Bibel und Kirche 19_1_Jugend und Bibel

wbaur203

Bibel und

1 | 2019

Kirche

Die Zeitschrift zur Bibel in Forschung und Praxis

Jugendund Bibel?

aus dem inhalt:

• Liest die Jugend die Bibel?

• Blockbuster als Zugang zur Bibel

Jugendliche legen Bibel aus

74. jahrgang | 1. quartal 2019 | e 12759


Inhaltsverzeichnis

2

11

21

31

43

joachim theis

Digital Natives und die Bibel

eine unmögliche Verbindung?

barbara janz-spaeth und jugendliche

Bibel lesen – ja, aber …

Die Antwort der Jugendlichen

agnethe siquans

Zeit der Entscheidung: Jugend in der Bibel

stefan sampt und schüler/innen

Unglaubwürdig, hoffnungsspendend oder gefährlich?

Schüler/innen legen Erweckungserzählungen aus

manfred tiemann

Bibelfilm und Blockbuster:

Bibelarbeit mit Jugendlichen jenseits des Lesens

17

41

55

60

Zwischenruf Oskar Dangl

Jugendliche dichten Psalmen

Bibel-Produkte für und von Jugendlichen

Mitgliederforum

Umschlagsabbildung: © shutterstock.com, Brian A. Jackson

Gedruckt auf: MultiOffset


Inhaltsverzeichnis

2

11

21

31

43

joachim theis

Digital Natives und die Bibel

eine unmögliche Verbindung?

barbara janz-spaeth und jugendliche

Bibel lesen – ja, aber …

Die Antwort der Jugendlichen

agnethe siquans

Zeit der Entscheidung: Jugend in der Bibel

stefan sampt und schüler/innen

Unglaubwürdig, hoffnungsspendend oder gefährlich?

Schüler/innen legen Erweckungserzählungen aus

manfred tiemann

Bibelfilm und Blockbuster:

Bibelarbeit mit Jugendlichen jenseits des Lesens

17

41

55

60

Zwischenruf Oskar Dangl

Jugendliche dichten Psalmen

Bibel-Produkte für und von Jugendlichen

Mitgliederforum

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Inhaltsverzeichnis

2

11

21

31

43

joachim theis

Digital Natives und die Bibel

eine unmögliche Verbindung?

barbara janz-spaeth und jugendliche

Bibel lesen – ja, aber …

Die Antwort der Jugendlichen

agnethe siquans

Zeit der Entscheidung: Jugend in der Bibel

stefan sampt und schüler/innen

Unglaubwürdig, hoffnungsspendend oder gefährlich?

Schüler/innen legen Erweckungserzählungen aus

manfred tiemann

Bibelfilm und Blockbuster:

Bibelarbeit mit Jugendlichen jenseits des Lesens

17

41

55

60

Zwischenruf Oskar Dangl

Jugendliche dichten Psalmen

Bibel-Produkte für und von Jugendlichen

Mitgliederforum

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arbara janz-spaeth und jugendliche

Bibel lesen – ja, aber …

Die Antwort der Jugendlichen

Liest »die Jugend« die Bibel? Wir wollten die Meinung

der Jugendlichen zu diesem Thema einholen.

Das kann natürlich nur exemplarisch geschehen.

»Die« Jugend als einheitliche Gruppe gibt es bekanntlich

nicht. Immerhin geben die folgenden Beiträge

aber einen kleinen Einblick in die unterschiedlichen

Sichtweisen Jugendlicher.

Bibel lesen? Ja, bitte!

Himmel und Erde werden vergehen;

aber meine Worte werden nicht vergehen.

Matthäus 24,35

Wer bin ich? Es passiert einem nicht selten, dass man sich dabei

erwischt, über diese Frage nachzudenken. Vor allem junge Menschen

sind auf der Suche nach ihrer Identität und suchen nach einem Halt in

guten wie auch in schlechten Zeiten. Leider erleiden viele dabei Enttäuschungen

und verlieren das Vertrauen in Menschen und in sich

selbst. Viele fühlen sich nach einem Rückschlag allein gelassen, vergessen

und verletzt. Wer sie wirklich sind, haben sie aber immer noch

nicht herausgefunden.

Wäre es in solch einer Situation nicht wundervoll, eine Anleitung zu

haben, die uns Schritt für Schritt zeigt, wie wir unser Leben komplett

umkrempeln können, um ein erfülltes Leben zu erlangen?

Um genau so ein Buch handelt es sich bei der Bibel.

11


BARBARA JANZ-SPAETH UND JUGENDLICHE BIBEL LESEN – JA, ABER …

Viele denken, es handle sich bei der Bibel um ein langweiliges, altes

Buch, welches die Geschichten vieler, schon lange verstorbener Menschen

beinhaltet. Ganz im Gegenteil! Die Bibel beinhaltet die Antworten

auf die meisten unserer Lebensfragen. Egal ob es sich dabei

um Fragen über die eigenen Gefühle, die eigene Existenz handelt,

oder um Fragen, wie man mit anderen Menschen umgehen soll; die

Bibel hilft uns, den Alltag einfacher zu meistern und das Leben aus

einer anderen Perspektive zu sehen.

Ein weiterer Grund, weshalb es Sinn macht, sich mit dem Wort Gottes

zu beschäftigen, ist, zu erkennen, wer man selber ist. Durch Jesus

Christus erfahren wir, wer wir selber sind. Er ist ein echter Freund, bei

dem man sich nicht verstellen muss. Jesus liebt uns so wie wir sind

und akzeptiert uns nicht erst dann, wenn wir uns für ihn verändern.

Wir wissen meistens selbst nicht, wer wir überhaupt sind und was

unsere eigenen Interessen sind, aber Jesus zeigt uns, wer wir durch

ihn sind und wie sehr er uns liebt.

Wenn man sich solch eine Veränderung für das eigene Leben wünscht,

hilft es nur, Gott besser kennen zu lernen und sich mit seinem Wort

auseinanderzusetzen. Wenn man sich intensiv mit der Bibel beschäftigt

und Zeit mit Gott verbringt, gibt es nichts, was Gott nicht im

Leben verändern könnte.

nisane saliba (18 Jahre)

Bibel lesen? – Nein, danke!

Meiner Meinung nach lesen viele Jugendliche hauptsächlich deshalb

nicht in der Bibel, weil sie keinen sonderlich großen Bezug zur Kirche

oder Religion haben. Abgesehen vom Religionsunterricht oder dem

Kirchgang zu Weihnachten bzw. Ostern haben sie mit Glauben nur

wenig zu tun und kommen daher im Normalfall gar nicht erst auf die

Idee, in ihrer Freizeit in der Bibel zu lesen.

Weitere Hindernisse sind der große Umfang und die unansprechende

Aufmachung der Bibel. Es fällt schwer, ein Buch mit bis zu tausend

Seiten, ungewohntem Seitenlayout und winziger Schrift in die Hand

zu nehmen und dann auch noch ernsthaft darin zu lesen. Außerdem

ist die Bibel so groß und umfassend, dass einen selbst schon das

Inhaltsverzeichnis mit all seinen verschiedenen Büchern, Evangelien,

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

12


inhaltlichen Dimensionen eines Textes in größter Offenheit den

Jugendlichen darzulegen. Gleichzeitig ist dieselbe Offenheit gegenüber

den vielfältigen Lebenserfahrungen sowie ein großes Vertrauen

in die Rezeptionsfähigkeit der Jugendlichen erforderlich. Gibt man

den biblischen Text »frei«, dann bestimmen die Jugendlichen selbst

über die Relevanz des Textes für sich. Sie spüren in der Regel sehr

genau, welches Wort sie anspricht und stellen so einen ersten Zugang

für sich her. Daraus resultiert ihre Bereitschaft, sich intensiver auf den

Text einzulassen und zu überprüfen, ob die Relevanz trägt. Diese kann

durchaus als kritische Anfrage oder bestätigend für das eigene Denken

und Handeln sein. Wichtig ist, dass ein Verstehensprozess ermöglicht

und zugelassen wird, der zum einen nicht nur rational vor sich geht

und zum andern Diversität und Pluralität weder für den Text noch für

die individuellen Lebenserfahrungen ausschließt. Solche Offenheit

führt zu Interesse und zum Austausch zwischen Text und Leser*in/

Hörer*in, zwischen den Lesenden/Hörenden und innerhalb des Textes.

Die jeweiligen Akteur*innen folgen einem anderen Rollenverständnis:

Die Bibel wirkt selbstredend, weil nicht nur eine einzige Perspektive

zugelassen wird, sondern vielfältiges Deuten, Begreifen, Hören, Lesen

im Verstehensprozess enthalten sind. Wie in einem Orchesterwerk

bringen Hören und Lesen die unterschiedlichen »Stimmen« im Text

zum Klingen und lösen jeweilige Resonanzen aus; die Hörenden bzw.

Lesenden lernen im Austausch untereinander weitere Verstehenszugänge

kennen, die unterschiedlichen Lebenserfahrungen entspringen.

