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E_1948_Zeitung_Nr.029

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Nr. 29 - BERN, Mittwoch, 30. Juni 1948 Beilage: Grosser Preis von Europa Mummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Schweiz: ABONNEMENTS-PREISE: halbjährlich Fr. 6.30 jährlich Fr. 12.60 Erschein! jeden Mittwoch REDAKTION und ADMINISTRATION: Breitenrainsir.97, Bern Telephon (031)28222- Poeicheck III414 • Telegramm-Adresse: Aulorerne, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Zürich 23. Telephon 23 97 43 INSERTIONS-PREIS: Die »chtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 60 Rp. Gröesere Inserate nach Spezialtarif Inseratenscbln» Freitag 12 00 Uhr Strassenverkehr und Volksgesundheit Vor dem Grossen Preis von Europa für Automobile in Bern « Wir alle stehen unter dem Eindruck der zunehmenden Gefährdung menschlicher Ge6undheit und menschlichen Lebens durch den motorisierten Strassenverkehr Jeder ist davon betroffen; von besonderer Tragik aber ist die Gefährdung der Kinder. Es ist Pflicht der Behörden wie des Einzelnen, die Situation, die aus dieser Entwicklung entstanden ist, zu erkennen und, jeder an seinem Ort und nach 6einen Möglichkeiten, sich für eine Besserung dieses untragbaren Zustandes einzusetzen. » Diese Worte von Prof. Dr. Fritz Schwarz, Direktor des Gerichtlich-Medizinischen Instituts der Universität Zürich, umschreiben das zentrale Thema, dem die Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspflege ihre kürzliche Jahresversammlung 1948 widmete. Wir haben schon in der letzten Nummer der « A.-R. » darauf hingewiesen, dass damit eines der dringlichsten sozialhygienischen Probleme der Gegenwart in den Lichtkegel der öffentlichen Diskussion gerückt wurde. Heute nun bleibt nachzutragen, was die übrigen Referenten der erwähnten Tagung zur Erhellung dieses schier unendlich vielfältigen Problemkomplexes beisteuerten. Dabei beginnen wir am besten mit dem Vortrag de« Chefs der Stadtpolizei von Lausanne, Major H. Mat r ux. Direkte Verkehrsgeiahren. Entscheidend für die heutige Verkehrssituation in den Städten ist weniger die absolute Dichte des Verkehrs als dessen höchst komplexe Struktur im Sinne einer Mischung von Strassenbenützern der verschiedensten Fortbewegungsarten und -Geschwindigkeiten, vom Fussgänger und Radfahrer über das Pferdefuhrwerk bis zu den äusserst beweglichen und raschen Motorfahrzeugen aller Art. In diesem verwickelten und dichten Verkehrsgetriebe kann nun durch unvorsichtiges. Verhalten jeder Stra6senbenützer die übrigen unmittelbar oder mittelbar gefährden. Dabei ist e6 sehr wesentlich, mit dem Chef der Lausanner Polizei «nachdrücklich zu betonen, dass auch der Fussgänger andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen vermag, und es liegt ganz in der Linie der Darlegungen von Major Mutrux, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass sich beispielsweise ein Autofahrer zur Schonung eines unvorsichtig auf die Fahrbahn hinaustretenden Ftissgängers gezwungen sehen kann, brüsk zu stoppen und damit sich und die übrigen Insassen seines Wagens sowie diesen selbst einem Unfall auszusetzen oder gar in andere Fahrzeuge oder Menschen hineinzufahren. Au6 der Tatsache dieser Gefährdungsmöglichkeiten zwischen sämtlichen Strassenbenützern erwächst für jeden davon eine ausgesprochene Sorgfalts- und Vorsichtepflicht. Das MFG auferlegt diese Pflicht angesichts der besonderen «Gefährlichkeit» des Motorfahrzeugs zwar vor allem dem Führer eines Motorfahrzeuges. Dies entbindet jedoch, wie der Referent mit vollem Recht betonte, die «minderen» Strassenbenützer wie vor allem Fussgänger und Radfahrer keineswegs davon, sich auch ihrerseits eines aufmerksamen Verhaltens auf der Strasse zu