnten z. B. die Behörden in der Ueberwachung des Strassenzustandes und der Strassenbezeichnung unterstützen. Manchem Fahrer wäre es ein Ieichte6, auf seinen regelmässigen Fahrten in einem bestimmten Gebiet bei Tag und bei Nacht Beobachtungen anzustellen über verkehrsersqhwerende oder -gefährdende Zustände. In Betracht fielen da z. B. Mängel in der Strassensignalisierung, aUo z. B. von Der unter den Pyromiden hindurch verlaufende Tunnel. Ein Blick auf die Beschaffenheit dieser seltsamen Naturgebilde lässl erkennen, vor was für eine delikate Aufgabe der Tunnelausbau die Fachleute stellte. Beiläufig bemerkt haben auch andere Abschnitte der Strecke Sitten—Les Hauderes eine Verbesserung erfahren. IPhoto Pierre Izordl Strassenzustand und Verkehrssignale müssen laufend überprüft werden Eine Anregung Kurvenschildern, in der Bezeichnung von Strassengabelungen von einmündenden Strassen, von Höckern und Löchern, ferner die Feststellung von beschädigten Signalen und andern erschwerenden Strassenverbältnis6en. Dazu gehören auch die bei Bauarbeiten nicht selten zu beobachtenden unbedachten Massnahmen, wie unzweckmässige Anbringung oder Verwendung von Warnungstafeln, gehören weiter zu grosse Absperrungen, das Liegenlassen von feinem Kies und Sand in Kurven, ungeeignete Beleuchtung und dergleichen mehr. Nach meinem Dafürhalten könnten die grossen Strassenverkehrsverbände wertvolle' Arbeit vollbringen, wenn sie das schweizerische Strassennetz zur Beobachtung unter Mitglieder aufteilen würden, die sich dafür zur Verfügung stellen. Sie erhielten ein Verzeichnis mit besonders wichtigen Fragen und Hinweisen auf die zu beobachtenden Erscheinungen und würden ihre Feststellungen jeweilen einer zum voraus bezeichneten Verbandsstelle zuleiten; möglichst kurz, mit genauer Bezeichnung der Stras6enstelle und des Mangels, soweit nötig unter Beifügung einer kleinen Skizze, eventuell mit Verbesserungsvorschläigen. Der Verband seinerseits würde gegebenenfalls nach genauerer Abklärung des Sachverhaltes die Ermittlungen oder Wünsche an die zuständige Stelle von Gemeinde, Kanton oder Private weiterleiten mit dem Ersuchen um Abhilfe. Kurz vor dem Dorf Eu6eigne im Val d Herens (Wallis) sperren die bekannten Erdpyramiden, eine eigenartige Schöpfung der Natur, die am Talhang verlaufende Strafe. Für den Verkehr nach Evolene und Les Hauderes allerdings bildeten bisher diese pittoresken Formationen insofern ein Hindernis, als er sich durch einen nur 3,40 m breiten und 2,80 m hohen Tunnel durch 6ie hindurchwinden musste. Das erschwerte natürlich das Kreuzen und bedeutete zugleich eine Einschränkung der Höhe der jene Strasse benützenden Fahrzeuge, die deshalb teilweise recht lange Umwege in Kauf nehmen mussten. Verschiedenerlei Möglichkeiten wurden zur Behebung dieser Unzukömmlichkeiten erwogen. Die eine der Ideen sah vor, die Strasse in einen Einschnitt zwischen den Pyramiden zu Yerle£«n. Glücklicherweise kam man davon ab, denn eonrt wäre das Naturwunder von Euseigne für alle Zeiten verschandelt worden. Eine andere, in der Durchführung zwar kompliziertere Lösung bestand in der Erweiterung des Tunnels nach den beiden Seiten und nach oben. Und dieser Weg ist nunmehr beschritten worden. Die Geschicklichkeit der Bauunternehmer hat es, zusammen mit der Ingenieurwissenschaft, fertiggebracht, das heikle Werk glücklich zu Ende zu führen. Heute ist der bisherige Tunnel auf 6,50 m verbreitert und seine Höhe hat sich mit 5,60 m verdoppelt. Mühelos gestaltet sich jetzt da6 Kreuzen an jener Stelle. Auf diese oder ähnliche Weise Hesse sich eine wirkungsvolle laufende Ueberwachung der wichtigeren Strassen mit denkbar geringem Aufwand durchführen, zum Nutzen des Verkehrs und der Wirtschaft, vor allem aber zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Die gefährlichen Folgen mancher Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit könnten damit vermieden, manche lauernde Tücke könnte unschädlich gemacht werden. W. A. v. Salis. Staatliches Einfuhrmonopol für Erdöliniporte ? Bernische Initiative gegen Aulosteuer- Erhöhungen Sportnachrichten Werdendes internationales Verkchrsrccht Delegiertenversammlung des ACS und 50.Jahrfeier der Sektion Basel Autotransportorganisationen in der russischen Zone Deutschlands Vorhersagen über Amerikas Autoindustrie Der neue Ford Leistung und Wirkungsgrad Neumann-Neanders Neuland