Das bewirkt eine Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen:

Wo stehe ich gerade? Warum ist dieser Gedanke für mich fremd, weshalb

bedeutsam, weshalb nachvollziehbar? Jugendliche nehmen eine

solch offene Begegnung mit biblischen Texten auf, weil sie spüren,

dass diese in ihrer Suche nach der eigenen Identität bedeutsam werden

kann. Sie selbst werden durch ihr Verstehen bedeutsam, weil durch sie

das Wort Gottes lebendig bleibt. Gemeinsam bilden sie eine »Verstehergemeinschaft«,

die das subjektive Lesen und Deuten einem Verständigungsprozess

unterwirft (Schambeck 2017, 42).

Schließlich verändert sich die Rolle der Theologie, die diesen Verstehensprozess

begleitet: Sie ist moderierend und unterstützend tätig,

stellt vielfältige Entdeckungsmöglichkeiten her und schafft einen

offenen Raum. Erst in der anschließenden Vertiefung der Begegnung

kann Wissen und Deuten weitere Verstehensebenen eröffnen.

15


BARBARA JANZ-SPAETH UND JUGENDLICHE BIBEL LESEN – JA, ABER …

Hermeneutische Schlüssel offenlegen

Jugendliche sind bereit, sich biblische Texte durch literarische, sozialgeschichtliche

und historisch-kritische Exegese zu erschließen, wenn

diese dadurch verständlicher und deutungsfähiger werden. Jugendliche

beschreiten neugierig und mit großer Entdeckungsbereitschaft

die fremde Welt der Texte, um sie in Bezug zur Gegenwart zu setzen,

Veränderungen wahrzunehmen und festgelegte Denkweisen kritisch

zu hinterfragen. Das gelingt vor allem, wenn das Handwerkszeug

dafür lediglich zur Verfügung gestellt und nicht zum eigentlichen

Inhalt gemacht wird. Dann gehen Jugendliche auch in einen konstruktiven

Veränderungsprozess kindlicher Vorstellungsweisen und

diskutieren differenziert die Frage nach der »Wahrheit« der Bibel, die

wiederum mit der Relevanz für ihr Leben verknüpft wird. Sie möchten

die Texte damals und heute verstehen können.

Literaturhinweis

Mirjam Schambeck, Biblische Facetten, Ostfildern 2017

Dipl. Theol. Barbara Janz-Spaeth

Referentin für Bibelpastoral/Biblische Bildung

in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Pastoralreferentin

Lehrbeauftragte an der PH Schwäbisch Gmünd

www.kirche-und-gesellschaft.drs.de/bibelpastoral

Mail: bjanzspaeth@blh.drs.de

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

16


OSKAR DANGL WIE VIEL BIBEL STECKT IM LEHRPLAN?

tum der biblischen Sprach- und Symbolwelt kennenlernen (vgl. S. 12).

Im Unterschied zum Lehrplan der Volksschule fällt besonders auf,

dass zum einen keine Einzelperikopen genannt werden; zum anderen

ist die Beschäftigung mit biblischen Themen und Texten auf Sprachkompetenz

ausgerichtet.

Sekundarstufe II (Sek II)

Auch in der Sek II gewinnt der Religionsunterricht »seinen Standpunkt

aus der Orientierung an der biblischen Offenbarung und der

kirchlichen Tradition« (S. 1). Er soll »zu tieferem Verständnis der Bibel,

der christlichen Tradition und der Erarbeitung eines erweiterten religiösen

Wissens« (S. 2) beitragen. Besonders hervorzuheben ist in diesem

Kontext das Kompetenzmodul 3 (vgl. S. 5): Die Schüler/-innen

sollen die »Vielfalt biblischer Gottesbilder« beschreiben und deuten,

die Bibel »in der Spannung von Menschenwerk und Gotteswort« verstehen

und interpretieren, sowie »Orientierungs- und Handlungsmöglichkeiten

aus dem biblisch-christlichen Welt- und Menschenbild

aufzeigen können« (S. 5). Auf die ausdrückliche Erwähnung

einzelner Perikopen, biblischer Figuren, Bücher oder Erzählzusammenhänge

wird völlig verzichtet.

In Bezug auf die beiden Eingangsfragen legen sich daher folgende

Antworten nahe: Der Bibel wird in den genannten Lehrplänen ein

expliziter Platz eingeräumt. Jedoch scheint sie zu stark an die kirchliche

Tradition angebunden. Die Bibel als kritisches Gegenüber zur

kirchlichen Tradition kommt damit nicht zum Zug. Was die bibelwissenschaftlichen

Zugänge anbelangt, eröffnen die Lehrpläne große

Freiräume und sind auch offen für aktuelle Methoden.

Oskar Dangl

Quellenangaben

Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht an der Volksschule:

http://www.schulamt.at/attachments/article/130/VS_LP_2014.pdf (16.5.2018)

Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht an Hauptschulen, an Neuen Mittelschulen

und an der Unterstufe Allgemein Bildender Höherer Schulen (= Sek I):

http://www.schulamt.at/attachments/article/130/LP_Sek_I.pdf (16.5.2018)

Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht an der Oberstufe Allgemeinbildender

Höherer Schulen (= Sek II): http://www.schulamt.at/attachments/article/130/

AHS_LP_kompetenzorientiert_Layout.pdf (16.5.2018)

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

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agnethe siquans

Zeit der Entscheidung:

Jugend in der Bibel

Vom jungen David bis zum 12-jährigen Jesus, von

Jiftachs Tochter bis zur jungen Maria: Die Bibel kennt

viele Jugendliche. Welche Rolle können sie aber in

einer patriarchalen Gesellschaft spielen? Welche

Themen beschäftigen sie und wieviel Selbstständigkeit

traut man ihnen zu? Und inwiefern ist die

Jugend immer auch eine Zeit der Entscheidung?

Was heißt Jugend in der Bibel?

In den biblischen Texten begegnen verschiedene Begriffe für die

unterschiedlichen Altersstufen, auch für Jugend. Wann das Jugendalter

in Abgrenzung zur Kindheit beginnt, ist nicht ganz klar. Die

hebräischen und griechischen Begriffe, die für die verschiedenen

Altersstufen verwendet werden, überschneiden sich mitunter. Jer 6,11

unterscheidet fünf Gruppen: Kleinkinder, Jugendliche (baḥurim),

Mann und Frau, Alte und Hochbetagte. Jer 51,22 trifft eine andere Einteilung

in Kinder, junge Männer und junge Frauen (Jungfrauen),

Mann und Frau sowie Alte. In Gen 17,25 wird erzählt, dass die

Beschneidung Ismaels im Alter von 13 Jahren stattfand. Hier können

wir wohl den Übergang vom Kind zum Jugendlichen ansetzen.

Bei manchen Texten werden allgemeine Andeutungen gemacht, bei

wenigen gibt es genaue Angaben. Genaue zeitliche Abgrenzungen

zwischen Jugendlichen und Erwachsenen gibt es kaum. Nur in

Lev 27,1–8 finden wir eine Einteilung nach Altersklassen, die sich

offensichtlich an der Arbeitskraft orientiert. Es geht um die Einlösung

21


stefan sampt und schüler/innen

Unglaubwürdig, hoffnungsspendend

oder gefährlich?

Schüler/innen legen

Erweckungserzählungen aus

Wie interpretieren Jugendliche die Bibel? Was

halten sie von den dort enthaltenen Erzählungen?

Kommen sie zu anderen Ergebnissen als Erwachsene?

Keine Frage: Im Religionsunterricht werden Jugendliche

zu Bibeltexten hingeführt, sie stehen also dem

Text nicht vor-urteils-frei gegenüber. Dennoch zeigen

sie sich durchaus als eigenständige, interessante

Gesprächspartner, auf die zu hören sich lohnt. Ein

Unterrichtsprojekt des Gymnasiums Purkersdorf

bei Wien gibt Aufschluss …

Im Religionsunterricht mit 15–17-Jährigen haben wir uns unter dem

Titel »Der Mensch als Mitschöpfer« zunächst mit der Rolle des Menschen

in der Schöpfung und speziell in der »Mitschöpfung der Bibel«

beschäftigt. Die Jugendlichen wurden sich bewusst, dass die Bibel

göttlich inspiriertes Werk des Menschen ist (vgl. DV 11.13) und zu

allen Zeiten dazu aufruft sie auszulegen und sich selbst existenziell

mit der Bibel ins Gespräch zu bringen. In der Bibel selbst sieht man,

dass die Auslegung der Heiligen Schrift Schwierigkeiten bereiten

kann: Als Daniel gewisse Prophetenworte von Jeremia las, suchte er

31


Schlussfolgerungen

Die Auslegungen zeigen, dass sich Jugendliche mit ihren persönlichen

Erfahrungen und ihrem daraus entstandenen eigenen Wertesystem

in die Begegnung mit dem Bibeltext einbringen. Letzteres

ist in vielen Fällen nicht dogmatisch und wenig hierarchisch. Sie sind

dabei bereit und fähig, sich vom Text existenziell betreffen zu lassen.

Sie ringen mit dem Text, wenn dieser ihrem Wertesystem zuwiderläuft,

z. B. beim Thema Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch oder Verstoß

gegen Gottes Ordnung. Umgekehrt wird der Erzählung eine

hoffnungsspendende Kraft zugesprochen, die in Krisensituationen

als hilfreich empfunden wird und auch anderen zugutekommt.

Nicht die Bibel setzt die Werte fest, sondern sie muss sich zunächst

einmal an den eigenen Werten messen lassen. Gelingt es jedoch, in

den Texten Hilfestellungen zur Lebensbewältigung zu finden, dann

verlieren die Vorbehalte ihre Bedeutung und sie wird als bereichernd

und wertvoll empfunden.

