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Impressum:

Texte:

Fotos:

Jörg „Ösch“ Sinner (Ö)

Stephan „Ede“ Bretthauer (E)

sind allesamt von uns oder

Mitreisenden während der

beschriebenen Ausfahrten

geknipst worden.

Druck:

ESF-print.de

Rigistraße 9

12277 Berlin

Kontakt: trespass-zine@gmx.de

Cover: Estadio Ajejandro Morera Soto, Alajuela

Rückseite: PAOK vs. Olympiakos


Intro

„ich schreib es auf, das hier ist sowas wie

mein Tagebuch“

Gude,

grüßten an dieser Stelle in der Erstausgabe eures

neuen Lieblingsliefstylemagazins noch die Helden

meiner Jugend, zitiere ich heute mit dieser MoTrip

Zeile einen Vertreter der neuen Schule. Wieder

einmal finde ich das Zitat passend gewählt,

beinhalten die Texte doch noch mehr persönliche

Gedankengänge und sogar ein gutes Stück

Vergangenheitsbewältigung. Aber lest selbst.

An erster Stelle möchte ich es nicht versäumen,

mich bei allen Lesern zu bedanken. Besonderer

Dank geht natürlich an alle, die uns mit Feedback

beglückten. Wussten wir nach der Erstausgabe

selbst nicht so recht, ob es einen Nachfolger

geben wird, bestärkten uns die eigentlich

ausnahmslos positiven Resonanzen sehr schnell,

wieder in die Tasten zu hauen. Wir hoffen, ihr

werdet nicht enttäuscht sein. Ich gebe nämlich

ganz unverfroren zu, dass ich mit den letzten

Monaten im großen Ganzen nicht wirklich

zufrieden war. Viele persönliche Gründe sorgten

dafür, dass irgendwie das Besondere fehlte und

mehr Einzelspiele angesteuert wurden, was sich

(hoffentlich nur) meiner Meinung nach auch in den

Texten wiederspiegelt. Und jetzt, wo ich diesen

Satz mit dem Punkt abgeschlossen habe, merke

ich in Anbetracht zweier Balkantouren und eines

Costa Rica Urlaubs (ja, Betonung liegt auf Urlaub,

hier liegt der Fokus wieder mehr auf der lokalen

Fauna als auf den Ballkünsten), auf welch hohem

Niveau ich hier jammere. Aber lest selbst.

Ansonsten gibt es für unsere Stammleserschaft

wieder gewohnte Kost, für die Neueinsteiger

einen Einblick in unsere verkorksten (das „r“ vor

dem zweiten „k“ ist beabsichtigt) Seelen. Ede

beehrte erneut die iberische Halbinsel, meine

Wenigkeit berichtet mal wieder mit viel zu

verklärendem Blick vom Stiefel, dazu der ein oder

andere Balkanknaller und die so liebgewonnenen

Regionalligakicks

irgendwelcher

Zweitvertretungen – also im Endeffekt nichts, was

es nicht auch woanders zu lesen gibt, wären da

nicht gefühlt mehr Berichte zu nicht gesehen

Spielen als zu solchen, bei denen man tatsächlich

anwesend war. Das ganze wird literarisch wieder

in komplexeste Sätze verpackt, die so

verschachtelt sind, dass man sie trotz höchster

Lesekonzentration erst nach mehrmaliger

Wiederholung in Gänze erfassen kann – behauptet

zumindest Kate. Der inflationäre Einsatz von

Zwinkersmileys wird ebenfalls beibehalten. Aber

lest selbst. *Zwinkersmiley*

Am Layout haben sich erstmal nur Kleinigkeiten

geändert, ich bezweifle aber, dass diese

überhaupt jemandem auffallen. Mehr ins Gewicht

fällt da schon im wahrsten Sinne des Wortes der

größere Umfang, satte 30 Seiten mehr hat dieses

Werk zu bieten. Für die bestimmt erscheinende

Folgeausgabe kündige ich aber schonmal ganz

großkotzig an, dass bis dahin etwas am Layout

und der gesamten Optik gearbeitet wird – ob wir

es dann umsetzen können, wissen bisher nur die

Jungs und Mädels im Olymp. Aber bis dahin, lest

selbst.

Bevor ich den obligatorischen Gruß und Dank an

alle, die mich kennen und alle, die mich nicht

kennen, ausspreche, besonders allen Mitstreitern

auf den bewältigten Ausflügen (hiermit getan),

möchte ich es nicht versäumen, aus gegebenem

Anlass eine Beschwerde an RTL zu richten. Ja, das

hier ist nicht der Dröhnbütel, und nein, das soll

auch kein Abklatsch sein, ich verfolge Jo Gerners

Leben schon länger als das vom Prof, von daher

habe ich das gute Recht, mich über die Absetzung

des GZSZ Brunches samstagmorgens aufzuregen.

Meint ihr das eigentlich ernst? Denkt ihr wirklich,

der Baulichtreport erzielt eine bessere Quote?

Hallo, der Blaulichtreport??? Was mach ich jetzt

samstagmorgens? Da wird einem auch das letzte

Alibi genommen, nicht zum Fußball zu fahren. So

was affiges, echt jetzt. Ich werde wohl nie


erfahren, ob die Gefängnisrevolte in Malaysia

erfolgreich verläuft. Sorry, musste mal sein. Aber

da meine Lebensmaxime ja besagt, immer das

Positive zu sehen, mache ich das einfach mal und

freue ich auf die freigewordene Zeit samstags.

Und da sich ja auch die magische SGE anschickt, in

kommender Zeit hopperfreundlich etwas öfter

montags anzutreten, steht in der Zukunft

spontanen Wochenendausflügen außer unserer

eigenen Verpeiltheit nichts mehr im Wege. Ihr

seht, rosige Zeiten bei eurer Redaktion. Bevor ich

mich zu sehr aufrege, übergebe ich das Wort an

Ede, schließlich ist das immer noch dessen

Spezialgebiet. Also, hast Du noch was zu sagen?

Vielleicht auch eine Hasstirade auf RTL oder

Frank?

Außer dem üblichen Dankesgedöns ist eine

Hasstirade auf RTL und Frank wirklich sehr

einladend. Beide sind so scheiße, dass man es nicht

wirklich in Worte fassen kann. Was diese

Ahnungslosen für Gedankengänge hegen und den

GZSZ-Brunch einfach abschaffen, ist für mich

genauso wenig nachvollziehbar wie die meisten

Aktionen dieses Frank, der genauso emotionslos vor

sich hin lebt wie die Schauspieler im Blaulichtreport

agieren. Mal unter uns, kennt ihr irgendjemanden,

der Samstagmorgens den Blaulichtreport schauen

würde?! GZSZ-Brunch war immer ein Riesenthema,

wenn man sich dann gegen Mittag am Waldstadion

zusammengefunden hatte. Na ja, diese

Entscheidung des Senders zeigt, dass die

Führungsetage wohl genauso witz-, emotions- und

ahnungslos sein muss, wie ein Frank, hat dieser

doch für gewöhnlich genauso geile Ideen wie diese

Lappen, sodass man eine fachliche, sowie

menschliche Nähe zu diesen nicht einfach

wegdiskutieren kann. In diesem Sinne Frank for RTL!

Diese Kombo stelle ich mir so attraktiv vor wie

Werder II gg. Stuttgart II bei Schneesturm und um

den Gefrierpunkt zu schauen. Aber das macht

wenigstens noch Sinn *räusper*.

gekommen sein, hat das aber auch mal so rein gar

nichts mit Zensur oder sonstigem zu tun. Weiß der

Teufel, wo das hin ist…Und wer sich fragt, wer

oder was dieser Frank ist: Man wird es nie wissen,

es ist und bleibt ein Mysterium.

Und auch diesmal gilt wieder, dass „Trespass“ kein

Erzeugnis im presserechtlichen Sinne, sondern als

Rundschreiben an Freunde und Bekannte

anzusehen ist. Namentlich gekennzeichnete

Berichte geben nicht zwangsläufig die Meinung

der gesamten Redaktion wieder, selbst wenn die

Autoren die gesamte Redaktion repräsentieren.

Einen Aufruf zu illegalen Handlungen jedweder

Art oder gar übermäßigem Alkoholkonsums

können wir besten Gewissens von uns weisen. Im

Gegenteil, wir warnen sogar ausdrücklich davor,

im Falle des Alkohols wird sogar anschaulich von

den schlechten Folgen dessen berichtet. Wer

etwas anderes in die Zeilen interpretiert, soll nach

Konsum der Lektüre tun und lassen was er

möchte, uns aber nicht dafür verantwortlich

machen. Ebenso wenig, wie wir unsere

Leserschaft zu Gewalt, Drogenkonsum oder

Prostitution aufrufen, möchten wir uns mit dem

Verkaufspreis ein goldenes Näschen verdienen.

Wie üblich, dienen die Kosten nur der Deckung der

Produktionskosten.

Reicht fürs Intro. Wie gehabt, würden wir uns über

Feedback jedweder Art sehr freuen, bis dahin

bleibt mir nur, viel Spaß zu wünschen. Aber jetzt

lest selbst.

Bis zur nächsten Ausgabe,

Eure Redaktion, Korrektur und Meckertante in

Personalunion

Aus gegebenem Anlass folgt hier nochmals ein

kleiner Einschub. Die Redaktion des Trespass

spricht sich zu 101% für Pressefreiheit und gegen

Zensur aus. Sollten also Teile aus Edes Wutrede

unter unerklärlichen Gründen abhanden



Urlaub Part 1

U

rlaub. Endlich.

Für den diesjährigen Jahresurlaub Teil 1 war

keine aufwendige Fernreise geplant, sondern

es sollte Kate und mich in Richtung Balkan

ziehen, da diese Region für sie noch relatives

Neuland bedeutete und ich mich hier ja nicht

oft genug aufhalten kann. Wer die Erstausgabe

eures neuen Lieblingsreisemagazins gelesen

hat, wird sich sicherlich noch erinnern, dass bei

gemeinsamen Ausfahrten mit Kate der Fußball

nicht im Vordergrund steht, allerdings auch

nicht zu kurz kommt. Da wir quasi bis kurz vor

Abfahrt noch keine genaue Vorstellung der

Reiseroute hatten (diese sollte sich u.a. auch

durch die genauen Ansetzungen in der

Europapokal-Quali ergeben), war auch noch

nicht klar, wie viele Spiele eingebaut werden

konnten, also ließen wir einfach mal alles auf

uns zukommen.

Am frühen Donnerstagmorgen, wir schrieben

den 09.07.2015 und böse Geister behaupten, es

war noch mitten in der Nacht, setzte sich der

legendäre Sinner-Express vollbeladen mit

kistenweise Gummibärchen und weiterem

ungesunden Knabberzeugs, sensationellen

Mixtapes aus den goldenen 90ern, die jedoch

nie den Weg ins nicht mehr vorhandene

Kassettenfach fanden, sowie den jetzt schon

übermüdeten Astralkörpern der beiden

Hauptdarsteller in Bewegung. Erster

Zwischenstopp – wenn man den

obligatorischen Stau rund um Würzburg, der

größtenteils schlafend überbrückt wurde,

außen vor lässt – sollte mal wieder Bratislava

sein. Neben Nostalgiegründen, da unser letzter

Roadtrip gen Osteuropa auch hier startete,

spielten vor allem praktische Gründe eine Rolle

für die Entscheidung, hier aufzuschlagen,

schließlich lag mir Kate schon seit Tagen in den

Ohren, dass sie endlich den Länderpunkt

Slowakei wegkloppen will. Und da rein zufällig

heute Abend Slovan Pressburg in der EL Quali

antreten sollte, habe ich das mal ganz

gentleman-like in die Tourenplanung

eingebaut und persönliche Präferenzen hinten

angestellt – so oder so ähnlich muss es

gewesen sein.

Da wir erst knapp vor Spielbeginn in unser

riesiges Apartment eincheckten, bleib für einen

Stadtbummel samt ordentlicher

Nahrungsaufnahme keine Zeit, so dass sich

ganz stilecht am Grillstand vorm Kaufland

nebst Gestalten Marke Trucker nach einer

einwöchigen Tour ohne jegliche Körperpflege

oder Ex-Pornosternchen, das ein Problem mit

dem Älterwerden hat, - also der ganz normalen

Bevölkerung – mit einer Portion Pommes (für

Kate) bzw. zwei Klobasas (für mich – sehr

lecker) eingedeckt wurde, bevor wir uns den

Weg durch die Massen ins Stadion bahnten.

Slovan Bratislava – College Europa 3:0

2.145 Zuschauer

Europa League Qualifikation, Do. 09.07.2015

Tja, heute sollte es zum mit Spannung

erwarteten Rückspiel in der zweiten Runde der

Qualifikation zur Europa League kommen. Für

mich sollte es auch gleich eine Premiere

darstellen, da es das erste Mal war, dass ich

einen Verein aus Gibraltar in Aktion sehen

sollte. Der Fußballverband Gibraltars (Gibraltar

Football Association) wurde zwar bereits 1895


gegründet, ist allerdings bekanntermaßen erst

seit 2013 Vollmitglied der UEFA (jedoch nicht

der FIFA), so dass die Vereine seitdem auch an

den internationalen Wettbewerben teilnehmen

dürfen. Überraschenderweise sind die Erfolge

auf internationaler Ebene bisher jedoch noch

sehr gering, was sich in der UEFA

Fünfjahreswertung mit einem 54. Platz (von 54

Plätzen) wiederspiegelt. Für das heutige Spiel

lag die Sensation, also das Weiterkommen der

Gastmannschaft, zwar im Bereich des

Möglichen, die Wahrscheinlichkeit dafür hätte

ich im Vorfeld aber im 0,0 Promillebereich

eingeordnet, was somit geringer als der

durchschnittliche Alkoholpegel der

anwesenden Zuschauer war. Nach dem Slovan

das Hinspiel in Gibraltar bereits mit 6:0 für sich

entscheiden konnte, gab sich auch im

Rückspiel die entfesselt aufspielende Heimelf

unter Leitung ihres Kapitäns und

Publikumslieblings Robert Vittek (oder wie der

Nürnberger Stadionsprecher sagen würde:

Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrobert – argh, da kommen

wieder Erinnerungen und Aggressionen an das

Auswärtsspiel im Februar 2008 hoch) keine

Blöße und wies den Underdog mit einem

nahezu lächerlichen 3:0 in ihre Grenzen.

Fußballerische Glanzlichter konnten demnach

wie erwartet nicht gesetzt werden, Stimmung

kam trotz Anwesenheit und Zaunbeflaggung

USPs (also Ultras Slovan Pressburg, nicht

deren Namensvetter aus St. Pauli) nur

sporadisch auf, dafür sorgte das Publikum, die

anwesenden Pressevertreter sowie die

Sanitäter für Kurzweil. Wenn man jetzt

oberflächlich wäre und rein nach optischen

Gesichtspunkten urteilen würde, hätte man

sich auch auf einem tschechischen Sportplatz

zum Sonntagmorgenspiel wähnen können.

Ganz großes Kino. Ich glaube, wenn ich

verletzt auf dem Boden gelegen hätte, wäre ich

freiwillig wieder aufgestanden, bevor die

Kreuzungen aus Quasimoto und Gargamel

mich erreicht hätten. Also ging es nach

Beendigung der heutigen Pflicht doch recht

zufrieden und mit allerhand skurriler Eindrücke

wieder ins Apartment, wo nur noch geschlafen

wurde, bevor am nächsten Tag der Urlaub

richtig beginnen sollte.

Begann er auch. Vormittags bei herrlichem

Wetter erst noch durch die wirklich schöne

Altstadt Bratislavas flaniert, zog es uns auf

unserem Weg nach Zagreb auf einen kurzen

Abstecher nach Siofok an den Balaton. Hier

wollten wir eigentlich nur kurz eine Schüssel

Gulaschsuppe sowie eine üppige Szegediner

Holzplatte zu uns nehmen, doch da unser

anvisiertes Lieblingsrestaurant wohl

mittlerweile nicht mehr existent ist, wurde der

Stopp eben kurzerhand zur Auffüllung der

Nasch- und vor allem Alkoholvorräte genutzt

(Holunder-Radler und Schoko-Nuss-Likör…so

ganz leicht schwul hört sich das schon an). Zu

den Klängen von Raffaella Carràs „A far

l'amore comincia tu“ (Scoppia Scoppia mi scoo

– von uns umgedichtet zu „Skopje Skopje mi

skop“), das sich bis zur Ankunft in Skopje zu

unserem absoluten Urlaubshit entwickelt

hatte, erreichten wir zu späterer Stunde


Zagreb, an dem wir aus Zeitgründen jedoch

erstmal vorbeifahren mussten, schließlich

wartete im nur wenige Kilometer vor Zagreb

liegenden Zaprešić das Eröffnungsspiel der

diesjährigen ersten kroatischen Liga auf uns.

Inter Zaprešić - HNK Rijeka 0:0

3.380 Zuschauer (400 Gäste)

1. Liga Kroatien, Fr. 10.07.2015

Bereits vor Anpfiff konnten uns das

Rahmenprogramm und die Eröffnungsshow

zur Einstimmung auf die neue Saison voll und

ganz überzeugen, war dies schlicht und einfach

nicht vorhanden. Kein unnötiges

Sponsorengelaber, keine Theateraufführung

und kein inszeniertes Feuerwerk, lediglich zwei

Mannschaften die sich auf einem

dorfsportplatzähnlichen Geläuf auf das erste

Kräftemessen der noch nicht begonnenen

Spielzeit 2015/16 vorbereiteten. Umgeben

wird der Acker von einer bestuhlten

Haupttribüne auf der einen und einer vielleicht

fünfstufigen Stehtraverse auf der anderen

Seite, hinter den beiden Toren befindet sich

keinerlei Ausbau.

In Anbetracht dessen, dass der

Zuschauerschnitt der höchsten kroatischen

Spielklasse in der letzten Saison bei ca. 2.000

lag, wollten sich heute sehr gute knapp 3.500

den Eröffnungskick zwischen dem

gastgebenden Aufsteiger und dem

letztjährigen Pokalsieger nicht entgehen

lassen. Inter Zaprešić ist dann wohl auch das,

was man unter einer Fahrstuhlmannschaft

versteht, pendelte man in den letzten Jahren

doch regelmäßig zwischen erster und zweiter

Liga hin und her. Den größten Erfolg der

Vereinsgeschichte dürfte wohl der Pokalsieg

1992, u.a. mit Zvonomir Soldo als Spieler,

darstellen, damals noch unter dem Namen NK

INKER Zaprešić, was zu einer mehr oder

weniger interessanten Geschichte zum

Vereinsnamen führt. Die Bezeichnung „Inter“

nämlich ist nicht der ursprüngliche

Vereinsname, sondern wurde erst 2003

angenommen, um einen ähnlich klingenden

Namen wie den bis dahin gültigen „INKER“ zu

haben. Bei INKER hingegen handelte es sich

um den Hauptsponsor (der nationalen

Keramikindustrie), der sein Engagement als

Sponsor jedoch 2003 einstellte, wodurch es zur

Namensänderung kam (der Vollständigkeit

halber: Die Firma INKER ist der Nachfolger der

Jugokeramika, die sich nach dem Ende

Jugoslawiens in INKER umbenannte. Ergo hieß

der Verein zu Zeiten Titos noch „Jugokeramika

Zaprešić“). Eine aktive Fanszene ist mir nicht

bekannt und ließ sich auch nicht ausmachen.

Ganz im Gegensatz natürlich zum heutigen

Gegenüber aus Rijeka. Diese waren rund um

die Armada mit gut und gerne 400 Leuten zu

Besuch und versammelten sich auf der

Gegengeraden, konnten mich jedoch nicht voll

und ganz überzeugen. Ich weiß jetzt nicht, ob

es Lustlosigkeit war oder ob das

enttäuschende Spiel aufs Gemüt drückte, aber

bei meinen bisher gesehen Auftritten hatten

sie einen wesentlich besseren Eindruck

hinterlassen. Lediglich Mitte der zweiten Hälfte

wurde sich über mehrere Minuten in einen

Rausch gesungen und dabei der ein oder

andere Breslauer entflammt, alles in allem aber


eher solala. Aber gut, die Erwartungshaltung

wird auch eine andere gewesen sein. Man will

sich bzw. hat sich als zweite Kraft neben

Dinamo etabliert, gewann letztes Jahr den

Pokal und spielt regelmäßig international, da

muss einfach mehr kommen als ein mit viel

Glück zusammengeschusterter Punkt bei

einem Aufsteiger.

So war es nicht verwunderlich, dass für das

eigentliche Tribünenhighlight auf der

Heimseite gesorgt wurde, stand hier doch über

die komplette Spielzeit ein recht betagter Herr

am Zaun und beleidigte die Gästefans, - spieler

und – betreuer über die gesamte Spielzeit mit

Worten und Gesten. Ein absolutes Highlight,

wie er nach jeder nur annähernd aufregenden

Spielsituation seine Mittelfinger in die Höhe

reckte und irgendetwas Unverständliches gen

Platz grölte – den von uns verliehenen

Spitznamen „Pöbelopa“ hatte er sich redlich

verdient. Und so sind es wieder wie schon tags

zuvor diese kleinen Randerscheinungen, die

einen Spielbesuch zu einem Erlebnis machen

und alles rechtfertigen – herrlich.

Nach Abpfiff stand dann auch nur noch der

Check-In in unserem sehr nicen Hotel für die

nächsten drei Tage an, gefolgt von einem

ausgiebigen Schlaf und am folgenden Samstag

wurde Kate mal geschont und kein weiterer

Spielbesuch angesetzt. Trotzdem führte uns

der erste Weg morgens direkt zum Stadion

Maksimir. Kate konnte ich den Weg insofern

schmackhaft machen, dass im direkt

angrenzenden Park der Zoo lokalisiert ist, ich

hingegen musste mich erstmal um die

Ticketbeschaffung für das morgige Derby

kümmern. Als die Spielpläne in der

Sommerpause rauskamen, wusste ich nicht, ob

ich mich freuen oder ärgern sollte, dass der

kroatische Superclassico in unseren

Reisezeitraum gelegt wurde. Einerseits allein

schon von Klang her ein gutes Spiel und selbst

wenn Bad Blue Boys nicht im Stadion sind,

könnte mit etwas Glück dennoch ein guter

Haufen aus Split anreisen, andererseits war das

auch nur eine Wunschvorstellung, der Blick auf

die letzten vergangen Duelle verhieß nichts

Gutes. Die Situation bei Dinamo Zagreb dürfte

ja jedem geläufig sein. Der Mamic Clan rund

um die Brüder Zdravko (Präsident) und Zoran

(ehemals Manger, jetzt Trainer) hält alle Zepter

in der Hand und bestimmt die Geschicke

Dinamos und quasi auch des gesamten

kroatischen Fußballs nach Belieben. Dass sie

korrupt bis zum Umfallen sind und bei

Transfers in die eigene Tasche wirtschaften, ist

ein offenes Geheimnis. Wer sich wehrt, wird

mundtot gemacht – von mafiösen

Verhältnissen zu sprechen ist sicherlich nicht

untertrieben. Offener Krieg herrscht mit den

Ultras der Bad Blue Boys, die sich seit Jahren

gegen Mamic stellen und dessen Absetzung

fordern, was mittlerweile in unzähligen

Stadionverboten, der Verbannung aus der

Nordkurve und weiteren Repressalien

gegenüber BBB gipfelte. Mit aller Macht wird

versucht, diese endgültig aus dem Stadion zu

bekommen, was aktuell leider auch gelungen

ist. Auswärts fährt man zwar, zu Hause ist man

im Augenblick aber nur bei dem von ihnen

geleiteten Futsal Club präsent, natürlich

arbeitet man aber immer wieder an der

Rückkehr ins Stadion. So lange Mamic jedoch

da ist, wird das nicht passieren. Seit kurzem ist

zwar eine neue, ebenfalls „Bad Blue Boys“

genannte Gruppe präsent, diese werden aber

vom Mamic Clan unterstützt und gelten

logischerweise gemeinhin als Verräter. Mit

diesen kommt es immer wieder zu

Auseinandersetzungen, Höhepunkt waren die

Schüsse, die von Seiten der Verräter auf die

wahren BBB abgegeben wurden, wobei es zu

zwei Schwerverletzten kam. Auch hierfür wird

hinter vorgehaltener Hand Mamic

verantwortlich gemacht.


Aber auch für die Torcida war das Derby in

letzter Zeit von immer mehr Repressionen

geprägt. Höhepunkt war dann sicherlich im

November 2014, als eine große Anzahl Hajduk-

Anhänger nicht ins Stadion durfte, woraufhin

die Mannschaft ebenfalls nicht antrat und noch

in derselben Nacht die Rückreise nach Split

antrat, wo sie im Stadion Poljud von tausenden

Fans begeistert empfangen wurde.

Man durfte also gespannt sein, was sich Mamic

und die Staatsmacht diesmal einfallen lassen

würden. Doch in der Woche vor dem Spiel

überschlugen sich dann plötzlich die

Ereignisse. Die Brüder Mamic wurden wegen

irgendwelcher Steuergeschichten verhaftet,

und es zeichnete sich ab, dass die Sache

diesmal ernster aussah als üblich. Nach und

nach kamen die ersten Gerüchte auf, dass BBB

dies zum Anlass nehmen, um wieder ins

Stadion zurückzukehren, sicher war das aber

erst, als Mitte der Woche eine Stellungnahme

kam, dass sie tatsächlich wieder die Nordkurve

bevölkern würden. Dadurch entbrannte eine

regelrechte Euphorie in und um Zagreb und es

gab einen niemals vermuteten Run auf die

Eintrittskarten.

Damit jedoch noch nicht genug des

Vorgeplänkels. Einen Tag später kam von

Vereinsseite die Info, dass der mittlere Bereich

der Nord für die Pro-Mamic Gruppe bestimmt

ist. Natürlich eine unfassbare Provokation den

wahren BBB gegenüber, und man konnte nur

gespannt sein, was am Spieltag selbst

passieren würde.

Jetzt aber erstmal genug zur Vorgeschichte, es

waren ja schließlich noch 36 Stunden Zeit bis

es losgehen sollte. Nachdem die

Ticketbeschaffung (personalisiert, daher nur

eine Karte pro Person möglich) zur vollsten

Zufriedenheit erledigt werden konnte,

schnuffelten wir erstmal im Zoo vorbei, der uns

beide wirklich überzeugte. Eine wirklich schöne

Anlage mit auch nicht alltäglichen Tieren in

tollen Gehegen – bekommt unsere absolute

Empfehlung. Zagreb als Stadt punktete bei der

Besichtigung ebenfalls, nur fragen wir uns bis

heute, wo denn die Leute waren. Wenn hier

nicht ein japanischer Touristenbus seine mit

Kameras und lustigen Kopfbedeckungen

geschmückten Insassen ausgespuckt hätte,

wären wir womöglich noch die einzigen

Fußgänger in dieser Geisterstadt gewesen. Ob

das an den Temperaturen weit jenseits der 30

Grad gelegen hat und der gemeine

Hauptstädter sich lieber in der kühlen

Wohnung oder in den reichlich vorhandenen

Naherholungsgebieten vergnügt ? Wir werden

es nie erfahren, seltsam war es allemal.

Am Sonntag dann dasselbe Bild. Außer uns

und ein paar wenigen mutigen Gestalten traute

sich niemand auf die Straßen, so dass wir die

restlichen Sightseeingpunkte in aller

Seelenruhe genießen konnten, bevor wir uns

mittags mit Moritz, der für das Spiel sowie

einer der letzten Möglichkeiten, das Kantrida

in Rijeka zu kreuzen, angereist war, im

„Beachclub“ unterhalb der Kathedrale trafen.

Auch hier waren wir natürlich die einzigen

Gäste, was insofern von Vorteil war, dass der

Pivo-Nachschub zumindest nicht lange auf sich

warten lassen musste. So haben wir die Zeit bis

zum Anpfiff auch gut verlabert, ehe sich vorm

Stadion die Wege wieder trennten, da Moritz

im nördlichen Oberrang Platz nehmen musste,

während wir zwei beiden auf die Gegengerade

durften. Dass wir diese aber überhaupt

betreten durften, war auch mal wieder so ein

Fall für sich. Da hatte Kate doch glatt das

Zeitfenster ausgereizt, innerhalb dessen das

Drehkreuz nach dem Scan der Karte geöffnet

ist, und wir standen mit einem nicht mehr

funktionierenden Ticket auf der falschen Seite

des Einlasses. Oh Mann. Zum Glück konnten

wir die Ordner überzeugen und uns wurde ein


separates Tor geöffnet, durch das wir eintreten

konnten. Danke hierfür nochmals.

Gnk Dinamo Zagreb – HNK Hajduk Split 1:1

25.000 Zuschauer (3.500 Gäste)

1. Liga Kroatien, So. 12.07.2015

Durch das ganze sich ewig ziehende

Einlassprozedere verpassten wir dann auch die

erwarteten Kämpfe auf der Nord. Dort standen

zunächst wie angekündigt die Mamic-treuen

im Zentrum, ehe sie von den hereinstürmenden

BBB nonverbal in ihre Schranken

gewiesen wurden und fortan das Spiel in einem

streng abgeschirmten Block am Rande der

Tribüne verfolgen mussten. Moritz berichtete

im Nachhinein dann noch von einem

Polizeieinsatz unter der Tribüne samt

Pfeffersprayeinsätzen in den Treppenaufgängen,

aber auch davon war auf der

Gegentribüne nichts mitzubekommen.

Bis auf den Pufferblock zwischen den beiden

verfeindeten Parteien war die Nord dann

gerammelt voll, genau wie der Rest des

Stadions, wenn man mal vom geschlossenen

Oberrang der Haupttribüne absieht. Schon

beeindruckend, was hier immer noch ein

Potential abgerufen werden kann und

eigentlich sollte der heutige

Zuschauerzuspruch dem Verein und vor allem

Mamic zu denken geben, nur leider wird es

keinen davon interessieren (und seit deren

Haftentlassung eine Woche später geht auch

alles wieder seinen gewohnten traurigen

Gang). Großartige optische Aktionen wurden

nicht geboten, als einzige Zaunfahne hing ein

großes, den Umständen angemessenes

Transparent mit Aufschrift „Sloboba Dinamu“

(Freiheit für Dinamo). Auch auf die von früher

bekannten, ausufernden Pyroinfernos wurde

verzichtet, wohl auch, um keine Angriffsfläche

für weitere Stadionverbote zu bieten. Dafür

war das wichtigste – die akustische

Unterstützung – aber der reinste Genuss. In der

ersten Hälfte dauerte es zwar, vielleicht

geschuldet durch den frühen Gegentreffer,

noch, bis der Funken auf die gesamte Kurve

übersprang, im zweiten Durchgang gab es

dann aber kein Halten mehr und ich konnte

meine Augen gar nicht mehr abwenden. Aber

da auf dem Rasen eh nur noch fettreduzierte

Magerkost geboten wurde, war dies auch nicht

weiter tragisch. Phänomenal, wie nahezu der

komplette Unterrang oberkörperfrei sang und

sprang, ab und an mal eine Fackel in den

mickrigen Haufen Verräter schmiss oder das

bekannte, große „V“ mit den Armen bildete,

gefolgt von brachialen Klatscheinlagen. Kurz

vor Ende der Partie packten sie dann ein und

verließen relativ schnell das Stadion und

hatten einfach mal so in der kurzen Zeit ihrer

Anwesenheit gezeigt, wo der Hammer hängt.

Fantastischer Auftritt meiner Meinung nach.

Auch wenn Moritz in der Nachbetrachtung

ganz anderer Meinung war. Von seiner Position

aus war wohl aus Reihen der BBB nicht viel zu

vernehmen, dafür bekam er den kompletten

verbalen Druck der Torcida zu spüren. Diese

hatten bis auf einen kleinen Pufferbereich die

komplette Hintertorkurve eingenommen,

dürften gut und gerne 3.500 Mann gewesen

sein. Auch hier keine größeren optischen

Aktionen, dafür ebenso die reine Stimmgewalt.

Gerade am Anfang (beflügelt durch die frühe

Führung) und am Ende der Partie, als das

sensationelle „Dalmacijo“ intoniert wurde,

schlackerten mir die Ohren. In der Zeit

dazwischen vernahm ich nicht so viel, zu

fasziniert war ich von der anderen Seite.

Vielleicht kann man es zwischen den Zeilen

herauslesen, aber ich war recht begeistert :-)


Auch wenn ich vom Spiel selbst nicht so viel

mitbekommen habe. Das was ich gesehen

hatte, reichte auch um das abschließende

Urteil „Durchschnittskick – mit viel

Wohlwollen“ auszustellen. Aber man muss ja

auch so ehrlich sein und zugeben, dass das

Geschehen auf dem Rasen heute nicht die

höchste Priorität genoss – nur für den Fall, dass

hier irgendjemand noch Abhandlungen über

Spielsysteme oder Schiedsrichterentscheidungen

erwarten sollte…Nix gibt’s.

Für uns hieß es nach einer vergeblichen

Nahrungssuche am nächsten Tag endlich zum

lange erwarteten Highlight unser Reise zu

gelangen. Nachdem der Grenzübertritt zu den

Klängen von „Er ist wieder da“ problemlos

bewältigt werden konnte, steuerten wir auf

dem Weg nach Sarajevo die weltberühmten

bosnischen Pyramiden an. Wer jetzt

Fragezeichen über seinem Kopf sieht, dem darf

ich versichern, dass es uns bis vor kurzem auch

noch so ging. Und das, obwohl es sich bei den

besagten Pyramiden doch um die größten

ihrer Art weltweit handeln soll – so zumindest

die Aussage ihres Entdeckers Semir

Osmanagić. Dass das von allen renommierten

Wissenschaftlern, Geologen oder Historikern

als kompletter Nonsens abgetan wird –

geschenkt. Wir vertrauten dem guten Herrn

Osmanagić jedenfalls und schauten uns diese

bahnbrechende Entdeckung live vor Ort an.

Und – ich sage es gleich – wir wurden nicht

enttäuscht. Was einem hier geboten wird, ist

an Skurrilität schwerlich zu übertreffen. Schon

weit vorher ausgeschildert, befinden sich die

Pyramiden beim Ort Visoko und es soll

tatsächlich Stücker fünf von diesen Monstren

geben. Das Problem an der Sache ist nur, dass

sie über die Jahrtausende hinweg komplett

zugewachsen sind und man heutzutage nur

noch Berge sieht, die aber zugegeben schon

aus gewissen Blickwinkeln betrachtet die Form

einer Pyramide haben könnten. Auf die größte

(die Sonnenpyramide – natürlich) wagten wir

uns dann vor dem bald einsetzenden Regen

auch mal hinauf. Hör mir uff. Dass einem auf

pseudowissenschaftlichen Schautafeln

irgendwelche Gesteinsbrocken als 10.000 Jahre

alter Beton verkauft werden, schön und gut.

Wenn dann den Bergen, äh Pyramiden, aber

auch noch spirituelle Kräfte nachgesagt und

noch viel spirituellere Reisen samt

morgendlichen Balzzeremonien auf dem Gipfel

angeboten werden, dann sprechen wohl nicht

nur die größten Kritiker von irgendeiner Form

der Verarsche. Wir jedenfalls waren vollends

überzeugt, dass wir unseren nächsten Urlaub


hier verbringen werden, um uns mal richtig

schön beleuchten zu lassen. Zumindest die

Hobbyarchäologen in uns wurden auf jeden

Fall erweckt, erkannten wir doch fortan auf

dem weiteren Weg gen Sarajevo (und auch

darüber hinaus) hinter jedem halbwegs

kantigen Berg eine weitere Pyramide. Hier gibt

es auf jeden Fall noch einiges zu erforschen,

daher übergebe ich wieder an Herrn

Osmanagic (und falls ich ihm unrecht tue und

es sich tatsächlich um echte Pyramiden

handeln sollte, ist hier auch gleich meine

offizielle Entschuldigung für mein Misstrauen).

Für die nächsten drei Nächte hieß unser

Zwischenziel dann Sarajevo. Bis auf einen

kleinen morgendlichen Spaziergang im April

(vgl. Trespass Vol.1) war das peinlicherweise

absolutes Neuland für uns. Aber was sich

damals schon vermuten ließ, bestätigte sich

während unseres Aufenthaltes absolut. Die

Stadt hatte es uns angetan, auch wenn die

Geschichte und die noch überall sichtbaren

Kriegsspuren sehr bedrückend sind. Aber

gerade dadurch nimmt man die Umgebung

auch sehr intensiv wahr. Ansonsten muss ich es

ja nicht groß beschreiben, hat ja sicher fast

jeder schon gesehen oder zu Genüge darüber

gelesen, aber der Kontrast aus

„oriendoalischer“ (O-Ton einer Tourigruppe

aus unserem alpinen Nachbarland) Altstadt,

modernen Hochhäusern und Kriegsspuren in

Verbindung mit der exorbitanten Lage

inmitten eines Talkessels sowie der

spannenden Geschichte ist einfach extrem

faszinierend. Hier kann man guten Gewissens

mehrere Tage verbringen und es wird für jeden

Geschmack etwas geboten. Im Vergleich zu

Zagreb herrschte auch viel mehr Leben auf den

Straßen und selbst spätabends unter der

Woche waren alle Bars brechend voll. Es

machte so den Eindruck, als wolle die

Bevölkerung nach den schlimmen Kriegsjahren

jetzt erstmal das Leben genießen.

War der Aufenthalt in Sarajevo ja schon ein

Highlight für uns, sollte die Krönung am späten

Dienstagabend mit dem Championsleage-

Qualispiel zwischen dem bosnischen und dem

polnischen Meister erfolgen. Gleichbedeutend

war dies dann wohl auch mit Blick auf die

Stehtraversen das interessanteste Match der

zweiten Runde. Die Tickets hatten wir uns

mittags schon an einem mobilen

Verkaufsstand im Stadtzentrum gesichert. Als

sich mit zunehmender Stunde immer mehr

weinrot-bekleidete

Menschen

zusammenrotteten, zog es uns auch in

Richtung Olympiastadion, das wir nach einem

stetig ansteigenden längeren Fußmarsch auch

irgendwann erreichten.

FK Sarajevo – Lech Poznań 0:2

16.500 Zuschauer (800 Gäste)

CL Qaulifikation, Di. 14.07.2015

Am Stadion angekommen, bestand die erste

Amtshandlung darin, dem aus Split

angereisten Duke seine Eintrittskarte zu

übergeben. Was sich in der Theorie recht

einfach anhört, entpuppte sich in der Praxis als

Kraftakt, der uns fast den Anstoß kostete.

Nach mehreren Telefonaten konnten wir

wenigstens herausfinden, dass wir uns auf

völlig entgegengesetzten Seiten befanden, so

dass Kate und mir ein weiterer Gewaltmarsch

um das weitläufige Areal bevorstand. Am Ende

ging aber noch alles gut und wir konnten

rechtzeitig unsere Plätze im gut gefüllten Rund

einnehmen.

Damit konnten wir uns jetzt auch endlich dem

Wesentlichen widmen. Rein vom Papier her

handelte es sich ja schon um eine sehr brisante

Angelegenheit, in der Realität bestätigte sich

das am Vorabend in Sarajevos Vorort Vogošća,


als es heftige Ausschreitungen zwischen

Anhängern beider Vereine mit etlichen

Verletzen gab. Am Spieltag selbst wurden die

Lech Kibice streng von der Staatsmacht

bewacht, so dass es ruhig blieb. Dennoch, oder

gerade deswegen, lag ein spürbares Knistern in

der Luft.

