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E_1948_Zeitung_Nr.045

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Nr. 45 — BERN, Mittwoch, 20. Oktober 1948 44. Jahrgang — Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE 97. BERN, TELEPHON (031) 2 82 22 - GESCHÄFTSSTELLE ZÖRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77/7$ Ueber 150 Mffl. Fr. Fiskalleistungen des Motorfahrzeugverkehrs im Jahre 1947 Offizielle Kreise des Automobihsmus vertreten seit Jahren die Auffassung, die öffentliche Hand solle vermehrte Mittel für das Strassenwesen nicht auf dem Wege eines weiteren Anziehens der Steuerschraube, sondern durch eine weitsichtigere Fiskalpolitik beschaffen, welche die Erhöhung des Fahrzeugbestandes und eine Umsatzsteigerung an Treibstoffen begünstigt. Die unerwartete und starke Nachkriegskonjunktur hat für diese These beweiskräftige Argumente geliefert. Bei der indirekten, in Form von Gewichtszöllen erhobenen Belastung des motorischen Strassenverkehrs sind die Tarife für Fahrzeuge und Treibstoffe, denen ja praktisch die Bedeutung von Steueransätzen zukommt, seit dem Sommer 1935 nicht mehr verändert worden. Seither bestimmen ausschliesslich die importierten Mengen die Einkünfte des Bundes. Nun haben sich diese Zollerträge von rund 70 Mill. Fr. im Durchschnitt der letzten Vorkriegsjahre und von 60 Mill. Fr. im Jahre 1946 auf fast 115 Mill. Fr. im vergangenen Jahre, somit um 45 Mill. Fr. oder um 64 "/o erhöht. Der grosse Ersatz- und Nachholbedarf an Automobilen trug in erster Linie zu diesem Rekordresultat bei, denn die Verdreifachung der Importe ergab auch eine entsprechende Zunahme der Zölle von 15,4 Mill. Fr. im Mittel der dreissiger Jahre auf 44,4 Mill. Fr. Nach den kürzlich von der Eidg. Oberzolldirektion publizierten Angaben über die Einnahmen aus den einzelnen Zollpositionen für Automobile und die prozentuale Belastung des Einfuhrwertes setzte sich diese Summe wie folgt zusammen: Gewichts- Zoll- Belastung klasse ertrag d. Wertes kg Fr. •/« bis 800 6 819 549 20,37 800—1200 11458 597 23,59 1200—1600 12 900 158 30,99 über 1600 11 209 243 40,48 Total 42 387 547 24,72 1946 17 096 174 29,14 Mittel 1930/39 15 399 000 32—51 Absolut grösser ist allerdings der Betrag, den der Bundesfiskus von den Treibstoffkonsumenten einkassierte, überstieg er doch erstmals 70 Mill. Fr. Von den beiden Komponenten dieses Sektors verzeichnete das Benzin eine geringe Entwicklung, denn hier ist der bisher im Jahre 1936 erzielte Höchststand von 57,4 Mill. Fr. lediglich um eine Million Franken angewachsen. Dafür bewegte sich der Verbrauch an Dieseltreibstoff sehr stark in aufsteigender Linie mit dem Effekt, dass er dem Bund fast fünfmal mehr einbrachte als in der Vorkriegszeit. Einschliesslich der nahezu 2 Mill. Fr. Zolleinnahmen auf Motorrädern erreichte die indirekte Fiskalbelastung des Strassenverkehrs zugunsten des Bundes 114,7 Mill. Fr. Zoll- in •/. Werteinnahmen aller belastung Fr. Zölle in •/. Benzin 58 499 270 15,5 134,45 Gasöl 11838 710 3,14 ca. 100,0 Automobile 42 387 547 11,22 24,72 Motorräder 1972 009 0,53 15,88 Zusammen 114 697 536 30,39 1946 60 216 433 24,3 Mittel 1930/39 65 234 000 25,1 Mit den Zollen ist natürlich die dem Motorverkehr auferlegte Fiskalbelastung noch lange nicht vollständig erfasst. Hinzu kommen noch die kantqnalen Verkehrssteuern, deren Ergebnisse für 1947 nach amtlichen Schätzungen min- 120MULFtr tOOMRLft •OMiUFe MUillFr «OMilLFt 20Milft mindestens 