Mag. Stefan Sampt

unterrichtet katholische Religion und Psychologie/

Philosophie im BG/BRG Purkersdorf bei Wien.

39


Jugendliche dichten Psalmen

Im Themenfeld »Sprechen von und mit Gott« wurden im interkonfessionellen Gemeinschaftsunterricht

die drei wichtigsten Gattungen von Psalmen (Klagepsalm, Lobpsalm und

Dankpsalm) behandelt (ausgehend von »Bibel heute« Heft 168: Mit Psalmen leben). Danach

schrieben die Schülerinnen und Schüler eigene Psalmen – je nach Interesse in einer Gruppe,

in Partnerarbeit oder allein. Als Ausgangspunkt wählten sie sich dazu Bilder von Situationen

in der modernen Gesellschaft aus Zeitung und Netz, um einen emotionalen Zugang

zum Schreiben des Textes zu erhalten.

Daraus entsteht ein kleines Psalmheft mit Grundinformationen (Sicherung des Erlernten)

und allen Texten der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs.

Alle Texte entstammen der 6. Klasse des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Filderstadt im

Rahmen des Unterrichtsprojekts Beate Brielmaier: »Kreatives Schreiben von modernen

Psalmen.«

Klagepsalm

Nils, Jonas, Lara, Cara

Ich habe auf dich vertraut

David, Tim

Gott, hilf mir,

ich bin verzweifelt,

ich finde keinen Ausweg.

Warum vergisst du mich?

Meinen Vorfahren hilfst du,

doch mir nicht.

Wo bist du,

dass du mir helfen kannst, Gott?

Hilf mir, mich wieder aufzubauen,

ich fühle mich so einsam.

Sei bei mir, mein Retter,

und behüte mich.

Ich bin wie ein vergammeltes Stück Brot in der Ecke.

Ich habe das Vertrauen in dich verloren.

Wieso unternimmst du nichts?

Warum hilfst du mir nicht?

Ich bin einsam und niemand unternimmt etwas.

Du wirst mir nie helfen!

Mein Leben macht keinen Sinn mehr ohne deine Hilfe.

Bitte hilf mir!

Ohne deine Hilfe werde ich nicht überleben.

Doch du bist meine einzige Hoffnung.

Du bist der Herr der Welt.

Ich will dich anbeten.

Du wirst mich retten.

Auf dich will ich hoffen!

Du bist der einzige, der mich noch liebt.

Darauf will ich hoffen und glauben.

41


manfred tiemann

Bibelfilm und Blockbuster:

Bibelarbeit mit Jugendlichen

jenseits des Lesens

Filme im Unterricht sind bei Lehrenden und Lernenden

gleichermaßen beliebt. Das gilt auch für den

Religionsunterricht. Hier dienen häufig Bibelfilme

dazu biblische Themen anschaulich zu machen,

als Ersatz oder Ergänzung der Bibellektüre.

Doch das Medium Film kann viel mehr als Bibel

illustrieren. Richtig aufbereitet kann es die Bibel

erschließen und existenziell erfahrbar machen.

Und es müssen keineswegs immer Bibelfilme sein,

die dazu am besten geeignet sind …

Heutiger Zeitgeist zeichnet sich unter anderem durch eine seltsame

Zwiespältigkeit aus: Die Sehnsucht nach Sinn, höheren Werten,

Wahrheit und Erlösung ist einerseits groß, andererseits sind Kultur,

Religion und Kirchen längst entzaubert. Erlösung wird – gerade vonseiten

Jugendlicher – kaum gesucht in Kirchen, sondern lieber in den

Massenmedien, in der Diskothek und im Kino. Der Medienkonsum

bei Jugendlichen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die

JIM-Studie 2017 nennt die regelmäßige Nutzung von Internet und

Smartphone mit jeweils 97 Prozent auf dem ersten Platz, jeder Dritte

nutzt ein Tablet, dagegen ist der Anteil regelmäßiger Nutzer von

Tageszeitung und Büchern weiter rückläufig (vgl. den Beitrag von

Joachim Theis).

43


kündigung sind. Es kann dabei niemals um das einzig richtige Gottesoder

Jesus-Bild gehen, sondern um mögliche Bilder und um ein Kennenlernen,

Reflektieren und Einordnen-Können religiöser und

christlicher Bild- und Symbolsprache.

Schwerpunkte

Für die Behandlung und Analyse von Bibel- oder Jesus-Filmen bieten

sich u. a. folgende Schwerpunkte an:

– die Beschränkung auf thematische Sequenzen eines Films, z. B.

Wunder, Versuchungsgeschichte, Passionsgeschichte, Auferstehung

u. a.,

– ein Filmvergleich von kontroversen Konzeptionen (Analysen,

Vergleiche u. a.),

– ein Vergleich unterschiedlicher biblisch-theologischen Konzeptionen

(z. B. evangelikal-fundamentalistisch – historisch-kritisch),

– eine im Film dargestellte Kritik an Bibel, Kirche, Gesellschaft,

– ein Vergleich von Film und Bibel (biblische Texte gekürzt, verfremdet,

aktualisiert oder wörtlich als Drehbuchvorlage verwendet),

– die Entstehungsgeschichte des Films (z. B. Auftraggeber, Produktionskosten,

Drehorte, gerichtliche Auseinandersetzungen u. a.),

– die Intention des Regisseurs (z. B. Interviews mit dem Regisseur,

mit »Jesus-Darstellern« u. a.),

– die Rezeptions- bzw. Wirkungsgeschichte (z. B. Kritiken,

Zuschauerzahlen u. a.).

Über den mehrdimensionalen Zugang zu Bibel- oder Jesus-Filmen

kann eine inhaltlich oberflächlich einseitige Beurteilung vermieden

werden.

Thesen zur Beurteilung von

Bibel- und Jesus-Filmen

Bibel- und Jesus-Filme können und dürfen nicht sein

– eine »biblia pauperum«: ein einfacher Ersatz für das schwierigere

Lesen und Verstehen der biblischen Texte,

– eine einfache Illustration biblischer Personen, des Lebens Jesu,

seiner Verkündigung, seines Leidens und Sterbens, seiner Auferstehung,

49


MANFRED TIEMANN BIBELFILM UND BLOCKBUSTER

– eine Illustration, damit der Zuschauer jetzt genau weiß: »So war

es!«,

– Reportagen und Beweismittel für die Historizität von Abraham,

Mose, Jesus (»Der Kameramann war dabei«),

– spannende Abenteuergeschichten, Kolossalgemälde oder Historienspektakel

mit Massenszenen und Materialschlachten zur Unterhaltung

und Belustigung.

Durch gelungene Filme können die Schüler/innen dazu angeregt

und motiviert werden,

– biblische Themen affektiv wahrzunehmen (»auf sich wirken lassen«),

– biblische Texte und ihre unterschiedlichen Verfilmungen kognitiv

in ihren jeweiligen Entstehungshorizont von Zeitgeschichte, Produktionsbedingungen,

Theologiegeschichte usw. einzuordnen,

– Maßstäbe für die sachgerechte Auslegung, Bewertung und Beurteilung

von Bibel- und Jesus-Film zu finden,

– Reflexion der eigenen religiösen Sozialisation einzuüben.

Unterrichtsideen mit Bibel- und Jesus-Filmen

Präsentation eines Filmbeispiels

Schüler/innen

– wählen aus dem gezeigten Film zwei oder drei Szenen von je maximal

drei bis fünf Minuten aus und führen diese erläuternd vor.

(Ziel: Beschränkung – Verdichtung),

– begründen ihre Auswahl: Warum sind gerade diese Szenen für

den Film – für uns – wichtig? (Ziel: Mögliche Identifikation oder

Ablehnung),

– präsentieren ein Kurzreferat über Inhalt, Entstehung des Films,

Intention des Regisseurs u. a.,

– entwerfen ein eigenes Filmplakat: Eine Collage aus Einzelbildern

des Films, die besonders angesprochen haben,

– tragen ihre kritische Bewertung begründend vor.

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

50


MANFRED TIEMANN BIBELFILM UND BLOCKBUSTER

Zusammenfassung

– Vom Film zum Buch: Ähnlich wie Literatur-Verfilmungen im

Deutschunterricht bietet der gezielte Einsatz von Bibelfilm und

Blockbuster im RU die Chance, dass sich die Schüler/innen für

Texte der biblischen Vorlage interessieren, diese dann intensiver

lesen und interpretieren.

– Gezielte Szenenauswahl: Da die meisten Bibelfilme und Blockbuster

für eine Unterrichtsstunde oder Doppelstunde viel zu lang

sind, ist eine gezielte Szenenauswahl vorzunehmen, auch wenn

dadurch das Gesamtkunstwerk des Filmes zerstört wird.

– Aktive Filmarbeit: Die Schüler/innen nicht beim bloßen Konsumieren

lassen, sondern sie zum Kommunizieren führen, ihre

Wahrnehmung schärfen und Rückbezüge zur Lebensrealität und

ihrem eigenen Verhalten ermöglichen.

