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E_1949_Zeitung_Nr.025

E_1949_Zeitung_Nr.025

Nr. 25 — BERN, Mittwoch, 1. Juni 1949 Preisliste der neuen Personenwagen 45. Jahrgang — Nummer: 40 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMÖBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN BRSCHEINT JEDEN M1TTVOCH - REDAKTION BND ADMINISTRATION: BREITENRAINSTRASSE 97, BERN, TELEPHON (031) 2 12 22 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 2« 96 77/7i Öffentlicher Verkehr — privater Verkehr In Nr. 7 der «AB» vom 16. Februar 1949 versuchten wir, an Hand einiger Beispiele die gegenwärtigen Entwicklungstendenzen bei den Stadt. Verkehrsbetrieben von Bern (SVB) darzustellen und verschiedene Verbesserungsvorschläge für die Betriebsorganisation aufzustellen. Die Reaktion blieb nicht aus. Der «Oeff entliche Verkehr», das offizielle Organ des Verbandes Schweiz. Transportanstalten, ein den SVB also nahestehendes Blatt, nimmt in seiner Nr. 4 vom April 194 Partei für die SVB. Auch das «Berner Tagblatt» vom 5. April 1949 und die «Berner Tagwacht» vom 13. April 1949 stellen sich in den Dienst der Stadt Verkehrsbetriebe. Da es besagten Blättern an sachlichen Argumenten für eine Diskussion fehlt, verlegen sie sich auf die Polemik. Auf welche geistige Ebene die Auseinandersetzung gezogen werden soll, zeigt am deutlichsten die «Glosse» der «Berner Tagwacht», deren autofeindliche Anspielungen wohl einem Klassenkampfvokabular gut anständen, die aber wenig in eine Diskussion passen, bei der es im Interesse der Sache um möglichste Objektivität geht. Die Stimmungsmache gegen alles, was im entferntesten nach Automobil aussieht, passt zur gegenwärtigen Haltung gewisser Tageszeitungen, die keine Gelegenheit verpassen, um dem Automobil eines auszuwischen und es zu diskreditieren, sei es durch den Hinweis auf die die Strasseö angeblich in hellen Scharen bevölkernden «Strassehrowdies» oder wie hier mit dem Schlagwort der «prunkenden Lunaparks». Der «AR» wird etwas in den Mund gelegt, was sie nie geäussert hat: Zweck und Ziel unserer Vorschläge sei eine Vergrösserung der Parkierungsmöglichkeiten für private Motorfahrzeuge In der Christoffelgasse und Schwanengasse. 95 % der arbeitenden Bevölkerung würde zugemutet, vor und nach der Arbeit die Endhaltestellen ihrer Transportmittel ausserhalb des Stadtkerns im Fussmarsch aufzusuchen, damit die vornehmen 5 % Gelegenheit hätten, ihre privaten Fahrzeuge direkt vor ihren Cafes und Confiserien stationieren zu können; denn das Primat, der erste Anspruch auf jeden verfügbaren Strassenraum zur Parkierung im Stadtinnern stehe dem privaten Motorfahrzeugverkehr zu. «Oeffentlicher Verkehr» und «Berner Tagblatt» schliessen daran die Feststellung, man dürfe den Benutzern der städt. Autobuslinien kaum zumuten, auf die Haltestellen an der Christoffelgasse zu verzichten. Die Bevölkerung werde auf Grund der Erfahrungen, die sie mit unseren widersprechenden Forderungen zur Lösung von Verkehrsfragen in der Innerstadt gemacht habe (?), kaum bereit sein, sich die eigenen Rechte und diejenigen der SVB kürzen zu lassen und sich dabei den schwersten Unbequemlichkeiten auszusetzen, nur um zwei Dutzend privaten Motorfahrzeugen die Parkierung zu ermöglichen. Man könne sich weiter fragen, so fahren sie fort, woher der Motorfahrzeugverkehr eigentlich das von ihm beanspruchte Recht ableite, zur stunden- und tagelangen Parkierung privater Fahrzeuge unentgeltlich öffentlichen Grund und Boden in Anspruch zu nehmen. Wenn zum Zwecke der reibungslosen Verkehrsabwicklung eine Forderung Anspruch auf Berechtigung erheben könne, dann sei es jene nach einem vollständigen Parkierungsverbot für private Motorfahrzeuge in den innerstädtischen Hauptverkehrsstrassen. Es geht somit zugegebenermassen nicht nur um Schwanengasse und Christoffelgasse, sondern in Tat und Wahrheit um die Tendenz der SVB, in stets zunehmendem Masse Verkehrsraum für die Bedürfnisse ihres Betriebes zu beanspruchen, und zwar nicht nur in den beiden erwähnten