befleissen. Eine Bemerkung zu diesem Problem der gegenseitigen Vorsichts- und Rücksichtspflicht aller aber ist es, die wir in dieser Stelle ganz besonders unterstreichen müssen, -und zwar — um dies ausdrücklich zu betonen — ohne die geringste Tendenz, etwa den Automobilisten von der ihm obliegenden Pflicht zu vor6chriftsgemä6ser und anständiger Fahrweise zu entbinden. In sehr offener Weise stellte der hohe Polizeifunktionär nämlich fest: « Es gilt, sich vor einer unrichtigen Auslegung der dem Motorfahrzeugführer durch das Gesetz auferlegten Vorsichtspflicht zu hüten. Alles, was man von ihm verlangen kann, i6t eine Fahrweise und eine Beherrschung seines Fahrzeugs, die ihn in den Stand setzt, jenen Gefahren zu begegnen, die er vernünftigerweise voraussehen muss. Im übrigen aber darf er seinerseits voraussetzen, dass sich auch die anderen Strassenbenützer nicht regelrecht vernunftwidrig verhalten und nicht gröblich gegen die Verkchrevorschriften verstossen, an deren Befolgung auch sie gehalten sind, und so darf er beispielsweise von der Annahme ausgehen, dass der Fussgänger die Fahrbahn nicht betritt, ohne sich pflichtgemäss nach beiden Seiten umzusehen, dass der Radfahrer nicht die linke Strassenseite benützt, und was derlei Verletzungen der elementaren Verkehrsregeln mehr sind ... Wenn Automobilist und Radfahrer gezwungen würden, ständig mit einem vorschriftswidrigen Verhalten der übrigen Strassenbenützer zu rechnen, so könnten sie nur noch im Schritt verkehren» (und wir dürfen vielleicht sogar beifügen: dann blieben sie am besten ganz daheim. Th.). Der Arzt und die Unfallverhütung. Wie entscheidend im Kampf gegen die Gesundheitsschädigungen durch den Verkehr in seinem allgemeinsten Begriffe — der ja keine bloss ärztliche Aufgabe, sondern eine im eminentesten Sinne öffentliche Angelegenheit darstellt — auch die Mitwirkung der Medizin^lpersonen istj zeigte der Vortrag des Gerichtsmedizinens P#^.|» Dr. Schwarz: «Zur ärztlichen BegutacJmihg der Motorfahrzeugführer», dem wir die einleitenden Worte der vorliegenden Arbeit entnommen haben und aus dessen interessantem Inhalt im folgenden noch eine Reihe bemerkenswerter Darlegungen wiedergegeben seien. Der Laie weiss von der Tätigkeit des Arztes im Dienste der Verkehrssicherheit meist nicht viel mehr, als was mit der Blutprobe bei jenen Verkehrsunfällen zusammenhängt, die vermutlich durch Alkoholwirkung verschuldet oder doch mitverursacht sind. Gerade davon aber sprach der Referent diesmal nicht. Er schilderte vielmehr, wie und wie weit der Arzt zur Prophylaxe der Verkehrsunfälle und Verkehrsdelikte beitragen kann. Diese Rolle des Arztes im Dienste der Verkehrsunfallverhütung hat zwei ganz verschiedene Aspekte. Einerseits geht es darum, den einzelnen Strassenbenützer — und das ist hier immer wieder in erster Linie der Motorfahrzeugführer — selber vor den möglichen Folgen seiner Unzulänglichkeiten und Fehler zu bewahren. Anderseits handelt e6 6ich um den Schutz der Allgemeinheit vor verkehrsuntauglichen Fahrern. Wie sehr sich die beiden Gesichtspunkte entgegenstehen können, zeigt dabei die einfache Ueberlegung, dass das öffentliche Interesse die Ausmerzung aller Verkehrsteilnehmer verlangt, die den an 6ie gestellten Anforderungen nicht genügen, dass aber um-, gekehrt diese nicht oder ungenügend tauglichen Fahrer ihre Eliminierung ate moralische Disqualifikation empfinden und dass die zuständigen Behörden auch das wirtschaftliche Bedürfnis der Betreffenden an einer Fahrbewilligung nicht ausser acht lassen können. (Schluss auf Seite 2) Es ist das altvertraute Bild, das sich dem Auge am nächsten Samstag und Sonntag darbieten wird: die zum Bersten v«lt« Ehrentribüne samt Promenoir an der Bremgcrtenwaldrundstrecka in Bern, von der aus eine Köpfe reckende, Hälse ?tr»kkeide Menschenmenge dem imposanten Start dreier Automobilrennen — Grosser Preis von Europa, Preis von lern un4 '; Preis-vom Bremgarten — beiwohnt, denen die heutige Ausgabe der « A.