– »Indirekte Bibelfilme«: Schüler/innen ab Klasse 10 bevorzugen

eher Filme, die eine Transfiguration biblischer Gestalten oder

Inhalte vornehmen. Die Lerngruppe zeigt sich oft kritisch gegenüber

dem »direkten« Bibelfilm.

Hinweis

Die aufgeführten Filme sind entweder im Handel erhältlich oder bei

kirchlichen Medienzentralen ausleihbar.

Standbilder aus Filmen (DVD) sind vom Autor erstellt und bearbeitet.

Die Filmtexte (Erzähl- und Dialogtexte) sind vom Autor von den

jewei ligen Filmen abgehört.

Abbildungsnachweis

Abb. 1: Jesus liebt mich (D 2012): DVD Warner Home Video.

Abb. 2: Im Auftrag des Teufels (THE DEVIL’S ADVOCATE, US 1997):

DVD Warner Home Video GmbH. Z5 16172 Best.-Nr. 1617295.

Abb. 3: Die Chroniken von Narnia (US 2005): DVD 20th Century Fox

(NTSC US-Import).

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

52


Bibel-Produkte

für und von Jugendlichen

Produkte zur Bibel für Jugendliche gibt es

mittlerweile immer mehr. Nach den Kindern

als Zielpublikum entdecken Verlage, christliche

Vereinigungen und andere kreative Köpfe

zunehmend auch die Jugend.

Die Produktbewerbungen richten sich dabei

nicht immer an Jugendliche selbst, sondern

oft an Lehrende/Pfarrengagierte, die mit

Jugendlichen Bibelarbeit vorhaben oder –

noch häufiger – an Erwachsene, die nach

einem passenden Geschenk für Jugendliche

suchen. Oft scheint man nicht damit zu rechnen,

dass sich Jugendliche von sich aus zu

einem biblischen Produkt (auch nicht einem

kostenlosen) greifen. Um Bibel dennoch (für

erwachsene oder jugendliche Kunden) attraktiv

zu machen, geht man folgende Wege:

Attraktiver und lebensnäher

Im Vergleich zu Kinderbibeln sind Jugendbibeln

vergleichsweise selten – wohl, weil die

meisten Jugendlichen ohnehin eine Schulbibel

erhalten. Jugend-Vollbibeln unterscheiden

sich von »Erwachsenen-Vollbibeln«

durch einen oder mehrere der folgenden

Punkte:

1) Häufig wird eine andere Umschlaggestaltung

gewählt. Für ein »jugendgerechtes«

Cover wird meist schwarz oder eine knallbunte,

»peppige« Farbe verwendet.

2) Neben dem Cover sind es Sonderseiten, die

das Interesse der Jugendlichen wecken sollen.

Als für Jugendliche passend erachtet man die

Verbindung zu »Lebensbezüge[n] … wie

Glauben/Arbeit und Freizeit, Beziehung/

Liebe« sowie eine Jugendgruppen-spezifische

Ausrichtung, etwa mit Sonderseiten für

»Pfadfinderinnen und Pfadfinder aber auch

interessierte Outdoor-Fans … mit Gebeten

und Tipps zum Bibellesen für die Gruppenarbeit.«

1

Die Werbetexte argumentieren damit, dass

die Sonderseiten das Lesen der Bibel erleichtern

sollen, z. B.: »Junge heranwachsende

Menschen erfahren das Leben dichter. Sie

hinterfragen das, was sie erleben, grundsätzlicher

und suchen nach Antworten. Die Bibel

mit ihren mehr als 70 Schriften wird von

ihnen eher als ein Buch mit 7 Siegeln wahrgenommen

anstatt als Buch des Lebens! Um

diese Siegel zu öffnen, greift die handliche

Gesamtausgabe in der revidierten Einheitsübersetzung

(2017) auf 96 zusätzlichen Seiten

Lebensbezüge auf …« 2

3) Dazu kann noch ein mediales Zusatzangebot

kommen, etwa bei der LIVE Teens Bibel,

die explizit darauf abzielt, Jugendliche zu animieren,

mit der Bibel zu leben und dafür eine

eigene Facebookseite eingerichtet hat.

Einfacher und kürzer

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die

Bibeltexte statt in der Standardübersetzung

in verständlicherer, einfacher zu lesender

Sprache anzubieten. Ausgaben, die sich um

kurze, vereinfachte Sätze bemühen, sind die

»Basisbibel« oder die »Bibel in leichter Sprache«.

Dabei richten sie sich nicht ausschließlich

an Jugendliche, sondern vor allem an

Menschen mit Leseschwächen. Jugendspezi-

55


MITGLIEDERFORUM

Mitgliederforum

Abschlussdokument

der Bischofssynode liegt vor

Die Bischofssynode in Rom tagte im Oktober

zum Thema: »Die Jugendlichen, der Glaube

und die Berufungsunterscheidung«. Ab sofort

ist das Abschlussdokument in deutscher

Übersetzung auf der Homepage der Deutschen

Bischofskonferenz auf www.dbk.de

verfügbar. Darin geht es den Synodenteilnehmern

um eine Kirche, die zuhört, sich den

Neuerungen in der digitalen Welt stellt und

die Familie und generationenübergreifende

Beziehungen fördert. Fragen der synodalen

Kirche und des »missionarischen Schwungs«

werden ebenfalls in dem Abschlussdokument

behandelt.

Neue Einführungen zu den

Sonntagslesungen

Seit dem 1. Advent 2018 ist im sonntäglichen

Gottesdienst der Text der revidierten Einheitsübersetzung

zu hören. In Kooperation

erstellen die Bibelwerke Deutschlands,

Österreichs und der Schweiz neue Einführungen

zu den Schriftlesungen der Sonn- und

Feiertage. Sie stehen auf www.bibelwerk.de,

www.bibelwerk.at und www.bibelwerk.ch

und auch auf www.jahrederbibel.at zum

Download bereit.

Das Bibelwerk

KATHOLISCHES BIBELWERK e.V.

Vollständige deutschsprachige

Ausgabe der »Vulgata«-Bibel

Die »Vulgata«, die im 4. Jh. n. Chr. größtenteils

vom Kirchenvater Hieronymus erarbeitete

lateinische Bibelübersetzung, liegt

erstmals in einer vollständigen deutschen

Übersetzung vor. Die lateinisch-deutsche

Ausgabe ist als Werkzeug für die moderne

Exegese gedacht und soll Impulse für die

interdisziplinäre Zusammenarbeit geben.

Angeregt wurde das Projekt durch die 2009

erschienene deutschsprachige Ausgabe der

Septuaginta. Mit beiden Ausgaben kann

allen, die die alten Sprachen nicht beherrschten,

eine Vorstellung von der breiten Überlieferungsgeschichte

der Bibel vermittelt

werden. Weitere Informationen:

https://www.projekt-vulgata.ch/Projekt-

Vulgata/Startseite.html

2. Werkstatt-Tagung

»Bibel und Leichte Sprache«

war ein voller Erfolg

Vom 29. bis 31. Oktober 2019 trafen sich mehr

als 80 Engagierte und Interessierte zur zweiten

bundesweiten Werkstatt-Tagung »Bibel

und Leichte Sprache« im Caritas-Pirckheimer-Haus

in Nürnberg. Wieder waren viele

Begegnungen mit Menschen möglich, die an

stehend von links:

Sr. M. Paulis Mels, Claudio Ettl, Dieter Bauer

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

60


Veranstaltungen

Leben im Wort – oder

»Wie unser Leben heute Gott erzählt?«

Werkstatt Offenes Arbeiten in einem

interessierten Kreis zum Thema

Wann: 1./2. April 2019, 14–16 Uhr

Wo: Martinushaus Aschaffenburg

Ausgangspunkt: Seit längerem – angestoßen durch Carolin

Emcke, Gegen den Hass, und ihrem Vorschlag des Wahrredens

(parrhesia) denke ich darüber nach, ob wir biblisches

Erzählen (nicht: Bibel erzählen!) als Beispiel für

wirklichkeitsverändernde Gottesrede in der pastoralen

Arbeit aufgreifen müssten. Die Frage nach Wahrheit(en),

politischer Dimension der Gottesrede/Theologie etc.

gehört dabei m.E. mit dazu und könnte biblisches Arbeiten

aus dem »Wohlfühl-Bereich« herausführen.

Was: »Erzählen« im weitesten Sinn (Inhalt und Dramaturgie)

und Wirkungen des reflektierten/gestalteten Erzählens

beschreiben. Erzählen als biografisches Reden,

»Erzählen« aus bibeltheologischer Perspektive beschreiben

und dessen Relevanz für (bibel)pastorales Arbeiten/Bildungsarbeit

in verschiedenen Bereichen reflektieren: Was

könnte »biblisches Erzählen« beinhalten und bedeuten?

Welche Wirkungen möchten wir damit erreichen?

Welche Methoden und Zugänge sind hilfreich?

Wer: Impulsgebende sind Prof. Dr. Ilse Müllner, Bibelwissenschaftlerin,

Biografiearbeit, Kassel; Gabi Erne,

Künstlerin, Biografiearbeit, Marburg

Dr. Hadwig Müller, Freiburg, Theologin; Marcus Droß,

Regisseur/Dramaturg, Künstlerhaus mousonturm,

Frankfurt (nach Möglichkeit am Dienstagnachmittag)

Von den Teilnehmenden wird eine sehr hohe Bereitschaft

erwartet, aus den eigenen Arbeits- und Aufgabenfeldern

Beiträge einzubringen und an der Aufgabenstellung

»Biblisches Erzählen näher zu beschreiben« mitzuarbeiten.

