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XtraBlatt Ausgabe 02-2019

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2<br />

<strong>2019</strong><br />

<strong>XtraBlatt</strong><br />

GRÜNLAND<br />

Wirtschaften mit Nährstoff-Limit<br />

GENUSS-ARCHE<br />

Direktvermarkter-Hof Berbalk<br />

ZUKUNFT<br />

LANDWIRTSCHAFT<br />

Interview mit DLG-Präsident<br />

Hubertus Paetow<br />

1


TITELTHEMA<br />

Die Kuh ist der Maßstab – diese Devise steht für<br />

Landwirte, Lohnunternehmer und auch das Krone-<br />

Team im Mittelpunkt. Denn hohe Milchleistung,<br />

gute Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit sind<br />

nur mit optimalem Grundfutter und der richtigen<br />

Technik möglich.


EDITORIAL<br />

LIEBE LESERINNEN UND LESER,<br />

Weihnachten steht vor der Tür, und wir finden die Muße, das<br />

alte Jahr Revue passieren zu lassen. So fiel das Geschäftsjahr<br />

2018/<strong>2019</strong> für Krone mit 2,24 Mrd. € Umsatz der Gruppe<br />

sehr zufriedenstellend aus. Im laufenden Geschäftsjahr ist<br />

die Entwicklung verhaltener, aber insgesamt noch positiv.<br />

Mut macht mir dabei der Erfolg der Agritechnica mit ihren<br />

erneut 450.000 Besuchern – die damit besser endete, als es<br />

im Vorfeld zu hoffen war.<br />

Die vielen Gespräche auf unserem Stand spiegelten aber sehr<br />

unterschiedliche Gefühle der Besucher wider. Ungebrochen<br />

ist das große Interesse an technischen Lösungen, um die<br />

Futtergewinnung und die Wirtschaftlichkeit der Milch- und<br />

Rindviehhaltung zu verbessern. Sehr präsent ist aber auch die<br />

Verärgerung über die schwierigen Rahmenbedingungen, die<br />

für große Unsicherheit sorgen. Hierzu gehört sicher das als unfair<br />

empfundene und – leider – in zahlreichen Fällen sachlich<br />

falsche Bild, das in den allgemeinen Medien über die Landwirtschaft<br />

gezeichnet wird. Nicht zu akzeptieren ist für mich auch<br />

die zunehmende Sprunghaftigkeit, mit der die Politik zurzeit<br />

die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft<br />

ändert. DLG-Präsident Hubertus Paetow bringt es im Interview<br />

ab Seite 32 sehr treffend auf den Punkt, in dem er sich in der<br />

politischen Beschlussfindung zunehmend an einen Basar<br />

erinnert fühlt. Sachliche Diskussion und fundierte Fakten<br />

waren gestern, maßgeblich scheinen nur noch Umfragen und<br />

emotionsbeladene Kampagnen. Sehr verständlich sind daher<br />

die Proteste der Landwirte, die mit ihren Traktor-Konvois auf<br />

Unfairness und große Unsicherheit hinweisen. Gefreut hat<br />

mich, dass diese Aktionen in der Bevölkerung mehrheitlich<br />

auf große Zustimmung gestoßen sind!<br />

Wichtig ist, dass sich die Landwirtschaft den Veränderungsprozessen<br />

proaktiv und konstruktiv stellt. Und es muss<br />

deutlich werden, welche großartigen Leistungen unsere Landwirtsfamilien<br />

für Gesellschaft, Wohlstand und Umwelt leisten.<br />

Es kann nicht sein, dass unsere Landwirte höchste Standards<br />

zu erfüllen haben und beim Produktpreis zum Beispiel mit<br />

Südamerika konkurrieren müssen. Doch unsere Branche wird<br />

passende Produktionsverfahren und -techniken entwickeln,<br />

die Verbraucherwünsche und vernünftige Wirtschaftsweise<br />

weitgehend deckungsgleich werden lassen. Und wir seitens<br />

Krone forcieren mehr denn je die aktive Imagearbeit pro<br />

Landwirtschaft in Politik und Verbänden.<br />

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien Zuversicht<br />

– doch zuerst natürlich ein friedvolles, besinnliches<br />

Weihnachtsfest sowie ein erfolgreiches und besonders<br />

gesundes Jahr 2<strong>02</strong>0!<br />

Ihr Bernard Krone<br />

3


4<br />

INHALT<br />

Ackergras mit Kleeanteil ist für viele dänische Milchviehhalter<br />

eine wesentliche Futtergrundlage.<br />

6<br />

TITELTHEMA<br />

GRÜNLAND-MANAGEMENT: DÄNEMARK<br />

ERFOLGREICH<br />

TROTZ<br />

DÜNGERLIMIT<br />

7<br />

Die Fahrt vom Grenzübergang Padborg in Richtung<br />

Nordwest durch das südliche Jütland zeigte es im<br />

September sehr deutlich: Die Silomaisbestände sahen sehr<br />

vielversprechend aus und ließen auf eine überdurchschnittlich<br />

gute Ernte hoffen. „Im Vergleich zu Deutschland wird<br />

der Mais hier bei uns im hohen Norden in der Regel nicht so<br />

hoch – aber in diesem Jahr ist es eine wahre Pracht“, freut<br />

sich Dan Hamann, Geschäftsführer der Brøns-Gruppe, den<br />

ich am Firmensitz im gleichnamigen Örtchen Brøns direkt<br />

an der Westküste Jütlands besuche. Er ist u. a. exklusiver<br />

Importeur für Krone und Amazone in Dänemark und betreut<br />

zusammen mit seinem 30-köpfigen Team sowie etwa<br />

20 regionalen Fachhändlern die dänischen Landwirte in<br />

Vertrieb, Service und Beratung.<br />

Auch sonst sehen sich die dänischen Milchviehhalter derzeit<br />

recht gut aufgestellt, so Dan Hamanns Einschätzung.<br />

Ein Blick auf die offiziellen Statistiken zeigt: Mitte des<br />

Jahrzehnts waren die dänischen Kuhbestände auf rund<br />

525.000 Tiere gesunken, aber seit dem Wegfall der Quoten<br />

geht es aufwärts. Mittlerweile gibt es in Königin Margrethes<br />

Reich wieder rund 575.000 Kühe. Gesunken ist allerdings die<br />

Zahl der Betriebe: Schon 2017 rutschte sie bei den Milchviehhaltern<br />

unter die Marke von 3.000, bei Schweinen sind<br />

es weniger als 2.300, und bei der Gesamtzahl aller Höfe in<br />

Dänemark weisen die Statistiker für das gleiche Jahr gut<br />

34.700 aus – das sind fast 20 % weniger als im Jahr 2010.<br />

„Im Schnitt der zukunftsfähigen Milchviehbetriebe dürfte<br />

die Betriebsgröße heute bei etwa 300 ha bzw. 300 Kühen<br />

liegen – doppelt so groß wie noch 2010. Und die Tendenz<br />

zeigt weiter nach oben“, so der Krone-Importeur.<br />

FLÄCHENBINDUNG<br />

Doch wo liegen die Ursachen für diesen drastischen Strukturwandel?<br />

Um dem auf den Grund zu gehen, besuchen wir<br />

Landwirt Niels Laursen in Ribe, etwa 15 km nördlich von Brøns.<br />

Er bewirtschaftet rund 450 ha voll arrondierter Acker- und<br />

Grünlandflächen, davon 220 ha eigene Flächen. Ihm gehören<br />

420 Kühe plus Nachzucht, insgesamt 800 Tiere. Sie stehen in<br />

zwei etwa 1 km voneinander entfernten Ställen – vor einigen<br />

Jahren konnte er den Nachbarbetrieb dazu kaufen.<br />

Den Herdendurchschnitt beziffert er auf rund 10.900 kg Milch<br />

bei knapp 3,8 % Fett und 3,4 % Eiweiß, während wir durch<br />

den Betrieb gehen. Gemolken wird mit Robotern, je nach<br />

Leistungsgruppe drei- bzw. zweimal täglich.<br />

Die Ausstattung seines Betriebes mit Land bewertet Niels<br />

Laursen als gut. Bei diesem Verhältnis von Tieren zu Fläche<br />

gelinge es, den anfallenden organischen Dünger komplett<br />

Von den rund 450 ha bewirtschafteter Fläche<br />

nutzt Landwirt Niels Laursen rund 100 ha als<br />

Grünland, vor allem Ackergras.<br />

Während in Deutschland die verschärfte<br />

Düngeverordnung wie<br />

eine schwarze Wolke über der<br />

Landwirtschaft hängt, haben die<br />

dänischen Kollegen die Stürme<br />

dieses „Tiefs“ schon hinter sich<br />

und seit 20 Jahren Erfahrungen<br />

mit Grünland-Management unter<br />

dem „Nährstoff-Deckel“, wie<br />

<strong>XtraBlatt</strong> vor Ort erfahren hat.<br />

20<br />

PRAXIS-TIPP<br />

SAISONCHECK<br />

LADEWAGEN<br />

Zeit ist Geld – das gilt besonders in der Grünfutterernte. Hier<br />

haben Ladewagen eine zentrale Rolle, deshalb müssen sie<br />

störungsfrei arbeiten und 1a-Qualität abliefern. Damit das<br />

gelingt, sind ein Generalcheck vor Saisonbeginn und tägliche<br />

Wartung unerlässlich. <strong>XtraBlatt</strong> gibt Tipps.<br />

WISSEN<br />

21<br />

Zu den Kernaufgaben der Ladewagen gehören in besonderem<br />

Maß die leistungsfähige, verschmutzungsfreie<br />

Aufnahme und der bestmögliche Schnitt des Futters. Darum<br />

sind Pickup-Messer und Rotor zentrale Arbeitswerkzeuge,<br />

die es optimal einzustellen und zu pflegen gilt.<br />

Grundsätzlich ist die ungesteuerte EasyFlow-Pickup<br />

wartungsarm. Dennoch sollten die Zinken sowie der Antriebstrang<br />

beim jährlichen Saisoncheck auf Verschleiß<br />

und Zustand geprüft werden. Direkt hinter der Pickup befindet<br />

sich der Schneidrotor, der das Erntegut durch einen<br />

Messerkamm in den Laderaum fördert. Die Messer und<br />

die Auflage des Förderrotorzinkens sind so angeordnet,<br />

dass das Erntegut nicht entweichen kann, sondern nach<br />

dem Scherenprinzip sauber geschnitten wird und nicht<br />

zerreißt oder vermust. Wichtig: Vor Saisonbeginn sollte<br />

der Abstand der Abstreifer zum Rotor kontrolliert werden,<br />

bei einem festen Sitz ist ein Abstand von 25 mm sicherzustellen.<br />

Ein weiterer „Checkpoint“ ist der Kratzboden des<br />

Ladewagens. Für eine störungsfreie Saison sollte dieser in<br />

einem optimalen Zustand sein. Dazu sind die Ketten sowie<br />

Nussräder hinsichtlich Verschleiß zu begutachten und auf<br />

ausreichende Spannung bzw. Funktion zu überprüfen.<br />

MESSERS SCHNEIDE …<br />

… sollte scharf sein! Die Messer des Ladewagens sollten, je<br />

nach Flächenleistung des Wagens, wenigstens einmal am<br />

Tag geschärft werden, bei Bedarf auch zweimal. Das optional<br />

erhältliche SpeedSharp-System mit automatischem<br />

Arbeitsablauf für das Schleifen aller Messer ist fest am<br />

Wagen montiert – somit immer dabei und einsatzbereit.<br />

Der Messerbalken lässt sich zum Schärfen hydraulisch<br />

aus- und wieder in den Förderkanal einschwenken. Die<br />

Schleifscheiben sind auf einer seitlich verschiebbaren und<br />

hydraulisch angetriebenen Welle angeordnet. Es wird immer<br />

eine ganze Messergruppe geschliffen und dabei zeitgleich<br />

jedes zweite Messer des Balkens bearbeitet. Im Anschluss<br />

folgt dann die andere Hälfte.<br />

Die Schleifvorrichtung am Ladewagen bietet den Vorteil, die<br />

Messer bei Bedarf auch zwischendurch schärfen zu können<br />

und nicht warten zu müssen, bis der Arbeitseinsatz am<br />

Abend beendet ist. Ohne dieses System müssten alle Messer<br />

einzeln ausgebaut und nachgeschärft werden oder direkt<br />

gegen einen zweiten Messersatz getauscht werden – ein<br />

enormer Zeit- und Kostenfaktor. Der Einsatz des Ladewagens<br />

mit stets scharfen Messern sorgt für ein sauberes Schnittbild<br />

– und spart so auch Energie und Kosten. Der Verschleiß des<br />

Die Schleifvorrichtung am Ladewagen<br />

bietet den Vorteil, die Messer<br />

bei Bedarf auch zwischendurch<br />

schärfen zu können.<br />

Das Rezept des Scherrhofs ist ganz einfach: Gute<br />

Kühe geben gute Milch. Und gute Milch gibt guten<br />

Käse. Mit der eigenen Schaukäserei veredelt die<br />

Landwirtsfamilie Walch aus Tirol nicht nur das<br />

eigene Produkt, sondern hat den Betrieb so auch<br />

auf zukunftssichere Beine gestellt.<br />

24<br />

INTERNATIONAL<br />

FAMILIE WALCH, KIRCHBERG (A)<br />

GUTE MILCH –<br />

GUTER KÄSE<br />

Tiere werden ausschließlich im Natursprung in Frankreich<br />

gedeckt, die Fohlen in Ungarn aufgezogen und als Jährlinge<br />

dann wiederum nach Frankreich zum Training für die Rennbahn<br />

verkauft. „Auf dem Betrieb arbeiten 16 Menschen“,<br />

so der Landwirt weiter. „Ich bin zwar etwa alle zehn Tage<br />

einmal vor Ort, das Tagesgeschäft wird aber von einer<br />

Wirtschafterin geleitet.“<br />

Zurück nach Tirol. Als wir mit Hans Walch auf den Scherrhof<br />

im drei Kilometer entfernten Ortsteil Spertendorf fahren,<br />

sind die Ställe zwar blitzsauber, es ist aber kein einziges Rind<br />

zu sehen. „Die Tiere kommen erst nächstes Wochenende<br />

von der Alm zurück“, erklärt der Landwirt: „Dort sind sie<br />

seit Mitte Mai. Wir haben eine Nieder- und eine Hochalm.<br />

Erstere liegt auf 1.140 m über dem Meer, Letztere reicht<br />

von 1.640 bis über 2.000 m. Der Almabtrieb findet immer<br />

Ende September statt und ist mit einem Fest vor dem Hotel<br />

verbunden. Wir bieten so den Gästen in unserer Region und<br />

den Einheimischen eine weitere touristische Attraktion.“<br />

SCHAUKÄSEREI<br />

Den gesamten Sommer verbringen die Rinder also im<br />

Gebirge am Fuße des Großen Rettensteins. „Wir nehmen<br />

alle unsere 60 Milchkühe und das gesamte Jungvieh mit<br />

nach oben“, sagt Hans Walch. „Die Abkalbungen finden<br />

hauptsächlich im Herbst statt, ideal wäre für uns in der<br />

Zeit Oktober/November. So können die Kühe den frischen<br />

Frühjahrsaufwuchs auf der Alm voll nutzen. Wird das Futter<br />

dann weniger, sind sie eh in einem späteren Stadium der<br />

Laktation oder stehen schon trocken. Früher hat unsere<br />

Familie Pinzgauer gehalten, mein Vater hat dann aber auf<br />

Fleckvieh umgestellt. Die passen sehr gut in die Region,<br />

und da die männlichen Kälber besser vermarktet werden<br />

können, sind sie zudem wirtschaftlicher.“ Familie Walch<br />

züchtet einen nicht zu großrahmigen Typ Fleckvieh mit<br />

Kirchberg in Tirol, nur wenige Kilometer vom weltbekannten<br />

Ferienort Kitzbühel entfernt. Wir sitzen in<br />

der Bar des Hotels Elisabeth. Der Kellner bringt Kaffee. Verabredet<br />

sind wir hier mit Hans Walch, Hotelier und Landwirt. Er<br />

hat gemeinsam mit seiner Frau aus dem elterlichen Gasthof<br />

ein modernes Haus mit Vier-Sterne-Superior-Standard, großzügigem<br />

Wellness-Bereich und 200 Betten gemacht. Und<br />

auch sein landwirtschaftlicher Betrieb ist fit für die Zukunft.<br />

„Die Landwirtschaft in Kirchberg, den Scherrhof, habe ich<br />

eigentlich bereits vor einiger Zeit an meinen Sohn übergeben“,<br />

erzählt Hans Walch. „Er hat vor rund zehn Jahren seine Ausbildung<br />

als Agraringenieur abgeschlossen. Als es darum ging,<br />

die Betriebsentwicklung zu planen, war schnell klar, dass wir<br />

unser Produkt Milch veredeln müssen, um die Wertschöpfung<br />

zu erhöhen. So haben wir eine eigene Käserei gebaut.“<br />

ZWEI BETRIEBE<br />

Darüber hinaus besitzt Hans Walch noch einen weiteren<br />

landwirtschaftlichen Betrieb in Ungarn. Die Idee dazu entstand<br />

bei einem Urlaubsaufenthalt in Loipersdorf, nahe<br />

der ungarischen Grenze. „Ich war so begeistert von den<br />

Bedingungen dort, dass ich dort auch landwirtschaftlich<br />

etwas unternehmen wollte“, erzählt Hans Walch. „Irgendwann<br />

war ein passender Betrieb zu verkaufen und da<br />

habe ich zugegriffen. Das war im Jahr 1991. Ich halte dort<br />

350 Milchkühe der Rasse Holstein sowie etwa die gleiche<br />

Anzahl an Nachzucht. Die Milchleistung beträgt im Durchschnitt<br />

8.000 kg pro Jahr. Gemolken wird in einem neuen<br />

Doppel-16er-Fischgrätenmelkstand. Bewirtschaftet werden<br />

etwas mehr als 600 ha, davon sind ca. 520 ha im Eigentum.<br />

Wir bauen dort viel Grünroggen und Futtergerste an, dazu<br />

kommen rund 130 ha Weizen, 30 ha Triticale und 15 bis 20 ha<br />

Hafer.“ Letztgenannter dient als Pferdefutter, denn Hans<br />

Walch hält dort als Hobby einige Traber-Zuchtstuten. Die<br />

25<br />

ZUKUNFT LANDWIRTSCHAFT<br />

„DAS GELINGT NICHT AN DER<br />

LADENKASSE.“<br />

32<br />

INTERVIEW<br />

Die Landwirtschaft steckt derzeit im Spannungsfeld zwischen<br />

Markt auf der einen und gesellschaftlichen Wünschen sowie<br />

politischen Auflagen auf der anderen Seite. Welcher Weg wird<br />

allen gerecht? Ein spannendes Bild zeichnet DLG-Präsident<br />

Hubertus Paetow im <strong>XtraBlatt</strong>-Interview.<br />

ZUKUNFT LANDWIRTSCHAFT<br />

„DAS GELINGT NICHT AN DER<br />

LADENKASSE.“<br />

Zu den derzeit heißen Eisen der Branche gehört sicher<br />

die Diskussion um Nitratbelastung des Grundwassers,<br />

die Ausweisung roter Gebiete, die kurz getakteten<br />

Verschärfungen der Düngeverordnung sowie das Ringen<br />

zwischen Brüssel und Berlin um die „akzeptable“ Lösung<br />

aus politischer Sicht. Doch wie ist eigentlich der Blickwinkel<br />

der Praxis? Was kann und muss auch die Landwirtschaft<br />

dazu beitragen? Und wer soll am Ende des Tages die Kosten<br />

für alle Wünsche tragen? Hubertus Paetow, Landwirt<br />

mit Ackerbau- und Schweinemastbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern<br />

und seit 2018 Präsident der Deutschen<br />

Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), hat dazu eine klare<br />

Auffassung. <strong>XtraBlatt</strong> traf ihn im Sommer am Rande der<br />

DLG-Unternehmertage in Magdeburg, die sich ebenfalls mit<br />

der Zukunft der Landwirtschaft beschäftigten.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Herr Paetow – was ist von der laufenden Verschärfung<br />

