Festschrift 2018

dietmar.hacky

Unsere Festschrift 2018 für alle, die Sie nicht im Briefkasten hatten

Grußwort des I. Vorsitzenden

125 Jahre St. Anna Schützen

650 Jahre Berzbuir

HERZLICH WILLKOMMEN

Liebe Mitbürgerinnen und liebe Mitbürger,

liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder,

2018 ist ein ganz besonderes Jahr für die St. Anna Schützen

und für unseren Ort Berzbuir. Am 10. Sept. 1893 wurde

Vorsitzender Dietmar Hacky

unser Verein von 30 Männern aus Berzbuir als

Bogenschützengesellschaft Berzbuir gegründet. Erster Präsident war Anton

Labroir, der erste Schützenkönig hieß Konrad Bauer. Lesen Sie, wie sich unser

Verein in den letzten 125 Jahren entwickelt hat. Lesen Sie, wie aus einem ehemals

konservativen, weltlichen Männerverein die heute humanistisch, christlich und

freiheitlich ausgerichtete St. Anna Schützenbruderschaft Berzbuir wurde. Wir sind

stolz auf die Männer und Frauen, die vor uns die Geschicke des Vereins stets so

gelenkt haben, dass die Zukunftsfähigkeit nicht verloren ging. Die Männer und

Frauen, die neben bewahrenswerter Tradition auch immer die notwendigen

Veränderungen im Blick hatten und die Weltoffenheit und humanistisches Denken

tief im Verein verankert haben. Aber nicht nur "St. Anna" hat Grund zum feiern. In

diesem Jahr verbinden wir unser Jubiläum auch mit dem Ortsjubiläum von

Berzbuir. Wir können uns in diesem Jahr also bei allen Festen doppelt freuen.

Freuen Sie sich mit uns und besuchen Sie unsere Veranstaltungen im

Jubiläumsjahr.

St. Anna

Dietmar Hacky

immer dabei:

1. Vorsitzender stanna.DEapp

Herausgeber:

Impressum

ST. ANNA SCHÜTZENBRUDERSCHAFT BERZBUIR 1893 E.V.

BERZBUIRER STR.103, D.HACKY, TEL: +49 2421 58376 FAX - 58330

GEMEINNÜTZIG ANERKANNTER VEREIN - WWW.STANNA.DE

Redaktion:

V.I.S.D.P. DIETMAR HACKY, TEL. +49 2421 58376 VORSTAND@STANNA.DE

Anzeigenvorlagen: I

IM FORMAT PDF, JPG, BMP, GIF AN INFO@STANNA.DE

Auflage: 2500, KOSTENLOS NACH BERZBUIR, KUFFERATH, LENDERSDOF UND TEILEN

VON BIRGEL, HÜRTGENWALD-GEY, LANGENBROICH -BERGHEIM UND KREUZAU

Layout, Satz: TOSNET COMMUNICATIONS, DÜREN

Druck/Produktion: FÖRDERVEREIN ST. ANNA SCHÜTZEN BERZBUIR E.V.

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DIE BETRITTSJAHRE 1953, 1968, 1978 UND 1993

11 Jubilare der St. Anna Schützen Berzbuir im Jahre 2018

Für 25 Jahre (Eintritt 1993) Vereinszugehörigkeit ehren wir:

Marco Jörres, Stephan Lakomy, Andreas Lövenich, Anna-Maria

Paulus Rode, Detlef Rode

Für 40 Jahre (Eintritt 1978) Vereinszugehörigkeit ehren wir:

Gerhard Hartan und Hubert Sommer

Für 50 Jahre (Eintritt 1968) Vereinszugehörigkeit ehren wir:

Josef Bergs

Für 65 Jahre (Eintritt 1953) Vereinszugehörigkeit erheben wir in den Stand eines

Ehrenmitglieds der St. Anna Schützen Berzbuir 1893 e.V.:

Berthold Bergsch und Albert Haupt

Der Vorstand der St. Anna Schützenbruderschaft Berzbuir 1893. e.V.

Angelika Wollseifen, Geschäftsführerin vorstand@stanna.de www.stanna.de

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IHRE MAJESTÄT RITA SCHÜSSLER - DANK AN DAS VOLK

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ST.ANNA INSIDE - WIE ALLES BEGANN

125 Jahre St. Anna Schützen

Der Anfang

Von den Bruderschaften im Bezirk Düren-Süd sind 13

Bruderschaften von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts gegründet

worden. So auch unsere Bruderschaft.

In Berzbuir gab es im Ortsteil "Auf dem Pütz", im heutigen Haus

Wendler, eine Gaststätte. Wirtin war damals die Witwe Briem. In dieser Gaststätte

trafen sich am 10. Sept. 1893 dreißig Berzbuirer Männer zur Gründung einer

Schützengesellschaft, der Bogenschützengesellschaft Berzbuir, aus der dann

später die St. Anna Schützenbruderschaft 1893 e.V. hervorging.

Leider wissen wir heute nicht mehr,

wer genau zu den Gründungsmitgliedern

gehörte. Die meisten

Unterlagen und auch die erste

Fahne des Vereins sind im 2.

Weltkrieg verloren gegangen. Sicher

ist wohl, das Anton Labroir der erste

Präsident und Anton Bauer der erste

Schützenkönig des neu gegründeten

Vereins war. Aus dem Protokollbuch

aus dem Jahre 1934 geht hervor,

das zu diesem Zeitpunkt noch 11

Gründer als Ehrenmitglieder im

Verein waren. Der junge Verein

muss einen raschen wirtschaftlichen

Aufschwung genommen haben,

denn schon beim zweiten Stiftungsfest

im Jahre 1894 hatte der Verein

ein eigenes Festzelt. Auf dem Plakat

von 1894 ist die Rede von einem

"Riesenzelt" von 280 qm. Dieses Zelt wurde auch verliehen und es wurde schon

um die Jahrhundertwende bei einem Sturm in Düren zerstört. Eine Reparatur war

wohl nicht sinnvoll, denn die Reste wurden verkauft.

Fortsetzung Seite 16

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ST.ANNA INSIDE - SCHWIERIGER WIEDERANFANG

125 Jahre St. Anna Schützen

12.300,00 Mark kostet die Musik

Der erste Weltkrieg beendete 1914 das Schützenwesen in Berzbuir

weitgehend. Mehr als 41 Schützenmitglieder mussten den

Waffenrock anziehen und für "Kaiser und Reich" die "Heimat

verteidigen". Zwölf Mitglieder starben im ersten Weltkrieg des 20.

Jahrhunderts, der vom Großmachtstreben des Kaiser Willhelm II.

und Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg mit ausgelöst wurde, indem

das Deutsche Reich Österreich-Ungarn uneingeschränkte Unterstützung gegen

Serbien zugesagt hatte.

Im Jahre 1919 fanden sich die

Berzbuirer Bogenschützen dann wieder

zusammen. Am 17.12.1919 übernahm

Jakob Bauer als Kassenführer die

Kasse. Das erste Gebot war in dieser

Zeit wohl, die wirtschaftliche Basis des

Vereins nach dem Krieg wieder

herzustellen. Am 30. Mai 1920 luden die

Berzbuirer Schützen daher zu einem

Tanzabend in den Saal Feron in

Lendersdorf ein. Im Herbst 1920 fand in

Berzbuir dann eine Herbstkirmes statt,

bei der auch wieder ein Schützenkönig

ausgeschossen wurde.

Ab 1921 wurde dann im Oktober wieder

ein Schützenfest im gemieteten Festzelt

gefeiert. 1922 war die Inflation aber

schon deutlich zu spüren. Für die Musik mussten in diesem Jahre 12.300,00 Mark

bezahlt werden. Die gesamten Einnahmen beim Schützenfest betrugen in diesem

Jahr 51.688,00 Mark. Protokollführer war in dieser Zeit Josef Möbers. Dessen

Eintrag im Protokollbuch aus dem Jahre 1923 zeigt die schwierige Situation nach

dem ersten Weltkrieg ganz deutlich. Er vermerkte im Protokollbuch nur: "Im Jahr

1923, dem Jahr der Milliarden und Billionen, ist keine Kirmes gehalten worden"

Fortsetzung Seite 18

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ST.ANNA INSIDE - LANGSAM AUFWÄRTS

125 Jahre St. Anna Schützen

Schützenplatz als Vermögenssicherung

Ab 1925 ging es mit den Berzbuirer Schützen dann langsam wieder

aufwärts. Die Bogenschützegesellschaft ermittelte auf dem

Schützenfest (Kirmes) am ersten Sonntag im August erstmals einen

König mit der Donnerbüchse, die der Birgeler Bürger Josef Kronen

zur Verfügung gestellt hatte. Ein eigenes Gewehr konnten sich die

Berzbuirer Schützen wohl noch nicht leisten.