Mit Erklingen der CL-Hymne (lief die

überhaupt?) betraten die Nebenakteure das

Spielfeld, während es die heutigen

Hauptdarsteller in den jeweiligen Kurven

visuell relativ nüchtern, dafür akustisch umso

brachialer angingen. Als einzige optische

Aktion hing vor der Heimkurve ein riesiges

Banner zum traurigen Jubiläum des Massakers

von Srebrenica („never forget - Srebrenica

genocide- never forgive), bei dem Mitte Juli

1995 8.000 Bosniaken unter den Augen der

Weltöffentlichkeit ermordet wurden (und das

soll an Worten dazu auch reichen, sollte eh

jeder wissen). Zu diesem Zeitpunkt war im

Gästesektor noch nicht allzu viel los, dieser

füllte sich erst mit zunehmender Spieldauer.

Spätestens ab dann wanderten aber unsere

Augen und Ohren ständig hin und her. Und ich

sage explizit „unsere“, denn auch Kate war

recht angetan vom Dargebotenen, sie verteilte

mit den beiden Sätzen „Die machen ja ganz

schön Deebes“ und „die gefallen mir auch gut“

geradezu Höchstnoten. Ab und an wurde ich

sogar darauf hingewiesen, dass „die ja wieder

hopsen“ oder „cool klatschen“. Jetzt hätte ich

mal so gar kein schlechtes Gewissen haben

brauchen, dass ich Kate mit zum Fußi

schleppte, aber nein, da muss es ab der

zweiten Hälfte plötzlich merklich abkühlen,

und da wir natürlich schlau wie wir sind ohne

Jacke unterwegs waren, wurden die letzten

Minuten mal wieder zu einer Tortur. Argh.

Wenigstens trotzen die Mutanten im

Gästeblock der Kälte und spulten

oberkörperfrei ihr Programm runter und ließen

so für uns die letzten eisigen Minuten relativ

zügig (das ist ja auch doppeldeutig in diesem

Kontext…) rumgehen. Horda Zla und

Konsorten in der Heimkurve war es eh egal, sie

supporteten vom Anpfiff weg völlig am

Spielgeschehen vorbei. Das ist ja so eigentlich

gar nicht mein Ding, aber es kam trotzdem

ziemlich cool rüber. Und auch wenn südliche

Melodien und Balkanstimmen eigentlich ein

Paradoxon sind, war der minutenlange Dale

Sarajevo für mich der Höhepunkt der Partie.

Besagte Partie lässt sich übrigens in einem

Satz zusammenfassen: Dass von den beiden

Mannschaften keiner die Gruppenphase

erreichen würde, konnte man nach wenigen

Spielminuten schon absehen.

Nachdem wir der Kälte dann nochmals die

Stirn boten, erreichten wir nach einem

weiteren Halbmarathon auch irgendwann um

Mitternacht das belebte Stadtzentrum, in dem

mein Auto noch brav auf uns wartete. Für

heute verabschiede ich mich dann mit dem

Ohrwurm des Abends: „Hooligans, Lech

Poznań Hooligans“.


Bis zum Wochenende hatte ich Kate jetzt eine

fußballfreie Zeit versprochen, da musste ich

mich als treusorgender Fastehemann dann

leider auch dran halten. Unsere weitere Route

führte uns über Mostar und die Buna-Quelle

nach Montenegro, immer begleitet von

traumhaften Ausblicken auf die spektakuläre

Landschaft. Im Radio hatte es sich mittlerweile

ausgehitlert, dafür waren Bob, der streunende

Kater, und sein paranoider Besitzer unsere

Begleiter für die nächsten Kilometer. Nun ja…

Aber mal eine ganz andere Sache. Ich bin ja

bekanntlich kein großer Freund dieses

technischen Fortschritts. Dadurch verlieren

viele Sachen ihren Reiz (wenn alles mit einem

Klick verfügbar ist oder man sich alles von

irgendeiner Maschine vorkauen lässt), werden

schnelllebig und vor allem verlässt man sich

viel zu sehr auf die Technik, vom ganzen

Stressfaktor des ständig Erreichbarseins mal

ganz abgesehen. Trotzdem ist mir natürlich

bewusst, dass das alles auch viel einfacher

macht und ebenso natürlich hänge auch ich zu

oft in der virtuellen Welt fest. Die Frage ist jetzt

sicherlich, warum ich das erzähle? Also, da gibt

es diese App, genennt „Maps me“, so eine

Navigationsapp. Im Prinzip eine praktische

Sache, gerade im Stadtverkehr oder wenn man

zu Fuß unterwegs ist, wirklich hilfreich, das will

ich ja gar nicht absprechen. Aber wenn uns

diese App entgegen aller Straßenschilder einen

nur von Kühen benutzten Feldweg in Richtung

bosnisch-montenegrinischer Grenze entlang

lotst, da ist das wieder so ein Zeichen, dass

man auch mal auf seinen Verstand hören sollte.

Gut, jetzt sollte man denken, man lernt daraus

und fährt beim zweiten Versuch nach

Schildern, aber denktste. Da kommt maps me

mit einem weiteren Vorschlag um die Ecke.

Diesmal war die Straße sogar geteert und am

Horizont ließ sich eine Schranke, mehrere

Fahnenmaste und ein Grenzhäuschen

ausmachen. Als wir dieses erreichten und dem

Grenzer unsere Pässe überreichten, bekamen

wir jedoch nicht den lang ersehnten Stempel

reingedrückt, sondern ein viersprachiges

Infoblatt, das uns in gebrochenem Deutsch zu

erklären versuchte, dass der Übergang nur von

Einheimischen genutzt werden konnte. Ergo

durfte ich den Sinner-Express zum

wiederholten Male wenden, woraufhin wir den

dritten Versuch auf meine Art machten. Kurze

Zeit später hatten wir dann auch

montenegrinischen Boden unter den Reifen.

Diese Navis, nur Ärger mit denen. Da muss ich

glatt nochmal daran danken – und sorry für den

Schwank in meine Vergangenheit – als uns ein

solches technisches Wunderwerk einst bei

Maribor eine Skipiste (!) hochjagen wollte, nur

um uns ein paar Tage später in irgendeinen

dunklen, unbefestigten kroatischen Bergwald

zu locken. Um die damalige Geschichte aber zu

einem versöhnlichen Ende zu bringen: Dadurch

ergab sich immer eines der, wenn nicht sogar

das, Highlight meines bisherigen Lebens,

sprang uns doch leibhaftig eine Bärenmutter

samt Nachwuchs vor die Haube und machte es

sich neben uns auf der Straße bequem. Hach,

memories in the corner of my mind…

Damit aber auch mal wieder zurück zum

Tagesgeschäft.

Wegen unserer Irrfahrt durch die Grenzregion

gerieten wir logischerweise auch unter

zeitlichen Druck, denn als wir endlich

Montenegro erreichten, hatte sich das

Firmament schon in ein bedrohlich wirkendes

Abendrot verwandelt, das kurz darauf in

tiefschwarze Nacht übergehen sollte.

Spätestens da wussten wir, wieso in den

Reiseführern vor Fahrten bei Dunkelheit

gewarnt wird. Gegenverkehr ohne Licht auf

unbefestigten Serpentinenstraßen, die mit

fußballgroßen Schlaglöchern ausgestattet

waren, ließen das Fahren zu einer

Herausforderung werden. Nur gut, dass wir bis


zu unserem Tagesziel im Durmitor

Nationalpark noch eine dreistellige

Kilometerzahl wegzuschrubben hatten.

Glücklicherweise besserten sich die

Straßenverhältnisse und wir landeten kurz

vorm Nervenzusammenbruch doch noch

erschöpft in unserem super gemütlichen Bettel

für die heutige Nacht. Noch schnell in der lauen

Sommernacht ein Bier in Verbindung mit Kippe

auf dem Balkon konsumiert, und so konnte der

Tag doch noch versöhnlich zum Abschluss

gebracht werden.

Bestens ausgeschlafen wagten wir uns am

Morgen danach an die Erkundung des Tara-

Canyons. Dabei handelt es sich um die tiefste

Schlucht Europas, bis zu 1.300 ragen die

Felswände in die Höhe. Wir wollten uns dieses

Schauspiel natürlich bei einer Rafting-Tour

vom lediglich 7°C kalten Wasser aus

anschauen. Absolut überwältigend, was die

Natur hier mal wieder geschaffen hatte. Das

türkisene Wasser schlängelt sich durch

senkrechte Felswände, hier und da am Rand

ein Wasserfall und hinter jeder Kurve neue

fantastische Ausblicke. Dazu machte das

paddeln einen unfassbaren Spaß, zumindest

bis zu dem Punkt, an dem Kate meinte, dass ihr

nicht mehr so ganz gut ist. Kurze Zeit später

hatte sie dann auch den ersten oralen Auswurf

erledigt, nach dem vielleicht 15. (ungelogen)

waren wir endlich wieder an unserem Auto

angekommen und konnten uns auf die Suche

nach einem Arzt machen. In Zabljak fanden wir

dann endlich auch ein Krankenhaus, auf dem

Weg hierher hatte ich es kurzzeitig wirklich mit

der Angst zu tun bekommen, als Kate immer

weiter kotzte und proportional dazu an

Körpertemperatur verlor. Besagtes

Krankenhaus machte dann von außen eher den

Eindruck eines in den 70er-Jahren verlassenen

Bauernhofes, von innen sah es dafür dann auch

nicht viel vertrauenerweckender aus. Aber half

ja alles nix, eine andere Möglichkeit gab es

nicht. Umso erstaunter waren wir, als die mehr

oder weniger zufällig erspähte Ärztin ein

lupenreines Englisch sprach. Und nachdem sie

Kate zwei Literampullen Kochsalzlösung in die

Venen gejagt hatte, konnten wir die Ruine

halbwegs gesund wieder verlassen. Obwohl wir

ursprünglich noch einen Tag hier oben in der

Natur bleiben wollten, hatten wir aber genug,

so dass wir unsere Ärsche gleich darauf

Richtung Beograd in Bewegung setzten. Wie

eigentlich zu jeder längeren Autofahrt in

diesem Urlaub könnte ich jetzt wieder über die

atemberaubende Landschaft schwärmen, am

schönsten war aber zu sehen, wie es Kate

minütlich besser ging. Als wir dann schon weit

nach Mitternacht Beograd erreichten, war sie

soweit auch wieder hergestellt. Hier scheine

ich mich inzwischen auch ganz gut

auszukennen, da ich uns diesmal ohne Navi

durch diverse Seitengassen zum anvisierten

Hotel kutschierte. Das einzige Problem

bestand jetzt nur darin, dass dieses Hotel

natürlich kein Zimmer mehr für uns frei hatte

(wir hatten erst ab dem Tag danach reserviert).

Aber da hatte ich ja noch den Notnagel für

solche Fälle im Petto: Auf zum Hotel Slavija!

Das artete dann zwar nochmals in einem

weiteren Gewaltmarsch aus, dafür kam auch

Kate einmal in den Genuss unklimatisierten

Ostblockcharmes. Gibt sicherlich

angenehmeres in einer Nacht, in der das

Quecksilber die 30°C Markierung nicht

unterschreitet (ebenfalls ungelogen), aber das

war uns egal, wir wollten nur noch schlafen.

Der Schlaf war insofern auch wichtig, da wir am

folgenden Tag mit exakt 26,08 zu Fuß

zurückgelegten Kilometern unseren aktuell

gültigen Schrittzählerrekord aufstellen sollten.

Nach dieser Tortur für unsere Sohlen kam am

frühen Sonntagabend die kurze Auszeit in

Form von passiver Fußballaktivität gerade

recht.


OFK Beograd – FK Crvena Zvezda 2:6

3.000 Zuschauer (2.500 Gäste)

1. Liga Serbien, So. 19.07.2015

Damit wurden wir auch Zeuge des ersten

Saisonspiels des roten Sterns. Zwar war für sie

in der Vorwoche mal wieder in der

Qualifikation zum Europacup Schluss (diesmal

nach zwei Niederlagen gegen Kairat Almaty),

für die serbische Meisterschaftsrunde hatte

man sich aber einiges vorgenommen. Für den

Rundenauftakt sollte man im ganz kleinen

Derby bei OFK zu Gast sein. OFK trägt seine

Heimspiele immer noch im Exil im Stadion

Obilic aus, das eigentlich die Heimatstätte des

FK Obilic ist, übrigens der einzige Verein neben

Partizan und Zvezda, der nach 1992 die

jugoslawische bzw. serbisch(e) (-

montenegrinische) Meisterschaft gewinnen

konnte. Für uns war der Austragungsort vor

allem aus logistischen Gründen von Vorteil, da

sich unser sehr schnuckeliges Hotel in

unmittelbarer Fußdistanz befand. Dass wir

jedoch mal wieder nicht von einem kurzen

Spaziergang reden konnten, offenbarte sich,

als wir am Stadion natürlich genau auf der

falschen Seite ankamen. Und wie das halt so

ist, wenn man eh schon keinen Bock mehr hat

zu laufen und der Anpfiff unaufhaltsam näher

rückt, muss man dann auch noch um einen

ganzen Häuserblock schlendern, um den für

uns vorgesehenen Eingang zu erreichen. Und

hier stellte sich Madame Ordner quer und

wollte uns erst nach einer intensiven Leibesund

Tascheninspektion das imaginäre

Drehkreuz passieren lassen. Wenn es nach ihr

gegangen wär, hätten wir ihr unseren

kompletten Hausrat samt Inhalt der

Geldbörsen aushändigen sollen. Also kurz

Retour, unser Hab und Gut vergraben, und

einen neuen Versuch gestartet. Außer der

Anzahl an Kaugummis gab es jetzt nichts mehr

zu monieren. Und dieses Problem wurde

gelöst, indem Kate einfach alle demonstrativ in

den Mund nahm und zu kauen begann…

Aber dann waren wir endlich in dem lediglich

auf den beiden Längsseiten bebauten

Konstrukt drin - glücklicherweise gerade noch

pünktlich, bevor der Unparteiische (als ob…)

das Spiel für eröffnet erklärte. Für Delije stand

die komplette Gegengerade und ein Eckblock

auf der Haupttribüne zur Verfügung, die sie

auch komplett füllten. Auf Heimseite war von

so etwas wie organisierter Stimmung nichts zu

erkennen, von der führenden Gruppierung

Plava Unija (Blue Union 94) war außer einigen

Tattoos und T-Shirts nichts zu sehen.

Ansonsten ist die Geschichte des Spiels schnell

erzählt. Nachdem Kate und ich es uns auf den


Betonstufen gemütlich machten, begann ein

Sturmlauf der favorisierten Gastmannschaft.

Chance auf Chance und plötzlich führt OFK zur

Halbzeit mit 2:0. Wie, wusste keiner so genau,

vor allem nicht wir, da wir hauptsächlich damit

beschäftigt waren, eine Sitzposition zu finden,

in der unsere Prachtärsche nicht ganz und gar

gegrillt wurden. Und dabei saßen wir schon im

Schatten, ich will gar nicht wissen, wie heiß die

Stufen in der Sonne waren.

Delije machten derweil das, was sie am besten

können. Trommeln, singen und zündeln, dass

ich alle Schmerzen und Juckreize an meinem

Sitzfleisch ausblendete und Kate wie wild

Fotos knipste und wie schon in Sarajevo

attestierte, dass auch die ganz schöne Deebes

machen. In der zweiten Hälfte ließen sich

davon wohl auch die Spieler anstecken und

netzten mal so ganz nebenbei sechsmal ein,

wodurch man sich bereits am ersten Spieltag

die Tabellenführung sicherte. Ach war das

schön, den roten Stern wieder in Aktion zu

sehen. Und ach was war das so übel, den roten

Arsch abends im Spiegel zu sehen. Das waren

sicherlich schon Verbrennungen zweiten

Grades. Ich würde euch ja gerne das

schockierende Beweisfoto präsentieren, aber

Kate hat mir die Veröffentlichung strikt

untersagt ;-)

Damit war das Kapitel Beograd auch mal

wieder für den Moment beendet, am

folgenden Tag beförderte ich unsere feurigen

Hinterteile ebenso feurig nach Skopje Skopje

Mi Skop. Bis auf eine kleine, leider von uns zu

spät bemerkte Abzocke beim Wechselgeld an

der Grenze (wird kein Euro gewesen sein, aber

da geht’s dann halt auch ums Prinzip) verlief

die Fahrt dank gut ausgebauter Straßen auch

relativ zügig und wir konnten uns ganz von

Mazedoniens Hauptstadt flashen lassen.

Die Stadt am Fluss Vardar hat eine sehr lange

und wechselhafte Geschichte, was man auch

an verschiedenen historischen Bausubstanzen

sehen kann. Ein Aquadukt aus römischer Zeit,

die mittelalterliche Burg Kale, die osmanische

Altstadt und kommunistische Funktionsbauten

bieten ein wechselhaftes Stadtbild. Wie in ganz

Mazedonien ist auch die Bevölkerungs- und

Religionsstruktur ziemlich durchmischt. Daraus

folgt, dass Straßenschilder großteils

dreisprachig sind (mazedonisch, kyrillisch und

albanisch), wobei auffällig ist, dass die

albanische Bezeichnung sehr oft

durchgestrichen ist. Immer wieder kommt es

auch zu Konflikten zwischen mazedonischer

und albanischer Bevölkerung. Am Auffälligsten

im Stadtbild sind aber die Auswirkungen des

umstrittenen Projektes „Skopje 2014“. Hierbei

wurden zwischen 2010 und 2014 aus

Steuergeldern finanzierte Prachtbauten aus

dem Boden gestampft, dass man das Gefühl

hat, man ist im alten Rom. Riesige Statuen,

opulente Gebäude, ja, sogar ein

Triumphbogen. Es sieht aus wie in einem

Freizeitpark.

Nach so viel Kitsch und visuellem Overkill


mussten wir tags drauf mal wieder in die Natur.

Dazu wurde dem direkt vor den Toren Skopjes

liegenden Matka-Canyon ein Besuch

abgestattet. Auch hier paddelten wir über das

türkisblaue Wasser, diesmal hatte Kate auch

keinerlei Probleme, ihren Mageninhalt bei sich

zu behalten. Nachdem wir dann auch noch um

den halben Canyon gewandert waren, wurde

es auch langsam Zeit, in Richtung Hauptakt

des heutigen Tages aufzubrechen. Während

wir uns von dannen machten, kamen immer

mehr Einheimische, um hier ihre Freizeit zu

verbringen. Teilweise war das schon

beängstigend, wie diese sich in die Fluten der

natürlichen Wildwasserbahn stürzten, nach

einem Riesenspaß sah es jedoch allemal aus.

Sollte uns aber egal sein, wir mussten zum

Stadion, wo das zweite mehr als brisante Spiel

der CL-Qualifikation stattfinden sollte.

FK Vardar – APOEL Nikosia 1:1

22.540 Zuschauer (150 Gäste)

CL Qualifikation, Di. 21.07.2015

Am Nationalstadion Filip II Makedonski war

schon zwei Stunden vor Spielbeginn die Hölle

los, was für mich in Anbetracht der

normalerweise

vorherrschenden

durchschnittlichen Zuschauerzahl von weniger

als 1.000 doch recht überraschend war.

Trotzdem war die Ticketbeschaffung kein

Problem, und nachdem wir dieses, ein frisches

Getränk sowie eine Riesenpackung Nüsse in

unseren Händen hielten, konnten wir in aller

Ruhe die Ankunft des Komiti Corteos

betrachten. Gut, Ruhe ist vielleicht

untertrieben, die Böller machten schon ganz

schön Lärm, die angestimmten Gesänge und

Hüpfeinlagen wirkten hingegen eher wie eine

Show für die schaulustigen Voyeure. Trotzdem

überzeugte alleine schon die schiere Menge an

meist jugendlichen Leuten. Scheinbar wurde

für heute alles mobilisiert, was halbwegs laufen

konnte. Machte auf jeden Fall schon mal Lust

auf mehr. Aus dem Stadion selbst hallten auch

schon einige lautstarke Unmutsbekundungen

nach außen, was für uns dann auch das Signal

war, möglichst bald unsere heute

glücklicherweise etwas kühleren

Sitzmöglichkeiten aufzusuchen. Diese

eingenommen, staunten wir nicht schlecht,

waren doch lediglich auf den Hintertorseiten

noch freie Plätze auszumachen, womit sich für

hiesige Verhältnisse utopische 22.000

Zuschauer in der heutigen

Veranstaltungsstätte eingefunden hatten. Auf

einer dieser Hintertorseiten nahmen wir in

unmittelbarer Nähe zum Gästeblock auch

Platz, uns gegenüber befand sich der

Stimmungskern rund um Komiti Skopje und

Konsorten. Hinter der riesigen Komiti Fahne

fanden sich gut und gerne 2.000 Leute ein

(auch hier nochmal: Das allein ist ein Vielfaches

des normalen Zuschauerschnitts), von denen

ein kleineres Kommando – leider noch vor

unserer Anwesenheit – bereits den Gästesektor

attackiert und eine Fahne erbeutet hatte. In


eben diesem trollten sich nur enttäuschende

knapp 150 Ausgeburten der Hölle. Da hätte ich

aufgrund der Brisanz, der Wichtigkeit und auch

der Menge dieser komischen Gestalten, die wir

vor zwei Jahren in Frankfurt begrüßen durften,

doch etwas mehr erhofft.

Zur Brisanz des Spiels an sich müssen ja keine

großen Worte verloren werden. Beide

Fanszenen offenkundig nationalistisch bis

rechts. Auf der einen Seite die pro-griechischen

Jungs aus Zypern, auf der anderen die Ur-

Mazedonier. Rührt man dazu noch den Konflikt

zwischen Griechen und Mazedoniern um die

Region Makedonien, hat man eine explosive

Mischung vorliegen. Zusätzlich konnten nach

dem 0:0 im Hinspiel auch sportlich noch beide

Teams auf das wichtige Weiterkommen

hoffen. Somit war auch von Anfang an Feuer in

der Bude. Auf den Tribünen überwogen (groß-)

mazedonische Flaggen, im Komitiblock wurde

ganz balkan-like geklatscht, geschrien und

gehüpft, der Gästebereich hielt mit seinen

Möglichkeiten dagegen. Leider konnte

größtenteils das Tribünenpublikum nicht

erreicht werden, aber gerade wenn im

Gästeblock eine Griechenlandfahne gezeigt

wurde, rastete alles aus. Auf dem Platz zeigten

beide Mannschaften, dass sie nicht zur

europäischen Elite gehören, und die

Anfangseuphorie bei Zuschauern und Spielern

wich bald einer kleinen Ernüchterung aufgrund

der mangelnden spielerischen Möglichkeiten.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs ließ Komiti

eine Blockfahne wandern (Vardar Fan, der

einem APOEL-Clown den Kopf abgeschnitten

hatte), zündete dazu einiges an Rauch und

Böllern, das ganze Stadion stieg ein, bei mir

breitete sich ein Grinsen aus – und genau dann

drückt APOEL mit dem 0:1 auf die

Stimmungsbremse. Fuck. Davon sollte sich das

Spiel bis in die Endphase auch nicht mehr

erholen. Zum Ende wurde nochmals eine

riesige Fahne Groß-Mazedoniens präsentiert,

dazu einiges gezündelt/verbrannt und auch auf

dem Spielfeld fiel in der Nachspielzeit der

Ausgleich. Zum fehlenden zweiten Treffer

wollte der Ball die entscheidende Linie jedoch

nicht noch einmal überschreiten. Schade,

schade, dennoch gingen wir nach Abpfiff ganz

zufrieden nach Hause. Lautstärkemäßig zwar

nicht der Oberhammer, die unerwartet vielen

Zuschauer haben sicherlich einige Dezibel

geschluckt, Spaß gemacht hat’s trotzdem.

Am Folgetag führte uns die Route auf quasi

direktem Wege über die bestausgebaute

Autobahn der ganzen Tour durch den Kosovo

(mit kurzer Rastpause in Prizren) nach

Albanien. Hier veränderte sich der

Straßenbelag recht schnell hin zu einer besser

ausgebauten Schotterpiste, auch die alle 100

Meter stehenden Gedenkstellen an Opfer des

Straßenverkehrs veranlassten die

einheimischen Autolenker nicht unbedingt

dazu, vom Gas zu gehen oder bei

Gegenverkehr ausnahmsweise mal nicht zu

überholen. Trotz mehrerer kritischer Momente

kamen wir unversehrt an der Grenze an. Hier

noch gut 1,5 Stunden in der prallen Sonne

verbracht, dabei ständig die gimmelnden

Gypsy-Familien im Nacken gehabt, und schon

waren wir wieder in Montenegro.

Am frühen Nachmittag erreichten wir unser

Domizil im Badeort Petrovac. Hier eine kurze

Katzenwäsche eingeschoben, und ruckizucki

befanden wir uns auf dem Weg zum Strand.

Das ließ meine Gefühlslage gleich in doppelter

Hinsicht in Wallung geraten, bin ich doch zum

Einen eine absolute Wasserratte (irgendwie ein

komischer Begriff…) und halte u.a. mich in die

Wellen zu stürzen für eine meiner absoluten

Kernkompetenzen, zum Anderen war es aber

auch ein ganz pragmatischer Grund, da quasi

direkt neben dem Strand am Abend ein

weiteres CL-Quali Spiel angepfiffen werden


sollte. Am Meer ließ es sich dann auch ganz

hervorragend aushalten, auch wenn ich

eigentlich nicht so der Fan von Kieselstrand bin

und das Wasser sehr ruhig war. Trotzdem ein

herrliches Stückchen Erde und das Planschen

machte uns beiden überragenden Spaß. Da

könnte man sich wahrhaftig dran gewöhnen:

Mittags ins Meer stürzen, abends Fußball. Das

erinnerte doch wieder ganz stark an die

legendären Europapokalfahrten vor auch

schon wieder zwei Jahren. Europacup – I’m

missing you. Und noch viel mehr

Flashbackgedöns stellte sich mit Blick auf die

heutige Gastmannschaft im Spiel

Fk Rudar Pljevlja - Qarabağ FK 0:1

1.400 Zuschauer (paar offizielle Gäste)

CL Qaulifikation, Mi. 22.07.2015

ein. Gestern APOEL, heute Qarabağ, ich

könnte jetzt stundenlang über die

Auswärtsfahrten im Spätsommer 2013

schwadronieren, aber das ist nicht Kernthema

dieses Textes, also bleiben wir wohl oder übel

bei der Gegenwart.

Im Rückspiel zur CL-Quali bekam es heute also

der Meister Montenegro mit seinem Pendant

aus Aserbaidschan zu tun. Das roch schon im

Vorfeld nach allergrößter Fußballästhetik. Den

Erwartungen entsprechend endete das

Hinspiel nach einem wahren

Offensivfeuerwerk beider Teams auch mit

einem torlosen Remis. So war wenigstens

sportlich für Spannung gesorgt, auf der

Tribüne konnte man damit jetzt nicht

unbedingt rechnen. Die allerspannendste

Frage betraf jedoch den Austragungsort.

Solltet ihr beim Lesen der Spielpaarung den

Atlas zu Rate gezogen habt, dann ist euch

vielleicht aufgefallen, dass das Städtchen

Pljevlja mal ganz gepflegt am anderen Ende

Montenegros liegt. Wenn ihr den Informer zu

Rate gezogen habt, habt ihr vielleicht auch

gesehen, dass das städtische Stadion Pljevljas

mal locker die vielfache Kapazität des heutigen

Austragungsortes, der eigentlich nur ein

besserer Sportplatz war, besitzt. Nach

Rückfrage beim Verein wurde mir erklärt, dass

das eigentliche Stadion jedoch keine UEFA

Zulassung erhalten hat, die Alternative in

Podgorica (hier fanden in den letzten Jahren

die internationalen Spiele statt) zu groß und zu

teuer war, so dass mit Petrovac

vorliebgenommen werden musste. Mir war es

gerade aus den angesprochenen Badegründen

vor Anpfiff ja recht ;-)

Von Vereinsseite wurde auch ein Transport für

die Zuschauer angeboten, so dass sich das

Stadion (Tribüne auf einer Längsseite, ein paar

wenige Stufen hinter dem Tor, sonst nix) doch

recht gut füllte. Gab sogar einen kleinen

Stimmungskern, viel zu jubeln hatten diese

jedoch nicht, da die Gäste aus Bergkarabach

nach einem verdienten 1:0 Sieg in die nächste

Runde einzogen, wo allerdings gegen Celtic

Schluss war.

Schluss war dann auch für uns mit dem

fußballerischen Rahmenprogramm des

diesjährigen Sommerurlaubs. Bis zur Ankunft

im schönen Hessenlande ein paar Tage später

hieß es jetzt jeden Tag die Küste etwas


hochzufahren, einfach zu halten, wo es uns

gefiel, um in kristallklaren Buchten zu baden

oder den ein oder anderen Game of Thrones

Drehort zu kreuzen. Diese Adriaküste ist

einfach ein wunderschönes Fleckchen Erde.

Warum allerdings Montenegro in der

deutschen Reisebranche als Geheimtipp

angesehen wird, konnte mir jetzt noch

niemand abschließend erklären. Oder gilt in

Russland Mallorca, respektive der Ballermann,

als Geheimtipp? (Ö)

G

Saisonvorbereitung

ude… Die fußballlose Zeit zog sich fast bis

ins Unendliche und so war klar, dass einer

der Testkicks unserer magischen SGE

angesteuert werden sollte. Da konnte man

relativ schnell, relativ viel, schnell abhaken,

sodass für mich nur noch der Testkick gegen

Leeds United blieb. Danach machte ich mich

auf die Suche nach geeigneten Mitfahrern,

wobei sich dann schlussendlich nur Einer

erbarmte. Drumherum schneiderte ich noch

ein nettes Rahmenprogramm.

Am 21.07. morgens sollte es in Richtung

Alpenrepublik gehen. Über BlaBlaCar wurden

noch zwei Mitfahrer zwecks

Kostenreduzierung klar gemacht und

schwupps, saß unser asiatischer Freund ab

Hanau bis München bei uns in der Kiste.

Angegeben hatte ich mittleres Gepäck, was der

Asiate aber etwas freier interpretierte und

einen riesigen Koffer sowie 3 (!) Taschen

mitbrachte. Na dann hoffen wir mal, dass der

Kollege, der in Nürnberg zusteigt, wenig bis

gar kein Gepäck hat und am besten noch

Liliputaner ist. Die Fahrt verlief relativ

unspektakulär und staufrei, sodass wir in

Nürnberg pünktlich den zweiten Mitfahrer

einladen konnten. Dieser hatte – Gott sei Dank

– nur einen kleinen Rucksack dabei und war

relativ gechillt. In München wurde unser Asiate

nahe Arroganz Arena endlich an die bayerische

Landeshauptstadt übergeben. Das Stück

München nach Salzburg zog sich dann doch

mehr als gedacht. Kurz in die City und dann auf

nach Eugendorf, wo am Abend der Testspiel-

Knaller steigen sollte.

In dem Dörfchen angekommen, trieb uns der

Hunger in eine sehr ansehnliche Wirtschaft, in


welcher wir uns unter die schon anwesende

Inselbewohner mischten. Diese hatten um die

Mittagszeit schon ganz gut Dampf auf dem

Kessel und hielten sich mit Bier und Wodka-

Fanta bei Laune. Wir orderten eine Lasagne

mit Beilagensalat und erstmal was für den

Flüssigkeitshaushalt. Als die Lasagne kam,

dachte ich erst, dass es eine überdimensionale

Creme Brulee wäre. Es stellte sich dann doch

raus, dass es eine sehr gute Hackfleischlasagne

war. Gesättigt und noch jede Menge Zeit,

füllten wir in einem kleine Supermarkt unsere

Getränkevorräte auf und fuhren relativ zeitig

zum Ort des Geschehens des heutigen Abends.

Dort sah es anfangs recht professionell aus, mit

einem Eingang für Frankfurt und einem

Eingang für Leeds Anhänger. Doch dies war

dann nur zu Kontrollzwecken und am Ende

watschelte jeder dahin, wo er wollte. Die Zeit

bis zum Spiel wurde dann mit sinnlosem

Gefasel und dem ein oder anderen Getränk

bzw. Würstchen überbrückt.

Wie gewohnt, wird das Spiel selbst

verschwiegen, daher wird an dieser Stelle die

Zeitmaschine genutzt, wodurch wir uns bereits

am Abend nach dem sehr ereignisreichen Kick

befinden.

Das Hotel wurde in Fluchtrichtung Salzburg –

Villach gebucht, da am nächsten Tag die

Weiterreise nach Villach anstand. Innerhalb

einer guten halben Stunde kam man in St.

Koloman an und checkte im Hotel „Goldener

Stern“ ein. Uns wurde sofort etwas zu Essen

angeboten und die Belegschaft war sehr

zuvorkommend. Außerdem waren die Zimmer

sehr geräumig und ließen keine Wünsche

offen. Nach Hendl und zwei Halben wurde der

Matratzenhorchdienst angetreten.

Galatasaray SK – Celta de Vigo 2:1

1.000 Zuschauer

Testspiel in Villach, Mi. 22.07.2015

Nach einem - für 3 Sterne-Verhältnisse -

ausreichenden Frühstück wurden die Hühner

gesattelt und Villach angesteuert. Auf der

Strecke von Salzburg nach Villach gibt es

übrigens einen Tunnel, der nicht bei der Maut

inklusive ist. So war man auf halber Strecke

wieder ein paar Euro ärmer und einen plagte

die Gewissheit, dass man durch das Ding

wieder zurück muss. Da schwillt einem der

Kamm und man würde die Mautstation am

Liebsten in die Luft jagen, aber man wurde ja

frühzeitig sozialisiert. Da frag ich mich aber,

warum sich die Österreicher über deutsche

Mautpläne beschweren (wollen). Vögel!

Durch vorherige Recherchen war klar, dass im

Raum Villach einer der vielen Badeseen

angesteuert werden muss. Also mir war das

klar, Nino, dem wasserscheuen Kerlchen, nicht.

Die Zeit bis zum Einchecken und zum

abendlichen,

internationalen

Freundschaftskick musste irgendwie

überbrückt werden. Die Wahl fiel dann auf den

Ossiacher See, an welchem eines der vielen

Strandbäder angesteuert wurde. In der

Mittagssonne wurde erstmal ein schönes,

kaltes Radler genossen, um sich danach etwas

im See abzukühlen. Während ich im See weilte,

war Nino damit beauftragt, die Tretbootpreise

abzuchecken und bei Gefallen eines

klarzumachen. Als ich aus dem kühlen Nass

empor stieg, wedelte Nino schon mit unserer

Eintrittskarte in die Tretbootkapitänwelt. Am

Steg angekommen, empfing uns ein

österreichischer, in die Jahre gekommener

Möchtegern-David Hasselhoff, der uns seinen

Fuhrpark schmackhaft machte. Die Wahl fiel


auf ein gelbes, VW-Käfer-ähnliches Tretboot,

ausdrücklich ohne Rutsche (berechtigte Frage

der Korrektur: Warum keine Rutsche???). Zu

Diskussionen kam es noch, wann wir das Boot

wieder angeben können/sollen und wie wir

über die Abgabezeit informiert werden

könnten, da wir weder Handy noch Uhr dabei

hatten. Lange Rede, kurzer Sinn, David

Hasselhoff verpasste dem Boot einen Tritt und

schwups, ging sie los, die wilde Fahrt. Natürlich

ohne Übereinkunft, wo man die Uhrzeit

ablesen könnte etc. Nach den ersten Metern

machte das Tretboot schon außergewöhnlich

laute Geräusche, die aber nach gegrantelter

Anweisung von David „Macht’s Wasser auf die

Bolzen! Die Bolzen! - Das Schwarze!“ - Danke

David – wieder verebbten. Jetzt lief es und wir

sahen vor, in Richtung eines Kirchturms mit

Ziffernblatt zu fahren, damit wir eine Uhrzeit

hätten, um uns etwas zeitlich zu orientieren.

Bis zu besagtem Kirchturm traten wir uns

durch das Wasser. Am Kirchturm auf der

anderen Seite angekommen, waren ca. 15 bis

20 Minuten vergangen. So konnte man

einigermaßen einschätzen, was man noch so

treiben kann. Ich wollte auf jeden Fall von

unserem Bott mal in den See springen.

Gedacht, getan und Krampf im Fuß, was

während dem Schwimmen eher nicht so geil

ist. Wieder zurück im Boot, traten wir eine

große Runde, um dann wieder bei David unser

Boot abzugeben. Wir parkten perfekt ein, der

Kollege versuchte das Boot festzumachen, was

weniger gut gelang, wodurch er im Wasser

landete. Kommentar: „Jetzt hat’s mich den

Sommer des erste Mal ins Wasser g’haun!“

Also noch ne einmalige Sache miterlebt.

Klasse! Dann wollte er uns noch ein zweites

Mal abkassieren, was aber wohl dem

überraschenden Bad geschuldet war. Noch

einen Tipp für alle Tretbootfahrer: Falls

motorisierte Boote in der Nähe von euch

Wellen machen, am besten frontal zu den

Wellen stellen und nicht parallel, das kann böse

ausgehen. Zum Ossiacher See kann man

allgemein sagen, dass dieser eine klasse Lage

hat, inmitten von Bergen mit türkisblauem

Wasser. Außerdem ist er nicht zu groß oder zu

klein, optimal halt. Für mich der perfekte See,

um im Sommer den wichtigen Aktivitäten

nachzugehen – schwimmen, Boot fahren, Bier

trinken, dumm rumliegen etc. Es gibt

ausreichend Strandbäder zur Wahl, man hat

also die Qual der Wahl. Sechs Wochen später

wurde mir dann auch noch bewusst, dass es

wohl rund um den See irgendwo einen Blitzer

geben muss ;-)

Da die sportlichen Tätigkeiten für den Tag

abgeschlossen waren, ging es ab in Richtung

Villach, wo zur Nahrungsaufnahme ein

größerer Spar auserkoren wurde, in dem man

sich beim Bäcker und Metzger versorgte. Die

erste Ration Almdudler wurde auch eingepackt

und die Unterkunft angesteuert. In Villach fiel

die Wahl dann auf die Jugendherberge.

Kriterium: Preis! Die Jugendherberge kann

man durchaus empfehlen. Sauber, geräumig

und für den Preis mehr als annehmbar. Etwas

irreführend ist, dass die Jugendherberge aus

zwei Häusern besteht. Eines vorne mit der

Hausnummer 28, in dem man die ganze Zeit

wartet, wenn man seine Buchungsbestätigung

nicht richtig liest, die einem mitteilt, dass die

Rezeption im hinteren Gebäude mit dem „A“

hinter der 28 beheimatet ist.

Zimmer bezogen, kurz abgelegt nach der

sportlichen Betätigung und dann zwei Stunden

vorm Kick von der Unterkunft in Richtung

Stadion in Marsch gesetzt.

Am Stadion realisierten wir, dass man zwar ein

Ticket kaufen konnte, aber das Stadion bis eine

Stunde vor Spielbeginn geschlossen bleiben

sollte. War so nicht geplant, da wir ganz schön

Hunger hatten und mich u.a. der Bierdurst

trieb und in Stadionnähe nichts Brauchbares


ausgemacht werden konnte, um dem

Linderung zu verschaffen. Na ja, also wieder

das gemacht, was wir am Besten können –

abgegammelt. Pünktlich eine Stunde vor

Spielbeginn öffnete man den ungeduldigen

und vor allem mit mir hungrigen Meute das

Tor. Nach einer kurzen Durchsuchung ging es

in das ansprechende Villacher Rund, zu dem es

zu sagen gibt, dass nur die Haupttribüne

geöffnet war, welche mit Sitzschalen

ausgestattet, doch zu gefallen wusste.

Ansonsten bestand der Ground aus einer aus

Holzplanken und Stahlrohr

zusammengezimmerten Stehtribüne und einer

riesigen Laufbahn, die bestimmt mit der im

Berliner Olympia-Stadion konkurrieren kann.

Hier hatte man sich aber im Gegensatz zu tags

zuvor entsprechend auf die

„Menschenmassen“ vorbereitet und Bauzäune

zur Absperrung installiert, sowie genügend

Ordner bereitgestellt. War von der

Aufmachung schon etwas professioneller als in

Eugendorf. Nachdem wir uns einen Platz nahe

der Futter- und Suffstelle besorgt hatten,

wurde sich um die Verpflegung gekümmert.

