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E_1948_Zeitung_Nr.036

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Die Redaktion: flr.36 - BERN, Mittwoch, 18. August 1948 Preisliste der neuen Personenwagen Kummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Sehweis: ABONNEMENTS-PREISE: kaU>r«hrUeh Fr. 6.30 fahl-Hell Fr. 12.60 Erscheint jeden Mittwoch REDAKTION und ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon (031) 2 82 22 - Pootcheck III414 - Telegramm-Adresse: Antorevne, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Zürich 23. Telephon 23 97 43 INSERTIONS-PREIS: Die schtgespaltene 2 mm hohe Grondzeile oder deren Raum 60 Rp. Grössere Inserate nach SpezlalUrlf Inseratenschlns* Freitag 12 00 Uhr Die Signalisierung der Stopstrasse Ein schwieriges Problem der schweizerischen Strassenverkehrsordnung Bessere Sicht und grbssere Sicherheit durch bauliche Massnahmen Seitdem die Stadt Lnzern mit der Schaffung der «rsten Stopstrassen in der Schweiz eine Pioniertat im Kampf um die Verkehrssicherheit vollbracht hat, ist bei einem grossen Teil der schweizerischen Verkehrsfachleute rasch die Erkenntnis durchgedrungen, dass es sich beim Sicherheitshalt Tor der Einfahrt in eine stark befahrene Hauptverkehrsader um eine der erfolgreichsten Unfallverhütungsmassnahmen handelt. Bereits ist denn auch Baden dem Vorbilde der Leuchtenstadt gefolgt, indem es auf der Wettinger Seite der Hochbrücke über die Limmat eine entsprechende Anlage einrichtete und damit an einer notorisch gefährlichen Strassenstelle mit zahlreichen Zusammenstössen einen eklatanten Erfolg erreichte. Und kürzlich wurde bekannt, dass auch Zürich die Einführung von Sicherheitehalten in grossem Ausmasse plant. Das in luzern und Baden verwendete c amerikanische » Signalbild für die Stopstrasse : schwarze Schrift auf leuchtend gelber achteckiger Tafel ist weithin sichtbar und dient gerade durch die auffällige Abweichung von alten bisher bekannten Verkehrszeichen einer wirksamen Einführung der Stopstrasse mit ihrer unuberschätzbaren Bedeutung für die Verkehrssicherheit. Dieses rapide Aufkommen eines für die Schweiz neuen Mittels der Verkehrsregelung,und Verkehrssicherung wirft eine ganze Reihe von Fragen auf, mit denen sich die /.ichweizeriscEen Verkehrtbehörden aller Art bis heute noch nie zu befassen hatten. Eines der wichtigsten davon ist jenes der Signalisierung der Stopstrasse, da die Verordnung über die Strassensignalisation vom 17. Oktober 1932 für den Zwang6halt vor einer Hauptverkehrsader kein besonderes Zeichen vorsieht, aus dem einfachen Grunde, weil zur Zeit ihres Erlasses niemand daran dachte, dass die Einführung der Stopstrasse in die schweizerische Praxis je in Frage kommen könnte. Es versteht sich aber von selbst, dass diese Angelegenheit sobald wie möglich eine Regelang finden muss, damit die Bau- und Polizeibehörden wissen, woran sie sich zu halten haben und damit sich auch die Rechtsprechung über den Charakter der Stopstrasse und über die Folgen allfälliger Uebertretungen des Haltebefehls am Stopsignal klar zu werden vermag. Mangel eines für diesen Haltebefehl vorgesehenen Verkehrszeichens hat Luzern das amerikanische Signalbild übernommen, das in einem schwarzgeränderten gelben Achteck in schwarzen Buchstaben das Wort « STOP > zeigt und optisch und psychologisch von ausgezeichneter Wirkung ist. Auch Baden hat dasselbe Zeichen gewählt, und auch dort hat sich gezeigt, dass sich das neue Signalbild hervorragend dazu eignet, jedermann mit dem ungewohnten Begriff des Sicherheitshaltes vertraut zu machen. Offensichtlich macht sich kaum je ein Radfahrer oder ein Motorfahrzeugführer Gedanken darüber, ob es sich dabei um ein in der Das von der Baudirektorenkonferenz in Aussicht genommene Signalbild für die Stopstrasse unter Verwendung von Zeichen Nr. 22 der Signalordnung schwächt die Wirkung des Stop-Befehls durch die Analogie mit den übrigen Anwendungsfällen desselben Verkehrszeichens, das nicht nur viel zu häufig STOP und allzu oft falsch verwendet wird, sondern überhaupt