Strassenzügen, die seinerzeit von uns nur als Beispiele angeführt worden sind, sondern in der ganzen Innerstadt. Die SVB sind bis heute mit ihren Ansprüchen auf Verkehrsraum in Bern in keiner Weise zu kurz gekommen. Mit einer geringen Zunahme der spezifischen Belastung des Verkehrsraumes in den letzten 10 Jahren (0,11 Einheiten gegenüber 5,7 Einheiten bei den privaten Motorfahrzeugen, siehe Tabelle 1) geht eine unverhältnismässige Mehrbeanspruchung des Verkehrsraumes für die eigenen Bedürfnisse parallel. Der Bestand an privaten Motorfahrzeugen ist um rund 80mal gxösser als derjenige der SVB (Tabelle 1). Dem privaten Motorfahrzeugrverkehr steht aber verhältnismässig rund 4mal weniger Parkraum zur Verfügung als den öffentlichen Verkehrsbetrieben, ohne Mitberücksichtigung des von den Autobussen noch zusätzlich beanspruchten Raumes für die Bereitstellung ihrer Einsatzwagen (Tabelle 2). Der Parkraum für Motorfahrzeuge in der Innerstädt bietet Abstellmöglichkeiten für 14,4 % des privaten Motorfahrzeugbestandes und für 56,2 % des Wagenparkes der Städt. Verkehrsbetriebe. Rechnet man den den privaten Motorfahrzeugen zur Verfügung stehenden Raum entsprechend auf die SVB um, so ergäbe sich für die Innerstadt eine diesen zustehende Parkfläche von rund 340 m 2 , ausreichend für 12 Fahrzeuge. Statt dessen beanspruchen die SVB in der Umgebung des Bahnhofes allein Platz für 22 Fahrzeuge, entsprechend 735 m 2 . Und ihr Platzhunger ist noch nicht gesättigt, wie die allerjüngste Zeit Tabelle 1: Belastung des Verkehrsraumes durch Motorfahrzeuge. Belastung Ma Bestand pro km g g v •§!! 1938/39 1948 1938/39 1948 £•$£ Motorfahrzeuge 4846 6733 14,7 20,4 5,7 SVB (Pneufahrzeuge) 45 82 0.14 0,25 0,11 wieder deutlich zeigt. An der Bundesgasse nämlich haben sie neuerdings Raum im Umfange von ca. 150 m 2 für die Bereitstellung von Einsatzfahrzeugen für sich .«requiriert». Noch schlimmer werden die Verhältnisse mit' dem provisorischen Umbau des Bahnhofplatzes. Was sich die Städt. Verkehrsbetriebe dort ausgedacht haben, ist für den privaten Motorfahrzeugverkehr unannehmbar. Der Bahnhofplatz soll überwiegend — und für teilweise sehr frequenzarme Linien — durch die SVB belegt werden! Dafür müssen neben den privaten Motorfahrzeugen auch die Taxameterstände von der Bildfläche verschwinden. Man scheut sich nicht, den letzteren zur «Kompensation» einen Verkehrs-, betriebs- und gewerbepolitisch vollständig verfehlten und von ihrem normalen Einzugsgebiet abgeschlossenen und abgelegenen Standplatz im sog. «Milchgässli» anzubieten. Die SVB beanspruchen auf dem Bahnhofplatz einen über ihre Bedürfnisse weit hinausgehenden Platz für 7 Fahrzeuge (!!), d. h. für mehr als zwei Wagen pro Linie. Sie beabsichtigen, die ganze Längsseite vor dem Hotel Schweizerhof zu belegen, dazu den bisherigen Taxistand vor dem Bahnhof und weiteren Raum ausgerechnet im «Flaschenhals» des umgestalteten Bahnhofplatzes. Ganz nebenbei erhöht sich durch diesen neuen Schachzug zur Kaltstellung des privaten Motorfahrzeugverkehrs der pro Stadtomnibus beanspruchte Raum von 28 m« auf 41 m* (Tabelle 2). Der private Automobilist und die bernischen Taxameterbetriebe werden damit wieder um einen grossen und lebensnotwendigen Parkplatz ärmer. Geht es wirklich nur um Christoffelgasse und Schwanengasse? In eingeweihten Kreisen sind die Tendenzen der SVB nur zu gut bekannt, und die beiden Einsender im «Oeffentlichen Verkehr» und im «Berner Tagblatt» lassen entweder aus Unkenntnis oder mit aller Absicht eine Tatsache bei ihren Betrachtungen ausser acht: dass das Ziel der SVB darin besteht, für die City der Stadt Bern mit der Zeit ein vollständiges Parkverbot zu erreichen. Diese Möglichkeit wird im «Oeffentlichen Verkehr» unverblümt angetönt. Unsere Diskussionsgegner gaben damit selber zu, dass es sich bei Tabelle 2: Beanspruchung des Parkraumes durch Motorfahrzeuge. Motorfahrzeuge SVB (Pneufahrzeuge) SVB (nach Projekt für prov. Umpau Bahnhofplatz) Parkraum in Innerstadt in m ! 