Das witzige war, dass wir zum zweiten Mal -

nach Eugendorf - auf einem Sportgelände

waren, wo es wieder Döner gab. Gut, bei der

Ansetzung des heutigen Kicks noch

nachvollziehbar, aber es zog sich wie ein roter

Faden durch das kulinarische Angebot auf den

Sportplätzen. Davon abgesehen weiß ich

natürlich nicht, ob dies im regulären

Spielbetrieb genauso ist. Nachdem wir endlich

mit Speis und Trank eingedeckt waren, konnte

man sich mal anschauen, was so alles an

Publikum einlief. Meistens türkische Familien,

die ihren Idolen vor der Haustür huldigen

wollten. Später lief dann noch ein 30 Mannstarker,

supportwilliger Haufen an Gala-Leuten

ein. Dies gelang über den gesamten Abend

gesehen so lala. Herrlich war, als die Türken

den allseits beliebten Mallorca-Klassiker von

Jürgen Milski schmetterten. „Lu-lu-lu-lukas

Poldolski“ hallte nicht nur einmal durch das

Rund – bin mal gespannt, ob das in der Türk

Telekom Arena genauso präsent sein wird.

Apropos Lukas Podolski: Heute durften wir

seinem Debüt beiwohnen. Kurz vorher von

Arsenal an den Bosporus gewechselt, wollte er

gegen Vigo eine erste Arbeitsprobe

abgegeben. Bei der später verlesenen

Aufstellung war dann klar, dass alle Augen auf

den Neuzugang gerichtet sein würden, da

Trainer Hamza Hamzaoglu ansonsten eher die

zweite Reihe aufbot. Die erste Reihe lief in

Gang-Manier ins Stadion ein. Kopfhörer auf,

Basecaps in alle Himmelsrichtungen oder, wie

Wesley Sneijder mit Stil, einfach einen Pullover

locker um die Schultern. Diese nahmen dann

rechts der Bank auf extra aufgestellten Stühlen

Platz und schauten ihren Kameraden beim

abendlichen Gekicke zu.

Endlich ertönte der Anpfiff und ein

ansehnliches Spiel begann. Beide

Mannschaften gingen engagiert zu Werke, was

der Referee so wohl nicht erwartet hatte. Die

Spanier traten bald auf alles was sich bewegte

und Lukas Podolski konterte dies wie gewohnt

bei seinem Gegenspieler mit einer 1A-

Backpfeife. Geiler Einstand für sein erstes

Spiel. Die Backpfeife blieb, so wie das ganze

Getrete, ohne Folgen und so wurde munter

weiter gekeult. Ab und an kam es sogar zu

ansehnlichen Spielzügen. Alles in allem muss

man aber sagen, dass die Türken das

diszipliniertere Team waren und die Spanier

mit lamentieren und treten beschäftigt waren.

Scheint nicht das einzige Spiel gewesen zu

sein, was die Spanier in der Vorbereitung

aggressiv bestritten, gegen Ingolstadt gab es

wenige Tage später einen Spielabbruch, wie es

auch für Galatasaray das gleiche Ende beim

nächsten Testspiel gegen Udine geben sollte,

was aber dort den Fans geschuldet war. Als der

Schiedsrichter zum Abpfiff trötete, waren alle

Beteiligten sichtlich erleichtert, dass sie


überlebt hatten und verschwanden ohne große

Umschweife in der Kabine. Hieß dann für uns,

uns Richtung Unterkunft aufzumachen. Auf

dem Weg wurde noch der letzte offene Döner

angesteuert, um danach zufrieden ins Bettchen

zu fallen.

Wolfsberger AC – FC Shaktyor Salihorsk 2:0

6.400 Zuschauer (25 Bergmänner)

Europa League Quali, Do. 23.07.2015

Am Morgen wurde erstmal konsequent das

Frühstück verschlafen bzw. geopfert um der

Körperpflege-Willen. Nach dem Check-out und

der Besorgung eines alternativen Frühstücks

gondelten wir ins nahe Klagenfurt am

Wörthersee, wo es dann galt, die Zeit

totzuschlagen, also schon mal kurz am Stadion

vorbeigeschaut. Machte nix her, halt ein

funktionaler, europäischer Klotzbau. Bei der

Lage kann man davon ausgehen, dass das

Stadion ein kompletter Neubau für die EM war

und für die hiesigen Vereine natürlich

überdimensioniert ist. Dazu aber später mehr.

Nach der Begutachtung fuhren wir mal kurz

durch die Innenstadt um dann an den

Wörthersee zu fahren. Auto geparkt und

erstmal etwas flaniert, bis man sich dann in

einem Restaurant niederließ um mal im

Schatten ein Radler zu genießen. Wenn mein

Mitfahrer nicht so ein wasserscheues Etwas

wäre, hätte man sich schön in ein Strandbad

flezen können. So wurden noch etwas die Füße

platt getreten und die Promenade entlang

geschlendert. Danach wurde ein wenig die

andere Seite des Sees begutachtet und sich

zum Essen in ein ansprechendes Restaurant

begeben. Alles nur um die Zeit vor dem Anpfiff

totzuschlagen. So waren wird ann auch weit

vor Anpfiff in und am Wörtherseestadion und

konnten uns so den Parkplatz quasi aussuchen.

Das Stadion war selbstredend für ein solches

Spiel völlig überdimensioniert und so war nur

eine Tribüne geöffnet. Wir schauten die erste

Halbzeit im Oberrang und zogen später n den

Unterrang um. Bei dem Bumskick war es aber

eh scheiß egal, was man für eine Perspektive

hatte. Klar war nur, dass Dortmund mit

Wolfsberg quasi ein Freilos gezogen hatte. Der

Wolfsburger AC war schon mit das

Schlechteste, was man ziehen konnte, außer

Salihorsk hätte das Unmöglich wahr gemacht,

aber diese Bergmanns-Truppe hatte gerade

mal deutsches Verbandsliga-Niveau. Die

Ukrainer konnte man spielerisch ungefähr bei

der Anzahl ihres mitgereisten Fantrosses

einordnen. Anfangs waren nur 3 Gästefans im

Fanblock auszumachen, die Zahl schwoll

plötzlich noch auf 25 Schlachtenbummler an.

Dazu muss man aber noch sagen, dass sich die

Spieler der Bergleute im Gegensatz zur

Fananzahl nicht wirklich über die 90 Minuten

steigerten. Das Spiel war da eher ein

Geplänkel, was nur in eine Richtung ging, mit

sporadischen Nadelstichen aus der Ukraine.

Der Sieg der Wolfsburger war nie gefährdet

und bei der Bombenstimmung hatten die

Osteuropäer sicherlich mit schlotternden Knien

zu kämpfen. Der Schiri hatte irgendwann ein

Erbarmen und beendete den Rammel.

Für uns ging es schnurstracks zum Auto und in

Richtung Deutschland. Natürlich lief wieder

nichts nach Plan. Den Mitfahrgelegenheiten

sagte man nur ab. Auf die Frage, wieso es dann

doch im Internet steht und ich sagte, ich könne

es schlecht ohne Internet löschen, schlug mir

Unverständnis entgegen, aber gut, war mir

scheiß egal. 10 Minuten auf der Autobahn gab

es erstmal ein mächtiges Gewitter und man

kam nur noch mit 60 bis 80 km/h vorwärts. War


dann auch scheiß egal. In Deutschland, kurz

vor München, überkam mich die Müdigkeit und

ein Powernap wurde eingelegt. Es ging dann

recht zügig weiter, bis ich eine längere Pause

kurz vor Nürnberg ausrufen musste, aber ich

konnte die Augen nicht mehr offen halten.

Nach wenigen Stunden erholsamen Schlafes

sollte es dann weitergehen. Ist schon ein

Highlight, wenn man halb verpennt nach

draußen schaut, ein osteuropäischer Lkw-

Fahrer aus seinem Führerhaus steigt und ganz

trocken erstmal vor deine Tür kotzt. Guten

Morgen Deutschland! (E)

D

SPVGG Neckarelz – SV Spielberg 0:1

450 Zuschauer (70 Gäste)

Regionalliga, Sa. 01.08.2015

ie Saison der ersten Bundesliga ruhte

noch und so schaute ich mich um, was so

an einem Samstag machbar wäre. Heraus kam

wieder mal ein Inbegriff der Sinnlosigkeit, also

auf nach Neckarelz. Durch den idyllischen

Odenwald ging es mit dem eigenen Vehikel

nach Neckarelz. Ob der Kracherpartie fand sich

selbstredend kein spontaner Mitfahrer, was

auch dem geschuldet war, dass einige ihr

Kreuzchen hier schon gesetzt hatten.

Am Ground angekommen, enttäuschte dieser

dann doch ein wenig. Man erwartet ja bei solch

einem Regionalligisten nicht viel, aber die

ausgezeichnete Lage neben eine Bahntrasse

und der obligatorische Regionalliga-Zaun taten

zum Fußballgenuss ihr Übriges. Der einzige

Lichtblick war nach einer geschmacklich guten

Wurst noch der Kuchen. Zum Spiel bleibt nicht

viel zu sagen, außer, dass ich froh war, dass es

nicht torlos endete. Vom Niveau war es okay

und das Chancenverhältnis war relativ

ausgeglichen. Erwähnenswert war doch die

relativ hohe Anzahl an mitgereisten Gästefans,

die ich zwischen 60 und 80 schätzen würde. Für

den Verein und die Liga dann doch beachtlich

und nach dem Tor auch akustisch und optisch

wahrzunehmen.

Empfehlenswert ist dort, sich Karten für die

kleine, überdachte Tribüne zu besorgen, da

man dort diesen unsäglichen Zaun nicht im

Blickfeld hat und außerdem im Sommer im

Schatten verweilen kann. Nur sollte man dann

nicht erwarten, dass man sich setzen kann, da

die Eingeborenen jede Möglichkei -, z.B. die

Holzplanken (Sitzplätze) - nutzen, um zu

stehen. Mir war es relativ Hupe, ich ergötzte

mich an dem lauen Sommerwetter und den

Darbietungen auf dem grünen Geläuf.

Direkt nach Abpfiff machte ich mich auf zum

nächsten Kick. Einen größeren Abfahrtsstau

gab es dank dem vor Anpfiff gewählten,

ausgezeichneten Parkplatz nicht.

Bayern Alzenau – Teutonia Watzenborn 1:2

250 Zuschauer

Hessenliga, Sa. 01.08.2015

Zurück durch den Odenwald bis Alzenau und

dort relativ pünktlich aufgeschlagen, an der

Schlange vorbei und mit einem der vielen

Ausweise kostenneutral den Eingang passiert.

Bei der Bullenhitze genehmigte ich mir erstmal

eine Apfelschorle und versuchte erneut mit

einem der vielen Ausweise auf die

Sitzplatztribüne zu gelangen, was jedoch

scheiterte. Also kommen wir zum Ground, der

sich wie folgt darstellt: Ein besserer Sportplatz,


auf dem auf einer Seite mehrere Sitzplatz-/

Stehplatzstahlrohrtribünen Platz fanden und

auf der anderen Seite alles an einen normalen

Sportplatz mit normaler Barriere und den

Trainerbänken erinnerte. An sich für Oberliga

ganz nett, da man keine Laufbahn dazwischen

hatte. Nachdem ich schon, wie gesagt, am

ersten Ordner scheiterte, ging ich einfach eine

Tribüne weiter, um mich schlußendlich dort

ohne lästige Kontrolle auf den Sitzplätzen

niederzulassen.

Die gefürchteten Ultras/Fans des FCB waren

am heutigen Tag nicht zu vernehmen.

Irgendwelche wildgewordenen Teutonen, die

ich Watzenborn-Steinberg zuordnete,

trommelten ab und an mal mit aller Kraft auf

die Werbebande, was aber keinen Sinn ergab,

da es unabhängig von Spielverlauf und

irgendwelchem Support war, da neben dem

Getrommle manchmal nicht zuordenbare

Laute aus deren Mündern kamen. (E)

D

FC Basel – Lech Poznań 1:0

18.196 Zuschauer (1.000 Gäste)

CL Quali, Mi. 05.08.2015

ie Auslosung zur Champions-League

Qualifikation bescherte den Leckerbissen

FC Basel gegen Lech Poznań. So wurde kurz

mal rumgefragt, wie das Interesse im Umfeld

sei und dieses war dann doch sehr rege

(eigentlich wie immer). Als es dann an die

Kartenbestellung ging, war der Interessentenbzw.

Bestellerkreis auf zwei Personen

zusammengeschmolzen, welche dann mit Nino

und meiner Wenigkeit zu benennen waren.

Nino wurde mit dem Kartenkauf beauftragt

und ich stellte wieder mal den fahrbaren

Untersatz zur Verfügung. Karten gab es für 40

CHF auf der Gegengerade relativ mittig. Wenn

man vorher von dem weniger ausgeprägten

Interesse gewusst hätte, hätte man sich den

ein oder anderen Franken sparen können. Aber

gut, Spaß kost‘.

Treffpunkt am Spieltag war die gute, alte S-

Bahnstation am Bahnhof Sportfeld in Ffm und

gegen 15:30 war man relativ pünktlich auf dem

Highway in Richtung Basel. Die Fahrt verlief bis

Basel recht unspektakulär, an der Grenze

wurde man nur kurz gefragt, wo man hinwollte

und da die Maut umgangen werden sollte,

musste man auf die Bundes- bzw.

Landesstraße ausweichen. In Basel

angekommen, wurde es dann sehr

unübersichtlich. Nach vier bis fünf Fastunfällen

hatten wir wieder eine Peilung und waren auf

dem Weg in Richtung St. Jakobs. Man kann

sich dorthin relativ gut an dem

nebenstehenden Hochhaus orientieren und

muss immer wieder aufpassen, nicht auf der

Autobahn zu landen. Lief dann aber doch gut

und wir konnten mein Auto für weitere 5,- CHF

im Parkhaus am Stadion abstellen. Wir dachten

eigentlich, dass wir so früh da wären, um den

Einlauf der Polen noch zu sehen, aber

Pustekuchen. Als man eine brachiale

Lautstärke aus dem Stadion vernahm,

bewegten wir uns doch mal relativ zügig in

Richtung des Eingangs, um die Sache im

Stadion zu begutachten. War schon ein guter

Mob, der schon ordentlich angeflaggt hatte.

Vereinzelt wurden auch Polen zwischen

Schweizern auf der Gegentribüne gesichtet,

die in die Kategorie Fan einzuordnen waren

und somit nicht weiter auffielen. Die

Blockfahnen im Gästeblock trugen teilweise

einen Trauerflor, warum kann ich leider nicht

sagen (Anm. der Korrektur: Trauerlor für den

kurz vorher verstorbenen Wojtek "Młody"

Urbaniak, geschätztes Mitglied der Lech

Fanszene). Trotz der sichtbaren Trauer kannten


die Polen beim Support kein Erbarmen und

schmetterten einen brachialen Schlachtruf

bzw. Gesang nach dem anderen. Der

Heimblock enttäuschte ein wenig, zwar ein

grundsolider Auftritt, aber für das Spiel hatte

ich mir ein bisschen mehr erhofft. Was noch

anzumerken wäre, ist, dass der Heimblock fast

das gesamte Spiel oberkörperfrei war. Darin

hat sich mir der Sinn noch nicht ganz

erschlossen, ob dies ironisch gegenüber den

Polen gemeint war oder ob es den Jungs

einfach zu warm war. Wenn es jemand besser

weiß, wäre ich um eine Info dankbar. Der St.

Jakobs Park war dann doch recht spärlich

gefüllt, es fanden sich gerade einmal um die

18.000 Zuschauer für das Quali-Match ein.

Auch dies fand ich aufgrund der Brisanz und

Wertigkeit des Spiels etwas enttäuschend.

Kurz vor Anpfiff noch mal raus und ein

typisches Stadionmenü mit Wurst und Getränk

für um die 10€ verhaftet, was will man machen,

wenn einen der Hunger und Durst treibt?! Der

Preis, wie sollte es anders sein, auch

enttäuschend ;-)

Dies sollte sich dann beim Spielverlauf und -

niveau dann auch nicht wirklich bessern und so

schaute man sich einen schönen Graupenkick

an, bei welchem sich keiner der Teilnehmer für

die Champions-League empfehlen konnte.

Kurz vor Schluss fiel das 1:0 für das Heimteam,

was die Bude jetzt aber nicht zum kollektiven

Ausrasten brachte, sondern eher zu einem

Jubel ala „Okay, endlich, jetzt haben wir die

nächste Runde im Sack!“. Nach dem Auftritt

wunderte mich dann nicht wirklich, dass Basel

in der nächsten Runde die Segel streichen

musste. Trotzdem hat mich Basel bestimmt

nicht zum letzten Mal gesehen. Da man die

Kurve durchaus besser kennt, bisher jedoch nur

auswärts und bei einem Pokalfinale beurteilen

konnte, war daheim noch viel Luft nach oben.

Nach dem Kick ging es umgehend zum Auto

und zur Umgehung der Maut wieder durch die

Stadt um dann in Deutschland wieder auf die

Autobahn zu fahren. Die Heimfahrt verlief bis

auf ein McDonald’s Massaker von Nino (Anm.

der Korrektur: Also nix Außergewöhnliches.

Grüß dich Nino ;-) ) relativ unspektakulär. (E)

E

Shamrock Rovers – Bohemians FC 2:1

3.000 Zuschauer (500 Gäste)

1. Liga Irland, Sa. 05.09.2015

igentlich sollte an dieser Stelle eine

gewohnt präzise Berichterstattung zum

endlich gefallenen Länderpunkt Nordirland

stehen. Dieses Mal funkte anstatt eigener

Dummheit jedoch das Schicksal dazwischen.

Eine Woche vor der ursprünglich geplanten

Reise verstarb meine geliebte Oma nach

schweren letzten Wochen, einen Tag nach dem

eigentlichen Starttermin sollten wir ihr die

letzte Ehre erweisen. Selbstredend, dass dies

Vorrang vor einem etwaigen neuen LP hatte.

Auch wenn Du es da oben nicht lesen wirst, will

ich es an dieser semioffiziellen Stelle nicht

versäumen, nochmals „Danke“ für alles zu

sagen – stellvertretend für alle

Lebensweisheiten greife ich hier besonders die

Erkenntnis auf, dass Brathähnchen und

Apfelbrei genauso gut zusammen passt wie

Mohnköpfe (ich glaube, „Mohnkopf“ ist

oberhessisch und vor allem politisch korrekt für

Mohrenkopf, für die, die es nicht wissen) und

Brötchen. Grüß mir alle da oben, die ich kenne.

Wir sehen uns wieder (ich hab ganz schön

nasse Augen beim Schrieben dieser Zeilen…).


Damit auch genug der emotionalen Worte. Ich

hoffe, es stört sich keiner in dieser sonst eher

seichten Lektüre daran.

Da es jetzt aber auch nicht überraschend kam

und um den Kopf wieder frei zu bekommen,

traten Kate und ich das verlängerte

Wochenende in abgespeckter Form trotzdem

an. Lufthansa zeigte sich glücklicherweise

kulant was die Rückerstattung des ursprünglich

geplanten Fluges betraf, mit Meilen ließ sich

sogar ein Businees Class Flug auf der Heimreise

umtreten (eigentlich sollte hier „antreten“

stehen. Ich finde den Verschreiber aber gerade

so witzig, dass ich ihn einfach stehen lasse ;-) )

und nicht mehr benötigte Unterkünfte konnten

storniert werden, so dass sich der finanzielle

Verlust im absolut vertretbaren Rahmen hielt.

So schlugen wir dann samstags in Dublin auf.

Nach einem gemütlichen Stadtspaziergang

brachte uns der Bus zum etwas außerhalb

gelegenen Tallaght Stadium, Austragungsort

des heutigen Dublin Derbys. Zwischen den

vielen Vereinen und somit auch Derbys Dublins

gilt die heutige Paarung als das

Prestigeträchtigste und wird schlicht als Dublin

Derby bezeichnet. Das erste Mal trafen beide

vor exakt 100 Jahren 1915 aufeinander, womit

es auch der älteste Vergleich zweier noch

bestehender Dubliner Vereine ist. Bis in die

60er Jahre des letzten Jahrhunderts war die

Rivalität jedoch nicht sonderlich ausgeprägt,

der Hauptfeind der Rovers war zu dieser Zeit

Drumcondra F.C. Diese kamen wie die

Bohemians aus dem Norden Dublins, während

die Rovers ihre Basis im Süden haben, und

wurden in den 60ern aufgelöst. Erst daraufhin

wurde die Rivalität als neues Nord-Süd-Derby

intensiver und es entwickelte sich zum

heißesten Spiel Irlands, das es bis heute

geblieben ist. Zwar ist aus Tribünensicht

heutzutage das Spiel zwischen den Rovers und

St. Patrick Athletics mindestens ebenbürtig,

alleine schon, weil es hier die beiden ältesten

Ultragruppierungen Irlands gibt, dass die

heutige Begegnung aber dennoch eine ganz

besondere Angelegenheit ist, merkte man

gleich von Beginn an.

Zwar stehen beide Teams in der Tabelle auf

einem gesicherten Mittelfeldplatz, trotzdem

wurde um jeden Zentimeter gekämpft als

ginge es um den Abstieg. Die Spielweise

könnte man mit „rustikal“ umschreiben, was

einem Fußballunästheten wie mir natürlich

sehr entgegen kam. Das Publikum war nicht

weniger rustikal. Mittig auf der einen

Längsseite standen die heimischen SRFC

Ultras, in der Ecke auf der anderen Seite der

Gästepöbel, wobei Pöbel hier durchaus

wörtlich zu nehmen. Herrlich, diese aggressive

Grundstimmung und der fast schon

inflationäre Gebrauch übelster Beleidigungen.

Der Hass aufeinander war förmlich spürbar und

war wesentlich mehr, als ich erwartet hatte.

Wenigstens erfüllten unsere Sitznachbarn alle

Klischees: Dicke, pommesfressende Kinder mit


roten Haaren und Sommersprossen, begleitet

von ihren ebenso wenig ansehnlichen

Erziehungsberechtigten - als wären sie direkt

aus dem Souvenirshop importiert worden. Die

Pommes machten uns aber Lust auf

ebensolche, und für nur 4,50€ durften wir uns

auch Besitzer dieser schmackhaften

Kartoffelprodukte nennen. Und ich kann jedem

Freund der ungesunden Küche nur empfehlen,

diesen relativ großen Geldbetrag zu

investieren und die Variante „Käse-Knoblauch“

zu ordern. Ein Gedicht für den Gaumen

(eigentlich Fraß, aber ich fand’s geil), da

blendet man die bald einsetzenden

Magenkrämpfe bis zum Erscheinen eben dieser

erstmal gepflegt aus. Mit dem Pappkarton

Fritten in der Hand beobachteten wir dann

auch die Pyroshow der Gäste zur zweiten

Hälfte. Locker 20 Bengalos gingen in deren

Sektor an und sorgten für anerkennendes

Staunen, ist jetzt ja nicht unbedingt Usus in

hiesigen Gefilden. Auf dem Platz ging es auch

weiterhin gut rund. Nach dem Führungstreffer

der Bohemians standen plötzlich auch

Anhänger beider Vereine auf dem Rasen, so

dass sogar Ordner diese vor einem möglichen

Sprint auf die gegenüberliegende Seite

zurückhalten mussten. Nach dem

Ausgleichtreffer wiederholte sich dieses

Schauspiel nochmals, während es dazu jetzt

auch im Heimblock gut loderte. Leider

passierte danach bis zum Abpfiff nicht mehr

viel, vollends zufrieden waren wir jedoch

allemal. Das war mal wesentlich emotionaler

als erwartet, sogar optisch wurde etwas

geboten, Stimmung war auch annehmbar,

dazu ein flottes Spiel, Sonne und Fritten, und

schon ist der anspruchslose deutsche

Pauschaltourist glücklich.

Ein gutgemeinter Rat von mir an alle

Sparfüchse, die in Bath zu geizig (oder zu spät)

sind, um die römischen Bäder aus der Nähe zu

observieren: Die Sandsteinmauern sind echt

rutschig. An diesen von außen hochzuklettern

muss nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt

sein und kann durchaus zu immer noch

vorhandenen hässlichen Narben an den

Fingergelenken führen. Desweiteren lässt sich

konsternieren, dass Stonehenge ein neues

Besucherzentrum hat, man seitdem nicht mehr

direkt vorm Eingang parken darf, dafür aber

mehr Eintritt löhnen muss. Der Steinkreis bei

Avebury ist nicht weniger unspektakulär, dafür

aber wenigstens kostenfrei anschaubar.

Höhepunkt und eigentlicher Grund der Reise

war jedoch die Besichtigung Highclere Castles.

Wer es nicht kennt, es handelt sich dabei um

die Kulisse unseres innig geliebten „Downton

Abbey“. Hier durch den Park zu flanieren wie

Earl Grantham, die spätsommerliche Sonne zu

genießen und dabei den passenden

Soundtrack im Ohr zu haben war schon ganz

besonders magisch – auch wenn ich bei einigen

jetzt sicherlich wieder auf der Coolness-Skala

gesunken bin ;-) (Ö)

Gute Touristen waren wir dann auch für den

Rest des Wochenendes. Wir verlagerten unser

Domizil nach Swindon jenseits der Meerenge

und begaben uns auf große Sightseeing Tour.


Ede und die iberische Halbinsel

– Teil 1

S

panien – Ich hatte mir ja mal aus

verlusttechnischen

Gründen

vorgenommen, nie wieder nach Madrid zu

fahren. Na ja, dann kam die

Europapokalauslosung 2015/2016, ein glücklich

terminiertes Spiel der Primera Division und ein

günstiger Flug. Da war sie dann wieder, meine

herrliche konsequente Inkonsequenz, wohl das

Einzige, was konsequent bei mir ist. Da ich in

nächster Zeit weniger Möglichkeiten haben

sollte, Touren über das Wochenende zu

machen, war die Entscheidung dann schnell

getroffen. Noch mal kurz rundgefragt, ob

jemand Lust hätte, und so wurde mit Edino

sogar noch ein Mitfahrer gewonnen.

Am Abflugtag bin ich morgens aufgewacht und

fühlte mich als hätte mich ein Lkw überrollt.

Schuld waren dieser ominöse AMFG14 und ein

Getränk namens Bier. Zu allem Überfluss

musste ich in aller Regelmäßigkeit dem

Porzellangott huldigen. Positiv war nur, dass

der Flug erst gegen Abend ging. So döste ich in

der Wohnung vor mich hin und hoffte, dass

sich mein Zustand bessern würde. Es bleib

letztendlich beim Hoffen und so machte ich

mich mit etwas Verspätung auf zum Flughafen,

wo Edino schon warten sollte. Bei der

Sicherheitskontrolle wurde wohl sichtbar, wie

es um mich bestellt war, da ich freundlichst

gefragt wurde, ob ich etwas müde sei, worauf

ich nur erwiderte, dass es schön wäre, wenn ich

nur müde wäre. Die Sicherheitskontrolle

passiert, war wieder das obligatorische

Gammeln angesagt. Zwischenzeitlich presste

ich noch oral die letzten Säfte aus meinem

Körper und freute mich schon wie Bolle auf den

Flug, während dem es mir dann

seltsamerweise gar nicht mal so schlecht ging

und nach der Bordservice Cola und einem

ordentlichen Schluck Wasser war ich auf dem

aufsteigenden Ast. Der Flug lief unspektakulär,

aber ich kann nur jedem Madrid-Reisenden ab

FRA wärmstens empfehlen, den Flug mit Lan

Chile zu buchen. Super Preis in einem

Dreamliner, der keine Wünsche offen lässt. Für

einen Kurzstreckenflug ganz großes Kino. In

Madrid angekommen, ging es Richtung

Ausgang, vom Satellitenterminal eine halbe

Weltreise und gefühlt fast länger als der Flug.

Dort einen Kiosk ausfindig gemacht um mich

erstmal mit Aquarius (Elektrolythaushalt) und

Wasser zu versorgen. Ich war ja nach der

ganzen Odyssee während des Tages restlos

ausgedorrt. Ich kann nur anmerken, dass es

eine Schande ist, dass es Aquarius nicht in

Deutschland gibt. Das Getränk hat mich den

ganzen Spanien-Aufenthalt oben gehalten,

natürlich neben Bier. Die Metro brachte uns in

einer guten halben zu unserer persönlichen

Endstation, wo das Hostel durch meine

vortreffliche Vorrecherche ohne große

Umschweife gefunden wurde. Hier

angekommen, wurde recht zügig eingecheckt,

das Zimmer bezogen und die Äuglein

zugemacht.

Rayo Vallecano – Deportivo La Coruña 1:3

11.740 Zuschauer (1.000 Gäste)

1. Liga Spanien, Mo. 14.09.2015

Am ersten „richtigen“ Tag in Madrid wurde

erstmal konsequent das Frühstück verschlafen.

Ich frag mich zwar warum, aber ich hatte lange

nicht mehr so gut geschlafen, wie die drei

Nächte in einem 8er Zimmer, wo in der Nacht

sogar Leute ein- und auszogen. Mir war es aber


scheinbar relativ egal, gepennt habe ich in

Madrid super. Das Hostel Era Alonso Martinez

wusste sowieso zu überzeugen. Sauber,

freundliches Personal, für ein Hostel ein gutes

Frühstück (Anm. der Korrektur: Woher weißt Du

das? Du hast das doch jeden Tag verpennt),

verkehrsgünstig zwischen den Metro-

Stationen Alonso Martinez und Bilbao gelegen

und dafür preislich recht günstig. Klare

Empfehlung, wer mal ein Hostel in Madrid

sucht.

Etwas voreingenommen ging ich dann doch an

die Stadt heran, in der mein über alles

geliebtes Portemonnaie noch sein Dasein

fristen muss. Ich hatte ihn und vor allem seinen

Inhalt doch so gerne. Wegen dieser Schandtat

fehlt mir in meiner Eintrittskartensammlung

eine Saisondauerkarte der SGE, aber gut,

Schwamm drüber. Schauen wir uns das

Städtchen noch mal an und schauen, ob es

noch genauso beschissen ist, wie das letzte

Mal. Irgendwie muss ich meine Meinung etwas

revidieren. An sich ist die Stadt schon

annehmbar, auch wenn sie ein eher

unscheinbares Dasein unter Europas

Hauptstädten fristet. Das Einzige, wo Madrid

weit vorne ist, was Hauptstädte angeht, ist der

Fußball. Dort aber nur wegen der Erfolge der

Vereine und nicht, weil einen die Stimmung in

der Bude vom Hocker haut. Dazu aber später

mehr… Erstmal wurde das Touri-

Pflichtprogramm abgearbeitet. Königspalast

mit Park, Plaza de Mayor, Altstadtgässchen

inklusive Märkte, Fußgängerzone bzw. Puerta

del Sol und später noch ein größerer Park

oberhalb des Atocha-Bahnhofs mit reizvollen

Bauwerken. Nachdem das Programm

abgespult wurde, ging es kurz ins Hostel und

dann weiter Richtung Estadio del Rayo

Vallecano. Vorteilhaft ist eine Metrostation

genau vor der Spielstätte. Dort kurz die Lage

gecheckt, Edino hatte seinen obligatorischen

Pin in der Tasche und los zum Kartenkauf. Dies

stellte wie erwartet keine größeren Probleme

dar. So umrundete man das Stadion und ließ

sich in einer Cervezeria einer asiatischen

Familie in Stadionnähe nieder. Der Cerveza-

Preis für knapp über 3€ für den halben Liter

wusste zu gefallen, genauso wie die dazu

gereichten Tapas, die auf‘s Haus gingen (sollte

man in Deutschland mal einführen). Nur mal

die Auswahl, die wir nach und nach bereit

gestellt bekamen beim Trinken von drei Bier:

Weißbrot mit Käse bzw. Sardelle, Weißbrot

mit Schinken und größere Krabben, sagenhaft.

Je näher das Spiel rückte, umso mehr brummte

der Laden, wobei ich mich immer wieder frage,

wie man vor dem Spiel diese

Platzpatronenbiere trinken kann. Also 0,2 Liter

Flaschen finde ich schon etwas lächerlich. Die

Portugiesen sind aber, was das angeht,

genauso seltsam… Na gut, in dem Teil dann

schön die Zeit vertrödelt und ne halbe Stunde


vor Anpfiff in Richtung unseres Einganges

aufgebrochen. Ich kann euch sagen, auf dem

Boden von der Kneipe hat es ausgesehen wie

Polterabend nur ohne Scherben, aber

ansonsten eine schöne Sauerei. Aber lasst euch

gesagt sein, wenn man wissen will, wie gut

eine Kneipe in Spanien ist, soll man auf den

Boden schauen. Umso mehr Müll, umso

besser, weil nach Tem trinken eines Espressos

o.ä. einfach das Papierdeckchen vom Teller

gekippt wird. Da sammelt sich über den Tag

ganz schön was an.

Am Stadion angekommen, enterte man dann

relativ schnell den Ground (Anm.: Das macht

dann bitte 3,-€ ins Phrasenschwein bzw. die

Hopperkasse) und fand sich dann im Oberrang

der Gegentribüne wieder. Für die 25,-€

Ticketpreis ein guter Platz. Leider etwas

Deportivo La Coruña lastig, die dank des

Spielverlaufs durchgehend auf die Tube

drückten. Ob der Entfernung an einem

Montagabend werden einige Exilanten

anwesend gewesen sein. Meine Schätzung

liegt bei knapp vierstellig, da wir den Unterrang

nicht einsehen konnten, könnte dies etwas

schwanken. Nach 20 Minuten habe ich dem

örtlichen Caterer einen Besuch abgestattet. Es

ist unfassbar, wie viele Leute in Spanien noch

um die 20. Minute herum ins Stadion kommen

und sich auf den Weg in Richtung ihres Platzes

machen. Die beiden Hamburgesas konnten

sich hingegen für Stadionverhältnisse durchaus

sehen lassen. Mit fortschreitender Spielzeit

wurde dann klar, dass das hochgelobte Rayo

heute eine Art Boykott machte. Von der

einzigen Tribüne hinter einem Tor blieb der

Support über die gesamt Spielzeit aus. Nur ein

Spruchband schmückte den Block für kurze

Zeit, welches ich aber Dank meiner

rudimentären Spanischkenntnisse nicht

interpretieren konnte. Das Spiel an sich hätte

für Support von Heimseite außer Gepöbel auch

nicht viel hergegeben. Deportivo war die

gesamte Zeit das spielbestimmende Team und

Rayo fiel nur durch Unzulänglichkeiten und

einer gelb-roten Karte des Deutschland-

Legionärs Maximilian Ebert auf. So endete der

Kick dann gerechterweise 3:1 für die

Auswärtsmannschaft. Kurz vor Ende wieder

faszinierend, wie viele Leute das Spiel

zwischen der 75. Und 80. Minute schon

verließen. Unmittelbar nach Abpfiff taten wir

es diesen gleich, verließen den Ort des

Geschehens und bewegten uns in Richtung

Metro. Schlauerweise hatten wir unsere

Rückfahrttickets schon vorher gelöst.

Empfehle ich jedem wärmstens. Und so ging es

dann Ruckzuck an den Bahnsteig, wo wir die

Metro um Sekunden verpassten und dann zehn

Minuten warten mussten. Der Zug war

überschaubar gefüllt und so kam man relativ

entspannt am Alonso Martinez wieder an. Wir

ließen den Abend bei entspannten Cervezas

ausklingen um später vom grandiosen

Christiano Ronaldo zu träumen.

Real Madrid – Shakhtar Donetsk 4:0

66.389 Zuschauer (eine Hand voll Gäste)

Champions League, Di. 15.09.2015

Matchday. Wieder mal wurde ausgiebigst

gepennt. Ich glaube, ich habe auf solchen Trips

noch nie so lange und gut geschlafen wie in

Madrid, obwohl eigentlich alle Faktoren

dagegen sprachen, aber irgendwie ging’s. Da

wir wieder mal das Frühstück verschliefen, ging

es dann in einen Laden, in dem man Chicken

Wings, Pommes mit viererlei Saucen und ein

Bier für unter 5,- Euro bekam. So war man nach

einem späten Frühstück satt und schaute sich

noch etwas das Städtchen an. Nach dem man


durch die Stadt gebummelt war und alles

Wichtige gesehen hatte, nahmen wir einen

Platz in einer Kneipe ein und taten das, was wir

am Besten können. Einfach mal ein paar

gepflegte Bier schütten und ein paar Calamaris

verhaften. Noch immer begeistert vom

Bierpreis in der spanischen Hauptstadt, traten

wir rechtzeitig den Weg in Richtung des

königlichen Stadions an, wo mit einem

weiteren großen Bier noch etwas die Zeit

verkürzten und eine Stunde vor Spielbeginn

der Ground geentert (Anm.: die Kasse füllt

sich…) wurde.

Im Bernabeu sollte man natürlich schon mal ein

Spiel gesehen haben. Alleine durch das

Ansehen und die Geschichte des Vereins ist

dies ein Muss. Beim letzten Madrid-Aufenthalt

sahen wir hier zwar keins, machten aber eine

Museums-Tour, welche schon zu beeindrucken

wusste. Alleine, wenn man mal vor Augen

geführt bekommt, welche Kapazitäten schon

das königliche Leibchen überstreifen durften,

wird einem warm ums Herz. Doch wie bei fast

allem waren die alten Zeiten dann doch etwas

netter und die Kicker aus meiner Sicht größere

Charakterköpfe als die, die jetzt in der Primera

Division und der Champions League für die

Madrilenen gegen den Ball treten. Alleine ein

paar meiner Jugendhelden, z.B. Zinedine

Zidane, Davor Suker oder auch Roberto Carlos,

waren dort vertreten. Genug der Geschichte,

heute ging es um Punkte in der Gruppenphase,

wobei in der Gruppe die klaren Favoriten mit

Real und PSG zu nennen sind. Shakhtar und

Malmö werden eher eine untergeordnete Rolle

spielen, da muss man kein Prophet sein.

Stimmungsmäßig habe ich nach meinem

Besuch beim Erzrivalen aus Barcelona nicht

viel erwartet und wurde dahingehend nicht

überrascht. 0815 immer mal was angesungen

und ein paar Leutchen mitgesummt oder

sporadisch die Lippen bewegt. Angekommen

ist da aber nix. Die Menge rastete lediglich aus,

wenn CR7 zum Freistoß antrat. Der

Geräuschpegel erinnerte dann stark an das

Ende der 90er Jahre, wenn Boygroups die

Bühne betraten. Mit Fußball hat das herzlich

wenig zu tun. Was das Kerlchen aber am Ball

kann und macht, ist dann schon wieder ein

anderes Kaliber und dem muss man als

Fußballfan schon mal Respekt zollen.

Das Spiel verlief erwartungsgemäß. Das weiße

Ballett war tonangebend und ging nach einer

halben Stunde durch Benzema in Führung. Die

Einseitigkeit wurde auch noch durch eine gelbrote

Karte kurz nach der Halbzeit auf Seiten

der Ukrainer unterstützt. Fünf Minuten später

entschied der Unparteiische aufgrund eines

Handspiels auf Strafstoß für die Heimelf. CR7

ließ es sich nicht nehmen und versenkte diesen


zum 2:0. Phänomenal, wie der Junge dann

abgefeiert wird, war doch bisher wenig bis gar

nix von ihm zu sehen. Unterstützt wird die

Toransage noch mit dem „Ronaldo-Ü“ -

nachdem der Vorname durch den

Stadionsprecher angesagt wird, antworten und

die Fans mit dem Nachnamen plus „Ü“. Das

„Ü“ ist das, was Ronaldo mal bei der

Weltfußballerwahl von sich gab und keiner

wusste, was es bedeuten soll. Wurde in Madrid

gnadenlos übernommen und nach jeder Bude

gepflegt von sich gegeben. Die Scheiße musste

man sich beim 3:0 (auch Handelfmeter) und 4:0

geben nochmals geben. Insgeheim hatte ich

nach dem zweiten Handelfmetertor auf einen

Handelfmeter-Hattrick gehofft, welcher uns

aber leider verwehrt blieb. An sich gab es bei

Stadion und Spiel keine großen

Überraschungen. Das Ding sollte man schon

mal gesehen haben, für um die 32,-€ inkl.