-R. > größtenteils gewidmet ist. .,, (Photo H. Stammbach, Zürich] Man muts doch mit der Zeit gehen. Und die Periode der Konjunktur, die noch immer unentwegt anhält, reizt ja geradezu zum Geschiftemachen. Das hat man sich auch in der Gruyere gesagt und ist anschliessend zur Tat geschritten. Bevor noch die Staumauer von Rossens aus dem Flussbett der Sense wuchs, erstand an jenem romantischen Gestade ein « Tea Room >, das äusserst sinnig auf den Namen «Zur Staumauer» hörte. Denn dass hier ein Geschäft zu machen war, lag nicht bloss in der Luft, sondern sozusagen auf der Hand. Doch das war nur ein schüchterner Anfang. Man witterte mehr, Rührigkeit und Tüchtigkeit brachen sich wieder einmal Bahn, und eh' sie es gedacht, hat sich über die Freiburger Behörden anscheinend eine Flut von Gesuchen aller Art ergossen, die dem Erfindungsgeist und der Intuition ihrer Urheber ein vielsagendes Zeugnis ausstellten: Von Gesuchen um Baubewilligungen, um Patente U6W., die ausnahmslos von der Sorge um die Besucher des Stauwehrs, um ihren Hunger und ihren Durst eingegeben waren. So ist das nun einmal bei uns. Bereits wartet ein Motorboot auf Gäste, weil Lustfahrten auf dem Stausee vielleicht de6 Menschen Herz erfreuen. Bald wird daraus wohl eine Flotille, dann kommen das Strandbad, die Campingplätze, Verkaufsstände aller Art — kurz alles, was zum vollkommenen Erdenglück eines Stauwehrbesuchers gehört. Nur dass besagtes Glück eben bezahlt sein will, mit schnödem Mammon. Ein Cor kommt auf dem Parkplatz bei der Staumauer von Rossens on. Empfang durch den Polizisten. Worauf der Chauffeur in seine Tasche greift, um den Geldbeutel zu zücken und die anrüchige Parkierungsgebühr zu berappen, ganz im Gegensatz zu ... (siehe Bild auf Seite 2) Gebührenfang in Rossens Durch den Bau der Staumauer aus einem ziemlich unbekannten Dasein ans Licht gehc-ben, wollte auch das Dörfchen Rossens nicht zurückbleiben. Ein Name verpflichtet schliesslich! Also begibt «ich jetzt folgendes: In der Nähe des Stauwehrs erklimmt ein schmales und schlechtes Strässchen eine Kuppe, von der aus der Blick sich auf dal Bauwerk und den Stausee weitet. Ist man mit seinem Wagen glücklich hinaufgeholpert, dann empfängt einen dort eine Ueberraschung von der angenehmen Sorte, Weil nämlich ein Polizist seines Amtet waltet und den ankommenden Automobilen mit dienstfertiger Geste eine Stelle zum Parkieren anweist. Soweit wäre alles in schönster Ordnung. Wie er dann aber, so Fahrer und Begleiter dem Wagen entstiegen sind, in eine umgehängte Tasche greift (aha, ach so, die hatte man zuvor gar nicht bemerkt) und einem die Hand mit einem Billett entgegenstreckt, da beschleicht einen ein leichter Argwohn. Nicht für lange, nein, denn im nächste« Augenblick schon wandelt er «ich in die Gewißheit, dass diese Geste eine freundliche Einladung bedeutet, dem Hüter des Gesetzes Geld in die Hand zu drücken, eine Taxe dafür, dass man seinen Wagen hier aufgestellt hat. Wie bitte? Bezahlen? Wortlos zieht der eine seinen Beutel, andere aber — und es sind ihrer nicht wenige — machen zunächst einmal ihrem Unmut Luft und dar- 1. Blatt: Linksabbiegen S. 2 Sportliche Vorschau auf den Grossen Preis von Europa S. 3 2. Blatt: Grand Prix-Beilage Die Rennstrecke in Wort und Bild S. 9 Nennlisten der drei Rennen S. 10 Europäische Rennwagentechnik in Bern S. 11 Der Talbot 4,5 Liter S. 13 Deutsch-Bonnet Sport- und Rennwagen S.15 3. Blatt: Technik: Zwei neue Sunbeam S. 21 Renntreibstoffe (I. Teil) S. 22 4. Blatt: Auto-Magazin: Was der rennsportbegeisterte Photoamateur wissen muss S. I