der Düngeverordnung aus Sicht der Praxis zu halten?<br />

Hubertus Paetow: Aus rein ackerbaulicher Sicht sind wir für<br />

unseren Betrieb zum Ergebnis gekommen, dass wir damit<br />

relativ gut leben können. Wohlgemerkt: auf Basis der bis<br />

Sommer <strong>2019</strong> gültigen Variante der Düngeverordnung, die<br />

2017 in Kraft gesetzt wurde. Aber der nächste Schritt wird<br />

davon abhängen, wie stark die Politik die Daumenschrauben<br />

anlegt in den roten Gebieten, egal, ob wegen Nitrat oder<br />

Phosphat.<br />

Ganz anders sieht das jedoch aus, wenn man es aus der<br />

Perspektive eines Betriebes, zum Beispiel in Westfalen, betrachtet,<br />

der seine Schweinehaltung soweit ausgebaut hat,<br />

wie es nach bisheriger Rechtslage seine verfügbare Fläche<br />

zuließ, eventuell mit etwas Gülleabgabe. Der ist von der<br />

gegenwärtigen bzw. sich abzeichnenden Regelung in seinem<br />

Gesamtbetriebssystem natürlich extrem betroffen. Schon<br />

heute werden dort zwischen 18 und 20 €/m³ Gülle allein<br />

für die Abfuhr bezahlt – davon können Sie kein Schwein<br />

mehr wirtschaftlich mästen. Aus DLG-Sicht muss ich deshalb<br />

mit Blick auf die Nitratproblematik feststellen: Es besteht<br />

zweifelsfrei in einigen Regionen Handlungsbedarf. Aber wir<br />

brauchen deutlich intelligentere Lösungen als das, was derzeit<br />

politisch diskutiert wird, wie etwa eine pauschale Deckelung<br />

der Nährstoffobergrenzen.<br />

33<br />

VITA HUBERTUS PAETOW<br />

Hubertus Paetow, Jahrgang 1967, ist gebürtiger<br />

Schleswig-Holsteiner und absolvierte dort seine<br />

Ausbildung zum Landwirt. Nach dem Studium der<br />

Agrarwissenschaften in Göttingen und Kiel war er bis<br />

2005 als Geschäftsführer eines Ackerbaubetriebes in<br />

der Nähe von Kiel tätig. Seitdem bewirtschaftet er<br />

seinen Betrieb mit den Schwerpunkten Ackerbau<br />

und Saatguterzeugung in Finkenthal-Schlutow<br />

(Mecklenburg-Vorpommern). Neben anderen Ämtern<br />

in Verbänden und der Kommunalpolitik war<br />

Hubertus Paetow seit 2015 Vizepräsident der DLG<br />

und Vorsitzender des DLG-Testzentrums. Seit 2018<br />

ist Hubertus Paetow Präsident der DLG.<br />

42<br />

WISSEN<br />

BIOANBAU<br />

Eine überwiegend ökologische Ernährung<br />

in Deutschland bräuchte – bei gleichem<br />

Konsumverhalten – rund 40 % mehr Fläche<br />

als die „konventionelle Produktion“.<br />

BUTTERPREIS<br />

Im Jahr 1914 kostete 1 kg Butter etwa<br />

2,85 Reichsmark, während der Tageslohn<br />

eines Landarbeiters bei etwa 2,40 Mark<br />

lag. Wäre das Preis-Lohn-Verhältnis heute<br />

noch wie vor 100 Jahren, so würde die<br />

Butter rund 129 €/kg bzw. 32,25 € pro<br />

Stück kosten. Dass es gegenwärtig nur<br />

1,80 €/Stück sind, ist vor allem der Leistung<br />

moderner Landwirtschaft zu verdanken.<br />

82 FUSSBALL-<br />

FELDER/TAG<br />

CO2-SPEICHER<br />

Ungefähr 51 Mrd. t CO2-Äquivalente sind in<br />

der EU in den Oberböden landwirtschaftlicher<br />

Flächen gespeichert. Zum Vergleich:<br />

Die gesamten EU-Emissionen belaufen sich<br />

auf ungefähr 4,4 Mrd. t CO2-Äquivalente<br />

pro Jahr.<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

FLÄCHENVERBRAUCH<br />

Täglich werden in Deutschland rund 58 ha<br />

als Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen.<br />

Dies entspricht einer Flächenneuinanspruchnahme<br />

– kurz Flächenverbrauch<br />

– von rund 82 Fußballfeldern.<br />

ZAHLEN &<br />

FAKTEN<br />

Die Landwirtschaft steht vielfach in der Kritik. Wenig bekannt und<br />

kommuniziert wird dabei, wie groß die Leistungen dieses Berufszweigs<br />

für Gesellschaft und Umwelt sind.<br />

43<br />

TREIBHAUSGASE<br />

Seit 1990, dem Bezugsjahr des Kyoto-Protokolls,<br />

hat die deutsche Landwirtschaft die<br />

Treibhausgasemissionen bereits von rund<br />

79,4 Mio. t auf 65,2 Mio. t CO2-Äquivalent<br />

in 2016 gesenkt. Dies entspricht einer<br />

Reduzierung der Emissionen um 18 %.<br />

Durch Veränderung der Landnutzung,<br />

Aktivitäten der Forstwirtschaft und vor<br />

allem die Nutzung von Bioenergie (feste<br />

Biomasse, Biokraftsstoffe, Biogas) konnten<br />

2016 zusätzlich mehr als 75 Mio. t CO2-<br />

Äquivalent vermieden werden.<br />

UNKRAUTBEKÄMPFUNG<br />

Waren zum Beispiel in den 1950er-Jahren<br />

für die Unkrautbekämpfung noch durchschnittliche<br />

Aufwandmengen von über<br />

1 kg Wirkstoff pro Hektar Anbau fläche<br />

nötig, reichen heute oft schon 10 g/ha zur<br />

wirkungsvollen Bekämpfung aus.<br />

KOSTEN FÜR UMWELT-<br />

SCHUTZ JE HEKTAR<br />

Das HFFA Research Institut hat im Rahmen<br />

einer Studie errechnet, dass die wesentlichen<br />

EU-Standards und Auflagen in der<br />

Tierhaltung, für Cross Compliance sowie<br />

zum Schutz von Wasser, Boden und Luft für<br />

die deutsche Landwirtschaft mit Kosten von<br />

rund 5,3 Mrd. € oder 315 €/ha verbunden<br />

sind. Nur etwa 1,2 Mrd. € oder 69 €/ha<br />

würden an entsprechenden Kosten anfallen,<br />

wenn vergleichbare Wettbewerbsbedingungen<br />

wie in wichtigen Wettbewerbsländern<br />

außerhalb der EU gelten würden. Damit<br />

haben die deutschen Landwirte gegenüber<br />

ihren Berufskollegen im Wettbewerb und<br />

bei offenen Märkten einen Nachteil von<br />

4,1 Mrd. € oder 246 €/ha.<br />

EU<br />

nicht EU<br />

<strong>2019</strong>: 10 g/ha<br />

82 FUSSBALL-<br />

FELDER/TAG<br />

ERNÄHRUNGSINDUSTRIE<br />

Die deutsche Ernährungsindustrie ist mit<br />

einem Umsatz von rund 179,6 Mrd. €<br />

(2018) sowie über 600.000 Beschäftigten<br />

in mehr als 6.000 Betrieben der viertgrößte<br />

Industriezweig in Deutschland. Zum Vergleich:<br />

Die Automobilindustrie beschäftigt<br />

in Deutschland etwa 820.000 Menschen.<br />

6.000 BETRIEBE<br />

180 MRD. €<br />

UMSATZ/JAHR<br />

600.000 BESCHÄFTIGTE<br />

CO2<br />

CO2<br />

1950: > 1 kg/ha<br />

12<br />

TITELTHEMA<br />

GRÜNLAND-MANAGEMENT: NIEDERLANDE<br />

NUR QUALITÄT ZÄHLT<br />

In den Niederlanden gelten, ähnlich wie in<br />

Dänemark, seit Jahren strenge Regeln zum<br />

Umwelt- und Grundwasserschutz. Von Lohn-<br />

unternehmer Erik Morssink aus Voorst haben<br />

wir erfahren, was das in der Praxis<br />

bedeutet, vor allem mit Blick<br />

auf das Grünland.<br />

13<br />

GRÜNLAND-MANAGEMENT: NIEDERLANDE<br />

NUR QUALITÄT ZÄHLT<br />

Der niederländische Name „Achterhoek“ bedeutet<br />

wörtlich übersetzt „hintere Ecke“ und<br />

bezeichnet eine landschaftlich reizvolle Region der<br />

Niederlande, die direkt an Deutschland angrenzt<br />

und – auf der Karte betrachtet – zwischen Emmerich<br />

und Vreden wie eine Ausbuchtung der Grenze nach<br />

Osten aussieht. Und wer, vom deutschen Anholt<br />

kommend, zum Beispiel das Lohnunternehmen van<br />

Hal der Familie Morssink im niederländischen Voorst<br />

erreichen möchte, merkt erst auf den zweiten Blick<br />

anhand der Straßenschilder und Pkw-Kennzeichen,<br />

dass er die Grenze überschritten hat.<br />

Der Achterhoek und die angrenzenden Regionen<br />

bis nach Arnheim und Zwolle gehören zu den Gebieten<br />

der Niederlande mit sehr hohen Besatzdichten<br />

an Rindern, Schweinen und Geflügel – durchaus<br />

vergleichbar mit dem westlichen Münsterland.<br />

Entsprechend groß waren in der Vergangenheit die<br />

Auswirkungen intensiver Düngung mit Wirtschaftsdüngern<br />

– bis die niederländische Regierung mit<br />

scharfen Auflagen gegensteuerte. Das blieb natürlich<br />

nicht ohne Folgen für die Landwirte, wie Lohnunternehmer<br />

Erik Morssink berichtet. „Die Intensität der<br />

Tierhaltung hat durchaus abgenommen – allerdings<br />

bisher nur in Form kleinerer Bestände und kaum<br />

durch Aufgabe ganzer Betriebe. Ich hoffe, dass es<br />

soweit auch nicht kommt, denn immerhin gut 60 %<br />

unseres Umsatzes erzielen wir mit landwirtschaftlichen<br />

Dienstleistungen. Was die Existenz der Höfe<br />

betrifft, wird eine große Rolle spielen, wie praxisgerecht<br />

die Instrumente der Düngegesetzgebung<br />

weiterhin gehandhabt werden.“<br />

AUSNAHMEN HELFEN<br />

Die bisherigen Rahmenbedingungen bewertet der<br />

Lohnunternehmer als „machbar“, wobei der Aufwand<br />

für alle Beteiligten durchaus erheblich ist. Gemäß<br />

Nitratrichtlinie dürfen pro Hektar nicht mehr als<br />

170 kg Stickstoff aus organischem Wirtschaftsdünger<br />

ausgebracht werden. Davon werden<br />

Lohnunternehmer Erik Morssink:<br />

„Was die Existenz der Höfe betrifft,<br />

wird eine große Rolle spielen, wie<br />

praxisgerecht die Instrumente der<br />

Düngegesetzgebung weiterhin<br />

gehandhabt werden.“<br />

55<br />

LOHNUNTERNEHMER MICHEL MAUREL, SAINTE-COLOMBE (FR)<br />

KOMFORT-<br />

PRESSEN<br />

Rund 12.000 km verbringt Michel Maurel, Inhaber der Enterprise<br />

Agricole AR aus Sainte-Colombe (Frankreich), jährlich auf der Straße.<br />

Aus diesem Grund sind die Ansprüche des auf Pressen spezialisierten<br />

Lohnunternehmers an seine Maschinen ganz besondere.<br />

44<br />

INTERNATIONAL<br />

TRIO-GRUPPE, LIPEZK (RU)<br />

HERAUSFORDERUNG LOGISTIK<br />

Einer der Betriebe, die das Team in der<br />

einwöchigen Recherchereise besucht<br />

hat, gehört zur „Trio-Gruppe“. Die Gruppe<br />

wurde 1997 gegründet und betreibt heute<br />

auf mehreren Standorten rund um den<br />

Ort Lipezk im gleichnamigen Verwaltungsbezirk<br />

(russisch: Oblast) Landwirtschaft.<br />

Insgesamt bewirtschaftet die Gruppe knapp<br />

90.000 Hektar Fläche. Zum besuchten<br />

Standort, etwa 460 km südlich von Moskau,<br />

gehören 19.000 Hektar, die komplett<br />

pfluglos bzw. auch ohne aktiv angetriebene<br />

Auf den riesigen Flächen ist das<br />

Einsammeln der Strohballen eine<br />

Herausforderung. Die Logistik muss<br />

stimmen.<br />

Krone und die Redaktion profi waren<br />

zu Dreharbeiten für eine Video-DVD<br />

gemeinsam im russischen „Schwarzerdegürtel“<br />

unterwegs. Eines der Ziele war<br />

ein landwirtschaftlicher Betrieb in der<br />

Region Lipezk – Impressionen eines<br />

großen Landes.<br />

45<br />

Bodenbearbeitungswerkzeuge bewirtschaftet<br />

werden. Im langjährigen Mittel fallen<br />

hier rund 400 mm Niederschlag, sodass<br />

Bewässerung notwendig ist. Rund 2.500 ha<br />

der hiesigen Fläche sind mit Kreisregnern<br />

ausgestattet. Zusätzliche 350 mm gelangen<br />

so auf die Flächen. Beregnet werden<br />

allerdings nur Kartoffeln und Zuckerrüben.<br />

Außerdem stehen noch Winter- sowie Sommergerste<br />

(als Braugerste) im Anbauplan.<br />

Weitere Ackerfrüchte sind Winterweizen,<br />

Silo- und Körnermais sowie Gras und Roggen<br />

– jeweils als Vermehrungsfrüchte. Erbsen,<br />

Luzerne und Weißkohl<br />

runden das Programm ab.<br />

Bei den Kartoffeln erzielt<br />

der Betrieb Erträge von<br />

rund 40 t je Hektar.<br />

Abgesetzt wird die Ware nahezu ausschließlich<br />

in Chipsfabriken der Gesellschaft<br />

Frito-Lay, die zum PepsiCo-Konzern gehört.<br />

Ganzjährige Lagerkapazitäten bestehen für<br />

30.000 t Ernteware. Für Trio ist das Kartoffelgeschäft<br />

mit rund 6 % des Firmenumsatzes<br />

ein wichtiges Standbein.<br />

HOHE<br />

INVESTITIONEN<br />

Ähnliche Qualitäten erreichen die<br />

Zuckerrüben. Eine eigene Zuckerfabrik<br />

gehört zum Unternehmen. In den vergangenen<br />

Jahren hat Trio hier über 100 Mio. €<br />

investiert, um die Verarbeitungskapazitäten<br />

auf täglich 10.000 t Zuckerrüben auszuweiten.<br />

Außerdem wurde die Energieeffizienz<br />

der Anlage verbessert und die Verlustrate<br />

reduziert. Die 24.000 ha Zuckerrüben der<br />

Trio-Gruppe werden komplett hier verarbeitet.<br />

Langfristiges Ziel ist ein Zuckerreinertrag<br />

von 7 t/ha – an diesem Ziel sind<br />

die Russen noch nicht ganz angelangt. Die<br />

Qualitäten stimmen jedoch dagegen schon<br />

heute: Einen guten Teil des Ertrags kauft<br />

Coca-Cola zur Produktion koffeinhaltiger<br />

Erfrischungsgetränke.<br />

In den westeuropäisch und amerikanisch<br />

geprägten Maschinenpark hat Trio in den<br />

vergangenen Jahren über 25 Mio. € investiert.<br />

Bei den Hauptschleppern ist vor allem<br />

John Deere vertreten. Auf dem besuchten<br />

Betrieb kommen insgesamt acht 8000er<br />

zum Einsatz – gut ausgelastete Schlepper<br />

erzielen hier jährliche Leistungen von<br />

3.500 Einsatzstunden.<br />

TRIO-GRUPPE, LIPEZK (RU)<br />

HERAUSFORDERUNG LOGISTIK<br />

SCHREINER MASCHINENVERTRIEB<br />

PARTNER<br />

AUF AUGEN-<br />

HÖHE<br />

52<br />

PARTNER<br />

Eine Familie, drei Generationen, vier Standorte und ein hochmotiviertes<br />

Team von 89 Mitarbeitenden – das ist der Fachbetrieb<br />

Schreiner in Steffenberg. Kundenorientierung, Kompetenz<br />

und exklusive Marken stehen dabei im Mittelpunkt – und<br />

große Investitionen bilden die Basis für weiteres Wachstum.<br />

A uf den ersten Blick sieht der Bauplan an der Wand<br />

architektonisch unspektakulär aus: eine schlichte<br />

Werkstatthalle in den Grundmaßen 25 m mal 13 m sowie<br />

8 m Höhe, mit Pultdach und vier Toren. Und doch ist sie<br />

für den Landmaschinen-Fachbetrieb Schreiner mit Hauptsitz<br />

im hessischen Steffenberg-Niedereisenhausen etwas<br />

Besonderes, wie Gerhold Schreiner erklärt, der das Unternehmen<br />

zusammen mit seinem Bruder Arno leitet: „Diese<br />

Halle wird hinter unserer heutigen Werkstatt stehen und<br />

weitgehend für Krone-Technik vorbehalten sein, sei es für<br />

die Auslieferungsvorbereitung von Neumaschinen oder für<br />

Reparaturen. Und sie ist so konzipiert, dass Lkw vorn hinein<br />

und hinten wieder herausfahren können, was die Logistik<br />

hier auf dem Betriebsgelände enorm erleichtert.“<br />

In diesem Moment kommt Seniorchef und Firmengründer<br />

Helmut Schreiner ins Büro, der mit seinen 82 Jahren<br />

nach wie vor topfit und im Tagesgeschäft aktiv ist „und<br />

hilft, wo es nötig ist“, wie er es formuliert. Jetzt hat er<br />

eine gute Neuigkeit: Der Architekt habe angerufen, die<br />

letzten Absprachen für die Ausschachtungsarbeiten seien<br />

getroffen, sodass es jetzt im Prinzip losgehen könne. Also<br />

Grund genug, sich vor Ort anzuschauen, wo besagte Halle<br />

entstehen soll. Auf dem Weg dorthin erklärt sich auch die<br />

angesprochene „Erleichterung“. Denn der Betrieb ist in<br />

mehr als fünf Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen, was<br />

sich auch in den verschiedenen baulichen Erweiterungen<br />

widerspiegelt – und in der Erkenntnis, dass Platz auf dem<br />

nicht mehr erweiterbaren Grundstück ein kostbares Gut<br />

ist. „Umso mehr freuen wir uns, dass wir hier doch die<br />

Baugenehmigung für diesen Neubau bekommen haben“,<br />

erzählt Gerhold Schreiner weiter.<br />

VIEL INVESTIERT<br />

Aus diesem Grund hatte die Unternehmerfamilie im gleichen<br />

Ort 2012 einen 3.000 m² großen Gebäudekomplex erworben,<br />

der als „Werk 2“ der Flurfördertechnik vorbehalten<br />

ist. 2015 folgte, ebenfalls in Niedereisenhausen, mit dem<br />

Kauf einer 4.700 m² großen Halle das „Werk 3“; dort ist die<br />

Werkstatt für Großmaschinen angesiedelt. Denn neben der<br />

Landtechnik mit Deutz-Fahr und Krone als Hauptmarken<br />

bildet u. a. Merlo ein wichtiges Standbein innerhalb der<br />

Umschlags- und Industrietechnik. „Gerade die großen Rotor-Teleskoplader<br />

mit bis zu 20 m Ausleger brauchen auch<br />

im Service viel Platz“, erklärt Niclas Schreiner, der ebenfalls<br />

zur Gesprächsrunde dazu gestoßen ist. Er und sein Bruder<br />

Jonas sind die dritte Generation Schreiner im Unternehmen,<br />

wobei Niclas seine Stärken im Vertrieb sieht, während sich<br />

Sehen den Fachbetrieb als wichtigste Schnittstelle zwischen Hersteller und Kunden:<br />

(v.r.n.l.) Gerhold, Jonas und Niclas Schreiner sowie Thomas Märte (Vertrieb).<br />

53<br />

16<br />

PRAXIS<br />

LANDWIRT HEIKO BERBALK, WALDEMS<br />

GENUSS-ARCHE<br />

„Bei mir hat noch nie ein Lkw<br />

Schlachtlämmer aufgeladen“,<br />

sagt Heiko Berbalk. Er betreibt<br />

gemeinsam mit seiner Frau<br />

Katja die Schäferei Hof Berbalk.<br />

Sie vermarkten ihr hochwer tiges<br />

Lammfleisch auf verschiedenen<br />

Wochenmärkten und direkt ab<br />

Hof.<br />

17<br />

Pro Jahr isst jeder Bürger der Bundesrepublik<br />

rund 60 kg Fleisch. Der Anteil,<br />

der dabei vom Schaf stammt, ist relativ<br />

gering – er liegt gerade einmal bei 600 g.<br />

Die Ursache dafür liegt allerdings nicht nur<br />

in den Verzehrgewohnheiten, sondern auch<br />

im Angebot. Fleisch direkt vom Schäfer gibt<br />

es meist nur in Form ganzer oder halber<br />

Lämmer, und wer Teilstücke kaufen will,<br />

findet in den Theken der Supermärkte meist<br />

Tiefkühlware aus Neuseeland.<br />

Dass der Verzehr von Lammfleisch zwar<br />

lang sam, aber kontinuierlich ansteigt,<br />

liegt an Betrieben wie dem Hof Berbalk<br />

in Waldems-Wüstems im Taunus, knapp<br />

40 km von den Innenstädten Frankfurts und<br />

Wiesbadens entfernt. Denn sie haben die<br />

Qualität ihrer Produkte auf allen Stufen<br />

selbst in der Hand: bei der Schafhaltung, bei<br />

der Schlachtung und der Verarbeitung – vor<br />

allem aber direkt im Kundenkontakt beim<br />

Verkauf.<br />

HOBBY ALS BERUF<br />

Heiko Berbalks Eltern waren Hobby-Tierhalter<br />

– von Geflügel und Schafen. Er selbst<br />

machte zunächst eine Ausbildung zum Gas-<br />

und Wasserinstallateur, später die Prüfung<br />

zum Meister in diesem Beruf. Ende der<br />

neunziger Jahre arbeitete er in Österreich,<br />

doch es zog ihn nach einem Jahr wieder<br />

nach Hause. Hier war inzwischen die Herde<br />

auf 400 Mutterschafe angewachsen. Heiko<br />

Berbalk packte die Sache nun von Grund<br />

auf an: Erst legte er die Gehilfenprüfung als<br />

Tierwirt in der Fachrichtung Schafhaltung<br />

ab, vier Jahre später die Meisterprüfung.<br />

Gleich nach der Übernahme des Betriebes<br />

setzte er eine größere Baumaßnahme um:<br />

einen Stall für 650 Mutterschafe. Seine Herde<br />

besteht hauptsächlich aus Rhönschafen.<br />

Das ist eine bewährte Landschafrasse. Die<br />

Tiere sind mittelrahmig. Charakteristisch ist<br />

ihr edler schwarzer Kopf, Körper und Beine<br />

sind weiß. „Mit der Zucht von Rhönschafen<br />

haben bereits meine Eltern begonnen“, berichtet<br />

der Schäfer. „Sie sind meiner Ansicht<br />

nach für meinen Betrieb die beste Rasse.<br />

Zwar handelt es sich nicht um ein ausgesprochenes<br />

Fleischschaf, sie sind aber robust<br />

und genügsam. Auf unseren Standort<br />

passen sie ideal.“ Obwohl Heiko Berbalk für<br />

sein Leben gern Schafe hütet, übernimmt<br />

die tägliche Betreuung weitgehend sein<br />

Schäfer Jaak. Mit bei der Herde sind noch<br />

etwa 30 bis 40 braune Bergschafe und die<br />

gleiche Anzahl an Buren- sowie Thüringer<br />

Wald Ziegen. Die beiden Letzteren dienen<br />

hauptsächlich der Landschaftspflege. Fast<br />

das ganze Jahr werden die Schafe gehütet,<br />

Anfang Januar geht es dann für etwa<br />

100 Tage in den Tiefstreu-Stall. Gleich einige<br />

Tage später wird geschoren.<br />

ABLAMMUNG<br />

Obwohl das Rhönschaf eine asaisonale<br />

Brunst hat, findet der Schwerpunkt der<br />

Lammungen im späten Winter/Anfang<br />

Frühjahr statt. Dann bekommen die Tiere<br />

eine 24-Stunden-Betreuung. In dieser<br />

sind auch die beiden anderen Mitarbeiter,<br />

Karsten und Marcel, meist im Stall tätig.<br />

„Jedes Lamm, das wir mehr aufziehen, ist<br />

für uns wichtig“, sagt Heiko Berbalk. „Da<br />

sollte fast immer jemand dabei sein, um zu<br />

schauen, ob es bei den Lammungen Komplikationen<br />

gibt, und ob die neugeborenen<br />

Lämmer auch gut getrunken haben“, betont<br />

er. Mutterschafe und Lämmer kommen nach<br />

der Geburt grundsätzlich in Einzelboxen.<br />

Dies erleichtert die Bindung zueinander<br />

und die Kontrolle durch die Schäfer. Später<br />

kommen die Tiere dann in größere Gruppen.<br />

Die Futterfläche des Betriebes beträgt etwa<br />

28<br />

WISSEN<br />

MENSCHEN BEI KRONE<br />

TEAM-SPIELER<br />

29<br />

Maximilian Fritz arbeitet bei Krone in der Schwader-Montage<br />

und ist seit dem Frühjahr auch Teil der eSport-Gruppe. Sie spielt<br />

mittlerweile in der internationalen „Farming Simulator League“<br />

im Spitzenfeld mit – eine Welt für sich.<br />

Beifall brandet auf – dann ein kollektives<br />

Aufstöhnen – wie gebannt starren<br />

die Zuschauer auf das Spiel vor ihnen, das<br />

auf eine Großleinwand übertragen wird,<br />

während zwei Kommentatoren das Turniergeschehen<br />

wortreich begleiten. Doch es<br />

handelt sich hier nicht etwa um die Leichtathletik-Weltmeisterschaften<br />

oder ein Fußball-Bundesligaspiel.<br />

Objekt der Faszination<br />

Tausender in der Halle und Zuhause an den<br />

Bildschirmen ist stattdessen das Live-Turnier<br />

der „Farming Simulator League“, kurz FSL,<br />

das während der Messe „Zürich Game Show<br />

19“ stattfand. Und im harten Wettstreit<br />

um die schnellsten Ernte-Logistiker hat ein<br />

Team gerade einen herben Rückschlag hinnehmen<br />

müssen. Dieses FSL-Turnier ist das<br />

dritte von insgesamt neun, die während der<br />

ersten Liga-Saison zwischen Juli <strong>2019</strong> und<br />

Juli 2<strong>02</strong>0 stattfinden.<br />

HARTES TRAINING<br />

Doch was steckt eigentlich dahinter?<br />

„Basis und Ausgangspunkt ist das seit<br />

Längerem schon beliebte PC-Spiel Landwirtschaftssimulator.<br />

Mit der FSL wurde<br />

es <strong>2019</strong> jedoch um eine hochkarätige<br />

eSport-Komponente erweitert“, erzählt<br />

Maximilian Fritz. Er arbeitet bei Krone am<br />

Standort Spelle in der Schwader-Fertigung<br />

und ist seit diesem Frühjahr Mitstreiter<br />

im Krone eSport-Team, zusammen mit<br />

Frederic Leifeling, Sascha Straub, Martin<br />

Potzmader, Lukas Steurer und Andreas<br />

Beisswenger. „In den jeweiligen FSL-Turnieren<br />

spielen Dreier-Teams gegeneinander,<br />

ganz klassisch nach dem K.-o.-System<br />

mit Achtel-, Viertel- und Halbfinale bis<br />

zum Endspiel. Das können sogenannte<br />

Wildcard-Teams sein, mit dabei sind aber<br />

auch die sogenannten Seeded Teams, die<br />

ein generelles Startrecht bei den großen<br />

Turnieren haben“, erzählt er weiter.<br />

Von diesen Seeded Teams spielt mittlerweile<br />

knapp ein Dutzend bei der FSL mit,<br />

die allesamt von Herstellern aus dem<br />

landwirtschaftlichen Umfeld unterstützt<br />

werden – wie zum Beispiel Krone. „Unsere<br />

eSport-Gruppe wurde in diesem Frühjahr<br />

gegründet, nach dem internen Aufruf habe<br />

ich mich spontan mal gemeldet“, berichtet<br />

Maximilian Fritz weiter. Insgesamt spielen<br />

sechs Personen im Team. Dank der Sechsergruppe<br />

können in den Trainings jeweils zwei<br />

Dreiergruppen gegeneinander antreten.<br />

Wobei man sich unter Trainings keine<br />

schweißtreibenden Übungseinheiten auf<br />

der Tartanbahn vorstellen muss, sondern<br />

am PC. „Doch das fordert auch enorm. Wir<br />

trainieren mindestens zweimal pro Woche<br />

einige Stunden und vor Turnieren auch am<br />

Wochenende. eSport ist eben doch eine<br />

echte Sportart, für die man wirklich ackern<br />

muss, um gut zu sein“, betont er.<br />

NEU-EMSLÄNDER<br />

In der Krone eSport-Gruppe ist er der einzige<br />

Kollege aus der Fertigung im Werk – und ist<br />

erkennbar stolz, dabei sein zu können. Das<br />

hat nicht nur mit seinem generellen Hobby<br />

der Computerspiele zu tun, sondern auch ein<br />

wenig mit seinem beruflichen „Ankommen“<br />

in Spelle. Ursprünglich stammt er aus dem<br />

kleinen Ort Ketzin bei Potsdam. Dort lernte er<br />

den Beruf des Nutzfahrzeug-Mechatronikers,<br />

konnte von seinem Lehrbetrieb am Ende<br />

der Ausbildung aber nicht übernommen<br />

werden. Kurzentschlossen nutzte er 2011 das<br />

Angebot einer Zeitarbeitsfirma, bei Krone<br />

im Speller Werk anzufangen. Zunächst als<br />

klassischer Leiharbeiter, dann mit Zeitvertrag<br />

direkt beim Hersteller und seit 2016 mit<br />

unbefristeter Anstellung. Gleich in der An-<br />

Eingespieltes Team: Seit Kurzem ist Maximilian Fritz (2.v.r.) Teamleiter der Gruppe Getriebebau innerhalb der<br />

Montagelinie Schwader.<br />

48<br />

INTERVIEW<br />

LOGISTIK<br />

FÜR DIE<br />

„LETZTE MEILE“<br />

49<br />

Wie häufig kommt ein Paketbote bei Ihnen vorbei? Einmal die<br />

Woche, oder häufiger? Wir kaufen zunehmend online ein und<br />

lassen selbstverständlich liefern. Aber in den Ballungszentren sind<br />

die Lieferfahrzeuge oft ein Hindernis im täglichen Verkehrskollaps.<br />

Eine vielversprechende Lösung kommt aus der Krone-Gruppe.<br />

Der Onlinehandel boomt und mit ihm die Paket-,<br />

Kurier- und Expressdienste – eine Entwicklung, die in<br />

der Krone-Gruppe sehr genau beobachtet wird. Aus gutem<br />

Grund: In der Nutzfahrzeugsparte des Unternehmens werden<br />

unter anderem jährlich rund 12.000 Wechselbrücken<br />

gefertigt. Sie sind der wichtigste Ladungsträger für die<br />

Logistikbranche in diesem Segment. Seit zwei Jahren ist<br />

das Familienunternehmen auch auf der sogenannten<br />

„letzten Meile“ aktiv. Zum einen werden Paketaufbauten<br />

für leichte Nutzfahrzeuge gefertigt, zudem stieg man in<br />

die Umsetzung neuer Logistikkonzepte ein. Dafür wurde<br />

2017 eigens ein Joint-Venture namens Rytle gegründet,<br />

welches mittlerweile auch eigene Cargobikes produziert. Die<br />

Idee dazu hatten Ingo Lübs und Dr. Arne Kruse, ein Bremer<br />

Unternehmer und Radexperte, nach einer eher zufälligen<br />

Begegnung. Beide sind heute Geschäftsführer der Rytle<br />

GmbH und dabei, ein weltweites Netzwerk aufzubauen,<br />

welches ungeahnte Möglichkeiten aufzeigt. Wir haben mit<br />

Ingo Lübs über das Projekt gesprochen.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Die Krone-Gruppe ist mit Landmaschinen weltweit<br />