Gebühren war es preislich auch verkraftbar.

Vom Stadion zurück machten wir die Meter per

Pedes. Dies sind bis in die Innenstadt gut 40

Minuten zu laufen, abhängig davon, wo man

halt hin muss. Aber den Spaß in der Metro wie

in Barcelona wollte ich mir nicht geben und das

Stadion in Madrid ist weitaus näher der

Innenstadt als in Barcelona. In der Nähe des

Hostels angekommen, wurde sich noch mit

dem Nötigsten versorgt und dann ging es

schon ab in die Falle, um sich auf die morgige

Reise nach Valencia vorzubereiten.

Valencia CF– Zenit St. Petersburg 2:3

28.005 Zuschauer (200 Leningrader)

Champions League, Mi. 16.09.2015

Nachdem Auschecken und einem kleinen

Frühstück fuhren wird mit dem spanischen ICE,

gegen Mittag an die Küste nach Valencia. War

der Himmel in Madrid noch zugezogen und

ließ ab und an ein paar Tröpfchen auf den

Boden prasseln, wurde es, je näher wir der

Küste kamen, immer wärmer und die Wolken

waren zum größten Teil verschwunden. So

betrug der Temperaturunterschied zwischen

Landesinnerem und Küste um Valencia fast

zehn Grad. War dann aber nicht weiter

schlimm, außer dass ich noch für Madrider

Wetterverhältnisse gekleidet war. Die Kleidung

wäre an sich kein Thema gewesen, wenn man

sich nicht sofort verlaufen hätte, da man die

Karte falsch interpretierte und den falschen der

beiden Bahnhöfe als Ausgangspunkt annahm.

Nach konfusem Hin- und Herlaufen waren wir

nach einer halben Stunde auf dem richtigen

Weg. Auf den ersten Metern in der Innenstadt

Valencias wusste diese sofort zu überzeugen.

Überragende Gebäude, die sich

architektonisch sehen lassen konnten und mit

dem blauen Himmel im Hintergrund eine

sensationelle Kulisse boten. Nach einigen linksrechts

bzw. rechts-links Kombinationen waren

wir dann am Hostel angelangt. Das River

Hostel lag am ehemaligen Flussbett der Stadt

Valencia. Der Fluss wurde irgendwann mal um


die Stadt herumgeleitet, weil er entweder

wenig bis gar kein Wasser führte oder im

schlechtesten Fall zu viel Wasser und dann die

komplette Innenstadt landunter meldete. So

beschloss man, den Fluss außen herum zu

leiten und das Flussbett zu begrünen. Diese

Maßnahme wusste durchaus zu gefallen. Das

River Hostel machte dann auch einiges her.

Personal in Gestalt einer netten, blonden,

polnischen Schönheit, sowie saubere Zimmer

und Bierzapfanlage inkl. Snacks galt es als

Pluspunkte zu vermerken, welche dann auch

fast alle einer ordentlichen Prüfung unterzogen

wurden. Allgemein gibt es zu Valencia zu

sagen, dass die Preise für Essen und Getränke

im humanen Bereich und etwas unter dem

deutschen Preisniveau liegen. Der Tag wurde

mit Bier trinken bis zum Spiel vertrieben und

mit Hilfe eines Spaniers, der keinen Brocken

Englisch konnte, fanden wir dann das Stadion

auf der anderen Seite des Flusses. Aus meiner

Sicht einer der geilsten Stadionbauten, den ich

seit Langem gesehen habe. Extrem steile

Tribünen, nur teilweise überdacht und dann

noch die farbliche Gestaltung der Sitzschalen.

Einfach mein Ding. Obwohl das Stadion nur

gut zur Hälfte gefüllt war, war es

stimmungstechnisch bisher das Beste, was ich

Spanien gesehen habe. Atletico Madrid liegt

schon etwas zurück, aber da wird es

zwangsläufig auch nicht so der Knaller

gewesen sein, da am Ende eine

Heimniederlage zu Buche stand. Vor allem als

Valencia dann im Begriff war das Spiel noch

mal zu drehen bzw. noch etwas Zählbares zu

holen, war das Stadion im Aufruhr. Jedes

vermeintliche Zeitspiel oder jede Verletzung

wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert

quittiert. Hierbei sei an die spanische

Spielweise erinnert, welche sich schlagartig

ändert, wenn es zu deren Gunsten etwas zu

schinden gibt. Das Spiel an sich war auf gutem

Niveau und wir bekamen fünf Tore zu sehen,

machte echt Spaß. Nach Abpfiff ging es direkt

zurück ins Hostel und am nächsten Tag über

Madrid wieder zurück in die Heimat.(E)

A

Hallescher FC – Rot-Weiss Erfurt 2:1

8.022 Zuschauer (500 Gäste)

3. Liga Deutschland, Di. 22.09.2015

lter!

Das dürfte dann wohl der meistbenutzte

Ausdruck meinerseits während der Hinfahrt

gewesen sein. Für was holt man sich eigentlich

eine Bahncard und freut sich auf einen

Nachmittag gespickt von schönster

Eisenbahnromantik, wenn einem zuerst mal

wieder eine kurzfristige Spielverlegung und

dann mein bester Freund, sprich die Deutsche

Bahn, einen Strich durch die mittlerweile viel

zu hohe Rechnung machen will.

Dabei war der Plan so simpel wie genial. Dank

Sparpreis und Bahncard-Rabatt kam ich in den

Genuss recht günstiger Zugtickets, die sogar

zeitlich genügend Puffer für einen lockeren

Moonwalk hin zum Stadion bis zum Anpfiff um

20:15 ließen. Dass zwei Tage vor Spielbeginn

eben jener aus fadenscheinigen Gründen mal

so mir nichts, dir nichts um Einskommafünf

Stunden nach vorne verlegt wurde, konnte im

angeblich so durchorganisierten Deutschland

ja niemand ahnen. Ich gebe unverfroren zu,

dass mir die von mir als fadenscheinig

titulierten Gründe nicht bekannt sind, ich

unterstelle aber böswillig, dass sie genau das

waren. Aber vom Fluchen und Schimpfen allein

hat sich ja noch keine Liga komplettiert, also

einfach eine Stunde früher Feierabend

gemacht und einen Zug eher bestiegen, auch

wenn das so die Kosten für die Anreise mal


locker verdoppelte. Und spätestens am Gleis in

Fulda war dann meine Laune auch

antiproportional zu den gestiegenen

finanziellen Aufwendungen kurz vorm

Bodenkontakt. Da wurde mir doch tatsächlich

eine 40minütige Verspätung angezeigt. In

Anbetracht dessen, dass das Zeitfenster für

meinen geplanten Moonwalk (wie komm ich

eigentlich die ganze Zeit auf Moonwalk? Lief

gerade Michael Jackson im Radio oder was?)

durch die Umbuchung eh schon ziemlich in sich

zusammengefallen war, hatte ich das

rechtzeitige Erscheinen zum

Spieleröffnungspfiff bereits jetzt schon

abgeschrieben wie die Jungs in der Schule

früher in Französisch bei mir. Nee, ich hab

ernsthaft drüber nachgedacht, wieder kehrt zu

machen und mir zu Hause einen runterzuholen

(Kate war im Urlaub, zur Info ;-)), großartige

Hoffnung, meinen Anschluss in was-weiß-ichwie-das-Kaff-hieß

zu bekommen, hatte ich eh

nicht. Und trotzdem war da dieser innere

Automatismus, der einen wie ferngesteuert

doch wieder in den Zug Richtung Osten steigen

ließ. Würde schon irgendwie gut gehen.

Tatsächlich erreichte ich just in time die größte

Stadt Sachsen-Anhalts (ist das so? Oder hat

Magdeburg mehr? Dürfte sich nicht viel geben,

oder?) und da das Geld jetzt eh egal war, ich

zeitlich dafür wieder mit etwas Glück im Game

sein könnte, wurde kurzerhand noch die

örtliche Taximafia mit einer druckfrischen 10€-

Note unterstützt. Immer noch über fünf

Minuten bis Anstoß und ich stand tatsächlich

vorm Stadion. Also auf, schnellen Schrittes zu

dem für meine Eintrittsberechtigung

vorgesehenen Eingang und rein in die hässliche

Bude. Ich hatte diesen Gedanken noch nicht zu

Ende gedacht, da wurde mir vom

Ordnungsdienst bewusst gemacht, wie schnell

der Schritt wirklich werden musste. Den

Fingerzeigen und Erklärungen zu Folge,

musste ich einmal um das ganze Areal inkl.

irgendwelcher Trainingsplätze rum. Ist klar –

warum sollte auch mal etwas glattgehen? Aber

auch hier gilt, lamentieren führt zu nix, also

Brust raus und in bester Michael Johnson

Manier den 400m Weltrekord gejagt und

tatsächlich pünktlich irgendeinen Sitzplatz in

der – ich wiederhole mich hier sehr gerne –

hässlichen Bude eingenommen: Kippe an und

aufs Spiel konzentrieren. Die Frage war nur,

was war hier wieder los? Kein Spieler auf dem

Platz, keine Betreuer auf der Bank und der

Stadionsprecher sabbelte irgendwas von

Anpfiff 15 Minuten später? Hätte ich mir den

ganzen Taxi- und Sprintscheiß sparen können?

Will mich eigentlich alles verarschen? Viele

Fragen, eine Antwort: Ja!

Das Spiel fing dann aus mal wieder

fadenscheinigen Gründen (mir wurde

irgendwas von Diskussionen mit dem

Ordnungsdienst über Mindestlöhne erzählt. Ich

halte diese Erklärung aber einem reichlich

verwirrtem Hirn entsprungen…) tatsächlich mit

einer Viertelstunde Verspätung an. Im

Endeffekt aber auch egal, hinten raus hatte ich

genug Zeit. Vom Spiel selbst war ich dann auch

recht positiv angetan. Ich würde dies mit den

Worten „ein wirklich schöner Fußballabend“

zusammenfassen. Eine sehr gut beflaggte

Heimkurve und gute Laustärke bildeten den

Rahmen für ein kampfbetontes und sehr

chancenreiches Gebolze. Ich hab durchaus

schon Schlechteres gesehen, so ehrlich muss

man sein, man kann schließlich auch nicht alles

schlecht reden. Die Liedauswahl der Kurve

gewinnt zwar sicherlich keinen Kreativcontest,

kam aber trotzdem gut rüber. Selbiges Attest

stelle ich auch dem Gästeblock aus, in der

zweiten Hälfte wurde sich gar analog zur

Leistungssteigerung auf dem Rasen zu „Rivers

of Babylon“ in einen Rausch gesungen, was

mein Füßchen doch das ein oder andere Mal

mitwippen ließ. Doch, hat Spaß gemacht.


Und damit dann mal zu einem anderen Thema

und einer dieser absolut negativen

Ausgeburten des modernen Fußballs bzw. der

modernen Stadiongastronomie: Die verfickte

Bezahlkarte. Der Versuch meines Wurstkaufes

spielte sich in etwa wie folgt ab: Herr Ösch

geht als einziger Kunde zum Grillmeister,

ordert seine gewünschte Fleischware und

möchte dafür dem Herrn am provisorischen

Kerbtischtresen 2,50€ in Münzen in die Hand

drücken. Hätte dieser jetzt die ihm

angebotenen Devisen angenommen, wäre

unser Handel an diesem Punkt erledigt

gewesen und ich hätte mich wieder dem

Treiben auf Rasen und Rängen widmen

können. Aber hätte hätte Fahrradkette, er

akzeptierte nur Kartenzahlung. Also drehte

sich besagter Herr Ösch einmal um die eigene

Achse, um am anderen Ende der Tribüne eine

dieser furchtbaren Karten zu erwerben. Clever

wie er ist, lud er nun genau 2,50€ auf, machte

die Rechnung jedoch ohne das Kartenpfand.

Alter…Nochmal zwei Euro mehr drauf, wieder

um die eigene Achse gedreht und zurück zur

Kerbbank, wartete dort auch schon seine

leckere Wurst im Brötchen auf ihn. Genau

zweimal beißen und kauen dauerte es, bis er

wieder an der Kartenausgabe ankam, um sich

hier das Pfand zurückerstatten lassen:

Nachdem dann auch diese bürokratische

Aktion zur vollsten Befriedigung (für wen auch

immer) zu Ende gebracht wurde, konnte er

endlich wieder seine mittlerweile erkaltete

Plastikschale in Beschlag nehmen und die

mickrigen Reste seines Abendessens genießen.

Wenigstens war es lecker. Zusammengefasst:

Anstatt einfach eine Wurst zu kaufen, was

weniger als eine Minute gedauert hätte,

musste ich dreimal sinnlos hin und

hermarschieren und hab dafür annähernd fünf

Zeigerumdrehungen benötigt. Und jetzt erklär

mir nochmal einer den Vorteil dieser Dinge für

den Kunden (Geil, das war jetzt ein halbseitiger

Exkurs über einen Bratwurstkauf – auch

irgendwie gestört).

Bis zur Abfahrt meines Nachtzuges hatte ich

dann noch ausgiebig Zeit, die ich mit einer

Dönerverköstigung (lecker und günstig) und

der Feststellung, dass der Weg vom Stadion

(übrigens, falls noch nicht erwähnt, eine

hässliche Bude) zum Bahnhof doch länger als

gedacht ist, gut überbrückte. Auf der

romantischen Zugfahrt durch die ostdeutsche

Prärie, die sich als dunkler als die

vorbeiziehende Nacht entpuppte, durfte ich

den beruhigenden Geräuschen meiner

Abteilungsgenossen lauschen: Der Kollege

neben mir kann wohl für gewöhnlich nur

schlafen, wenn er Aggro-Rap auf voller

Lautstärke hört; der Kollege gegenüber nur,

wenn er diverse Biere intus hat und der letzte

leidet wohl komplett unter Schlafstörung.

Anders kann ich mir zumindest nicht erklären,

wieso er die halbe Fahrt über telefonieren

musste. Herrlich, da wurde mal wieder jedes

Klischee bedient. Trotzdem wurde ich um 4:00

Uhr des Nachts in Ffm Süd relativ unzerstört

auf den Bahnsteig ausgespuckt, bevor mich die

letzten paar läppischen Kilometer meiner

17stündigen Odyssee quasi auf direktem Weg

ins Büro brachten. Bevor ich dort jedoch

meinen Rechner hochfuhr, genoss ich noch

ausgiebig die Vorzüge von Duschräumen in der

Firma. Und ich sag‘s euch: Wenn man so völlig

übermüdet morgens in der Firma duscht und

sich dann auf der Toilette die Zähne putzt,

kommt man sich vor, als wär man zu Hause

rausgeflogen ;-)

Nach einem nur minimal verkürzten Arbeitstag

war dann um 15:oo Uhr auch endlich Schicht im

Schacht und ich befand mich schon wieder von

diesem inneren Automatismus angetrieben in

Matzes Auto auf dem Weg nach Schalke, wo

die SGE allerdings wie erwartet für kein Happy

End dieser Geschichte sorgte. (Ö)


Urlaub Part 2

U

rlaub. Endlich.

Irgendwann im Laufe des Jahres tauchten auf

einem dieser Schnäppchenportale Flüge nach

Costa Rica und Panama auf. Da wir dort schon

immer mal hinwollten, überlegten Kate und ich

nicht lange und schlugen so schnell zu wie ich

es normalerweise nur bei

Mitfahrgelegenheiten zu irgendwelchen

Derbys täte – wenn diese mal jemand anbieten

würde…

Wer jetzt jedoch irgendwelche

Bumsgeschichten aus dem romantischen

Liebesurlaub erwartet, der wird ebenso

enttäuscht werden wie die Freunde der

ekstatischen lateinamerikanischen Fußballbegeisterung.

Ornithologen hingegen dürften

die folgenden Zeilen sicherlich sehr

aufmerksam verfolgen.

Der erste Vogel, mit dem wir es zu tun

bekamen, war einer aus der Flotte von Air

Canada, der uns von Amsterdam nach Toronto

beförderte. Hier hätten wir dann auch schon

fast einen Notfallplan für den weiteren

Reiseverlauf erstellen müssen, da der zweite

Vogel – diesmal ein menschlicher, ebenfalls zu

Air Canada gehörend – uns in der Schlange am

Check In Schalter trotz mehrmaligem

Nachfragens nicht sagen wollte, dass wir

eigentlich unter gehörigem Zeitdruck standen.

War nur so halb angenehm, als die Dame am

Schalter uns eröffnete, dass der Check In für

unseren Flug schon geschlossen wäre. Das

Gute an Kate und mir ist ja, dass wir uns prima

ergänzen und immer einer die Contenance

bewahrt. Diesmal war es erstaunlicherweise

Kate. Während ich schon kurz vorm Ausrasten

und feinster Pöbellaune war, konnte Kate das

Problem mit all ihrer Diplomatie klären,

wodurch unser Gepäck dank eines

Sondertransportes doch noch mit nach San

José fliegen durfte. Die Frage war nur, durften

wir das auch? Die Zeit bis zur Schließung des

Gates war eigentlich schon abgelaufen,

trotzdem spurteten wir ausgestattet mit den

besten Wünschen der sehr netten Schalter-

Dame los und liefen im höchstmöglichen

Tempo dem Flugsteig entgegen. Und liefen.

Und liefen. Und liefen…Ich sag’s euch, der

Flughafen in Toronto ist seeeehr weitläufig.

Am Gate angekommen war damit auch die

sportliche Einheit des Tages abgehandelt,

gelohnt hatte sie sich auf jeden Fall, da wir

tatsächlich noch als letzte Gäste an Bord gehen

durften.

Nach einem schönen Flug über die Karibik

setzten wir pünktlich in Costa Rica auf. Hier

schnell die Einreisemodalitäten hinter uns

gebracht, die gar nicht mal sooo aufdringlichen

Taxifahrer missachtet und schon brachte uns

der öffentliche Bus für ein paar Colon (1€ = ca.

600 Colon) in die costa ricanische Hauptstadt

San José. Der Bus sollte dann auch in der

Folgezeit neben den Füßen unser

Fortbewegungsmittel Nummer Eins werden.

Im Prinzip kommt man mit diesem für sehr

wenig Geld in jeden Teil des Landes. Zwar

denkt man im ersten Moment, dass man durch

das Chaos an verschiedenen Bussen und

Haltestellen nie durchblickt, aber wenn man

sich erstmal darauf eingelassen hat, geht es

eigentlich ziemlich easy.

Der Fußweg zu unserer Bleibe für die nächsten

beiden Nächte führte uns dann auch schon an

nahezu allen Sehenswürdigkeiten San Josés

vorbei und wir konnten einen ersten Eindruck

des Lebens hier erhaschen:

Ernährungstechnisch würde es wohl keine

Offenbarung werden, es sei denn, man hat sich

als Leibgericht frittierte Hühnerteile


auserkoren. Viel anderes gab es wirklich nicht,

und ich glaube, KFC hatte von allen ansässigen

Ketten noch die wenigsten Filialen. Auch kann

man konsternieren, dass das optische

Erscheinungsbild der Frauen nicht viel mit dem

fest verankerten Klischeebild einer

heißblütigen Latina zu tun hat. Als klassische

Schönheit würde ich mal wohlwollend kein

erblicktes Exemplar titulieren, wobei man es

ihnen bei der Ernährung hier auch nicht

verdenken kann. Dass man sich dann aber

trotzdem in den billigsten Nuttenfummel

zwängen muss, buch ich mal unter der

Kategorie „Weiß ich net“ ab. Aber das

allerskurrilste waren die Gesichtsbemalungen.

In dezenter Ausführung hätte man das ja noch

als Make Up bezeichnen können, hier sah es

aber in der Regel so aus, als hätte Homer

Simpsons „Schminkgewehr“ doch noch

reißenden Absatz gefunden. Ganz schön viele

erste Eindrücke, die wir nach dem

Zimmerbezug nochmals genauer unter die

Lupe nehmen wollten.

Unsere Unterkunft überzeugte durch Preis,

Gemütlichkeit, Frühstück (eigentlich nur Brot

und Obst, aber sowas von lecker und frisch)

und vor allem kuscheligen Hauskatzen. Das

Zentrum erreichten wir nach Bettenbezug in

guten 15 Minuten. Gute 350.000 Einwohner

leben in San José, im gesamten Ballungsraum

sind es 1,5 Millionen, was somit einem Drittel

der Gesamtbevölkerung Costa Ricas

entspricht. Da San José erst Mitte des 19.

Jahrhunderts zur Hauptstadt wurde und die

Bevölkerung erst in den letzten Jahren rasant

angewachsen ist, kann man erklären, dass es

hier kaum historische Kolonialbauten gibt. Für

Freund dieser Architektur wie uns also

eigentlich nicht das richtige Pflaster, ein paar

Bauwerke – vor allem das Teatro Nacional –

konnten aber dennoch überzeugen. Trotzdem

war unsere erste Sondierungsrunde durchaus

interessant. Es herrschte ein ordentliches

Gewusel auf der Straße, viel Verkehr und

irgendwie war alles zwar dreckig, aber dennoch

laut und bunt. Ich kann verstehen, wenn man

hier nur weg möchte, irgendwie haben wir uns

aber trotzdem wohl gefühlt. Ich mag auch

einfach so ein Chaos in Städten.

Die uns begegnenden Menschen lösten bei

Kate aufgrund der Optik eher Stirnrunzeln aus,

ich hingegen war teilweise schwer begeistert,

wie viele Leute in Fußballtrikots, hauptsächlich

der beiden beliebtesten und erfolgreichsten

Vereine des Landes (Deportivo Saprissa und LD

Alajuelense), herumliefen. Noch vor Trikots

dürften hier jedoch Weihnachtsartikel der

Hauptverkaufsschlager sein. Ganze Geschäfte

befassen sich nur mit diesem Thema und

bieten wirklich jeden glitzernden Kitsch an –

und die Betonung liegt explizit auf dem Plural

bei Geschäfte. Besonders beliebt sind

scheinbar Weihnachtskrippen. Irgendwie finde

ich das immer skurril, wenn in solch warmen

Ländern so viel auf Weihnachten getrimmt ist.

Da ist das Bild der weißen Weihnacht doch

stark in einem selbst verankert und das lässt

sich für mich wohl nicht so einfach hierher

transferieren. Abgesehen davon, dass ich Mitte

Oktober auch einfach noch gar nichts mit

Weihnachten anfangen kann ;-)

Nach so vielen Eindrücken in Kombination mit

der anstrengenden Anreise fielen wir dann

auch nach einem landestypischen Abendessen

– frittierte Hähnchenteile mit frittierten

Kartoffelteilen – relativ früh in die Koje, bevor

am folgenden Tag der Urlaub richtig beginnen

sollte. Strahlender Sonnenschein begrüßte uns

und entsprechend gut gelaunt machten wir uns

mit dem ersten Bus auf den zweistündigen

Weg zum Vulkan Irazu. Mit 3.432 ist es der

höchste der sieben aktiven Vulkane Costa

Ricas (letzte Eruption 1994) und ein kleines

touristisches Highlight. Von der Spitze kann

man sowohl den Atlantik als auch den Pazifik


sehen, im Krater befindet sich ein leuchtend

grüner See. So zumindest die Theorie. In der

Praxis sieht man für die übertriebenen zehn

Dollar Eintritt außer Wolken nichts. Dafür

lassen diese Wolken ihr Wasser auf einen

niederprasseln, so dass man wenigstens etwas

von diesem Ausflug hat – und wenn es nur

nasse Kleidung ist. Das war dann wohl ein

eindeutiger Fall von „na ja“, die für den

nächsten Tag angedachte Besteigung des

Vulkans Poas haben wir aufgrund des starken

Verdachts eines neuerlichen Flops gleich mal

gestrichen. Egal, ein Versuch war es wert, jetzt

galt es erstmal den Länderpunkt einzutüten.

Im Estadio Ricardo Saprissa Aymá sollte die

Nachwuchself Deportivo Saprissas in der

zweiten Liga gegen den Spitzenreiter San

Carlos gegen das runde Leder treten. Aufgrund

akuten Zeitmangels griffen wir für die Anreise

auf ein Taxi zurück, das mit umgerechnet fünf

Euro jetzt auch keine großen Löcher in die

Urlaubskasse riss. Irgendwie traute ich dem

Braten von Anfang an nicht so ganz, dass

wirklich im großen Stadion gespielt wird, die

Bestätigung für meine Befürchtung erhielten

wir vor Ort. Trotz jeder Menger aufgebauter

Fanartikelstände gab es hier so gut wie nichts,

vor allem kein Spiel, wie mir auch der Kerl im

Eingangshäuschen bestätigte. Irgendwie war

es mir aber auch relativ egal, das Spiel war eh

nur ein Notnagel. Also einfach nochmal

kulinarisch hochwertig beim angrenzenden

Taco Bell gespeist und zurück ins Liebesnest.

Damit war der erste richtige Urlaubstag dann

auch relativ unerfolgreich zu Ende gegangen.

Der nächste Morgen begrüßte uns wieder mit

strahlendem Sonnenschein und einem

vitaminreichen Frühstückssnack, bevor uns

unsere Füße zum Nahverkehrsbusbahnhof

trugen. In San José ist es so, dass es nicht einen

zentralen Busbahnhof (seltsames Wort

irgendwie) gibt, sondern teilweise jedes

Unternehmen seinen eigenen hat bzw. es je

nach anvisierter Zielregion ein anderes

Terminal gibt. Die nahegelegenen Städte

werden von den roten Bussen der Gesellschaft

angesteuert, deren Namen ich vergessen habe.

Einen solchen bestiegen wir gegen 9:00 Uhr

morgens, um ihn eine knappe Stunde später in

Heredia (130.000 Einwohner) wieder zu

verlassen. Clever wie wir sind, stiegen wir nicht

an der Haupthaltestelle aus, sondern ließen

uns von unserem Gefühl geleitet noch ein paar

Meter weiter kutschieren, so dass wir am Ende

direkt vorm Eingang des Estadio Eladio

Rosabal Cordero rausgeschmissen wurden.

Hier war schon gut was los, so dass diesmal

keine Gefahr eines geplatzten Spiels bestand.

CS Herediano – CS Uruguay 3:1

2.352 Zuschauer (50 Gäste)

1. Liga Costa Rica, So. 11.10.2015

In der höchsten costa-ricanischen Spielklasse

finden regelmäßig Spiele Sonntag morgens

um 11:00 Uhr statt, so dass wir heute in den

Genuss kamen, ein Erstligaspiel am Morgen zu

begutachten, hat man auch nicht alle Tage.

Nach erfolgreichem Kartenkauf – heute gab es

zwei zum Preis von einer, weshalb ich die

offizielle Zuschauerzahl von 2.352 auch für

ziemlich gering halte, war vielleicht eher die

Zahl der verkauften Tickets – ging’s auch gleich

rein in die gute Bude. Und das war mal wirklich

eine gute Bude. Neben einer kleinen,

überdachten und bestuhlten Haupttribüne

besteht das enge Stadion sonst nur aus

Betonstufen, die in Vereinsfarben (gelb-rot)

gestrichen sind, wobei die Kurven höher als die

Gegengerade sind. Schönes Teil, der

Kunstrasen hingegen passte nicht so recht zum

Ambiente. Allerdings muss man auch


eingestehen, dass ohne Kunstrasen bei den

Mengen, die es hier teilweise runtergeregnet,

wohl jedes zweite Spiel ausfallen würde.

Bevor ich jetzt zum Spiel an sich komme, noch

kurz ein paar Infos zum Fußball in Costa Rica.

Die Meisterschaft wird seit 1921 ausgespielt.

Seit 2007 ist die Saison wie in Lateinamerika

des Öfteren üblich in zwei Hälften geteilt

(„Invierno“ von Jul-Dez und „Verano“ von Jan-

Jun), für die auch jeweils ein separater Meister

ausgespielt wird (vorher war die Saison zwar

auch schon geteilt, die jeweiligen Meister

spielten aber am Ende noch einen

Gesamtmeister aus). Den einzigen Absteiger

stellt die Mannschaft dar, die nach Addierung

der beiden Saisonhälften auf dem letzten Platz

steht. Die beiden erfolgreichsten Vereine mit

31 bzw. 29 Titeln sind die schon

angesprochenen Deportivo Saprissa (31) und

LD Alajuelense (29), nur knapp dahinter folgt

mit 24 Titeln der heutige Gastgeber CS

Herediano, der auch gleichzeitig der

amtierende Titelträger der letzten Verano ist.

Überhaupt hat sich mit Ausnahme des Jahres

2009 außer diesen drei Vereinen seit 1984 kein

anderer in die Siegerlisten eintragen können,

seit 1947 gab es überhaupt nur fünf Jahre, in

denen etwas Abwechslung auf dem Ligathron

herrschte.

Zum Abschluss der Einleitung noch etwas

Trivia – mein Dank gilt hierbei mal wieder

Wikipedia, woraus ich auch einfach mal ganz

dreist zitiere:

- „In jedem Stadion müssen sich

nebeneinander vier Flaggen

befinden: Eine Costa-Rica-Flagge

als Flagge des Heimatlandes, eine

Flagge der UNAFUT als Flagge des

Turnierveranstalters, eine Flagge

des amtierenden Meisters und eine

Flagge des Heimvereins. Diese

Regel gilt auch in allen anderen

Ligen Costa Ricas (statt UNAFUT-

Flagge mit Flagge des

organisierenden Verbandes).

- Mit jeder Auflage wird ein

berühmter Ex-Spieler, -Trainer oder

-Funktionär gewürdigt, als

Untertitel des Saisonlogos steht

somit „Dedicado: …“.

- In jedem Kader (aus maximal 30

Spielern bestehend) dürfen sich

höchstens vier Ausländer befinden.“

So, und damit mal wieder zum Tagesgeschäft.

Trotz der noch lebhaften Erinnerungen an

unsere Pavianärsche aus Beograd pflanzten wir

uns ganz selbstbewusst wieder auf den

nackten Betonstufen nieder. Hinter dem Tor zu

unserer Linken versammelte sich eine

zweistellige Anzahl finsterer Gestalten, die mit

allerhand Musikinstrumenten und den

typischen Armwedlern für eine angenehme

Hintergrundbeschallung sorgten. War jetzt

nichts, was lange im Gedächtnis bleibt, dafür


hat einfach die Masse gefehlt, schön war es

trotzdem und der Fuß wippte das ein oder

andere Mal mit. Das Spiel an sich war auch auf

höherem Niveau als gedacht, wobei das bei

meinen geringen Erwartungen auch nicht

wirklich schwer war, zumindest von der

Heimelf, die keine Mühe hatte, den

Kontrahenten in die Knie zu zwingen. An so

einen Sonntagmorgen im Stadion bei 25 Grad,

überragender Choripan und angenehmer

Stimmung könnte ich mich glatt gewöhnen,

Grund genug also es mir richtig bequem zu

machen und eine Zigarette anzuzünden. Da ich

Probleme mit meinem Feuerzeug hatte, half

mein Nebenmann aus, natürlich teilte er mir

pflichtbewusst mit, dass innerhalb der Stadien

Rauchverbot herrsche. Trotzdem riskierte ich

ein Stadionverbot und zog genüsslich an

meiner gepressten Tabakware, währenddessen

ich mit meinem Anfeuerer ins Gespräch kam.

Um die 60, großer Herediano Fan, aus San José

und mit seiner Frau im Stadion. Anfangs war

das auch noch alles ganz cool, wir tauschten

Namen bekannter Fußballer aus, irgendwann

meinte ich in seinem nuschelnden Englisch-

Spanisch-Kauderwelsch zu erkennen, dass er

jetzt über farbige Spieler und Menschen

allgemein abrotzt und ob wir in Deutschland

auch Schwarze hätten und wie wir das finden

würden. Der Tico an sich ist ja ein sehr

freundlicher und fröhlicher Mensch (einer

Studie nach handelt es sich um die

glücklichsten Menschen weltweit), einen Hang

zum Rassismus sagt man ihm aber auch nach,

was sich hier sehr gut bestätigte. Als sich dann

der Inhalt des Gesprächs noch auf Nordkorea

ausweitete, sah ich es vor, die folgende

Essenseinladung auszuschlagen – mal ganz

davon abgesehen, dass wir eh noch einen

weiteren Termin am Nachmittag hatten.

Dahin machten wir uns auch gleich nach

Abpfiff auf den Weg. Kurzer Spaziergang zum

Stadtzentrum, hier am recht schönen

Marktplatz ein paar Fotos geschossen und auf

zur Bushaltestelle. Pünktlich mit unserer

Ankunft dort war die Sonne von einer dunklen

Wolkendecke bedeckt, die von nun an

unaufhörlich ihren Inhalt auf uns

niederprasseln ließ. Da der Bus auch mit einer

zeitlichen Fahrplanbeachtung aufwartete, die

der der Deutschen Bahn in nichts nach stand,

hatten wir Glück, dass wir halbwegs überdacht

stehen konnten. Beim Betreten des Busses war

uns Fortuna weiterhin hold, da in meiner

Geldbörse lediglich große Scheine anwesend

waren, weshalb Kate zur Bezahlung auserkoren

wurde. Nur deshalb hatten wir noch rechtzeitig

bemerkt, dass Kates Bargeld und Kreditkarte

noch in aller Einsamkeit auf der Bank in der

Bushaltestelle lag. Ich würde sagen, das war

ein eindeutiger Fall von „Glück gehabt“.

Das überfüllte Personenbeförderungsfuhrwerk

verließen wir in der 50.000 Einwohner Stadt

Alajuela, Hauptstadt der gleichnamigen

Provinz. Eine gute Viertelstunde dauerte unser

Fußweg durch strömenden Regen, dann

standen wir vorm Estadio Alejandro Morera

Soto in freudiger Erregung des zweiten

Primera Division Kicks des Tages. Leider sollte

hier heute nicht der eigentliche Heimatverein

LD Alajuelense um Punkte kämpfen. Aufgrund

eines Länderspiels in der folgenden Wochen in

US und A wurden kurzfristig die Spiele der

beiden Top Clubs verlegt, so dass ich nicht in

den Genuss kommen sollte, diese zu sehen.

Schade vor allem vor dem Hintergrund, dass

sowohl LDA als auch Saprissa regelmäßig vor

rund 10.000 Zuschauern spielen und auch von

einer recht großen Barra unterstützt werden,

der Classico zwischen beiden findet gar vor

vollen Rängen statt. Anstatt eines solchen

Spektakels mussten wir uns hingegen mit dem

Kellerduell zufrieden geben.


AD Carmelita – Municipal Pérez Zeledón 1:1

600 Zuschauer (3 Gäste)

1. Liga Costa Rica, So. 11.10.2015

Wie gesagt, schade, dass wir anstatt eines gut

gefüllten Grounds annähernd alleine dem Spiel

beiwohnten. Dabei ist auch die hiesige Cancha

ein ziemliches Brett. Ebenfalls in den

Vereinsfarben LDAs gehalten (rossonero),

befinden sich auf den Seiten wieder

Betonstufen und hinter einem Tor eine

doppelstöckige Tribüne. Sowas finde ich ja

immer geil. Hinter dem anderen Tor ist eine

überdachte Sitztribüne, die heute als einzige

geöffnet und angeblich von 600 Hinchas

bevölkert wurde. Wo diese allerdings gewesen

sein sollen, kann ich nicht beurteilen. Hielt ich

beim Spiel heute Morgen die offizielle

Zuschauerzahl für zu niedrig, so würde ich jetzt

mal auf grob überschlagen 550 zu hoch

schätzen.

Deshalb muss man immer das positive sehen:

Das Spiel fand trotz unaufhörlichem

Wolkenbruch tatsächlich statt (ein Hoch auf

Kunstrasen…ähem), die Eintrittskarte

überzeugte ebenso wie das Stadion, wir saßen

im Trockenen und die Ausblicke auf die

wolkenverhangenen Berge im Hintergrund

waren schon nahezu mystisch. Das Spiel selbst

bot auch nicht viel Berichtenswertes, von

sowas Ähnlichem wie fußballerischen Können

will ich hier gar nicht anfangen, sportlicher und

atmosphärischer Höhepunkt war der

Ausgleichstreffer in der 95. Minute. Das ließ

die drei Hinchas der im Nordosten Cosa Ricas

beheimateten Gastelf endlich ruhig werden,

konnte man doch besonders das weibliche

Exemplar von der Mitte der Gegengerade, auf

der sie es sich trotz nicht vorhandenem

Regenschutzes bequem gemacht hatten, ab

und mal rumquieken hören.

Ansonsten vertrieben wir uns die Zeit mit „Ich

sehe was, was Du nicht siehst“ spielen, wobei

wir nach ein paar Runden schon alles gesehen

hatten, und herrlichem Dünngesabbel.

Theoretisch könnte ich euch jetzt von den

Gesprächsinhalten und meinen

Gedankengängen dabei zuschwallen, aber im

Endeffekt interessiert es ja auch keinen, dass

meiner Meinung nach Klebeband das

wichtigste Utensil in jeder Reisetasche ist ;-)

Nass und durchgefroren waren wir am frühen

Abend wieder in San José, wo wir uns endlich

mal ein vernünftiges, landestypisches

Abendessen gönnten – und das mein ich

ausnahmsweise mal ernst. Das Nationalgericht

Gallo Pinto (sowas wie rice&beans mit

Kochbanane) in Verbindung mit würzigen Dips

und einem guten Flatscher Rindfleisch war eine

Wohltat zum Fast Food der letzten beiden

Tage.

Damit war dann aber auch das Kapitel San José

beendet, schließlich fährt man ja in erster Linie

wegen der Natur nach Costa Rica. Dahin sollte

es uns am folgenden Morgen auch

verschlagen. Da bis Mittwoch keine weiteren

Spiele angesetzt waren, konnten wir uns guten

Gewissens auf den Ausflug in die

Touristenhochburg Monteverde freuen. Da wir

die Tickets für die ca. vierstündige Busfahrt

bereits am Vortag geholt hatten, waren wir


froh, als wir von unserem Hotel aus angeboten

bekamen, an das entsprechende Busterminal

gefahren zu werden. Nicht nur, dass wir

dadurch wichtige Minuten Schlaf gewannen,

uns blieb auch der Spießroutenlauf durch

einige heruntergekommene Gassen erspart, da

die Fernbushaltestellen wie wir feststellen

mussten nicht gerade in den wohlsituiertesten

Barrios liegen. Trotzdem hatte ich beim

Durchschreiten dieses auch kein mulmigeres

Gefühl als wenn man zu einer beliebigen

Uhrzeit durch Offenbach läuft. Vielleicht lag es

aber auch daran, dass hier im Gegensatz zu OF

an jeder Kreuzung bewaffnete Polizisten

standen. Unser Chauffeur bestätigte uns

sowohl, dass man hier lieber etwas Vorsicht

walten lassen sollte, als auch, dass das

Vorurteil des Rassismus nicht so weit hergeholt

ist („Negros – mi no gusto“, „Puerto Ricans –

mi no gusto“) – aha. Diese Ticos.

Apropos: Kurz erklärt wurde uns noch die

Herkunft des Namens Ticos. Die gemeinhin

bekannte Bezeichnung für die Bewohner Costa

Ricas kommt daher, dass dies die

Angewohnheit haben, immer in

Verniedlichungen zu sprechen, was sich durch

den nuschelnden Slang so anhört, als würden

sie jedes Wort mit „tico“ beenden. Beispiel

gefällig? Die Verniedlichung von poco (wenig)

ist pocito bzw. pocotito, der Tico sagt aber

pocotico.