1927 erfahren wir aus den Protokollbüchern, dass die Musikkapelle Maurer aus

Kofferen wieder zum Fest aufspielt, also offenbar nicht zum ersten Mal. Eine

Bogenschützengesellschaft Birgel wird 1927 zum Fest eingeladen, demnach gab

es zu dieser Zeit in Birgel zwei Gesellschaften. Die Versammlungen im der

Dorfwirtschaft dauerten meist bis lange nach Mitternacht. Nicht selten soll dann der

Dorfpolizist die Versammlung mit dem deutlichen Ruf "Feierabend" beendet haben.

Obwohl in dieser Zeit kaum Geld zur Verfügung stand, wurde 1930 über die

Anschaffung einer neuen Fahne konrtovers diskutiert. Fortsetzung Seite 20

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ST.ANNA INSIDE - VERMÖGEN GESICHERT

Die einen wollten eine Mutter Anna auf der Fahne, die anderen nur

das Wappen mit Landschaft und keinesfalls ein kirchliches Symbol,

da man ja ein weltlicher Verein sei. Das Abbild einer weiblichen

Heiligen ginge schon gar nicht. Man sei ja ein Männerverein.

Letztlich einigte man sich doch auf "Landschaft mit Mutter Anna" und

zahlte die neue Fahne mit 220,00 RM schon mal an.

Im Jahre 1930 gab es dann aber eine, noch heute für uns wichtige, Investition. Es

gelang, einen Teil des heutigen Schützenplatzes von Frau Klare Eppenich zum

Preis von 600,00 RM zu erwerben. Eine gute und weitsichtige Entscheidung,

gerade auch vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und gefährdeten

Bankkonten. Dass die Zeiten schwierig waren, zeigt folgende Begebenheit. Als die

Spar- und Dahrlehnskasse in Lendersdorf 1929 in eine finanzielle Schieflage

geriet, mussten die Schützen um Ihre Ersparnisse fürchten. Es gelang dem

Vorsitzenden aber "auf Umwegen" und über mehrere kleinere Abhebungen und

Überweisungen das Guthaben in Höhe von 500,00 Reichsmark für die Schützen

zu sichern. Die wurden dann wohl für den Kauf des Grundstückes genutzt.

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ST.ANNA INSIDE - DUNKLE ZEIT

125 Jahre St. Anna Schützen

Diktatur mit Volkes Segen

Der Geist der Zeit war schon mehrere Jahre zu spüren, als 1933 die

NSDAP und Hitler an die Macht kamen. In den Versammlungsprotokollen

sind Anfang der 30er Jahre keine Veränderungen zu

finden, es ist aber vom "Geist der neuen Zeit" die Rede. 1933

erzielte die NSDAP bei den Reichstagwahlen dann erstmals auch im

"schwarzen" Berzbuir ca. 30% der Stimmen (Zentrumspartei 116, NSDAP 50

Stimmen).

1934 beschreibt der Chronist zum ersten mal, dass die Versammlung mit dem

Deutschen Gruß (Hitler Gruß) eröffnet wurde. Der Vorstand schlug in dieser

Versammlung vor, die Berzbuirer und die Kufferather Schützen sollten sich

zusammenschließen. Dieser Vorschlag ist offenbar von außen an die Gesellschaft

herangetragen worden, denn es ist auch von einem "Druck ausüben" seitens des

Kreissportführers im Protokoll die Rede. In Juli 1933 musste ein neuer Vorsitzender

gwählt werden, da der langjährige Vorsitzende Johann Labroir zurückgetreten war.

Der zurückgetretene Vorsitzende Johann Labroir schloß die Versammlung mit dem

Hinweis, "im Sinne Adolf Hitlers weiter zu arbeiten zum Wohle für Volk und

Vaterland" und mit einem kräftigen "Sieg Heil" auf Reichspräsident und

Reichskanzler. Die Beweggründe für diese Schlußformel mögen gezieltem Druck

zur Aufgabe des Amtes entspringen.

Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden wurde Peter Paulus. Dann wurde

jedoch, zwei Wochen später nochmals gewählt, wobei dann Josef Schmidt das

Amt des "Vereinsführers" übertragen wurde. Damit hielt auch der "Führerbegriff"

Einzug in die Amtsbezeichnungen der Gesellschaft. Es ist nicht überliefert, warum

diese ungewöhnliche Mehrfachwahl notwendig wurde. War Peter Paulus zum

Rücktritt gedrängt worden, oder gab es andere persönliche Gründe? Das

Protokollbuch trägt hier nicht zur Aufklärung bei.

In der Folge trat der Verein dem Deutschen Schützenbund bei. Ob damit zeigleich

auch ein Austritt aus dem Christlichen St. Sebastianus Schützenbund erfolgte, geht

aus den Aufzeichnungen allerdings nicht hervor.

Fortsetzung Seite 22

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ST.ANNA INSIDE - DUNKLE ZEIT

Wer gehofft hatte, dass jetzt eine neue Zeit der Blüte anbricht,

täuschte sich schrecklich. Die Bruderschaften kamen zunehmend,

auch wegen ihrer kirchlichen Nähe, unter politischen Druck. So zog

der Ungeist der Zeit auch in unseren Reihen ein. Befördert hat das

die Entwicklung des Vereins nicht.

In den Jahren 1935 bis 1937 gibt es kaum Protokollnotizen, was darauf hindeutet,

das viele Mitglieder die erzwungene, völkische Ausrichtung nicht aktiv mit trugen.

Das letzte Schützenfest vor dem 2. Weltkrieg wurde dann 1938 gefeiert. Die

Protokolle enden am 30.Mai 1939. Dann überzog Hitler und mit Ihm, Teile des

Deutschen Volkes, die Welt mit Mord und Totschlag. Der 2. Weltkrieg begann.

1930

Fortsetzung Seite 28

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HISTORISCHE ANSICHTEN

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ST.ANNA INSIDE - DER WIEDERAUFBAU

125 Jahre St. Anna Schützen

Der Wiederaufbau

Im Jahre 1949 nahm die Bogenschützengesellschaft Berzbuir den

Geschäftsbetrieb wieder auf. Ein Zeichen für einen Neuanfang war

die auf der ersten Versammlung nach dem 2. Weltkrieg im

Vereinslokal Balter beschlossene Namensänderung. Die

Gesellschaft erhielt den neuen Namen "St. Anna Schützenbruderschaft

Berzbuir e.V.". Im selben Jahr trat die Bruderschaft dann dem Bund

der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften bei.

Im Krieg gingen leider Königssilber, Fahnen und das 1930 erworbene einzige

Gewehr verloren. Trotzdem wurde im Rahmen der Möglichkeiten Schützenfest

gefeiert. Erster Schützenkönig hinter der neuen Fahne wurde Kaspar Faßbender.

Vermutlich wurde der König

wieder mit einem geliehenen

Gewehr ermittelt, denn ein

neues, eigenes Gewehr

konnten sich die St. Anna

Schützen erst wieder im

Jahre 1955 leisten.

Die neue Fahne hat Frau

Irlen aus dem Malergeschäft

Irlen aus Lendersdorf

offensichtlich noch früh im

Jahr 1949 angefertigt, denn

sie zeigt, trotz der

Namenänderung im selben

Jahr, noch die alte

Vereinsbezeichnung "Bogen-

Schützen-Verein-Berzbuir".

Die Fahne wurde nicht

gestickt, sondern gemalt. Die Kosten betrugen, für die Anfertigung und Bemalung

180,00 DM, zuzüglich 35,00 DM für Material. Die Fahne existiert noch heute und

wird auch im Jubeljahr wieder den Festzug begleiten.

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ST. ANNA INSIDE - ENTWICKLUNG NACH DEM KRIEG

125 Jahre St. Anna Schützen

Die Jahre nach dem Krieg

Seit der Wiedergründung 1949 wurde wieder Schützenfest in

Berzbuir gefeiert. Das Zelt stand auf dem schon 1930 erwobenen

Grundstück (heute stehen zum Schützenfest auf diesem Teilstück die

Schausteller). Dabei genehmigte es Jakob Bauer stets, sein

angrenzendes Grundstück mit zu nutzen.

Schon 1954 erfolgte die erste gemeinsame Vereinsfahrt zum Kloster Steinfeld und

weiter, über Blankenheim zum Nürburgring. Dort wurde dann im Nürburgring-Hotel

gekegelt. Danach klang der Abend in den Concordia-Festsälen in Euskirchen aus.