Ein Thesenpapier, eine spezifische Fragestellung oder

Beobachtung kann im Vorfeld gerne eingereicht sowie zur

Diskussion mitgebracht werden.

Kursgebühren und Übernachtung werden übernommen,

Fahrtkosten sind selbst zu tragen.

Leitung und Ansprechpartnerin:

Barbara Janz-Spaeth, Fachbereich Bibelpastoral,

Diözese Rottenburg-Stuttgart

bjanzspaeth@blh.drs.de

www.kirche-und-gesellschaft.drs.de/bibelpastoral

Die Bibel brodelt!

Biblischer Tag mit Anneliese Hecht

Nach fast biblischen 40 Jahren wird Frau Dipl. Theol.

Anneliese Hecht im Herbst diesen Jahres offiziell ihre

fruchtbare Arbeit im Katholischen Bibelwerk e.V. beenden.

Wir laden schon jetzt alle ehemaligen Kursteilnehmer/

innen, Freund/innen, Leser/innen und Mitglieder herzlich

zu einem Biblischen Tag ein: Zeit für biblische Erfahrungen,

Vorträge, Gespräche, Zeit zum Feiern, Beten und

Danken!

Katholische Akademie Hohenheim, 28.9. 2019, 10–17 Uhr

Vormerkungen bitte an Frau Carmona:

carmona@bibelwerk.de

Grundkurs »Bibel erzählt!«

Die Teilnehmenden erhalten einen Einblick in das Handwerk

des Erzählens, setzen sich intensiv mit Bibeltexten

auseinander und erarbeiten eine persönliche Erzählversion

einer biblischen Geschichte. Stimmbildungs- und Sprechübungen

helfen bei der Umsetzung. Der wunderschöne

Ort – das autofreie Tessiner Bergdorf Rasa – bietet eine

unterstützende Umgebung.

Leitung: Katja Wißmiller, Co-Leitung: Moni Egger

Fr, 5. bis So, 7. Juli 2019 in Campo Rasa bei Intragna, Tessin/

Schweiz. Informationen & Anmeldung bis 30.4.:

info@bibelwerk.ch; www.bibelwerk.ch

Von Nichtigkeit und Liebeslust:

Bibelwoche im Stift Vorau

Die Bücher Kohelet und Hohelied haben auf den ersten

Blick nicht viel gemeinsam: Hier beklagt ein philosophisch

geschulter »Versammler« die Nichtigkeit und Vergänglichkeit

der Welt, dort werden die Freuden der Liebe überschwänglich

gepriesen. Eines haben sie jedoch gemeinsam:

Sie werden beide von der Tradition König Salomo

zugeschrieben. In der Bibelwoche sollen in Vorträgen und

Tischgruppen, durch individuelle Auseinander setzung

mit den Texten und musikalisch-humorvolle Impulse die

Bücher Kohelet und Hohelied in ihrer aktuellen Lebensrelevanz

erschlossen werden.

8.–13.7. 2019, Stift Vorau, 8250 Vorau 1, www.stift-vorau.at

Referent/innen: Univ.-Prov. Dr. Gerhard Langer;

Dr. Elisabeth Birnbaum;

Informationen und Anmeldung: team@bibeltagung.at;

www.bibeltagung.at


JOACHIM THEISS DIGITAL NATIVES UND DIE BIBEL

joachim theis

Digital Natives und die Bibel

eine unmögliche Verbindung?

Lesen Jugendliche heutzutage noch die Bibel

ein anspruchsvolles Buch in Zeiten von Instagram

und Snapchat? Ein altes Buch über Gott in einer

säkularen Gesellschaft? Warum sollten sie es tun?

Wieso ist es auch heute wichtig Jugendliche zum

Bibellesen zu motivieren, was steht dem entgegen –

und wie kann es gelingen?

(Bibel) Lesen bildet

Die alte Weisheit, dass Lesen bildet, hat auch im Zeitalter der digitalen

Medien ihre Gültigkeit nicht verloren. Aus pädagogischer Sicht

wird durch das Lesen der aktive Spracherwerb gefördert, aber auch die

Urteilsfähigkeit und die geistige Eigenständigkeit des Kindes. Das

bedeutet: Kinder und Jugendliche, die viel lesen, haben einen größeren

Wortschatz, können sich besser konzentrieren und entwickeln

eine größere Sozialkompetenz.

Für das Bibellesen gilt Ähnliches: Menschen, die mehr biblische Texte

lesen und ihre erworbenen Kompetenzen vielfältig einüben, entwickeln

mehr und mehr Lesefertigkeiten. Durch das Zusammenspiel

von Leseverhalten und Lesefähigkeit kann sich im Blick auf die Bibellektüre

ein positiver Engelskreis ergeben. Dagegen kann es ein Teufelskreis

sein, wenn Menschen nicht mit biblischen Texten in Kontakt

kommen und nicht in die Lage versetzt werden, ihre Lesekompetenz

im Umgang mit Bibeltexten einzuüben.

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

2


arbara janz-spaeth und jugendliche

Bibel lesen – ja, aber …

Die Antwort der Jugendlichen

Liest »die Jugend« die Bibel? Wir wollten die Meinung

der Jugendlichen zu diesem Thema einholen.

Das kann natürlich nur exemplarisch geschehen.

»Die« Jugend als einheitliche Gruppe gibt es bekanntlich

nicht. Immerhin geben die folgenden Beiträge

aber einen kleinen Einblick in die unterschiedlichen

Sichtweisen Jugendlicher.

Bibel lesen? Ja, bitte!

Himmel und Erde werden vergehen;

aber meine Worte werden nicht vergehen.

Matthäus 24,35

Wer bin ich? Es passiert einem nicht selten, dass man sich dabei

erwischt, über diese Frage nachzudenken. Vor allem junge Menschen

sind auf der Suche nach ihrer Identität und suchen nach einem Halt in

guten wie auch in schlechten Zeiten. Leider erleiden viele dabei Enttäuschungen

und verlieren das Vertrauen in Menschen und in sich

selbst. Viele fühlen sich nach einem Rückschlag allein gelassen, vergessen

und verletzt. Wer sie wirklich sind, haben sie aber immer noch

nicht herausgefunden.

Wäre es in solch einer Situation nicht wundervoll, eine Anleitung zu

haben, die uns Schritt für Schritt zeigt, wie wir unser Leben komplett

umkrempeln können, um ein erfülltes Leben zu erlangen?

Um genau so ein Buch handelt es sich bei der Bibel.

11


BARBARA JANZ-SPAETH UND JUGENDLICHE BIBEL LESEN – JA, ABER …

Viele denken, es handle sich bei der Bibel um ein langweiliges, altes

Buch, welches die Geschichten vieler, schon lange verstorbener Menschen

beinhaltet. Ganz im Gegenteil! Die Bibel beinhaltet die Antworten

auf die meisten unserer Lebensfragen. Egal ob es sich dabei

um Fragen über die eigenen Gefühle, die eigene Existenz handelt,

oder um Fragen, wie man mit anderen Menschen umgehen soll; die

Bibel hilft uns, den Alltag einfacher zu meistern und das Leben aus

einer anderen Perspektive zu sehen.

Ein weiterer Grund, weshalb es Sinn macht, sich mit dem Wort Gottes

zu beschäftigen, ist, zu erkennen, wer man selber ist. Durch Jesus

Christus erfahren wir, wer wir selber sind. Er ist ein echter Freund, bei

dem man sich nicht verstellen muss. Jesus liebt uns so wie wir sind

und akzeptiert uns nicht erst dann, wenn wir uns für ihn verändern.

Wir wissen meistens selbst nicht, wer wir überhaupt sind und was

unsere eigenen Interessen sind, aber Jesus zeigt uns, wer wir durch

ihn sind und wie sehr er uns liebt.

Wenn man sich solch eine Veränderung für das eigene Leben wünscht,

hilft es nur, Gott besser kennen zu lernen und sich mit seinem Wort

auseinanderzusetzen. Wenn man sich intensiv mit der Bibel beschäftigt

und Zeit mit Gott verbringt, gibt es nichts, was Gott nicht im

Leben verändern könnte.

nisane saliba (18 Jahre)

Bibel lesen? – Nein, danke!

Meiner Meinung nach lesen viele Jugendliche hauptsächlich deshalb

nicht in der Bibel, weil sie keinen sonderlich großen Bezug zur Kirche

oder Religion haben. Abgesehen vom Religionsunterricht oder dem

Kirchgang zu Weihnachten bzw. Ostern haben sie mit Glauben nur

wenig zu tun und kommen daher im Normalfall gar nicht erst auf die

Idee, in ihrer Freizeit in der Bibel zu lesen.

Weitere Hindernisse sind der große Umfang und die unansprechende

Aufmachung der Bibel. Es fällt schwer, ein Buch mit bis zu tausend

Seiten, ungewohntem Seitenlayout und winziger Schrift in die Hand

zu nehmen und dann auch noch ernsthaft darin zu lesen. Außerdem

ist die Bibel so groß und umfassend, dass einen selbst schon das

Inhaltsverzeichnis mit all seinen verschiedenen Büchern, Evangelien,

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

12


Apostelbriefen und Offenbarung oder das Ende mit seinen seitenlangen

Personen- und Ortsregistern nicht gerade zum Lesen motiviert.