Ziemlich pünktlich erreichten wir dann unser

heutiges Tagesziel. Mit fortnehmender

Fahrdauer wurden die Ausblicke immer

spektakulärer und boten in Verbindung mit den

am Himmel kreisenden Geierrudeln einen

Vorgeschmack auf das, was uns erwarten

sollte.

So, ich versuche mich jetzt mal relativ kurz zu

fassen, allein der Glaube, dass es mir gelingen

wird, fehlt.

Monteverde ist eines der touristischen

Hauptziele Costa Ricas. Dementsprechend ist

hier auch alles auf den Tourismus eingestellt.

Eigentlich gibt’s nichts, wo man sich nicht das

Geld aus den Taschen ziehen lassen kann.

Wenn man aber auf den ganzen

Adventurekram keine Lust hat, kann man auch

einfach die Natur genießen. In der Hauptsaison

soll es zwar völlig überlaufen sein, da wir aber

komplett antizyklisch unterwegs waren,

durchstreiften wir die Nebelwälder teilweise

alleine. Nebelwälder sind ein Regenwaldtyp,

der in Bergregionen vorkommt (Monteverde

liegt auf 1.500 Metern). Da ich biologisch nicht

so bewandert bin, versuche ich erst gar nicht,

dieses Phänomen zu erklären, auf jeden Fall

durchzieht diese Wälder ein ständiger Nebel,

was eine fast schon zauberhafte und mystische

Atmosphäre ergibt. Und auch wenn man in den

großen Reservaten hier nur wenige Tiere sehen

kann, macht das Laufen aufgrund dieser

Atmosphäre doch unglaublichen Spaß.

Problem an der Sache ist nur, dass es eben kein

Regen- bzw. Nebelwald ohne eben diesen

Regen gäbe. Ihr könnt euch vorstellen, wie

durchnässt wir mal wieder waren.

Für die Tiere gönnten wir uns dann einen

Guide. Zunächst machten wir eine

Nachtwanderung, bei der man anhand diverser

Insekten, Pflanzen, Krabbelzeugs, Schlangen

und Spinnen das Ökosystem recht anschaulich

erklärt bekam. Wieso wir aufgrund eines

Knäuels irgendwo in einem Baumwipfel aber

über matschigen Boden durch den halben

Wald sprinten mussten, verstehe ich bis heute

nicht. Angeblich hätte es sich dabei um ein

Faultier gehandelt, sah aber jetzt auch nicht

anders aus als Disteln.

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit

unserem Guide Jose alleine. Gebucht war eine

zweistündige Gruppentour, erhalten hatten wir

eine fünfstündige Privattour, die dann auch


noch kurzerhand auf den nächsten Tag

ausgeweitet wurde. Jose war voll in seinem

Element und zeigte uns einen schöneren Vogel

als den anderen, kutschierte uns zu seinen

Lieblingsplätzen in der Region, hielt an jedem

Baum, um uns ein (zu erkennendes) Faultier zu

zeigen (erblickte dabei aber „nur“ einen

Kinkajou und ein hairy mexican porcupine.

Fanden wir jetzt auch nicht so schlecht ;-) ),

machte Fotos für uns und lud uns zum

traditionellen Essen ein (Chicken, was sonst).

Muchas Gracias an dieser Stelle nochmal. Mit

weiteren Einzelheiten will ich euch jetzt nicht

penetrieren, dafür dürft ihr ein paar

Vögelbilder (ja, ich meine tatsächlich diese

Flugtiere) bewundern. Zwei fantastische Tage,

auch wenn wir das absolute Highlight – den

sagenumwobenen Quetzal – leider nicht sehen

konnten.

Die Busfahrt zurück nach San Jose verlief auch

relativ zügig, so dass wir (also ich) dem

nächsten Stadionbesuch freudig entgegen

blickten. Naja, verhindert wurde dieses

Vorhaben durch einen Monsterstau ab Höhe

des Flughafens. Für die letzten 20 km

benötigten wir mal eben gute drei Stunden,

wodurch das Spiel schon angefangen hatte und

ich auch keine großartige Lust mehr verspürte,

mit einem Taxi für lediglich eine Halbzeit

(wenn überhaupt) anzureisen. Nervt das

eigentlich, wenn ich mehr von geplatzten als

von besuchten Spielen schreibe? ;-)

Meine Laune hatte jetzt den Urlaubstiefpunkt

erreicht. Trotz der tollen Tage war ich

irgendwie genervt vom ständigen Regen und

dass bisher so viel schief ging, das musste mal

raus. Aber ab da war es das dann auch mit

schlechter Laune, Regen oder sonstigen

größeren Unannehmlichkeiten.

Nächster Halt: Tortuguero.

Den Trip hierher buchten wir entgegen

sonstiger Gewohnheiten von San José aus als

komplettes Tourpaket. Geht zwar auch

individuell, hat dann aber kaum Geldersparnis

und ist wesentlich stressiger. Tortuguero ist

das letzte Stück Küstenregenwald an der

Karibikküste. Auf dem Weg dorthin passierten

wir zunächst unendliche Bananenplantagen,

die eindrucksvoll belegten, dass Costa Rica

nach Ecuador der zweitgrößte

Bananenexporteur der Welt ist, bevor uns eine

1,5stündige Bootstour an Vögel, Echsen,

Krokodilen und Affen vorbei nach Tortuguero

Village brachte. Hier selbst, wie an der

kompletten Karibikküste, ticken die Uhren

anders als im Landesinnern. Während der

Großteil der Bevölkerung aus Nachfahren

spanischer Kolonialisten bzw. der indigenen

Einwohner besteht, leben hier vorwiegend

kreolische Nachfahren ehemaliger

Plantagenarbeiter bzw. Sklaven. So manches

Karibikklischee wurde bestätigt. Und nein,

damit meine ich nicht türkisblaues Wasser an

schneeweißen Stränden, sondern

pastellfarbene Hütten, vor denen Menschen

aller Altersklassen chillen, während aus den

Boxen Dancehallriddims wummern. Pure


niceness a gwaan. Schön zu sehen, dass dieser

Ort trotz allem Tourismus seinen

ursprünglichen Charme komplett bewahrt hat

und die Einwohner einfach ihr Ding machen.

Dennoch waren wir nicht ausschließlich wegen

dem Lifestyle hier, sondern – der Name

impliziert es schon – wegen der Schildkröten.

Von den sieben Meeresschildkrötenarten

nisten vier in Tortuguero. Zwischen Juli und

Oktober ist Brutzeit der grünen

Meeresschildkröte. Da wir rein zufällig Oktober

hatten, wollten wir diesem Schauspiel

beiwohnen. Die Schildkröten kommen nachts

an den Strand, graben ihre Löcher, legen Eier

und verschwinden wieder in den Weiten des

Ozeans. Hört sich nach einer schnellen Sache

an, so ein Akt dauert aber mehrere Stunden.

Beobachten darf man dies nur in geführten

Touren, die unter strengen, naturschützenden

Regeln stattfinden. Wenn auch nur ein

Teilnehmer sich nicht daran hält, ist die ganze

Gruppe draußen – da sind sie glücklicherweise

rigoros. Wir hatten das Glück, eine riesige

Schildkröte zu beobachten, wie sie gerade ihre

Eier rauspresste und danach voller

Erschöpfung wieder vergrub -ein einmaliges

Schauspiel. Traurig hingegen, dass von 100

Eiern nur ein Schildi-Baby überleben wird. Zu

groß ist die Versuchung für Nesträuber aller

Art (streunende Hunde, Vögel, Katzen bis hin

zu Jaguaren und last but not least natürlich

auch den Menschen). Umso überwältigter

waren wir, als wir mittags ein frisch

geschlüpftes Baby auf dem Weg ins Meer

sehen durften. Die restliche Zeit verbrachten

wir mit weiteren beeindruckenden Dschungelund

Bootstoren, leckerem Essen und

entspanntem Chillen, bevor es uns die Küste

weiter südlich gen Cahuita zog. Den Weg

legten wir wieder per Boot zurück, teilweise

war der Wasserstand im braunen Fluss so

niedrig, dass wir das Boot selbst anschieben

mussten. Beruhigend, dass man vorm Eintritt

ins Wasser noch mitgeteilt bekommt, dass hier

Krokodile leben (wie wir auch schon mit

eigenen Augen sehen konnten). Dennoch

begrüßten uns im Zielhafen riesige

Frachtschiffe, welche ausschließlich mit

Chiquita-Containern beladen waren. In Cahuita

selbst wurde die Karibik noch etwas

lebendiger, da zusätzlich zu den Sounds auch

noch palmengesäumte Strände hinzukamen.

Je nach Tageszeit konnte man im ruhigen

Gewässer schwimmen oder sich in wilde Fluten

stürzen, direkt hinter dem Strand begann

wieder dichter Dschungel. Hat was, wenn man

am Strand liegt und über einem die Brüllaffen

in den Bäumen spielen. Vor allem aber Kate

hatte was, nämlich zwei Faultiere, die auch

eindeutig als solche zu erkennen waren, in den

Baumwipfeln entdeckt. Ich gebe zu, seit diesen

Momenten haben sich diese ganz weit oben in

der Liste meiner Lieblingstiere eingetragen.

Aber auch die schönsten Faultiere muss man

mal verlassen, denn mittlerweile hatte der


Fußball schon fast eine Woche geruht, geht ja

auch nicht.

Limón FC – Municipal Liberia 5:0

600 Zuschauer (50 Gäste)

1. Liga Costa Rica, Sa. 17.10.2015

Eine Stunde brauchte der Bus, um uns nach

Puerto Limón zu befördern. Von der

Endstation zur Cancha waren es keine 500

Meter, die Eintrittskarten waren schnell

gekauft und noch schneller wieder weg. Ich

werde das nie verstehen, wieso man

wunderschöne Tickets mit Spielpaarung

druckt, um sie dann am Eingang wieder

einzukassieren. Alles lamentieren half nix, die

Dinger waren weg. Nochmal rausgehen und

neue Tickets kaufen hätte dasselbe Problem

ergeben, also investierten wir unsere letzten

Colon in gegrillte und super delikate

Hähnchenspieße, bevor wir auf die nackten

Betonstufen purzelten. Der Kunstrasenplatz

wurde von zwei Tribünen über die Längsseiten

und hohen Werbebanden hinter den Toren

umgeben, irgendwie ein geiles und total

abgefucktes Teil. Mehr als 3.000 Zuschauer

dürften hier keinen Platz finden, heute waren

die Ränge in etwa zur Hälfte gefüllt. (600

kommt mir hingegen wieder wenig vor) Die

letzten Wochen waren für die Gastgeber, die

mit ihren grellgrünen Vereinsfarben allein

optisch schon sehr auffällig waren, sportlich

eher suboptimal verlaufen, da war der heutige

und in dieser Höhe verdiente Kantersieg mehr

als Balsam auf die geschundenen Seelen. Das

Ergebnis hätte durchaus höher ausfallen

können, was Liberia da auf dem künstlichen

Geläuf veranstaltete hatte mit Fußball in etwa

so viel zu tun wie Ede mit Bodybuilding. Den

anwesenden Zuschauern sollte es hingegen

recht sein, die machten Party auf den steinigen

Traversen. Jetzt nicht im Sinne von

koordinierter Fußballatmosphäre, außer

gelegentlichen Limón-Rufen gab es so etwas

nicht, sondern jeder feierte für sich selbst. Das

Publikum überhaupt war sehr gemischt, viele

Latinos, noch mehr Schwarze und zwei

Weißbrote. Da wunderte es nicht, dass

dickärschige Frauen in viel zu knappen

neongelben Hotpants die Tore mit einem Tanz

ala Backshot feierten, während die Männer –

übrigens teilweise auch im modischen

Neongelb unterwegs – den Tunda Clap

auspackten. Überhaupt war alles so bunt und

grell auf der Tribüne, das hatte einen ganz

eigenen Charme.

Der Abpfiff war für uns dann auch

gleichbedeutend mit dem Abschied aus Costa

Rica. Nach einem leckeren Fischteller und

meinem Schwelgen in Erinnerungen


vergangener Reggaefestivals (dürfte Kate jetzt

nicht sooo sehr interessiert haben), brachte

uns tags drauf der Linienbus an die Grenze zu

Panama. Diese konnten wir recht zügig

überqueren, in Panama selbst war aber erstmal

Schluss. Deshalb schnell im Duty Free mit zwei

Liter feinstem Rum zum Spottpreis

eingedeckt, danach sollte es eigentlich auch

recht zügig weiter gehen. Doch nichts geschah.

Und es geschah nichts. Und irgendwann wurde

uns mitgeteilt, dass im Zuge eines Streiks die

Hauptverkehrsstraße blockiert wurde, es aber

einen Alternativweg geben würde, den wir

fahren könnten. Los geht’s, endlich mal etwas

Abenteuer. Die ganze Touristenhorde, die sich

Richtung Bocas del Toro aufmachte, wurde auf

drei Jeeps bzw. Kleintransporter verladen und

über einen Feldweg geschickt, der nur aus

Schlaglöchern bestand. Infolgedessen kamen

wir lediglich mit einer gefühlten

Durchschnittsgeschwindigkeit von minus fünf

km/h voran, an der ersten Brücke war dann erst

mal wieder Schluss. Brücke heißt in diesem

Fall, provisorisch über einen Graben gelegte

Bretter. Naja, der Fahrer guckt kurz, und es

geht drüber. Vor der zweiten Brücke war das

dann nicht mehr so einfach, hier mussten wir

schon alle aussteigen und zu Fuß auf die

andere Seite gehen, an der dritten war aber

auch das nicht mehr möglich. Hier lagen

lediglich morsche Holzplanken, die bei

jeglichem Versuch der motorisierten

Überquerung nicht hätten standhalten können.

Völlige Utopie, wie die Herren Autofahrer jetzt

in bester Tetrismanier die Brücke einmal

komplett ab und wieder neu aufbauten. Dass

beim Umdrehen eines Brettes eine

Vogelspinne zum Vorschein kam, geschenkt.

Nachdem wir so eine gute halbe Stunde in der

prallen Mittagssonne verbracht hatten,

riskierte tatsächlich der Kleintransporter die

Überfahrt und kam unter Zujubeln der

Schaulustigen wirklich auf der anderen Seite

an. Die anderen beiden Wagen machten sich

keine großen Hoffnungen, das rettende Ufer

zu erreichen, und drehten wieder ab, ergo

mussten alle Mitreisenden jetzt

zusammengepfercht in einem Vehikel

weiterfahren: Die beiden Frauen durften in die

sichere Fahrgastzelle, die sich in deutlicher

Überzahl befindlichen männlichen

Artgenossen durften samt Gepäck auf der

unüberdachten Ladefläche Platz nehmen. Ich

muss nicht erwähnen, dass durch den

unfreiwilligen Stopp in der Mittagshitze die

Temperatur aller Sitz- und

Festhaltemöglichkeiten in etwa der der

Betonstufen im Stadion Obilic zu Beograd


entsprach. Man mag es nicht für möglich

halten, aber trotzdem kamen alle Personen

und Gepäckstücke ohne Sachschaden am

Nachmittag auf Bocas del Toro an. Wie

Kontrolleure genossen wir hier in den

nächsten drei Tagen unser Leben in vollen

Zügen zwischen Schwimmen, Schnorcheln,

Wandern, Schlemmen, Chillen,

Tierbeobachtungen und was man sonst noch

so im Urlaub macht.

Wieder zurück auf dem Festland, sollte uns

eine zehnstündige Nachtbusfahrt zu unserer

leider schon finalen Destination Panama City

bringen. Normalerweise ja kein Problem, nur

leider bestand die Busbesatzung fast

ausschließlich aus unseren besonderen

Freunden – den Backpackern. Eine besonders

achselbehaarte Ausgeburt dieses Virus musste

auch noch neben mir Platz nehmen und

dauerhaft seine Flirtkünste an der eigentlich

recht attraktiven Dame vor ihm beweisen. Im

dunklen Bus schien es auch noch so, als könnte

die Anbandlung von Erfolg gekrönt sein,

spätestens nach dem ersten Rast und somit

Sichtkontakt war das Interesse nur noch

einseitig vorhanden. Junge, probier’s halt das

nächste Mal wieder via Tinder, dann kann

deine Nachbarschaft vielleicht auch schlafen.

Dem Bus entsteigen durften wir im frühen

Morgengrauen an der Mall „Los Andes“. Von

hier führt die topmoderne Metro (2014

eröffnet, die erste in Zentralamerika) einmal

quer durch das Stadtgebiet. Bislang gibt es

lediglich eine Linie, eine zweite zum Flughafen

befindet sich aber derzeit im Bau, wie

überhaupt sehr viel in Panama City gebaut

wird. Die Wolkenkratzer sprießen nur so aus

dem Boden, so dass die ohnehin schon

imposante Skyline immer weiter anwächst.

Solch eine Skyline hätte ich hier nicht erwartet,

das sah für mich eher nach einer dieser

unbekannten chinesischen Multimillionenstädte

aus. Der Aufschwung begann mit dem

Bau des Panamakanals (eröffnet 1914),

seitdem hat sich die Stadt zu einem wichtigen

internationalen Finanzzentrum entwickelt.

Man munkelt jedoch auch, dass in die

Stadtentwicklung einiges an kolumbianischen

Drogengeldern einfließt. Passend zu diesem

zwielichtigen Ruf scheint es auch eine

Glücksspielhochburg zu sein, wie sich an den

teilweise schon an Las Vegas erinnernden

Casinos erkennen lässt. Trotz aller Moderne

kann man auch noch das alte Panama erahnen.

Zum Einen bei den zum Unesco Welterbe

gehörenden Ruinen von Panama Viejo, der

alten Hauptstadt aus dem 16. Und 17.

Jahrhundert, zum Anderen durch das sehr

schöne Kolonialviertel Casco Viejo. Alles in

allem eine absolut beeindruckende, aber auch

kontrastreiche Stadt. Uns hat es auf jeden Fall

imponiert und gefallen, auch weil wir uns zum

Abschluss der Reise nach den ganzen

einfachen Behausungen nochmals in einen

schön dekadenten Bunker einmieteten, der

jedoch nicht mehr Kosten als die vorherigen

Unterkünfte verursachte. Dafür wurden wir von

unserem freundlichen Rezeptionisten – Herrn

Basketball – aber auch bevorzugt behandelt –

diese Bemerkung wird natürlich nur wegen des

Namens des netten Herren angeführt ;-)

Abgesehen von Unterkunft, ÖPNV und Rum ist

das Preisniveau aber auch weit entfernt von

günstig. Essen gehen ist jetzt auch nicht viel

billiger als in der Heimat, die Schuhe komplett

ausgezogen werden einem beim Kauf von

Rasierschaum und Sprudelwasser: ersteres in

der 100ml Dose für sage und schreibe fünf

Balboa (1Balboa = 1 USD), das Wasser (con gas,

sin gas ist günstig) für knapp drei in der 0,75l

Flasche. Leck mich fett.

Um meinen pädagogischen Auftrag noch kurz

zu Ende zu erfüllen, hier noch ein paar Infos zur

Bevölkerung Panamas: In Panama City selbst

(bzw. im direkten Einzugsgebiet) leben gut die

Hälfte der 3,5Millionen Einwohner. Die


Bevölkerungsstruktur ist ähnlich wie in Costa

Rica. Der Großteil sind Mischlinge (60%),

besonders in der Karibikküste aber auch viele

Schwarze. Lediglich der Anteil der indigenen

Bevölkerung ist noch wesentlich höher als in

Costa Rica und liegt bei fast 10%, manche

Gebiete (wie z.B. die San Blas Inseln) werden

komplett von diesen verwaltet.

Nachdem wir uns den ganzen Tag von der

Skyline flashen ließen und durch Casco Viejo

flanierten, machten wir uns am späten

Nachmittag auf zum etwas außerhalb

gelegenen Nuevo Estadio Maracaná. Da wir

ebenso gut in der Zeit waren wie wir zu Fuß

sind, ließen wir uns nicht lumpen und spulten

die paar läppischen Kilometer zur Cancha

schnellen Schrittes ab. Lange gut ging das

Vorhaben nicht, da sich direkt nach Verlassen

des Kolonialviertels die Szenerie änderte. Die

Gestalten wurden merkwürdiger, die Straßen

dreckiger, die Häuser heruntergekommener

und die Blicke musternder. Hier waren wir

falsch. Hatte irgendwie was von La Boca. Hier

noch das herausgeputzte Touristenviertel, eine

Straße weiter Ghetto. Beirren ließen wir uns

zwar zunächst nicht, nachdem uns die

bewaffneten Polizeiwachen jedoch rieten

umzukehren, folgten wir diesem Rat doch

einmal. Im Endeffekt bedeutete das einen

Umweg von guten fünf Kilometern, aber man

muss sich das abendliche Festmahl bei TGIF ja

auch irgendwie verdienen, am Stadion waren

wir trotzdem pünktlich – auch wenn mir das

Essen fast wieder hoch kam, nachdem ich am

Straßenrand eine Plastiktüte gefüllt mit

mehreren toten Geiern erblickte.

Das neue Maracana-Stadion liegt direkt am

Meer in einem neu errichteten Sportpark.

Diverse Fuß- und Basketballplätze,

Fitnessmaschinen und ein gepflegter

Foodcourt runden das Ambiente ab. Auf der

anderen Seite der angrenzenden,

mehrspurigen Straße herrscht hingegen

totales Kontrastprogramm. Der Neubau bietet

5.500 Schaulustigen Platz und wurde 2014

eröffnet. Zwei doppelstöckige, geschwungene

Tribünen an den Längsseiten sowie zwei

kleinere hinter den Toren bieten die

Begrenzung für das Spielfeld aus gepflegtem

Kunstrasen. Abgerundet wird das ganze durch

einen schönen Skylineblick. Für einen Neubau

geht das Teil für mich absolut in Ordnung.

Heute sollte hier ganz große Fußballkunst

geboten werden, die Vertreter der

Königsklasse gaben sich die Ehre, da schnalzt

die Genießerzunge:

San Francisco – Hankook Verdes 8:0

300 Zuschauer (30 offizielle Gäste)

CONCACAF CL, Do. 22.10.2015

Der Meister Panamas gegen sein Pendant aus

Belize, beide schon aus der Gruppenphase

ausgeschieden, eine Riesenkulisse. Wer da

nicht schon vor Erregung das Heft fallen lässt,

kann es gleich ganz zur Seite legen (hm, Anm.

von mir selbst: Die Einen lassen es fallen, die

Anderen legen es weg…brauch ich auch

eigentlich gar nicht weiter schreiben).

Bevor sich die Hütte bis auf den letzten Platz

füllte und die besten Mannschaften des

Kontinents um wichtige Punkte auf dem Weg

zum Finale kämpften, gesellte sich unser

Ticketkontrolleur zu uns, um den Grund

unserer Anwesenheit zu erhaschen. Etwas

ungläubig ob der Erklärung erzählte er, dass

heute kein Highlight zu erwarten wäre

(wirklich?), am Samstag aber die beiden

beliebtesten Vereine des Landes


gegeneinander antreten würden und dass es da

voll werden würde. Das hörte sich doch schon

mal gut an, hatten wir eh auf der Agenda.

Ansonsten wäre Fußball nicht sonderlich

beliebt und würde ein Schattendasein hinter

Baseball, Basketball und Boxen (Roberto Duran

ist heute noch Volksheld) fristen. Nach

Deutschland möchte er übrigens auch

unbedingt, neben Berlin reizt ihn besonders

der Besuch von – Trommelwirbel – Leverkusen.

Aha, so viel dazu.

Noch vor den Spielern lief die Barra Brava ein.

Lass es 20 Leutchen zwischen 12 und 18

gewesen sein, von denen jeder ein

Musikinstrument dabei hatte. Direkt neben uns

platziert, gab es jetzt bis zum Abpfiff

ohrenbetäubende Rhythmen in die

Gehörgänge. Und das waren wirklich mal

Rhythmen, musikalisch gab es da aber absolut

nichts auszusetzen, man merkte, dass die das

nicht zum ersten Mal machten. Ob das jetzt so

in ein Stadion passt, weiß ich nicht,

unterhaltsam war es allemal. Die Hierarchie

war auch leicht zu erkennen: Je dicker man ist,

desto mehr hat man zu sagen. Wobei der nach

dieser Logik betrachtete wichtigste Musikant

der Kapelle auch einfach jedes Instrument

beherrschte. Mit welcher Leichtigkeit da die

Trommel malträtiert, zeitgleich mit den

Schellen geschlagen und die Posaune posaunt

wurde – phänomenal. Ab und an wurde das

Ganze noch vom Versuch südamerikanischer

Fangesänge abgerundet, aber die

instrumentalen Fertigkeiten waren den

stimmlichen doch um einiges überlegen. Was

aber gesanglich fehlte, wurde beim Pöbeln

gegen den Gästeanhang – lediglich offizielle

Vereinsvertreter – wettgemacht. Dachte ich

bis zum 5:0, das Orchester an sich wäre das

Highlight überhaupt, wurde ich spätestens

dann eines Besseren belehrt, als der

Dirigent/Anführer/Capo/whatever anfing die

weitangereisten Ehrengäste zu beleidigen.

Problem an der Sache war, dass aus der

Gruppe keiner des Englischen (Amtssprache in

Belize) fähig war, und vor jedem

Schmähgesang im Publikum nach der

korrekten Übersetzung gefragt werden

musste. Leider ist mir fast alles an diesen

Kreationen entfallen, ich erinner mich lediglich

ein epochales „feiff (später sies, seffen, ait) in

jurrr aass“. Zum Brüllen.

Weniger zum Brüllen fand ich die

Darbietungen auf dem Platz. Ohne

Übertreibung waren die Bemühungen

Hankooks das wohl Schlechteste, das ich

bisher sehen durfte – und die hatten

tatsächlich das Hinspiel gewonnen. 8:0 in

einem Champions League Spiel – heidewitzka.

Das von mir viel zu überstrapazierte Wort

Slapstick wäre eine Beleidigung für eben

dieses, der Torwart hätte mit

zusammengebundenen Armen auch nicht

weniger gehalten. Da ich jahrelang selbst


zwischen den Pfosten gestanden habe, tat mir

das beim Zuschauen wirklich weh. Ich weiß

jetzt nur nicht, ob das an meinem Mitleid oder

am Nachtrauern meiner verpassten

Möglichkeiten lag. Ich war ja echt ne Granate,

mal ganz ohne anzugeben, wie locker hätte ich

auf dem Niveau hier mitspielen können. Ich

glaube, Lutz Pfannenstiel hat in seiner Karriere

einiges richtig gemacht.

Beendet war das Gebolze erst um 23:00 Uhr

Ortszeit, was insofern von Bedeutung für uns

war, dass um diese Zeit keine Busse mehr

verkehrten, Taxis entgegen meines naiven

Plans jedoch auch Mangelware waren. Wobei,

Mangelware impliziert, dass es wenigstens ab

und eines gegeben hätte. So standen Kate und

ich verloren am Wegesrand und malten uns

schon übertriebene Horrorszenarien aus, als

plötzlich ein SUV neben uns hielt und uns

aufforderte mitzufahren als wären wir gerade

mitten bei den Dreharbeiten für einen

Gangsterfilm. Wir saßen allerdings bei keinem

Gangster im Auto, sondern bei ich-hab-den-

Namen-vergessen, der unser Problem

erkannte und uns bis vor die Tür unseres Hotels

brachte. Während aus den Boxen Reggaeton

dröhnte – wohl die Musikrichtung numero uno

hier, erzählte er in perfektem Englisch (hatte

mal in Kanada gearbeitet), dass er täglich zum

Basketballzocken auf die neuen Plätze fährt.

Tagsüber wäre dies auch kein Problem, da

wäre alles bewacht, ab abends ziehen die

Polizisten aber ab und spielen ist nur noch auf

eigene Gefahr erlaubt. Bisher ging

glücklicherweise alles gut. Ebenfalls bestätigte

er, dass das mittags von uns aufgesuchte

Barrio seinen schlechten Ruf nicht zu Unrecht

träge und es besser war, nicht durchzulaufen.

Mit (später von uns getesteten)

Restauranttipps entließ er seine mehr als

dankbare Fracht und wir konnten endlich

todmüde die Augen schließen.

Gute Touristen wie wir nun mal sind,

besichtigten wir neben weiteren Streifzügen

durch Panama City natürlich noch den

weltberühmten Kanal. An der

Mirafloresschleuse, einer von drei Schleusen,

beobachteten wir die Durchfahrt einiger

Schiffe. Ist ganz interessant mal zu sehen, aber

jetzt auch nichts, was einem sonderlich im

Gedächtnis bleibt. Weitere Infos erspare ich an

dieser Stelle mal. Wer Interesse daran hat,

findet genug Lesematerial in den Bibliotheken

dieser Welt. Wir mussten nämlich auch

dringend weiter. Per Taxi ging es erneut zum

Maracana.

CD Plaza Amador - Chorillo FC 1:0

3.000 Zuschauer (1.000 Gäste)

1. Liga Panama, Sa. 24.10.2015

Wie bereits angekündigt, trafen heute die

beiden beliebtesten Vereine des Landes

aufeinander. Aus sportlicher Sicht ist zwar das

Duell Plaza Amador gegen Tauro der König der

Derbys (el rey de classicos, wie es hier genannt

wird), aus Fansicht aber das heutige

Aufeinandertreffen, auch weil beide Vereine

aus den Vierteln direkt um das Stadion herum


kommen. Dementsprechend gut besucht war

das Stadion dann auch, vor allem wenn man

den Vergleich von vorgestern zu Rate zieht.

Beide Längsseiten waren annähernd

ausverkauft, auf Höhe der Mittellinie hatte sich

auf beiden Seiten je ein Haufen gebildet, die

mittels Trommeln, Stimmen und Fahnen echte

Fußballatmosphäre versprühten.

Auch fußballerisch war es nicht vergleichbar

mit dem einseitigen Gestolpere von

Donnerstag. Die Vorrausetzungen waren aber

auch ganz andere. Neben dem Prestige ging es

vor allem für Plaza Amador noch darum, den

vierten Platz zu verteidigen, da dieser zur

Teilnahme an der Playoff-Runde um die

Meisterschaft der Apertura (auch in Panama ist

die Saison in Apertura und Clausura geteilt)

berechtigt. Lediglich zwei Punkte hatte man

vor dem Konkurrenten San Miguelito

Vorsprung, ergo war ein Sieg Pflicht, den sie in

einem kampfbetonten und gar nicht mal so

schlechten Spiel auch erringen konnten.

Während Kate mehr mit dem Bobachten der

wirklich süßen Kinder um uns herum

beschäftigt war, saugte ich noch ein bisschen

Atmosphäre auf. Gerade in den letzten

Minuten bis weit nach Spielende wurde sogar

fast auf das Gänsehautpedal gedrückt. Damit

war wirklich nicht zu rechnen gewesen, meine

Mundwinkel zuckten das ein oder andere Mal

gewaltig in Richtung Ohrläppchen.

Passend zu diesem gelungenen

Urlaubsausklang erwischten wir auch recht

zügig ein Taxi, das uns durch dunkle, aber von

feierwütigen Leuten bevölkerte Gassen

Richtung Zentrum beförderte. Noch einmal

schlafen und schon saßen wir wieder im Air

Canada Bomber. Wegen einer

Flugplanänderung waren wir zwar gezwungen,

den geplanten Tag in Toronto zu canceln, dafür

gab es ansonsten keine Probleme mehr und wir

konnten in FRA unser Priority-Gepäck (Anm.

Kate: Haha, kurz zusammengefasst )

wohlbehalten vom Band nehmen. (Ö)


N

Eintracht Trier – Kickers Offenbach 6:0

3.200 Zuschauer (300 Gäste)

Regionalliga, Di. 12.10.2015

ach einem stadionfreien Wochenende, wo

die deutsche Nationalmannschaft nur

Magerkost bot und sich gerade so qualifiziert

hatte, rief König Fußball mal wieder. Bisher

mied ich die neu geschaffenen Wochenspiele

der Regionalligen erfolgreich. Nun war dann

doch mal eines dieser Spiele an der Reihe, da

ich momentan wenig Zeit für anderes finde. Als

einer der wenigen in meinem unmittelbaren

Umfeld fehlte mir das Moselstadion noch und

als dann Fritz und Moritz Bereitschaft

signalisierten den Kick anzusteuern, war klar,

dass ich mich dort anschließen würde. Mit den

Jungs kann man arbeiten, so waren die

Basisinformationen recht schnell ausgetauscht

und einen Tag vorher wurde der Treffpunkt

und die Uhrzeit endgültig fixiert. So traf man

sich dann am späten Nachmittag an einem

Pendlerparkplatz an der A5, von dem es weiter

in Richtung Trier ging. Wie gewohnt, sattelten

wir pünktlich die Hühner und durch Mainz

(Schande über das Navi von Moritz) und den

Hunsrück erreichten wir eine Stunde vor

Anpfiff das Stadion. Nach einer kleinen,

verbalen Auseinandersetzung mit einem

Stadionanwohner bezüglich unseres ersten

Stellplatzes und der Titulierung als

Oxxenbacher war der Trierer an sich bei mir

ganz schnell unten durch. Also wurde aufgrund

des nicht ordnungsgemäßen Abstellens

unseres Autos noch mal eine Runde gedreht

und die Kiste zufriendenstellender parkiert.

Dann mal rein in die gute Stube. Wenn das mal

so einfach wäre?! Wollte ich doch mal die

Vorteile meines Studentenausweises nutzen,

tat die Kassiererin das mit einem einfachen

Schulterzucken ab, woraufhin ich einfach den

vollen Preis bezahlen musste, da es nur zwei

Arten von Tickets gab, nämlich Steh- und

Sitzplatzkarten – Vielen Dank fürs Gespräch.

Das Stadion wusste zu gefallen. Recht

oldschool mit sehr vielen Stehplätzen und nur

der überdachten Haupttribüne – bitte mehr

davon. Natürlich leidet unter der Bauart etwas

die Sicht auf das Spielfeld, aber dem groben

Spielgeschehen kann man aus dieser

Entfernung folgen. Das Spiel an sich verlief

dann nach dem Geschmack eines Anhängers

von der richtigen Mainseite. Die Trierer hatten

das Spiel jederzeit im Griff, der OFC brachte

sich durch diverse Aktionen immer mehr selber

ins Hintertreffen, was dann schlussendlich zu

dem o.g. Endergebnis führte. Nicht zu

erwarten und deshalb umso schöner,

schnürten die Eintrachtler aus Trier einen

Sechserpack und beendeten somit erst einmal

die Relegationsträume des OFC. Zur

Winterpause schlossen die Trierer dann auf

Platz Eins ab und der OFC mit neun Punkten

Abstand zum zweiten Rang, der in der

Regionalliga Südwest ebenso zur Relegation

berechtigt, wie der erste. Das Moselstadion

punktete dann noch gastronomisch mit einer

durchaus empfehlenswerten Currywurst mit

Fritten. Der spätere Snack zur zweiten

Halbzeit, namentlich bekannt unter Feuerwurst

war aber weniger der Bringer, da das

versprochene Feuer eher einer abglimmenden

Glut entsprach. Nach dem Schlusspfiff wurde

unser akkurat abgestelltes Fahrzeug wieder

angesteuert und relativ schnell waren wir

wieder auf dem kurzen Weg in Richtung

Heimat. Die Stimmung war dank des

Ergebnisses gut und sorgte für den ein oder

anderen Schmunzler, als man die Fahrzeuge

mit rot-weißgefärbten Insassen hinter sich

ließ. (E)


Viktoria Köln – Sportfreunde Lotte 3:3

869 Zuschauer (Gäste sind nicht aufgefallen)

Regionalliga, Sa. 07.11.2015

B

evor ich nach Hoffenheim fahr, guck ich

mir lieber Viktoria Köln an – so könnte

man meinen. Ganz so einfach ist’s dann aber

auch nicht, da am Freitagabend jedoch die Foo

Fighters in Köln ordentlich einheizen sollten

und die hier im Exil weilende Anna mit

kostenfreier Halbpension lockte, hatte ich

wenigstens ein Alibi, um dem Gegurke in

Hoffenheim nicht beiwohnen zu müssen.

Nachdem dann Dave Grohl selbst mit

gebrochenem Bein noch mehr gerockt hat als

Coldplay auf ner ganzen Tour (gut, ich gebe zu,

selbst wenn ich furze, rockt das mehr als

Coldplay), Anna ein astreines Frühstücksbuffet

kredenzte und wir dabei den GZSZ Marathon

inhaliert hatten, sattelten die Mädchen im

wahrsten Sinne des Wortes die Pferde,

während ich es mir alleine im Sinner Express

bequem machte. Erstes Zwischenziel des

Tages hieß Sportpark Höhenberg, wo ich wie

868 weitere Menschen (wobei ich mir da nicht

bei jedem Anwesenden sicher bin) dem

Spitzenspiel der Regionalliga West beiwohnen

durfte. Etwas mehr als 6.000 Zuschauer

können hier in der Theorie von der großen

überdachten Haupt- bzw. der kleinen

Stehtribüne gegenüber die Dilletanten auf dem

Rasen beschimpfen. Da solche Zahlen jedoch

nicht mal annähernd beim großen Derby

gegen die Fortuna erreicht werden, sind die

Pläne, ein neues Stadion zu errichten, natürlich

absolut nachvollziehbar. Na ja, muss jeder

selber wissen, was er für richtig hält. Wo so ein

überdimensioniertes neues Stadion hinführen

kann, kann man ja ein paar Kilometer weiter in

Aachen sehen. Nicht mein Bier, genauso wenig

wie das angesprochene Derby, aber das scheint

ja von den Aufklebern und Kloschmierereien

ein Riesending zu sein. Ob man das von Seiten

Fortunas auch so sieht? Wenn ich mir den 20-

köpfigen Haufen anschaue, der optisch eine

Mixtur aus Vorzeigehonzas, Althippies und

Dauerläufern darstellte, wage ich es mal zu

bezweifeln. Den einen oder anderen

Schmunzler konnten sie mir auf jeden Fall

entlocken, noch mehr für Verzückung sorgte

das Spiel. Lottes Sportfreunde reisten als

Spitzenreiter an, stellten nach zwei astreinen

Torwartfehlern die Weichen auch schon

frühzeitig auf Sieg. Zu ihrem Pech „verletzte“

sich der Mann zwischen den Pfosten jedoch

kurz darauf bei einer wohlwollend ausgedrückt

unorthodoxen Rettungsaktion. Ein Schelm,

wer Böses dabei denkt. Mit dem neuen

Schlussmann lief es dann auch gleich besser

für die Gastgeber, und nach einer turbulenten

zweiten Hälfte mit Führungswechseln und

Aluminiumtreffern hüben wie drüben und jeder

Menge gelber Kartons stand am Ende ein

ansehnliches drei-drei-gleichgespielt, wie der

gemeine Letzeburger sagen würde, auf dem

Spielberichtsbogen.

Mich führte die Autostrada dann auf quasi

direktem Wege, wenn man von einem

unbeabsichtigten Abstecher über einen

Feldweg absieht, ins holländische Tilburg, wo

ich nach einer recht entspannten Fahrt,

begleitet von einigen Schätzen, die ich nach

Jahren in den hintersten Ecken meines

Musikarchivs entdeckte, in unmittelbarer

Stadionnähe einen Parkplatz finden konnte.

Nachdem mich auch die orkanartigen

Windboen nicht wegwehen konnten, hatte ich

kurze Zeit später mein Ticket in den Händen –

wohlgemerkt ohne Club Card oder ohne mich

in irgendwelchen Facebookgruppen über diese

ominöse Club Card zu informieren. Herrje. Ich

glaub, an dem Tag, an dem mal keine Frage zu

irgendwelchen Club Cards oder Ähnlichem


auftaucht, fang ich endlich an Pfeife zu

rauchen. Heute war es aber noch nicht so weit,

sondern ich musste selbst in Holland ein Kreuz

setzen (Achtung, ganz schlechte Assoziation:

Passt ja auch zum Thema Pfeife, höhö).