Besonders vermögend war der Verein zu diesem Zeitpunkt wohl nicht, denn es

wurde von jedem Mitglied zum Schützenfest ein Festbeitrag in Höhe von 0,50 DM

eingezogen. Trotzdem entwickelte sich der Verein dynamisch und so konnte 1955

wieder ein Gewehr und schon 1956 eine neue Fahne zum Preis von 1078,00 DM

angeschafft werden. Lieferant der Fahne war die Bonner Fahnenfabrik. Die Jahre

waren musikalisch geprägt von der Kapelle Loup, die in dieser Zeit sehr häufig das

Berzbuirer Schützenfest musikalisch gestaltete.

1961 wurde der gesamte "Schützenplatz" Eigentum der St. Anna Schützen. Das

verdanken wir Jakob Bauer. Seine Obstwiese grenzte, im hinteren Teil, an das

schon 1930 von den Schützen erworbene Grundstück. Das langjährige Mitglied (er

war zu diesem Zeitpunkt schon 58 Jahre Miglied) schenkte den Schützen das

Grundstück. Noch im gleichen Jahr wurde der Eigentumsübergang beurkundet.

Der Schützenplatz wurde später dann der Stadt Düren verpachtet, damit er in die

Neugestaltung der Ortsmitte integriert werden konnte. Dies hatte vor allem

haftungstechnische Gründe. Seitdem ist das Gelände hinter dem Berzberger Haus

als Dorfplatz mit Kinderspielplatz gestaltet worden und das angrenzende

Schützengrundstück konnte in diese Grünanlage bautechisch einbezogen werden.

Die sechziger Jahre waren die Jahre der Kameradschaftsabende. In wechselnden

Lokalitäten wurde fast in jedem Jahr eine Gemeinschaftsveranstaltung

durchgeführt. Zum 75-jährigen Gründungsfest 1968 wurde in einem etwas

größeren Rahmen gefeiert. Es wurden zahlreiche Bruderschaften eingeladen, ein

Großer Zapfenstreich wurde gespielt und das jährliche Pokalschießen mit den

Schützen aus Kufferath wurde begründet.

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BERZBUIR INSIDE - MEHR ALS NUR EIN SCHÜTZENVEREIN

125 Jahre St. Anna Schützen

Aufbruch in die neue Zeit

1969

Beginnend schon in den 70er Jahren des letzen Jahrhunderts weiteten die

Schützen ihre Aktivitäten im und außerhalb des Vereins zunehmend aus. So wurde

sich 1971 im Karneval in Lendersdorf zusammen mit der Feuerwehr mit einem

eigenen Wagen engagiert. 1972 wurde die Kapelle in Berzbuir renoviert und 1973

wurde Dietmar Steltzner erster Jungschützenprinz. 1973 wurden auch viele

Straßenbezeichnungen in Berzbuir im Rahmen der kommunalen Neugliederung

entsprechend den Vorschlägen der Schützen geändert.

Fortsetzung Seite 39

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BERZBUIR INSIDE - MEHR ALS NUR EIN SCHÜTZENVEREIN

125 Jahre St. Anna Schützen

Aufbruch in die neue Zeit

In selben Jahr wurde die von den Schützen durchgeführten

Haussammlungen für die Renovierung der Pfarrkirche in Lendersdorf

mit einen Gesamtergebnis von 5172,00 DM abgeschlossen.

In den Folgejahren wurde sich am Pfarrfest in Lendersdorf beteiligt

und es wurde an einem Benefitz-Fussballspiel der Berzbuirer

Ortsvereine zu Gunsten des Dürener Waisenhauses teilgenommen. Mit der Stadt

Düren wurden Vorschläge zur Gestaltung des geplanten Berbuirer Bürgerhauses

diskutiert und es wurden entsprechende Vorschläge gemacht. Der erste

Spatenstich erfolgte dann am 29.10.1979. Die Fertigstellung des Hauses erfolgte,

nach diversen Stillständen der Bauarbeiten, allerdings erst 1982.

1980 erfolgte mit der Öffnung der Bruderschaft für weibliche MItglieder dann eine

Neuausrichtung des Vereins. Diese beförderte das Vereinswesen deutlich, wenn

auch die wirtschaftlichen Herausforderungen des Umfeldes immer größer wurden.

Die Musikkosten wurden immer höher (ist übrigens noch heute so) und die

Einnahmen des Schützenfest sanken, so dass ein auskömmlicher Ertrag immer

schwieriger zu erzielen war. Erkennend, dass sich diese Entwicklung nicht

kurzfristig aufhalten ließ, wurde nach weiteren Ertragsfeldern gesucht.

So wurde 1982 kurzerhand, im noch nicht eröffneten Berzberger Haus, das erste

Oktoberfest gefeiert. Mit 160 Liter Eifelbier ein paar Bretzen und Grillwürstchen

legte der Vorstand damals den Grundstein für das Oktoberfest in Berzbuir wie Sie

es heute kennen. Zum 90-jährigen Stiftungsfest 1983 wurde unser Schützenfest

dann aber, zumindest stimmungsmäßig, wieder zu einer sehr erfolgreichen

Veranstaltung. Auf Vermittlung von Josef Wienands spielte das "Ötztalecho", eine

Musikkapelle aus Umhausen in Östereich. Alle, die diesen Hüttenzauber in

Berzbuir erlebt haben, erinnern sich noch heute mit Begeisterung an dieses Fest.

In den nächsten Jahren wurde beim Schützenfest zunehmend mehr Wert auf eine

gute Musikauswahl gelegt.

Rückblickend muss man sagen, die weitsichtige Entscheidung des Vorstandes aus

dem Jahr 1982, neben dem Schützenfest auch ein Oktoberfest zu veranstalten, hat

den Verein nicht nur stabilisiert, sondern auch zukunftssicher aufgestellt.

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ST.ANNA INSIDE - DIE MODERNE ZEIT

125 Jahre St. Anna Schützen

Mit Anlauf ins neue Jahrtausend

Die neunziger Jahre waren geprägt von von einer verstärkten

Jugendarbeit des Vereins. Es wurden Ausfahrten und

Schnitzeljagden durchgeführt und 1992 die bestehende Altersgrenze

für die Aufnahme von Kindern entfiel. Auch der Frauenanteil

entwickelte sich positiv. Ende 1992 betrug der Anteil bereits 20% .

Das 100 Jährige Gründungsfest wurde 1993 mit einer neuen Fahne gefeiert. Im

gleichen Jahr wurde ein Bildstock am Knipp errichtet. 1993 feierte auch die

Brauerei Röhr aus Kreuzau ihr 100 jähriges Bestehen. Röhr Bier wurde seit Ende

der siebziger Jahre in Berzbuir eingeschenkt. Im Jahre 1998 wurde der

Brauereibetrieb dann eingestellt. Heinz Rottscheid, der Inhaber des Brauhauses

Röhr, blieb aber noch bis 2003 unser Festwirt.

1998 wurde beschlossen, die Kommunikation

breiter aufzustellen und in jedem Jahr auch eine

Festschrift herauszugeben. Das hatte natürlich

auch finanzielle Gründe, denn eine solche

Festschrift liefert ja auch, durch Inserate, einen

finanziellen Beitrag. Nach bescheidenen

Anfängen ist das Heft heute integraler Bestandteil

unseres Festes und birgt neben den üblichen

Vereinsinformationen heute auch immer so

manche redaktionelle Überraschung. Die

Festschrift wird in einer Auflage von 2500 Stück

gedruckt und kostenlos in die umliegenden

Haushalte verteilt. Im Jahr 1999 gingen die St.

Titel der ersten Festschrift 1998

Anna Schützen dann mit einer eigenen

Interntseite online. Seit 2004 betreiben die Schützen auch die Dorfwebsite

www.berzbuir.de. Ein erster Ausfluß der verstärkten Arbeit der Jugendvertretung

war dann im Jahr 2003 die erste "Dance-Night" der St. Anna Schützen im Festzelt

in Berzbuir. Seitdem ist die Dance-Night Berzbuir der schon traditionelle Opener

des Schützenfestes am Freitag Abend. Was wir damal noch "Disco" nannten ist

heute eine etablierte Zeltparty mit wechselnden DJ-Crews.

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Fortsetzung Seite 46


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ST.ANNA INSIDE - ZUKUNFT UND VERGANGENHEIT

125 Jahre St. Anna Schützen

Zukunft und Vergangenheit

Die schon seit Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts,

noch unter dem Vorsitz des Vorsitzenden Willi Schleicher, eingeleitete

breitere Aufstellung der St. Anna Schützen führte zu einer Menge mehr

Arbeit, trug aber auch sehr zur Stabilisierung des Vereins und zur

Annäherung der Generationen bei. Die damalige Vereinsjugend fühlte sich

ernst genommen und brachte eigene Vorschläge ein. Einer der Vorschläge war es, sich bei

den Mitgliedern und Freunden jedes Jahr für die aktive Arbeit zu bedanken. Eigentlich eine

Selbst-verständlichkeit. Ergebnis

war dann eine Fahrt der St. Anna

Schützen zum Wintertraum ins

Phantasialand in Brühl, die

gemeinsam mit den Freunden

von der Freiwilligen Feuerwehr

Berzbuir am 03. Januar 2004

erstmals durchgeführt wurde.