3K Millionen Verkehrsstenem. • M I M EINNAHMEN DES BUNDES ..._... Motorfahrzeug-Zoll» Tr«ibstoff-Z(Hle —6e5omt-Einnahmen ausZillen itiE ES IhEL' P-IF tMItM? destens 35 Mill. Fr. betragen haben, so dass also die gesamte Steuerleistung des Strassenverkehrs auf über 1 5 0 M i 1 L F r. beziffert werden kann, und zwar ohne die Warenumsatzsteuer, die sich kaum zuverlässig genug für einzelne Branchen ermitteln lässt. Im Zusammenhang mit der Bundesfirianzreform gewinnen die vorliegenden Zahlen an aktueller Bedeutung, weil sie den sehr hohen Anteil des Motorfahrzeugverkehrs an den Zöllen klar zum Ausdruck bringen. 30°/i aller Zolleinnahmen warf das Automobil ab. Schon vor dem Kriege hatten sich die Zolleinkünfte zu einem Viertel auf den Tribut gestützt, den das Motorfahrzeug dem Bundesfiskus abliefert. Diese stets schon hohe Quote nahm im 250% 300« 150* 100% 50* i~'j] Prozentuale Zollbelastunjdes Einfuhrwertes. —-Motorräder —Automobila —•Benzin . _ ^ 14-4 «30 1335 1340 «451547 Berichtsjahr auf 30,4 % zu, stammten doch von den 377,4 Mill. Fr. Gesamtzolleinnahmen fast 115 Mill. Fr. aus dem Strassenverkehr. Nach wie vor erweist sich das Benzin als die ergiebigste Quelle für die Zollverwaltung, trug es doch allein mit einem Sechstel zum Endresultat bei. Da die Einfuhrmenge nicht nennenswert anstieg, ist allerdings das relative Verhältnis zwischen dem Benzinzoll und den übrigen Zöllen, das sich gegen Ende der dreissiger Jahre zwischen 18 und 22 % bewegt hatte, leicht abgesunken. Anderseits entfielen früher nur 6 % auf die Fahrzeugzölle, und dieses Betreffnis hat sich jetzt mit knapp 12 % fast verdoppelt. Ferner fielen auch die Gasölzölle mit 3 % stärker ins Gewicht. Die Tragweite dieses Sachverhaltes findet ihre Illustration in nachstehender « Rangreihenfolge » der Importgüter nach Massgabe ihrer Zollerträgnisse: Prozente aller Zolleinnahmen 1. Benzin 15,5 2. Automobile 11,22 3. Zucker 9,3 4. Fasswein 6,55 5. Flüssige Brennstoffe 4,00 Nur zwei Warengattungen, Benzin und Motorwagen, erbrachten mehr als ein Zehntel der Zölle. Weitaus die meisten Güter lieferten weniger als 1 %, d.h. praktisch nicht mehr als 4 Mill. Fr. an die Bundeskasse ab. So hat z. B. der Zoll auf Kohle nur 0,67 % oder 2,3 Mill. Fr. eingebracht. Würde man zu den Urahnen des Automobils zurückkehren und die Vergaser- oder Dieselmotoren durch Dampfmaschinen ersetzen, so käme der Fiskus wohl in arge Verlegenheit. Seine Absicht war ja gar nicht, die Erdölprodukte mit exorbitanten Zollansätzen zu belegen, vielmehr liegt darin nur ein Mittel, um den Motorverkehr einer kräftigen Verbrauchssteuer zu unterwerfen. Das geht mit aller Deutlichkeit aus der prozentualen Wertbelastung des Benzins hervor, dessen Einstandspreis im Jahre 1936 durch den Zoll um rund das Dreifache verteuert worden war. Seither haben sich infolge der steigenden Weltmarktnotierungen diese c einzigartigen » Verhältnisse wohl etwas gemildert, aber noch immer entspricht der Zoll von Fr. 26.50 per Bruttozentner über 134 % der Gestehungskosten bis zur Grenze. Nicht viel besser liegen die Dinge beim Gasöl für motorische Zwecke, wo die amtliche Statistik deswegen keine prozentuale Wertbelastung angeben kann, weil ein Teil des Heizöls nachträglich als Motorentreibstoff verzollt worden ist. Immerhin lässt sich aus dem mittleren Einstandspreis von Fr. 15.60 per Zentner Dieselöl und einem Zolltarif von Fr. 16.