Willem II – S.B.V. Excelsior 2:3

11.200Zuschauer (150 Gäste)

1. Liga Holland, Sa. 07.11.2015

So war ich dann pünktlich in einem Eckblock

des knapp 15.000 Plätze besitzenden König-

Wilhelm-II.-Stadions angekommen. Wie nicht

anders vermutet, erwartete mich hier ein

typisch holländisches Eredivisie Spiel. Das

Stadion eben ein typisch holländischer

Funktionsbau, die Stimmung eben typisch

holländisch nicht vorhanden (übertrieben, ja,

die ein oder andere Anfeuerung oder Pöbelei

gab es schon), Gästefans typisch holländisch

nur eine geringe dreistellige Anzahl und die

Frikandel musste typisch holländisch mit

Munten bezahlt werden. Dennoch machte es

trotz starkem Wind und daraus resultierender

Kälte Spaß, dem Geschehen zu folgen,

entwickelte sich doch ein recht flottes

Spielchen in diesem Kellerduell, das der erste

holländische Profimeister von 1954 trotz

zweimaliger Führung doch noch verlor. Viel

mehr gibt es auch wirklich nicht zu berichten,

typisch holländisch trifft es eben perfekt auf

den Punkt. Und auch wenn das eigentlich der

Inbegriff von Langeweile ist, selten etwas

Außergewöhnliches passiert und die Spiele

hier so viel Abwechslung bieten wie Edes

Reisepläne, bin ich ab und an doch ganz gerne

hier.

Aus gegebenem Anlass möchte ich hier aber

nochmals das schon angedeutete Club Card-

Thema aufgreifen, da dies mittlerweile auch

Kate sehr am Herzen liegt. Seit kurzer Zeit ist

sie Mitglied der Facebook Gruppe

„Groundhopping“, und fast täglich moniert sie

sich darüber, dass schon wieder jemand etwas

zu Holland und dieser Club Card geschrieben

hat. Klar, jeder fängt mal „klein“ an, so lange

bin ich auch noch nicht dabei, ich will auch

keinem ans Bein pissen, aber hier mal eine

kurze Anleitung, wie man sich in Holland

Karten beschaffen kann. Da ich bei meinen

knapp 20 Spielen – nicht die Masse, schon

klar,, aber für einen gewissen Erfahrungsschatz

reicht es – trotz nicht vorhandener Club Cards

immer Einlass erhalten habe, hier mal einige

Tipps, die eigentlich jeder beherzigen kann:

1. Auf der Homepage schauen, ob überhaupt

CC-Verpflichtung herrscht. Falls ja, s. 2.

2. Den gastgeben Verein kontaktieren. Wenn

es sich nicht gerade um ein Derby oder um das

Gastspiel von Ajax oder Feyenoord handelt,

bekommt man in der Regel immer seine

Tickets hinterlegt. In der Zeit, in der man einen

Facebook Post verfasst, hat man auch den

Verein angeschrieben. Wir sind hier nicht in

Italien. Die Holländer können für gewöhnlich

Englisch oder sogar Deutsch und antworten in

der Regel wirklich und das auch recht schnell.

Falls die Rückmeldung jedoch negativer Natur

ist, s. Punkt 3.

3a. Wenn Tageskassen geöffnet sind, hinfahren

und einen in der Schlange beauftragten, ein

Ticket mitbringen zu lassen oder beim

Kartenkauf die Touristenkarte ausspielen (hilft

trotz CC-Pflicht oft )oder Schwarzmarkt.

3b. Selbst eine CC bestellen.


4. Wenn alles negativ ist, kann man immer

noch fragen, ob jemand eine CC besitzt oder

einen Trick kennt. Allerdings könnte mit Punkt

1 und 2 das absolute Gros der gestellten Fragen

schon im Vorfeld geklärt werden.

Ich hatte heute Glück, dass auf der Homepage

Willem Twees die Info zu finden war, dass man

sein begehrtes Billet auch ganz ohne

irgendeinen bürokratischen Wisch bestellen

konnte. So ging es mit diesem im

Portemonnaie, einem neuen Kreuz im

imaginären Informer und Soundbombing Vol.1

and 2 in den Boxen über Köln, wo ich Kate

wieder aufsammelte, nach Hause, nicht ohne

noch ein Erinnerungsfoto von uns auf der

Rheinbrücke schießen zu lassen. Wieso schaffe

ich das auch immer wieder, in angekündigte,

kostenpflichtige Geschwindigkeitsmessungen

zu fahren? (Ö)

N

Apulien

ach einer fast halbjährigen Abstinenz

sollte es mich mal wieder auf den Stiefel

führe, diesmal wieder getarnt als verlängertes

Wochenende mit Kate. Klugerweise hatte ich

als Reisetermin diesmal die Länderspielpause

auserkoren, so dass die magische SGE mal

nicht dran glauben musste. Und da sich in Bella

Italia die Länderspielpause eh nur über die

höchste Spielklasse erstreckt, war dennoch für

ein kleines fußballerisches Rahmenprogramm

gesorgt.

Donnerstagabends oblag es mal wieder Onkel

Rainer unser beider Astralkörper gen Bari zu

befördern. Bis auf die Landebahn des

Flughafens der Hauptstadt Apuliens schafften

wir es zwar, Landung kann man das aber nicht

nennen, was Quak der Bruchpilot seiner

Maschine samt Insassen da zumutete.

Erstaunlicherweise überlebten alle Passagiere

den Beinahe-Absturz, und nur kurze Zeit später

konnten wir unseren süßen Fiat 500 für die

nächsten Tage in Empfang nehmen. Für den

ersten Abend hieß es jetzt aber nur noch in

unser wirklich tolles Hotel einzuchecken und

schlafen, ehe Freitag endlich wieder das so

liebgewonnene Dolce Vita genossen werden

konnte. Unsere Unterkunft ließ trotz relativ

geringer Kosten mal so keine Wünsche offen,

einzig das quasi inexistente W-Lan sorgte im

ersten Moment für Verwunderung. Aber was

im ersten Moment ein kleiner Abfuck war,

entpuppte sich im Laufe der Zeit als Glücksgriff

und man merkte mal wieder, wie entspannend

es ist, nicht alle paar Minuten sinnlos im Handy

rumzutippen. Sollte ich öfters mal machen…

Da Freitag jedoch noch kein Kick auf der

Agenda stand (bzw. ich Kates nerven nicht

überstrapazieren wollte…), kloppten wir

einiges an Natur (lukanische Dolomiten) und

Kultur (Matera) ab, da ich aber nicht zu weit

ausholen will, reichen diese knappen Worte

dazu, schließlich sollte am nächsten Tag auch

für uns endlich (also endlich für mich, ich denke

Kate dürfte da gegenteiliger Auffassung

gewesen sein) wieder der Ball rollen. Und ganz

Gentleman wie ich bin, habe ich dann auch

gleich für Samstag wie auch für Sonntag

jeweils zwei Spiele in den imaginären

Warenkorb gelegt. Bevor es uns aber zu den

eigentlichen Highlights des Ausfluges führen

sollte, hakten wir mit dem immer noch

rätselhaften Castel del Monte ein weiteres

UNESCO Weltkulturerbe im Welterbe-

Informer ab, dieser schreit ja auch förmlich

nach Komplettierung.


Da noch ausreichend Zeit bis zum Anpfiff in

Andria war, legten wir noch einen Umweg zum

Mittagessen nach Trani ein, bevor wir uns

wieder auf den Weg nach Andria machten.

Andria gehört zusammen mit Barletta und

Trani zur Provinz BAT (Barletta-Andria-Trani)

und ist mit ca. 100.000 Einwohnern auch

gleichzeitig die größte Stadt der Provinz, im

Gegensatz zu den anderen beiden im

Provinznamen genannten Städte scheint

Andria aber für den kulturinteressierten

Reisenden so gar nichts zu bieten zu haben.

Nee, ich geh soweit und sage, dass das, was wir

bei der Ortsdurchfahrt so gesehen haben, die

hässlichste Stadt Italiens gewesen sein dürfte.

Wenn ich mich irre, dürft ihr mich gerne

korrigieren.

Fidelis Andria – AS Melfi

senza biglietti

Wenigstens ließ sich das recht zentral

gelegene Stadion relativ schnell lokalisieren.

Hier war gute 45 Minuten vor Spielbeginn aber

mal noch so gar nichts los. Das hieß dann aber

auch für uns, dass wir nicht mit langen

Schlangen an den Kassenhäuschen beim

diesjährigen Liganeuling (souveräner Aufstieg

aus Serie D) rechnen mussten. Irgendwo

mussten diese ja auch sein, schließlich hieß es

auf den Spielankündigungsflyern, dass sie bis

Spielbeginn geöffnet seien. Nachdem wir

jedoch trotz Adleraugen keine erspähen

konnten, ergab die Nachfrage beim

Ordnungsdienst, dass es die begehrten

Zugangsberechtigungen heute nur in der

nahegelegenen Bar „Non solo cafe“ geben soll.

Oh mann, den Namen der Bar muss ich einfach

runterschreiben, so hat der sich seitdem in

mein Gedächtnis eingebrannt. Also mal die Bar

gesucht, dabei natürlich erstmals in die falsche

gewackelt, was anhand der

marihuanageschwängerten Luft und den

musternden Blicken der hier anwesenden

Kundschaft auch relativ schnell erkannt wurde,

und kurze Zeit später stand ich tatsächlich in

der Schlange, respektive dem Tumult, vorm

Kartenverkauf. Mittlerweile war der Zeitpuffer

zum Kickoff auch merklich geschrumpft, was

die ohnehin nicht gerade für Ihre Geduld

bekannten Italiener zu neuen Höchstleistungen

im Vordrängeln anstachelte. Irgendwann im

zweiten Versuch hatte der Verkäufer endlich

unsere Persos in der Hand, tippte die Daten in

seinen PC, kam damit nicht zurecht und gab

mir die Ausweise mit einem einfachen „no“

zurück. Wie jetzt? Nochmals hat er sie gar nicht

angenommen, und nachdem er noch ein bis

zwei Einheimische abgefertigt hatte, ließ er

trotz noch wartender Meute seinen Rollo um

Punkt 15:00 Uhr mit einem „Finito“ runter.

Vaffanculo! Scheinbar gibt’s hier zwar mehr als

Kaffee, Tickets fallen aber nicht unter dieses

„mehr“. Was ein Abfuck. Die letzte Option

„Ordner zulabern“ und auf die Tränendrüse

drücken half auch nichts, obwohl ich hier

anfangs sogar noch Hoffnung hatte, als unsere

Causa kurzfristig zur Chefsache erklärt wurde,

aber auch der Oberordner wollte uns dann

nicht mehr helfen. Stattdessen wurden wir

wieder zurück zu dieser komischen Bar

geschickt, in der es angeblich nicht nur Kaffee

geben soll. Nee, lass mal…dann lieber gleich

nach Foggia.

Hier war es nun also: Das erste Spiel, bei dem

ich nicht ins Stadion kam. Immer mal was

Neues.

Ärgerlich vor allem in der Hinsicht, dass ich

mich auf Andria mit am meisten gefreut hatte

und hier schon immer mal hinwollte. Und was

ich von außen zu hören bekam, hat das auch

nur bestätigt. Laute, kraftvolle, melodische

Gesänge, unterstützt von mehreren

Trommeln. Ganz so, wie man es sich wünscht.

Das ließ mich Kate gegenüber leider zu der

Aussage hinreißen, dass Trommeln in Italien ja

nicht mehr selbstverständlich sind, was sich


noch als running Gag des Wochenendes

offerieren sollte. Aber hier gab es für uns nix

mehr zu holen. Wenigsten holte auch keine der

beiden Mannschaften irgendetwas und das

Spiel endete 0:0.

Nach einer knappen halben Stunde hatte ich

mich dann auch wieder beruhigt – ja, ich gebe

zu, meine Laune war im absoluten

Negativbereich zu suchen und ich wollte den

Urlaub schon wieder canceln – und ich war

auch schon wieder in Vorfreude auf das

Abendspiel in Foggia, sogar Kates Laune war

recht schnell wieder besser.

Gute 60 Minuten später parkte unser wie schon

erwähnt megasüßes Gefährt dann auch bereits

hinter der Gegentribüne des Stadio Pino

Zaccheria. Hier war das Kassenhäuschen zum

Glück noch geöffnet (schloss zwei Stunden vor

Spielbeginn) und diesmal gab es auch keine

Probleme mit unseren Ausweisen, so dass wir

kurze Zeit später unsere Bigletti in der Hand

hielten. Jetzt waren halt noch über drei

Stunden bis es hier los ging und wir mussten

die Zeit irgendwie totschlagen.

Überraschenderweise entpuppte sich die Stadt

Foggia aber als recht angenehm. In meiner

verworrenen Gedankenelt war Foggia immer

ein Begriff für eine heruntergekommene,

dreckige Stadt, stellte ich mir irgendwie so vor,

wie Andria des mittags ausgesehen hatte. In

der Realität waren wir aber recht positiv

überrascht. Aufgrund von Zerstörungen durch

Kriege und Erdbeben gibt es hier zwar kaum

noch historische Gebäude, das Zentrum

präsentiert sich aber trotzdem oder gerade

deswegen als sehr freundlich und lebendig.

Hier ließ es sich gut flanieren, einzig mit der

Nahrungsaufnahme sah es schwierig aus. Aber

finde hier mal bitte ein Restaurant, das seinen

potentiellen Gästen vor 19:00 Uhr Speis und

Trank anbieten möchte. Oder besser gesagt:

Finde hier mal ein Restaurant. Uns zog es dann

in eine Backstube, die auch Pizza anbot. Nicht

das gemütlichste Ambiente und nicht die beste

Pizza, aber selbst diese war noch um Längen

besser, als fast alles, was einem so in

heimischen Gefilden als original italienische

überbackene Steinofenprodukte angeboten

wird.

Gesättigt und zufrieden machten wir uns dann

wieder auf zum Stadion. Dieses liegt gute zehn

Fußminuten vom Zentrum entfernt und bietet

auf zwei Rängen Platz für 26.000 Zuschauer.

Ohne Namensabgleich oder Taschenkontrolle

betraten wir den wunderschönen Bau.

U.S. Foggia – S.S.Monopoli 0:2

8.228 Zuschauer (Gästeverbot)

3. Liga Italien, Sa. 14.11.2015

Hier schnell ein lauschiges Plätzchen auf der

sehr gut gefüllten Gegengerade in Höhe der

Mittellinie in Beschlag genommen und dann

dem Treiben auf den Rängen gespannt gefolgt.

Wie leider vermutet, gab es heute ein

Gästeverbot, mit sowas muss man hier bei

Risikospielen leider immer rechnen.

Dementsprechend verwaist war der settore

ospiti dann auch, die anderen beiden Kurven

hingegen platzten aus allen Nähten. Seit

geraumer Zeit stehen die aktiven Tifosi auch in

Foggia auf unterschiedlichen Traversen.

Während die Curva Sud die historische Kurve

ist und auch heute noch von einigen älteren

(aber auch jüngeren) Gruppen bevölkert wird,

genießt aus Tifosicht die jüngere Curva Nord

(inoffiziell nach Franco Mancini benannt,

langjähriger Torwart und ehemaliger Trainer

Foggias, gestorben 2012) aktuell den besseren


Ruf. Gründe, wieso hier eine Abspaltung

stattgefunden hat, kann ich leider nur

vermuten, der naheliegendste Grund, sprich

unterschiedliche Handhabung der Tessera,

wird es jedoch nicht sein, da diese von allen

Seiten konsequent abgelehnt wird. Außerdem

zogen die ersten Tifosi schon weit vor

Einführung der TdT gen Norden. Von daher

lassen wir die Spekulationen einfach und

finden uns mit den Gegebenheiten ab. Und die

sahen optisch schon wieder ganz hervorragend

aus:

Wie gesagt, beide Kurven richtig voll, komplett

beflaggt, viele Schwenkfahnen, Trommeln und

Megafon auf beiden Seiten – perfetto.

Der relativ hohe Zuschauerzuspruch dürfte

auch der aktuellen Erfolgsserie geschuldet

sein. Aus den letzten sechs Spielen konnte

Foggia ganze 16 Punkte einfahren, woraus sich

aktuell ein zweiter Tabellenplatz ergibt. Der

Gast aus Monopoli dümpelt als Aufsteiger

irgendwo im Mittelfeld rum. Wobei ich hier

jetzt gestehen muss, dass ich schon etwas

überrascht war, als ich Monopoli auf einmal in

der Serie C erblickte. Letzte Saison wurden sie

nur 11. in der Serie D, konnten aber den

Pokalwettbewerb der Serie D gewinnen und

somit doch an den Aufstiegsplayoffs

teilnehmen. Hier scheiterte man zwar im

Finale, trotzdem stieg man irgendwie am

grünen Tisch auf. Aber für wen, wann und

wieso? Frag mich net, dieses Chaos, was da in

der Sommerpause mit Pleitevereinen,

Lizenzproblemen, Strafversetzungen wegen

Manipulation und was weiß ich noch alles

geherrscht hat, würde hier den ohnehin schon

wieder geprengten Rahmen nochmals völlig

sprengen – abgesehen davon, dass

wahrscheinlich eh keiner mehr nachvollziehen

kann und will, was da alles gelaufen ist. Also

handhaben wir es einfach so wie mit der

gespalteten Kurve Foggias und akzeptieren es

ebenso einfach mal so, wie es ist.

Nach so viel Vorgeplänkel kann ich dann ja

auch mal zum Spiel an sich kommen. Um kurz

nach halb neun liefen die Mannschaften ein,

und nach der Schweigeminute für die Opfer in

Paris hätte es auch direkt losgehen können.

Zusätzlich zu den Attentaten in Paris gedachte

man heute auch dem Jahrestages des

Hauseinsturzes in Foggia, bei dem 11.11.1999

insgesamt 67 Menschen ums Leben kamen.

Hierzu hielt die Mannschaft Foggias ein

Transparent in den Händen und vor der Curva

Sud hing über die gesamte Spielzeit ein großes

Spruchband. Weitere Spruchbänder im Laufe

der Partie (und eigentlich auch aller anderen

Spiele an diesem Wochenende) wurden für

Paris und zum Todestag Gabriele Sandris

(11.11.2007) gezeigt.

So, jetzt aber.


wurden, wurde es noch ruhiger. Und so kam es

wie es kommen musste, und mit einem

diesmal perfekt getroffenen Seitfallzieher

entschied Monopoli das Spiel. Vor meinem

ausrastenden Gästepöbel, der das unter

Schock stehende Stadion bis zum Abwinken

verhöhnt, aber dem machten ja die Behörden

einen Strich durch die Rechnung.

Wie gesagt, das Spiel hätte losgehen können,

mit Beendigung der Schweigeminute entlud

sich jedoch ein Orkan auf den Rängen, was im

Werfen von tausenden Kassenrollen, sowohl

von Sud, als auch von Nord, gipfelte.

Zusätzlich brannte, rauchte und blinkte es jetzt

an allen Ecken. Nicht koordiniert, jeder machte

was er wollte, direkt vor uns hielten die Leute

z.B. völlig ungeniert und unvermummt Blinker

in der Hand, gestört hat es freilich keinen. Und

während die armen Balljungen unten auf dem

Platz versuchten, diesen von den Kassenrollen

zu befreien, sang sich der Oberrang in

ohrenbetäubender Lautstärke in einen

kollektiven Rausch. Das sind sie, die Momente,

die einem in dem bestätigen, was man da

macht. Ähnlich wie das Publikum legte auch

die Heimelf los und man hatte das Gefühl, sie

wollten den Gast überrollen. Dieser überzeugte

aber mit einer Taktik, der gegenüber man

unsere gegen die Bayern noch als offensiv

bezeichnen kann. Als dann Mitte des ersten

Durchgangs selbst ein Elfmeter nicht verwertet

werden konnte, legte ich mich fest, dass hier

kein Tor mehr fällt. Seltsamerweise konnte

jedoch Monopoli kurz vor der Pause mit einem

verunglückten Seitfallzieher, was

gleichbedeutend mit der ersten Chance war,

die Führung erzielen. War natürlich ein

Dämpfer für die bis hierhin formidable

Stimmung, als in der zweiten Hälfte weitere

Hochkaräter entweder kläglich versemmelt

oder vom Keeper hervorragend abgewehrt

Beinahe wäre das Spiel aber nochmal

spannend geworden. Unmittelbar nach der

eigentlichen Entscheidung zeigte der Referee

in Kombination mit einem Feldverweis erneut

auf den Punkt, doch – und selbst wenn man

das Ergebnis in der Spielübersicht nicht

gelesen hat, wird man es erahnen können -

auch diesmal blieb Gästegoalie Pisseri Sieger.

Zwei, drei Glanzparaden und insgesamt elf

Minuten Nachspielzeit später erklärte der

Unparteiische die Angelegenheit dann für

beendet und für uns hieß es schnellen

Gasfußes zurück nach Bari, war ja mittlerweile

reichlich spät geworden.

Zum Abschluss des heutigen Tages noch eine

Beurteilung der beiden Kurvenleistungen: Mal

abgesehen davon, dass es in der zweiten

Halbzeit doch teilweise ziemlich ruhig war, hat

mir das alles mal wieder ganz hervorragend

gefallen. Curva Nord war in der Spitze etwas

geschlossener und lauter, über die gesamte

Zeit hat mit Curva Sud aber etwas besser

gefallen. War etwas melodischer und allein wie

die Trommler da auf der Brüstung sitzen und

ihre geilen Rhythmen schlagen, da könnt ich

ewig zugucken. Allgemein war das auch alles

sehr spielbezogen und wenn es zum Ende hin

immer ruhiger wurde, war das zwar etwas

schade für den Moment, aber am End auch

einfach authentisch. Nuff said.

Sonntagmorgen, frühstücken und wieder raus

in die strahlende Herbstsonne. Aufgrund des

Spielausfalls gestern in Andria konnte ich Kate


heute ohne schlechtes Gewissen einen

weiteren Doppler aufdiktieren ;-)

Die Kombination aus Taranto vs. Gallipoli und

Martina Franca vs. Matera klang auch sehr

vielversprechend. Ich fragte mich dann beim

einzigen täglichen WiFi-Check nur, ob ich

entweder die Anstoßzeiten falsch in

Erinnerung hatte oder ob ich mal wieder Opfer

einer kurzfristigen Spielverlegung wurde, auf

jeden Fall sollten beide Spiele jetzt zeitglich

stattfinden. Naja, war scheinbar nicht meine

Tour, passiert. Und obwohl eigentlich der

Besuch bei Taranto einer der Hauptgründe für

mich für diese Reise war, habe ich mich dann

aus dem Bauch heraus doch für Martina Franca

entschieden. Taranto kennt man halt, man

muss sich auch mal überraschen lassen.

Also machten wir uns durch das wunderschöne

Val d’Itria mit Abstecher in unserem neuen

Lieblingsort Locorotondo (sprich Locorotondo)

auf den Weg in das ebenso schöne barocke

Martina Franca. Hier schnell im Tabakladen

problemlos die Tickets ausgehändigt

bekommen, wollten wir uns vor der Pflicht

noch gemütlich etwas zu essen gönnen. Das

klappte aus Zeitgründen dann auch nur

suboptimal (Spötter würden sagen „überhaupt

nicht“), so dass der Weg zum Stadion von

kleineren Meinungsverschiedenheiten geprägt

war. Waren dann aber auch die letzten dieser

Art, alles gut.

A.S. Martina Franca – S.S.Matera Calcio 0:1

1.000 Zuschauer (100 Gäste)

3. Liga Italien, So. 15.11.2015

So, herzlich willkommen zum Kellerduell des

Tabellenletzten gegen den Drittletzten. In

einem ähnlichen Zustand wie die

Tabellensituation präsentierte sich auch das

Stadion, womit beides aber noch deutlich

gesünder als das Geläuf sein sollte, auf dem

heute sicherlich keine sportlichen

Höchstleistungen erwartet werden durften.

Kurzzeitig fragte ich mich, ob da unter der

Woche noch ein Reitturnier stattgefunden

hatte, so erbärmlich präsentierte sich der

Rasen. Wenigstens dürfte die Eintrittskarte

eine der schöneren ihrer Machart sein, man

muss ja auch nicht immer nur meckern. Und ich

muss sagen, gemeckert hab ich dann auch

genug. Ja, das Spiel war sicherlich kein

Augenschmaus, man konnte schon recht gut

die doch limitierten Fähigkeiten der Akteure

erkennen. Aber wenigstens wollten sie (ob

man das jetzt als Kompliment auffassen kann,

soll jeder für sich selbst entscheiden). Aber

auch bei diesem Gerumpel war dem

Heimpublikum ein Treffer ihrer Helden (?) nicht

vergönnt, dafür durften die Gäste einmal

ordentlich jubeln. Und das taten sie dann auch.

Jetzt könnte man meinen, dass man mit dieser

geringen Anzahl sicherlich keine Bäume

ausreißen kann, aber was uns von den

Höhlenmenschen

gegenüber

entgegenschallte, war doch schon aller Ehren

wert. Ordentlich laut, schöne Melodien, guter

Pöbelfaktor – bekommt auf jeden Fall den

Daumen nach oben. Selbiges gilt auch für die

hinter dem Tor auf einer stark

einsturzgefährdeten

Stahlrohrtribüne


stehenden Ultra‘ Martina Franca. Fachfrauisch

erkannte Kate gleich zu Beginn des Spiels, dass

auch hier die kraftvoll vorgetragenen Gesänge

ja instrumental unterstützt wurden („Oh, hör

mal, eine Trommel. Das ist ja selten

heutzutage“), trotzdem machte sie in der

Folgezeit ein kleines Nickerchen. Ich hingegen

hatte meinen Spaß, war ich doch

chipsknabbernd positiv überrascht worden.

Sicherlich nicht so ein Spektakel wie in Taranto

möglich gewesen wäre, aber in Anbetracht der

Umstände auf jeden Fall mehr als

zufriedenstellend. Da sehe ich auch mal

darüber hinweg, dass es analog zu gestern

auch hier in der zweiten Hälfte merklich

ruhiger wurde.

Der Abpfiff war dann auch gleichbedeutend

mit der Beendigung des fußballerischen Teils

des Wochenendes, der Rest bestand nur noch

aus Dolce Vita, weiteren Haken im Welterbe-

Informer, der Fahrt von einem pittoresken

Küstenort zum nächsten und Pastaeinkaufs für

die heimische Sammlung. Dass ich hingegen

überhaupt nach Hause durfte, stand am

Flughafen noch in den Sternen, hatten die

Sicherheitsbedienstete doch ein Problem mit

meinem hochgefährlichen Rasierschaum.

Utopische Momente, als fast die komplette

Sicherheitskontrolle lahmgelegt wurde, um

meinen – ich wiederhole – Rasierschaum zu

begutachten. Jeder hatte das Ding mal in der

Hand, natürlich nur mit speziellen

Handschuhen, eine Fotoanalyse von sechs

wachsamen Augen brachten auch keine neuen

Erkenntnisse, der Security Chef in seinem Büro

war auch überfordert. Und während des

ganzen Schauspiels saßen Kate und ich da und

beobachteten breitgrinsend das Drama.

Irgendwann wurden wir dann aufgeklärt: In

meinen „object“ (damit war wohl der

Rasierschaum gemeint) wär ein „object“ (???

O-Ton: „There’s an object in your object“). Auf

jeden Fall durfte ich dann doch weiterfliegen,

meinen Rasierschaum war das leider nicht

mehr vergönnt. Weg war er, der mit fünf Euro

teuerste Rasierschaum meines Lebens

(remember Panama) Zum Glück hatte ich

meine Gesichtsbehaarung morgens noch auf

Vordermann gebracht, sonst wäre ich

ausgeflippt.

Fazit: Zwar lief fußballerisch jetzt nicht alles

nach Plan, aber auch das ist Italien in der

heutigen Zeit. Unüberwindbare Bürokratie

beim Ticketerwerb, Gästeverbot,

Rumpelfußball und Catenaccio. Und trotzdem

überwiegen die positiven Eindrücke der immer

noch lebendigen Fankultur wesentlich mehr.

Über das Land und Leben müssen wir nicht

reden, da gibt’s eh nix besseres. Bis zum

nächsten Mal. (Ö)

N

1.FC Kaiserslautern – FSV Frankfurt 1:1

26.000 Zuschauer (200 Bernemer)

2. Liga, So. 22.11.2015

ach sage und schreibe sechs Wochen

Stadionabstinenz und man zuletzt das

Volk von der anderen Mainseite gesehen hatte,

ging es nun wieder Mal nach K-town *räusper*

- was die Sache natürlich nicht besser macht.

Aber was will man machen, wenn einen die

Sucht treibt und einem im Endeffekt eigentlich

nichts anderes übrig bleibt. Außerdem wollte

ich mich mit Chris Roberts, einem Engländer,

den ich mit Patrick in Warschau kennengelernt

hatte, dort treffen. Er war schon seit Freitag in

Deutschland on Tour und wollte sich

abschließend den Betzenberg anschauen. Ich

briefte ihn und seine Begleiter erstmal, was Sie

heute zu erwarten hatten und hatte damit


leider Recht. Meine Glaskugel sprach von um

die 20.000 Zuschauer, einem schönen

Bumskick und sehr gutem Catering. Es sollte

sich alles erfüllen, da musste man aber in

dieser Saison wahrlich kein Prophet sein.

Manchmal muss man sich schon fragen, was

man von seinem Verein eigentlich erwartet.

Man schwelgt teilweise in den glorreichen

Zeiten. Davon kann jeder Hamburger, Bremer

oder Kölner ein Lied singen - genauso auch in

Kaiserslautern. Man kommt gedanklich einfach

nicht damit klar, in der zweiten Bundesliga

angekommen zu sein und dort ist man nach

mehreren gescheiterten Versuchen wieder

erstklassig zu werden, in dieser Saison im

Mittelmaß angekommen. Jedem, der mit

etwas Leidenschaft beim Fußball dabei ist,

muss das Herz bluten, wenn man solche

Vereine in Liga zwei sieht und dann kann man

sich ungefähr ausmalen, was dies für die treue

Anhängerschaft bedeutet. Ich erinnere mich

daran, als Bielefeld gegen Duisburg in der

letzten Saison in der 3. Liga aufeinandertrafen

und ich zu meinem Vater sagte, dass ich mir

lieber dieses Spiel anschauen würde, als z.B.

die Bundesliga-Begegnungen Hannover gegen

Paderborn oder Leverkusen gegen Wolfsburg,

die am gleichen Spieltag stattfanden. Sagt

glaube ich schon einiges, wenn man bedenkt,

dass Bielefeld gegen Duisburg früher in der

Bundesliga der Inbegriff von Tristesse war.

Heutzutage wäre man froh, wenn man

Hoffenheim oder Ingolstadt durch diese

Vereine ersetzen könnte. Was dem geneigten

Fußballzuschauer dann auch noch auffällt, ist,

dass wenn es nicht läuft, alles und jeder bis auf

das Übelste beleidigt wird. Ist nicht nur in

Kaiserslautern der Fall, sondern ist glaube ich

in jedem Stadion in der Welt der Fall außer

vielleicht bei den unbesiegbaren Bayern. Aber

wieso fängt man an Spieler auf wirklich

allerniedrigstem Niveau zu beleidigen, wenn es

nicht läuft? Wieso gibt es sogenannte

Feindbilder, die von einem Großteil der

Fankurve einfach gehasst werden? Braucht

man einen Sündenbock für alles, was bei einem

im Alltag nicht läuft. Ist dann der Meier, Müller

oder ein anderer der Ersatz für die Leute, die

ich mal gerne beleidigen würde? Ich denke mal,

rational ist es nicht zu erklären, da sich dieses

Phänomen wirklich quer durch die Fanstruktur

eines Vereins zieht. Da rastet der Rentner bzw.

die Rentnerin mal genauso aus, wie ein

Hardcore-Fan aus der Kurve. Warum ist klar,

jeder hängt genauso an seinem Verein und

muss dem Ärger Luft machen. Dabei kann man

froh sein, dass die Spieler die Äußerungen, mit

denen Sie bedacht werden, nicht so wirklich

wahrnehmen, außer vielleicht bei einem

Eckball, der mal wieder ins Aus geht und ein

Raunen über die Ränge geht.

Alles in allem wieder mal ein Besuch auf dem

Berg, welcher nicht in die Kategorie bleibende

Erinnerungen eingeordnet werden wird. (E)

E

1.FC Saarbrücken – TSV Steinbach 4:0

3.771 Zuschauer (10 Gäste)

Regionalliga, Sa. 05.12.2015

s ist Samstagmorgen. Die Straße ist

gekehrt und der Stiefel für den morgigen

Nikolaustag in freudiger Erregung ob der

erwarteten Geschenke poliert und vor die Tür

gestellt - brav war ich ja dieses Jahr. Auch die

mal wieder gar nicht so magische SGE gönnt

uns noch einen Tag der Besinnlichkeit vor der

Derbyschande. Da ich auch trotz täglichem

Analysierens der Spielansetzungen keine

vollends überzeugende Samstagsausfahrt auf

die Beine stellen konnte und potentielle

Mitfahrer noch rarer gesät sind als Rasenplätze


in Costa Rica, sieht alles nach einem

gemütlichen Sonnabend im Kreise meiner

Liebsten aus. So ganz will ich mich damit aber

nicht anfreunden, wenn ich schonmal Zeit

habe, kann ich die schließlich auch sinnvoll

nutzen. Während über die Mattscheibe das

wöchentliche TV-Highlight in Form des GZSZ

Brunches flimmert und ich mir passend dazu

die zweite Pfanne Rührei kredenze, schlage ich

mich mit einem perfekten Stein gegen eine

fast ebenbürtige Schere im Schnick-schnackschnuck

selbst, womit die Entscheidung

zugunsten eines Stadionbesuchs gefallen ist.

Zwar wird mit Saarbrücken kein neues Kreuz

gemacht, da heute jedoch das letzte Spiel im

altehrwürdigen Ludwigspark stattfindet, kann

man hier ruhigen Gewissens nochmals

vorbeischauen und diese wunderschöne

Sportstätte gebührend verabschieden. Also

schnell das Navi (= manuelle Abschrift der

google maps Wegbeschreibung) in Position

gebracht, und schon bringen die vor kurzem

wiederentdeckten ersten Alben von Capone-N-

Noreaga und Heltah Skeltah den Kopf zum

Nicken, wodurch die zwei Stunden, bis ich den

Sinner-Express kostenneutral in Fluchtrichtung

parkiere, wie im Kurzstreckenflug vergehen.

Sieben Jahre ist es her, dass wir hier bei einem

legendären 8:1 gegen den damaligen

Tabellennachbarn Pirmasens zuletzt zugegen

waren. Was mich in der Rückblende noch mehr

als das Ergebnis verwirrt, ist die Frage, wie wir

damals völlig planlos durch Saarbrücken fahren

konnten, ohne das Stadion zu finden. Also

wirklich, so schwer ist das ja echt nicht,

vorausgesetzt man ist in der Lage Schilder zu

lesen.

Für okaye sieben Euro erhalte ich armer

Student Einlass in das absolute Brett von

einem Stadion. Der DJ überzeugt durch seine

Musikauswahl wesentlich mehr als die Boxen,

durch die er diese jagt, aber sie passen zum

Charme des Stadions. Ausschließlich Bands,

die schon live im Ludwigspark aufgetreten

sind, finden den Weg in meine Gehörgänge.

Welch Wohltat im Vergleich zum sonstigen

Einheitsbrei. Beim Blick in die Virage Est

verfluche ich mich selbst schon wieder für das

Malheur mit dem Bilderknipsgerät in Trani,

schließlich bin ich deshalb heute unbewaffnet

unterwegs. Dass sich dies rächen sollte, ist mir

bereits im Vorfeld klar, wie sehr allerdings,

werde ich erst im Laufe der zweiten Hälfte

erfahren.

Zum Einlaufen der Mannschaften prangert vor

der Virage Est ein großes „Weltkulturerbe

Ludwigsparkstadion“ Transparent. Dahinter

wird mittels Überziehfahnen eine eins-zu-eins

Kopie der wuchtigen und prägenden

Anzeigetafel samt wechselnden „Anzeigen“

gezeigt, bevor es zum ersten Mal gehörig

anfängt zu brennen. Vater mit Tochter neben

mir echauffiert sich ebenfalls zum ersten Mal

für heute so richtig, ist danach aber wieder

mehr mit dem Kicker Liveticker beschäftigt. Ich

behaupte mal ganz dummdreist, dass er nur

seinen Blick vom Smartphone wendet, wenn er

sich mal wieder über die Idioten im Block

aufregen kann. Dabei können die Idioten noch

viel mehr. Singen zum Beispiel, und nicht nur

die gewöhnlichen Youtube-Charts. Ich gebe zu,

ich bin schwer begeistert. Bloß die Heimelf

scheint sich im ersten Durchgang wohl

endgültig aus dem Aufstiegsrennen

verabschieden zu wollen. Gegen die von

Thomas Brdaric trainierten Steinbacher hat

man mehr als Glück, dass man sich den

wärmenden Pausentee nicht mit einem Zwei-

Tore-Rückstand einverleiben muss. Anstatt

Tee gönne ich mir eine schmackhafte

Feuerwurst, bevor mir nach Wiederanpfiff die

Augen aus den Höhlen fallen wollen. Es dauert

keine Minute, da zeigt der Unparteiische

zunächst auf den Elfmeterpunkt, dann dem

dafür verantwortlichen Gästeakteur Jakobs

den Carton rouge. Ein gewisser Herr Matthew


Taylor – dem ein oder anderen Leser dürfte er

noch durch seine vielen Tore in Liga zwei und

drei bekannt sein – versenkt sicher, was in der

Kurve als Startschuss für ein unfassbares

Pyroinferno wahrgenommen wird. Ich will mich

nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich

glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich

behaupte, dass dies an die 20 Minuten dauert,

bis sich der Nebel so halbwegs verzieht. Ich

kann mich nicht dran erinnern, jemals zuvor in

die Luft geschossene Rauchdosen gesehen zu

haben, der Effekt ist grandios. Am Boden

dichter blauer und schwarzer Qualm,

ergänzend dazu in der Luft gelber –

phänomenal. Das ganze wiederholt sich in

abwechselnder Anordnung, dazu immer

wieder Fackeln, bestimmt 20 Schwenker am

Wedeln und auf dem Platz fällt auch ein Tor

nach dem andern. Ich kann mir ein

verschmitztes Grinsen nicht verkneifen. Im

Gegenteil, es wird immer größer, wenn ich in

den Rauchschwaden schemenhaft Menschen

mit ihren Fahnen hüpfen sehe und sich

dahinter 300 Leute mit mir relativ unbekannten

Melodien in einen Rausch singen. Zum letzten

Pfiff im Ludwigspark ist der Endstand von 4:0

erreicht, aus dem Block heraus wird nochmals

ein richtiges Feuerwerk gezündet und der

Verein lässt sich nicht lumpen, Freibier zu

sponsern, womit es für alle ein gelungener

Abschied ist – außer für Vater und Tochter

neben mir. Das ist aber auch immer eine

Sauerei mit diesen sogenannten Idioten im

Fanblock, da kann man sich nur aufregen. Und

scheinbar sind wohl auch nicht alle Spiele so

ausgegangen, wie er es gerne hätte. So was

aber auch. Mir ist’s egal, ich bin für heute fast

uneingeschränkt zufrieden. Zum

vollkommenen Glück fehlt heute nur ein

Fahrer, zu gerne würde ich das Freibier

probieren. Verdient hätte ich es, schließlich

war es das letzte Mal hier ein ähnliches Bild,

nur dass ich am Steuer saß, während sich Ede

auf der Rückfahrt neben mir hemmungslos

betrank…

Abschließend muss ich auch mal objektiv

festhalten, dass das heute ganz großes Kino

war. Man ist ja immer etwas voreingenommen,

was deutsche Kurven angeht und macht auch

vieles schlechter als es ist, aber ich sag mal so:

Wenn ich das Spiel heute so in Italien gesehen

hätte, würde ich wohl aus dem Schwärmen

nicht mehr rauskommen und es wäre ein ganz

großer Top10 Kandidat. (Ö)

Borussia Dortmund – PAOK FC 0:1

55.200 Zuschauer (3.000 Gäste)

Europa League, Do. 10.12.2015

Mein Bruder weiß ja grundsätzlich alles.