Diese Veranstaltung führen wir

noch heute nach den

Weihnachtsfeiertagen durch und auch die 15. Fahrt nach Brühl erfreute sich 2018 eines

regen Zuspruchs.

Mehr als nur Feiern

Der Sinn einer Bruderschaft geht aber weit über die Themenn "Feste" und "Feiern" hinaus.

So ist es auch Anspruch immer wieder in Erinnerung zurufen, welch einen Wert der Friede

für die Menschen hat. Im Jahre 2005 errichtete die Arbeitsgemeinschaft Dorfgeschichte in

den St. Anna Schützen ein Erinnerungszeichen in Form eines Kreuzes an der Ecke

Gräfchen/Berzbzuirer Strasse. Hier wurde am 14 Dezember 1944 der Soldat Albert

Weinzorn von einrückenden amerikanischen Truppen erschossen, als er sich mit zwei

Kameraden ergeben wollte. Einer seiner Kameraden, Jakob Zündorf berichte uns dann

2004 von dieser tragischen Begebenheit. Er führt den Todesschuß auf ein Missverständnis

und die schlechten Kenntnisse der englischen Sprache zurück. Er glaubt, dass die von

Albert Weinzorn gerufenen Worte "we are Friends" von den Amerikanern als "we are french"

verstanden wurden. Franzosen in deutscher Unform hätte den amerikanischen Soldaten

sicher nicht gepasst. Albert Weinzorn, Sohn einer Winzerfamilie aus dem Elsass starb mit 28

Jahren, wie Millionen anderer Menschen in diesen Tagen, und wie hunderttausende

Menschen noch heute, einen völlig sinnlosen Tod. Er wurde zunächst unmittelbar am Ort

seines Todes in Berzbuir begraben und 1950 in das Familiengrab im Elsass umgebettet.

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ST.ANNA INSIDE - IM NEUEN JAHRTAUSEND

125 Jahre St. Anna Schützen

Es geht immer weiter - und das ist gut so

2005 wurde auch unser Festschriftkonzept überarbeitet und der

Anteil allgemeiner, redaktioneller Beiträge deutlich ausgeweitet. Sie

sollte künftig noch mehr regionale Bezüge haben und über den

Verein hinaus berichten. In der Folge dieses Beschlusses wurde

dann in den nächsten Jahren so manche Glosse geschrieben,

Geschichtliches aus der Region eingeflochten und auch auf mache regionalen

Missstände und Skandale aufmerksam gemacht. Nicht immer zur Freude der

Politik. Immer aber mit unserer festen Überzeugung, dass die offene Parteinahme

wichtig ist, das Bild des Vereins mit prägt und den Verein selbst sogar noch stärkt.

2007 war ein recht ruhiges Jahr mit den üblichen Veranstaltungen. Im Jahre 2008

gab es dann endlich und mehr als hochverdient für die Königsmusiker neue T-

Shirts. Unsere Berzbuirer Kapelle forderte in diesem Jahr einmal mehr unseren

Arbeitseinsatz. Die Kapelle bekam, finanziert von den St. Anna Schützen, einen

Stromanschluss. Erfreuliche Nebenwirkung: Unser alle 5 Jahre durchgeführtes

Kapellenenfest wurde energietechnisch etwas unabhängiger.

2009 wurden die neuen, individuellen Ehrenzeichen eingeführt. Für 25 Jahre

Mitgliedschaft wird seitdem die goldene St-Anna-Ehrennadel verliehen. Daneben

gibt es jetzt für 40- und 50-jährige Mitgliedschaft den St. Anna Orden. Wer 60 Jahre

Mitglied der St. Anna Schützen ist, wird mit dem St.Anna Ehrenkreuz

ausgezeichnet. 2009 hatte auch einen kullinarischen Aspekt. Die

Arbeitsgemeinschaft Dorfgeschichte brachte das 1. Berzbuier Kochbuch heraus.

Die Erstausgabe und ein Folgeband sind noch heute über den Berzbuirer

Geschichtsverein zu beziehen.

Im Jahre 2010 wurde unsere, heute recht erfolgreiche Schießmannschaft, neu

gegründet. Das Bauwagenprojekt der Jugend wurde mit massiver Hilfe unseres

Schützenbruders Friedel Lövenich und mit monitärer Unterstützung der Volksbank

Lendersdorf umgesetzt. Wir waren Ausrichter des Bezirksschützenfestes des

Beziksverbandes Düren-Süd. Auf diesem Fest waren fast alle Vereine des

Verbandes Gast in Berzbuir und wollten die St. Anna Schützen im Festzug

begleiten. Das Bezirksschützenfest in diesem Jahr sollte ein weiteres Highlight in

der Vereinsgeschichte werden. Fortsetzung Seite 52

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125 Jahre St. Anna Schützen - Das Schützenfest in Berzbuir


Das Jubiläumschützenfest 2018

125 Jahre St Anna Schützen - 650 Jahre Berzbuir

Freitag 17. August

19:30 Uhr Dance-Night mit DJ Tisy

Die geilste Zelt - Fete im Kreis

(St. Anna Bezahl-Chips nutzbar)

Samstag 18. August

19:00 Uhr Umzug mit Großem Zapfenstreich auf dem Bauschhof

20:00 Uhr Eröffnungsball mit der HSO Gala und

Partyband (Happy Sound Orchestra)

Sonntag 19. August Schützenfest in Berzbuir

10:00 Uhr Gottesdienst im Festzelt mit dem JBO Lendersdorf (Die Einnahmen

aus der Kollekte dienen der Pflege und dem Unterhalt der Berzbuirer Kapelle)

anschl. Ehrung verdienter Mitglieder der St. Anna Schützen

Koninklijke Muziekkapel Brandweer Zele (BE)

Schüler- und Prinzenvogel - Schuß der St. Anna Schützen

13:30 Uhr Empfang der Ortsvereine und Gastbruderschaften

15:00 Uhr Jubiläums Festzug zum Schützenfest 2018

16:00 Uhr Koninklijke Muziekkapel Brandweer Zele (BE)

20:00 Uhr Die 5. Nacht der Blasmusik Erftblech - LIVE

Montag 20. August

10:00 Uhr Frühstück im Berzberger Haus für alle Bürgerinnen und

Bürger von Berzbuir (Unterstützt durch die IG-Berzberger-Haus)

11:00 Uhr Frühschoppen mit DJ Thomas im Festzelt

12:30 Uhr Verlängerter Frühschoppen mit spannendem Königsvogelschuss

zur Ermittlung der neuen Majestäten 2017/2018

19:30 Uhr Umzug durch den Ort zur Präsentation der neuen

Würdenträger

20:00 Uhr Großer Königsball mit der Xist Partyband

Dienstag 21. August - "Danke-Fest" jetzt laden wir Sie ein

13:00 Uhr Ausklang mit Grillfest und Getränken für alle Bürgerinnen und Bürger

auf dem Festplatz (Getränke und Speisen kostenlos, so lange Vorrat reicht)

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ST.ANNA INSIDE - IM NEUEN JAHRTAUSEND

125 Jahre St. Anna Schützen

Freunde, Spass und Tradition

Zweifellos war es das auch, nur anders als wir es geplant und erhofft

hatten. Viele Gäste, die doppelte Anzahl Musikvereine, und das Meer

der Fahnen der Gastbruderschaften standen zum Festzug bereit.

Der fand dann aber leider nicht statt. Ein über Stunden anhaltender

Sturzregen zwang alle Gäste im Festzelt zu verweilen. Der feierliche

Höhepunkt des Festes fiel buchstäblich ins Wasser. Der Stimmung tat das letztlich

keinen Abbruch und der Festwirt konnte seine Freude über den unerwartet hohen

Umsatz nicht verbergen.

2011 bestand dringender Handlungsbedarf mit Blick auf unser Schützenhäuschen

am Schießplatz. Dacheindeckung und Teile des Dachstuhls mussten erneuert

werden. Das Schützenjahr verlief ansonsten traditionell. Highligt des Jahres war

eindeutig das Kreisfeuerwehrfest an Pfingsten 2011, das die Freiwillige Feurwehr

Berzbuir anlässlich ihres 100. Gründungsfestes veranstaltete. Die Freunde der

Brandweer Zele aus Ostflandern in Belgien rückten natürlich in Mannschaftsstärke

und mit der Feuerwehr-Musikkapelle an.

