Dölger_03.11.2017

Oberstech

in den Güterzug zurück zu zwängen. Der Lagerführer wird als die

treibende Kraft beschrieben. Mit Schlägen mit dem Gewehrkolben

und Überredungsversuchen gelang es ihm, wenigstens einige Häftlinge

zum Einsteigen zu bewegen. Die anderen ließen sich trotz

fortgesetzter Schläge nicht zwingen. Durch die Kontaktaufnahme

zu bereits befreiten russischen Kriegsgefangenen 79 wurde den Frauen

klar, dass das Kriegsende unmittelbar bevorstehen musste. Die

Auseinandersetzung scheint sich über Stunden hingezogen zu haben,

in einem Bericht ist davon die Rede, dass der Lagerführer

nach einigen Stunden einen erneuten Anlauf nahm, die Fahrt fortzusetzen.

Erkennbar wird auch, dass es innerhalb der SS massive

Konflikte gab, wie fortzufahren sei. So wird in mehreren Berichten

ein SS-Arzt erwähnt, der für die Frauen Partei ergriffen habe. 80 Nicht

sicher zu klären ist, was dann geschah. Eszter Rosenfeld gab zu

Protokoll, dass zunächst nur eine Vorhut der Briten in die Stadt

gekommen sei. Als diese Fahrzeuge Plön verlassen hätten, hätte die

SS erneut Mut gefasst und einen erneuten Anlauf unternommen, die

KZ-Häftlinge in die Waggons zu zwingen. 81 Andere Frauen berichteten,

die SS sei bereits in der Nacht zum oder am Morgen des 4.

Mai 1945 verschwunden. 82 Die Angaben zu der britischen Vorhut,

die am 4. Mai in Plön eintraf, werden von anderen Quellen bestätigt.

So gibt Ulrich March an, am 4. Mai nachmittags sei ein erster

Abb. 8: Im Vordergrund der Schöhsee, am Ufer die Bahngleise, dahinter

die Lütjenburger Straße und schließlich der Wald östlich des

Parnaß. (Postkarte im Archiv des Verfassers)

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