keinen Befehlscharakter besitzt. schweizerischen Signalordnung verankertes Zeichen oder aber um ein jeder Rechtsgrundlage entbehrendes Signal handelt. Wer das gelbe Achteck mit dem imperativen « STOP » überhaupt erblickt und dessen Bedeutung « realisiert », reagiert praktisch ausnahmslos positiv auf diesen Appell. Auf alle Fälle erlauben die bisherigen Erfahrungen in Luzern und Baden die zuversichtliche Voraussage, dass die schweizerische Verkehrswelt das neue Signalbild binnen wenigen Jahren reibungslos und praktisch restlos akzeptieren würde, wenn ihrer Einführung auf womöglich breitester Grundlage keine Hemmnisse in den Weg gelegt würden. Leider aber ist dies der Fall: der « Reception » dieser segensreichen Einrichtung des amerikanischen Verkehrsrechtes in der Schweiz stellen sich schwere formalistische Hindernisse entgegen. Die Polizeiabteilung des Eidg. Justiz-und Polizeidepartementes sah schon das Erscheinen der ersten Stopsignale in Luzern und Baden nur höchst ungern, eben weil ihr Sigrialbild nicht ge» setzlich fundiert ist. Nun aber, da weitere Gemeinwesen im Begriffe stehen, dem Vorbild der beiden Städte zu folgen, droht 6ie mit einem eigentlichen Interdikt gegenüber der weiteren Verwendung eines gar nicht zulässigen Signals, und die betreffenden Instanzen sehen sich vor das Dilemma gestellt, ob sie in Widerspruch zum eidgenössischen Verkehrsrecht dem von Luzern und Baden eingeschlagenen Wege folgen oder ob sie in die Linie der Legitimität einschwenken sollen, wo eine Stopstrasse nur dann in Frage kommt, wenn sie mit einem Zeichen der schweizerischen Signalordnung signalisiert werden kann. (Schluss auf Seite 2) Fahrunterricht als Verkehrsstörung? Der Autofahrlehrer - Zentralverband schreibt uns: Verschiedene Publikationen in der Fach- und Tagespresse über die Fragen des Autofahrunterrichtes und der Verkehrssicherheit scheinen bei amtlichen Verkehrsinstanzen und beim Publikum teilweise irrtümlichen Auffassungen gerufen zu haben. Aus Parlamentsverhandlungen der jüngsten Zeit und zum Teil aus amtlichen und andern Publikationen wurden Schlüsse gezogen, die nicht haltbar sind und einer näheren Beleuchtung bedürfen. Grössere Städte, in erster Linie Zürich, sehen sich vor die Notwendigkeit gestellt, angesicht* des zunehmenden Motorfahrzeugverkehre durch verkehrspolizeiliche Vorschriften die Strassen für die Benutzer fast unter «Verteilung6schutz > zu stellen. So hat, wie in der Presse bekanntgegeben (vgl. auch «A.-R.» Nr. 34), der Polizeivorstand der Stadt Zürich im Einvernehmen mit dem Strasseninspektorat und den interessierten Verbänden, vor allem der Autofahrlehrerorganisation, eine Verfügung erlassen, wonach der Autofahrunterricht teilweise aus den überbeanspruchten Strassen des Stadtkerne nach den Aussenquartieren verlegt wird. Irrtümlich wäre allerdings die Meinung, der Autofahrunterricht lasse 6ich aus dem Verkehrszentrum einer Stadt ganz eliminieren. Für die angehenden Automobilisten werden im Interesse vermehrter Verkehrssicherheit die Fahrprüfungen ständig verschärft, pas bedingt eine Anpassung des dem Examen vorausgehenden Autofahrunterrichtes an die erhöhten Anforderungen. Nur durch Uebungen unter der Kontrolle des Fahrlehrers lernt der Fahrschüler das Fahrzeug so weit beherrschen, dass er die Prüfung bestehen kann. Aber nicht nur um des Führerausweises willen soll er sich ein solides fahrerisches Können aneignen, sondern damit er, allen Situationen gewachsen, ohne Risiko für die übrigen Strassenbenützer sein Fahrzeug zu handhaben versteht. Bei einer Ueberlandfahrt oder in Aussenquartieren kann er das aber Im Kampf gegen den Verkehrsunfall und für die Erhöhung dar Sicherheit der Strosse bilden auch bauliche Mossnahmen ein wichtiges und wirksames Mittel. Ein Beispiel dafür liefert die in unseren Bildern veranschaulichte Korrektur der Sichtverhältnisse in der Kurve beim Gasthof zum < Weissen Kreuz » in Vuadens (auf der Hauptstrasse Vevey—Bulle). An der Beseitigung dieser Gefahrenstelle hat die Schweiz. Beratungsstelle für Unfallverhütung in Bern