erfolgreich, sie ist einer der wichtigsten europäischen<br />

Nutzfahrzeughersteller – und jetzt auch noch Hersteller von<br />

Lastenfahrrädern. Wie kam es dazu?<br />

Ingo Lübs: Die Aussage, dass wir bei Krone nun Lastenräder<br />

fertigen, trifft es nicht wirklich. Wir haben vielmehr einen<br />

ganzheitlichen Blick auf die Prozesse in der Paketlogistik,<br />

und daraus ist unser Rytle-System entstanden. Ein System,<br />

das punktgenau für die „letzten Meter“ der City-Logistik<br />

konzipiert wurde. Denn genau dort wird oft über die Profitabilität<br />

der Paketzustellung entschieden. Wir helfen unseren<br />

Kunden mit Hard- und Software, ihre Prozesse effizienter zu<br />

gestalten, damit sie auf den letzten Metern das Rennen in der<br />

Paketlogistik gewinnen können, sprich profitabel arbeiten.<br />

58<br />

AGRITECHNICA <strong>2019</strong><br />

VOLLES HAUS<br />

Wie wird die Stimmung<br />

der Landwirte sein? Diese<br />

Frage beschäftigte im<br />

Vorfeld der Agritechnica<br />

wohl alle Aussteller. Doch<br />

mit 450.000 Besuchern<br />

lag das Ergebnis auf dem<br />

gleichen Super-Niveau<br />

wie 2017. Bei Krone war<br />

der „gefühlte Ansturm“<br />

sogar noch größer –<br />

herzlichen Dank an alle<br />

Besucher!<br />

TELEGRAMM<br />

59<br />

36<br />

PRAXIS<br />

LANDWIRT MARIO ORTLIEB, SARNOW<br />

QUALITÄT<br />

DIREKT ERLEBEN<br />

Wachsen oder spezialisieren? Mario Ortlieb hat sich<br />

für Letzteres entschieden. Er setzt auf Direktvermarktung<br />

seiner Produkte, und er hat Jahr für Jahr mehr Gäste<br />

auf seinem Hof, die Landwirtschaft erleben wollen.<br />

37<br />

Das Land ist leicht hügelig, die<br />

Felder und Wiesen ziehen sich<br />

weit hin. Das Getreide ist abgeerntet,<br />

bis zur Maisernte wird es nicht mehr<br />

lange dauern. Es ist ein heißer Tag, als<br />

wir Mario Ortlieb auf seinem Hof in<br />

Sarnow bei Pritzwalk besuchen. Schon am frühen Vormittag<br />

ist das Thermometer auf 30 Grad geklettert. Keine Wolke<br />

ist am Himmel, und das Vieh auf den Weiden sucht im<br />

Schatten der Bäume Schutz vor der Sonne. Mario Ortlieb<br />

wischt sich lächelnd den Schweiß von der Stirn, als er aus der<br />

Scheune kommt. Er ist gerade dabei, einen Ladewagen für<br />

die bevorstehende Maisernte vorzubereiten. Üppig wird die<br />

Ernte nicht ausfallen. Wie bei allen anderen Kulturen auch,<br />

hat die anhaltende Trockenheit den Erträgen zugesetzt.<br />

Doch der Landwirt aus der Prignitz ist kein Mensch, der sich<br />

damit aufhält, über das Wetter zu schwadronieren, auch<br />

wenn es von existenzieller Bedeutung für ihn ist. Viel lieber<br />

denkt Mario Ortlieb darüber nach, wie er seinen Betrieb<br />

weiterentwickeln kann. Das, was er bereits auf den Weg<br />

gebracht hat, ist beeindruckend, was er noch alles an Ideen<br />

im Kopf hat, klingt visionär. Mario Ortlieb will nicht weniger,<br />

als Landwirtschaft erlebbar zu machen! Er will zeigen, wie<br />

Lebensmittel erzeugt werden, will dazu beitragen, dass sie<br />

wieder die Wertschätzung erfahren, die ihnen zusteht.<br />

VOLLE TRANSPARENZ<br />

Das Wort Nachhaltigkeit fällt im Laufe unseres Gespräches<br />

nicht ein einziges Mal. Dabei hat Mario Ortlieb schon<br />

früh einen sehr nachhaltigen Weg eingeschlagen. Vor<br />

knapp zehn Jahren ist er in die Direktvermarktung<br />

der von ihm erzeugten Lebensmittel eingestiegen.<br />

Kein einfacher Weg in einer strukturschwachen<br />

Region wie der Prignitz, in der die Discounter<br />

den Lebensmitteleinzelhandel dominieren. „Um<br />

hier mit regionalen Produkten erfolgreich zu<br />

sein, muss man durch Qualität überzeugen“,<br />

sagt Mario Ortlieb. Und Qualität hat für<br />

den Landwirt eine Dimension, die weit<br />

über Frische und den Geschmack eines<br />

Stück Fleisches oder einer Kartoffel hinausgeht.<br />

Qualität beinhaltet für ihn auch ein<br />

Maximum an Transparenz: „Unsere Kunden<br />

wollen wissen, wie Lebensmittel produziert<br />

werden. Sie wollen sehen, wie unsere Tiere<br />

gehalten werden und wie wir unsere Felder<br />

bearbeiten.“ Diesen Wunsch hat Mario<br />

Ortlieb aufgegriffen und über die Jahre<br />

weiterentwickelt. So hat sich aus der Direktvermarktung<br />

ein direktes Erleben entwickelt, das mittlerweile weit über<br />

1.000 Menschen pro Jahr genießen, die den Bauernhof in<br />

Sarnow besuchen.<br />

Die Gäste werden auf Wunsch mit einem vom Traktor gezogenen<br />

Ausflugswagen über die Ländereien gefahren,<br />

können zum Beispiel zuschauen, wenn das Getreide gedroschen<br />

wird. Sie dürfen einen Blick in die Schweineställe<br />

werfen oder Hühner und Enten füttern. Mehr noch: Sie<br />

können auch auf dem Dachboden einer sanierten Scheune<br />

feiern. Bis zu 120 Gäste haben dort Platz. Ein Angebot, das<br />

von Hochzeitspaaren in der Region gerne genutzt wird.<br />

Organisiert werden Feiern und Veranstaltungen von Mario<br />

Ortliebs Ehefrau Nicole. Die gelernte Hotelfachfrau kennt<br />

sich mit der Organisation größerer Feiern bestens aus.<br />

Und sie hat ein sehr gutes Gespür für Details sowie die<br />

Dekorationen für die einzelnen Veranstaltungen. Das alles<br />

stellt sie gewissermaßen nebenbei auf die Beine, da sie<br />

nach wie vor ihrem Beruf nachgeht. Ihre Idee war es auch,<br />

in unregelmäßigen Abständen Verkostungen „der etwas<br />

anderen Art“ zu veranstalten: „Wir braten unser eigenes<br />

Fleisch und dazu Billigfleisch aus einem Discounter. Beides<br />

servieren wir unseren Gästen, die nicht um die Herkunft<br />

der jeweiligen Fleischprobe wissen. Raten Sie mal, was den<br />

Leuten besser schmeckt“, sagt Mario Ortlieb und lacht.<br />

BEWUSSTER SCHRITT<br />

Seinen Kunden einen so weitreichenden Einblick zu gewähren,<br />

setzt ein sehr hohes Maß an Aufgeschlossenheit<br />

voraus. Eine Eigenschaft, die sich im für einen Landwirt<br />

untypischen Lebenslauf von Mario Ortlieb widerspiegelt.<br />

Immer wieder kam er mit Menschen unterschiedlicher<br />

Couleur in Verbindung. Vor 43 Jahren in Pritzwalk geboren,<br />

hat er seine Kindheit und Jugend auf dem elterlichen Hof<br />

in Sarnow verbracht. Nach der Schule absolvierte er eine<br />

kaufmännische Ausbildung, anschließend ging er zur<br />

Bundeswehr. Es folgten einige Jahre in Berlin, wo er dank<br />

seiner kräftigen und sportlichen Statur unter anderem als<br />

gefragter Personenschützer arbeitete. Doch schon während<br />

seiner Berliner Jahre hat es ihn immer wieder auf den Hof<br />

in seinem Heimatdorf gezogen.<br />

Der wurde einige Jahre nach der Wende zunächst im Nebenerwerb<br />

wiederbelebt. Später entschloss sich Mario Ortlieb,<br />

mit seinem Vater eine GbR zu gründen und den Betrieb im<br />

Vollerwerb zu bewirtschaften. „Es war keine Entscheidung,<br />

die aus der Not heraus getroffen wurde, sondern ein<br />

Fleisch und Wurstprodukte stammen nicht<br />

nur von den eigenen Tieren, sondern auch aus<br />

eigener Verarbeitung.<br />

INHALT


IMPRESSUM<br />

3 Editorial<br />

6<br />

12<br />

Grünland-Management: Dänemark<br />

Erfolgreich trotz Düngerlimit<br />

Grünland-Management: Niederlande<br />

Nur Qualität zählt<br />

16 Landwirt Heiko Berbalk, Waldems: Genuss-Arche<br />

20 Praxis-Tipp: Saisoncheck Ladewagen<br />

23 Neuheiten<br />

24 Familie Walch, Kirchberg (A): Gute Milch – guter Käse<br />

28 Menschen bei Krone: Team-Spieler<br />

31 Neuheiten<br />

32<br />

Zukunft Landwirtschaft:<br />

„Das gelingt nicht an der Ladenkasse.“<br />

36 Landwirt Mario Ortlieb, Sarnow: Qualität direkt erleben<br />

40 News-Ticker<br />

42 Zahlen & Fakten<br />

44 Trio-Gruppe, Lipezk (RU): Herausforderung Logistik<br />

48 Logistik: Für die „letzte Meile“<br />

52 Schreiner Maschinenvertrieb: Partner auf Augenhöhe<br />

55<br />

Lohnunternehmer Michel Maurel, Sainte-Colombe (FR):<br />

Komfort-Pressen<br />

58 Agritechnica <strong>2019</strong>: Volles Haus<br />

Herausgeber:<br />

Maschinenfabrik<br />

Bernard Krone GmbH & Co. KG<br />

Heinrich-Krone-Straße 10<br />

48480 Spelle<br />

Tel.: +49(0)5977/935-0<br />

info.ldm@krone.de<br />

www.krone.de<br />

Verantwortlich i.S.d.P.:<br />

Heinrich Wingels<br />

Redaktion:<br />

Beckmann Verlag GmbH & Co. KG<br />

Rudolf-Petzold-Ring 9<br />

31275 Lehrte<br />

www.beckmann-verlag.de<br />

Layout:<br />

Beckmann Verlag GmbH & Co. KG<br />

Rudolf-Petzold-Ring 9<br />

31275 Lehrte<br />

www.beckmann-verlag.de<br />

Druck:<br />

Bonifatius Druckerei<br />

Karl-Schurz-Straße 26<br />

33100 Paderborn<br />

Fotomaterial:<br />

Falls nicht anders angegeben:<br />

Maschinenfabrik<br />

Bernard Krone GmbH & Co. KG<br />

bzw. Redaktion<br />

S. 7: Laursen (1)<br />

S. 24–27: Walch (3)<br />

S. 30: FSL (2)<br />

S. 32–35: DLG<br />

S. 36–39: Ortlieb (2)<br />

S. 52–53: Schreiner (1)<br />

S. 44–47: Redaktion profi<br />

Auflage:<br />

38.000 Exemplare<br />

<strong>XtraBlatt</strong> erscheint halbjährlich für Kunden<br />

in Deutschland, Österreich und der<br />

Schweiz. Nachdruck nur mit Genehmigung<br />

des Herausgebers. Dies gilt auch für die<br />

Aufnahme in elektronische Datenbanken<br />

und Vervielfältigung auf CD-ROM.<br />

Wir versenden das Krone-<strong>XtraBlatt</strong> zweimal<br />

im Jahr. Sollten Sie keine Post mehr<br />

von uns wünschen, geben Sie uns bitte<br />

Bescheid, am besten per E-Mail an<br />

info.ldm@krone.de. Wir nehmen Sie in<br />

diesem Fall selbstverständlich sofort aus<br />

unserem Verteiler. Alle Daten, die wir<br />

von Ihnen erhalten, werden vertraulich<br />

behandelt und ausschließlich dafür<br />

verwendet, Ihre Anfragen und Rückmeldungen<br />

bearbeiten zu können. Wir geben<br />

keine Daten an Dritte weiter.<br />

5


TITELTHEMA<br />

GRÜNLAND-MANAGEMENT: DÄNEMARK<br />

ERFOLGREICH<br />

TROTZ<br />

DÜNGERLIMIT<br />

Ackergras mit Kleeanteil ist für viele dänische Milchviehhalter<br />

eine wesentliche Futtergrundlage.<br />

6


Während in Deutschland die verschärfte<br />

Düngeverordnung wie<br />

eine schwarze Wolke über der<br />

Landwirtschaft hängt, haben die<br />

dänischen Kollegen die Stürme<br />

dieses „Tiefs“ schon hinter sich<br />

und seit 20 Jahren Erfahrungen<br />

mit Grünland-Management unter<br />

dem „Nährstoff-Deckel“, wie<br />

<strong>XtraBlatt</strong> vor Ort erfahren hat.<br />

Von den rund 450 ha bewirtschafteter Fläche<br />

nutzt Landwirt Niels Laursen rund 100 ha als<br />

Grünland, vor allem Ackergras.<br />

Die Fahrt vom Grenzübergang Padborg in Richtung<br />

Nordwest durch das südliche Jütland zeigte es im<br />

September sehr deutlich: Die Silomaisbestände sahen sehr<br />

vielversprechend aus und ließen auf eine überdurchschnittlich<br />

gute Ernte hoffen. „Im Vergleich zu Deutschland wird<br />

der Mais hier bei uns im hohen Norden in der Regel nicht so<br />

hoch – aber in diesem Jahr ist es eine wahre Pracht“, freut<br />

sich Dan Hamann, Geschäftsführer der Brøns-Gruppe, den<br />

ich am Firmensitz im gleichnamigen Örtchen Brøns direkt<br />

an der Westküste Jütlands besuche. Er ist u. a. exklusiver<br />

Importeur für Krone und Amazone in Dänemark und betreut<br />

zusammen mit seinem 30-köpfigen Team sowie etwa<br />

20 regionalen Fachhändlern die dänischen Landwirte in<br />

Vertrieb, Service und Beratung.<br />

Auch sonst sehen sich die dänischen Milchviehhalter derzeit<br />

recht gut aufgestellt, so Dan Hamanns Einschätzung.<br />

Ein Blick auf die offiziellen Statistiken zeigt: Mitte des<br />

Jahrzehnts waren die dänischen Kuhbestände auf rund<br />

525.000 Tiere gesunken, aber seit dem Wegfall der Quoten<br />

geht es aufwärts. Mittlerweile gibt es in Königin Margrethes<br />

Reich wieder rund 575.000 Kühe. Gesunken ist allerdings die<br />

Zahl der Betriebe: Schon 2017 rutschte sie bei den Milchviehhaltern<br />

unter die Marke von 3.000, bei Schweinen sind<br />

es weniger als 2.300, und bei der Gesamtzahl aller Höfe in<br />

Dänemark weisen die Statistiker für das gleiche Jahr gut<br />

34.700 aus – das sind fast 20 % weniger als im Jahr 2010.<br />

„Im Schnitt der zukunftsfähigen Milchviehbetriebe dürfte<br />

die Betriebsgröße heute bei etwa 300 ha bzw. 300 Kühen<br />

liegen – doppelt so groß wie noch 2010. Und die Tendenz<br />

zeigt weiter nach oben“, so der Krone-Importeur.<br />

FLÄCHENBINDUNG<br />

Doch wo liegen die Ursachen für diesen drastischen Strukturwandel?<br />

Um dem auf den Grund zu gehen, besuchen wir<br />

Landwirt Niels Laursen in Ribe, etwa 15 km nördlich von Brøns.<br />

Er bewirtschaftet rund 450 ha voll arrondierter Acker- und<br />

Grünlandflächen, davon 220 ha eigene Flächen. Ihm gehören<br />

420 Kühe plus Nachzucht, insgesamt 800 Tiere. Sie stehen in<br />

zwei etwa 1 km voneinander entfernten Ställen – vor einigen<br />

Jahren konnte er den Nachbarbetrieb dazu kaufen.<br />

Den Herdendurchschnitt beziffert er auf rund 10.900 kg Milch<br />

bei knapp 3,8 % Fett und 3,4 % Eiweiß, während wir durch<br />

den Betrieb gehen. Gemolken wird mit Robotern, je nach<br />

Leistungsgruppe drei- bzw. zweimal täglich.<br />

Die Ausstattung seines Betriebes mit Land bewertet Niels<br />

Laursen als gut. Bei diesem Verhältnis von Tieren zu Fläche<br />

gelinge es, den anfallenden organischen Dünger komplett<br />

7


TITELTHEMA<br />

1<br />

auf dem eigenen Land unterzubringen. Damit steht der<br />

Landwirt jedoch nicht allein, wie Erik Helbo Bjergmark<br />

ergänzt, der bei dem Gespräch mit anwesend ist. Er ist für<br />

die landwirtschaftliche Beratungsorganisation Seges in<br />

Aarhus tätig, die sich mehrheitlich von Beiträgen der rund<br />

15.000 dänischen Landwirte finanziert, die Mitglied in dieser<br />

Organisation sind. „Ein Transport von organischem Dünger<br />

über größere Distanzen und/oder Abgabe an Fremdbetriebe,<br />

wie man es in Deutschland oder den Niederlanden sehen<br />

kann, war bei uns lange Zeit nicht erlaubt. Der Zwang der<br />

Flächenbindung hat deshalb den Strukturwandel sehr getrieben“,<br />

erklärt er.<br />

LOCKERUNG DER AUFLAGEN<br />

Möglich war vielen Betrieben die Erweiterung ihrer Betriebsfläche<br />

in den zurückliegenden Jahren vor allem durch<br />

die deutlich gesunkenen Pacht- und Kaufpreise für Land.<br />

Nach Aussage des Beraters lag zum Beispiel der Pachtpreis<br />

in Westjütland im Jahr 2013 bei etwa 4.000 Kronen/ha,<br />

was etwa 540 € entsprach. Gegenwärtig bewegen sich die<br />

Kurse zwischen 2.000 und 3.000 DKr, also zwischen 260 und<br />

400 €/ha, wie auch Niels Laursen bestätigt. Das klingt auf<br />

den ersten Blick paradox, denn eine steigende Nachfrage<br />

nach Land sollte eigentlich den gegenteiligen Effekt erwarten<br />

lassen. „Doch die Betriebe hier haben aus verschiedenen<br />

Gründen wirtschaftlich teils sehr schwierige Jahre hinter<br />

sich. Zahlreiche Betriebsleiter mussten aufgeben, sodass<br />

viel Land freikam. Jetzt hat sich das Pachtniveau allerdings<br />

stabilisiert“, meint er.<br />

Zu den Einflussfaktoren dieser wirtschaftlich schwierigen<br />

Phase gehört sicher nicht nur, aber zum Teil eben auch die<br />

Düngeverordnung, wie aus dem Gespräch mit Niels Laursen,<br />

Erik Bjergmark und Dan Hamann herauszuhören ist. Obergrenzen<br />

für Stickstoff und Phosphor gibt es in Dänemark seit<br />

etwa 20 Jahren. In dieser Zeit wurden seitens der Politik die<br />

unterschiedlichsten Konzepte vorgegeben, wie die Düngung<br />

zu erfolgen habe. „Nicht alles davon war aus fachlicher Sicht<br />

wirklich immer sinnvoll und hat viel Geld gekostet. Aber im<br />

Laufe der Jahre wurden die Regelungen angepasst, und seit<br />

2017 haben alle politisch sowie fachlich Beteiligten einen<br />

durchaus praktikablen Weg gefunden“, erzählt der Berater.<br />

Hintergrund der „Lockerung“ im Jahr 2017 seitens der<br />

Regierung war, dass erstens die ursprünglich zu hohen<br />

Nitratwerte im Grundwasser deutlich gesunken waren,<br />

und zweitens die früheren Obergrenzen vor allem im Getreideanbau<br />

zu Qualitäts- und Ertragseinbußen führten,<br />

was speziell bei Weizenproduzenten zu wirtschaftlichen<br />

Einbußen führte und vor allem in der Schweinehaltung zur<br />

Konsequenz hatte, dass zusätzliche Proteinfuttermittel<br />

eingekauft werden mussten, um die Rationen auf Leistungsniveau<br />

zu halten. Als Milchproduzent sah und sieht Niels<br />

Laursen darin jedoch kein Problem. Ein gewisser Anteil<br />

Kraftfutter müsse ohnehin zugekauft werden. Und auf<br />

8


2<br />

3<br />

seinen mehrheitlich eher sandigen Ackerböden wachsen als<br />

Getreide ohnehin nur Gerste und Roggen, zusammen etwa<br />

250 ha. „Dabei sind wir nicht auf Höchsterträge angewiesen<br />

und mit den durchschnittlich 70 dt/ha zufrieden“, sagt er.<br />

Weitere 150 ha entfallen auf Mais und rund 100 ha auf Gras.<br />

Doch mit welchen Vorgaben müssen die Landwirte denn<br />

gegenwärtig nun auskommen? Die Obergrenze von<br />

170 kg N/ha bzw. 30 kg P/ha aus organischem Dünger gilt<br />

nach wie vor. Als verwertbar gelten 70 % der Menge, sodass<br />

letztlich effektiv etwa 135 kg N/ha aus organischem Dünger<br />

stammen dürfen. Allerdings – und hier liegt der wichtige<br />

Unterschied – orientiert sich die Regelung jetzt stärker<br />

am tatsächlichen Bedarf der Pflanzen. „Bis 2017 durften<br />

pauschal höchstens 80 % des pflanzenbaulichen Optimums<br />

gedüngt werden. Jetzt gilt diese Deckelung so nicht mehr,<br />

und wir können uns am tatsächlichen Bedarf orientieren“,<br />

berichtet Erik Bjergmark. Entsprechend der in der Gülle<br />

enthaltenen Nährstoffe – hier arbeiten Verwaltung und<br />

Politik mit pauschalen Werten und geben keinen Zwang zur<br />

Beprobung vor – setzt Niels Laursen auf Gras normalerweise<br />

gut 20 m³/ha als erste Gabe ein. Nach dem zweiten Schnitt<br />

folgen weitere 15 m³/ha, auf Mais dagegen setzt er 30 m³/ha<br />

als einzige Güllegabe vor der Saat ein.<br />

Weiterer Pluspunkt in dem Zusammenhang: Zusätzlich<br />

dürfen die Landwirte Mineraldünger einsetzen, sodass in<br />

Summe bis zu 300 kg N/ha möglich sind. Positiv wirkt zudem<br />

1 Zum Betrieb Laursen gehören 420 Kühe plus<br />

380 Nachzucht-Tiere in zwei Ställen.<br />

2 Lohnunternehmer Torben Kamp: „Die genaue<br />

Dokumentation der ausgebrachten Düngermengen<br />

ist vom Staat vorgeschrieben.“<br />

3 Lohnunternehmer Hans Tobiasen sieht in<br />

„controlled traffic“ auf Grünland, also fest<br />

definierten Fahrspuren, die Chance auf<br />

Mehrerträge von bis zu 7 %.<br />

die Möglichkeit, innerhalb des Betriebes den organischen<br />

Dünger je nach Bodenart, Entzug der Pflanzenart und<br />

Niederschlagsmengen Zuschläge zu kalkulieren, was die<br />

Obergrenze auf bis zu 230 kg N/ha verschieben könne. Besagte<br />

170 kg N aus organischem Dünger müssen letztlich<br />

rechnerisch für den Gesamtbetrieb passen.<br />

AUSREICHENDE ERTRÄGE<br />

Unverändert geblieben sind dagegen Vorgaben wie der<br />

Zwang zur Winterbegrünung aller Flächen – wobei „grün“<br />

nicht bedeutet, zwingend einen üppigen Zwischenfruchtbestand<br />

zu haben. Eine Folge dessen ist die Grasuntersaat in<br />

Mais, die nach der Ernte ein übermäßiges Auswaschen von<br />

Nährstoffen verhindern soll. Auch die Einarbeitungspflicht<br />

9


TITELTHEMA<br />

4<br />

von Gülle auf Ackerflächen gilt unverändert. Schlitzen auf<br />

Grünland ist jedoch nicht zwingend vorgeschrieben, wie<br />

Niels Laursen ergänzt, der in dieser Ausbringform ohnehin<br />

eine unnötige Schädigung der Grasnarbe sieht. „Bei uns<br />

nutzt der Lohnunternehmer Schleppschläuche. Allerdings<br />

wird die Gülle generell mit SyreN angesäuert und so die<br />

Ammoniumverluste begrenzt. Das funktioniert gut“, berichtet<br />

er.<br />

Apropos Grünland: Hier setzt Niels Laursen, wie die meisten<br />

seiner Berufskollegen, in hohem Maß auf „Ackergras“, also<br />

die Ansaat von Grasmischungen auf Ackerflächen, die<br />

spätestens nach vier Jahren wieder umgebrochen werden.<br />

„Auf diese Weise haben wir immer gute Grasflächen mit<br />

hohem Leistungsstand“, begründet er diese Vorgehensweise.<br />

Außerdem gelten Grünlandflächen nach besagten vier<br />

Jahren als Dauergrünland und dürfen nach dänischem Recht<br />

nicht mehr umgebrochen werden. Angereichert wird die<br />

Grassaat bei Laursen übrigens mit einem Anteil von 5 % Klee.<br />

Mehr dürfe es aber nicht sein, weil auch der durch den Klee<br />

verfügbare Stickstoff auf die erlaubte Menge organischen<br />

Düngers bzw. N-Gehalts angerechnet werden muss.<br />

GEFRAGTE DIENSTLEISTER<br />

Einer der beiden Lohnunternehmer, die für Niels Laursen<br />

arbeiten, ist Torben Kamp, Inhaber der Maskinstation<br />

Skamstrup in Varde. Der Betrieb hat 27 Festangestellte und<br />

drei wesentliche Standbeine: landwirtschaftliche Dienstleistungen,<br />

Erd- und Tiefbauarbeiten sowie Transporte. Im<br />

Bereich Agrar sind vor allem Milchviehhalter seine Kunden.<br />

Pro Jahr bringt der Lohnunternehmer für sie nach eigener<br />

4 LU Kamp setzt bisher vier Häckselketten ein.<br />

5 Krone-Importeur Dan Hamann schätzt den<br />

Durchschnitt der dänischen Milchviehbetriebe<br />

Aussage rund 600.000 m³ Gülle aus, häckselt etwa 3.500<br />

bis 4.000 ha Mais mit vier Häckslern und bringt auf etwa<br />

2.500 ha Gras vier bis fünf Schnitte ins Silo. Auch er hat den<br />

heftigen Strukturwandel der vergangenen Jahre erlebt:<br />

„Vor zehn Jahren hatten noch 20 % unserer Kunden weniger<br />

als 100 Kühe – heute sind es noch genau drei Betriebe.<br />

Alle anderen haben die Bestände erheblich aufgestockt“,<br />

berichtet er.<br />

auf 300 Kühe, Tendenz steigend.<br />

Aus seiner Sicht sei diese Entwicklung durchaus von Vorteil,<br />

denn die meisten Betriebsleiter seien professioneller eingestellt,<br />

würden sich mehr auf die Tierhaltung konzentrieren<br />

und quasi alle Außenarbeiten an den Lohnunternehmer<br />

vergeben. „Natürlich steigt auch die Abhängigkeit als<br />

Lohnunternehmer, wenn die Zahl der Kunden sinkt und<br />

einzelne ein größeres Umsatzgewicht bekommen“, ist er<br />

sich bewusst. „Aber bei den meisten Landwirten ist die Preisdiskussion<br />

weniger zu beobachten als früher. Sie erwarten<br />

beste Qualität und sehr hohe Flexibilität von uns. Dann<br />

sind sie auch bereit, die Kosten dafür zu bezahlen“, fügt er<br />

hinzu. Der eine oder andere Kunde suche auch mal sein Heil<br />

in einem eigenen Häcksler, zumal ein bestimmter Hersteller<br />

derzeit mit Macht Technik in den Markt zu drücken versuche.<br />

„Aber spätestens dann stellen diese Landwirte fest, dass es<br />

10


mir ein Rätsel, weshalb man in Deutschland bisher mit der<br />

Umsetzung der schon vor Langem beschlossenen EU-Vorgaben<br />

so lange gewartet hat. Jetzt muss es dort übers Knie<br />

gebrochen werden.“<br />

CONTROLLED TRAFFIC<br />

5<br />

mit dem Häcksler allein nicht getan ist. Es braucht auch eine<br />

schlagkräftige Abfuhrkette, Ersatzteile und Werkstattservice<br />

sind teuer – und es braucht vor allem Menschen, die bei der<br />

Ernte helfen. Aber die sind mehr denn je Mangelware“, so<br />

Torben Kamp, der sich sowohl über viele Stammkunden als<br />

auch langjährige Mitarbeiter freut.<br />

Das Kostenthema greift auch beim Thema Gülleausbringung,<br />

denn die teure Technik mit Schlitzgeräten und<br />

SyreN-Logistik könne kein Landwirt selbst wirtschaftlich<br />

auslasten, sondern allein die Lohnunternehmer. Außerdem<br />

sei für den Säureeinsatz in Gülle ein spezielles Zertifikat<br />

erforderlich. Zusätzlich übernimmt Torben Kamp als Service<br />

die Nährstoff-Dokumentation für die meisten seiner<br />

Kunden. Hierzu seien die dänischen Landwirte verpflichtet.<br />

„Zwar müssen wir keine Gülleproben nehmen und auch<br />

nichts teilflächenspezifisch erfassen, aber eine genaue<br />

Dokumentation der ausgebrachten Düngermengen ist vom<br />

Staat vorgeschrieben. Und jede Kuh ist in Dänemark exakt<br />

erfasst“, erklärt er. Neben den Landwirten seien zudem die<br />

Händler zu Meldungen verpflichtet. Einmal pro Jahr sind<br />

nach seiner Aussage die Daten an eine zentrale Behörde<br />

zu melden, die stichprobenartig auch Angaben vor Ort<br />

prüft. „Wenn etwas nicht stimmt, drohen Rückzahlung von<br />

EU-Geldern und empfindliche Strafen“, fügt er hinzu.<br />

Die Rosskur der Düngeverordnung seit dem Jahr 2000 ist<br />

aus seiner Sicht für die Landwirtschaft hart gewesen, so<br />

sein Fazit dazu. Aber insgesamt kommen die Bauern nach<br />

seiner Einschätzung inzwischen mit der Düngeverordnung<br />

gut zurecht. „Glücklicherweise hatten wir in Dänemark<br />

genug Zeit, diesen Prozess schrittweise zu vollziehen. Es ist<br />

Ein anderes, in Dänemark scheinbar vielfach diskutiertes<br />

Thema im Zusammenhang mit Grünlandmanagement ist<br />

„controlled traffic“. Das bestätigt nicht nur Torben Kamp,<br />

sondern auch sein Lohnunternehmer-Kollege Hans Tobiasen<br />

aus Ribe. Er beschäftigt 21 Festangestellte und hat ein mit<br />

LU Skamstrup vergleichbares Dienstleistungsspektrum.<br />

Hinter besagtem controlled traffic verbirgt sich die Idee, auf<br />

den Flächen immer die gleichen Fahrspuren zu verwenden.<br />

Mittels GPS-Steuerung ist dies problemlos machbar. Damit<br />

würden sich die Bodenverdichtungen durch die schweren<br />

Fahrzeuge einzig auf diese Spuren beschränken, was auf<br />

der Gesamtfläche jedoch eine Ertragssteigerung zur Folge<br />

hat, was z. B. bei Gras bis zu 7 % ausmacht, wie dänische<br />

Feldversuche ergeben haben.<br />

Ziel ist es dabei, die Fahrgassen auf Grünland im Abstand<br />

von 24 m zu setzen, bei Mais auf 12 m. Mit der Gülleausbringung<br />

funktioniere dies bereits sehr gut, so Hans<br />

Tobiasen. Hierfür setzt er fünf gezogene Tridemfässer<br />

sowie ein Gülle-Trike ein, für zusammen etwa 350.000 m³/<br />

Jahr. 60 % seiner Kunden setzen auf Grünland übrigens auf<br />

Schlitztechnik, die anderen auf Schleppschlauchverteiler.<br />

„Nur in der Grünfuttererntetechnik, etwa bei Mähern und<br />

Schwadern, passen die im Markt verfügbaren Arbeitsbreiten<br />

noch nicht ganz. Und auch beim Maishäckseln sind wir noch<br />

nicht bei den 12 m“, stellt er fest.<br />

Auch aus seiner Sicht sind die seit 2017 praxisgerechteren<br />

gesetzlichen Vorgaben bezüglich N und P positiv zu bewerten.<br />

„Die Erträge auf Grünland passen, Stickstoff ist<br />

kein begrenzender Faktor mehr, wie noch vor drei Jahren.<br />

Dies wird auf längere Sicht eher beim Phosphor der Fall<br />

sein, wenn auch nicht unbedingt bei Gras, aber sicher bei<br />

Mais“, meint er. Interessant bewertet er daher ein Versuchsprojekt<br />

des ortsansässigen Biogasanlagebetreibers.<br />

Dort wird gezielt Phosphor aus den Gärresten separiert.<br />

Die P-reduzierten Partien dienen dann der Grünland-Düngung,<br />

während der gewonnene Phosphor den für Mais<br />

zugedachten Mengen beigemischt wird. „Damit lassen<br />

sich die erlaubten Grenzwerte bestens einhalten und der<br />

Pflanzenbedarf weitgehend decken“, so sein erster Eindruck<br />

dieses Pilotprojekts. «<br />

11


TITELTHEMA<br />

GRÜNLAND-MANAGEMENT: NIEDERLANDE<br />

NUR QUALITÄT<br />

In den Niederlanden gelten, ähnlich wie in<br />

Dänemark, seit Jahren strenge Regeln zum<br />

Umwelt- und Grundwasserschutz. Von Lohnunternehmer<br />

Erik Morssink aus Voorst haben<br />

wir erfahren, was das in der Praxis<br />

bedeutet, vor allem mit Blick<br />

auf das Grünland.<br />

12


ZÄHLT<br />

Der niederländische Name „Achterhoek“ bedeutet<br />

wörtlich übersetzt „hintere Ecke“ und<br />

bezeichnet eine landschaftlich reizvolle Region der<br />

Niederlande, die direkt an Deutschland angrenzt<br />

und – auf der Karte betrachtet – zwischen Emmerich<br />

und Vreden wie eine Ausbuchtung der Grenze nach<br />