Eine neue Veranstaltung der Schützen, im Rahmen des Weihnachtsmarktes auf

dem Bauschhof, erregte im Jahre 2012 überregionale Aufmerksamkeit. Die "Intern.

Deutschen Meisterschaften im Weihnachtstbaumweitwurf" lockte schon im ersten

Jahr über 100 Teilnehmer an und wurde so unmittelbar zur Tradition. Einigen

"Bedenkenträgern" mussten wir allerdings erklären, dass der "Weinhachtbaum"

kein christliches Symbol ist, es nie war und dass wir lediglich mit Holz in Form

einer Tanne werfen. Heute ist die Veranstaltung etabliert und bringt jedes Jahr

vielen Besuchern viel Spass.

2013 wurde die Berzbuirer Kapelle vom Verein in Eigenregie grundsaniert. Die

fachliche Begleitung des Projektes übernahm das Rheinische Amt für

Denkmalpflege. Um eindringende Feuchtigkeit zu reduzieren, wurde der

Eingangsbereich neu geplastert, eine Wassersperre wurde eingebaut und der

Boden der Kapelle wurde komplett isoliert und in regionstypischem roten Sandstein

ausgeführt. Bauleiter war wieder Friedel Lövenich und die Fa. Weiler aus

Gürzenich spendete einen Teil des benötigten Materials.

Fortsetzung Seite 55

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ST.ANNA INSIDE - IM NEUEN JAHRTAUSEND

125 Jahre St. Anna Schützen

Investitionen in die Zukunft

2014 errichteten die Schützen die Informationstafel am Bauschhof.

Hier wurde in übersichtlicher Form die Historie des denkmalgeschützen

fränkischen Viereckhofes und die wechselnden

Besitzverhältnisse seit dem Jahre 1403 dargestellt. Dank der

Unterstützung des heutigen Besitzers, Hermann Mugele, bildet der

Bauschhof zu Berzbuir die mittelalterliche Kulisse für unseren jährlichen

Weihnachtsmarkt am 2. Advent. In unserer Festschrift erschien in diesem Jahr eine

Glosse zu einen angeblich geplanten Friedwald auf dem Berzberger Knipp, die

zahlreiche Nachfragen unserer Leser auslöste. Am 01.09.2014 schlossen sich die

St. Anna Schützen dem Dürener Netzwerk "Vorfahrt Kinderschutz" an und die

entsprechenden Verträge wurden mit dem Kreis-Jugendamt gezeichnet. Zur

Verbesserung der Kommunikation mit unseren Mitgliedern und Freunden wurde

dann Ende 2014 auch eine Smartphone-App (stanna.DEApp) eingeführt. Ab da

konnte jeder der wollte, den Verein immer auf seinem Handy dabei haben. Ein

Erfolg für das ganze Dorf war 2014 der erstmals errungene Titel eines Golddorfes

beim Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft".

Im Jahre 2015 kümmerten sich die St. Anna Schützen um die Dorfkultur.

"Kneipenkonzert" war das Schlagwort und die Konzertreihe "Berzberger

Hauskonzert" wurde gegründet. Als erste Künstler vor ausverkauftem Haus traten

Elmar Valter und Peter Bernards mit ihren Interpretationen der Beatles auf. Seit

2015 findet in jedem Jahr mindestens ein Berzberger Hauskonzert statt. Im

gleichen Jahr wurde ein Projekt umgesetzt, das schon viele Jahre in Planung war.

Der "Offene Bücherschrank" im Berzberger Haus. Unsere Schießmannschaft hatte

sich zwischenzeitlich so gut entwickelt, das wir neue Matchgewehre anschaffen

konnten. Unsere Freunde vom Haklerverein Laufach, die unser Oktoberfest und

die Rheinischen Meisterschaften im Fingerhakeln bereits seit dem Jahre 2012

besuchen, feierten 2015 ihr 35. Gründungsfest und die St. Anna Schützen waren

natürlich mit dabei. Beim Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft, errang

Berzbuir dann auch noch einen Silberplatz. Hermann Mugele ließ auf seinem

Bauschhof eine alte Tradition wieder aufleben. Wir feierten alle gemeinsam das

Erntedankfest mit einem ökomenischen Gottestdienst. Seit 2017 feiern wir das

Erntedankfest mit einem evangelischen Familiengottesdienst, da der katholische

Pfarre auf Anweisung eine Teilnahme untersagt wurde. Fortsetzung Seite 57

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ST.ANNA INSIDE - IM NEUEN JAHRTAUSEND

In diesem Jahr findet das Erntedankfest am 7. Oktober und

hoffentlich wieder mit Beteiligung der katholischen Kirche statt.

2016 war ein fast normales Schützenjahr. Unser Hauskonzert, das

Schützenfest, unser Oktoberfest und der Weihnachsmarkt standen

auf dem Programm. Herauszuheben ist aber der Ehrenamtspreis des Kreises

Düren, mit dem unsere Dorfjugend 2016 ausgezeichnet wurde. Am 18. und

19.06.2016 feierte dann die Freiwillige Feuerwehr Berzbuir und die Brandweer

Zele (BE) ihre 30-jährige Partnerschaft. Schon seit 2010 bezeugt ein alter Hydrant

vor dem Berzberger Haus, ein Gastgeschenk der Brandweer Zele, die seit 1986

bestehende Freundschaft der beiden Wehren.

Im Jahre 2017 gab es bei den St. Anna Schützen keine größeren Projekte aber

wie immer ein Fülle von Veranstaltungen und Angebote, von der Winterreise über

die Ausfahrt nach Zele bis zu unseren Jugendfreizeiten. Die St. Anna Schützen

wurden 2017 ganz automatisch und nur aufgrund der längst überfälligen Öffnung

unseres Dachverbandes gemeinsam mit dem gesamten Schützenwesen

"Weltkulturerbe". Das freut uns natürlich sehr, weil es eine gesellschaftliche

Anerkennung unserer Arbeit zum Ausdruck bringt.

Das diesjährige Jubeljahr 2018 begann wieder mit unserem Hauskonzert unter

dem Motto "Kölsche Nacht" Hier spielte die Band "ZACK" mit 10 Musikern im

Berzberger Haus. Außerplanmäßig wurde zum 650-jährigen Ortsjubiläum auch das

Berzbuirer Kapellenfest gemeinsam mit Fussballverein, Geschichtsverein und

Feuerwehr am 26.05.2018 veranstaltet. Ein tolles Fest, dessen Ertrag dem

Unterhalt der Berzbuirer Kapelle dient. Rechtzeitig zum Fest haben wir das

"Eiserne Kreuz" auf dem "Kriegerdenkmal" wieder durch ein christliches Symbol

(Madonna mit Kind) ersetzt. Damit wurde das Denkmal wieder in einen ähnlichen

Zustand zurückgebaut, wie es bei der Einweihung war. Damals war auf dem Kreuz

der Christuskopf mit der Dornenkrone abgebildet. Das Denkmal soll ausdrücklich

kein "Kriegerdenkmal" sein, sondern es soll an alle Opfer von Krieg und Gewalt auf

der Welt erinnern und dazu zählen natürlich auch die gefallenen Soldaten. Wir

lehnen eine Heldenverehrung und die damit einhergehende Instrumentarisierung

von Leid und Tod ab. (siehe auch Bericht Seite 93)

Schauen wir mal, was unser Jubeljahr im Jahreslauf noch Berichtenswertes bringt.

125 Jahre St. Anna Schützen - 650 Jahre Berzbuir ! (Autor: D.Hacky info@stanna.de)

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ST. ANNA KLARTEXT – STANDPUNKT

RECHTS ist einfach zu einfach

Amöbe Hinstrukturen brauchen wir nicht

Allerorts schießen rechte Populisten aus der Deckung. Populisten,

die mit einfachen Botschaften einfache Lösungen verkünden, die

Ausländer, andersgläubige und politische Gegner mit Hass und

Häme überziehen und die ausschließlich ihre eigene gottgleiche

Wahrheit verkünden. Sie verkürzen und nutzen die Probleme der

Gesellschaft als Katalisator. Sie sprechen von Lügenpresse und und präsentieren

ihre eigenen „alternativen Fakten“ und ihre scheinbar einfachen Lösungen.