wesentlichen Anteil, wie sie denn überhaupt ständig bemüht ist, die c schwarzen Punkte» aus unserem Strassenverkehrssyslem zu eliminieren. Das Bild oben links zeigt die Situation an der genannten Kurve im Jahre 1945: schlechte Uebersicht wegen des Gebäudes im Kurveninnern. Im Bild oben rechts ist die bis 1944 eingetretene Aenderung sichtbar: das Gebäude wurde abgetragen und durch ein neues abseits der Strosse ersetzt, doch blieb ein Mauerstück des früheren Hauses stehen, das die Sicht nach wie vor beeinträchtigte. Auf Anregung der BfU wurde dann (Bild unten) die Mauer im laufenden Jahre entfernt und damit die Uebersichtlichkeit der Kurve, wie die Photo deutlich erkennen lässt, ganz erheblich verbessert. Mit bescheidenen Mitteln hat man hier einen Gefahrenherd ausgemerzt und praktische Arbeit im Dienste der Verkehrssicherheit geleistet. nur in beschränktem Masse lernen; wohl oder übel muss er 6ich mit dem dichteren, ja in den späteren Unterrichtsstunden überaus lebhaften Verkehr im Stadtkern vertraut machen. Wie sollte er sich sonst in diesem Getriebe an der Prüfung und nachher als- selbständiger Fahrzeuglenker zurechtfinden? Daraus geht hervor, dass das Begehren gewisser Kreise, den Autofahrunterricht vollständig aus dem intensiven Verkehr des Stadtzentrums zu entfernen, weit über das Ziel hinausschiesst. Durch ein solches Verbot würde ein ernst aufgefasster Unterricht als unerlässliche Vorbereitung für siehe* res Fahren aus den soliden Angeln gehoben. Die Experten des Stfassenverkehrsamtes nehmen ja die Prüfungen im Verkehr des Stadtzentrums ab, wie sich dies logischerweise auch gehört. Oft hält das Publikum derartige Prüfungen irrtümlicherweise für privaten Autofahrunterricht mit Anfangern. Der Autofahrlehrer ist polizeilich angewiesen, den Anfangsunterricht mit seinen Schülern ausserhalb des eigentlichen Stadtverkehrs zu verlegen, und dieser Vorschrift lebt er schon im eigenen Interesse nach. Lernfahrten im Stadtgebiet, bzw. Stadtkern, werden nur dann ausgeführt, wenn der Schüler das Fahrzeug bereits kennt und soweit beherrscht, dass er für niemanden eine Verkehrsstörung bildet. Der eigentliche Lehrbetrieb aber wickelt sich bereits in peripheren, verkehrsarmen Gebieten der Stadt ab. Sicheres Autofahren lässt sich eben nicht dozieren, sondern es muss praktisch gerade im Verkehr geübt werden, soll die allgemeine Verkehrssicherheit nicht auf einen Stand zurücksinken, der für alle Strassenbenützer eine stete Gefahr bedeuten würde. Die Lehr- und Lernfahrten wie auch Prüfungsfahrten sind also auf dem gesamten Stadtgebiet nach wie vor erlaubt. Und wenn — was in der menschlichen Unvollkommenheit liegt — der Fahrschüler, selbst im ausgesprochenen «Reifezustand», ausnahmsweise irgendwelche Anstände im Strassenraum heraufbeschwört, so übersieht das Publikum oft, dass auch stadtfremde Fahrer sich nicht flüssig genug in den lebhaften Verkehrsstrom der Stadt einfügen, weil ihnen die Routine fehlt. Diese Tatsache aber veranlasst Verkehrspolizei und Fahrlehrer wiederum, am künftigen Fahrzeuglenker eine möglichst gründliche Ausbildung angedeihen zu lassen. Die starke Steigerung des Strassenverkehrs bewirkt aber auch, dass die nichtmotorisierten Strassenbenützer mehr als man glaubt kopfscheu werden und dadurch den Verkehr hemmen. Mit Projekten für Entlastungs- und Einbahnstrassen wie durch schärfere Ueberwachung der Fussgängerstreifen tmd Schaffung von Stopstrassen werden die Verkehrsbehörden den veränderten Verhältnissen und den Anforderungen Rechnung tragen, die daraus erwachsen. All die technischen Einrichtungen sind aber nur dann wirklich nützlich und brauchbar, wenn der Strassenbenützer Disziplin an den Tag legt und weiss, wie er sich im Verkehr zu verhalten hat. Und dies setzt gute, seriöse Schulung voraus. J. S. Tendenziöse Journalistik Rückgang der Autoeinfuhr im Juli Üble Kniffe im Occasionshandel Sportnachrichten 100 Millionen amerikanische Autos Pariser Verkehrsprobleme (III) Der Nash-Lastwagen Der Jeepster Das Schmidtsche Reaktionsrohr Fortschritte im Kerzenbau