Osten aussieht. Und wer, vom deutschen Anholt<br />

kommend, zum Beispiel das Lohnunternehmen van<br />

Hal der Familie Morssink im niederländischen Voorst<br />

erreichen möchte, merkt erst auf den zweiten Blick<br />

anhand der Straßenschilder und Pkw-Kennzeichen,<br />

dass er die Grenze überschritten hat.<br />

Der Achterhoek und die angrenzenden Regionen<br />

bis nach Arnheim und Zwolle gehören zu den Gebieten<br />

der Niederlande mit sehr hohen Besatzdichten<br />

an Rindern, Schweinen und Geflügel – durchaus<br />

vergleichbar mit dem westlichen Münsterland.<br />

Entsprechend groß waren in der Vergangenheit die<br />

Auswirkungen intensiver Düngung mit Wirtschaftsdüngern<br />

– bis die niederländische Regierung mit<br />

scharfen Auflagen gegensteuerte. Das blieb natürlich<br />

nicht ohne Folgen für die Landwirte, wie Lohnunternehmer<br />

Erik Morssink berichtet. „Die Intensität der<br />

Tierhaltung hat durchaus abgenommen – allerdings<br />

bisher nur in Form kleinerer Bestände und kaum<br />

durch Aufgabe ganzer Betriebe. Ich hoffe, dass es<br />

soweit auch nicht kommt, denn immerhin gut 60 %<br />

unseres Umsatzes erzielen wir mit landwirtschaftlichen<br />

Dienstleistungen. Was die Existenz der Höfe<br />

betrifft, wird eine große Rolle spielen, wie praxisgerecht<br />

die Instrumente der Düngegesetzgebung<br />

weiterhin gehandhabt werden.“<br />

AUSNAHMEN HELFEN<br />

Die bisherigen Rahmenbedingungen bewertet der<br />

Lohnunternehmer als „machbar“, wobei der Aufwand<br />

für alle Beteiligten durchaus erheblich ist. Gemäß<br />

Nitratrichtlinie dürfen pro Hektar nicht mehr als<br />

170 kg Stickstoff aus organischem Wirtschaftsdünger<br />

ausgebracht werden. Davon werden<br />

Lohnunternehmer Erik Morssink:<br />

„Was die Existenz der Höfe betrifft,<br />

wird eine große Rolle spielen, wie<br />

praxisgerecht die Instrumente der<br />

Düngegesetzgebung weiterhin<br />

gehandhabt werden.“<br />

13


TITELTHEMA<br />

1<br />

2<br />

1 Graslandpflege und -nachsaat sind<br />

den niederländischen Landwirten<br />

wichtig.<br />

2 Ein Teil der Landwirte lässt die Kühe<br />

im Sommer weiden.<br />

3 Zur Verbesserung von Grünland und<br />

Grasaufwuchs ebnet LU van Hal bei<br />

Kunden pro Jahr auch bis zu 100 ha<br />

Flächen und sät neu ein.<br />

jeweils 80 % als mineralisierbar angerechnet,<br />

was etwa 135 kg N/ha entspricht. Die restliche<br />

Menge darf mit Mineraldünger bis zu<br />

besagten 170 kg quasi aufgefüllt werden.<br />

Darüber hinaus besteht in den Niederlanden<br />

die Möglichkeit zur sogenannten<br />

„derogatie“, also einer Ausnahmegenehmigung.<br />

Sie werde von der Regierung bei der<br />

EU jährlich beantragt, wobei es durchaus<br />

Anpassungen der Vorgaben geben könne,<br />

so der Lohnunternehmer. „2018 und <strong>2019</strong><br />

blieben die Regelungen jedoch weitgehend<br />

unverändert. Was 2<strong>02</strong>0 kommt, wissen wir<br />

noch nicht, aber alle hoffen natürlich auf<br />

weitere Konstanz“, erklärt er zum Zeitpunkt<br />

des Gesprächs Mitte September.<br />

Besagte Ausnahmeregelung sieht vor, dass<br />

je nach Bodenart auf einzelnen Flächen<br />

auch 230 bis 250 kg N/ha ausgebracht<br />

werden dürfen, so Erik Morssink: „Damit<br />

können die Landwirte bei einzelnen stark<br />

zehrenden Fruchtarten, wie zum Beispiel<br />

Mais oder Kartoffeln, besser den Nährstoffbedarf<br />

der Pflanzen treffen. Und es reduziert<br />

den Druck, noch mehr organischen Dünger<br />

vom eigenen Betrieb abtransportieren zu<br />

müssen.“ Was nichts daran ändert, dass<br />

etwa 75 % seiner landwirtschaftlichen Kunden<br />

mit Tierhaltung zumindest einen Teil<br />

ihrer Gülle bzw. des Mistes „exportieren“<br />

müssen – allerdings primär durch Abgabe<br />

an Ackerbaubetriebe in den Niederlanden<br />

und nur noch in Einzelfällen ins Nachbarland,<br />

wie er weiter erläutert. „Seit der<br />

Verschärfung der deutschen Düngeverordnung<br />

werden nach meiner Einschätzung<br />

nur relativ geringe Mengen über die Grenze<br />

gebracht, vor allem Schweinegülle, und das<br />

meist auch nur, wenn ein niederländischer<br />

Landwirt auf der deutschen Seite Flächen<br />

bewirtschaftet.“<br />

Nicht unerheblich ist der Kontroll- und<br />

Dokumentationsaufwand. So sind von<br />

Güllepartien, die nicht auf dem eigenen<br />

Betrieb bleiben, Proben zu entnehmen, deren<br />

Nährstoffgehalt in einem Zentrallabor<br />

untersucht wird. Darüber hinaus muss jeder,<br />

der Wirtschaftsdünger ausbringt, exakt erfassen,<br />

welche Mengen auf welcher Fläche<br />

ausgebracht werden. Im Lohnunternehmen<br />

van Hal geschieht dies dadurch, dass die<br />

Fahrer bei jedem Auftrag ein zusätzliches<br />

Formular mit den entsprechenden Angaben<br />

ausfüllen. Dieses Papier wird aufbewahrt<br />

und dient bei behördlichen Kontrollen dem<br />

Nachweis. „Bisher ist es allerdings nicht<br />

erforderlich, die Daten an eine zentrale<br />

Meldestelle zu geben“, so Erik Morssink.<br />

Auch eine digitale Erfassung an seinen<br />

Ausbringfahrzeugen oder die Nährstoffmessung<br />

mittels NIRS-Technik praktiziert<br />

er noch nicht.<br />

Die Düngeverordnung der Niederlande<br />

fokussiert sich jedoch nicht nur auf Stickstoff,<br />

sondern mindestens so intensiv auf<br />

den Phosphorgehalt. Eine Klassifizierung<br />

der Böden nach den Versorgungsstufen A–E,<br />

wie in Deutschland, gibt es nach Aussage<br />

des Lohnunternehmers in den Niederlanden<br />

zwar nicht, doch unbestreitbar ist ein großer<br />

Flächenanteil bisher nach Einschätzung<br />

des Gesetzgebers überversorgt. Vorgabe<br />

ist deshalb, pro Jahr und Hektar nicht<br />

mehr als 50 kg P auszubringen. Bei einem<br />

angenommenen Gehalt von 1,5 kg/m³<br />

nutzbarem Phosphor entspricht dies etwa<br />

34 m³ Rindergülle. „Das reicht nicht für den<br />

tatsächlichen Bedarf, wenn bei etwa 18 t/ha<br />

Futtertrockenmasse etwa 74 kg P entzogen<br />

werden“, meint er. Um jedoch die Phosphor-<br />

14


3<br />

limits einzuhalten, habe die Separierung von<br />

Gülle in der Region erheblich zugenommen.<br />

GRASERTRÄGE<br />

STIMMEN – NOCH<br />

Aus Sicht der Milch- und Rindviehhalter<br />

ist allerdings nicht nur die Verwertung des<br />

Düngers relevant, sondern mindestens so<br />

sehr die Sicherung der Futtergrundlage.<br />

Auch hier ist das Lohnunternehmen für<br />

seine Kunden aktiv, indem das Team van Hal<br />

Grünfutter von rund 3.000 ha Grünland – bei<br />

vier bis sechs Schnitten jährlich – und von<br />

600 ha Silomais erntet. Die Erträge beziffert<br />

Erik Morssink auf etwa 12 t Trockenmasse<br />

pro Hektar Gras und 16 t Trockenmasse<br />

pro Hektar Mais. „Insgesamt sind die Erträge<br />

trotz der Nährstoffobergrenzen in den<br />

letzten Jahren kaum gesunken. Und auch<br />

die Futterqualitäten sind ok. Was allerdings<br />

passiert, wenn Phosphor irgendwann zu<br />

einem begrenzenden Faktor wird, lässt<br />

sich nicht absehen. Ich hoffe, dass dann die<br />

Obergrenzen angepasst werden“, meint er.<br />

Derzeit düngt das Team van Hal bei den<br />

Landwirten auf Grünland als erste Gabe 25<br />

bis 30 m³ Gülle. Nach dem ersten Schnitt<br />

folgen weitere 15 bis 20 m³ – fast alles<br />

wird übrigens geschlitzt bzw. mit Injektor<br />

platziert. In Summe macht das zwischen<br />

80.000 und 100.000 m³ pro Jahr. Weitere<br />

40.000 m³, die das Lohnunternehmen jedes<br />

Jahr ausbringt, sind für Ackerflächen bestimmt.<br />

Hier wird unmittelbar mit an den<br />

Fässern angebauten Scheibeneggen oder<br />

Grubbern eingearbeitet.<br />

Um von den verfügbaren Flächen das<br />

Optimum an Leistung zu erzielen, legen<br />

seine Kunden viel Wert auf Qualität. Dabei<br />

spielen natürlich in erster Instanz die<br />

klassischen Aspekte, wie sauberer Schnitt,<br />

geringe Futterverschmutzung, optimaler<br />

Silierzeitpunkt, rasche und saubere Bergung<br />

sowie eine gute Verdichtung im Silo eine<br />

unverändert große Rolle. „Diesbezüglich<br />

möchte ich meinem Team ein großes Lob<br />

aussprechen, denn durch die gute Arbeit der<br />

Mitarbeiter haben wir uns einen guten Ruf<br />

erarbeitet, den die Kunden auch honorieren.<br />

So werden wir sogar von deutschen Landwirten<br />

beauftragt, obwohl wir im Stundenlohn<br />

deutlich über den LU-Kollegen liegen“,<br />

erzählt der Lohnunternehmer zufrieden. Im<br />

Vergleich zur deutschen Seite der Grenze<br />

überlassen die niederländischen Landwirte<br />

ihrem Dienstleister meistens auch einen<br />

größeren Anteil der Arbeit, bis hin zur<br />

kompletten Arbeitskette.<br />

Den Unterschied zwischen „hüben und<br />

drüben“ sieht er jedoch auch in der Bereitschaft,<br />

in die Pflege des Grünlandes zu<br />

investieren. Etwa 75 % der Flächen seiner<br />

Kunden sind Dauergrünland. Hier wird in<br />

vielen Fällen regelmäßig gestriegelt und<br />

nachgesät – wobei dies aus Sicht des Lohnunternehmers<br />

durchaus noch intensiver<br />

geschehen könnte. Das restliche Viertel<br />

besteht aus mehrjährigem Ackergras, das<br />

regelmäßig umgebrochen wird und im<br />

Fruchtwechsel mit Mais steht. „Sehr wichtig<br />

ist dabei die verwendete Saatgutmischung.<br />

Und da habe ich den Eindruck, dass hier bei<br />

uns oftmals bessere und jüngere Sorten<br />

verwendet werden als in Deutschland“, hat<br />

Erik Morssink festgestellt und meint damit<br />

auch tetraploide Typen.<br />

Nicht zu vergessen in dem Zusammenhang<br />

ist die professionelle Bodennivellierung, die<br />

der Lohnunternehmer ebenfalls anbietet.<br />

Pro Jahr sorgt sein Team auf 50 bis 100 ha<br />

Fläche für ebenen Boden, auf dem in der<br />

Folge deutlich effektiver und verschmutzungsfreier<br />

Gras geerntet werden kann.<br />

„Insgesamt hatte die Leistungsfähigkeit des<br />

Grünlandes bei den meisten Landwirten<br />

schon lange einen hohen Stellenwert. Mit<br />

den schärferen Düngeregeln hat dieses<br />

Bewusstsein aber noch zugenommen, um<br />

aus dem Möglichen das Beste zu machen“,<br />

stellt er abschließend fest. «<br />

15


PRAXIS<br />

LANDWIRT HEIKO BERBALK, WALDEMS<br />

GENUSS-ARCHE<br />

„Bei mir hat noch nie ein Lkw<br />

Schlachtlämmer aufgeladen“,<br />

sagt Heiko Berbalk. Er betreibt<br />

gemeinsam mit seiner Frau<br />

Katja die Schäferei Hof Berbalk.<br />

Sie vermarkten ihr hochwer tiges<br />

Lammfleisch auf verschiedenen<br />

Wochenmärkten und direkt ab<br />

Hof.<br />

16


Pro Jahr isst jeder Bürger der Bundesrepublik<br />

rund 60 kg Fleisch. Der Anteil,<br />

der dabei vom Schaf stammt, ist relativ<br />

gering – er liegt gerade einmal bei 600 g.<br />

Die Ursache dafür liegt allerdings nicht nur<br />

in den Verzehrgewohnheiten, sondern auch<br />

im Angebot. Fleisch direkt vom Schäfer gibt<br />

es meist nur in Form ganzer oder halber<br />

Lämmer, und wer Teilstücke kaufen will,<br />

findet in den Theken der Supermärkte meist<br />

Tiefkühlware aus Neuseeland.<br />

Dass der Verzehr von Lammfleisch zwar<br />

lang sam, aber kontinuierlich ansteigt,<br />

liegt an Betrieben wie dem Hof Berbalk<br />

in Waldems-Wüstems im Taunus, knapp<br />

40 km von den Innenstädten Frankfurts und<br />

Wiesbadens entfernt. Denn sie haben die<br />

Qualität ihrer Produkte auf allen Stufen<br />

selbst in der Hand: bei der Schafhaltung, bei<br />

der Schlachtung und der Verarbeitung – vor<br />

allem aber direkt im Kundenkontakt beim<br />

Verkauf.<br />

HOBBY ALS BERUF<br />

Heiko Berbalks Eltern waren Hobby-Tierhalter<br />

– von Geflügel und Schafen. Er selbst<br />

machte zunächst eine Ausbildung zum Gas-<br />

und Wasserinstallateur, später die Prüfung<br />

zum Meister in diesem Beruf. Ende der<br />

neunziger Jahre arbeitete er in Österreich,<br />

doch es zog ihn nach einem Jahr wieder<br />

nach Hause. Hier war inzwischen die Herde<br />

auf 400 Mutterschafe angewachsen. Heiko<br />

Berbalk packte die Sache nun von Grund<br />

auf an: Erst legte er die Gehilfenprüfung als<br />

Tierwirt in der Fachrichtung Schafhaltung<br />

ab, vier Jahre später die Meisterprüfung.<br />

Gleich nach der Übernahme des Betriebes<br />

setzte er eine größere Baumaßnahme um:<br />

einen Stall für 650 Mutterschafe. Seine Herde<br />

besteht hauptsächlich aus Rhönschafen.<br />

Das ist eine bewährte Landschafrasse. Die<br />

Tiere sind mittelrahmig. Charakteristisch ist<br />

ihr edler schwarzer Kopf, Körper und Beine<br />

sind weiß. „Mit der Zucht von Rhönschafen<br />

haben bereits meine Eltern begonnen“, berichtet<br />

der Schäfer. „Sie sind meiner Ansicht<br />

nach für meinen Betrieb die beste Rasse.<br />

Zwar handelt es sich nicht um ein ausgesprochenes<br />

Fleischschaf, sie sind aber robust<br />

und genügsam. Auf unseren Standort<br />

passen sie ideal.“ Obwohl Heiko Berbalk für<br />

sein Leben gern Schafe hütet, übernimmt<br />

die tägliche Betreuung weitgehend sein<br />

Schäfer Jaak. Mit bei der Herde sind noch<br />

etwa 30 bis 40 braune Bergschafe und die<br />

gleiche Anzahl an Buren- sowie Thüringer<br />

Wald Ziegen. Die beiden Letzteren dienen<br />

hauptsächlich der Landschaftspflege. Fast<br />

das ganze Jahr werden die Schafe gehütet,<br />

Anfang Januar geht es dann für etwa<br />

100 Tage in den Tiefstreu-Stall. Gleich einige<br />

Tage später wird geschoren.<br />

ABLAMMUNG<br />

Obwohl das Rhönschaf eine asaisonale<br />

Brunst hat, findet der Schwerpunkt der<br />

Lammungen im späten Winter/Anfang<br />

Frühjahr statt. Dann bekommen die Tiere<br />

eine 24-Stunden-Betreuung. In dieser<br />

sind auch die beiden anderen Mitarbeiter,<br />

Karsten und Marcel, meist im Stall tätig.<br />

„Jedes Lamm, das wir mehr aufziehen, ist<br />

für uns wichtig“, sagt Heiko Berbalk. „Da<br />

sollte fast immer jemand dabei sein, um zu<br />

schauen, ob es bei den Lammungen Komplikationen<br />

gibt, und ob die neugeborenen<br />

Lämmer auch gut getrunken haben“, betont<br />

er. Mutterschafe und Lämmer kommen nach<br />

der Geburt grundsätzlich in Einzelboxen.<br />

Dies erleichtert die Bindung zueinander<br />

und die Kontrolle durch die Schäfer. Später<br />

kommen die Tiere dann in größere Gruppen.<br />

Die Futterfläche des Betriebes beträgt etwa<br />

17


PRAXIS<br />

2<br />

1<br />

3<br />

160 ha, davon ca. 90 ha Mahdfläche. Meist<br />

wird nur ein Schnitt gemacht, der weitere<br />

Aufwuchs wird abgehütet. „Dieses Jahr hatten<br />

wir einen so hohen Ertrag vom Grünland,<br />

dass nur der erste Schnitt gemäht wurde.<br />

Wir machen hauptsächlich Heu beziehungsweise<br />

Heulage. Dazu haben wir eine eigene<br />

Presse und ein Wickelgerät. Dieses Jahr<br />

habe ich genau 1.282 Rundballen gepresst<br />

und etwa 500 davon gewickelt“, erklärt uns<br />

der Schäfer. Die topgepflegten Maschinen<br />

stehen alle in einer neuen Halle direkt neben<br />

dem Wohnhaus. Außerdem laufen auf dem<br />

Betrieb noch drei Traktoren und ein Hoflader.<br />

Ein großer Muldenkipper leistet wertvolle<br />

Dienste, wenn der Stall ausgemistet wird.<br />

Zur Nachpflege der Weideflächen gibt es<br />

einen Front- und einen Heckmulcher.<br />

VIEL BÜROKRATIE<br />

Im Wohnhaus treffen wir Katja Berbalk.<br />

Die Agraringenieurin hat früher in der<br />

Landwirtschaftsverwaltung und bei der<br />

Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft<br />

(DLG) gearbeitet. Seit zwölf Jahren ist sie<br />

auf dem Hof tätig, seit fünf Jahren ist sie<br />

komplett daheim. Neben Büro und Marktverkauf<br />

kümmert sie sich um die Tochter<br />

Anna. „Zu tun gibt es genug“, sagt Katja<br />

Berbalk. „Schließlich haben wir insgesamt<br />

zwei Betriebe: Die Schäferei sowie die<br />

Vermarktung inklusive der Veredlung nach<br />

der Schlachtung.“ Ihr Aufgabenspektrum<br />

reicht also von der Verwaltung der Flächen<br />

samt Verpächterkontakten über die Dokumentation<br />

aller Vorgänge bis hin zum<br />

Marketing und der Kundenkommunikation<br />

in den sozialen Medien. Und gerade in der<br />

Landwirtschaft in Kombination mit der<br />

Direktvermarktung ist die Bürokratie noch<br />

größer. Ein Beispiel ist hier die Dokumentation<br />

der Reinigungs- und Temperaturlisten<br />

im Schlachthaus. Ihr Organisationstalent<br />

konnte sie vor zwei Jahren beweisen, als<br />

zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft zur<br />

Zucht Altdeutscher Hütehunde das Bundesleistungshüten<br />

auf dem Hof durchgeführt<br />

wurde. Neben dem eigentlichen Wettkampf<br />

gab es eine Tierschau, es waren Verbände<br />

und Vereine präsent, es fand ein großer<br />

Bauernmarkt statt und selbstverständlich<br />

wurde für die Verpflegung der vielen Gäste<br />

gesorgt. Mit 1.500 Besuchern am Samstag<br />

und 6.500 am Sonntag – bei weitem nicht<br />

alle vom Fach – gelang außerdem eine<br />

1 Heiko Berbalk, Schäfer aus dem<br />

Taunus.<br />

2 Der Großteil der Herde des<br />

Hofes Berbalk besteht aus<br />

Rhönschafen.<br />

3 Auch optisch ein Leckerbissen:<br />

Lammfleisch.<br />

4 Katja Berbalk auf dem<br />

Erzeugermarkt auf der<br />

Konstablerwache in Frankfurt.<br />

ausgezeichnete Werbung für die Schafhaltung<br />

im Allgemeinen und den Hof im<br />

Besonderen.<br />

MARKTVERKAUF<br />

„Unser Betrieb hat sich kontinuierlich<br />

weiterentwickelt“, sagt Heiko Berbalk.<br />

„Da müssen wir laufend die Strukturen<br />

anpassen. Meine Eltern waren mit ihrer<br />

Landwirtschaft sehr gebunden und sie<br />

haben dazu noch die Direktvermarktung<br />

unserer Produkte etabliert. Geschlachtet<br />

wurde bei uns schon immer – und zwar<br />

18


4<br />

fast jeden Tag. Inzwischen gibt es drei feste<br />

Tage. Das eigene Schlachthaus haben wir<br />

im Jahr 2009 erweitert, umgebaut und<br />

EU-zertifiziert. Früher haben wir unseren<br />

Kunden halbe und ganze Lämmer verkauft.<br />

Heute sind es ausschließlich Teilstücke. Egal,<br />

ob nur ein Kotelett oder gleich 20: Das ist<br />

überhaupt kein Problem.“ Gute Beratung<br />

ist natürlich inklusive. Heiko Berbalk weiter:<br />

„Das Lamm hat sehr viele interessante<br />

Teilstücke, nicht nur Kotelett oder Keule.<br />

Nehmen wir zum Beispiel den wenig attraktiven<br />

Hals: Ist er sauber ausgelöst, wird<br />

daraus ein schmackhaftes und appetitlich<br />

aussehendes Gulasch.“<br />

Ergänzt wird der Fleischverkauf durch ein<br />

Sortiment an Wurstwaren. Auch einige<br />

Woll- und Fellprodukte gibt es an den<br />

Ständen des Hofes Berbalk. Die wichtigste<br />

Verkaufsstelle ist der Bauernmarkt Konstablerwache<br />

in Frankfurt. „In meinen Augen ist<br />

das einer der besten Märkte Deutschlands“,<br />

sagt der Landwirt und Schäfer. Zugelassen<br />

sind ausschließlich Erzeuger, keine Händler.<br />

Er findet zweimal in der Woche statt. Entstanden<br />

ist er vor über 30 Jahren aus einem<br />

Erntedankfest heraus.“<br />

Zudem wird der Bauernmarkt im Hessenpark,<br />

der Schillermarkt in Frankfurt und der<br />

Wiesbadener Wochenmarkt beschickt. Dazu<br />

kommen einige Einzelveranstaltungen. „Wir<br />

haben unsere Präsenz aber mittlerweile<br />

etwas eingeschränkt“, erklärt der Schäfer.<br />

„Früher waren wir zum Beispiel die kompletten<br />

Adventswochenenden unterwegs,<br />

teilweise auf mehreren Veranstaltungen.<br />

Das haben wir etwas zurückgefahren und<br />

sind auch donnerstags nicht mehr auf der<br />

Konstablerwache.“ Sonst würden sowohl<br />

Familie als auch Betrieb darunter leiden,<br />

ergänzt er. Dafür wurde der Ab-Hof-Verkauf<br />

intensiviert. Dieser findet immer freitagnachmittags<br />

am Schlachthaus statt. „Für<br />

noch mehr Attraktivität sorgt meine ältere<br />

Tochter Selina, die dann immer mit ihrer<br />

‚Milchbar‘ hier ist. Sie hat sich nach ihrer<br />

Berufsausbildung nun im Marktgewerbe<br />

selbständig gemacht“, meint Heiko Berbalk.<br />

ARCHE-HOF<br />

Neben den vier Schaf- und Ziegenrassen<br />

– davon befinden sich die Rhön- und die<br />

Braunen Bergschafe sowie die Thüringer<br />

Wald Ziegen auf der roten Liste der vom<br />

Aussterben bedrohten Nutztierrassen – hält<br />

Familie Berbalk noch zwei Tiroler Grauvieh<br />

Rinder. Sie sind ein Hobby Katja Berbalks.<br />

Außerdem gibt es noch mehrere Altdeutsche<br />

Hütehunde. Beide sind ebenfalls vom<br />

Aussterben bedroht. Deshalb hat der Hof<br />

von der Gesellschaft zur Erhaltung alter<br />

und gefährdeter Haustierrassen den Titel<br />

„Arche-Hof“ erhalten. Oftmals sind es eher<br />

die Hobbyzüchter, die sich mit solchen Rassen<br />

beschäftigen, der Hof Berbalk ist einer<br />

der wenigen Vollerwerbsbetriebe, der sich<br />

löblicherweise um diese Erhaltungszucht<br />

kümmert.<br />

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“,<br />

freut sich Heiko Berbalk. „Dass sich daraus<br />

einmal ein solcher Betrieb entwickelt, hätte<br />

ich nie gedacht. Unsere Tätigkeit hier ist<br />

sehr vielfältig. Es macht mir großen Spaß,<br />

auf den Märkten mit unserer Ware zu stehen.<br />

Wir haben eine tolle Kundschaft. Ein<br />

bisschen bedauere ich es aber doch, dass ich<br />

anderweitig so viel eingebunden bin. Denn<br />

schließlich bin ich nicht Schäfer geworden,<br />

weil ich Fleisch verkaufen will, sondern weil<br />

ich die Natur und die Tiere liebe.“ «<br />

19


WISSEN<br />

PRAXIS-TIPP<br />

SAISONCHECK<br />

LADEWAGEN<br />

Zeit ist Geld – das gilt besonders in der Grünfutterernte. Hier<br />

haben Ladewagen eine zentrale Rolle, deshalb müssen sie<br />

störungsfrei arbeiten und 1a-Qualität abliefern. Damit das<br />

gelingt, sind ein Generalcheck vor Saisonbeginn und tägliche<br />

Wartung unerlässlich. <strong>XtraBlatt</strong> gibt Tipps.<br />

20


Die Schleifvorrichtung am Ladewagen<br />

bietet den Vorteil, die Messer<br />

bei Bedarf auch zwischendurch<br />

schärfen zu können.<br />

Zu den Kernaufgaben der Ladewagen gehören in besonderem<br />

Maß die leistungsfähige, verschmutzungsfreie<br />

Aufnahme und der bestmögliche Schnitt des Futters. Darum<br />

sind Pickup-Messer und Rotor zentrale Arbeitswerkzeuge,<br />

die es optimal einzustellen und zu pflegen gilt.<br />

Grundsätzlich ist die ungesteuerte EasyFlow-Pickup<br />

wartungsarm. Dennoch sollten die Zinken sowie der Antriebstrang<br />

beim jährlichen Saisoncheck auf Verschleiß<br />

und Zustand geprüft werden. Direkt hinter der Pickup befindet<br />

sich der Schneidrotor, der das Erntegut durch einen<br />

Messerkamm in den Laderaum fördert. Die Messer und<br />

die Auflage des Förderrotorzinkens sind so angeordnet,<br />

dass das Erntegut nicht entweichen kann, sondern nach<br />

dem Scherenprinzip sauber geschnitten wird und nicht<br />

zerreißt oder vermust. Wichtig: Vor Saisonbeginn sollte<br />

der Abstand der Abstreifer zum Rotor kontrolliert werden,<br />

bei einem festen Sitz ist ein Abstand von 25 mm sicherzustellen.<br />

Ein weiterer „Checkpoint“ ist der Kratzboden des<br />

Ladewagens. Für eine störungsfreie Saison sollte dieser in<br />

einem optimalen Zustand sein. Dazu sind die Ketten sowie<br />

Nussräder hinsichtlich Verschleiß zu begutachten und auf<br />

ausreichende Spannung bzw. Funktion zu überprüfen.<br />

MESSERS SCHNEIDE …<br />

… sollte scharf sein! Die Messer des Ladewagens sollten, je<br />

nach Flächenleistung des Wagens, wenigstens einmal am<br />

Tag geschärft werden, bei Bedarf auch zweimal. Das optional<br />

erhältliche SpeedSharp-System mit automatischem<br />

Arbeitsablauf für das Schleifen aller Messer ist fest am<br />

Wagen montiert – somit immer dabei und einsatzbereit.<br />

Der Messerbalken lässt sich zum Schärfen hydraulisch<br />

aus- und wieder in den Förderkanal einschwenken. Die<br />

Schleifscheiben sind auf einer seitlich verschiebbaren und<br />

hydraulisch angetriebenen Welle angeordnet. Es wird immer<br />

eine ganze Messergruppe geschliffen und dabei zeitgleich<br />

jedes zweite Messer des Balkens bearbeitet. Im Anschluss<br />

folgt dann die andere Hälfte.<br />

Die Schleifvorrichtung am Ladewagen bietet den Vorteil, die<br />

Messer bei Bedarf auch zwischendurch schärfen zu können<br />

und nicht warten zu müssen, bis der Arbeitseinsatz am<br />

Abend beendet ist. Ohne dieses System müssten alle Messer<br />

einzeln ausgebaut und nachgeschärft werden oder direkt<br />

gegen einen zweiten Messersatz getauscht werden – ein<br />

enormer Zeit- und Kostenfaktor. Der Einsatz des Ladewagens<br />

mit stets scharfen Messern sorgt für ein sauberes Schnittbild<br />

– und spart so auch Energie und Kosten. Der Verschleiß des<br />

21


WISSEN<br />

1<br />

2<br />

Messersatzes ist abhängig von den Erntebedingungen, aber<br />

grundsätzlich sollte dieser jedoch ausgetauscht werden,<br />

sobald der Wellenschliff sich dem Ende neigt.<br />

Unvermeidlich ist, dass Fremdkörper, insbesondere<br />

Steine, den Weg über die Pickup in die Maschine finden.<br />

Um zu verhindern, dass die Messer durch die Fremdkörper<br />

beschädigt werden, ist eine Messereinzelsicherung<br />

verbaut. So kann jedes Messer für sich aus dem<br />

Schnittbereich herausschwenken. Wenn also Fremdkörperkontakt<br />

besteht, schwenkt das jeweilige Messer<br />

aus und der Fremdkörper wird weiter geführt, ohne dass<br />

eine Blockade entsteht. Hat der Fremdkörper das Messer<br />

passiert, schwenkt es wieder ein. Über die Saison hinweg<br />

kann es sein, dass das Auslösen der Sicherung durch<br />

Verschmutzungen erschwert wird. In der Folge könnte<br />

ein Fremdkörper die jeweiligen Messer beschädigen<br />

– oder im schlimmsten Fall komplett zerstören. Da<br />

dies unbedingt vermieden werden muss, ist es wichtig,<br />

Verschmutzungen an der Messereinzelsicherung zu entfernen<br />

und eine gute Schmierung zu gewährleisten.<br />

LÄUFT WIE GESCHMIERT<br />

Um die Straßenverkehrssicherheit zu gewährleisten, ist die<br />

Kontrolle der Brems- und Beleuchtungsanlage sowie des<br />

Fahrwerks und der Reifen eine wichtige Aufgabe, sowohl<br />

beim Saisoncheck als auch zwischendurch. Angefangen bei<br />

dem Entlüften der Bremsanlage und dem Säubern der Filter<br />

über das Prüfen der Schlauchverbindungen sowie der Kabel<br />

1 Vor Saisonbeginn sollte überprüft werden, ob der Messerabstand<br />

einen sauberen Scherenschnitt gewährleistet.<br />

2 Das Abschmieren ist essentiell für die reibungslose<br />

Funktionsfähigkeit einer jeden Maschine – auch beim<br />

Ladewagen.<br />

und Stecker: Vor Saisonbeginn muss alles gewissenhaft begutachtet<br />

werden. Einen weiteren Blick sollten Sie auf den<br />

Zustand von Radbolzen und Reifen sowie den Reifenluftdruck<br />

werfen, um Ausfällen durch Beschädigungen vorzubeugen.<br />

Nicht umsonst gibt es Sprichwörter wie „da klemmt das<br />

Fett“. Denn beim Abschmieren sollte man nicht sparen.<br />

Es ist essentiell für die reibungslose Funktionsfähigkeit<br />

einer jeden Maschine – das trifft auch beim Ladewagen<br />

zu. Hier ist es zu empfehlen, sich anhand des beiliegenden<br />

Schmierplans durch die Maschine zu arbeiten. Nach<br />

jedem Einsatzjahr sollte außerdem ein Ölwechsel durchgeführt<br />

werden. Die im Öl angefallenen Verschmutzungen<br />

werden beseitigt und das neue Öl sorgt zudem für eine<br />

optimale Schmierung bei minimalem Verschleiß.<br />

Um den Vorsaisoncheck abzuschließen, sollten alle Funktionen<br />

der Maschine „trocken“ getestet werden. Läuft die<br />

Maschine ruhig oder ist etwas auffällig, gibt es Fehlermeldungen<br />

oder Probleme? Schäden in Sensorik oder der<br />

Aktorik werden so schnell erkannt und können behoben<br />

werden, somit sparen Sie sich ärgerliche Ausfälle in der<br />

Ernte. «<br />

22


EASYCUT F 320 M / F 320 / F360 M<br />

PUSH & PULL<br />

Auf der Agritechnica <strong>2019</strong> zeigte der Grundfuttererntespezialist<br />