Nie analysieren sie tiefgreifend, beschäftigen sich mit den vielfältigen Problemen

einer globalisierten Welt, hinterfragen z.B. auch nie, warum aktuell so viele

Flüchtlinge nach Europa drängen. Die Menschen fliehen überwiegend vor Armut,

Ausbeutung und Krieg, aus Ländern, auf deren Kosten wir leben, deren Menschen

wir als Arbeitssklaven an „verlängerten“ Werkbänken beschäftigen und deren

Kriege wir mit Waffen und Geld befeuern. Wenn hier nicht ganz schnell umgedacht

wird und wir nach Kräften versuchen die Probleme dieser Länder im

Staatenverbund zu lösen, dann wird unsere Profitgier eine Völkerwanderung

auslösen, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat.

Die Trumps, Seehofers und Söders dieser Welt wissen das auch. Trotzdem

bedienen sie die Ängste der Menschen, ohne wirklich dieser Entwicklung

entgegenzutreten und nach intelligenten und gemeinsamen Lösungen zu suchen.

„Amerika First“ ist sicher das falsche Vorbild. Dass ein Mann wie Trump, der nichts

anderes kennt als die Selbstbefriedigung seines egomanischen und narzisstischen

Charakters, Präsident der USA ist, ist schon schlimm genug. Dass aber jetzt auch

noch deutsche Politiker, von denen wir dachten, das ihr IQ und ihre analytischen

Fähigkeiten doch weiter entwickelt wären als die des Herrn Trump, nun das

Gehabe und den Wortschatz dieses amöben Denkers aus reinen machtpolitischen

Erwägungen übernehmen, zeigt uns nur, für wie bescheuert und intellektuell

unterentwickelt diese Politiker den deutschen Wähler halten. "Frau" und "Mann"

auf der Straße" sind sehr wohl in der Lage, auch vielschichtige Probleme zu

bewerten und tragfähige von populistischen Lösungen zu unterschieden. Wehret

den Anfängen - zum Wohle unserer noch freiheitlichen Demokratie.

Autor: Dietmar Hacky info@stanna.de

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ST.ANNA WISSEN HISTORISCH - DAS ALTE DORF

650 Jahre Berzbuir

Entsprechend dem urkundlichen Nachweis im Gräflich von

Mirbach’schen Archiv bekennt Wilhelm Herzog von Jülich,

dem Kölner Bürger Peter von Berzburne und dessen Frau

Druda 632 Mark und 9 Schillingte zu schulden, welche sein

Rentmeister Goswin von Birkesdorf teils in Wein und teils in

bar empfangen hat und verpflichtet sich, auf Mariä

Himmelfahrt entsprechende Zahlung zu leisten.

Wappen Gem. Berzbuir Diese Urkunde vom 14. Mai 1368 ist wohl das älteste

Dokument bezüglich der Erwähnung von Berzbuir, somit die Ersterwähnung. Daher

wird Berzbuir im Jahre 2018 nachweislich 650 Jahre alt.

Berzbuir 650 Jahre, wer findet sich da wieder? Wie findet man eine Überleitung

von 1368 zu 2018? Das kann so genau keiner sagen, denn selbst wenn wir heute

bei den alteingesessenen Familien, bei den Häusern die älter als 150 Jahre sind

eine lückenlose Überleitung suchen, stellen wir fest, dass es da sicherlich Lücken

gibt. Ganz zu schweigen von der Zeit, die mehr als 150 Jahre zurück liegt.

Das noch bestehende älteste Gebäude in Berzbuir ist der

Bauschhof. Der Bauschhof als Jülicher Lehnshof wurde im

Jahre 1403 urkundlich erstmals erwähnt, als er von Wilhelm

von Aller belehnt wurde. 1587 erwarb Johannes Brewer den

Hof durch Tausch. Johannes Brewer war Vogt zu

Geilenkirchen und hatte im Tausch ein halbes Lehnsgut zu

Brüggen bei Geilenkirchen abgetreten. Man hatte ihm

allerdings verschwiegen, dass der Hof in Berzbuir ein Lehen Wappen Bauschhof

war. In Folge übernahm Mitte der 1660er Jahre Albert Bausch den Hof; er

verpachtete dafür seinen Hof in Inden. Die weiteren Nachfahren führen wir hier

nicht einzeln auf. Dies würde den Rahmen dieser Darstellung sprengen.

Anfang 1900 wurde der Hof von Gustav Kammer bewirtschaftet und ihm folgten

Hans Schröder mit Ehefrau Adele. Adele Schröder war eine geborene Wintzen,

eine Enkelin von Henriette Bausch und Nachfarin des Vogtes Johannes Brewer.

1991 haben die Eheleute Hermann und Ruth Mugele den Bauschhof übernommen.

Auch sie kamen aus Inden und hatten in Inden den dortigen Bauschof.

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ST.ANNA WISSEN HISTORISCH - DAS ALTE DORF

Die Mutter von Hermann Mugele ist eine geborene Bausch. 2003 zog Hermann

Mugele mit seiner Frau und seinen 3 Kindern nach Berzbuir auf den Bauschhof.

Da war ihm sicherlich nicht bewusst, dass der Bauschhof in dem Jahr ein Jubiläum

hatte, nämlich 600 Jahre seit Ersterwähnung. Früher wurde das Hoftor vom

Bauschof jeden Morgen geöffnet und jeden Abend geschlossen; heute ist es fast

immer geschlossen. Trotzdem ist der Bauschhof für uns alle offener geworden.

Dank der Familie Mugele gibt es mittlerweile jährlich ein Erntedankfest, den

Weihnachtsmarkt der St. Anna Schützen und auf Heilig Abend spielen die

Blechmusiker des Jugendblasorchesters St. Michael Lendersdorf für die Berzbuirer

Bürger auf dem Bauschhof. Der Bauschhof ist seit nunmehr 431 Jahren im

Familienbesitz.

650 Jahre Berzbuir, was mag

das für eine Zeit damals hier

in Berzbuir gewesen sein. Für

uns kaum vorstellbar, denn wir

können uns nicht in diese Zeit

hinein versetzen. Wir kennen

Berzbuir heute, doch was war

früher. Früher, in dem Sinne

dass wir von der Zeit vor 50,

60 oder 70 Jahren sprechen;

sicherlich können sich einige

noch daran erinnern. Es ist

manchmal unglaublich,

welche Veränderungen in nur

Bauschhof zu Berzbuir Luftbild 1952

wenigen Jahren zu erkennen sind und daran sieht man, wie schnelllebig doch die

Zeit heute geworden ist. Früher war das anders, es brauchte alles seine Jahre, die

Veränderungen waren nicht so rasch zu erkennen, da sie nicht so schnell

passierten. Es war alles irgendwie langlebiger. Hier einige Beispiele, die vielen

noch sehr gut in Erinnerung sein dürften, die die Entwicklung der letzten 50 oder

60 Jahre darstellen. Hatten wir in den 1950er und 1960er Jahre noch 11 oder 10

Landwirte, so haben wir jetzt nur noch 2 Landwirte in Berzbuir. Gab es in den

1950er oder 1960er Jahre 10 oder 15 PKW’s, so haben wir heute ca. 250 PKW’s

und hatten wir in den 1950er oder 1960er Jahre 8 oder 12 Telefonanschlüsse und

Telefone, so haben wir heute einschließlich Handys …….. ich schätze einmal,

deutlich mehr als 500 ...? Fortsetzung Seite 66

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STANNA WISSEN HISTORISCH - DAS ALTE DORF

Wer kann sich noch daran erinnern, dass samstags Badetag war und das grün

schimmernde nach Kiefer riechende Wasser aus den Häuser in die Gosse lief?

Wer kann sich noch daran

erinnern, dass wir im Winter auf

der Straße Schlitten fahren

konnten? Oben vom Knipp

herunter nach Berzbuir oder nach

Kufferath eine gute

Rodelmöglichkeit hatten? Das ist

den meisten Menschen überhaupt

nicht bewusst, welche

gravierenden Veränderungen es

doch in 50 oder 60 Jahren

gegeben hat; ganz zu schweigen

von 100 und mehr Jahren. Wir

DJK - Umzug 1929 in Berzbuir

hatten früher eine Bäckerei,

zeitweise 2 Lebensmittelgeschäfte

und 2 Gaststätten, eine Poststelle, waren mit Kufferath eine Gemeinde, hatten

einen eigenen Bürgermeister und einen eigenen Gemeinderat.

Nun, der Wandel der Zeit ist auch an Berzbuir nicht vorbei geschritten und der

Wandel der Zeit geht weiter und wird immer weiter gehen. Wir sind heute Stadt

Düren und das seit der kommunalen Neugliederung 1972.