Die meisten Texte der Bibel sind in »schwerem Deutsch« mit vielen

altertümlichen Begriffen und seltsamen Satzkonstruktionen verfasst.

Deshalb müssen viele Abschnitte doppelt und sehr gewissenhaft

gelesen werden, damit man endlich mal versteht, worum es denn

überhaupt geht.

Ist man aber schon einmal so weit gekommen, dann gibt es Passagen,

die einen nur ratloser und verwirrter zurücklassen als davor. Denn

viele Abschnitte der Bibel müssen erst noch interpretiert und in einen

geeigneten Zusammenhang gebracht werden, was meist ein tiefgreifendes

und fachkundiges Hintergrundwissen voraussetzt.

Ein durchschnittlicher Jugendlicher verfügt aber nicht über ein solches

theologisches Hintergrundwissen, so dass er an all den unterschiedlich

auslegbaren Gleichnissen, Briefen, Psalmen und Metaphern

der Bibel oftmals an seine Grenzen stoßen kann.

Aus meiner Sicht sind dies die hauptsächlichen Gründe, warum man

als Jugendlicher nicht in der Bibel liest, aber mit Sicherheit gibt es noch

weitere und auch individuellere Ursachen und Erklärungen dafür.

Insgesamt geht es mir oft so, dass ich einen Bezug zwischen der Bibel

und meinem Leben nicht erkennen kann und deshalb schon gar nicht

erst zur Bibel greife.

simon kraus (17 Jahre, Göppingen)

Bibel lesen – ja, vielleicht

Wenn ich abends nach Hause komme, freue ich mich über ein gutes

Buch. Aber die Bibel? Obwohl sie Elemente sehr vieler Textsorten enthält,

ist sie mit einem Roman oder Krimi nur schwer zu vergleichen.

Seite für Seite die Bibel zu lesen – das finde ich schwer. Die Texte sind

deutlich vielschichtiger und anspruchsvoller, als das bei einem typischen

Freizeit-Buch der Fall ist. So bleibt es dann doch bei einer sehr

oberflächlichen Betrachtung, mit der man bei der Bibel nicht sehr weit

kommt. Angesichts der Vielzahl von Gleichnissen, Symbolen und

unzähligen Querverbindungen ist zum Verständnis mehr nötig. Es

braucht Erklärungen, denn erst dann erschließt sich der gesamte Text.

Das muss für mich aber nicht zwingend eine Predigt oder eine tief-

13


BARBARA JANZ-SPAETH UND JUGENDLICHE BIBEL LESEN – JA, ABER …

gründige Analyse einer Bibelstelle sein. Ebenso wichtig finde ich den

Austausch mit anderen. Hierbei kann oftmals eine deutlich zeitgemäßere

und persönlichere Deutung erfolgen.

Und genau das ist der Punkt, der das Bibellesen doch interessant

macht. Wenn ich hinterher für mich etwas mitnehmen kann, dann ist

die Bibel lesenswert.

Dazu braucht es (zunächst) auch nicht die gesamte Vielfalt an Themen,

die die Bibel zu bieten hat. Ich halte es für sinnvoll sich auf einen

Blickwinkel oder ein Themenfeld zu konzentrieren, da man sonst von

der Fülle des Textes geradezu überflutet wird.

Außerdem finde ich es nicht unbedingt praktisch, die Bibel – wie den

Roman oder Krimi – chronologisch durchzulesen. Auch hier kann die

Auswahl der Kapitel thematisch passend erfolgen.

Interessant finde ich dann den Vergleich mit anderen Textquellen oder

auch anderen Textsorten, die sich mit dem gleichen Thema befassen.

Und noch etwas: selbst wenn man meint, dass einem die Geschichten

der Bibel bekannt sind, lassen sich immer wieder unbekannte Teile

oder neue Details entdecken.

Der Blick in das Buch der Bücher kann sich also doch durchaus lohnen.

Vielleicht ist es an der Zeit, doch einmal wieder im Regal nach ihr

zu greifen. Bei über 1000 Kapiteln geht einem der Lesestoff zumindest

nicht so schnell aus.

stephan wienecke (19 Jahre)

Schlussfolgerungen

Der Religionsunterricht ist einer der wenigen Orte, in denen regelmäßig

biblische Texte gelesen werden. Die folgenden Überlegungen

resultieren aus der langjährigen Erfahrung im Religionsunterricht

sowie einigen Jahren an der Hochschule.

Leben und Bibel begegnen sich auf Augenhöhe –

Die Relevanz der Bibel im Leben

Jugendliche sind bereit, biblische Texte zu lesen und sich mit ihnen

gründlicher zu befassen, wenn sie einen Bezug zu ihrem Leben entdecken

können bzw. dazu angeleitet werden, ihre Lebenssituation mit

dem biblischen Wort zu verbinden. Es gilt zunächst, die vielfältigen

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

14


inhaltlichen Dimensionen eines Textes in größter Offenheit den

Jugendlichen darzulegen. Gleichzeitig ist dieselbe Offenheit gegenüber

den vielfältigen Lebenserfahrungen sowie ein großes Vertrauen

in die Rezeptionsfähigkeit der Jugendlichen erforderlich. Gibt man

den biblischen Text »frei«, dann bestimmen die Jugendlichen selbst

über die Relevanz des Textes für sich. Sie spüren in der Regel sehr

genau, welches Wort sie anspricht und stellen so einen ersten Zugang

für sich her. Daraus resultiert ihre Bereitschaft, sich intensiver auf den

Text einzulassen und zu überprüfen, ob die Relevanz trägt. Diese kann

durchaus als kritische Anfrage oder bestätigend für das eigene Denken

und Handeln sein. Wichtig ist, dass ein Verstehensprozess ermöglicht

und zugelassen wird, der zum einen nicht nur rational vor sich geht

und zum andern Diversität und Pluralität weder für den Text noch für

die individuellen Lebenserfahrungen ausschließt. Solche Offenheit

führt zu Interesse und zum Austausch zwischen Text und Leser*in/

Hörer*in, zwischen den Lesenden/Hörenden und innerhalb des Textes.

Die jeweiligen Akteur*innen folgen einem anderen Rollenverständnis:

Die Bibel wirkt selbstredend, weil nicht nur eine einzige Perspektive

zugelassen wird, sondern vielfältiges Deuten, Begreifen, Hören, Lesen

im Verstehensprozess enthalten sind. Wie in einem Orchesterwerk

bringen Hören und Lesen die unterschiedlichen »Stimmen« im Text

zum Klingen und lösen jeweilige Resonanzen aus; die Hörenden bzw.

Lesenden lernen im Austausch untereinander weitere Verstehenszugänge

kennen, die unterschiedlichen Lebenserfahrungen entspringen.

Das bewirkt eine Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen:

Wo stehe ich gerade? Warum ist dieser Gedanke für mich fremd, weshalb

bedeutsam, weshalb nachvollziehbar? Jugendliche nehmen eine

solch offene Begegnung mit biblischen Texten auf, weil sie spüren,

dass diese in ihrer Suche nach der eigenen Identität bedeutsam werden

kann. Sie selbst werden durch ihr Verstehen bedeutsam, weil durch sie

das Wort Gottes lebendig bleibt. Gemeinsam bilden sie eine »Verstehergemeinschaft«,

die das subjektive Lesen und Deuten einem Verständigungsprozess

unterwirft (Schambeck 2017, 42).

Schließlich verändert sich die Rolle der Theologie, die diesen Verstehensprozess

begleitet: Sie ist moderierend und unterstützend tätig,

stellt vielfältige Entdeckungsmöglichkeiten her und schafft einen

offenen Raum. Erst in der anschließenden Vertiefung der Begegnung

kann Wissen und Deuten weitere Verstehensebenen eröffnen.

15


BARBARA JANZ-SPAETH UND JUGENDLICHE BIBEL LESEN – JA, ABER …

Hermeneutische Schlüssel offenlegen

Jugendliche sind bereit, sich biblische Texte durch literarische, sozialgeschichtliche

und historisch-kritische Exegese zu erschließen, wenn

diese dadurch verständlicher und deutungsfähiger werden. Jugendliche

beschreiten neugierig und mit großer Entdeckungsbereitschaft

die fremde Welt der Texte, um sie in Bezug zur Gegenwart zu setzen,

Veränderungen wahrzunehmen und festgelegte Denkweisen kritisch

zu hinterfragen. Das gelingt vor allem, wenn das Handwerkszeug

dafür lediglich zur Verfügung gestellt und nicht zum eigentlichen

Inhalt gemacht wird. Dann gehen Jugendliche auch in einen konstruktiven

Veränderungsprozess kindlicher Vorstellungsweisen und

diskutieren differenziert die Frage nach der »Wahrheit« der Bibel, die

wiederum mit der Relevanz für ihr Leben verknüpft wird. Sie möchten

die Texte damals und heute verstehen können.