Krone u. a. die drei<br />

neuen Frontmähwerke EasyCut F 320 M,<br />

F 320 und F 360 M. Die Geräte arbeiten<br />

ohne Aufbereiter, jeweils in der geschobenen<br />

(Push) als auch in der gezogenen Variante<br />

(Pull). Ihre Arbeitsbreiten liegen zwischen<br />

3,14 m und 3,60 m, die Transportbreiten<br />

bei 3 m (F 320 und F 320 M) bzw. 3,44 m<br />

(F 360 M). Gemeinsame Kennzeichen der drei<br />

Baureihen sind das einheitliche, neue Design<br />

mit gespannten Schutztüchern, als auch die<br />

weit öffnenden Frontschutze, wodurch z. B.<br />

die Mähholme beim Klingenwechsel gut<br />

erreichbar sind. Zudem sind die Mähwerke<br />

deutlich leichter, was eine bessere Bodenanpassung<br />

erlaubt.<br />

Alle drei neuen Modelle arbeiten mit dem<br />

bewährten Krone SmartCut-Mähholm. Die<br />

nach vorn auseinander laufenden Scheiben<br />

liegen jetzt näher nebeneinander, dadurch<br />

ergibt sich eine größere Überlappung der<br />

Messerlaufbahnen. So kann das Mähwerk<br />

auch in leichten Beständen streifenlos arbeiten.<br />

Zudem verfügen die neuen Geräte über<br />

die innovative SafeCut-Lösung. Der Abstand<br />

zwischen den beiden Schwadtrommeln<br />

beträgt 145 cm, so gelingt auch bei gut<br />

gewachsenen Beständen eine kompakte<br />

Schwadablage, bei der das Futter nicht vom<br />

Traktor überfahren wird. Auf Wunsch können<br />

die neuen Mähwerke mit hydraulischen<br />

Klappschutzen, einem Kamerasystem oder<br />

zwei Begrenzungsleuchten mit farbigen LED<br />

ausgestattet werden. «<br />

VARIPACK V 165 XC PLUS / V 190 XC PLUS<br />

REINE RIEMENPRESSE<br />

Weltpremiere feierte kürzlich die neue Rundballenpressen-Baureihe<br />

VariPack von Krone. Sie wurde speziell für die Bergung trockener<br />

Erntegüter wie Heu, Stroh und Heulage konstruiert und ist in den<br />

Varianten VariPack V 165 XC Plus (Ballengrößen von 0,80 bis 1,65 m)<br />

sowie V 190 XC Plus (0,80 bis 1,90 m) erhältlich. In der Presskammer<br />

befinden sich vier, je 275 mm breite Flachriemen, die eine hohe<br />

Verdichtung garantieren. Sowohl Presskraft als auch Weichkernwert<br />

werden vom Traktorsitz aus über das Terminal eingestellt.<br />

Ein Highlight ist der schnelle Ballenauswurf. In weniger als 5 sek lässt<br />

sich die Heckklappe öffnen und schließen. Für mehr Fahrkomfort<br />

verfügen die Maschinen zudem über eine Automatikfunktion: Die<br />

Netzbindung wird automatisch gestartet; ebenfalls automatisch<br />

gesteuert wird das Öffnen und Schließen der Heckklappe.<br />

Serienmäßig sind die neuen Pressen mit einem Hochleistungs-<br />

Integralrotor mit 26-Messer-Schneidwerk ausgerüstet; der Messerabstand<br />

beträgt 42 mm bzw. 84 mm (zweimal schaltbar), die Messer<br />

können schnell an das jeweilige Erntegut angepasst werden. Serienmäßig<br />

wird die Presse mit Netzbindung angeboten (Garnbindung<br />

optional); ebenfalls serienmäßig ist die Netzrutsche, über die das<br />

Netz einfach, schnell und ohne großen Kraftaufwand eingelegt<br />

werden kann. Die Netzzufuhr zur Presskammer läuft automatisch<br />

über eine hydraulische Netzschwinge ohne vorgelagerte Walze.«<br />

23


INTERNATIONAL<br />

Das Rezept des Scherrhofs ist ganz einfach: Gute<br />

Kühe geben gute Milch. Und gute Milch gibt guten<br />

Käse. Mit der eigenen Schaukäserei veredelt die<br />

Landwirtsfamilie Walch aus Tirol nicht nur das<br />

eigene Produkt, sondern hat den Betrieb so auch<br />

auf zukunftssichere Beine gestellt.<br />

24


FAMILIE WALCH, KIRCHBERG (A)<br />

GUTE MILCH –<br />

GUTER KÄSE<br />

Kirchberg in Tirol, nur wenige Kilometer vom weltbekannten<br />

Ferienort Kitzbühel entfernt. Wir sitzen in<br />

der Bar des Hotels Elisabeth. Der Kellner bringt Kaffee. Verabredet<br />

sind wir hier mit Hans Walch, Hotelier und Landwirt. Er<br />

hat gemeinsam mit seiner Frau aus dem elterlichen Gasthof<br />

ein modernes Haus mit Vier-Sterne-Superior-Standard, großzügigem<br />

Wellness-Bereich und 200 Betten gemacht. Und<br />

auch sein landwirtschaftlicher Betrieb ist fit für die Zukunft.<br />

„Die Landwirtschaft in Kirchberg, den Scherrhof, habe ich<br />

eigentlich bereits vor einiger Zeit an meinen Sohn übergeben“,<br />

erzählt Hans Walch. „Er hat vor rund zehn Jahren seine Ausbildung<br />

als Agraringenieur abgeschlossen. Als es darum ging,<br />

die Betriebsentwicklung zu planen, war schnell klar, dass wir<br />

unser Produkt Milch veredeln müssen, um die Wertschöpfung<br />

zu erhöhen. So haben wir eine eigene Käserei gebaut.“<br />

ZWEI BETRIEBE<br />

Darüber hinaus besitzt Hans Walch noch einen weiteren<br />

landwirtschaftlichen Betrieb in Ungarn. Die Idee dazu entstand<br />

bei einem Urlaubsaufenthalt in Loipersdorf, nahe<br />

der ungarischen Grenze. „Ich war so begeistert von den<br />

Bedingungen dort, dass ich dort auch landwirtschaftlich<br />

etwas unternehmen wollte“, erzählt Hans Walch. „Irgendwann<br />

war ein passender Betrieb zu verkaufen und da<br />

habe ich zugegriffen. Das war im Jahr 1991. Ich halte dort<br />

350 Milchkühe der Rasse Holstein sowie etwa die gleiche<br />

Anzahl an Nachzucht. Die Milchleistung beträgt im Durchschnitt<br />

8.000 kg pro Jahr. Gemolken wird in einem neuen<br />

Doppel-16er-Fischgrätenmelkstand. Bewirtschaftet werden<br />

etwas mehr als 600 ha, davon sind ca. 520 ha im Eigentum.<br />

Wir bauen dort viel Grünroggen und Futtergerste an, dazu<br />

kommen rund 130 ha Weizen, 30 ha Triticale und 15 bis 20 ha<br />

Hafer.“ Letztgenannter dient als Pferdefutter, denn Hans<br />

Walch hält dort als Hobby einige Traber-Zuchtstuten. Die<br />

Tiere werden ausschließlich im Natursprung in Frankreich<br />

gedeckt, die Fohlen in Ungarn aufgezogen und als Jährlinge<br />

dann wiederum nach Frankreich zum Training für die Rennbahn<br />

verkauft. „Auf dem Betrieb arbeiten 16 Menschen“,<br />

so der Landwirt weiter. „Ich bin zwar etwa alle zehn Tage<br />

einmal vor Ort, das Tagesgeschäft wird aber von einer<br />

Wirtschafterin geleitet.“<br />

Zurück nach Tirol. Als wir mit Hans Walch auf den Scherrhof<br />

im drei Kilometer entfernten Ortsteil Spertendorf fahren,<br />

sind die Ställe zwar blitzsauber, es ist aber kein einziges Rind<br />

zu sehen. „Die Tiere kommen erst nächstes Wochenende<br />

von der Alm zurück“, erklärt der Landwirt: „Dort sind sie<br />

seit Mitte Mai. Wir haben eine Nieder- und eine Hochalm.<br />

Erstere liegt auf 1.140 m über dem Meer, Letztere reicht<br />

von 1.640 bis über 2.000 m. Der Almabtrieb findet immer<br />

Ende September statt und ist mit einem Fest vor dem Hotel<br />

verbunden. Wir bieten so den Gästen in unserer Region und<br />

den Einheimischen eine weitere touristische Attraktion.“<br />

SCHAUKÄSEREI<br />

Den gesamten Sommer verbringen die Rinder also im<br />

Gebirge am Fuße des Großen Rettensteins. „Wir nehmen<br />

alle unsere 60 Milchkühe und das gesamte Jungvieh mit<br />

nach oben“, sagt Hans Walch. „Die Abkalbungen finden<br />

hauptsächlich im Herbst statt, ideal wäre für uns in der<br />

Zeit Oktober/November. So können die Kühe den frischen<br />

Frühjahrsaufwuchs auf der Alm voll nutzen. Wird das Futter<br />

dann weniger, sind sie eh in einem späteren Stadium der<br />

Laktation oder stehen schon trocken. Früher hat unsere<br />

Familie Pinzgauer gehalten, mein Vater hat dann aber auf<br />

Fleckvieh umgestellt. Die passen sehr gut in die Region,<br />

und da die männlichen Kälber besser vermarktet werden<br />

können, sind sie zudem wirtschaftlicher.“ Familie Walch<br />

züchtet einen nicht zu großrahmigen Typ Fleckvieh mit<br />

25


INTERNATIONAL<br />

1<br />

2<br />

wenig Red-Holstein-Einfluss und legt Wert auf gute, leicht<br />

melkbare Euter.<br />

3<br />

Fast die gesamte Sommermilch wird verkäst. Bei einer Jahresdurchschnittsleistung<br />

der Kühe von 8.400 l werden über<br />

die Sommermonate aus rund 100.000 l Milch knapp 10 t<br />

Bergkäse erzeugt, dazu noch Tilsiter, Weichkäse, Joghurt<br />

und Molkegetränke. Stehen die Kühe voll in der Laktation,<br />

wird jeden Tag gekäst, lässt die Milchmenge über den Sommer<br />

nach, entsprechend weniger. „Der wichtigste Schritt<br />

war hier der Bau unserer Schaukäserei ‚Kasplatzl‘ auf der<br />

Niederalm“, berichtet Hans Walch. „Denn hier wird nicht<br />

nur produziert, sondern auch verkauft. Angeschlossen ist<br />

ein Gastraum und eine große Sonnenterasse. Die Gäste<br />

gelangen zu uns mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem<br />

Auto. Im Sommer wird hier oben Brot gebacken und zusätzlich<br />

gibt es Wurstwaren sowie Speck von den eigenen<br />

Almschweinen, die die Molke aus der Käseproduktion verwerten.<br />

Was wir nicht direkt ab Alm verkaufen, wird über<br />

die Gastronomie unseres eigenen Hotels, den Einzelhandel<br />

oder über Kollegen abgesetzt. Außerdem haben wir neben<br />

dem Hotel einen Verkaufsladen.“ Von der Wintermilch<br />

aus dem Talbetrieb wird etwas frischer Joghurt für den<br />

Verbrauch in der Gastronomie erzeugt, der Rest wird an<br />

die Molkerei Pinzgau Milch geliefert.<br />

Die Käseproduktion auf Sennalpen hat in der Region Tradition,<br />

allerdings gab es in den letzten Jahrzehnten einen<br />

starken Rückgang. Das Engagement der Familie Walch<br />

wurde deshalb positiv aufgenommen. Auch die öffentliche<br />

Hand unterstützte den Landwirt bei seinem Vorhaben.<br />

Während der Almsaison kümmern sich Hans Walch jun.<br />

und ein Melker um die Tiere. Zum Käsen kommt ein Senner<br />

aus dem Tal. Unterstützt wird das Alm-Team durch<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Gastronomie.<br />

Gemolken wird auf der Niederalm im Anbindestall mit<br />

einer Rohrmelkanlage, auf der Hochalm mit einem Doppel-2er-Tandemmelkstand.<br />

Dieser reicht von der Kapazität<br />

aus, da zu dieser Zeit schon viele der Rinder trockenstehen.<br />

Der Stall ist relativ neu, da vor einigen Jahren ein Herbststurm<br />

das Dach des alten Gebäudes völlig weggefegt hat.<br />

Nach dem Motto: „Wenn neu, dann richtig“, wurde in einen<br />

modernen Laufstall sowie Melktechnik investiert.<br />

DREI SCHNITTE<br />

Die Flächenausstattung des Scherrhofs sieht folgendermaßen<br />

aus: 65 ha Grünland, davon 50 ha im Eigentum, die<br />

Nieder- und die Hochalm sind 60 bzw. 190 ha groß. Über die<br />

Jahre hinweg hat Hans Walch immer wieder Wiesen dazu<br />

erworben, deshalb sind seine Flächen nicht arrondiert. So<br />

wird der erste und der dritte Schnitt komplett zu Rundballen-Silage<br />

gewickelt. Der zweite Schnitt wird als Grummet<br />

eingebracht und unter Dach belüftet.<br />

26


4<br />

1 Hans Walch, Hotelier und Landwirt aus Kirchberg<br />

in Tirol.<br />

2 Das gesamte Jungvieh kommt mit auf die Alm.<br />

3 Im Sommer gibt es für die Milchkühe ausschließlich<br />

frisches Almwiesengras und etwas Kraftfutter.<br />

4 Blitzsauber, aber im Sommer unbenutzt. Dann ist<br />

das gesamte Vieh auf der Alm.<br />

5 Auf der Alm wird die gesamte Sommermilch direkt<br />

verarbeitet.<br />

5<br />

Eigentlich vertragen sich aber Silage und Bergkäseproduktion<br />

nicht, da es dadurch zu Fehlgärungen im Produkt<br />

kommen kann. Hans Walch erklärt den vermeintlichen<br />

Widerspruch: „14 Tage vor dem Almauftrieb stellen wir die<br />

Fütterung auf frisches Gras um. Sind die Tiere dann oben,<br />

wird erst ab dem 20. Tag die Milch für die Hartkäseproduktion<br />

verwendet. Anders würde es nicht funktionieren.“ Und<br />

während der Almsaison gibt es für die Kühe dann eh nur<br />

Bergwiesengras und etwas Kraftfutter.<br />

Auf dem Scherrhof in Tirol laufen Traktoren der Marke John<br />

Deere, in Ungarn Fendt. Auf beiden Betrieben kommt die<br />

Futtererntetechnik von Krone zum Einsatz. „Eigentlich sollte<br />

man ja denken, dass wir in Österreich bevorzugt von einem<br />

einheimischen Hersteller kaufen“, meint Hans Walch. „Und<br />

das war in der Vergangenheit auch so. Allerdings hatte ich<br />

mit unserem örtlichen Händler einmal ein Problem, weil<br />

einer unserer Traktoren in Ungarn nicht optimal gelaufen<br />

ist. Leider konnte das nicht zu meiner Zufriedenheit gelöst<br />

werden, sodass ich mich nach einem anderen Partner umgeschaut<br />

habe. Der hatte Krone im Programm“, schildert<br />

er die Situation. Inzwischen setzt er je ein Front- und ein<br />

Heckmähwerk, ein Bergmähwerk sowie eine Rundballenpresse<br />

ein, die hauptsächlich im Stroh und ein bisschen im<br />

Heu läuft. In Ungarn nutzt er ein Schmetterlingsmähwerk,<br />

außerdem gehören zwei große Schwader, ein Zetter und<br />

zwei weitere Rundballenpressen zum Maschinenpark.<br />

„Durch die durchweg guten Erfahrungen bin ich so zu einem<br />

Krone-Fan geworden. Ich war schon mehrfach im Werk und<br />

finde es auch sehr sympathisch, mit einem Familienunternehmen<br />

zusammenzuarbeiten.“<br />

In Zukunft wird sich Hans Walch sen. immer mehr aus dem<br />

Geschäft zurückziehen. Seine Frau ist bereits im Ruhestand,<br />

das Hotel Elisabeth wird von einem Direktor geleitet. Und<br />

auch bei ihm ist die Rente nicht mehr fern. Aber untätig<br />

wird der Landwirt sicherlich nicht sein. Neben dem Betrieb<br />

in Ungarn wird er sich wieder mehr auf dem Scherrhof<br />

einbringen. „Aber ausschließlich als Helfer bei den Tieren<br />

oder in der Ernte“, meint er lachend. „In die Führung werde<br />

ich mich ganz sicher nicht einmischen. Das ist die Sache<br />

meines Sohnes.“ «<br />

27


WISSEN<br />

MENSCHEN BEI KRONE<br />

TEAM-SPIELER<br />

28


Maximilian Fritz arbeitet bei Krone in der Schwader-Montage<br />

und ist seit dem Frühjahr auch Teil der eSport-Gruppe. Sie spielt<br />

mittlerweile in der internationalen „Farming Simulator League“<br />

im Spitzenfeld mit – eine Welt für sich.<br />

Beifall brandet auf – dann ein kollektives<br />

Aufstöhnen – wie gebannt starren<br />

die Zuschauer auf das Spiel vor ihnen, das<br />

auf eine Großleinwand übertragen wird,<br />

während zwei Kommentatoren das Turniergeschehen<br />

wortreich begleiten. Doch es<br />

handelt sich hier nicht etwa um die Leichtathletik-Weltmeisterschaften<br />

oder ein Fußball-Bundesligaspiel.<br />

Objekt der Faszination<br />

Tausender in der Halle und Zuhause an den<br />

Bildschirmen ist stattdessen das Live-Turnier<br />

der „Farming Simulator League“, kurz FSL,<br />

das während der Messe „Zürich Game Show<br />

19“ stattfand. Und im harten Wettstreit<br />

um die schnellsten Ernte-Logistiker hat ein<br />

Team gerade einen herben Rückschlag hinnehmen<br />

müssen. Dieses FSL-Turnier ist das<br />

dritte von insgesamt neun, die während der<br />

ersten Liga-Saison zwischen Juli <strong>2019</strong> und<br />

Juli 2<strong>02</strong>0 stattfinden.<br />

HARTES TRAINING<br />

Doch was steckt eigentlich dahinter?<br />

„Basis und Ausgangspunkt ist das seit<br />

Längerem schon beliebte PC-Spiel Landwirtschaftssimulator.<br />

Mit der FSL wurde<br />

es <strong>2019</strong> jedoch um eine hochkarätige<br />

eSport-Komponente erweitert“, erzählt<br />

Maximilian Fritz. Er arbeitet bei Krone am<br />

Standort Spelle in der Schwader-Fertigung<br />

und ist seit diesem Frühjahr Mitstreiter<br />

im Krone eSport-Team, zusammen mit<br />

Frederic Leifeling, Sascha Straub, Martin<br />

Potzmader, Lukas Steurer und Andreas<br />

Beisswenger. „In den jeweiligen FSL-Turnieren<br />

spielen Dreier-Teams gegeneinander,<br />

ganz klassisch nach dem K.-o.-System<br />

mit Achtel-, Viertel- und Halbfinale bis<br />

zum Endspiel. Das können sogenannte<br />

Wildcard-Teams sein, mit dabei sind aber<br />

auch die sogenannten Seeded Teams, die<br />

Eingespieltes Team: Seit Kurzem ist Maximilian Fritz (2.v.r.) Teamleiter der Gruppe Getriebebau innerhalb der<br />