— leicht errechnen, dass die indirekte Fiskalbelastung 100 % erreicht. An einer Generalrevision des Gebrauchszolltarifs wird herumlaboriert, doch darf man sich kaum grossen Hoffnungen hingeben, dass dabei auch die Experten finden werden, die Wertbelastungsspitzen für Treibstoffe seien buchständlich zu «überragend». Vielmehr dürften die Bemühungen der Automobilinteressenten, grössere Gegenleistungen herauszuholen, als aussichtsreicher erscheinen. Die Bereinigung des SCOTCHLITE, PERLFIX, WEBSLIGHT Bundesfinanzhaushaltes, d. h. die Bundesfmanzreform, bietet Gelegenheit, ein altes Versprechen, das da gelautet hatte, « der hinterste Rappen des Benzinzolles werde wieder zurück auf die Strasse fHessen », einzulösen. Mit der zweckgebundenen Verwendung der Erträgnisse aus der indirekten Fiskalbelastung der motorischen Traktion zur Finanzierung von Ausbau und Unterhalt des Strassennetzes Hessen sich die vielen Dutzende von Millionen Franken nützlich und gerecht investieren. Eine Demonstration neuer Strassensignalisierungs-Materialien vor den kantonalen Baudirektoren Die Konferenz der kantonalen Baudirektoren, die am vergangenen Freitag und Samstag in Liestal eine Tagung abhielt, war unzweifelhaft gut beraten, als sie ihre Zusammenkunft nicht zuletzt auch dem ebenso aktuellen wie bedeutsamen Problem der Strassensignalisierung bei Nacht widmete, wobei sich den leitenden Männern des schweizerischen Strassenbauwesens die Möglichkeit, bei einer umfassend angelegten und ausserordentlich eindrucksvollen Demonstration neue Wege der Signalisierung im Strassenver-, kehr kennen zu lernen und Vergleiche zwischen den verschiedenen Methoden anzustellen, die in letzter Zeit auf diesem Gebiete bei uns entwickelt worden sind. Denn allerdings liegt es auf der Hand, dass auch die Sicherheit und Flüssigkeit des nächtlichen Strassenverkehrs, die Unfallverhütung und die Möglichkeit rascher und einwandfreier Orientierung durch eine bessere Sichtbarmachung der Strassensignale ganz wesentlich erhöht werden können. Noch aber steht die Ausstattung unseres Strassennetzes mit reflektierenden Signalen in ihren Anfängen, nachdem kurz nach Kriegsende die ersten Schritte in dieser Richtung getan worden waren. Und wenn inzwischen — namentlich mit der Verwendung von Scotchlite — auf einer Reihe von Strassenzügen sowie in Städten und Ortschaften günstige Erfahrungen gesammelt worden sind, so sollten gerade sie einen Ansporn dafür bilden, den weiteren Ausbau der Strassensignalisierung nach dieser Seite hin tatkräftig und systematisch an die Hand zu nehmen, zumal nunmehr die Auswahl an Reflexmaterialien noch eine Erweiterung erfahren hat. Es wäre schön, wenn man hoffen dürfte, dass von den Liestaler Vorführungen ein kräftiger Impuls hierfür ausgehe, denn weshalb sollte die Sicherheit des nächtlichen Strassenverkehrs mit seinen gesteigerten Gefahren nicht die selbe Aufmerksamkeit und Förderung verdienen wie jene des Verkehrs am Tage? Gewissermassen als Auftakt su den Demonstrationen hielt der luzernische Strassenbauinspektor Bosshard im Rahmen der Tagung ein Referat über neue Methoden der Strassensignalisierung Ein tschechoslowakischer «Minicar» An den Hinweis auf die Notwendigkeit, bei der Aufstellung von Signalen Mass zu halten und sich vor einem Allzuviel zu hüten, knüpfte er die Feststellung, dass neue Farben und Email immer mehr zur Einführung gelangen. Lavabeton-Signale ermöglichen eine klara und ausreichende Markierung, wobei das widerstandsfähige Material eine tiefere Anbringung der Schilder