Von den 650 Jahren seit der Ersterwähnung von Berzbuir gehören wir gerade

einmal 46 Jahre zur Stadt Düren, ein im Vergleich sehr kurzer Zeitraum. Das ist

sicher auch Grund dafür, das viele Dorfbewohner den Ort immer noch als eine

kleine, selbständige Gemeinde begreifen und sich ganz persönlich auch

verantwortlich fühlen. Berzbuir ist heute ein dörflicher Stadtteil von Düren und dank

unserer Väter und Vorfahren, die in früheren Jahren die Geschicke unserer

Gemeinde und unseres Dorfes gelenkt haben, haben wir keine Neubauinseln, die

das Ortsbild zerstören. So konnte Berzbuir den dörflichen Charakter, diesen

dörflichen Charme erhalten. Wir können stolz auf unser Dorf sein, können vor

allem auch stolz auf den Zusammenhalt im Dorf sein und auf das, was man

gemeinsam mit den Ortsvereinen in Berzbuir alles bewegt. Daher muss man sich

um die Zukunft von Berzbuir wohl keine Gedanken machen.

Autor: Willi Engels

Kontakt: info@geschichtsverein-berzbuir.de

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BERZBUIR INSIDE - EIN NEUER VEREIN

Im Jahr 2001 schlossen sich Katharina Engels, Willy

Hacky und Huber Paulus zur Arbeitsgemeinschaft

Dorfgeschichte in der St. Anna Schützenbruderschaft

Berzbuir zusammen. Ursprünglich wollte man ein Buch über Berzbuir herausbringen,

doch zunächst traute man sich eine so große Aufgabe nicht zu. So hatte

man dann die Idee, Berzbuirer Hefte zu erstellen, die alle in Handarbeit gefertigt

wurden.Insgesamt sieben Hefte wurden veröffentlicht, die in der Bevölkerung recht

großen Zuspruch fanden.Im Mai 2016 wurde mit Gisela Pirig und Willi Engels der

Arbeitskreis erweitert. Nachdem das Konzept für die Erstellung des Bildbandes

„Berzbuir früher und heute“ erstellt war, mangelte es an einem Verein, um diesen

Bildband vorzufinanzieren und zu drucken. Als Arbeitsgemeinschaft konnten wir

den Druck nicht veranlassen und suchten nach einer Lösung, die nur über eine

Vereinsgründung möglich war. Am 17. Januar 2018 fand daher in der Berzbuirer

Straße 82 (bei Katharina Engels) ein Treffen statt. Sandra Engels hatte ein

Konzept und eine Satzung ausgearbeitet, auf deren Grundlage Gisela Pirig,

Katharina Engels, Sandra Engels, Hubert Paulus, Peter Hanke, Hartmut Elvenich

und Willi Engels den Geschichtsverein Berzbuir gründeten. Die

Gründungsmitglieder erklärten sich bereit, die Vorfinanzierung des Bildbandes zu

übernehmen. Dem Geschichtsverein Berzbuir haben sich zwischenzeitlich weitere

Mitglieder angeschlossen und natürlich suchen wir auch noch Mitglieder, die uns

bei unserer Arbeit unterstützen, gerne aber auch nur als zahlendes Mitglied. Die

Mitgliedlschaft kostet derzeit 10,00 Euro Jahresbeitrag.

Werden auch Sie Mitglied. Kontakt: Sandra Engels, Berzbuirer Str. 53, 52355

Düren.

Auor: Willi Engels info@geschichtsverein-berzbuir.de www.geschichtsverein-berzbuir.de

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ST.ANNA REGIONAL - MAL AUS DEM HERZEN GESPROCHEN

Was macht ein Dorf aus

Eine Liebeserklärung an Berzbuir

Wenn man sich überlegt, warum in einem kleinen Dörfchen wie

Berzbuir das Dorf- und Festleben so funktioniert, wie es funktioniert,

dann muss man schnell feststellen, dass das eine sehr komplexe

Angelegenheit ist. Es ist nicht selbstverständlich, was gestemmt,

gefeiert und geleitet und organisiert wird.

Beginnt man damit, sich den

Aufbau der St. Anna Schützen zu

betrachten, fängt es damit an,

dass unsere jüngsten Mitglieder

eintreten, im Grunde, wenn sie

noch im Mutterleib

rumschwimmen. Auf dem

imaginären Mitgliedsausweis sind

Geburts- und Eintrittsdatum

identisch. Geht man eine

Generation weiter wird das

Thema dann erneut aufgegriffen.

Denn die sogenannten „Jungschützen“ haben von oberer Hand genaue

Altersgrenzen. Betrachtet man die Situation bei uns, so reicht die „aktive“ Jugend

von 0,5 – 35 Jahre und das ist nicht nur auf dem Papier so. Feiert z.B. jemand

aus der Clique seinen 18. Geburtstag, so ist von allen Altersstufen etwas dabei.

Natürlich ist zu bemerken, dass die Jugend heute nicht mehr, wie früher,

mehrheitlich zwischen 5-16 Jahren alt ist. Die Kernclique traf sich früher jeden

Montag und jeden Freitag im Bauwagen oder in der Halle. Mittlerweile gehen alle

ihre eigenen Wege. Erstaunlich an der ganzen Sache ist jedoch, dass wenn es

darauf ankommt und wenn es heißt, es steht ein Fest bevor, es muss aufgebaut

werden oder es müssen Dienste erfüllt werden, sind auch diejenigen dabei, die

sonst durch ihre private Situation nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung

stehen (z.B. die Eltern der Kinder, die ein identisches Geburts- und Eintrittsdatum

aufweisen). Die Jugend wird ja im Allgemeinen von selbst älter, allerdings kommt

hintendran auch eine neue Jugend. Eine dauernde Fusion geht so ganz

automatisch von statten und damit sind alle glücklich.

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ST.ANNA REGIONAL - MAL AUS DEM HERZEN GESPROCHEN

In einigen Jahren ist vielleicht die „alte Jugend“ keine „Jugend“ mehr, aber dann

kommt wieder etwas nach. Durch die Jugend, die auf den Schützenfesten als

erstes die Tanzfläche rockt und samstags morgens nach der Dancenight völlig

verkatert im Zelt steht und aufräumt, wäre einiges in diesem Dorf so nicht möglich.

Die schönsten Momente erlebt man immer wieder auf dem Weihnachtsmarkt.

Gerade dann, wenn wir alle daran zurückdenken, dass wir mit drei Buden auf dem

Dorfplatz angefangen haben und jetzt mehrere 100 Tassen in der Stunde durch

das Spülmobil jagen. Doch unser Spülmobil ist auch ein Ruhepunkt. Am besagten

Spülmobil finden sich während des Weihnachtsmarktes immer einige

Selbsthilfegruppen ein. Die Arbeit dort ist weit weg von dem Getümmel an den

Buden und das Klappern der Tassen in den Transportkörben ist schon recht

meditativ. Die Selbsthilfegruppen haben Namen wie: „Ich stinke noch wochenlang

nach Reibekuchen“, bis zur Gruppe „die Erbsensuppe ist leer und die wollen immer

noch welche haben“.

Nach der Jugend kommen die

„Oldies“. Natürlich sind diese

nicht wegzudenken, denn

ohne die könnte die Jugend

gar nicht existieren. Schön ist,

dass viele Familien in

mehreren Generationen im

Vereins- und Dorfleben aktiv

sind. Dabei ist ein Umzug aus

dem Dorf bzw. ein Hausbau in

einem Nachbarort kein Grund

dafür, nicht weiter am

Berzbuirer Dorfleben

teilzunehmen. So wohnen schließlich auch viele Mitglieder der Schützen,

außerhalb der Gemäuer von Berzbuir. Die eingesessenen Berzbuirer und die

Neubürger in Berzbuir machen es möglich, dass man sich in diesem Ort bei jeder

Festivität aufgenommen und wohl fühlt.

Die Damen, die mit viel Liebe zum Detail einen einfachen Tannenbaum zu einem

Meisterwerk machen, eine Toilette im Berzbergerhaus zu einer Wohlfühloase

umbauen oder das Oktoberfest richtig zünftig wirken lassen, sind nicht

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ST.ANNA REGIONAL - MAL AUS DEM HERZEN GESPROCHEN

wegzudenken. Die Herren, die sich für keine Arbeit zu schade sind, die das

passend machen, was passend sein muss, die Strom machen, wo weit und breit

keiner ist oder die einfach nur allzeit bereit sind, um ein Bierchen zu trinken – das

sind die Herren, die man in Berzbuir so antrifft.

Auch in der älteren Generation gibt es eine Art „Grüppchenbildung“. Aber irgendwie

auch nicht. Es gibt die und die anderen, aber im Grunde denkt und plant jeder das

Gleiche, wenn es um ein Fest im Dorf geht. Wir möchten erfolgreich sein, aber

unseren Spaß dabei nicht vergessen.