Montagelinie Schwader.<br />

ein generelles Startrecht bei den großen<br />

Turnieren haben“, erzählt er weiter.<br />

Von diesen Seeded Teams spielt mittlerweile<br />

knapp ein Dutzend bei der FSL mit,<br />

die allesamt von Herstellern aus dem<br />

landwirtschaftlichen Umfeld unterstützt<br />

werden – wie zum Beispiel Krone. „Unsere<br />

eSport-Gruppe wurde in diesem Frühjahr<br />

gegründet, nach dem internen Aufruf habe<br />

ich mich spontan mal gemeldet“, berichtet<br />

Maximilian Fritz weiter. Insgesamt spielen<br />

sechs Personen im Team. Dank der Sechsergruppe<br />

können in den Trainings jeweils zwei<br />

Dreiergruppen gegeneinander antreten.<br />

Wobei man sich unter Trainings keine<br />

schweißtreibenden Übungseinheiten auf<br />

der Tartanbahn vorstellen muss, sondern<br />

am PC. „Doch das fordert auch enorm. Wir<br />

trainieren mindestens zweimal pro Woche<br />

einige Stunden und vor Turnieren auch am<br />

Wochenende. eSport ist eben doch eine<br />

echte Sportart, für die man wirklich ackern<br />

muss, um gut zu sein“, betont er.<br />

NEU-EMSLÄNDER<br />

In der Krone eSport-Gruppe ist er der einzige<br />

Kollege aus der Fertigung im Werk – und ist<br />

erkennbar stolz, dabei sein zu können. Das<br />

hat nicht nur mit seinem generellen Hobby<br />

der Computerspiele zu tun, sondern auch ein<br />

wenig mit seinem beruflichen „Ankommen“<br />

in Spelle. Ursprünglich stammt er aus dem<br />

kleinen Ort Ketzin bei Potsdam. Dort lernte er<br />

den Beruf des Nutzfahrzeug-Mechatronikers,<br />

konnte von seinem Lehrbetrieb am Ende<br />

der Ausbildung aber nicht übernommen<br />

werden. Kurzentschlossen nutzte er 2011 das<br />

Angebot einer Zeitarbeitsfirma, bei Krone<br />

im Speller Werk anzufangen. Zunächst als<br />

klassischer Leiharbeiter, dann mit Zeitvertrag<br />

direkt beim Hersteller und seit 2016 mit<br />

unbefristeter Anstellung. Gleich in der An-<br />

29


WISSEN<br />

1<br />

2<br />

fangszeit lernte er auch seine Frau kennen.<br />

Heute lebt das Paar in Rheine.<br />

Möglich machte den Festvertrag u. a. die<br />

gute Konjunktur in der Landtechnik, ist<br />

Maximilian Fritz überzeugt. Doch auch<br />

sein Engagement für die Arbeit und sein<br />

Team am Band dürfte dabei eine Rolle<br />

gespielt haben. Denn im September ist er<br />

zum Teamleiter der Gruppe Getriebebau<br />

befördert worden – eines von insgesamt<br />

vier Teams in der Schwader-Fertigung.<br />

Die koordinierende Aufgabe kommt dabei<br />

für ihn „on top“, denn seine eigentliche<br />

Tätigkeit an verschiedenen Positionen im<br />

Fertigungsablauf ist geblieben. „Gerade die<br />

Vielseitigkeit macht meinen Arbeitsplatz so<br />

interessant. Wichtig ist mir aber besonders<br />

der Zusammenhalt unter den Kollegen –<br />

es funktioniert eben am besten in einem<br />

guten Team“, so sein Credo.<br />

Was das Gespräch wieder auf das Thema FSL<br />

lenkt, denn auch da funktioniert es nur im<br />

Team, wie Maximilian Fritz inzwischen aus<br />

Erfahrung weiß. Aus der 6er-Gruppe treten<br />

zu den einzelnen Live- und Online-Turnieren<br />

jeweils nur drei an. Das ist auch gut so, denn<br />

die Veranstaltungen finden im vierwöchigen<br />

Abstand statt, „und das Privatleben<br />

sollte bei aller Begeisterung dafür nicht zu<br />

kurz kommen, vor allem für die Familienväter<br />

im Team“, meint er weiter. Wobei ihm der<br />

Kampfgeist schon im Gespräch anzumerken<br />

ist, wenn er von den einzelnen Spielen berichtet,<br />

die Herausforderungen schildert<br />

und die diversen Fachbegriffe erklärt.<br />

GUT DABEI<br />

Aber bis der eher analog geprägte Zuhörer<br />

mit rushs, mods, picks, powerplays, patch,<br />

changelog oder Spawn-Status etwas anfangen<br />

kann, dauert es ein wenig. Was genau ist<br />

nun das so offensichtlich Spannende an Spiel<br />

und Wettbewerb – mal ganz einfach formuliert?<br />

„Die beiden Wettbewerbs-Teams müssen<br />

sich aus einem zur Auswahl stehenden<br />

Pool die passenden Fahrzeuge auswählen,<br />

also zum Beispiel Traktoren, Mähdrescher,<br />

Ballenpressen. Die einzelnen Modelle haben<br />

unterschiedliche Eigenschaften und auch die<br />

Spielmodi verändern sich von Spiel zu Spiel.<br />

Letztlich geht es darum, möglichst schnell<br />

möglichst viel Getreide zu dreschen, Stroh zu<br />

pressen und das Erntegut in die Scheune zu<br />

transportieren. Es geht um Geschwindigkeit,<br />

sehr viel Geschick und das Wissen um die<br />

richtigen Kniffe“, erklärt Maximilian Fritz.<br />

Nicht zu vergessen eine gute Portion Glück:<br />

„Manchmal weißt Du wirklich nicht, warum<br />

1 Bei den Wettkämpfen treten Dreier-<br />

Teams gegeneinander an. Dabei geht<br />

es u. a. um Schnelligkeit und Geschick<br />

in Ernte und Logistik.<br />

2 Bronze und Silber gab’s für das Krone<br />

eSport-Team bereits – für Gold wird<br />

weiter hart gekämpft.<br />

der Gegner gerade so gut ist. Dann vollziehen<br />

wir später den Wettkampf nach und<br />

versuchen, daraus zu lernen. Das ist ein echt<br />

harter Fight.“ Doch offensichtlich hat das<br />

Speller Team den Dreh ganz gut raus, denn<br />

nach drei von neun Turnieren stand es im<br />

Wettbewerberfeld von etwa 20 Teams auf<br />

Platz 2 – und so mancher Wettbewerber<br />

aus der analogen Welt sieht nur die Speller<br />

Rücklichter, um es mal plastisch zu formulieren.<br />

Eine echt harte Nuss ist dagegen der<br />

bisherige Spitzenreiter – das Team eines<br />

bekannten Reifenherstellers. „Die Jungs<br />

sind echt klasse“, gibt Maximilian Fritz mit<br />

sportlicher Fairness zu. „Aber wir arbeiten<br />

hart daran, noch weiter nach vorn zu kommen“,<br />

ergänzt der Wettkämpfer. Und was<br />

reizt ihn, abgesehen vom Turnier-Feeling,<br />

gerade am Landwirtschaftssimulator?<br />

eSport-Ligen gibt es ja viele … „Es macht<br />

einfach Spaß, auch in der virtuellen Welt<br />

mit Maschinen zu arbeiten, die wir täglich<br />

im Werk live montieren.“ «<br />

30


COMPRIMA PLUS<br />

KOMPAKTE PROFI-ALLROUNDER<br />

Zu den aktuellen Krone-Neuheiten, die das bestehende Produktprogramm<br />

erweitern, gehören auch die neuen Rundballenpressen der<br />

Serie Comprima Plus. Der Futtereinzug erfolgt über die ungesteuerte,<br />

gewendelte EasyFlow Pick-up, die Krone bereits erfolgreich im Ladewagen-<br />

und Rundballenpressensegment getestet hat. Für eine<br />

hohe Schnittqualität steht das Rotorschneidwerk XCut mit präzisem<br />

Zwangsschnitt und gleichmäßiger Verteilung des Erntegutes bis in<br />

die Randbereiche. Daher erreicht die Maschine in allen Beständen<br />

feste Ballenkanten. Das Präzisionsschneidwerk bietet Krone mit 17<br />

oder 26 Messern an (Schnittlängen von 42 bzw. 64 mm), die sich in<br />

Gruppen schalten lassen. Beim Pressorgan setzt Krone auf das bewährte<br />

Novogrip-System. Durch die elektrische Pressdruckverstellung<br />

kann die Ballendichte vom Schlepper aus eingestellt werden.<br />

Die Comprima Plus bietet Krone in vier Varianten an: Die Solomaschinen<br />

Comprima F 155 XC Plus (bewährtes semivariables<br />

Presssystem mit einem Durchmesser von 1,25–1,50 m) und<br />

V 150 XC Plus (variabel; Durchmesser von 1,00–1,50 m) sowie<br />

jeweils auch als Presswickelkombination. Alle Maschinen können<br />

wahlweise mit einer Folien- oder Netzbindung ausgestattet werden.<br />

Die Allroundpressen sind ISOBUS-fähig. Das serienmäßige<br />

Tractor-Implement-Management-System (TIM) entlastet den<br />

Fahrer, da z. B. Funktionen wie das Öffnen und Schließen der<br />

Heckklappe vollautomatisch ablaufen. «<br />

SWADRO TC 1370<br />

NOCH MEHR KOMFORT<br />

Der neue Swadro TC 1370 ergänzt die Schwader-Linie bei Krone um<br />

einen 4-Kreisel-Mittelschwader, der durch zahlreiche Komfort-Features<br />

besticht. So verfügt er serienmäßig über eine einstellbare<br />

hydraulische Kreiselentlastung mit integrierter Schwingungsdämpfung<br />

und Soft-Down-Absenkautomatik, eine elektrische Kreiselhöheneinstellung<br />

und eine einstellbare Vorgewende-Aushubhöhe.<br />

Die beiden vorderen Kreisel sind mit vier Liftzinken pro Zinkenarm<br />

ausgerüstet, die beiden hinteren Kreisel verfügen über fünf Liftzinken.<br />

Darüber hinaus fährt der Schwader – zum Beispiel nach<br />

Straßenfahrt – beim Ausklappen der Kreiselarme automatisch die<br />

zuvor gewählten Arbeits- und Schwadbreiten an. Die Arbeitsbreite<br />

des Schwaders ist wählbar zwischen 10,80 m und 13,70 m; die<br />

Schwadbreite liegt zwischen 1,40 und 2,60 m.<br />

Für den Swadro TC 1370 sind zwei Bereifungspakete erhältlich. Das<br />

Transportfahrwerk ist serienmäßig mit Druckluftbremsanlage ausgestattet.<br />

Zur Wahl stehen die Anbau-Varianten 2-Punkt-Anbaubock<br />

(serienmäßig) sowie die Kugelkopfanhängung 80. Serienmäßig wird<br />

der Swadro TC 1370 mit einem ISOBUS-fähigen Schlepperterminal<br />

bedient. Optional können sowohl die neuen Krone-Terminals DS 100<br />

bzw. DS 500 oder die zwei ISOBUS-fähigen Terminals CCI 800 und<br />

CCI 1200 verwendet werden. Für noch mehr Komfort sind der<br />

bewährte WTK-Joystick oder der neue CCI-A3-Joystick optional<br />

erhältlich. «<br />

31


INTERVIEW<br />

ZUKUNFT LANDWIRTSCHAFT<br />

„DAS GELINGT N<br />

LADENKASSE.“<br />

32


ICHT AN DER<br />

Die Landwirtschaft steckt derzeit im Spannungsfeld zwischen<br />

Markt auf der einen und gesellschaftlichen Wünschen sowie<br />

politischen Auflagen auf der anderen Seite. Welcher Weg wird<br />

allen gerecht? Ein spannendes Bild zeichnet DLG-Präsident<br />

Hubertus Paetow im <strong>XtraBlatt</strong>-Interview.<br />

Zu den derzeit heißen Eisen der Branche gehört sicher<br />

die Diskussion um Nitratbelastung des Grundwassers,<br />

die Ausweisung roter Gebiete, die kurz getakteten<br />

Verschärfungen der Düngeverordnung sowie das Ringen<br />

zwischen Brüssel und Berlin um die „akzeptable“ Lösung<br />

aus politischer Sicht. Doch wie ist eigentlich der Blickwinkel<br />

der Praxis? Was kann und muss auch die Landwirtschaft<br />

dazu beitragen? Und wer soll am Ende des Tages die Kosten<br />

für alle Wünsche tragen? Hubertus Paetow, Landwirt<br />

mit Ackerbau- und Schweinemastbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern<br />

und seit 2018 Präsident der Deutschen<br />

Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), hat dazu eine klare<br />

Auffassung. <strong>XtraBlatt</strong> traf ihn im Sommer am Rande der<br />

DLG-Unternehmertage in Magdeburg, die sich ebenfalls mit<br />

der Zukunft der Landwirtschaft beschäftigten.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Herr Paetow – was ist von der laufenden Verschärfung<br />

der Düngeverordnung aus Sicht der Praxis zu halten?<br />

Hubertus Paetow: Aus rein ackerbaulicher Sicht sind wir für<br />

unseren Betrieb zum Ergebnis gekommen, dass wir damit<br />

relativ gut leben können. Wohlgemerkt: auf Basis der bis<br />

Sommer <strong>2019</strong> gültigen Variante der Düngeverordnung, die<br />

2017 in Kraft gesetzt wurde. Aber der nächste Schritt wird<br />

davon abhängen, wie stark die Politik die Daumenschrauben<br />

anlegt in den roten Gebieten, egal, ob wegen Nitrat oder<br />

Phosphat.<br />

Ganz anders sieht das jedoch aus, wenn man es aus der<br />

Perspektive eines Betriebes, zum Beispiel in Westfalen, betrachtet,<br />

der seine Schweinehaltung soweit ausgebaut hat,<br />

wie es nach bisheriger Rechtslage seine verfügbare Fläche<br />

zuließ, eventuell mit etwas Gülleabgabe. Der ist von der<br />

gegenwärtigen bzw. sich abzeichnenden Regelung in seinem<br />

Gesamtbetriebssystem natürlich extrem betroffen. Schon<br />

heute werden dort zwischen 18 und 20 €/m³ Gülle allein<br />

für die Abfuhr bezahlt – davon können Sie kein Schwein<br />

mehr wirtschaftlich mästen. Aus DLG-Sicht muss ich deshalb<br />

mit Blick auf die Nitratproblematik feststellen: Es besteht<br />

zweifelsfrei in einigen Regionen Handlungsbedarf. Aber wir<br />

brauchen deutlich intelligentere Lösungen als das, was derzeit<br />

politisch diskutiert wird, wie etwa eine pauschale Deckelung<br />

der Nährstoffobergrenzen.<br />

VITA HUBERTUS PAETOW<br />

Hubertus Paetow, Jahrgang 1967, ist gebürtiger<br />

Schleswig-Holsteiner und absolvierte dort seine<br />

Ausbildung zum Landwirt. Nach dem Studium der<br />

Agrarwissenschaften in Göttingen und Kiel war er bis<br />

2005 als Geschäftsführer eines Ackerbaubetriebes in<br />

der Nähe von Kiel tätig. Seitdem bewirtschaftet er<br />

seinen Betrieb mit den Schwerpunkten Ackerbau<br />

und Saatguterzeugung in Finkenthal-Schlutow<br />

(Mecklenburg-Vorpommern). Neben anderen Ämtern<br />

in Verbänden und der Kommunalpolitik war<br />

Hubertus Paetow seit 2015 Vizepräsident der DLG<br />

und Vorsitzender des DLG-Testzentrums. Seit 2018<br />

ist Hubertus Paetow Präsident der DLG.<br />

33


INTERVIEW<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Woran denken Sie dabei?<br />

Paetow: Es ist ja kein Hexenwerk, Nitrat im Wasser zu messen.<br />

Warum tun wir das nicht an repräsentativen Punkten auf<br />

verschiedenen Schlägen in unseren Betrieben, in verschiedenen<br />

Tiefen und vollautomatisiert? Dadurch haben wir<br />

jederzeit eine verbindliche Aussage, was in Sachen Nitratauswaschung<br />

gerade los ist – und können auch kurzfristig<br />

gegensteuern, etwa durch Fruchtfolgeanpassung und/oder<br />

Zwischenfruchtanbau. Denn selbst bei uns in Mecklenburg<br />

mit seiner relativ flachen Trinkwasserförderung liegt das,<br />

was unten im Grundwasserkörper an Nährstoffen ankommt,<br />

in der Ursache 20 oder 30 Jahre zurück. Je präziser wir also<br />

wissen, was schon im Oberboden los ist, desto besser lässt<br />

sich ein „Zuviel“ an Auswaschung verhindern. Rein technisch<br />

halte ich das für machbar, wie mir eine Reise seitens der DLG<br />

nach Israel gezeigt hat, wo wir in Sachen Bewässerung und<br />

Nährstoffmanagement Forschungsinstitutionen besucht und<br />

ihre Lösungsansätze kennengelernt haben. Damit könnte<br />

man die Düngeauflagen in den sogenannten roten Gebieten<br />

anders handhaben als derzeit von der Politik vorgesehen, denn<br />

seitens der DLG sind wir keine Freunde davon, eine Flächenbindung<br />

der Tierhaltung anzustreben,<br />

weil es fachlich das Problem im Kern<br />

nicht trifft. Das gilt in der Schweine-<br />

wie in der Rinderhaltung.<br />

Aber ich finde es auch wichtig, dass<br />

der Berufsstand bei unvernünftigen<br />

Praktiken selbst gegenhält. Dass<br />

zum Beispiel im Jahr <strong>2019</strong> immer<br />

noch 50 % des flüssigen Wirtschaftsdüngers<br />

breitwürfig ausgebracht<br />

werden, ist problematisch! Wenn man durch sein Handeln<br />

sichtbar macht, dass man bereit ist, Dinge nicht nur zu tun,<br />

weil man es muss, sondern weil man sich verantwortlich fühlt,<br />

finden Verbraucher das gut. Ein anderes Beispiel dafür sind<br />

die Blühstreifen an den Feldrändern, die sehr zum positiven<br />

Bild beitragen. Wichtig ist: Seht her, wir haben zugehört, wir<br />

machen da jetzt was. Und wir werden als Branche insgesamt<br />

einen sehr großen Aufwand betreiben müssen, um das Bild in<br />

der Gesellschaft über Landwirtschaft zu drehen.<br />

„WIR BRAUCHEN DEUTLICH<br />

INTELLIGENTERE LÖSUNGEN<br />

ALS ETWA EINE PAUSCHALE<br />

DECKELUNG DER NÄHRSTOFF-<br />

OBERGRENZEN.“<br />

HUBERTUS PAETOW<br />

ist es nicht ausgeschlossen, dass zum Beispiel die Schweinehaltung<br />

aus Deutschland verschwindet, wenn die Politik<br />

nicht die richtigen Weichen stellt. Denn am Ende müssen<br />

verteuernde Auflagen von irgendwem bezahlt werden. Der<br />

Weltmarkt diktiert uns nach wie vor den Weg der billigsten<br />

Produktion über die Preisgestaltung. Das reduziert die Standards<br />

der Tierproduktion auf den kleinsten gemeinsamen<br />

Nenner. Wenn das in Deutschland anders gewünscht ist,<br />

muss es immer eine Differenz im Preis geben, und da ist die<br />

Frage an die Konsumenten: Wollt Ihr das oder nicht? Meines<br />

Erachtens geht das nur, wenn man wieder ein System der<br />

Produktionssubvention einführt. Die Differenz der Kosten von<br />

Auflagen, die von den Verbrauchern gewünscht ist, müssen<br />

wir den Landwirten bezahlen.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Die andere Variante wäre, Standards zu definieren,<br />

die bei Importen eingehalten werden müssen …<br />

Paetow: So etwas ginge nur, wenn man Grenzen schließt,<br />

und das wird nicht passieren. Aber man muss auch fragen:<br />

Wie egal ist es den Menschen, dass es – um bei dem Beispiel<br />

zu bleiben – in Deutschland eine Schweinehaltung gibt?<br />

Darüber muss mal scharf nachgedacht werden. Es ist deshalb<br />

gesellschaftlich zu diskutieren, ob<br />

man gegenüber Tieren eine Verantwortung<br />

dafür empfindet, wie sie<br />

gehalten werden, oder ob man nur<br />

will, dass es in Deutschland eine<br />

bestimmte Form der Tierhaltung<br />

nicht mehr gibt.<br />

Diese beiden Betrachtungsweisen<br />

haben unterschiedliche Auswirkungen.<br />

Will man Ersteres, dann<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Viele Landwirte fürchten, dass sie diesen Aufwand<br />

nicht werden tragen können und stellen deshalb die<br />

Tierhaltung ein …<br />

Paetow: Leider ist dieser Prozess zu beobachten. Und in der Tat<br />

34


geht das nur, wenn man dem Landwirt diese aufwendigere<br />

Form der Produktion auch bezahlt. Noch dazu, wenn mit der<br />

Haltungsform auch bestimmte Betriebsstrukturen identifiziert<br />

werden – Stichwort Familienbetrieb. Wenn man aber<br />

die Verantwortung auf lokale Nachhaltigkeit legt, wie beim<br />

Nitratthema, ohne einen Ausgleich zu schaffen, dann kaufen<br />

wir die Schweine in Brasilien, und man macht die Augen<br />

davor zu, was dort passiert. Das<br />

sind die beiden Varianten, die ganz<br />

klar auf den Tisch müssen – und<br />

die leider kaum jemand in der<br />

öffentlichen Diskussion so deutlich<br />

thematisiert. Die Kunst der Politik<br />

wäre es, die Meinungsbildung in<br />

der Gesellschaft in die eine oder<br />

andere Richtung zu moderieren.<br />

„AM ENDE MÜSSEN VER-<br />

TEUERNDE AUFLAGEN VON<br />

IRGENDWEM BEZAHLT<br />

WERDEN.“<br />

HUBERTUS PAETOW<br />

einmal zu Ende zu denken, wohin die Reise gehen soll, dann<br />

auszurechnen, was dafür an Maßnahmen erforderlich ist und<br />

was diese kosten, und dann das Ergebnis in brauchbare Bilder<br />

zu packen, um sie den Menschen vor Augen zu führen. Im<br />

Moment sind die Tagesmedien, genauso wie die sogenannten<br />

Nicht-Regierungs-Organisationen, kurz NGO, und in Folge<br />

dessen viele Verbraucher ja immer nur gegen alles Mögliche.<br />

Aber das ist keine Vision, auf deren<br />

Basis man etwas entwickeln kann. Eine<br />

tragfähige Vision brauchen wir aber.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Wer sollte die Vision denn<br />

haben?<br />

Paetow: Die verschiedenen Optionen<br />

müssen wir als Landwirtschaft<br />

entwickeln, um dann die Meinungsbildner bzw. politisch<br />

Verantwortlichen damit zu konfrontieren und mit ihnen zu<br />

einer Entscheidung zu kommen. Wenn am Ende feststeht,<br />

was denen, die von außen auf Landwirtschaft schauen, als<br />

Bild oder Vision reichen würde, könnte man daraus passende<br />

Produktionssysteme entwickeln – und sagen, was zu tun ist,<br />

um dieses Ziel zu erreichen. Und dann wird man darüber reden<br />

müssen, wie viel teurer das Fleisch werden muss.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Für wie realistisch halten Sie das?<br />