Literaturhinweis

Mirjam Schambeck, Biblische Facetten, Ostfildern 2017

Dipl. Theol. Barbara Janz-Spaeth

Referentin für Bibelpastoral/Biblische Bildung

in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Pastoralreferentin

Lehrbeauftragte an der PH Schwäbisch Gmünd

www.kirche-und-gesellschaft.drs.de/bibelpastoral

Mail: bjanzspaeth@blh.drs.de

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

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ZWISCHENRUF

Wie viel Bibel steckt im Lehrplan?

Wird der Bibel in den Lehrplänen inhaltlich und methodisch ein

angemessener Platz eingeräumt? Welche Stellung hat die Bibel in den

Lehrplänen und welcher methodische Zugang ist darin impliziert?

Drei österreichische Lehrpläne für den katholischen Religionsunterricht

sollen darauf exemplarisch antworten.

Volksschule (= Grundschule)

Das Selbstverständnis des katholischen Religionsunterrichts in der

Volksschule basiert auf der »korrelativen Verschränkung von biblischer

Offenbarung und kirchlicher Tradition einerseits und der

Lebens- und Glaubenswelt der Schülerinnen und Schüler andererseits«

(S. 3). Das Verstehen und die Deutung biblischer Texte und biblischer

Gestalten sollen grundgelegt werden (vgl. S. 9f.). Verschafft

man sich einen Überblick über die einzelnen Kompetenzen, nach

denen dieser Lehrplan strukturiert ist, kann man feststellen, dass von

einer Ausnahme abgesehen immer biblische Texte oder Gestalten als

Inhalt genannt werden. Die Auswahl sieht hauptsächlich einzelne

zentrale Perikopen aus dem AT und NT vor. Bei Erzählzusammenhängen

oder ganzen Büchern (z. B. Tobit; Passionserzählung; Ijob)

wird eigens der Vermerk »in Auswahl« zugefügt.

Sekundarstufe I (Sek I)

Der Religionsunterricht an der Sek I gewinnt seinen Standpunkt »aus

der Orientierung an der biblischen Offenbarung und der kirchlichen

Tradition« (S. 1). Er will ausdrücklich einen Beitrag leisten zu den verschiedenen

Bildungsbereichen der Sek I (vgl. S. 3f.). Zu den wesentlichen

Inhalten zählen unter anderem: biblisches Basiswissen (NT;

AT); biblische Frauen- und Männergestalten; Propheten (namentlich

Amos) und Schöpfungstexte. Die Schüler/-innen sollen in Auseinandersetzung

mit der Bibel biblische Sprachformen und den Reich-

17


OSKAR DANGL WIE VIEL BIBEL STECKT IM LEHRPLAN?

tum der biblischen Sprach- und Symbolwelt kennenlernen (vgl. S. 12).

Im Unterschied zum Lehrplan der Volksschule fällt besonders auf,

dass zum einen keine Einzelperikopen genannt werden; zum anderen

ist die Beschäftigung mit biblischen Themen und Texten auf Sprachkompetenz

ausgerichtet.

Sekundarstufe II (Sek II)

Auch in der Sek II gewinnt der Religionsunterricht »seinen Standpunkt

aus der Orientierung an der biblischen Offenbarung und der

kirchlichen Tradition« (S. 1). Er soll »zu tieferem Verständnis der Bibel,

der christlichen Tradition und der Erarbeitung eines erweiterten religiösen

Wissens« (S. 2) beitragen. Besonders hervorzuheben ist in diesem

Kontext das Kompetenzmodul 3 (vgl. S. 5): Die Schüler/-innen

sollen die »Vielfalt biblischer Gottesbilder« beschreiben und deuten,

die Bibel »in der Spannung von Menschenwerk und Gotteswort« verstehen

und interpretieren, sowie »Orientierungs- und Handlungsmöglichkeiten

aus dem biblisch-christlichen Welt- und Menschenbild

aufzeigen können« (S. 5). Auf die ausdrückliche Erwähnung

einzelner Perikopen, biblischer Figuren, Bücher oder Erzählzusammenhänge

wird völlig verzichtet.

In Bezug auf die beiden Eingangsfragen legen sich daher folgende

Antworten nahe: Der Bibel wird in den genannten Lehrplänen ein

expliziter Platz eingeräumt. Jedoch scheint sie zu stark an die kirchliche

Tradition angebunden. Die Bibel als kritisches Gegenüber zur

kirchlichen Tradition kommt damit nicht zum Zug. Was die bibelwissenschaftlichen

Zugänge anbelangt, eröffnen die Lehrpläne große

Freiräume und sind auch offen für aktuelle Methoden.

Oskar Dangl

Quellenangaben

Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht an der Volksschule:

http://www.schulamt.at/attachments/article/130/VS_LP_2014.pdf (16.5.2018)

Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht an Hauptschulen, an Neuen Mittelschulen

und an der Unterstufe Allgemein Bildender Höherer Schulen (= Sek I):

http://www.schulamt.at/attachments/article/130/LP_Sek_I.pdf (16.5.2018)

Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht an der Oberstufe Allgemeinbildender

Höherer Schulen (= Sek II): http://www.schulamt.at/attachments/article/130/

AHS_LP_kompetenzorientiert_Layout.pdf (16.5.2018)

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

18


agnethe siquans

Zeit der Entscheidung:

Jugend in der Bibel

Vom jungen David bis zum 12-jährigen Jesus, von

Jiftachs Tochter bis zur jungen Maria: Die Bibel kennt

viele Jugendliche. Welche Rolle können sie aber in

einer patriarchalen Gesellschaft spielen? Welche

Themen beschäftigen sie und wieviel Selbstständigkeit

traut man ihnen zu? Und inwiefern ist die

Jugend immer auch eine Zeit der Entscheidung?

Was heißt Jugend in der Bibel?

In den biblischen Texten begegnen verschiedene Begriffe für die

unterschiedlichen Altersstufen, auch für Jugend. Wann das Jugendalter

in Abgrenzung zur Kindheit beginnt, ist nicht ganz klar. Die

hebräischen und griechischen Begriffe, die für die verschiedenen

Altersstufen verwendet werden, überschneiden sich mitunter. Jer 6,11

unterscheidet fünf Gruppen: Kleinkinder, Jugendliche (baḥurim),

Mann und Frau, Alte und Hochbetagte. Jer 51,22 trifft eine andere Einteilung

in Kinder, junge Männer und junge Frauen (Jungfrauen),

Mann und Frau sowie Alte. In Gen 17,25 wird erzählt, dass die

Beschneidung Ismaels im Alter von 13 Jahren stattfand. Hier können

wir wohl den Übergang vom Kind zum Jugendlichen ansetzen.

Bei manchen Texten werden allgemeine Andeutungen gemacht, bei

wenigen gibt es genaue Angaben. Genaue zeitliche Abgrenzungen

zwischen Jugendlichen und Erwachsenen gibt es kaum. Nur in

Lev 27,1–8 finden wir eine Einteilung nach Altersklassen, die sich

offensichtlich an der Arbeitskraft orientiert. Es geht um die Einlösung

21


stefan sampt und schüler/innen

Unglaubwürdig, hoffnungsspendend

oder gefährlich?

Schüler/innen legen

Erweckungserzählungen aus

Wie interpretieren Jugendliche die Bibel? Was

halten sie von den dort enthaltenen Erzählungen?

Kommen sie zu anderen Ergebnissen als Erwachsene?

Keine Frage: Im Religionsunterricht werden Jugendliche

zu Bibeltexten hingeführt, sie stehen also dem

Text nicht vor-urteils-frei gegenüber. Dennoch zeigen

sie sich durchaus als eigenständige, interessante

Gesprächspartner, auf die zu hören sich lohnt. Ein

Unterrichtsprojekt des Gymnasiums Purkersdorf

bei Wien gibt Aufschluss …

Im Religionsunterricht mit 15–17-Jährigen haben wir uns unter dem

Titel »Der Mensch als Mitschöpfer« zunächst mit der Rolle des Menschen

in der Schöpfung und speziell in der »Mitschöpfung der Bibel«

beschäftigt. Die Jugendlichen wurden sich bewusst, dass die Bibel

göttlich inspiriertes Werk des Menschen ist (vgl. DV 11.13) und zu

allen Zeiten dazu aufruft sie auszulegen und sich selbst existenziell

mit der Bibel ins Gespräch zu bringen. In der Bibel selbst sieht man,

dass die Auslegung der Heiligen Schrift Schwierigkeiten bereiten

kann: Als Daniel gewisse Prophetenworte von Jeremia las, suchte er

31


STEFAN SAMPT UND SCHÜLER/INNEN UNGLAUBWÜRDIG, HOFFNUNGSSPENDEND ODER GEFÄHRLICH?

lange nach ihrem Sinn (Dan 9,2). In der Apostelgeschichte hören wir,

dass ein Äthiopier im 1. Jahrhundert einen Interpreten benötigte, um

einen Abschnitt des Jesaja-Buches verstehen zu können (Apg 8,30–

35). Im 2. Petrusbrief lesen wir, dass dass in den Briefen des Apostels

Paulus »manches schwer zu verstehen (ist), und die Unwissenden, die

noch nicht gefestigt sind, diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften

zu ihrem eigenen Verderben verdrehen« (2 Petr 3,16).

Das Problem ist also nicht neu, doch hat es im Laufe der Zeit an

Gewicht gewonnen: um zu den beabsichtigten Aussagen der Bibel

vorzudringen, müssen die Leser sich um über zwanzig Jahrhunderte

in eine völlig andere Welt zurückversetzen, und das ist nicht ohne

Schwierigkeiten möglich.