Und das, was er nicht weiß, wird umgehend

nachgelesen, um so die letzten freien Stellen

im Haupthirn auch noch zu belegen. Ich war ja

schon recht froh, dass ich auf der Heimfahrt

den Platz hinter dem Beifahrersitz, welcher

heute von Fot…äh Michi aka Plackan okkupiert

wurde, einnehmen durfte. So ging der Kelch

des Wikipedia-Artikel-Vorlesens gepflegt an

mir vorbei. Während Philipp zu meiner Linken

zu seinem Glück schon im Reich der Träume

weilte, durften wir unseren Bestand an

unnützem Wissen aufbessern. Die Kelly Bundy

Theorie besagt ja, dass jedes Hirn nur eine

gewisse Menge an Informationen aufsaugen

kann. Wenn diese erreicht ist, sich dann jedoch

etwas neues Unbekanntes seinen Weg in

Richtung Denkleistungszentrum bahnt, geht

das Erste, was man jemals abgespeichert


hatte, verloren. Das ist quasi ein eiskalter

Verdrängungswettbewerb. Im Hause Sinner

scheint dies mit den Hirnen etwas anders zu

funktionieren als im Hause Bundy: Mein Bruder

hat scheinbar unbegrenzt freien Speicherplatz,

bei mir wird jede neue Information schon an

der Einlasskontrolle abgewiesen. Ich les und les

und les, frag mich morgen danach, hab ich es

vergessen – die Quintessenz kann ich mir zwar

noch merken, den Weg hin jedoch nicht. Was

ich mir jedoch von dieser Fahrt gemerkt habe,

ist die Sache mit dem Frauenvolleyball-

Europacup. Und da ich das auch für sehr

seltsam halte, versuche ich das einfach mal

wieder zu geben: Als bekannt setze ich voraus,

dass der Sieger in einem Final Four ausgespielt

wird, ergo brauchen wir am Ende vier

Finalisten. Die Vorrunde wird in sechs

Vierergruppen ausgetragen, von denen sich

jeweils die besten zwei für die KO-Phase

qualifizieren. Und wer jetzt schnell im Kopf

mitgerechnet hat, wird festgestellt haben, dass

nach diesem Modus nur drei Teams

übrigbleiben. Die Frage ist jetzt natürlich, wer

ist der vierte Teilnehmer? Tja, die Antwort ist

so simpel wie sportlich sinnvoll. Es ist natürlich

der jeweilige Gastgeber des Final Four.

Besonders skurril wird es, wenn man sich jetzt

vor Augen führt, dass diese Mannschaften in

der Vorrunde noch mitspielen, unabhängig

vom Abschneiden jedoch die Playoff-Phase

überspringen und direkt im Final Four gesetzt

sind. Und wenn ihr euch jetzt fragt, wer sich

dieses Highlight an Austragungsmodus

ausgedacht hat, kann es auch hier nur eine

Antwort geben: Der Sepp Blatter des

Volleyballs. Bestätigt wird diese These, wenn

man sich die Austragungsorte der letzten Jahre

anschaut, waren dies doch abwechselnd Baku

und Istanbul. Ein Schelm…

Trotzdem geht’s in dieser Scheißhauslektüre

noch nicht um Frauenvolleyball (Betonung liegt

auf „noch“. Ich gehe davon aus, dass es die

längste Zeit gedauert hat, bis ihr auch hiervon

eine gewohnt hochwertige Berichterstattung

erhalten werdet), also betraten wir anstatt der

Westfalenhalle das gleichnamige Stadion.

Irgendwie fand ich es vom ganzen Drumherum

heute viel angenehmer als im gewöhnlichen

Bundesligaalltag. Endlich mal nicht im völlig

überfüllten Block stehen und kaum etwas von

der Niederlage sehen, Norbert Dickel kam mir

auch viel weniger aufgeregt vor als

Samstagmittags, das ging so weit schon klar.

Das kann man jetzt vom Spiel an sich und auch

der Südtribüne nicht behaupten, das war heute

beides unterirdisch. Vom Niveau kam das

schon recht nahe an Frauenvolleyball ran – und

nein, damit will ich nicht diesen wirklich

ästhetischen Sport - nicht nur bezogen auf das

Äußere der Protagonistinnen - schlecht reden.

Aber das zählte heute ja alles nicht, ist ja kein

Geheimnis, dass der Grund meiner

Anwesenheit PAOK hieß. Gut, und hier könnte

ich jetzt eigentlich den Bericht vom Fiorentina

Spiel letztes Jahr (s. Ausgabe 1) wiedergeben.

Leck mich am Arsch, haben die wieder das

Haus gerockt, vor allem unter den

Gesichtspunkten, dass es sportlich um nichts

mehr ging und man eh schon ausgeschieden

war. Und auch wenn der Großteil der im

oberen Eckblock postierten Griechen sicherlich

nicht direkt aus Thessaloniki kam, präsentierte

man sich absolut geschlossen, laut, brachial

und melodisch. Der sich abzeichnende Sieg

ließ den Ausrastfaktor nochmals nach oben

steigen, so dass ich doch völlig zufrieden mit

dem Gehörten war, auch wenn es in Florenz

noch eine gute Schippe geiler war.

Zwischen Abpfiff und Auffahrt auf die

Autobahn lagen lediglich 15 Minuten, was

einen physikalisch eigentlich unmöglichen

Rekord darstellte, und nach einer von weiteren

nichtabgespeicherten Informationsfluten

geprägten Heimfahrt und einer ebenfalls 15

Minuten dauernden Fantabestellung bei einer


bekannten Fast(?) Food Kette, kamen wir auch

alle wohlbehalten wieder im heimischen

Schlafgemach an. Bis Sonntag, Dortmund. (Ö)

FC Schalke 04 II – Sportfreunde Lotte 1:1

250 Zuschauer (ca. 5 Gäste)

Regionalliga, So. 13.12.2015

aus seiner Hand ins Aus oder unerreichbar für

seine Mitspieler abzugeben.

Nach den 90 Minuten ging es flux Richtung

Auto um sich die fällige Packung in Dortmund

abzuholen. Das frühe 1:0 ließ kurz einen Hauch

Hoffnung zu, doch wurde am Ende doch mit

dem erwarteten Ergebnis die Heimreise

angetreten. (E)

D

ie magische SGE musste an einem

Sonntagabend bei den Biene Majas aus

Dortmund ran. Da es beim BVB gewöhnlich eh

nicht viel zu holen gibt, musste man den

Besuch ein wenig aufpeppen und so fiel die

Wahl auf den Regionalligakick der

Zweitvertretung von Schalke gegen den

Tabellenzweiten aus Lotte. Da in der

gewöhnlichen Heimstätte der Zweitvertretung

Flüchtlinge die Räumlichkeiten beanspruchten,

wurde nach Bottrop ausgewichen. Dort

angekommen, liefen einem gleich Snicki und

Boris am Würstchenstand über den Weg. Sehr

lustig, hatte man die beiden doch längere Zeit

nicht mehr gesehen und konnte ein wenig über

die vergangene und kommende Zeit

schnacken.

Das Spiel begann und wurde von Beginn an

sehr engagiert geführt. Das Engagement

schlug dann später in eine eher aggressive

Spielweise um . Der Schiedsrichter verpasste

seinen Einsatz, ließ die Leine eher locker und

so wurde munter weitergetreten, sodass die

einzige rote Karte aus einer scheinbaren

Beleidigung resultierte. Zum Spiel gibt es nicht

viel zu sagen, spielerisch eher mau. Das graue

Highlight war ein alternder Wetklo im S04 Tor,

der noch immer ein Talent dafür hat, die Bälle

Olympique Lyon - Tours FC 2:1

15.835 Zuschauer (100 Gäste)

Ligapokal, Mi. 16.12.2015

Liebes Tagebuch,

es ist mal wieder so weit. Ich brauche deine

mentale Unterstützung. Es ist wieder einer

diese Tage, an denen ich an meinem Verstand

zweifele. Aber der Reihe nach. Was ist

eigentlich passiert:

Der Blick auf die Digitalanzeige in meinem

Auto verrät mir, dass wir 05:40 Uhr haben. In

einer guten Stunde werde ich wieder im Büro

sein. Der Blick aus dem Fenster verrät mir, dass

ich jedoch nicht - wie es eigentlich sein sollte -

in meinem warmen Bettel liege, sondern auf

einem LKW-Parkplatz stehe und versuche,

wenigstens ein paar Minütchen Schlaf zu

erhaschen. Aber ich will mich mal wieder nicht

beschweren, ich habe es schließlich selbst so

gewählt.

Aber liebes Tagebuch, Du weißt ja selbst am

besten, wie oft ich schon nach Lyon ins Stade

Gerland fahren wollte. Und immer wieder

wurde mit der Begründung „Hier kommt man


eh nochmal hin“ etwas anderes vorgezogen.

Und dann ist es irgendwann so weit und die

Franzosen bekommen die EM und im Zuge

dessen wird auch in Lyon ein neues Stadion

errichtet und im altehrwürdigen Gerland wird

der Fußballbetrieb eingestellt. Tja, und so

kommt man eben auf die glorreiche Idee, an

einem Mittwoch (!) lediglich zu zweit (!!) zu

einem Ligapokalspiel (!!!) gegen einen

Zweitligisten zu fahren, wohlwissend dass auch

noch die Virage Nord gesperrt sein würde (!!!!).

Ideale Voraussetzungen also für ein

unvergessliches Spiel.

Liebes Tagebuch, ich erzähle dir das alles, weil

ich weiß, dass Du mch verstehst, wenn es sonst

schon niemand sonst macht. Nein, selbst mein

heutiger Reisegenosse Snicki stellte des

Öfteren die Frage nach der Sinnhaftigkeit

unseres trauten Männerausfluges. Aber wenn

man dann nach bereits einer verfahrenen

Tankfüllung und zweistelligen Mautkosten zu

den Klängen Nora Jones‘ dem blutroten

Sonnenuntergang am Firmament entgegen

fährt und Snicki von der Schönheit des

Himmels schwärmt, ist das der Inbegriff von

Romantik und quasi jetzt schon alles wert.

Weitere 20,-€ Mautkosten später kamen wir

auch tatsächlich nach sieben Stunden Fahrt am

Stade Gerland an und spätestens jetzt war

wieder einmal klar, dass wir alles richtig

gemacht hatten, einfach ein Traum von einem

Stadion.

Jetzt galt es nur noch, die hoffentlich nur 90

Minuten zu überstehen und dann schnellen

Gasfußes wieder den ganzen Weg

zurückzublasen. Ich gebe unverdrossen zu

liebes Tagebuch, dass ich vor der Rückfahrt

etwas Angst hatte, die jetzt schon einsetzende

Müdigkeit machte mir doch zu schaffen,

verspätet ankommen war aber aufgrund des

fehlenden Urlaubes keine Option.

Oh je, wenn Du mich gesehen hättest, wie ich

in der 86. Minute einen Freudenschrei

ausgestoßen hatte, als Claudio Beauvue mit

seiner zweiten Bude doch noch den nicht mehr

erwarteten Siegtreffer in der regulären

Spielzeit erzielt hatte. Bis hierhin war es ein

harter Kampf, der unterklassige Außenseiter

hatte gar die größeren Chancen. Trotzdem

herrschte über weite Zeit eine ansprechende

Atmosphäre. Bad Gones machten es sich auf

der Gegentribüne bequem, auf der Virage Sud

wurde auch durchgängig angefeuert – das ging

schon klar.

Doch uns stand ja noch der Hauptakt bevor: die

Heimfahrt. Liebes Tagebuch, ich werde

niemals ein Freund von Navigationssystemen.

Wo uns dieses wieder langlotste, ganz zu

schweigen von den gesperrten

Autobahnausfahrten, es war nicht für möglich

zu halten. Eine Stunde nach Abpfiff und wir

irrten immer noch durch Lyon. Aber gut,

irgendwann, ja wirklich irgendwann, fanden wir

uns auf der richtigen Autobahn ein und nur ein

paar Stunden später waren wir auch wieder in

Deutschland. Hier übernahm Snicki kurz das

Steuer, und quasi seit Öffnen meiner Augen

stehe ich jetzt hier auf diesem gottverlassenen

Parkplatz und frage mich, wie ich es am

Schreibtisch schaffen soll, wach zu bleiben.

Aber das kriegen wir schon hin. Jetzt erstmal

eine Dusche in den Produktionshallen, dann

sieht die Welt schon anders aus.

Liebes Tagebuch, mittlerweile ist

Mittagspause. Ich bin erstaunlich wach, hatte

noch keine Probleme am heutigen Arbeitstag.

Das einzige was mich stört, sind meine für

mein Empfinden viel zu langen Bartstoppel.

Deshalb stehe ich nach meinem DM-Besuch

gerade in der Tankstellentoilette und rasiere

mich. Vielleicht hältst Du mich jetzt für

verrückt, ich hingegen zweifele gerade viel

weniger an meinem Verstand. Nach der Rasur


werde ich richtig fresh sein, gedanklich bin ich

einfach nur froh, die Tour gemacht zu haben.

Wenn ich auf die Vernunft gehört hätte und

daheim geblieben wäre, hätte ich mich heute

viel mehr geärgert.

Ich weiß, dass Du mich verstehst, liebes

Tagebuch.

Bis zum nächsten Mal (Ö)

Brighton & Hove Albion – Wolverhampton

Wanderes 0:1

26.321 Zuschauer (800 Gäste)

2. Liga England, Fr. 01.01.2016

N

ie mehr Silvester in London – haben wir

gesagt.

Das war das beschissenste Silvester ever –

haben wir gesagt.

Viel zu viele Leute und viel zu wenig Alkohol –

haben wir gesagt.

So waren zumindest im Januar 2010 unsere

Empfindungen, als wir vom unserer Meinung

nach beschissensten Jahreswechsel aller Zeiten

zurückkamen. Aber wie das nun mal so ist,

werden mit der Zeit alle negativen

Begleiterscheinungen ausgeblendet und es

bleibt nur das Positive hängen. Kennt ihr, oder?

Wenn man uns heute über die besagte Tour

reden hört, könnte man meinen, es wäre der

geilste Trip des Lebens gewesen.

Ganz so schlecht kann es also doch nicht

gewesen sein, also geben wir der Sache

nochmal eine Chance – wenn auch im

Vergleich zum damaligen Mob in sehr

abgespeckter Form, also von der Anzahl der

Leute her (genau genommen waren wir nur zu

fünft, wobei das stärkere Geschlecht – also die

Frauen – sogar den zahlenmäßig größeren

Anteil stellten). Wir wussten ja, welche Fehler

es zu vermeiden galt. Das Gute nach diversen

Londonbesuchen in den letzten Jahren ist ja,

dass man den ganzen Tourikram guten

Gewissens Tourikram sein lassen und sich auf

das Wesentliche konzentrieren kann, sprich die

Zerstörung des eigenen Körpers mit fettigem

Fraß und schalem Bier. Hierzu hatte ich im

Vorfeld zur Ale-Verkostung ausgerufen.

Irgendwas muss an der Plörre ja sein, dass es

tatsächlich Leute gibt, die das gerne

konsumieren. Und so tranken sich Michi und

ich eben die ersten Stunden (also quasi von

Ankunft bis Abflug) durch die verschiedensten

Pubs und noch verschiedeneren Alesorten, nur

um nach jedem weiteren Pint zur Erkenntnis zu

gelangen, dass unsere Geschmacksknospen

derbe angeekelt sind. Aber wie uns Doppelkopf

am Beispiel Shir Khans schon leerte, ist das die

Sache mit der Balance. Das Gute funktioniert

nicht ohne das Schlechte und umgekehrt. Und

wenn dieses Ale schon nicht schmeckt, dann

muss man ihm wenigstens zu Gute halten, dass

man es verdammt gut trinken kann. Mag an

der mangelnden Kohlensäure liegen, vielleicht

ist es aber auch einfach nur schlau von den

Braumeistern, da man es sonst überhaupt nicht

runterbekommen würde.

Neben Ale entdeckte ich auch meine Liebe zu

Gin Tonic (oder wie es ein großer Vertreter des

Fußballkreises Büdingen nennt: Gonic) neu. Da

gab es ja zum Jahreswechsel 2009/10 so eine

unheimliche Begegnung der dritten Art

zwischen einer Flasche Gin, zwei

Kolumbianerinnen und meiner Wenigkeit

unter Lord Nelson Trafalgars Augen. Darauf

näher einzugehen würde den ohnehin schon

wieder weit überspannten Rahmen noch mehr


sprengen, von daher muss als Anmerkung dazu

reichen, dass es eben jener Gonic seit dieser

schicksalhaften Nacht neben Bananensaft auf

Platz Eins meiner persönlichen Bannliste

geschafft hat. Ich hatte tatsächlich seit sechs

Jahren keinen mehr angerührt. Aber wo, wenn

nicht am Ort meines persönlichen Waterloos,

sollte ich dieses Trauma bewältigen? Und

damit habe ich nach end- und sinnlosem sowie

autobiographischem Gelaber auch endlich die

Überleitung zum letzten Abend des alten,

respektive ersten Morgen des neuen Jahres

geschafft. Denn anstatt uns durch die

Menschenmassen zu schlängeln und dabei

wieder nichts zum Trinken zu finden (außer

halt dem einen geilen Typen, der es scheinbar

drauf hatte…ähem), läuteten wir die neue Ära

im Hostel-Gemeinschaftsraum bei

Kartenspielen und Gonic ein. Und es war ein

verdammt cooler Abend, auch wenn die

Korrektur sicherlich anmerken wird, dass wir

uns am Wodka und Cider festhielten und der

Gin erst am nächsten Tag gekauft wurde. Aber

da a) die Überleitung sonst nicht funktioniert

hätte und b) ihr hier ein Pamphlet dieser

sogenannten Lügenpresse in den Händen

haltet, nehm ich es mit der Wahrheit auch

nicht so ganz genau. Nachdem dann noch der

pickelige Franzose mit einem „bon

anniversaire“ ins Bett verabschiedet wurde,

stellte sich bei mir die Gewissheit ein, dass ich

es im Kalenderjahr 2015 tatsächlich nicht ein

einziges Mal in ein Stadion auf der Insel

geschafft hatte. Das galt es 2016 gleich zu

ändern.

Und so machte ich mich am nächsten Morgen,

nach dem ich meine guten Vorsätze in Form

von „Mate-Tee, Mehrkornbrezel und den

ersten Sit-ups“ (wer kennt’s noch?) schon

wieder verworfen hatte, alleine auf den Weg an

die Küste. National Express brachte mich in

zwei Stunden für 12,- Pounds nach Brighton

und zurück. Dort angekommen, war das

herrliche Wetter des letzten Jahres verflogen

und es herrschte das für Großbritannien so

typische Regenwetter. Zusätzlich zeigte eine

sehr steife Brise erhöhte Präsenz, so dass das

Flanieren an der Strandpromenade nicht

wirklich großen Spaß bereitete. Trotzdem

konnte man schon erahnen, dass es hier bei

passendem Wetter ganz schön cool sein kann.

Auch die restliche Stadt machte durch kleine

Gassen, einer hohen Pubdichte und jeder

Menge individueller Läden einen mehr als

brauchbaren Eindruck. Für eine großartige

Erkundungstour blieb mir jedoch keine Zeit,

schließlich musste ich noch die knapp zehn

Kilometer zwischen Stadtzentrum und Stadion

überwinden. Zur Hilfe kam mir der Bus mit der

Nummer 25, der mich sowie die weiteren

Fahrgäste irgendwo im nirgendwo in der Nähe

des Campus entließ. Die letzten Meter durch

den Regen zurückgelegt, und schon stand ich

vorm AMEX Stadium. Joa, genau deshalb fährt

man auf die Insel zum Fußball. Man weiß ja,

dass im Stadion selbst nichts geboten wird,

dafür überzeugen aber zumindest diese selbst

in aller Regel und rechtfertigen jeden Trip.

Historische Spielstätten, mitten im

Wohngebiet, Holzbänke aus dem vorletzten

Jahrhundert, Einlasstore, bei denen ich mich

frage, wie der durchschnittliche Tommy diese

passieren kann und direkt gegenüber vom

Eingang überfüllte Pubs – so meine

romantische Vorstellung eines britischen

Grounds. Und dann stehst du irgendwo im

Regen in einem Vorort von Brighton auf einer

Betonplatte, um dich herum ist nichts, außer

einem Verkäufer des Stadionmagazins für 3,50

Pounds (das von Ausmaß und Umfang

übrigens nicht annähernd an diese Postille

herankommt), und du siehst dieses

einkaufszentrumähnliche Gebäude, das so

auch irgendwo an einer deutschen

Autobahnabfahrt stehen könnte. Herzlichen

Glückwunsch – zum Glück war ich drauf

vorbereitet.


Bevor ich das Ungetüm betrat, machte ich

mich noch schnell etwas frisch im Gesicht und

trat die Zigarette aus, damit auch ja keiner der

Ordner auch nur auf die Idee kommen könnte,

dass ich schon weit mehr als zehn Lenzen

zähle, und schon stand ich im Catering Bereich

vorm Stadioninneren. Hier war wie erwartet

kein Bewegen möglich, da sich der gemeine

Tommy bis zum Anpfiff so viele Pints wie

möglich reinschwurbeln wollte, um danach die

übriggebliebenen Pennys direkt zu verwetten.

Bei fünf verschiedenen Bieren vom Zapf

konnte ich aber auch nicht nein sagen und

gönnte mir das mit vier Pounds zweitbilligste

Pint des gesamten Wochenendtrips.

Achso, Fußball gespielt wurde übrigens auch ;-)

Von meinem gepolsterten (!) Sitz aus sah ich

bei berüchtigter Inselatmosphäre – also

Totenstille – wie die heimischen Seagulls

(Möwen. Ein Spaziergang an der Promenade

erklärt die Namensfindung auch hinreichend)

ihren Negativtrend von fünf sieglosen Spielen

in Folge stoppen wollten. Bis dahin war man

Tabellenführer, jetzt stehen sie nur noch auf

Rang vier. In einem ausgeglichenen Spiel

erzielten die Seagulls in Gestalt von Connor

Godson dann auch das einzige Tor des Tages –

aus ihrer Sicht netzte er leider auf der falschen

Seite ein. Aber auch wie blöd, mann mann

mann Paul. Bis dahin, es war immerhin die 26.

Spielminute, hatte der Schiedsrichter sein

Arbeitsgerät übrigens noch nicht einmal

benutzen müssen. Und bis zur Halbzeitpause

kann ich mich auch nur an zwei geahndete

Foulspiele erinnern, was natürlich nicht heißen

soll, dass es diese nicht gegeben hätte. Diverse

Aluminiumtreffer in der zweiten Hälfte

brachten auch keine Ergebniskorrektur mehr,

so dass die auf der Hintertortribüne

untergebrachten, ansonsten schweigsamen

800 Wölfe mit Beendigung der Angelegenheit

gut ausrasten durften.

Der Zug brachte mich jetzt wieder zurück ins

Zentrum, der Bus schlafend zurück zur Victoria

Station. Auf den ersten Kick des noch jungen

Jahres wurde abends mal wieder das Ende der

Welt beehrt, bevor es am folgenden Tag gleich

weiter gehen sollte. Die Mädchen wurden zu

einem aufgrund der im Nachhinein entdeckten

Tüten wohl erfolgreichen Einkaufsbummel

geschickt, Michi und ich machten uns auf nach

Charlton. Bevor wir uns mit dem Bussystem

beschäftigten, fuhren wir einfach per

Underground zur North Greenwich Station und

legten von hier die dreikommafünf Kilometer

zum Valley zu Fuß zurück. Clever wie wir sind,

hatten wir natürlich reichlich Wegproviant

dabei. Und hier war er nun wirklich: Der Gin.

Und ich habe ihn vertragen und er hat sogar

wieder geschmeckt. Manchmal muss man

einfach über seinen eigenen Schatten

springen. Pünktlich beim Ankunft am Stadion,

das meiner Beschreibung eines optimalen

Grounds schon wesentlich näher kommt, war

die Mischung dann auch geleert und wir mit

Tickets ausgestattet.

Charlton Athletic – Nottingham Forest 1:1

16.090 Zuschauer (2.562 Gäste)

2. Liga England, Sa. 02.01.2016

Während wir uns nun durch die als Eingänge

fungierenden Schlitze in der Wand quetschten,

protestierten auf der anderen Seite des

Stadions die Fans der Addicks gegen ihren

Eigentümer Roland Duchâtelet. Beim Lesen

des Namens dürfte es bei dem Ein oder

Anderen klingeln. Genau, es handelt sich um

eben jenen Roland Duchâtelet, der bis zum

Sommer 2015 auch noch bei Standard Liège

rumwuseln durfte. In hiesigen Gefilden ist er


durch sein „Engagement“ bei Carl Zeiss Jena

bekannt. Man kann also konsternieren, dass er

sich mit Fanprotesten auskennt. Genauso kann

man auch sagen, dass diese ihm ziemlich am

Allerwertesten vorbei gehen. Seit Januar 2014

treibt er nun sein Unwesen bei Charlton

Athletic. In diesen zwei Jahren wurden bereits

vier Trainer entlassen (seit der letzten

Entlassung im Oktober wurde auch noch kein

neuer eingestellt), eine Scoutingabteilung gibt

es ebenso wenig wie einen allgemein

Verantwortlichen für den sportlichen Bereich.

Quasi alle Neuzugänge kommen aus den

anderen Filialen Duchâtelets (neben Jena sind

das noch Ujpest, Sint-Truiden und Alcorcón

[ESP]) und sind nicht unbedingt zur

langfristigen Verstärkung des Teams gedacht,

sondern zielen darauf ab, junge Spieler

gewinnbringend zu verscherbeln. Ein

sportliches Konzept sucht man vergebens, so

kommt es dann auch zu Stande, dass man aus

den 20 bisher gespielten Partien lediglich zwei

Siege einfahren konnte und so nur knapp vor

den Abstiegsrängen steht. Im Sommer war

noch kurzfristig Besserung in Sicht, als sich ein

neuer, zusätzlicher Investor interessiert zeigte

(angelacht vom sehr beliebten Ex-Eigentümer

Peter Varney), doch Duchâtelet verweigerte

gemeinsam mit CEO Katrien Meire alle

Gespräche, sagte Treffen ab und beantwortete

nicht einmal E-Mails. Apropos Katrien Meire.

Gerade einmal 31 Jahre alt, mit Duchâtelet

bereits seit den Anfängen dessen

Fussballinvestments bekannt, wurde von ihm

als CEO Charltons eingesetzt. Mit

Kommentaren über seltsame Vorstellungen

der Fans allgemein und im Speziellen, dass die

Proteste inakzeptabel seien, hat sie sich sehr

schnell sehr beliebt gemacht. Ihre Aussage,

dass lediglich 2% der Fans die Proteste

unterstützen würden, wurde von diesen zur

Kampagne „We are the 2%“ umgemünzt.

Unter diesem Motto demonstrierten vor,

während und nach dem Spiel 1.000 Leute

gegen die Zustände in ihrem Verein. Man

möchte ihnen die Daumen drücken, dass es

sich für sie doch noch zum Guten wenden wird,

denn was wir heute im Stadion erlebten, war

mal so richtig sympathisch.

Typisch britisch gönnten wir uns noch ein Pint

– mit 3,90 das billigste überhaupt. Merke: Wer

saufen will, gehe bitte ins Stadion – und fielen

pünktlich zwei Minuten vor Kick Off auf unsere

Plätze. Ein richtig cooler Ground, und eine

richtig coole Atmosphäre. Auch wenn vor dem

Stadion noch ein Großteil protestiert hatte,

standen hier drinnen doch alle hinter ihrem

Team. Ja, richtig gelesen: Standen. Hier kamen

keine Durchsagen, dass man sich doch bitte

hinzusetzen hat. Und so wie hier das Spiel

hinter dem Spiel im Stehen verfolgt wurde,

wurde auch wie selbstverständlich gesungen,

sogar unterstützt von einer Trommel.

Teilweise musste ich mich wirklich fragen, ob

das hier wirklich England ist oder ob wir anstatt

ins Jahr 2016 vielleicht durch irgendein

schwarzes Loch ins Jahr 1985 gerutscht waren.

Oder lag es vielleicht doch am Gin?

Der Blick auf den verregneten Rasen bewies

dann aber doch wieder, dass wir uns im

Mutterland des Fußballs befanden. Hoch und

weit und eine gesunde Brutalität in den

Zweikämpfen, die trotzdem nur selten

abgepfiffen wurden – einfach herrlich. Haben

nur noch die Torwartfehler und verschossenen

Elfmeter gefehlt, und es wäre jedes Klischee

bestätigt worden. Zur Abrundung des tollen

Fußballnachmittags trugen auch die Gästefans

bei, die die komplette Tribüne hinter dem

anderen Tor bevölkerten. Leider akustisch

nicht so aktiv wie die Heimseite, aber alleine

die Masse war schon aller Ehren wert, auch

wenn wir trotz genauer Observation Ebby nicht

erblicken konnten. Wäre England doch immer

so, ich würde viel öfters hier vorbeischauen.

Zwischendurch gingen mir die Emotionen ja so


durch, dass ich mich nach dem

Ausgleichstreffer in den Armen meines

Nebenmannes wiederfand – und damit ist

nicht Michi gemeint ;-)

Der Weg zurück in die Zivilisation wurde uns

diesmal von Büchsenbier versüßt, wobei

Carling Lager im Geschmackstest nur ganz

knapp über den getesteten Ales landete, bevor

das übliche Abendprogramm anstand. Der

folgende Sonntag sollte dann zumindest für

Kate und mich auch schon der letzte Tag,

bevor wir wieder ins Büro kriechen mussten.

Da ich alle für diesen Tag angesetzten Stadien

schon gekreuzt hatte, streuten wir mit dem

lange erwarteten Besuch der Tate Mod doch

noch etwas Kultur ein. Aber ohne als Banause

zu gelten, war ich doch etwas enttäuscht. Was

da größtenteils ausgestellt war, könnte ich

auch nebenher beim Kacken herstellen.

Wahrscheinlich hab ich es sogar, ich kam nur

noch nie auf die Idee, das als Kunst zu

verkaufen…

Letzte Amtshandlung, bevor der Wecker um

04:00 schellte, lag im Shrimps Massaker bei

Bubba Gump, man gönnt sich ja sonst nix.

Hammerlecker war’s, genauso wie das ganze

WE schön war. Danke an die, die dabei waren

und – sorry an die möchtegernharten Jungs,

die das lesen :-p - ich hab euch lieb. (Ö)

V

Genoa CFC – U.C. Sampdoria 2:3

31.770 Zuschauer (10.000 Gäste)

1. Liga Italien, Di. 05.01.2016

or nicht einmal 24 Stunden hatte mich der

Handywecker aus dem wohlverdienten

Schlaf im Londoner Hostelbett gerissen:

Zwischen diesem Moment und dem erneuten

Ertönen des Weckalarms lag lediglich der

Heimflug und ein langer Arbeitstag. Aber da

Jammern ja auch nichts hilft, quälte ich mich

eben trotz viel zu wenig Schlaf in den letzten

Nächten zur frühen Morgenstunde – man

könnte auch sagen „mitten in der Nacht“ – von

der heute als Nachtquartier missbrauchten

Couch und befand mich schon kurz darauf

wieder am Steuer des Sinner Expresses.

Eigentlich wäre das jetzt gar nicht so tragisch

gewesen, der ursprüngliche Plan sah ja vor,

dass Ede und ich von Moritz in dessen Vehikel

gen Genua befördert werden sollten. Für mich

hätte das geheißen, den Platz hinten links

einzunehmen, Augen zu schließen und

allerfrühestens in der Schweiz wieder zu

öffnen. Naja, ihr werdet es erahnen, ganz so

kam es dann natürlich nicht, keine 20 Stunden

vor Abfahrt musste Moritz aus

gesundheitlichen Gründen absagen und wir

standen alleine da und vor einem Fahrer- und

Kostenproblem. Eine komplette Absage der

Tour stand eigentlich nie zur Debatte, und

nachdem in innerhalb kürzester Zeit das Auto

mit unseren Freunden der Mitfahrzentrale

gefüllt werden konnte, stand einer

kostengünstigen Fahrt nichts mehr Wege –

außer halt der Frage, ob der noch nicht

auserkorene Fahrer den Kampf gegen die mit

Sicherheit auftretende Müdigkeit gewinnen

würde.

Um Punkt kurz nach halb fünf bestieg dann

auch Ede meinen Beifahrersitz, eine halbe

Stunde später komplettierten Muhammed und

Ali unsere Rückbank. Viel mehr kann ich über

die beiden lustigen Gesellen jedoch nicht

sagen, da deren Deutsch bzw. Englisch in etwa

so gut war wie unser Arabisch. Auf jeden Fall

überzeugten sie durch einen relativ

unangenehmen Körpergeruch und lautstarken

Diskussionen miteinander. Bis in die Schweiz

hinein lauschte ich dem sonoren Geschnatter,


dann musste ich nach einer trotz unserer

gefährlichen Fracht nicht vorhanden

Grenzkontrolle den Anstrengungen der letzten

Tage Tribut zollen. Fortan kutschierte uns Ede

weiter, ich übernahm erst direkt vorm

erstmaligen Eintritt nach Italien des noch

jungen Jahres wieder das Kommando. Ab

Milano Centrale hatten wir diverse Scheine

mehr im Geldbeutel sowie endlich wieder

frische Luft in der Fahrgastzelle, keine zwei

Stunden später waren wir auch schon viel zu

früh im Genueser Stadtteil Marassi

angekommen.

Klar, Genua ist ne geile Stadt, hier lässt es sich

locker ein paar Stunden aushalten, ohne dass

es langweilig wird. Aber in Anbetracht dessen,

dass uns ja auch wieder eine grob geschätzt

zehnstündige Heimfahrt in der Nacht

bevorstand, reduzierten wir unser

Aktionsvorhaben auf ein absolutes Minimum.

Einzige Amtshandlung bestand darin, die

kulinarischen Vorräte in der Heimat

aufzufüllen, wofür wir uns den Weg am Fluss

Bisagno zum nächstgelegen Hipermarket

bahnten, während auf der

gegenüberliegenden Seite schon die ersten

Tifosi mit der Beseitigung der Silvesterreste

beschäftigt waren. Alter, was waren das denn

für Kanonenschläge, die da in aller

Regelmäßigkeit einen Terroranschlag

imitierten? Trotzdem konnten wir nach einem

mehr als erfolgreichen Einkauf lokaler

Köstlichkeiten (und das ist ausnahmsweise mal

völlig ohne Ironie zu betrachten) noch ein paar

Minuten Schlaf im kuschelig warmen Auto

finden, bevor wir uns gute zwei Stunden vor

Anpfiff im Mittelrang des schönsten Stadions

Italiens bequem machten – wie auch wieder

weitere unzählige unserer Landesgenossen.

Aber gut, lästern wäre ja wieder ein herrliches

Eigentor, schließlich ist man ja selber einer

dieser seltsamen Sippschaft ;-)

Da der Platz heute in bespielbarem Zustand

war und es auch sonst nicht nach weiteren

Kapriolen aussah, war es um 20:45 Uhr auch

angerichtet. Bis dahin hatten sich beide Seiten

schon gut bepöbelt, beeindruckend schon hier,

welche Lautstärke UTC bereits weit über eine

Stunde vor Anpfiff mit zu diesem Zeitpunkt

noch relativ wenigen Leuten erzeugen

konnten, mit Einlauf der beiden Teams

explodierte die Masse förmlich. Es war

tatsächlich angerichtet: Das 93. Derby della

Lanterna, Grifoni gegen Blucerchiati. Auch

wenn sich beide Vereine aktuell auf einer

sportlichen Talfahrt – Samp konnte von den

letzten acht Spielen lediglich eines für sich

entscheiden, Genoa verlor gar fünfmal in Folge

- befinden, elektrisiert das Duell natürlich die

Stadt und mit einem Sieg wäre plötzlich die

Krise wieder vergessen. Dementsprechend

motiviert ging es los: Über die Gegengerade

wurden Überziehfahnen gespannt. Damit ich

jetzt was sehen konnte, musste ich meinen

Platz Höhe Mittellinie verlassen und mich an

den Rand der Geraden stellen. Von hier sah ich

im Unterrang das verzweifelte Versuchen, die

äußere Überziehfahne wieder akkurat

anzurichten, wurde diese scheinbar zu weit

nach unten gelassen und hing nun halb auf

dem Boden. Nun denn…

Auf der Gradinata Nord – traditionell Standort

der Grifoni – wurde ein Fahnenmeer (wozu im

Vorfeld schon aufgerufen wurde) und

vereinzelte Pyrotechnik geboten, auf der Sud

verkündeten die heutigen Gäste per großem

Banner, dass sie die Armata Blucerchiata (wie

übersetzt man das am sinnvollsten?

Blaugestreifte?) wären. Dazu wurden hunderte

Fahnen im bekannten Streifenmuster

geschwenkt. Sicherlich nicht die

spektakulärste Show, die die Tribünen hier

jemals präsentieren durften, ging so weit aber

schon klar. Nachdem man von der

Gegengeraden aber auch wieder freie Sicht


hatte und ich langsam aber sicher den für mich

vorgesehen Sitz einnehmen wollte, unterbrach

ein Bengalohagel Genoas auf den Rasen nach

nicht einmal zwei gespielten Minuten die

Partie. Begleitet wurde dies zwar von

gelegentlichen Pfiffen, nichts desto trotz eine

herrliche Oldschoolaktion und so lange nicht

mehr gesehen in Italien – Daumen hoch.

Relativ schnell war der Platz wieder geräumt

und ein ziemlich intensives Spiel konnte

beginnen, neben den 22 Spielern auf dem

Rasen hatte man auch das Gefühl, das die über

30.000 Zuschauer auf den Rängen ebenso aktiv

teilnehmen wollten. Krasse Emotionalität,

noch krassere Lautstärke. Gesänge kamen

eigentlich kaum auf, die wurden einfach

niedergeschrien, was mich jetzt aber auch

nicht großartig störte. Erst nachdem

Sampdoria gegen Mitte der ersten Hälfte mit

2:0 in Führung gehen konnte, lief das alles

etwas koordinierter ab. Und wie! Gemessen an

den Faktoren Lautstärke, Mitmachqute,

Emotionalität und Melodiösität (gibt’s das

Wort? Autokorrektur kennt es schon mal

nicht…) geht das eigentlich nicht besser – auch

wenn ich eigentlich kein Freund von so

Bewertungskategorien bin und eher das

Gesamtbild auf mich wirken lasse. Getoppt

wurde das Ganze aber noch von einem

gewissen Herrn Emiliano Viviano, seines

Zeichens Spieler Sampdorias mit der Nummer

Zwei und damit wie unschwer zu erkennen ist

Torwart. Ich weiß nicht, wie ich dessen

Gefühlsexplosionen nach den jeweiligen Toren

nennen, geschweige denn beschreiben soll. Mir

fällt kein angemessener Vergleich ein, das sah

aus wie ein Ganzkörperorgasmus und hörte

sich auch so – ja, man hatte tatsächlich das

Gefühl, dass man ihn trotz der schieren

Lautstärke des Publikums noch schreien hören

konnte.