Paetow: Grundsätzlich bin ich auch in dieser Hinsicht Optimist.<br />

Aber vor dem Hintergrund der jüngsten Beschlüsse sehe<br />

ich mit etwas Sorge, dass agrarpolitische Entscheidungen<br />

leider im Stile eines Basars getroffen werden, nach dem Motto<br />

„tausche Glyphosat gegen Tierwohllabel“ – das spricht leider<br />

nicht dafür, dass man mit fachlicher Praxis und sachlichen<br />

Argumenten die Diskussion führt. Somit bin ich gespannt,<br />

ob die Moderation der Politik gelingt.<br />

Die Bilder und Konzepte dazu zu entwerfen, wie mögliche<br />

Lösungen aussehen können, muss dagegen die Landwirtschaft<br />

leisten. Hier ist der Bauernverband gefragt, aber zum<br />

Beispiel durchaus auch wir als DLG. Wichtig wäre es, erst<br />

Wenn die Antwort dazu lautet: 30 % teurer, was ich für<br />

realistisch halte und was in Summe von der Gesellschaft<br />

auch tragbar wäre, dann ist zu fragen, woher die kommen<br />

sollen. Eines steht aber jetzt schon fest: Das gelingt nicht<br />

an der Ladenkasse, sondern geht nur über den Fiskus. Dazu<br />

gibt es Untersuchungen, die das bestätigen. Und es gibt<br />

Lösungen, wie es aussehen kann, etwa über den Wegfall<br />

des Mehrwertsteuer-Privilegs oder eine Fleischabgabe. Über<br />

den Produktpreis wird die Mehrheit der Verbraucher die notwendigen<br />

Erlöse nicht bezahlen, deshalb sind auch die bisher<br />

diskutierten Tierwohl-Zuschläge nicht wirklich zielführend,<br />

zumal sie auf Freiwilligkeit der Konsumenten beruhen.<br />

Wichtig ist mir aber auch, eine andere Haltung in unsere<br />

Branche zu bringen. Denn die gegenwärtig sehr pessimistische<br />

Stimmung der Landwirte führt zu einer mangelhaften<br />

Aufgeschlossenheit gegenüber Veränderungen, und das ist<br />

sehr schwierig. Auch die Landwirtschaft wird sich bewegen<br />

müssen, ein „weiter so“ kann es nicht geben. Man darf nicht<br />

erst aktiv werden, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht,<br />

sondern schon, wenn es auf Höhe des Bauchnabels ist. An<br />

dem Punkt sind wir als Agrarbranche im Moment – und wir<br />

haben jetzt die Chance, aktiv zu werden. Das sollten wir alle<br />

gemeinsam nutzen! «<br />

35


PRAXIS<br />

LANDWIRT MARIO ORTLIEB, SARNOW<br />

QUALITÄT<br />

DIREKT ERLEBEN<br />

Wachsen oder spezialisieren? Mario Ortlieb hat sich<br />

für Letzteres entschieden. Er setzt auf Direktvermarktung<br />

seiner Produkte, und er hat Jahr für Jahr mehr Gäste<br />

auf seinem Hof, die Landwirtschaft erleben wollen.<br />

36


Fleisch und Wurstprodukte stammen nicht<br />

nur von den eigenen Tieren, sondern auch aus<br />

eigener Verarbeitung.<br />

Das Land ist leicht hügelig, die<br />

Felder und Wiesen ziehen sich<br />

weit hin. Das Getreide ist abgeerntet,<br />

bis zur Maisernte wird es nicht mehr<br />

lange dauern. Es ist ein heißer Tag, als<br />

wir Mario Ortlieb auf seinem Hof in<br />

Sarnow bei Pritzwalk besuchen. Schon am frühen Vormittag<br />

ist das Thermometer auf 30 Grad geklettert. Keine Wolke<br />

ist am Himmel, und das Vieh auf den Weiden sucht im<br />

Schatten der Bäume Schutz vor der Sonne. Mario Ortlieb<br />

wischt sich lächelnd den Schweiß von der Stirn, als er aus der<br />

Scheune kommt. Er ist gerade dabei, einen Ladewagen für<br />

die bevorstehende Maisernte vorzubereiten. Üppig wird die<br />

Ernte nicht ausfallen. Wie bei allen anderen Kulturen auch,<br />

hat die anhaltende Trockenheit den Erträgen zugesetzt.<br />

Doch der Landwirt aus der Prignitz ist kein Mensch, der sich<br />

damit aufhält, über das Wetter zu schwadronieren, auch<br />

wenn es von existenzieller Bedeutung für ihn ist. Viel lieber<br />

denkt Mario Ortlieb darüber nach, wie er seinen Betrieb<br />

weiterentwickeln kann. Das, was er bereits auf den Weg<br />

gebracht hat, ist beeindruckend, was er noch alles an Ideen<br />

im Kopf hat, klingt visionär. Mario Ortlieb will nicht weniger,<br />

als Landwirtschaft erlebbar zu machen! Er will zeigen, wie<br />

Lebensmittel erzeugt werden, will dazu beitragen, dass sie<br />

wieder die Wertschätzung erfahren, die ihnen zusteht.<br />

VOLLE TRANSPARENZ<br />

Das Wort Nachhaltigkeit fällt im Laufe unseres Gespräches<br />

nicht ein einziges Mal. Dabei hat Mario Ortlieb schon<br />

früh einen sehr nachhaltigen Weg eingeschlagen. Vor<br />

knapp zehn Jahren ist er in die Direktvermarktung<br />

der von ihm erzeugten Lebensmittel eingestiegen.<br />

Kein einfacher Weg in einer strukturschwachen<br />

Region wie der Prignitz, in der die Discounter<br />

den Lebensmitteleinzelhandel dominieren. „Um<br />

hier mit regionalen Produkten erfolgreich zu<br />

sein, muss man durch Qualität überzeugen“,<br />

sagt Mario Ortlieb. Und Qualität hat für<br />

den Landwirt eine Dimension, die weit<br />

über Frische und den Geschmack eines<br />

Stück Fleisches oder einer Kartoffel hinausgeht.<br />

Qualität beinhaltet für ihn auch ein<br />

Maximum an Transparenz: „Unsere Kunden<br />

wollen wissen, wie Lebensmittel produziert<br />

werden. Sie wollen sehen, wie unsere Tiere<br />

gehalten werden und wie wir unsere Felder<br />

bearbeiten.“ Diesen Wunsch hat Mario<br />

Ortlieb aufgegriffen und über die Jahre<br />

weiterentwickelt. So hat sich aus der Direktvermarktung<br />

ein direktes Erleben entwickelt, das mittlerweile weit über<br />

1.000 Menschen pro Jahr genießen, die den Bauernhof in<br />

Sarnow besuchen.<br />

Die Gäste werden auf Wunsch mit einem vom Traktor gezogenen<br />

Ausflugswagen über die Ländereien gefahren,<br />

können zum Beispiel zuschauen, wenn das Getreide gedroschen<br />

wird. Sie dürfen einen Blick in die Schweineställe<br />

werfen oder Hühner und Enten füttern. Mehr noch: Sie<br />

können auch auf dem Dachboden einer sanierten Scheune<br />

feiern. Bis zu 120 Gäste haben dort Platz. Ein Angebot, das<br />

von Hochzeitspaaren in der Region gerne genutzt wird.<br />

Organisiert werden Feiern und Veranstaltungen von Mario<br />

Ortliebs Ehefrau Nicole. Die gelernte Hotelfachfrau kennt<br />

sich mit der Organisation größerer Feiern bestens aus.<br />

Und sie hat ein sehr gutes Gespür für Details sowie die<br />

Dekorationen für die einzelnen Veranstaltungen. Das alles<br />

stellt sie gewissermaßen nebenbei auf die Beine, da sie<br />

nach wie vor ihrem Beruf nachgeht. Ihre Idee war es auch,<br />

in unregelmäßigen Abständen Verkostungen „der etwas<br />

anderen Art“ zu veranstalten: „Wir braten unser eigenes<br />

Fleisch und dazu Billigfleisch aus einem Discounter. Beides<br />

servieren wir unseren Gästen, die nicht um die Herkunft<br />

der jeweiligen Fleischprobe wissen. Raten Sie mal, was den<br />

Leuten besser schmeckt“, sagt Mario Ortlieb und lacht.<br />

BEWUSSTER SCHRITT<br />

Seinen Kunden einen so weitreichenden Einblick zu gewähren,<br />

setzt ein sehr hohes Maß an Aufgeschlossenheit<br />

voraus. Eine Eigenschaft, die sich im für einen Landwirt<br />

untypischen Lebenslauf von Mario Ortlieb widerspiegelt.<br />

Immer wieder kam er mit Menschen unterschiedlicher<br />

Couleur in Verbindung. Vor 43 Jahren in Pritzwalk geboren,<br />

hat er seine Kindheit und Jugend auf dem elterlichen Hof<br />

in Sarnow verbracht. Nach der Schule absolvierte er eine<br />

kaufmännische Ausbildung, anschließend ging er zur<br />

Bundeswehr. Es folgten einige Jahre in Berlin, wo er dank<br />

seiner kräftigen und sportlichen Statur unter anderem als<br />

gefragter Personenschützer arbeitete. Doch schon während<br />

seiner Berliner Jahre hat es ihn immer wieder auf den Hof<br />

in seinem Heimatdorf gezogen.<br />

Der wurde einige Jahre nach der Wende zunächst im Nebenerwerb<br />

wiederbelebt. Später entschloss sich Mario Ortlieb,<br />

mit seinem Vater eine GbR zu gründen und den Betrieb im<br />

Vollerwerb zu bewirtschaften. „Es war keine Entscheidung,<br />

die aus der Not heraus getroffen wurde, sondern ein<br />

37


PRAXIS<br />

Nach beruflich<br />

bedingtem Wohnen<br />

in Berlin zog Mario<br />

Ortlieb bewusst wieder<br />

zurück aufs Land<br />

und übernahm den<br />

elterlichen Betrieb.<br />

Der schmuck ausgebaute<br />

Dachboden kann von<br />

Festgesellschaften<br />

gebucht werden.<br />

die Erzeugung von Lebensmitteln auch die Wertschätzung<br />

gegenüber qualitativ hochwertigen Lebensmitteln wieder<br />

zunehmen wird.<br />

EIGENE SCHLACHTUNG<br />

Auch der „Knieper“, die Prignitzer Grünkohlvariante, gehört zum Angebot<br />

des Hofladens.<br />

bewusster Schritt“, erläutert er. Was hat ihn dazu motiviert?<br />

Die Antwort kommt spontan. Es war auch der Wunsch, die<br />

Hektik der Großstadt gegen das Leben auf dem eigenen<br />

Hof zu tauschen, auf dem er seine Kindheit und Jugend<br />

verbracht hat.<br />

Landwirtschaft erlebbar zu machen, ist für den Vater<br />

zweier Kinder längst zur Herzensangelegenheit geworden.<br />

Vor allem die Besuche von Schulklassen aus der Region<br />

sind es, die den Landwirt immer wieder neu motivieren.<br />

„Für die Kinder ist so ein Tag auf dem Bauernhof oft ein<br />

Aha-Erlebnis“, freut sich Mario Ortlieb. Die seien mitunter<br />

erstaunt, wenn sie sehen, dass Kartoffeln auf dem Feld und<br />

nicht im Regal eines Discounters wachsen. Mario Ortlieb ist<br />

sich auch sicher, dass mit dem so erworbenen Wissen um<br />

Die in weiten Kreisen der Gesellschaft verbreitete, geringe<br />

Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln ist etwas, das<br />

dem Landwirt die Zornesröte ins Gesicht steigen lässt. „Wir<br />

sind das einzige Land, in dem Lebensmittel verramscht werden“,<br />

ärgert sich Mario Ortlieb. Der Preis sei für die meisten<br />

Verbraucher mittlerweile die einzig kaufentscheidende<br />

Eigenschaft von Lebensmitteln. Dass Menschen 365 Tage<br />

im Jahr für die Erzeugung gesunder Lebensmittel arbeiten,<br />

werde dabei ausgeblendet.<br />

Um sich aus der Abhängigkeit der Fleischindustrie zu befreien,<br />

werden die Schweine auf dem Hof geschlachtet und<br />

die Produkte ausschließlich über den eigenen Hofladen<br />

vermarktet, erzählt der Landwirt weiter. Dafür hat er extra<br />

eine eigene, EU-konforme Schlachtung gebaut. „Der Bau hat<br />

allerdings einiges an Geld und vor allem Nerven gekostet“,<br />

erklärt er. Jede Woche sei irgendjemand aus der Verwaltung<br />

da gewesen und habe ihm gesagt, „was alles nicht gehe.“<br />

Mario Ortlieb ließ sich trotzdem nicht abschrecken, zog das<br />

Projekt durch. „Alles in allem haben wir rund 300.000 € in<br />

die Räumlichkeiten investiert“, ergänzt er. Das Schlachten<br />

selbst übernimmt ein Hausschlachter aus der Region, beim<br />

Zerlegen und Verarbeiten der Tiere fasst auch das Landwirtsehepaar<br />

mit an.<br />

38


Direktvermarktung, Landwirtschaft<br />

erlebbar machen und Raum für Feiern<br />

bieten: Familie Ortlieb hat jedes Jahr<br />

viele Gäste auf ihrem Hof.<br />

Inzwischen denkt Mario Ortlieb über den Bau einer Schlachtung<br />

für Rinder nach, um auch hier die Vermarktung in<br />

die eigene Hand nehmen zu können. Auf den Weiden des<br />

Betriebes laufen aktuell rund 40 Rinder. Angesichts der<br />

diesjährigen Futtererträge zu viele, um über den Winter zu<br />

kommen. Die Hälfte der Herde wird daher den Betrieb noch<br />

in diesem Jahr verlassen.<br />

GUTES NETZWERK<br />

Mario Ortlieb hat in den letzten Jahren zusammen mit<br />

weiteren Landwirten und Imkern aus der Region ein kleines<br />

Direktvermarkter-Netzwerk aufgebaut. „Wir beliefern uns<br />

gegenseitig mit unseren Erzeugnissen und konnten so<br />

gemeinsam zusätzliche Absatzkanäle aufbauen“, freut<br />

sich der Landwirt. In seinem Hofladen finden sich neben<br />

Kartoffeln und Getreide sowie Fleisch- und Wurstwaren<br />

aus eigener Produktion vor allem regionale Spezialitäten,<br />

wie die Prignitzer Grünkohlvariante „Knieper“, verschiedene<br />

Honigsorten und Liköre. Zum Hofladen gehört darüber<br />

hinaus eine Erlebnisküche, die vor allem von Schulklassen<br />

genutzt wird. Hier können die Kinder Getreide mahlen und<br />

aus dem Mehl Brot oder Kuchen backen – und ihr Backwerk<br />

natürlich auch selbst verzehren.<br />

Die eigentliche Landwirtschaft bleibt natürlich der<br />

Mittelpunkt des Hofes. Mario Ortlieb und sein Vater bewirtschaften<br />

200 ha eigenes Land sowie 100 ha Pachtland.<br />

Zur Fruchtfolge gehören Getreide, Kartoffeln, Rüben und<br />

Raps. Dazu kommen in der Tierhaltung Rinder, Schweine<br />

Bewirtschaftet werden rund 300 ha. Eine zentrale Rolle spielt dabei die<br />

Futter- und Strohernte.<br />

und Hühner. „Die Pachtverträge werden wir jedoch nicht<br />

verlängern“, sagt der Landwirt, dem mittlerweile wegen<br />

der Trockenheit das dritte ertragsschwache Jahr in den<br />

Knochen steckt.<br />

Aber wenn die von ihm bewirtschaftete Fläche schrumpft,<br />

wird die Arbeit für ihn nicht weniger werden. Mario Ortlieb<br />

will den Betrieb noch stärker zum „Erlebnis-Bauernhof“<br />

umgestalten: zu einem Hof, auf dem die Besucher noch<br />

intensiver erleben können, wie die Produktion gesunder<br />

und nachhaltiger Lebensmittel funktioniert – und zu einem<br />

Hof, der die von ihm erzeugten Produkte direkt vermarktet.<br />

„Wenn wir diesen Weg konsequent weitergehen, werden<br />

auch künftige Generationen diesen Hof gerne weiterbewirtschaften“,<br />

ist er überzeugt. «<br />

39


TELEGRAMM<br />

NEWS-TICKER<br />

50 JAHRE KRONE<br />

Seit 50 Jahren importiert die Firma Tulloch<br />

nun schon Krone-Technik nach Neuseeland.<br />

Aus diesem Grund hatte das Unternehmen<br />

seine Händler und Endkunden zu einer<br />

Jubiläumsfeier mit einem beeindruckenden<br />

Rahmenprogramm eingeladen. Die Glückwünsche<br />

aus Spelle gingen insbesondere an<br />

Graeme, John und Henriette Tulloch.<br />

AUTONOM<br />

WENDEN<br />

Auf dem Grünlandabend des Krone-Händlers<br />

Prinz war erstmals ein unbemanntes<br />

Fahrzeug im Einsatz. Der vollständig autonome,<br />

sogenannte GreenBot überzeugte<br />

in Kombination mit einem Krone-Wender.<br />

BIG RENAULT CLIO<br />

Mit einem „BiG Renault Clio“ überraschte<br />

das Team des französischen Lohnunternehmers<br />

Pierre Pesqueux den Chef zur Hochzeit.<br />

In das einmalige Gefährt investierte<br />

das Team rund 350 Arbeitsstunden.<br />

FÜR DIE AUSBILDUNG<br />

Praxisbezug ist das Wichtigste – frei<br />

nach diesem Motto stellt Krone dem<br />

Bildungszentrum der Handwerkskammer<br />

in Landshut einen Feldhäcksler der Baureihe<br />

BiG X V8 zur Verfügung. „Bildung<br />

und Nachwuchsförderung haben bei uns<br />

einen signifikanten Stellenwert“, betonte<br />

Krone-Geschäftsführer Wolfgang Jung<br />

(Mitte) bei der Übergabe.<br />

KRONE-TEAM IN<br />

DER FSL<br />

Premiere in der Farming Simulator League:<br />

Das Krone-eSport-Team trat erfolgreich auf<br />

der Farmcon <strong>2019</strong> an – und trainiert nun<br />

bereits intensiv für alle Challenges in 2<strong>02</strong>0.<br />

Zum „Manufacturer Team“ gehören (v.l.n.r.)<br />

Frederic Leifeling, Sascha Straub, Martin<br />

Potzmader, Lukas Steurer, Maximilian Fritz<br />

und Andreas Beisswenger.<br />

FELDTAG IN KENIA<br />

In der Nähe der kenianischen Hauptstadt<br />

Nairobi fand ein Feldtag zum Thema<br />

Grundfutterernte/Futterqualität statt.<br />

Mehrere Farmer, die zumeist Sorghumhirse<br />

anbauen, berichteten, dass sie dank der<br />

professionellen Krone-Erntetechnik und des<br />

hochwertigen Futters die Milchleistung in<br />

ihren Betrieben spürbar steigern konnten.<br />

40


RADELNDE<br />

POLIZISTEN<br />

Einen Scheck in Höhe von 1.000 € für die<br />

Kinderkrebshilfe überreichte Geschäftsführer<br />

Wolfgang Jung an die „IPA-Niedersachsen-Tour“.<br />

Die „IPA“ (International Police<br />

Association) ist eine Vereinigung, in der<br />

sich rund 420.000 Polizeibedienstete aus<br />

mehr als 60 Ländern zusammengeschlossen<br />

haben.<br />

WECHSEL IN DEN<br />

AUFSICHTSRAT<br />

Alfons Veer (r.) gibt seine Position als<br />

Vorstandsvorsitzender der Krone-Holding<br />

nach 16 erfolgreichen Jahren altersbedingt<br />

zum Jahresende ab und wechselt in den<br />

Aufsichtsrat der Krone-Gruppe. Seine Nachfolge<br />

tritt Dr. David Frink (l.) an.<br />

BESTE LIEFERANTEN<br />

Beim Lieferanten-Award vergab Krone Auszeichnungen<br />

an sieben Zulieferer, die durch<br />

herausragende Leistungen überzeugen<br />

konnten. Prämiert wurden die Firmen AQ<br />

Wiring, MBH, Vacu Form, Comer, Agrostroj,<br />

Bühring und Köklüce.<br />

GROSSES INTERESSE<br />

IN BELGIEN<br />

Das neue Krone-Team Belgien hatte zu<br />

zwei Vorführungen eingeladen. Mit rund<br />

700 Zuschauern in Geel/Flandern und etwa<br />

450 Gästen in Warzée/Wallonie waren die<br />

Veranstaltungen der Werksbeauftragten<br />

Bart Deprez und Marc Baguette hervorragend<br />

besucht.<br />

„HEISSE KRONE“<br />

Industrie ist Zukunft – so lautete die Kampagne<br />

zum Fotowettbewerb der IHK und<br />

des Industriellen Arbeitgeberverbandes<br />

Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim<br />

e. V. Mit dem Foto „Heiße Krone“<br />

belegten die Krone-Azubis Derk Schoolkate,<br />

Niklas Vernim und Marcel Thien den 3. Platz.<br />

SAMMLER<br />

AUFGEPASST<br />

Neu im Krone-Shop ist das Sammler-Modell<br />

eines BiG X 1180 im Maßstab 1:32. Mit Liftkabine<br />

und zwei Vorsätzen: XCollect 900-3<br />

und EasyFlow 300S.<br />

41


WISSEN<br />

ZAHLEN &<br />

FAKTEN<br />

Die Landwirtschaft steht vielfach in der Kritik. Wenig bekannt und<br />

kommuniziert wird dabei, wie groß die Leistungen dieses Berufszweigs<br />

für Gesellschaft und Umwelt sind.<br />

BIOANBAU<br />

Eine überwiegend ökologische Ernährung<br />

in Deutschland bräuchte – bei gleichem<br />

Konsumverhalten – rund 40 % mehr Fläche<br />

als die „konventionelle Produktion“.<br />

BUTTERPREIS<br />

Im Jahr 1914 kostete 1 kg Butter etwa<br />

2,85 Reichsmark, während der Tageslohn<br />

eines Landarbeiters bei etwa 2,40 Mark<br />

lag. Wäre das Preis-Lohn-Verhältnis heute<br />

noch wie vor 100 Jahren, so würde die<br />

Butter rund 129 €/kg bzw. 32,25 € pro<br />

Stück kosten. Dass es gegenwärtig nur<br />

1,80 €/Stück sind, ist vor allem der Leistung<br />

moderner Landwirtschaft zu verdanken.<br />

CO2-SPEICHER<br />

Ungefähr 51 Mrd. t CO 2-Äquivalente sind in<br />

der EU in den Oberböden landwirtschaftlicher<br />

Flächen gespeichert. Zum Vergleich:<br />

Die gesamten EU-Emissionen belaufen sich<br />

auf ungefähr 4,4 Mrd. t CO 2-Äquivalente<br />

pro Jahr.<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

CO2<br />

82 FUSSBALL-<br />

FELDER/TAG<br />

FLÄCHENVERBRAUCH<br />

Täglich werden in Deutschland rund 58 ha<br />

als Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen.<br />

Dies entspricht einer Flächenneuinanspruchnahme<br />

– kurz Flächenverbrauch<br />

– von rund 82 Fußballfeldern.<br />

42


1950: > 1 kg/ha<br />

<strong>2019</strong>: 10 g/ha<br />

6.000 BETRIEBE<br />

UNKRAUTBEKÄMPFUNG<br />

Waren zum Beispiel in den 1950er-Jahren<br />

für die Unkrautbekämpfung noch durchschnittliche<br />

Aufwandmengen von über<br />

1 kg Wirkstoff pro Hektar Anbau fläche<br />

nötig, reichen heute oft schon 10 g/ha zur<br />

wirkungsvollen Bekämpfung aus.<br />

ERNÄHRUNGSINDUSTRIE<br />

Die deutsche Ernährungsindustrie ist mit<br />

einem Umsatz von rund 179,6 Mrd. €<br />

(2018) sowie über 600.000 Beschäftigten<br />

in mehr als 6.000 Betrieben der viertgrößte<br />

Industriezweig in Deutschland. Zum Vergleich:<br />

Die Automobilindustrie beschäftigt<br />

in Deutschland etwa 820.000 Menschen.<br />

600.000 BESCHÄFTIGTE<br />

180 MRD. €<br />

UMSATZ/JAHR<br />

EU<br />

nicht EU<br />

KOSTEN FÜR UMWELT-<br />

SCHUTZ JE HEKTAR<br />

Das HFFA Research Institut hat im Rahmen<br />

einer Studie errechnet, dass die wesentlichen<br />

EU-Standards und Auflagen in der<br />

Tierhaltung, für Cross Compliance sowie<br />

zum Schutz von Wasser, Boden und Luft für<br />

die deutsche Landwirtschaft mit Kosten von<br />

rund 5,3 Mrd. € oder 315 €/ha verbunden<br />

sind. Nur etwa 1,2 Mrd. € oder 69 €/ha<br />

würden an entsprechenden Kosten anfallen,<br />

wenn vergleichbare Wettbewerbsbedingungen<br />

wie in wichtigen Wettbewerbsländern<br />

außerhalb der EU gelten würden. Damit<br />

haben die deutschen Landwirte gegenüber<br />

ihren Berufskollegen im Wettbewerb und<br />

bei offenen Märkten einen Nachteil von<br />

4,1 Mrd. € oder 246 €/ha.<br />

TREIBHAUSGASE<br />

Seit 1990, dem Bezugsjahr des Kyoto-Protokolls,<br />

hat die deutsche Landwirtschaft die<br />

Treibhausgasemissionen bereits von rund<br />

79,4 Mio. t auf 65,2 Mio. t CO 2-Äquivalent<br />

in 2016 gesenkt. Dies entspricht einer<br />

Reduzierung der Emissionen um 18 %.<br />

Durch Veränderung der Landnutzung,<br />

Aktivitäten der Forstwirtschaft und vor<br />

allem die Nutzung von Bioenergie (feste<br />

Biomasse, Biokraftsstoffe, Biogas) konnten<br />

2016 zusätzlich mehr als 75 Mio. t CO 2-<br />

Äquivalent vermieden werden.<br />

CO2<br />

43


INTERNATIONAL<br />

TRIO-GRUPPE, LIPEZK (RU)<br />

HERAUSFORDER<br />

Krone und die Redaktion profi waren<br />

zu Dreharbeiten für eine Video-DVD<br />

gemeinsam im russischen „Schwarzerdegürtel“<br />

unterwegs. Eines der Ziele war<br />

ein landwirtschaftlicher Betrieb in der<br />

Region Lipezk – Impressionen eines<br />

großen Landes.<br />

Einer der Betriebe, die das Team in der<br />

einwöchigen Recherchereise besucht<br />

hat, gehört zur „Trio-Gruppe“. Die Gruppe<br />

wurde 1997 gegründet und betreibt heute<br />

auf mehreren Standorten rund um den<br />

Ort Lipezk im gleichnamigen Verwaltungsbezirk<br />

(russisch: Oblast) Landwirtschaft.<br />

Insgesamt bewirtschaftet die Gruppe knapp<br />

90.000 Hektar Fläche. Zum besuchten<br />

Standort, etwa 460 km südlich von Moskau,<br />

gehören 19.000 Hektar, die komplett<br />

pfluglos bzw. auch ohne aktiv angetriebene<br />

Auf den riesigen Flächen ist das<br />

Einsammeln der Strohballen eine<br />

Herausforderung. Die Logistik muss<br />

stimmen.<br />

44


UNG LOGISTIK<br />

Bodenbearbeitungswerkzeuge bewirtschaftet<br />

werden. Im langjährigen Mittel fallen<br />

hier rund 400 mm Niederschlag, sodass<br />

Bewässerung notwendig ist. Rund 2.500 ha<br />

der hiesigen Fläche sind mit Kreisregnern<br />

ausgestattet. Zusätzliche 350 mm gelangen<br />

so auf die Flächen. Beregnet werden<br />

allerdings nur Kartoffeln und Zuckerrüben.<br />

Außerdem stehen noch Winter- sowie Sommergerste<br />

(als Braugerste) im Anbauplan.<br />

Weitere Ackerfrüchte sind Winterweizen,<br />

Silo- und Körnermais sowie Gras und Roggen<br />

– jeweils als Vermehrungsfrüchte. Erbsen,<br />

Luzerne und Weißkohl<br />

runden das Programm ab.<br />

Bei den Kartoffeln erzielt<br />

der Betrieb Erträge von<br />

rund 40 t je Hektar.<br />

Abgesetzt wird die Ware nahezu ausschließlich<br />

in Chipsfabriken der Gesellschaft<br />

Frito-Lay, die zum PepsiCo-Konzern gehört.<br />

Ganzjährige Lagerkapazitäten bestehen für<br />

30.000 t Ernteware. Für Trio ist das Kartoffelgeschäft<br />

mit rund 6 % des Firmenumsatzes<br />

ein wichtiges Standbein.<br />

HOHE<br />

INVESTITIONEN<br />

Ähnliche Qualitäten erreichen die<br />

Zuckerrüben. Eine eigene Zuckerfabrik<br />

gehört zum Unternehmen. In den vergangenen<br />

Jahren hat Trio hier über 100 Mio. €<br />

investiert, um die Verarbeitungskapazitäten<br />

auf täglich 10.000 t Zuckerrüben auszuweiten.<br />

Außerdem wurde die Energieeffizienz<br />

der Anlage verbessert und die Verlustrate<br />

reduziert. Die 24.000 ha Zuckerrüben der<br />

Trio-Gruppe werden komplett hier verarbeitet.<br />

Langfristiges Ziel ist ein Zuckerreinertrag<br />

von 7 t/ha – an diesem Ziel sind<br />

die Russen noch nicht ganz angelangt. Die<br />

Qualitäten stimmen jedoch dagegen schon<br />

heute: Einen guten Teil des Ertrags kauft<br />

Coca-Cola zur Produktion koffeinhaltiger<br />

Erfrischungsgetränke.<br />

In den westeuropäisch und amerikanisch<br />

geprägten Maschinenpark hat Trio in den<br />

vergangenen Jahren über 25 Mio. € investiert.<br />

Bei den Hauptschleppern ist vor allem<br />

John Deere vertreten. Auf dem besuchten<br />

Betrieb kommen insgesamt acht 8000er<br />

zum Einsatz – gut ausgelastete Schlepper<br />

erzielen hier jährliche Leistungen von<br />

3.500 Einsatzstunden.<br />

45


INTERNATIONAL<br />

1<br />

1 Nicht nur Quaderballen spielen eine Rolle,<br />

auch Rundballen sind in Russland sehr beliebt<br />

– die Flächengrößen sind beeindruckend.<br />

2 Das BaleCollect-System von Krone vereinfacht<br />

die Strohbergung und trägt erheblich<br />

zur Effizienz bei.<br />

3 Zur Bodenbearbeitung sind Versatile-Knicklenker<br />

in der Region sehr verbreitet. Die<br />

angehängte Technik kommt oft aus Westeuropa<br />

bzw. Nordamerika.<br />

2 3<br />

46


LEISTUNG ZÄHLT<br />

Neben dem Ackerbau bildet auch die Milchviehhaltung<br />

eine wichtige Einnahmequelle.<br />

Die 3.000 Kühe erreichen einen Stalldurchschnitt<br />

von gut 10.500 l pro Kuh und Jahr.<br />

Verarbeiter der Milch sind v.a. Wimm-<br />

Bill-Dann Foods sowie Danone Russland.<br />

Zusätzlich hält der Betrieb 1.000 Kälber,<br />

Färsen und Bullen, letztere zur Mast. Wichtigste<br />

Futtergrundlage bilden Gras sowie<br />

etwa 1.000 ha Silomais. Aber auch 750 ha<br />

Sommergerste, geerntet als Ganzpflanzensilage,<br />

und eine Mischung aus Sorghum und<br />

Sudangras (etwa 750 ha) gehören dazu. Die<br />

Frischmasse-Erträge beziffert der Betrieb<br />

auf 21 t/ha bei GPS, 32 t/ha bei Sudangras/<br />

Sorghum und 39 t/ha bei Silomais.<br />

Bei der Futterernte setzt das Unternehmen<br />

auf Technik aus Spelle: Zwei 9-m-Mähkombinationen<br />

mit Aufbereiter, zwei Vierkreiselschwader<br />

sowie mehrere Wender kommen<br />

zum Einsatz und auch ein BiG X 700. Dieser<br />

steht derzeit im Vergleich mit einem John<br />

Deere: Die emsländische Maschine liefert<br />

die deutlich bessere Häckselqualität, dafür<br />

ist der John Deere nach Einschätzung der<br />

Fahrer einfacher zu bedienen. Die einfache<br />

Verständlichkeit ist durchaus wichtig, denn<br />

auch in Russland sind gute, umsichtige und<br />

mitdenkende Fahrer äußerst rar und dementsprechend<br />

gesucht.<br />

Deshalb setzt der Betrieb auch auf ein Prämien-System:<br />

Zu Beginn des Wirtschaftsjahres<br />

werden Zielerträge festgelegt. Übertrifft<br />

das Team diese Ziele, zahlt Trio Prämien<br />

aus – weil davon ausgegangen wird, dass<br />

nicht nur das Wetter und der Niederschlag<br />

zu den Erträgen beitragen. Von zentraler<br />

Bedeutung sind auch eine ordentliche<br />

Bestandsführung und eine gute fachliche<br />

Praxis, die wiederum von den Mitarbeitern<br />

bei den anfallenden Feldarbeiten umgesetzt<br />

wird und hoffentlich zu ordentlichen Ernten<br />

führt. Nebenbei bemerkt: Die Trio-Gruppe<br />

hat 570 Mitarbeiter, davon arbeiten 220 in<br />

der Tierhaltung. Weitere 100 Mitarbeiter<br />

gehören allein zur Sicherheitsabteilung,<br />

die nichts anderes macht, als die im Feld<br />

„übernachtenden“ Maschinen zu bewachen<br />

und auf die Bewässerungsanlagen aufzupassen<br />

– Diebstähle sind hier ein sehr<br />

ernstes Thema.<br />

LEICHTE BALLEN<br />

Emsländische Technik ist auch bei der<br />

Strohernte im Einsatz. Zwei BiG Pack 1270<br />

haben während unseres Besuches ihre<br />

Bahnen gezogen. Rund 6.000 t Stroh müssen<br />

jährlich ins Bund. Das meiste wird davon<br />

in der eigenen Tierhaltung verbraucht. Der<br />

Betrieb hat dabei zwei interessante Ansätze:<br />

Einerseits arbeiten die beiden Pressen mit<br />

maximal 60 % Pressdichte. In den gut 2 m<br />

langen Ballen waren bei unserem Besuch<br />

gerade mal 260 kg Gerstenstroh. Als Argument<br />

führt der Betriebsleiter an, dass er<br />

so billiges, leichtes Garn verwenden kann,<br />

denn Lagerplatz sei ausreichend vorhanden.<br />

Andererseits experimentiert Trio aktuell mit<br />

dem BaleCollect-System von Krone, um das<br />

Ballensammeln zu vereinfachen und um<br />

die Logistik zu optimieren. Hier fehlt dem<br />

Betrieb allerdings noch eine Greifzange,<br />

die auch drei Ballen auf einmal aufnehmen<br />

kann. Denn nur mit einer solchen<br />

Zange erzielt die Dreierablage den vollen<br />

Effizienz-Effekt.<br />

Verkauft wird die Krone-Technik vom<br />

Händler Vladimir Silin. Krone hat eine eigene<br />

russische Niederlassung und arbeitet mit<br />

regionalen Händlern zusammen. Regelmäßig<br />

werden diese Händler und auch deren<br />

Kunden in Spelle weitergebildet und geschult.<br />

Diese Fortbildungen werden dankbar<br />

angenommen, denn in Sachen Leistungsoptimierung<br />

und korrekter Maschineneinstellung<br />

gibt es häufig noch Potenzial.<br />

Plattformwagen oder ähnliches sucht man<br />

beim Ballentransport übrigens ebenso<br />

vergeblich, wie Ladungssicherungen.<br />

Abgefahren wird ausschließlich mit den<br />

landestypischen Kamaz-Lkw, die wirklich<br />

überall das Straßenbild prägen. Mit der<br />

Palettengabel werden die Strohballen<br />

gesammelt und auf die Mulde geschoben<br />

bzw. darin abgelegt. Aber auch speziell<br />

umgebaute Belarus-Traktoren mit einem<br />

Frontlader, der über der Kabine angelenkt ist<br />

und dessen Schwinge die Kabine umfasst,<br />

kommen hier zum Einsatz.<br />

Aufgrund des geringen Niederschlags ist die<br />

unmittelbare Stoppelbearbeitung „Pflicht“,<br />

vor allem auf dem pfluglos wirtschaftenden<br />

Betrieb. Sobald das Feld geräumt ist,<br />

wird der Stoppel gebrochen. In der Regel<br />

geschieht das mit Scheibeneggenkombinationen.<br />

Wert legt der Betriebsleiter dabei auf<br />

die Arbeitstiefe von rund 5 cm, was auf den<br />

ebenen Flächen gut gelingt. Hier spielen die<br />

schweren Versatile-Knicklenker ihre Trümpfe<br />

aus, die in dieser Region häufig ihre Bahnen<br />

ziehen und immer wieder beeindruckend<br />

anzuschauen sind. Ebenso beeindruckend<br />

wie das Land und die gigantische Logistik,<br />

die zur Bewirtschaftung derartiger Betriebe<br />

notwendig ist. «<br />

profi-DVD<br />

„ABENTEUER<br />

RUSSLAND“<br />

Der Besuch des Trio-Betriebes<br />

und die komplette Rundreise des<br />

profi-Kamerateams von Moskau<br />

nach St. Petersburg und von Moskau<br />

nach Woronesch sind auf der neuen,<br />

70-minütigen profi-DVD „Abenteuer<br />

Russland“ dokumentiert, die ab<br />

sofort erhältlich ist. Bestellungen<br />

per E-Mail: shop@profi.de oder auf<br />

der Homepage shop.profi.de.<br />

47


INTERVIEW<br />

LOGISTIK<br />

FÜR DIE<br />

„LETZTE MEILE“<br />

48


Wie häufig kommt ein Paketbote bei Ihnen vorbei? Einmal die<br />

Woche, oder häufiger? Wir kaufen zunehmend online ein und<br />

lassen selbstverständlich liefern. Aber in den Ballungszentren sind<br />

die Lieferfahrzeuge oft ein Hindernis im täglichen Verkehrskollaps.<br />

Eine vielversprechende Lösung kommt aus der Krone-Gruppe.<br />

Der Onlinehandel boomt und mit ihm die Paket-,<br />

Kurier- und Expressdienste – eine Entwicklung, die in<br />

der Krone-Gruppe sehr genau beobachtet wird. Aus gutem<br />

Grund: In der Nutzfahrzeugsparte des Unternehmens werden<br />

unter anderem jährlich rund 12.000 Wechselbrücken<br />

gefertigt. Sie sind der wichtigste Ladungsträger für die<br />

Logistikbranche in diesem Segment. Seit zwei Jahren ist<br />

das Familienunternehmen auch auf der sogenannten<br />

„letzten Meile“ aktiv. Zum einen werden Paketaufbauten<br />

für leichte Nutzfahrzeuge gefertigt, zudem stieg man in<br />

die Umsetzung neuer Logistikkonzepte ein. Dafür wurde<br />

2017 eigens ein Joint-Venture namens Rytle gegründet,<br />

welches mittlerweile auch eigene Cargobikes produziert. Die<br />

Idee dazu hatten Ingo Lübs und Dr. Arne Kruse, ein Bremer<br />

Unternehmer und Radexperte, nach einer eher zufälligen<br />

Begegnung. Beide sind heute Geschäftsführer der Rytle<br />

GmbH und dabei, ein weltweites Netzwerk aufzubauen,<br />

welches ungeahnte Möglichkeiten aufzeigt. Wir haben mit<br />

Ingo Lübs über das Projekt gesprochen.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Die Krone-Gruppe ist mit Landmaschinen weltweit<br />

erfolgreich, sie ist einer der wichtigsten europäischen<br />

Nutzfahrzeughersteller – und jetzt auch noch Hersteller von<br />

Lastenfahrrädern. Wie kam es dazu?<br />

Ingo Lübs: Die Aussage, dass wir bei Krone nun Lastenräder<br />

fertigen, trifft es nicht wirklich. Wir haben vielmehr einen<br />

ganzheitlichen Blick auf die Prozesse in der Paketlogistik,<br />

und daraus ist unser Rytle-System entstanden. Ein System,<br />

das punktgenau für die „letzten Meter“ der City-Logistik<br />

konzipiert wurde. Denn genau dort wird oft über die Profitabilität<br />

der Paketzustellung entschieden. Wir helfen unseren<br />

Kunden mit Hard- und Software, ihre Prozesse effizienter zu<br />

gestalten, damit sie auf den letzten Metern das Rennen in der<br />

Paketlogistik gewinnen können, sprich profitabel arbeiten.<br />

49


INTERVIEW<br />

1<br />

2<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Was konkret muss man sich unter dem Rytle-System<br />

vorstellen?<br />

Lübs: Dabei handelt es sich um ein Box-in-Box-inBox-Logistiksystem<br />

mit cleveren Komponenten. Herzstück ist eine fahrbare<br />

Transportbox. Dank ihrer Abmessungen ist sie mit einer<br />

Europalette und damit mit einem der weltweit wichtigsten<br />

Ladungsträger kompatibel, kann also auch mit den bei den<br />

Paketdienstleistern so beliebten Wechselbrücken kombiniert<br />

werden. Hinzu kommt eine mobile Hauptumschlagbasis, im<br />

Fachjargon HUB abgekürzt, auf Basis des Krone-Baukastens<br />

der Wechselbrücke. Sie kann nach dem Abstellen hydraulisch<br />

auf Bodenniveau abgelassen und entladen werden. Dieses<br />

Feature macht die Wechselbrücke zu einem autarken Mini-HUB<br />

für die City. Die Transportboxen können problemlos<br />

und sehr schnell auf das neu konzipierte Lastenrad, den<br />

„MOVR“ umgeladen werden, mit dessen Hilfe die letzten<br />

Meter zu den Paketempfängern zurückgelegt werden. So sind<br />

Ladungsträger und Fahrzeug voneinander getrennt nutzbar.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Klingt eigentlich simpel. Warum gibt es ein<br />

solches System nicht schon längst?<br />

Lübs: Simple Lösungen liegen nicht immer auf der Hand.<br />

Das Visionäre daran ist, auch im Einsatz des Lastenrades die<br />

Ladungsträger vom Trägerfahrzeug zu trennen – Logistiksysteme<br />

zu kombinieren, die es schon sehr lange gibt und<br />

die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassen.<br />

Bei näherer Betrachtung finden sich dann allerdings doch<br />

einige Innovationen, die den Rytle „MOVR“ zum perfekten<br />

Transportmittel für die letzten Meter in der City-Logistik<br />

macht: Es verfügt über einen effizienten Elektroantrieb,<br />

um dem Fahrer die Arbeit zu erleichtern. Ein Wetterschutz<br />

sorgt dafür, dass der Fahrer vor Regen geschützt ist, und es<br />

besitzt mit seiner Ladevorrichtung die Möglichkeit, unsere<br />

Transportboxen schnellstens zu wechseln. Um dieses System<br />

noch effizienter zu machen, hat der Kunde die Möglichkeit,<br />

seine Logistikprozesse mit einer genau auf dieses System<br />

ausgerichteten Software zu steuern. Sie hat zum Beispiel<br />

offene Schnittstellen zur Krone-Telematik, die bei unseren<br />

Nutzfahrzeug- sowie Landtechnikkunden weltweit ein sehr<br />

hohes Renommee genießt.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Lastenfahrräder stehen auch für Umweltfreundlichkeit.<br />