Als jemand, der vor

Jahren das Dorf Berzbuir

lieben gelernt hat, kann

ich behaupten, dass jeder

Einzelne, der sich an dem

Dorfleben in Berzbuir

aktiv beteiligt, auf seine

eigene Art bekloppt ist.

Man lernt die Menschen

mit ihren Macken zu

lieben und damit

umzugehen. Der eine

oder andere erweitert

seinen Horizont und zieht

weg oder bleibt an einem

Ort für immer und ewig – aber eins ist uns allen bewusst: Schützenfest,

Oktoberfest und Weihnachtsmarkt sind nur einmal im Jahr und es ist immer wieder

ein Gedicht zu sehen, wenn wir von Besuchern überrannt werden und jeder

einspringt, wo Not am Mann ist.

Um die Frage vom Titel, was ein Dorf ausmacht zu beantworten, kann man aus

diesem Artikel, der auf der Basis meiner eigenen Empfindungen formuliert worden

ist, entnehmen, dass ein Dorf nicht ein Supermarkt (denn solch einen hat Berzbuir

nicht) oder eine Disco ausmacht, sondern die Menschen die in diesem Dorf leben,

die das Dorf lieben und schätzen und sich dort heimisch fühlen, auch dann noch,

wenn ihr Wohnsitz nicht in diesem wunderschönen Örtchen ist.

Autorin: Maike Schüsseler info@stanna.de

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ST. ANNA INSIDE - ÛNSERE JUNGSCHÜTZEN IM AUSLAND

St. Anna Jungschützenfahrt 2017

Dabei seinj ist alles - Kurz mal rüber nach Belgien

Sie, als treue Leser unseres St. Anna Heftchens, warten sicherlich

schon sehnsüchtig auf einen Bericht zu unserer Jungschützenfahrt

des Jahres 2017.

Diese fand letztes Jahr am

ersten Septemberwochenende statt. Um

möglichst vielen die Anfahrt und einen

Aufenthalt in unserer Residenz zu

ermöglichen, wurde eine Unterkunft mit

geringer Entfernung zur Heimat Berzbuir

gewählt. Kurz hinter der belgischen

Grenze, von Idylle umgeben, befand sich

unsere super Ferienhaus. Mit rund 20

Jungschützen im Alter von 16 bis zu dem

Alter, die eben noch zu unserer Jugend

zählen, haben wir einen Aufenthalt von 3

Tagen genossen. Wir haben uns selber

versorgt. Kochkünste kamen ans Licht, mit

denen niemand gerechnet hat. Das Haus

bot vielseitige Freizeitangebote, so wurde

Darts und Billiard gespielt, aber auch unser

hauseigener Pool wurde immer wieder von

den Wasserratten besiedelt.

Von Langschläfern bis zu Frühaufstehern

war alles dabei – irgendwann wurde es den

frühen Vögeln dann immer zu langweilig.

Das Haus wurde mit reizender Musik in

einem ohrenbetäubenden Lärm beschallt,

so dass auch die härtesten Langschläfer

aus den Federn fallen mussten.

Ein besonderes Highlight war für uns ein Radrennen, welches am

Sonntagvormittag direkt vor unserer Haustür vorbeiradelte.

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ST. ANNA INSIDE - ÛNSERE JUNGSCHÜTZEN IM AUSLAND

Da wir es gewohnt sind, machen wir eben aus allem ein Fest. So wurden

kurzerhand die Tische und Stühle an die Straße getragen, Schilder gebastelt um

die Fahrradfahrer zu begrüßen und für

unser leibliches Wohl gesorgt. Wie wir es

vom RopaRun in Zele gewohnt sind, haben

wir dann die Radfahrer lauthals angefeuert.

Scheinbar außer uns sonst niemand in der

näheren Umgebung, denn die Fahrer

waren von uns so begeistert, dass wir

Glück hatten, dass nicht der ein oder

andere Radler gestürzt ist.

Catering für erschöpfte Radrennfahrer

Im Großen und Ganzen war das Wochenende sehr ruhig und harmonisch, so wie

man es von uns erwartet. Die Haushaltsarbeiten wurden schwesterlich sowie

brüderlich aufgeteilt – denn auch das kennen wir so nur von unseren Festen. Wir

genießen eine gute Erziehung, so dass einer erneuten Fahrt sicherlich nichts im

Wege stehen sollte. "Oder Vorstand ?" Autorin: Maike Schüssler info@stanna.de

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ST.ANNA REGIONAL - DENK MAL

Kriegerdenkmal - Ehrenmal - Denkmal

von Hubert Paulus

In einem Beitrag für das Heft zum Schützenfest 2014 habe ich mich mit dem

Ehrenmal für die Opfer des 1. und 2. Weltkrieges befasst und kritische Gedanken

zu den 1950, bei der Einweihung des Denkmals für die Opfer des 2. Weltkrieges

angebrachten Symbolen (Eisernes Kreuz aus schwarzem Marmor und goldener

Lorbeerkrenz - beides Symbole für Sieg und Ruhm) geäußert.

Beim Ehrenmal geht es nicht um Krieg

und Sieg und schon gar nicht um Ruhm,

sondern um das Gedenken an die Opfer

der Kriege, um Trauer und mahnendes

Erinnern.

Die St. Anna Schützenbruderschaft hat

diesen Gedanken aufgegriffen und ein

entsprechendes Symbol gesucht. Bei

den Kunstwerktstätten Egino Weinert in

Köln gibt es Bronzeplaketten in einer

Größe, die auf die Rundung am

Ehrenmal genau passen. Von den

verschiedenen Motiven wurde das der

sogenannten "Stalingrader Madonna"

als, im Sinne unseres Anliegens, am

besten geeignet angesehen.

Da die Plakette am Ehrenmal fest

verankert werden musste, wurde eigens

hierfür ein Sonderguss hergestellt.

Seit dem Kapellenfest im Mai dieses

Ehrenmal / Denkmal in Berzbuir 2018

Jahres ziert die "Stalingrader Madonna" unser Ehrenmal. Die biesherigen Zeichen

von Sieg und Ruhm wurden entfernt. Sie wurden auch deshalb entfernt, weil das

ehrende Gedenken nicht auf die eigenen, gefallenen Soldaten begrenzt werden

soll. Der Mensch ist der, der Kriege führt und millionenfach tötet und Millionen zu

Opfern macht. Ihrer Aller gilt unser Gedenken.

Fortsetzung Seite 94

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ST.ANNA REGIONAL - DENK MAL

Was ist die Besonderheit an der "Stalingrader Madonna" ?

Der Arzt und Theologe Kurt Reuber war im Jahre 1936 als Truppenarzt zur Wehrmacht

eingezogen worden. Im Winter 1942 / 1943 gehörte er zu den Verbänden in Stalingrad. Im

Winter 1942 malte er in einem kleinen Bunker unter primitivsten Bedingungen und bei

großer Kälte das Bild einer Madonna - Maria mit ihrem Kind, eng aneinander geschmiegt,

eingehüllt von einem weiten Tuch -, versehen mit den Worten Licht - Leben - Liebe. Gemalt

hat er das Bild auf der Rückseite einer Landkarte der Wehrmacht.

Mit einem der letzten Flugzeuge,

die den Kessel von Stalingrad mit

verwundeten Soldaten noch

verlassen konnten, kam die

Zeichnung mit der Feldpost zu

seiner Familie nach Hause.

Sein kleines Kunstwerk wurde im

Laufe der Jahrzehnte zu einem

allseits bekannten Symbol des

Gegensatzes zu Hass, Gewalt

und Not. Dem Schrecken des

Krieges setzt Kurt Reuber mit

seiner Madonna Liebe,

Zuneigung und Geborgenheit

entgegen.

In tiefster Not, im Dunkel der Zeit, im ständigen Angesicht des eigenen Todes richtet er mit

seinem Werk einen mahnenden Weckruf an die Überlebenden und an die nächsten

Generationen. Kurt Reuber überlebte die Schlacht von Stalingrad und kam mit tausenden

Soldaten in russische Gefangenschaft. Seine Heimat sollte er nicht mehr sehen. Er starb

1944 in der Kriegsgefangenschaft.

Sein kleines und doch so eindringliches Werk ist das richtige Zeichen am richtigen Ort. Es

rückt die Werte in den Mittelpunkt die unser Aller Leitschnur sein sollten. Licht - Leben und

Liebe. So gedenken wir in jedem Jahr zum Schützenfest nicht nur der in dem beiden

deutschen Kriegen gefallenen Soldaten, sondern allen Opfern von Krieg und Gewalt in allen

Auseinandersetzungen unserer Welt.

Autor: Hubert Paulus

Kontakt: info@stanna.de

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