Die Schüler/innen wurden motiviert, den Text in seiner möglichen

Aussageabsicht wahrzunehmen und mit der eigenen Lebenswirklichkeit

ins Gespräch zu bringen. Für Ersteres war es wichtig, sich bewusst

zu machen, dass die Texte der Bibel in einem Glauben gründen, dessen

Zeugnis sie sind. Deshalb und um daraus eine Bedeutung für

heute herausschälen zu können, muss auch im Lesenden eine Bereitschaft

vorhanden sein, sich mit diesem Glauben ernsthaft auseinanderzusetzen,

um die Texte im selben »Geist« verstehen zu können, in

dem sie geschrieben wurden und um sie weiter fruchtbar zu machen.

Das schließt kritische Rückfragen an den Text nicht aus, verhindert

jedoch eine Bewertung des Textes nach rein naturwissenschaftlichen

Plausibilitätskriterien.

Ein gewisses Einfühlungsvermögen, sowohl in den Text und seine

Zeit als auch in die eigene Lebenswirklichkeit ist also die Voraussetzung

für ein angemessenes Verständnis.

Das erste Kennenlernen mit den Texten (Auferweckung des Jünglings

von Nain: Lk 7,11–17 und die Auferweckung des Lazarus: Joh 11,1–45)

erfolgte durch »Bibel teilen«: Der Text wurde vorgelesen und die

Schüler/innen konnten nach einer kurzen Stille einen Satz, eine

Phrase oder auch ein Wort der Bibelstelle wiederholen und danach

ihre Meinung dazu kundtun. Dies führte zu teils kontroversen Diskussionen.

Im weiteren Verlauf haben die Schüler/innen ihre Gedanken,

Meinungen und Interpretationsversuche verschriftlicht.

Im Folgenden möchte ich einen Einblick in die Auslegungen der

Jugendlichen geben:

BIBEL UND KIRCHE 1 | 2019

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Jugendliche dichten Psalmen

Im Themenfeld »Sprechen von und mit Gott« wurden im interkonfessionellen Gemeinschaftsunterricht

die drei wichtigsten Gattungen von Psalmen (Klagepsalm, Lobpsalm und

Dankpsalm) behandelt (ausgehend von »Bibel heute« Heft 168: Mit Psalmen leben). Danach

schrieben die Schülerinnen und Schüler eigene Psalmen – je nach Interesse in einer Gruppe,

in Partnerarbeit oder allein. Als Ausgangspunkt wählten sie sich dazu Bilder von Situationen

in der modernen Gesellschaft aus Zeitung und Netz, um einen emotionalen Zugang

zum Schreiben des Textes zu erhalten.

Daraus entsteht ein kleines Psalmheft mit Grundinformationen (Sicherung des Erlernten)

und allen Texten der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs.

Alle Texte entstammen der 6. Klasse des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Filderstadt im

Rahmen des Unterrichtsprojekts Beate Brielmaier: »Kreatives Schreiben von modernen

Psalmen.«

Klagepsalm

Nils, Jonas, Lara, Cara

Ich habe auf dich vertraut

David, Tim

Gott, hilf mir,

ich bin verzweifelt,

ich finde keinen Ausweg.

Warum vergisst du mich?

Meinen Vorfahren hilfst du,

doch mir nicht.

Wo bist du,

dass du mir helfen kannst, Gott?

Hilf mir, mich wieder aufzubauen,

ich fühle mich so einsam.

Sei bei mir, mein Retter,

und behüte mich.

Ich bin wie ein vergammeltes Stück Brot in der Ecke.

Ich habe das Vertrauen in dich verloren.

Wieso unternimmst du nichts?

Warum hilfst du mir nicht?

Ich bin einsam und niemand unternimmt etwas.

Du wirst mir nie helfen!

Mein Leben macht keinen Sinn mehr ohne deine Hilfe.

Bitte hilf mir!

Ohne deine Hilfe werde ich nicht überleben.

Doch du bist meine einzige Hoffnung.

Du bist der Herr der Welt.

Ich will dich anbeten.

Du wirst mich retten.

Auf dich will ich hoffen!

Du bist der einzige, der mich noch liebt.

Darauf will ich hoffen und glauben.

41


manfred tiemann

Bibelfilm und Blockbuster:

Bibelarbeit mit Jugendlichen

jenseits des Lesens

Filme im Unterricht sind bei Lehrenden und Lernenden

gleichermaßen beliebt. Das gilt auch für den

Religionsunterricht. Hier dienen häufig Bibelfilme

dazu biblische Themen anschaulich zu machen,

als Ersatz oder Ergänzung der Bibellektüre.

Doch das Medium Film kann viel mehr als Bibel

illustrieren. Richtig aufbereitet kann es die Bibel

erschließen und existenziell erfahrbar machen.

Und es müssen keineswegs immer Bibelfilme sein,

die dazu am besten geeignet sind …

Heutiger Zeitgeist zeichnet sich unter anderem durch eine seltsame

Zwiespältigkeit aus: Die Sehnsucht nach Sinn, höheren Werten,

Wahrheit und Erlösung ist einerseits groß, andererseits sind Kultur,

Religion und Kirchen längst entzaubert. Erlösung wird – gerade vonseiten

Jugendlicher – kaum gesucht in Kirchen, sondern lieber in den

Massenmedien, in der Diskothek und im Kino. Der Medienkonsum

bei Jugendlichen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die

JIM-Studie 2017 nennt die regelmäßige Nutzung von Internet und

Smartphone mit jeweils 97 Prozent auf dem ersten Platz, jeder Dritte

nutzt ein Tablet, dagegen ist der Anteil regelmäßiger Nutzer von

Tageszeitung und Büchern weiter rückläufig (vgl. den Beitrag von

Joachim Theis).

43


Bibel-Produkte

für und von Jugendlichen

Produkte zur Bibel für Jugendliche gibt es

mittlerweile immer mehr. Nach den Kindern

als Zielpublikum entdecken Verlage, christliche

Vereinigungen und andere kreative Köpfe

zunehmend auch die Jugend.

Die Produktbewerbungen richten sich dabei

nicht immer an Jugendliche selbst, sondern

oft an Lehrende/Pfarrengagierte, die mit

Jugendlichen Bibelarbeit vorhaben oder –

noch häufiger – an Erwachsene, die nach

einem passenden Geschenk für Jugendliche

suchen. Oft scheint man nicht damit zu rechnen,

dass sich Jugendliche von sich aus zu

einem biblischen Produkt (auch nicht einem

kostenlosen) greifen. Um Bibel dennoch (für

erwachsene oder jugendliche Kunden) attraktiv

zu machen, geht man folgende Wege:

Attraktiver und lebensnäher

Im Vergleich zu Kinderbibeln sind Jugendbibeln

vergleichsweise selten – wohl, weil die

meisten Jugendlichen ohnehin eine Schulbibel

erhalten. Jugend-Vollbibeln unterscheiden

sich von »Erwachsenen-Vollbibeln«

durch einen oder mehrere der folgenden

Punkte:

1) Häufig wird eine andere Umschlaggestaltung

gewählt. Für ein »jugendgerechtes«

Cover wird meist schwarz oder eine knallbunte,

»peppige« Farbe verwendet.

2) Neben dem Cover sind es Sonderseiten, die

das Interesse der Jugendlichen wecken sollen.

Als für Jugendliche passend erachtet man die

Verbindung zu »Lebensbezüge[n] … wie

Glauben/Arbeit und Freizeit, Beziehung/

Liebe« sowie eine Jugendgruppen-spezifische

Ausrichtung, etwa mit Sonderseiten für

»Pfadfinderinnen und Pfadfinder aber auch

interessierte Outdoor-Fans … mit Gebeten

und Tipps zum Bibellesen für die Gruppenarbeit.«

1

Die Werbetexte argumentieren damit, dass

die Sonderseiten das Lesen der Bibel erleichtern

sollen, z. B.: »Junge heranwachsende

Menschen erfahren das Leben dichter. Sie

hinterfragen das, was sie erleben, grundsätzlicher

und suchen nach Antworten. Die Bibel

mit ihren mehr als 70 Schriften wird von

ihnen eher als ein Buch mit 7 Siegeln wahrgenommen

anstatt als Buch des Lebens! Um

diese Siegel zu öffnen, greift die handliche

Gesamtausgabe in der revidierten Einheitsübersetzung

(2017) auf 96 zusätzlichen Seiten

Lebensbezüge auf …« 2

3) Dazu kann noch ein mediales Zusatzangebot

kommen, etwa bei der LIVE Teens Bibel,

die explizit darauf abzielt, Jugendliche zu animieren,

mit der Bibel zu leben und dafür eine

eigene Facebookseite eingerichtet hat.

Einfacher und kürzer

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die

Bibeltexte statt in der Standardübersetzung

in verständlicherer, einfacher zu lesender

Sprache anzubieten. Ausgaben, die sich um

kurze, vereinfachte Sätze bemühen, sind die

»Basisbibel« oder die »Bibel in leichter Sprache«.

Dabei richten sie sich nicht ausschließlich

an Jugendliche, sondern vor allem an

Menschen mit Leseschwächen. Jugendspezi-

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