Welche Rolle spielt dieser Aspekt?<br />

Lübs: Unser System stellt die traditionelle Paketzustellung<br />

etwas auf den Kopf. Die Paketdienstleister betreiben durchweg<br />

sehr große professionelle Verteilzentren vor den Städten.<br />

Dort kommen die Pakete per Lkw an, werden auf die einzelnen<br />

Zustellbezirke verteilt und mit den bekannten Lieferwagen<br />

ausgefahren. Anschließend kommen die Lieferfahrzeuge leer<br />

in den HUB zurück. Bei unserem System führen wir mobile<br />

Mini-Hubs in den Innenstädten ein. Statt vieler kleiner Lieferfahrzeuge,<br />

die den ganzen Tag in die Citys fahren, werden<br />

morgens die Mini-Hubs in die Stadtzentren transportiert und<br />

abends wieder abgeholt. Die Auslieferung selbst erfolgt von<br />

hier aus mit Hilfe der Lastenräder, die kaum Verkehrsraum<br />

benötigen, oder auch zu Fuß.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Welche Auswirkungen hat das auf die Kosten<br />

der Zustellung?<br />

Lübs: Erhebliche! Betrachtet man die Kostensituation in der<br />

Paketlogistik, fällt auf, dass ein Großteil der Kosten auf den<br />

bereits mehrfach angesprochenen letzten Metern anfallen.<br />

Für die langen Distanzen zwischen den Verteilzentren wurden<br />

effiziente Konzepte entwickelt. Das Handling der Pakete in<br />

50


3<br />

1 Vermarkten das Rytle-Konzept in der<br />

ganzen Welt: Geschäftsführer Ingo<br />

Lübs und Arne Kruse.<br />

2 Hydraulisch absenkbare Wechselbrücken<br />

bilden in Innenstädten einen<br />

mobilen, temporären Umschlagpunkt<br />

(HUB), von dem aus die Sendungen<br />

verteilt werden.<br />

3 Aus dem Wechselbrücken-Container<br />

heraus werden genormte Behälter in<br />

das Lastenrad umgeladen und dann<br />

weitertransportiert.<br />

den Sortierzentren erfolgt vollautomatisch. Das Verladen<br />

der Paketflut in die Zustellfahrzeuge und das Ausliefern beim<br />

Kunden ist dagegen kostenintensive Handarbeit. Verschärfend<br />

hinzu kommt die sehr angespannte Verkehrssituation in den<br />

Ballungsräumen. Zustellfahrzeuge stehen im Stau, sie stehen<br />

vor Ampeln, sie suchen nach Haltemöglichkeiten. Mitunter<br />

muss der gesamte Aufwand sogar wiederholt werden, weil<br />

der Empfänger nicht anzutreffen<br />

war. All das führt dazu, dass die<br />

Kosten auf den letzten Metern überproportional<br />

hoch sind. Dies können<br />

wir mit unserem preisgekrönten<br />

Logistik-Konzept nachhaltig entschärfen,<br />

da wir näher und schneller<br />

an den Zustellpunkt kommen.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Wer stellt die Flächen für die Mini-HUB zur<br />

Verfügung?<br />

„UNSER SYSTEM STELLT<br />

DIE TRADITIONELLE PAKET-<br />

ZUSTELLUNG AUF DEN KOPF.“<br />

INGO LÜBS<br />

Lübs: Ja und nein… Jeder internationale Paketdienst hat über<br />

Jahrzehnte gewachsene Prozesse, in die sich neue, disruptive<br />

Konzepte manchmal schwer integrieren lassen. Aber der eben<br />

beschriebene Kostendruck hat uns bereits viele Türen geöffnet.<br />

Das Rytle-System wird gegenwärtig von vielen global tätigen<br />

Paketdienstleistern getestet. Vorreiter war hier maßgeblich<br />

die Firma UPS, die das System in vielen europäischen<br />

Städten bereits einführt. Wir sind<br />

aber nicht nur in Europa am Start,<br />

sondern weltweit aktiv. Rytle ist<br />

unter anderem in mehreren asiatischen<br />

Mega-Citys wie Singapur im<br />

Einsatz, wir sind in den USA damit<br />

aktiv, und auch Kanada steht auf<br />

der Einsatzliste. Last but not least<br />

wurden erste MOVR nach Japan<br />

exportiert. Und wir sind mit unseren Vertriebsaktivitäten<br />

mittlerweile auch in Australien angekommen.<br />

Lübs: Wie in der Landwirtschaft sind auch für unser Rytle-<br />

Konzept Flächen der Schlüssel zum Erfolg. Um effektiv<br />

arbeiten zu können, benötigen unsere Kunden einen gewissen<br />

Abstellplatz in den Innenstädten, die sie für die besagten<br />

Mini-HUB nutzen können. Diese Orte sind natürlich absolute<br />

Mangelware. Da wir es mit unterschiedlichen Interessensgruppen<br />

vom Bürgermeister bis zum Parkhausbetreiber zu<br />

tun haben, ist es herausfordernd, diese Flächen zu finden,<br />

vor allem, wenn es um öffentliche Flächen geht. Hier gibt es<br />

beim Gesetzgeber noch einiges zu tun. Erste Kooperationen<br />

mit privaten Flächeninhabern, wie etwa Lebensmittelketten,<br />

werden helfen, die Situation zu entschärfen.<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Die Paketdienstleister müssten Ihnen eigentlich<br />

die Türen einrennen. Ist das so?<br />

<strong>XtraBlatt</strong>: Wie sind die bisherigen Praxiserfahrungen?<br />

Lübs: Die Rückmeldungen sind mehr als sehr positiv. Das bisherige<br />

Feedback unserer Kunden hat zudem dazu beigetragen,<br />

das Rytle kontinuierlich an allen Stellschrauben optimiert<br />

wird. Neue Hardware ist bereits in der Revision, um Kunden<br />

schnell eine verbesserte Generation unseres Lastenrades zu<br />

bieten. Außerdem arbeiten wir sehr intensiv an weiteren<br />

Möglichkeiten zur Verknüpfung unserer Software mit den<br />

IT-Systemen unserer Kunden. Wir wollen ihnen ein maximal<br />

effizientes System für die letzte Meile bzw. die letzten Meter zu<br />

ihren Kunden zur Verfügung stellen. Hier sind wir auf einem<br />

sehr guten Weg – und suchen weiterhin kluge Köpfe für diese<br />

Mission. «<br />

<br />

51


PARTNER<br />

SCHREINER MASCHINENVERTRIEB<br />

PARTNER<br />

AUF AUGEN-<br />

HÖHE<br />

Eine Familie, drei Generationen, vier Standorte und ein hochmotiviertes<br />

Team von 89 Mitarbeitenden – das ist der Fachbetrieb<br />

Schreiner in Steffenberg. Kundenorientierung, Kompetenz<br />

und exklusive Marken stehen dabei im Mittelpunkt – und<br />

große Investitionen bilden die Basis für weiteres Wachstum.<br />

52


Sehen den Fachbetrieb als wichtigste Schnittstelle zwischen Hersteller und Kunden:<br />

(v.r.n.l.) Gerhold, Jonas und Niclas Schreiner sowie Thomas Märte (Vertrieb).<br />

Auf den ersten Blick sieht der Bauplan an der Wand<br />

architektonisch unspektakulär aus: eine schlichte<br />

Werkstatthalle in den Grundmaßen 25 m mal 13 m sowie<br />

8 m Höhe, mit Pultdach und vier Toren. Und doch ist sie<br />

für den Landmaschinen-Fachbetrieb Schreiner mit Hauptsitz<br />

im hessischen Steffenberg-Niedereisenhausen etwas<br />

Besonderes, wie Gerhold Schreiner erklärt, der das Unternehmen<br />

zusammen mit seinem Bruder Arno leitet: „Diese<br />

Halle wird hinter unserer heutigen Werkstatt stehen und<br />

weitgehend für Krone-Technik vorbehalten sein, sei es für<br />

die Auslieferungsvorbereitung von Neumaschinen oder für<br />

Reparaturen. Und sie ist so konzipiert, dass Lkw vorn hinein<br />

und hinten wieder herausfahren können, was die Logistik<br />

hier auf dem Betriebsgelände enorm erleichtert.“<br />

In diesem Moment kommt Seniorchef und Firmengründer<br />

Helmut Schreiner ins Büro, der mit seinen 82 Jahren<br />

nach wie vor topfit und im Tagesgeschäft aktiv ist „und<br />

hilft, wo es nötig ist“, wie er es formuliert. Jetzt hat er<br />

eine gute Neuigkeit: Der Architekt habe angerufen, die<br />

letzten Absprachen für die Ausschachtungsarbeiten seien<br />

getroffen, sodass es jetzt im Prinzip losgehen könne. Also<br />

Grund genug, sich vor Ort anzuschauen, wo besagte Halle<br />

entstehen soll. Auf dem Weg dorthin erklärt sich auch die<br />

angesprochene „Erleichterung“. Denn der Betrieb ist in<br />

mehr als fünf Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen, was<br />

sich auch in den verschiedenen baulichen Erweiterungen<br />

widerspiegelt – und in der Erkenntnis, dass Platz auf dem<br />

nicht mehr erweiterbaren Grundstück ein kostbares Gut<br />

ist. „Umso mehr freuen wir uns, dass wir hier doch die<br />

Baugenehmigung für diesen Neubau bekommen haben“,<br />

erzählt Gerhold Schreiner weiter.<br />

VIEL INVESTIERT<br />

Aus diesem Grund hatte die Unternehmerfamilie im gleichen<br />

Ort 2012 einen 3.000 m² großen Gebäudekomplex erworben,<br />

der als „Werk 2“ der Flurfördertechnik vorbehalten<br />

ist. 2015 folgte, ebenfalls in Niedereisenhausen, mit dem<br />

Kauf einer 4.700 m² großen Halle das „Werk 3“; dort ist die<br />

Werkstatt für Großmaschinen angesiedelt. Denn neben der<br />

Landtechnik mit Deutz-Fahr und Krone als Hauptmarken<br />

bildet u. a. Merlo ein wichtiges Standbein innerhalb der<br />

Umschlags- und Industrietechnik. „Gerade die großen Rotor-Teleskoplader<br />

mit bis zu 20 m Ausleger brauchen auch<br />

im Service viel Platz“, erklärt Niclas Schreiner, der ebenfalls<br />

zur Gesprächsrunde dazu gestoßen ist. Er und sein Bruder<br />

Jonas sind die dritte Generation Schreiner im Unternehmen,<br />

wobei Niclas seine Stärken im Vertrieb sieht, während sich<br />

53


PARTNER<br />

Gerhold Schreiner freut sich<br />

über die neue Werkstatthalle am<br />

Hauptstandort in Steffenberg.<br />

Blickfang in Steffenberg-Niedereisenhausen ist<br />

das Ausstellungs- und Schulungsgebäude.<br />

Jonas auf Betriebsmanagement, Controlling<br />

und Abwicklung konzentriert.<br />

Beide sind angesichts des erheblichen<br />

Wachstums der jüngeren Vergangenheit<br />

damit gut gefordert. Denn neben den drei<br />

Gebäudekomplexen in Niedereisenhausen<br />

gehören mittlerweile zwei weitere Filialen<br />

in Schwalmstadt-Treysa und in Allendorf-<br />

Haine zum Unternehmen. Damit hat sich<br />

der Einzugsbereich deutlich erweitert, wobei<br />

die Aktionsradien für die Bereiche Landtechnik,<br />

Flurförder- und Industriemaschinen<br />

sowie Motorgeräte- und Kommunaltechnik<br />

sehr unterschiedlich sind. „Generell setzen<br />

wir allerdings auf die exklusive Zusammenarbeit<br />

mit langjährigen Lieferanten. Nur<br />

durch diese enge Kooperation können wir<br />

als Fachhändler die Wachstumsschritte<br />

vollziehen, vor allem aber unseren Kunden<br />

die Qualität, Kompetenz und die Serviceleistung<br />

bieten, die sie zu Recht erwarten<br />

und für ihre Arbeit auch benötigen“, hebt<br />

Gerhold Schreiner hervor. Glücklicherweise<br />

funktioniere diese Partnerschaft auf Augenhöhe<br />

hervorragend. „Nicht umsonst arbeiten<br />

wir zum Beispiel seit über 50 Jahren mit<br />

Deutz-Fahr und seit 17 Jahren mit Krone<br />

so gut zusammen. Davon profitieren auch<br />

unsere Kunden“, freut er sich.<br />

TEAM-ARBEIT<br />

Das Stichwort Kundenerwartungen greift<br />

auch Thomas Märte im Gespräch auf, nun<br />

sechster in der Runde, die sich in Gerhold<br />

Schreiners Büro eingefunden hat. Er ist im<br />

Landtechnik-Vertrieb die rechte Hand des<br />

Chefs. „In unserer mittelhessischen Region<br />

sind Milchvieh- und Grünlandwirtschaft<br />

traditionell eines der wichtigsten Standbeine.<br />

Doch die Zahl der Betriebe ist seit<br />

Jahren rückläufig. Dafür werden die verbleibenden<br />

Betriebe immer größer – und<br />

für sie liegt mehr denn je der Erfolg in der<br />

bestmöglichen Futtergewinnung. Da muss<br />

die Technik passen, genauso wie unsere<br />

Beratung – und natürlich der Service. Damit<br />

wir auch von den Kunden als Partner auf<br />

Augenhöhe akzeptiert werden, darf die<br />

Technik in den Arbeitsspitzen nicht ausfallen.<br />

Oder es muss schnellstens Abhilfe<br />

geschaffen werden“, erklärt er.<br />

Damit es im Ernstfall schnell gehen kann,<br />

unterhält Schreiner eine beachtliche<br />

Flotte von mehr als 20 modern ausgestatteten<br />

Werkstattwagen, die genau diesen<br />

schnellen Service sicherstellen. „Zu unserer<br />

Hausausstellung präsentieren wir diese<br />

Flotte, denn Vergleichbares findet sich in<br />

weitem Umkreis nicht“, so der Hinweis<br />

seitens Gerhold Schreiner. Jonas Schreiner<br />

ergänzt noch einen anderen Aspekt: „Während<br />

dieser Ausstellung sind auch immer<br />

viele junge Leute hier, die sich für Technik<br />

interessieren. Das ist für uns eine gute Gelegenheit,<br />

um für die vielen spannenden<br />

Berufe im Fachbetrieb zu werben. Denn<br />

der Fachkräftemangel ist schon jetzt kein<br />

Zukunftsszenario mehr. Unser Erfolg steht<br />

und fällt jedoch mit der Motivation und<br />

Kompetenz unseres Teams.“ Dies hat bisher<br />

offensichtlich gut funktioniert, denn<br />

seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der<br />

Mitarbeitenden fast verdoppelt, auf inzwischen<br />

89.<br />

NEUER MIETPARK<br />

In die Zukunft zu investieren, bedeutet<br />

im Landtechnik-Geschäft auch, den Kunden<br />

„neue“ Angebote zu machen. In der<br />

Landwirtschaft ist dies u. a. der 2018 eingerichtete<br />

„Schreiner Premium Pool“, wie<br />

Thomas Märte einwirft. Dahinter steht ein<br />

Fahrzeugpark mit Schlüsselmaschinen von<br />

Traktor bis Ladewagen. In anderen Segmenten,<br />

wie Industrie- und Umschlagstechnik,<br />

gehört dies schon lange zum Repertoire<br />

bei Schreiner. „Gern nutzen auch die Landwirte<br />

dieses Angebot in Zeiten mit großen<br />

Arbeitsspitzen oder zum Kennenlernen<br />

neuer Technik. Sehr oft übernehmen sie<br />

die Maschinen dann am Ende der Mietzeit“,<br />

berichtet Niclas Schreiner weiter. Dies sei<br />

vor allem 2018 und <strong>2019</strong> für viele Milchviehhalter<br />

von großer Bedeutung gewesen,<br />

denn in Folge der langen Trockenperioden<br />

hätten sie viel Futter zukaufen müssen, mit<br />

entsprechenden Liquiditätsengpässen. „Als<br />

Fachhändler müssen wir auch bei der Vermietung<br />

angemessene Preise kalkulieren.<br />

Aber wir verstehen die Partnerschaft mit<br />

den Kunden in guten wie in schlechten Zeiten<br />

und versuchen, tragbare Lösungen für<br />

alle Beteiligten zu finden“, meint Gerhold<br />

Schreiner abschließend. «<br />

54


LOHNUNTERNEHMER MICHEL MAUREL, SAINTE-COLOMBE (FR)<br />

KOMFORT-<br />

PRESSEN<br />

Rund 12.000 km verbringt Michel Maurel, Inhaber der Enterprise<br />

Agricole AR aus Sainte-Colombe (Frankreich), jährlich auf der Straße.<br />

Aus diesem Grund sind die Ansprüche des auf Pressen spezialisierten<br />

Lohnunternehmers an seine Maschinen ganz besondere.<br />

55


INTERNATIONAL<br />

1<br />

2<br />

Etwa 50 km östlich von Bordeaux liegt das Lohnunternehmen<br />

von Michel Maurel in Sainte-Colombe,<br />

inmitten sanfter Grastäler und weidenden Rindern. Sein<br />

Firmenlogo ist in grün, gelb und schwarz gehalten, was auf<br />

seine Dienstleistungen hinweisen soll: grün für Grünland,<br />

gelb für Stroh und schwarz für Ackerbau.<br />

Auf seinem Firmengelände hat der Unternehmer vor einigen<br />

Jahren eine Maschinenhalle für seine fünf Schlepper, ein<br />

Mähwerk, zwei Rundballenpressen, eine Großpackenpresse,<br />

einen Miststreuer, eine Schlauchmaschine sowie diverse<br />

weitere Anbaugeräte errichtet. „Unser Schwerpunkt liegt<br />

allerdings klar auf den Rundballen“, erklärt Michel Maurel.<br />

10.000 Ballen presst er jährlich – sowohl Grassilage als auch<br />

Heu. Mit seiner Großpackenpresse ist er im Stroh unterwegs<br />

und kommt hier auf rund 2.000 Ballen jährlich. „Wir haben<br />

ein Einzugsgebiet von etwa 70 km um unseren Standort herum.<br />

Zwei bis drei Helfer unterstützen mich neben meinem<br />

Sohn in der Saison. Bisher ist es immer gelungen, Helfer zu<br />

finden, dank entsprechender Mund-zu-Mund-Propaganda.<br />

Aber es wird immer schwieriger, qualifizierte Fahrer zu<br />

finden“, erzählt der Lohnunternehmer.<br />

400 KUNDEN JÄHRLICH<br />

Michel Maurel hat ausschließlich Milchviehbetriebe als<br />

Kunden. Von den rund 400 Betrieben sind etwa 150 Stammkunden,<br />

schätzt er. „Die Zahlungsmoral ist in Ordnung.<br />

Manche brauchen allerdings regelmäßig Erinnerungen per<br />

SMS“, erzählt er. Die Buchführung übernimmt er selbst,<br />

ebenso die Mahnungen. „Bei guten Kunden runde ich die<br />

Rechnungen auch schon mal zu ihren Gunsten ab“, erklärt<br />

er. Die durchschnittliche Größe der Flächen beträgt 2 ha –<br />

dennoch setzt der Lohnunternehmer auf große Maschinen.<br />

„Das liegt an dem kupierten Gelände hier mit Höhenunterschieden<br />

von bis zu 500 Höhenmetern“, sagt er.<br />

Rund 12.000 km verbringt er jährlich auf der Straße. „Unser<br />

im Januar 2018 gekaufter Fastrac 4220 hatte im August<br />

desselben Jahres bereits 8.000 km mehr auf der Uhr“, erklärt<br />

Michel Maurel. Aus diesem Grund nutzt der Lohnunternehmer<br />

auch Schlepper wie den Fastrac von JCB oder andere<br />

„Komfort-Traktoren“ für die Straße. „Wir kaufen unsere<br />

Schlepper als junge Gebrauchte, die Pressen als Schlüsselmaschinen<br />

kommen allerdings alle drei Jahre neu dazu“,<br />

sagt der Unternehmer. Er setzt dabei auf Krone; zum einen<br />

sei die nächste Werkstatt nur 10 km entfernt, und er habe<br />

ein gutes Verhältnis zu seinem Händler. Zum anderen sei er<br />

mit den Achsen sehr zufrieden. „Die Presse darf hinter dem<br />

Fastrac auf den langen Straßenfahrten nicht hüpfen“, sagt<br />

er. Die großen Reifen seien bei Nässe besonders vorteilhaft,<br />

und auch der hohe Wiederverkaufswert sowie die gute<br />

Ballenqualität rechne sich für den Lohnunternehmer.<br />

PRESSEN & WICKELN<br />

Das Pressen rechnet Michel Maurel pro Ballen ab. „Wir<br />

nutzen dafür den Zähler an der Presse“, erklärt er. Bei der<br />

Aussaat schreibt er Rechnungen pro Hektar, beim Miststreuen<br />

pro Stunde und bei der Schlauchlagerung pro Meter<br />

und Inhalt. „Wir nutzen keine Kontroll- oder Analysesysteme<br />

und kein GPS oder ähnliches, da wir solche Dienstleistungen<br />

nicht voll ausschöpfen könnten, weil wir keine Ernte anbieten“,<br />

findet der Lohnunternehmer.<br />

Die Kunden fordern hauptsächlich die Press-Wickel-Kombination<br />

wegen des guten Siliereffektes durch die Folie.<br />

„Dabei ist diese Dienstleistung teurer als das Garn und<br />

verursacht auch mehr Müll“, wundert sich Michel Maurel.<br />

56


3<br />

Im Jahr 2018 hat er auf 850 ha Rundballen gepresst und auf<br />

150 ha Quaderballen.<br />

Eine weitere Dienstleistung, für die sich seine Kunden immer<br />

mehr interessieren, ist die bereits erwähnte Schlauchlagerung<br />

für Silage. „Die Landwirte<br />

müssen sich nicht um die<br />

Lagerung oder das Festfahren im<br />

Silo kümmern, sondern haben das<br />

Erntegut vor Ort, wo es gebraucht<br />

wird. Sie sind dadurch einfach<br />

unabhängiger“, erklärt Michel<br />

Maurel den Trend.<br />

25 t Körnermais pro Stunde kann<br />

er mit dem Schlauch einlagern.<br />

Dieser hat dabei eine Feuchtigkeit von 32 % und wird mit<br />

Silierhilfsstoffen versetzt. Aber auch Getreide wird bei den<br />

Kunden immer häufiger im Schlauch gelagert. „Die Kunden<br />

liefern es selbst mit dem Kipper an. 15 t/h kann ich so verarbeiten,<br />

pro Meter komme ich auf bis zu 2 t Getreide. Es<br />

hat eine Feuchtigkeit von 15 %, wenn es in den Schlauch<br />

kommt“, erzählt der Lohnunternehmer. Bis zu zwei Jahre<br />

könne die Ernte dann im Schlauch gelagert werden, wobei<br />

die Folie geschützt werden müsse, sagt Michel Maurel<br />

und erklärt weiter: „Zu Spitzenzeiten verarbeite ich 3.000 t<br />

Körnermais und Getreide mit meiner Schlauchmaschine.“<br />

KLIMAWANDEL<br />

Lohnunternehmer war Michel Maurel allerdings nicht immer:<br />

„Bis 2003 habe ich eine Landwirtschaft mit Ackerbau<br />

geführt, allerdings hat mich das Dürrejahr zu einem Umdenken<br />

gezwungen.“ Heute bewirtschaftet er selbst noch 50 ha<br />

„WIR KAUFEN UNSERE<br />

SCHLEPPER ALS JUNGE<br />

GEBRAUCHTE, DIE PRESSEN<br />

ALS SCHLÜSSELMASCHINEN<br />

KOMMEN ALLERDINGS ALLE<br />

DREI JAHRE NEU DAZU.“<br />

MICHEL MAUREL, LOHNUNTERNEHMER<br />

Ackerbau im Nebenerwerb und hält 400 Pensionsrinder auf<br />

seinen Flächen. Der Landwirt und Lohnunternehmer baut<br />

überwiegend Getreide an, was er von einem anderen Lohnunternehmen<br />

ernten lässt, um selbst das Korn sowie Stroh<br />

zu verkaufen. Je nach Marktlage bietet er auch Körnermais<br />

oder Maissilage an.<br />

In der Winterzeit ist Michel Maurel<br />

lediglich mit seinem Miststreuer<br />

unterwegs und nutzt die Zeit für<br />

Urlaub und Wartungen seiner<br />

Maschinen. Etwas besorgt sieht<br />

er aktuell die klimatischen Veränderungen:<br />

„2018 konnten wir nur<br />

den ersten Schnitt im Grünland<br />

zu Silage verarbeiten, danach war<br />

es zu trocken, und es wurde lediglich Heu gemacht. Der<br />

erste Schnitt war dagegen sehr verregnet, das Pressen hat<br />

dreimal länger gedauert als üblich.“ Normalerweise presst<br />

Michel Maurel 25 Ballen pro Stunde. Die Maisernte war dann<br />

aufgrund der Trockenheit drei Wochen früher dran als üblich.<br />

„Noch habe ich keine Umsatzeinbußen, aber ich musste die<br />

Preise anheben, um das Niveau halten zu können“, sagt er<br />

abschließend. «<br />

1 Die Press-Wickel-Kombination ist bei den Kunden besonders<br />

beliebt, obwohl sie teurer ist und im Vergleich<br />

zu Garn mehr Wickelmaterial benötigt.<br />

2 Michel Maurel führt mit seinem Sohn das Lohnunternehmen<br />

als Familienbetrieb.<br />

3 Angesichts der teils langen Straßenfahrten sind die<br />

Achsen bzw. die Federung der Pressen dem Lohnunternehmer<br />

besonders wichtig.<br />

57


TELEGRAMM<br />

AGRITECHNICA <strong>2019</strong><br />

VOLLES HAUS<br />

Wie wird die Stimmung<br />

der Landwirte sein? Diese<br />

Frage beschäftigte im<br />

Vorfeld der Agritechnica<br />

wohl alle Aussteller. Doch<br />

mit 450.000 Besuchern<br />

lag das Ergebnis auf dem<br />

gleichen Super-Niveau<br />

wie 2017. Bei Krone war<br />

der „gefühlte Ansturm“<br />

sogar noch größer –<br />

herzlichen Dank an alle<br />

Besucher!<br />

58


59


Landtechnik<br />

Dienstleistung<br />

Pflanzenproduktion<br />

Werde<br />

eld<br />

Held<br />

Berufsziel: Fachkraft Agrarservice<br />

Eine moderne Ausbildung<br />

mit Perspektive!<br />

www.werde-feldheld.de

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