14 200 pro Fahrzeug 14,6 ausreichend für Fahrzeuge x% Anzahl 971 14,4 1300 28,3 46 56,2 (ohne Abstellraum für Einsatzwag.) 2 000 40,8 49 59,7 dem von uns aufgegriffenen Thema um die Lösung der gesamtstädtischen Verkehrsverhältriistse Berns handelt. Den Endeffekt suchen sie geSgfrickt zu erreichen, indem sie vorerst einmal die-eigenen.Ansprüehe höher schrauben, was eine wesentliche Beeinträchtigung des dem gesamten Motorfahrzeugverkehr zur Verfügung stehenden Raumes nach sich zieht. Dann wirft man den Automobilisten 'vor, sie stellen ihre Fahrzeuge derart in den verkehrsreichen Strassen der Innerstadt ab, dass sich als Folge davon sowohl für den privaten wie für den öffentlichen Verkehr die schwersten Verkehrshindernisse und Verkehrsstockungen ergeben. Bevor aber an die öffentlichen Verkehrsunternehmen und deren Benutzer — und damit beinahe an die Gesamtheit der Bevölkerung — Zumutungen gestellt werden könnten, welche für sie die grössten Unzukömmlichkeiten bedeuteten, dürfte man doch wohl eher von den Haltern privater Fahrzeuge verlangen, dass sie diese ausserhalb des Stadtzentrums parkieren. Wenn nämlich zur Erzielung einer reibungslosen Verkehrsabwicklung eine Forderung Anspruch auf Berechtigung erheben könne, dann sei es jene nach einem vollständigen Parkierungsverbot für private Motorfahrzeuge in den innerstädtischen Hauptverkehrsstrassen! Mit wenigen Ausnahmen sind heute die Paßstrassen unseres Landes für dos Automobil wieder durchgehend fahrbar, dank dem schneearmen Winter früher als sonst. Zu ihnen gehört auch die Grimsel, von der das obenstehende letztes Jahr aufgenommene Bild stammt. Allerdings ist die Strosse auf einem kurzen Stück bei der Passhöhe nur einspurig freigelegt, aber dank der wachsenden Zahl der Ausweichstellen wickelt sich der Verkehr ohne Stockungen ab. Total Fast alle Alpenpässe wieder offen! Schluss Seiie 2 DENKEN . Ein altes Sprichwort, das verheisst, Geduld bringe Rosen, ist offenbar etwas in Vergessenheit geraten. Vielleicht sind daran nicht zuletzt gerade die technischen Errungenschaften schuld, die den Menschen helfen wollen, Zeit zu gewinnen. Ist das Ironie oder vielleicht gar Absicht des Schicksals? Es gehört bestimmt nicht zu den Annehmlichkeiten des Automobilisten, hinter einem andern Fahrzeug in einem Tempo einherbummeln zu müssen, das übermassig langsam ist und den eigenen Gewohnheiten nur wenig entspricht. Aber es ist immer noch besser, sich in Geduld zu üben und zu warten, bis das Hindernis ohne jegliche Gefahr überholt werden kann, als seihe Ungeduld mit viel Geld oder noch schlimmeren Opfern bezahlen zu müssen. Nicht umsonst haben Gesetz und Verordnung (MFG und MFV) neben einigen andern, speziellen Vorschriften die Forderung aufgestellt, wer überhole, müsse besonders vorsichtig fahren und auf die übrigen Strassenbenützer Rücksicht nehmen (MFV Art. 46 3 ). Und demjenigen, dem dies als Warnung und Aufforderung zur Vorsicht noch nicht genügt, wird vielleicht die Tatsache die Augen öffnen, dass jährlich rund 4000 Unfälle infolge vorschriftswidrigen Ueberholens sich ereignen! Die Legende zu unserm Bild, wie sie uns von massgeblicher Seite mitgeteilt wurde, heisst kurz und bündig: «Vorschriftswidriges Ueberholen durch den Lastwagen führte denselben zu nahe an den Strassenrand. Dieser brach unter dem Gewicht des Wagens ein, und der Lastwagen stürzte in den Strassengraben.» Beträchtlicher Sachschaden an Fahrzeug und Strasse: ein Resultat, das hätte vermieden werden können, wenn der Chauffeur die Kunst des Wartens verstanden hätte. Monitor. 1. BLATT: «Ein verkehrsgefährdendes Urteil des Bundesgerichts » Wieder eine offengelassene Barriere Neue Rubrik : So fährst du auf Nummer sicher Die Rennen von Auffahrt und Wochenende 2. BLATT: Fiat 1100 B und 1500 D Neue Modelle in Hannover Neues Auswuchtverfahren bei Hudson Lenkradsplitter Preisliste der Personenwagen 3. BLATT: Autokinos in den USA Neuregelung des Benzinverkaufs in Frankreich Die Offiziere der motorisierten Truppen tagen 4. BLATT: Man muss warten können AUS DEM INHALT Auto-Magazin