gestattet. Nachts fehlt jedoch den üblichen Signalen die erforderliche Sichtbarkeit Aus den USA ist nun das Scotchlite zu uns gekommen, ein Reflexstoff, der einfallende Lichtstrahlen zurückwirft und dessen Aufbau und Eigenschaften (worüber die « AR » schon früher ausführlich berichtet hat) der Redner eingehend schilderte. Dabei existieren Scotchlite-Stoffe mit ausgesprochener Vom 23. Oktober bis 7 November findet in Prag eine cMinicar-Ausstellung> statt, worüber die schon verschiedentlich berichtet hat. Nach den bisherigen Anmeldungen dürfte die Schau etwa 25 verschiedene Konstruktionen umfassen. Abgesehen von der mit der Ausstellung verbundenen «Volksabstimmung» wird die erfolgreichste Konstruktion, die ein Mittelding zwischen Auto und Motorrad verkörpern soll, mit Geldpreisen prämiiert. — Unser Bild zeigt einen dieser Minicars, den der Konstrukteur des bekannten Aero- Minor Ing. Vykoukal (am Volant), entworfen hat. Es handelt sich um einen Zweisilzer mit einem Zweitaktmotor von 10 Brems-PS und Dreiganggetriebe. Bei einem Treibstoffverbrauch von 4 Liter/100 km soll das Wägelchen »ine Spitzengeschwindigkeit von 75 km/h erreichen. Länge 3 m. Breite 1,27 m, Höhe 1,25 m. Fernwirkung wie solche mit Weitwinkelwirkung; auch Handmarkierungen lassen sich aus diesem Material erstellen. Was die Dauerhaftigkeit anbelangt, so haben die Erfahrungen in der Schweiz gezeigt, dass sich diese Stoffe auch bei klimatisch ungünstigen Verhältnissen ausgezeichnet bewähren, weshalb angenommen werden kann, sie seien mehrere Jahre haltbar. Die Vorteile des Scotchlite haben, so fuhr der Referent fort, bald Nachahmung gefunden, so das Perlfix (von dem weiter unten die Rede sein wird) und das Webslight, bei dem als Unterlage für die reflektierende Schicht eine Aluminium- oder andere Metalltafel dient. Auf diese wird die Signalfarbe aufgespritzt und darauf ein Belag aus winzigen Perlen — durch mehrmaliges Einbrennen an die Unterlage gebunden —, ein Verfahren, das eine sehr grosse Haftfestigkeit der Perlen gewährleistet. Auch hier gibt es Materialien von verschiedener Reflektierfähigkeit. Als Metallkörper mit Rückstrahllicht erwähnte der Redner die Cats-eyes, über deren Konstruktion und Wirkung er detaillierte Aufklärungen gab, sowie die Christen-Harberry- Nägel. Das Thema Kennzeichnung der Stopstrassen kurz berührend, erklärte er, man hätte für die Uebergangszeit anstelle des nunmehr gewählten Signals Nr. 22 gerne ein optisch etwas auffälligeres Signal gewünscht (womit sich Hr. Bosshard, der auch an dieser Stelle vertretenen Auffassung anschloss. Red.). Seine beifällig aufgenommenen Darlegungen schloss der Referent mit der Feststellung, dass die Entwicklung der Strassensignalisation durch neue Methoden eine gewisse Zurückhaltung wohl als geboten erscheinen lasse, dass es jedoch verfehlt wäre, mit gewissen Verbesserungen, die sich nun einmal aufdrängen, finanzieller Konsequenzen wegen zurückhalten. Im übrigen erscheine angesichts der Verwendung der neuen Signalstoffe für Lichtreklamen längs der Strassen eine einheitliche Regelung auf diesem Gebiet als dringend erwünscht. Regierungsrat Stampfli (Solothurn) verlieh in seinem Schlusswort der Notwendig- AUS DEM INHALT Der Schweiz. Automobil-Aussenhandel im 3. Quartal Grosser Preis von Monza Die Gestaltung der schweiz. Automobilmeisterschaft 1949 Der amerikanische Automarkt Nach dem Pariser Salon Zwei neue Vauxhall Eine Autobus-Torsionsstabfederung Der spanische DKW