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E_1948_Zeitung_Nr.052

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Nr, 52 — BERN, Mittwoch, 8. Dezember 1948 $*eIS*e Liste 44. Jahrgang —- Nummer: 30 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE 9T, BERN, TELEPHON (031) 2 82 22 - GESCHÄFfSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 26 96 77/7» Vortrittsrecht und Stop-Strassen in den Vereinigten Staaten Vorbemerkung der Redaktion: Wie unsere Leser wissen, hat Pd. Max Troesch (Zürich) im Auftrag des ACS eine Reise nach Nordamerika unternommen, um dort die Strassenverkehrsverhältnisse im Hinblick auf mögliche Verbesserungen in der Schweiz zu studieren. Herr E. J o h o , der Leiter der Schweiz. Beratungsstelle für Unfallverhütung, der ebenfalls an dieser Reise teilnahm, hat uns den nachfolgenden Beitrag über die Ordnung des Vortrittsrechtes und die Funktion der Stop-Strasse zur Verfügung gestellt: Die Funktion der Stop-Strasse war dem Verfasser dieses Aufsatzes aus der amerikanischen Fachliteratur bekannt. Bekannt war aber auch, dass der Rechtsvortritt in den meisten Gesetzen der 49 Staaten verankert ist, dass jedoch innerorts und ausserorts vortrittsberechtigte Durchgangsstrassen bestehen, bei denen das Prinzip des Rechtsvortrittes nicht gilt. Da gerade diese Frage für die Sicherheit des Strassenverkehrs von grosser Bedeutung ist, galt es abzuklären, wie es in Wirklichkeit aussieht und welches Prinzip sich eigentlich in der Praxis durchgesetzt hat. Vorerst seien ein paar allgemeine Bemerkungen vorausgeschickt. Die Verkehrssicherheit kann angesichts der etwa achtmal grösseren Verkehrsintensität als besser bezeichnet werden als bei uns. Auf 100 000 Einwohner umgerechnet verzeichnen die östlichen Staaten kaum mehr Unfälle als bei uns. Die Verkehrsdisziplin ist besser, sowohl bei den Fussgängern wie auch bei den Automobilisten. Velofahrer gibt es praktisch keine, oder sie spielen zahlenmässig im amerikanischen Strassenverkehr etwa jene Rolle wie bei uns das Kindertrottinett! Auf den Ueberiandstrassen sind sozusagen weder Velofahrer noch Fussgänger anzutreffen. Es ist offensichtlich, dass die Einheitlichkeit des Strassenverkehrs die Lösung der Probleme vereinfacht. Die Verkehrsgesetzgebung ist keineswegs einheitlich. Jeder der 49 Staaten besitzt eigene Gesetze, die sich in mancher Hinsicht voneinander unterscheiden, am stärksten bei den Geschwindigkeitsvorschriften. 9 Staaten kennen keine allgemeinen Geschwindigkeitsbeschränkungen, in den übrigen 40 sind auch ausserorts auf den prachtvollen High- und Parkways Höchstgeschwindigkeiten von 25—60 Meilen vorgesehen (1 Meile =1,6 km). Das Mittel liegt etwa bei 50—55 Meilen. Dort wo diese Maxima vernünftig angesetzt sind, werden sie im allgemeinen auch eingehalten. Die übrigen Unterschiede fallen praktisch nur unwesentlich ins Gewicht. Die Strassen sind überall mit Sicherheits- und Trennungslinien versehen. Mehrspurige Strassen sind ebenfalls mit Linien aufgeteilt. Durchbrochene Linien dürfen beim Ueberholen überfahren werden, durchgezogene dagegen nicht. In einem Staat wird weisse, sogar reflektierende, an einem andern Ort gelbe Farbe verwendet. Die Symbole der Warnungstafeln sind einheitlich, die Farbe aber sehr verschieden. Oefters werden Reflexstoffe, wie Scotchlite oder Katzenaugen, verwendet. Wir können in diesem Zusammenhang auf die Signalisation, die eher schlechter scheint als bei uns, nicht näher eingehen und behalten uns vor, später darauf zurückzukommen. Die Ordnung des Vortrittsrechtes gehört zu einer der wichtigsten Sicherheitsmassnahmen im Strassenverkehr. In allen Staaten steht neben der übersetzten Geschwindigkeit die Missachtung des Vortrittsrechtes in der Reihenfolge der Unfallursachen obenan. In der Schweiz sind fast 30 % der Unfälle auf das Nichtvortrittlassen und unvorsichtiges Einbiegen zurückzuführen. In den USA werden nur 10 % der Unfälle diesen Ursachen zugeschrieben. Wenn vielleicht die Erhebungsgrundlagen der Unfallstatistik in den beiden Ländern voneinander abweichen, so muss doch der gewaltige Unterschied auffallen. Vorab ist festzustellen, dass alle wichtigeren Strassenkreuzungen innerorts mit dem optischen Traffic-Signal gesichert sind. In New York soll es etwa 7000 solche Signale geben. Der Verkehr wickelt sich deshalb in den dichtbewohnten Städten sehr stockend ab. Wenn kein unbedingtes Vergnügen ist. Kreuzungsfreie Anlagen sind auch hier selten, und Kreiselverkehr ist wegen der noch geringern Kapazität nicht b'eliebt. Bemerkenswert ist es, wie sich auch die Fussgänger an die Go-and-Stop-Signale halten. Bei « Rot» geht niemand über die Strasse, mit Ausnahme etwa eines müden Europäers, der sich einfach nicht an das Gesetz der Strasse, wie es fast dem letzten Amerikaner vertraut ist, halten kann! Trotz dieser guten Ordnung sind die Fussgängerunfälle an den Strassenkreuzungen verhältnismässig zahlreich. Der kritische Moment ist immer der Uebergang von « Grün > auf « Rot». Bei den gewaltigen Fussgängerströmen ist es eben nicht immer möglich, dass alle Fussgänger in den vorgesehenen 55 Sekunden das rettende Trottoir erreichen können. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, dass zum Traffic- Signal oft noch ein Polizist mitten auf der Kreuzung steht und für Beschleunigung des Verkehrsabflusses sorgt. Auch die Fussgängerunfälle zwischen den Kreuzungen sind verhältnismässig zahlreich. Wer sich zwischen den Kreuzungen über die Strassen wagt, begeht u. E. einen offenbaren Selbstmordversuch! Und es gibt auch in den USA solche Leute! Neben der Verwendung des optischen Traffic-Signals kommt der Einrichtung der Stop-Strasse entscheidende Bedeutung zu. Stop-Strassen gibt es in den Städten und vor allem auf dem Lande. Fussgangerströme während der Grünphase auf einem Fussgängerstreifen der 5th Avenue in New York. Die Bilder geben einen Begriff von der Dichtigkeit des Fussgängerverlcehrs während der Freigabe der Passagen und erklären auch die relativ zahlreichen Unfälle, die sich beim Uebergang von Grün auf Rot dort ereignen. man in den verkehrsintensiven Zeiten 200 bis 300 m weit fahren kann, muss man froh sein. Für diesen Go-and-Stop-Verkehr sind in der Regel Phasen von 55 Sekunden vorgesehen. Manchmal hat die weniger befahrene Strasse eine längere Stoppzeit. Man kann daraus ermessen, dass das Automobilfahren in den Städten Wohl gilt grundsätzlich in den meisten Staaten, wenigstens auf dem Papier, der Rechts vortritt, gelegentlich auch das Vortrittsrecht der Nord— Süd-Strasse. Praktisch sind aber alle in Durchgangsstrassen einmündenden Nebenstrassen mit dem Stop-Gebot versehen. Auf unserer Fahrt haben wir keinen einzigen Automobilisten Numerierung der durchgehenden Strasse. Innerhalb der Ortschaften ist es oft nicht leicht, dieses kleine Nummernschild zu finden. gesehen, der das Stop-Gebot missachtet hätte. Wenn man auf einer Durchgangsstrasse fährt, kann man sich wirklich darauf verlassen, dass man das Vortrittsrecht auch beanspruchen darf. Wer wagt in der Schweiz mit gutem Gewissen den Rechtsvortritt auch wirklich zu beanspruchen, wenn zwei Fahrer gleichzeitig: auf eine Kreuzung zufahren? '= Voraussetzung eines guten Funktionierens der Stop-Strasse ist die zweckmässige Markierung der durchgehenden Strassen, d. h. jener Strasse, die das Vortrittsrecht besitzt. Staats- und Lokalbehörden bezeichnen die Durchgangsstrassen. Sie werden mit kleinen Nummernschildern auch durch die Ortschaften hindurch markiert. Hat man sich daran gewöhnt, die oft etwas kleinen imd uneinheitlich bald hoch, bald tief aufgehängten Nummernschilder zu suchen, so ist man bald im Bild, ob man sich auf einer Durchgangsstrasse befindet oder nicht. Das amerikanische Beispiel zeigt, dass es durchaus möglich ist, Durchgangsstrassen auch innerorts ohne grossen Aufwand kenntlich zu machen. Die Errichtung von Stop-Signalen wird in folgenden Fällen empfohlen: 1. Kreuzung einer weniger wichtigen Strasse mit einer Hauptstrasse. 2. Kreuzung zweier Haupt-Ueberlandstrassen, wo kein optisches Traffic-Signal nötig ist. 3. Einmündung einer Strasse in eine Durchgangsüberland- oder Durchgangsstrasse. 4. Bei Bahnübergängen in jenen Staaten, wo ein Sicherheitshalt vorgeschrieben ist. 5. Andere Kreuzungen, an denen hohe Geschwindigkeiten, beschränkte Sicht oder das Vorkommen schwerer Unglücksfälle die Kontrolle durch ein Stopzeichen erfordern. An Kreuzungen zweier Hauptüberlandstrassen, besonders bei Y-Kreuzungen, soll die Aufstellung der Stop-Signale erst nach einer genauen Prüfung vorgenommen werden, wobei es sich oft empfiehlt (nach den geltenden Richtlinien), den grössern Verkehrsstrom zugunsten des kleinern zu stoppen. Auch der Vier-Wege- Stop ist vorgesehen. Er soll dort angewandt werden, wo es sich um Quartierstrassen oder Strassen mit geringer Verkehrsintensität handelt. Ist jedoch ein beträchtliches Verkehrsvolumen zu bewältigen, so wird die Errichtung eines optischen Traffic-Signals empfohlen. (Schill,» Seit- 23) AUS DEM INHALT STOP-SIGNALE in den verschiedenartigsten Ausführungen, in der Regel gelb, aber immer in der charakteristischen achteckigen Form. An den Pranger mit Verkehrsrowdies! Internationaler Autosport 1948 « Zebra-Fussgängerstreifen in Basel » Nash-Modelle 1949 (Erstbeschreibung) Opel-Blitz-Leichtlastwagen Der Foden-Zweitakt-Dieselmotor Wann rentieren zwei Wagen mit Wechsel - nummer ? 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