In der von unserem unsäglichen

Dummgeschwätz begleiteten Halbzeitpause

wechselte UTC das Transparent am Oberrang

und grüßte dort von nun an in französischer

Sprache Christine, ein kürlich verstorbenes

Mitglied des Commando Ultra Marseille

(„Christine, Du bist nicht gegangen, weil Du

immer in den Herzen der Ultras sein wirst“).

Beim folgenden Heimspiel OMs legten sogar

die Spieler Blumen für sie nieder. So viel dazu,

aber jetzt wieder rein ins Spiel:

Zweite Halbzeit – gleiches Spiel. Keine fünf

Minuten gespielt, da netzt Soriano zum dritten

Mal für seine Farben ein, was den Zeiger auf

der Dezibelskala nochmal etwas höher steigen

ließ. Auf der Gegenseite hatte man jetzt

anscheinend keinen Bock mehr und unterbrach

das Spiel ein zweites Mal per Bengaloweitwurf.

Als Herr Viviano (ihr erinnert euch?) eine Fackel

vom Boden aufhob, hatte ich schon die

Hoffnung, dass er mit ihr jetzt schwingend

über den Platz läuft, leider räumte er jedoch

nur sein Hoheitsgebiet frei.

So, und war‘s bis jetzt schon richtig geil, ging

es plötzlich richtig rund. Mit dem 1:3 kehrten

die Greifen sowohl auf dem Rasen, als auch auf

den Rängen zurück, mit dem kurz darauf

folgenden 2:3 gab es kein Halten mehr.

Momente für die Ewigkeit: Wenn der 75jährige

Opi auf der Tribüne einmal komplett von links

nach rechts läuft und dabei jede Sitzreihe wild

gestikulierend zum Singen anfeuert; wenn das

kleine Mädchen hinter dir bei jedem Pass lauter

schreit als die über das gesamte Spiel hinweg

detonierenden Atombomben Sampdorias;

wenn der Boden vor der ersten Sitzreihe dazu

missbraucht wird, ständig in einer Mischung

aus Verzweiflung, Hoffnung und Beten auf die

Knie zu fallen, dann bist du dir in diesem

Moment sicher, dass es jetzt selbst in Rihannas

Arsch nicht geiler sein könnte. Nicht

auszudenken, was hier passiert wäre, hätte


Genoa tatsächlich noch ausgeglichen – die

Chance dazu war mehr als gegeben. So durften

wir aber einen sehr sehr emotionalen

Siegesjubel, gefolgt von einer recht langen

Feier von Spielern und Fans, begutachten.

Trotzdem mussten wir dann doch recht zügig

den Ort des Geschehens verlassen, wir hatten

ja noch einen nicht allzu kurzen Heimweg vor

uns. Auf dem Weg nach draußen ordnete ich

das Gesehene in einer ersten Spontananalyse

und sicherlich noch vom Flash befallen als

mindestens top ten ein, wenn nicht sogar noch

besser. Aber selbst mit etwas Abstand hat es

nicht viele Plätze auf der persönlichen

Rangliste verloren.

Der Rückweg verlief ähnlich des Hinweges. Bis

Milano Centrale fungierte ich als Lenker, dort

übernahm Ede das frisch beladene Mobil.

Neben Iftika saß jetzt noch irgend so ein Pöbler

aus Basel auf der Rückbank. Keine Ahnung,

was der uns erzählen wollte, ich war auf jeden

Fall froh, als er das einzig Vernünftige machte

und relativ bald – wie ich auch – die Augen

schloss. Bis Basel lief es gut – mittlerweile saß

ich auch schon wieder auf dem Fahrersessel –

ab hier wurde aber Iftika quickfidel. Alter! Es ist

mittlerweile sechs Uhr morgens, du willst nur

deine Ruhe haben und dann sitzt der da hinten

und telefoniert von Basel bis Heidelberg ohne

Pause. Nicht mal die Hoffnung, dass sein Akku

abkackt, erfüllte sich. Frag mich nur, wen der

an der Strippe hatte, gesagt haben konnte sein

Gesprächspartner auf jeden Fall nichts, es sei

denn Iftika ist multitaskingfähig und kann beim

Telefonieren reden und zuhören gleichzeitig.

Trotz allem war er ein ganz lustiger Kauz, froh

war ich trotzdem, als wir ihn am Francoforte

Centrale (sprich „Meynbannhff“, da musste

auch erstmal drauf kommen, was er meinte ;-) )

entledigen konnten. So, und jetzt war der

Punkt erreicht, an dem ich gemerkt hab, dass

im Jahr 2016 die Uhren wohl anders ticken:

Obwohl es noch eine einstellige Uhrzeit war,

opferte ich ein paar Überstunden und gab

meinem Bett den Vorzug – der Körper wird’s

mir vielleicht danken. Geiler und lohnenswerter

Ausflug! (Ö)

W

U.S. Latina – Novara Calcio 1:0

2.418 Zuschauer (150 Gäste)

2. Liga Italien, Sa. 16.01.2016

ie so oft war mal wieder alles ganz

anders geplant ;-)

Nachdem mir ja bekanntermaßen im

November der Einlass in Andria verweigert

wurde, musste ich für schnellstmöglichen

Ersatz sorgen. Also schnell mal ganz grob

geguckt, was es so für potentielle Termine


geben könnte, und zack – schon sprang das o.g

Wochenende förmlich ins Auge. Neben Andria

vs. Lecce standen beispielsweise auch noch die

Knaller Avellino vs. Salerno oder Samb vs.

Campobasso auf den Spielansetzungsplakaten

der diversen Ligen. Ryanair haute im Sale für

exakt dieses WE Flüge für zehn Euro von Köln

nach Rom raus, da gab es keine Ausreden mehr

und ich buchte einfach mal auf gut Glück, der

Rest wird sich schon ergeben. Bis zu diesem

komischen Black Friday dachte ich auch, dass

ich nen Riesenschnapp gemacht hätte. Aber

nope, auf einmal kosten die Flüge nur noch

zwei Euro das Stück, was MJ dazu bewegt hat,

mich spontan zu begleiten und für denselben

Zeitraum Rom vom Hahn aus anzusteuern.

Soweit das Vorgeplänkel, in der Woche vor

Abflug wurde dann wieder alles

gezwungenermaßen über den Haufen

geschmissen: Das als Hauptgrund der Reise

anvisierte Derby in Avellino war ausverkauft

(ich hatte irgendwie nicht auf dem Schirm,

dass Zwei-Drittel des Stadion gesperrt sind und

mich deswegen nicht anderweitig um Karten

gekümmert) und MJ stellte beim Einchecken

fest, dass sein Hinflug erst samstags gehen

sollte, dafür aber auch erst dienstags wieder

zurück. Hier bist du nur mit Amateuren

unterwegs, nicht mal das richtige Datum

können die beim Buchen lesen :-p

Nun denn, als der Freitag schon wieder

Samstag war, schlug ich auch endlich in Roma

auf. Noch schnell zwei 0,66er Peroni inhaliert,

und schon schlief ich wieder ganz herrlich,

bevor am folgenden Morgen die Pflicht

beginnen sollte – wie auch immer diese

aussehen mochte, so ganz schlau war ich

immer noch nicht. Die ursprünglich

angedachte Alternative sah ja das

Samstagabendspiel von Juve Stabia vor, das

wurde aber kurzerhand auf mittags verlegt. Ihr

merkt, es lief ;-)

Herzlichen Glückwunsch, damit hab ich schon

wieder eine halbe Seite zu irgendeiner Planung

oder auch nicht Planung oder was auch immer

geschrieben, und ihr denkt bestimmt, ich soll

langsam mal zum Punkt kommen, rightyright?

Also mal rein ins Geschehen. Der Tag fing

schon wieder ganz prima mit einer

Verarschung beim Frühstück an, trotzdem

brachte mich der Regionalzug für faire vier

Euro gesättigt, aber mit Magenproblemen, in

knapp 40 Minuten nach Latina. Hier gebührt

dem Logistikminister ein Dankeschön, der den

Bahnhof mal eben neun Kilometer außerhalb

des Stadtzentrums stellen ließ. Wenigstens

verkehrten für Touristen kostenneutrale

Shuttlebusse zu eben diesem. Dort

angekommen, hatte ich noch reichlich Zeit bis

zum Anpfiff der ersten Partie des

Wochenendes. Aber was macht man mit dieser

in einer Stadt wie Latina? Wer es nicht weiß,

Latina ist eine Planstadt, die erst unter

Mussolini ab 1932 erbaut wurde. Es ist klar,

dass man dann keine historischen Bauten

erwarten kann, aber selbst die „Freunde“


faschistischer Prunkarchitektur kommen nicht

auf ihre Kosten. So wirklich gibt es hier nichts,

und so verwunderte es mich auch nicht, dass

ich bei meinem 20minütigen Spaziergang

viermal am selben Platz raus kam, ehe ich das

einzig Vernünftige anstellte und mich erstmal

mit sehr leckerer Pasta und gezapftem Birra

vor dem einsetzenden Regen schützte und

dem geschundenen Magen etwas Essbares

einverleibte. So ließ sich die Zeit bis

Spielbeginn gut überbrücken. Da das Stadion

recht zentral gelegen ist und ich auch schon die

Karten für MJ – der mich hier mit einer

Mietkarosse abholen wollte – und mich in der

Tasche hatte, gab es auch keinen Grund, mich

zu stressen. Entsprechend gechillt nahm ich

dann auch irgendeinen Platz auf der

Gegentribüne ein und harrte der Dinge, die da

auf mich zukommen sollten. Das waren in

erster Linie vielleicht 200 Gestalten in der

heimischen Curva Nord und gute 150 im sich

nach und nach füllenden Gästebereich.

Hingegen sollte es noch etwas dauern, bis MJ

endlich auftauchte, hatte dessen Flug doch

reichlich Verspätung. Jaja, Ryanair – over 90%

of your flights arrive on time und so. War aber

vielleicht ganz gut so, so kam er wenigstens

überhaupt mit. Es kamen ja zwischenzeitlich

absolut ungeheure und gerade für diesen

Genossen unglaubliche Gerüchte aus der

Heimat auf, dass er aufgrund erhöhten

Alkoholkonsums des Abends vorher beinahe

verschlafen hätte. Verschlafen ist dann auch

gleich das Stichwort zum Spiel: Das hätte ich

auch ganz gerne mit der ersten Hälfte

gemacht. Es war kalt, das spielerische Niveau

nicht gerade auf herausragendem Level und

die Stimmung plätscherte irgendwie so vor sich

hin. Alles irgendwie nicht schlecht, aber auch

weit davon entfernt, befriedigend zu sein, also

quasi wie wichsen mit links. Bier gab’s auch

nicht, der Borghetti hieß hier Caffè, war warm

und hatte keinen Alkohol und als einzige

Nahrung gab es abgepackte Croissants.

Wenigstens hatte ich Lust auf was Süßes, das

passte. In der zweiten Halbzeit wechselte ich

dann mal den Platz und so ganz langsam und

unmerklich wurde alles etwas besser. Die so

sehr vermisste Emotionalität kehrte ein, das

Tribünenpublikum ließ endlich den Italiener

raushängen, die Kurve sang sich (und damit

auch mich) richtig warm und auf dem Spielfeld

wurde um jeden Zentimeter gefightet. Das sah

doch eher nach meinem Gusto aus. Auch wenn

ich mir heute wenigstens eine faire Aktion

gewünscht hätte. Seit just diesem Spieltag gibt

es nämlich eine Neuerung in der Serie B: Die

grüne Karte. Was in der Fantasieliga meines

Bruders und mir früher noch als Auswuchs

kindlicher Naivität abgekanzelt wurde, ist hier

jetzt tatsächlich Realität. Der Unparteiische

darf diese Karte ganz wirklich ohne Scheiß in

echt zücken, wenn ein Spieler eine besonders

faire Aktion bringt, z.B. einen Pfiff des Schiris

zu seinem Nachteil korrigiert. Zu gerne hätte

ich das gesehen, leider kam es nicht dazu,

vorausgesetzt, ich hab es nicht zwischen der

60. und 70. Minute verpasst, als sich MJ

ankündigte und ich ihm seine Karte geben und

den Ordnern die Situation erklären musste,

wieso da jetzt noch einer ins Stadion möchte.

Knappes „Hallo“, wieder rein in die Bude und

nach nicht mal zwei Minuten Anwesenheit

meint mein neuer Reisepartner zu mir: „Ich

kann verstehen, warum Du das alles machst“.

Ich auch ;-)

Zweite Hälfte war aber auch wirklich gut, vor

allem Curva Nord drehte trotz ihrer geringen

Anzahl an Leuten richtig gut am Rad, da

musste ich schon das ein oder andere Mal

anerkennend hingucken. Der Jubel von allen

Zuschauern nach dem mit Mann und Maus

verteidigten Sieg – nicht einmal die gefühlt

zehnminütige Nachspielzeit konnte daran

etwas ändern – war auch nicht von schlechten

Eltern, so dass ich dann doch recht befriedigt


den Ort des Geschehens verließ. Zwar kein

Überfick, aber auf jeden Fall mit rechts

gewichst.

Gemütlichen Gasfußes hieß es jetzt für uns

Napoli zu erreichen. Das erste Mal meine

Augen reiben musste ich allerdings bereits

beim Anblick unseres fahrbaren Untersatzes

für die nächsten beiden Tage. So ein Upgrade

ist ja im Prinzip ne super Sache, aber mit einem

Kombi durch Süditalien und speziell Napoli zu

fahren ist vielleicht auch das Gegenteil von

vorteilhaft. Allerdings hätte sich das eh

beinahe erledigt, da wir eine halbe Stunde

nach Abfahrt immer noch durch Latina

gurkten. Das ist aber auch tricky, wenn einen

das erste Schild in Richtung Napoli schickt und

man an der nächsten Kreuzung wieder genau

in die Richtung fahren soll, aus der man gerade

gekommen ist. Das ganze erinnerte etwas an

Schnitzeljagd auf dem Kindergeburtstag, doch

trotz der ganzen Verwirrungspfeile und dem

erwarteten Verkehrschaos in Napoli (wobei

Zweiteres humaner als befürchtet war) hätten

wir noch mit reichlich Puffer (40 Minuten) zum

Anpfiff in unserer kostenfreien Hotelgarage

einparken können. Aufgrund des Konjunktives

wird man erahnen, dass auch das wieder mal

nicht ganz wie geplant klappte, fuhren wir

doch exakt eine Einfahrt zu weit und standen

plötzlich in einer zahlungspflichtigen

Tiefgarage. Die 15€ hätte man auch besser

investieren können, für die Diskusionen mit

dem hier eingesetzten Personal fehlt der Platz

auf diesen Seiten ;-)

Also ganz schnell eingecheckt und während MJ

nochmals sicherheitshalber seinen Darmtrakt

entleerte, machte ich mich mal auf die Suche

nach Tickets. In einem Wettshop 200m vorm

Stadion wurde ich auch fündig und im

Austausch gegen 50€ erhielt ich zwei

Zugangsberechtigungen ausgehändigt. Nach

der Reunion mit MJ und dem Fast-exen je

zweier Büchsen Moretti passierten wir auch

noch rechtzeitig die Drehkreuze, nicht mal das

rote Leuchten der Lampe konnte uns davon

abhalten.

SSC Napoli – Sassuolo Calcio 3:1

40.000 Zuschauer (150 Gäste)

1. Liga Italien, Sa. 16.01.2016

Auch wenn unsere Plätze eigentlich im

Unterrang waren, stolperten wir auf direktem

Wege die Treppen nach oben und am Rande

der Curva B fanden wir auch noch ein

lauschiges Plätzchen für uns. Mein zweiter

Besuch hier, und wieder war ich von der ersten

Sekunde an geflasht. MJ ließ auch den

Nostalgiker raushängen und schwadronierte

etwas von Stadionromantik und wie geil das

alles ist und überhaupt. Und ehe wir richtig

Platz genommen hatten, lag der sinnlose

Gastverein schon in Front. Der Schiri meinte

ein Handspiel im Strafraum erkannt zu haben,

Gästestürmer Falcinelli verwandelte so

eindeutig, dass selbst der Torlinienrichter keine

Chance hatte, den Treffer wegzudiskutieren.

Jaja, diese Torlinienrichter, für was braucht

man die überhaupt? Für mich sind die quasi so

etwas wie der Wer-wird-Millionär-

Publikumsjoker des Fußballs. Die werden

eigentlich nie gebraucht, aber wenn man sie

um ihre Meinung fragt, versagen sie auf ganzer


Linie. Oder kann sich einer von euch daran

erinnern, dass einer dieser beiden Spezies

jemals voller Inbrunst die richtige Antwort bzw.

Entscheidung parat hatte? Also in dem Sinne,

dass die Antwort dann auch gestimmt hat. Ich

nicht…

Tut aber für den heutigen Abend auch nix zur

Sache. Viel wichtiger war, was sich so im

Stadio San Paolo abspielte. Und das war

einiges. Nach dem Führungstreffer trauten sich

die Gästefans auch mal zwei, drei Stufen in den

Gästeblock rein, ansonsten standen sie in

sicherer Entfernung direkt vor den Fluchttoren.

Das war dann auch das einzige, was man von

ihnen vernehmen konnte, da von nun an nur

noch Napoli herrschen sollte. Während bei MJ

und mir das Bier und der Borghetti nur so floss

– beeindruckend hierbei die einheitlichen

Preise. Es gab keine zwei Runden, für die wir

dasselbe bezahlt hatten – wurde Napoli auf

Platz und Rängen immer stärker. Aufgrund

unseres Aufenthaltortes fand ich Curva B etwas

stärker als Curva A (diese mit Unterstützung

Dortmunds), auch Megaphon und mindestens

eine Trommel waren im Einsatz. Teilweise

wurde eine ohrenbetäubende Lautstärke

erzielt, zwar eher brachial und nicht so

melodisch wie sonst in Süditalien, aber dafür

ist Napoli auch bekannt. Rein von der

Bewegung betrachtet sah Curva A jetzt aber

auch nicht viel schlechter aus. Mit

fortlaufender Spieldauer ebbte die Stimmung

zwar antiproportional zu unserem

Promillepegel und den geführten Diskussionen

ab, aber gerade als wir das offensichtliche

aussprechen wollten, entwickelte sich einer

dieser ganz seltenen magischen Momente.

Curva B stimmt den derzeitigen italienischen

Kurvengassenhauer „un giorno all’improvviso“

an, und das ganze Rund steigt ein.

Minutenlang wurde es intoniert, MJ fielen

Augen, Ohren und wohl auch Gehirn so sehr

aus dem Kopf, dass er beim Video drehen den

Auslöser nicht drückte, ich stand derweil auf

meiner Sitzschale, den Blick gen Himmel

gerichtet und grölte mit argentinischen

Handbewegungen den Text mit – soweit ich

ihn konnte. Man könnte meinen, wir hätten sie

nicht mehr alle. Da sind wir bei einem Spiel

zweier Vereine, die uns eigentlich völlig egal

sein könnten, und gehen ab als wäre die

Eintracht gerade in den Europacup

eingezogen. Und als dann mit Schlusspfiff

Gonzalo Higuain (Anm. von mir selbst: An

dieser Stelle möchte ich mal betonen, wie sehr

es mir auf den Sack geht, wenn irgendwelche

Stadionsprecher dreimal den Namen des

Torschützen rufen. Aber wenn man so

ausrastet wie der neapolitanische und wenn

man merkt, dass er es ernst meint und keine

Show macht, dann darf er gerne auch – wie er

es macht- gefühlte siebenmal rufen) mit seiner

zweiten Bude für den Endstand sorgte, gab es

erst recht kein Halten mehr. Jetzt sang und

hüpfte auch noch die Mannschaft mit, im

Stadion wurde gut gezündelt und MJ und ich

waren uns in Anbetracht des Gesehen einig:


Die MÜSSEN Meister werden. Punkt. Damit ist

auch alles gesagt, die letzten Minuten waren

auf jeden Fall top fünf ever bisher.

Die 500 Meter zurück zur Nachtbleibe nahmen

dann gute 30 Minuten in Anspruch. Der

Schönschwätzer würde behaupten, wir haben

noch etwas Atmosphäre aufgesaugt, der

Realist hingegen, dass wir uns in unserem

leicht nebulösen Zustand hoffnungslos

verlaufen hatten. Aber wie von Gottes Hand (in

Napoli würde man eher von der Hand Gottes

sprechen – welch gelungenes Wortspiel

meinerseits) geleitet, fanden wir doch

irgendwann die richtige Eingangstür, die wir

mittlerweile auch in halbwegs annehmbarer

Zeit öffnen konnten. Nach einer Katzenwäsche

verbrachten wir die halbe Nacht in diverrsen

Cafes ums Eck. Und während der einheimische

Mafianachwuchs sich an seinem Espresso

festhielt, diskutierten wir uns bei Birra, Cuba

Libre und gefüllten (?) Teigtaschen durch

unsere persönlichen Lebensgeschichten. Nicer

Abend, auch wenn ich eine gute Stunde mit

mir alleine diskutieren musste, da sich MJ wohl

beim Kippenkauf wieder im Viertel verirrte.

Zwischenzeitlich dachte ich, er hätte ein

heimliches Tindermatch, aber tatsächlich

tauchte er mit einer unangebrochenen

Packung Marlboro auf. Oder hast du mir

vielleicht etwas verschwiegen? ;-)

Der Sonntag startete auch gleich wieder mit

einem gefühlten Arschtritt. Da haben wir doch

tatsächlich beim Auschecken festgestellt, dass

wir noch über eine Stunde hätten schlafen

können. Und was hätte die so gut getan. Aber

jetzt waren wir wach (oder sowas ähnliches),

dann machen wir auch das Beste draus.

Irgendwelche angedachten Kicks in der

Eccellenza oder tiefer wurden ob des

traumhaften Wetters und einem in Einklang

damit angesetztem mehrstündigen

Spaziergang durch Napoli ad acta gelegt.

Teilweise hatte man das Gefühl, ganz

Kampanien würde sich an der

Hafenpromenade oder in den Altstadtgassen

sammeln – wobei schon manchmal die Frage

aufkam, warum die kleinen Mädchen hier in

Prinzessinnenkleidchen und extrem

geschminkt rumliefen? Aber abgesehen davon

machte das schon Spaß, und auch die

neapolitanische Küche machte ihrem weit

vorrauseilenden guten Ruf alle Ehre. Man darf

halt nicht den Fehler machen und in die erste

Pizzeria rennen, sondern auch mal in den

Seitengassen nach einer urigen Cucina

schauen. Da isst man dann auch die

Antipastiplatte und Meeresfrüchte für den

kleinen Geldbeutel, dafür aber für den großen

Geschmack. Und während im TV der gute alte

Calcio übertragen wird, sitzt am Tisch neben

dir auch mal eben der Boss der Camorra –

zumindest, wenn man seine Optik mit den

glorifizierenden Bildern eines Vito Corleone

vergleicht. Dass er und sein junge,

kurzberockte Begleitung ständig neue

Köstlichkeiten serviert bekamen, die nicht auf

der Karte standen, passte da nur ins

manifestierte Bild.

Stundenlang hätten wir noch flanieren können,

aber einen Termin hatten wir ja im 40

Kilometer vor Napoli liegenden Caserta. Vorbei

am Palazzo reale, dem bourbonischen

Königspalast mitten in Caserta (UNESCO

Welterbe und eines der größten Schlösser der

Welt – Besichtigung steht beim nächsten

Kampanientrip auf der Agenda), erreichten wir

mal wieder just in time das kommunale

Stadion Alberto Pinto. Zum Glück hatte hier

ein Kassenfenster offen, womit wir nach guten

20 Minuten Anstehens in der eigentlich gar

nicht mal so langen Schlange – ein Hoch auf

die italienische Bürokratie – unsere Tickets in

den Händen hielten.


Casertana FC – U.S. Catanzaro 2:2

3.500 Zuschauer (200 Gäste)

3. Liga Italien, So. 17.01.2016

Hauptkriterium beim Kartenkauf war ja der

Ticketpreis. Es ist ja bewusst, dass der

Heimpöbel aufgrund Sperrung der Kurve

derzeit auf der Längsseite steht, da der

Eingang zur Distinti aber auf der

gegenüberliegenden Seite des

Stimmungsmobs lag, machte ich mir keine

großartigen Gedanken, als ich für eben diese

Karten orderte. Es konnte ja keiner ahnen, dass

wir nach Durchschreiten des Eingangstores

noch eine halbe Runde im Ground drehen

mussten, bevor wir dann wirklich auf der

falschen Seite standen. Unterwegs hierhin

passierten wir auch die gesperrte Kurve, deren

aktueller Zustand auch gleich die Antwort

lieferte, wieso man nicht mehr auf ihr stehen

darf. Auch der Rest des Stadions war in einem

nicht ganz so erquickenden Zustand, die

Toilette (die Nutzung des Singulars ist

beabsichtigt) überflutet und den

Getränkeverkauf konnte man nur daran

erkennen, dass Leute vor dem Loch in der

Wand standen. Irgendwie schon wieder

herrlich sympathisch, obwohl mir der Rest des

Stadions nicht sonderlich zusagte.

Rund um Casertana herrscht gerade eine

ziemliche Euphorie, immerhin ist man nach der

Hinrunde Tabellenführer – der Italiener spricht

hierbei vom „Wintermeister“ – was bei

Beibehaltung dieser Position die erste

Teilnahme an der Serie B seit 25 Jahren (und

erst die dritte überhaupt) bedeuten würde.

Deshalb war die Begegnungsstätte auch für

ihre Verhältnisse recht gut besucht. Mittig auf

der Distinti haben es sich die Fedayn Bronx

1981 bequem gemacht und unter schönen

Trommelrhythmen und begleitet vom

ständigen Aufloderns diverser

Feuerwerkskörper wurde auch recht

annehmbar supportet. Es mangelte zwar etwas

an Lautstärke, dafür gingen die Melodien

richtig gut rein. Ich will aber auch nicht

abstreiten, dass die Lautstärke aufgrund

unseren Platzes nicht so toll war, von

gegenüber hätte es sicher besser geklungen –

und auch besser ausgesehen, immerhin hängt

hier mit der Fedayn Bronx Fahne die meiner

Meinung nach schönste Zaunfahne Italiens im

Moment. Blöd ist halt, wenn zentral über diese

ein großes Banner der Ultraszene Mainz

platziert wird. Das ist dann schon weniger geil

(sorry liebe Mainzer Leserschaft ;-) )

Aus dem südlichen Kampanien hatten sich

gute 100 Gäste rund um UC74 auf den Weg

gemacht und den Zaun schön beflaggt, auch

wenn diesen bescheinigt wurde, dass es in

Kampanien ja nur Cosenza gäbe. Davon ließen

sie sich aber nicht beirren und klatschten recht

fröhlich ihre Lieder vor sich hin, gehört haben

wir sie jedenfalls nicht. Der Jubel zum

zwischenzeitlichen 1:0 war auf jeden Fall

alleine schon das Eintrittsgeld wert. Bis dahin

war vom Spitzenreiter nicht viel zu sehen, mit

Fußball hatte das alles nicht viel zu tun und

auch wir froren mehr als dass wir uns hierfür

begeistern konnten. Nach dem Seitenwechsel

meinte ich nach der x-ten vergebenen

Großchance Casertanas schon zu MJ, dass hier

kein Tor mehr fallen würde, und prompt führt

der Favorit mit 2:1. Und jetzt war es auch

richtig geil hier. Die komplette Distinti rastet

aus und singt wunderschöne Melodien, immer

wieder blinkt es, die Haupttribüne pöbelt in

Richtung settore ospiti, welcher jedoch in

letzter Minute nach dem Ausgleichtreffer die

Retourkutsche präsentierte. Hatte ich gesagt,

der Jubel beim ersten Tor wäre schon das

Eintrittsgeld wert gewesen, dann war der beim

Ausgleich das ganze Wochenende wert. Damit


verabschiedeten wir uns aber auch vom Ort des

Geschehens und während ich auf dem

Beifahrersitz mal wieder meine Äuglein

schonte, kutschierte uns MJ zielsicher nach

Roma. Die Abgabe des Wagens fiel aufgrund

Nicht-Anwesenheit des Hertzjüngers ins

Wasser, dafür drehten wir eben drei

Sightseeingrunden vorbei am beleuchteten

Kolosseum, Santa Maria di Maggiore und den

Bauwerken rund um die Via Ostiense, ehe wir

einen kostenfreien Parkplatz direkt vor der Tür

unseres Hostels fanden. Auf den Stress der

Irrfahrt und der verlängerten Miete des Autos

(die aber wenigstens nichts extra kostete –

wäre ja noch schöner gewesen) gönnten wir

uns in der gegenüberliegenden Bier noch

diverse Pitcher Bier und noch mehr Cuba Libre,

so dass ich mit Hinblick auf meinen

frühmorgendlichen Heimflug doch recht froh,

dass mich MJ um zwei in die Heia entließ. Hier

noch kurz mit unserem argentinischen

Zimmerkollegen über die Fußballvereine

Buenos Aires‘ geplappert, blieben mir noch

etwas mehr als zwei Stunden, bevor mich der

Wecker aus meinem so wohligen Schlaf riss.

Ein kurzer Blick nach links bestätigte mir, dass

MJ in der Zwischenzeit auch im Bett

angekommen war (alleine!!), für eine große

Verabschiedungszeremonie blieb hingegen

keine Zeit mehr. Nachdem sich dann alles

etwas verzögert hatte, schlug ich um die

Mittagszeit zwar gerädert, aber doch glücklich

wieder auf der Maloche auf – nach Genua

konnte ich nicht schon wieder Urlaub

verschwenden ;-)

Zwar lief fußballerisch alles anders als geplant,

trotzdem war es mal wieder ein Heidenspaß

und ich habe auch trotz der phänomenalen

Bilder und Videos, die ich dann aus Avellino,

Pescara oder San Benedetto (quasi den

ursprünglich angedachten Kicks) erblickte,

nicht das Gefühl, großartig etwas verpasst zu

haben. (Ö)

Borussia Mönchengladbach II – Alemannia

Aachen 2:2

1.884 Zuschauer (1.500 Gäste)

Regionalliga, Fr. 29.01.2016

H

abe ich in Ausgabe 1 noch großspurig

verkündet, dass gefühlt alle Wege nach

Augsburg führen, muss ich diese Aussage

bereits jetzt schon wieder revidieren.

Allerdings hat sich zeitgleich zu unserem

Auswärtsspiel bei diesem bayrischschwäbischen

(whatever) Verkehrsknotenpunkt

eine Horde Nazis (!) zum

Fackelmarsch (!!) am 30. Januar (!!!) durch

unser beschauliches Büdingen angekündigt.

No way. Das sind die Punkte, an denen man die

Eintracht auch mal Eintracht und den Fußball

mal Fußball sein lassen muss, um dagegen auf

die Straße zu gehen. Da dies aber eine eher

leichte Lektüre fernab der ganzen Scheiße, die

da in der weiten Welt abgeht, sein soll, reicht

das an Politik an dieser Stelle. So ganz ohne

passives Sportvergnügen wollte ich dann aber

das Wochenende doch nicht verstreichen

lassen, beim Wälzen der Spielansetzungen bot

sich jedoch nur die Partie von Gladbachs

Zweitvertretung an. Naja, immerhin


Tabellenführer, also potentieller

Drittligaground nächstes Jahr, und mit Aachen

jetzt nicht der unattraktivste Gegner, passt

schon. Also schnell mal die üblichen Kontakte

angedingst und dabei neben den erwarteten

Ausreden in Form von „War ich schon“, „Kein

Bock“, „Muss moie früh raus“, „Du hast sie net

alle“ oder einfach gar keiner Rückmeldung

auch zwei überraschende Zusagen von Nino

und Ede erhalten.

So durfte ich uns mal wieder in die Nähe der

holländischen Grenze kutschieren. Begleitet

wurde die Fahrt von sensationellem

Dummgelaber und Gesangseinlagen, die

Menderes nicht hätte schlechter darbieten

können. In solch epischen Momenten, in denen

die komplette Autobesatzung zu „I believe I

can fly“ romantisch von links nach rechts

schunkelt und dabei Töne raushaut, als wären

wir Slayer auf Valium – also das absolute

Paradoxon – wünschte man sich, die Fahrt

würde nie zu Ende gehen…oder aber man

merkt, dass man schon wieder viel zu lange im

Auto sitzt. Ergo parkten wir dann auch bald

mal und legten die restlichen Meter zum

Grenzlandstadion in Rheydt per pedes zurück.

Hervorragende Aktion des Fahrers, in die erste

frei Parklücke zu stoßen (nein, an dieser Stelle

kein sexueller Vergleich, das wäre zu billig),

während das Ziel des folgenden Fußmarsches

noch in einiger Entfernung ist. Selbstredend,

dass eben jener Marsch, den wir trotz

Dunkelheit auch ganz ohne Fackeln

zurücklegen konnten, von freien Parkflächen

nur so gesäumt war. Dafür konnten wir noch

einen Blick ins RSV Stadion des Rheydter SV

(Kreisklasse A) werfen, ein absolut

ansprechender 15.000er, in dem die erste

Fohlenelf 1978 sogar schon Bundesligafußball

zelebrieren durfte. Ungeklärt blieb nur die

anschließende Frage, wieso hier zwei nahezu

identische Stadien direkt nebeneinander

stehen, denn kaum hatten wir das RSV Stadion

passiert, befanden wir uns gegen eine Gebühr

von vier Euronen bereits im Grenzlandstadion.

Bewaffnet mit Pils und Bulette nahmen wir auf

den überdachten Holzbänken Platz.

Gegenüber füllte Aachen die komplette Kurve

aus, die Karlsbande betrat den zentralen

Bereich erst kurz vor Anpfiff und war gefühlt

bis zur Halbzeitpause mit der Ausrichtung des

Banners beschäftigt. Derweil gab es bisschen

Singsang, hinter der Yellow Connection Fahne

wurde fast durchgängig gehüpft, wegen der

Weitläufigkeit kam jetzt aber auch nicht so viel

bei uns an. Wobei ich auch gestehen muss,

dass unsere Aufmerksamkeit nicht ganz dem

Geschehen außerhalb unserer unmittelbaren

Nachbarschaft gewidmet war. Dass der

heimische, aber nicht heimliche, Favorit zum

aufgrund der Außentemperaturen

hochverdienten Pausentee mit 2:0 führte,

bekamen wir noch mit, ansonsten vertrieben

wir uns die Zeit eben mit dem, was man sonst

so traktiert. Diese verbale Diarrhö muss ich ja

nicht mehr erwähnen, wobei ich positiv

anmerken muss, dass wir den gemeinen

Haupttribünengänger wieder gut unterhalten

haben. Ansonsten widmeten wir uns der

Lieblingsbeschäftigung eines gesellschaftlich

inkompatiblen Fußballtouristen. Nein, nicht

der zwanghaften Selbstbefriedigung, sondern

dem Surfen auf mobilen Seiten diverser

Wettanbieter. Blöd nur, dass der Januar mit

Siebenmeilenschritten auf sein Ende

zusprintet, so dass Ninos monatliches Budget


schon seit knapp 28 Tagen aufgebraucht war

und wir somit keine großartigen Wetten

platzieren konnten. Trotzdem war die

Handball-EM Liveübertragung auf Bet365

interessanter als das fußballerische Geholze in

unserem Sichtfeld.

Aber nichts, und damit mein ich absolut nichts,

da hätteste die nackte Denise Richards aus

Wild Things hinlegen können, war so

interessant wie das Schauspiel zu unserer

Linken. Ein Haufen seltsamster Gestalten

versuchte einen auf Ultra zu machen. Das sind

wohl die Leute, die bei den großen Jungs nix

zu melden haben und jetzt bei der Zweiten

gegen einen Hassgegner den Dicken machen.

Kennt man ja…

Da steht dann der Blockälteste (geschätzt

Mitte bis Ende zwanzig) im Jogger und ACAB-

Hoodie und malträtiert die Trommel mit einem

nicht vorhandenem Taktgefühl, dass man

dagegen denken könnte, MJs Taktgefühl dem

weiblichen Geschlecht gegenüber wäre stark

ausgeprägt. Und im Gegensatz zum

„Trommler“ landet der letztgenannte Kollege

wenigstens regelmäßig einen Treffer ;-)

Weiter geht’s mit den typischen Klischees wie

kleiner Dicker mit Fisher Price Megaphon oder

Brillenträger, der aber zusätzlich noch eine

Sonnenbrille auf der Stirn platziert hat. Das

optische Erscheinungsbild könnte man fast

einheitlich als „scheiße“ titulieren, vom

Gesanglichen will ich gar nicht erst anfangen.

Dass man es nur „fast“ als einheitlich scheiße

bewerten kann, lag an einem Exemplar, das

alles nochmal toppte und aussah, als hätte er

sich direkt von den Graswällen Chrudims

hergebeamt. Chicago Bulls Mütze, grüne

Bomberjacke, rotkariertes Baumwollhemd, so

ne Art Leggins, Schuhe weiß ich gar nicht

mehr. Für diesen optischen Supergau durfte er

dann auch in der zweiten Halbzeit durchgängig

eine Fahne wedeln. Hör mir uff, was ein

Schauspiel. Kurzfristig hatten wir überlegt, ob

wir mal kurz in den Haufen rein gehen und

Hallo sagen, da aber Teile unsere Reisegruppe

als angebliche Gewalttäter Sport vorgemerkt

sind, ließen wir die Vernunft über den Spaß

gewinnen.

Gewonnen haben dürfte auch der

Schiedsrichter. Nachdem Aachen das Spiel

zum 2:2 gedreht hatte, sah es dieser vor, den

klarsten Elfmeter seit Andi Möller 1995 zu

verweigern. Jede Wette (wie passend in diesem

Kontext), dass da noch jemand mit der

Wettmafia geflirtet hatte.

Weiteres gibt es nicht zu berichten, so dass ich

euch für heute mit der Weisheit des Tages

entlasse: Köln ist so ein Dreckskaff. Wenn die

den Dom nicht hätten, wäre es auch nix

anderes als Hannover. (Ö)

Ede und die iberische Halbinsel

– Teil 2

S

o, das erste Semester wurde hinter sich

gelassen, die letzte Klausur gefühlsmäßig

eher schlecht als recht geschrieben und doch

riefen die Semesterferien zu einem kleinen

Fußballtrip auf die iberische Halbinsel. Mangels

Mitfahrerinteresse, was auch einem Balkantrip,

der eine Woche später geplant wurde,

geschuldet war, mal wieder nur zweit. Aber

gut, die Primera Division hat auch noch einige

weiße Flecken auf der Landkarte zu bieten.

Angereist wurde vom Hahn nach Lissabon, um

meinem einzigen Mitfahrer die portugiesische

Hauptstadt etwas näher zu bringen und am

Dienstag das Champions-League Spiel von

Benfica mitzunehmen. Der Hinflug war, für


mich eher untypisch mit Ryanair, nur leicht

verspätet, was einer zusätzlichen Enteisung vor

dem Start geschuldet war. Der Flug war dann

recht unspektakulär und wir betraten dann

gegen Mittag portugiesischen Boden.

Nachdem es mit der Metro in die Innenstadt

ging, wurde das Hostel gesucht, gefunden und

bezogen. Portugal ist zu dieser Jahreszeit sehr

günstig zu bereisen, so zahlten wir für ein super

Hostel inklusive Frühstück 10€ für jeden Tag

p.P. Nach einer ersten Nahrungsaufnahme

wurden einige Sehenswürdigkeiten

begutachtet. Ein Besuch am Estadio da Luz

wurde ebenso gemacht, um die reservierten

Karten abzuholen, als auch ein Fotobesuch im

Estadio Avalade. Etwas ausgehungert war am

Abend ein „All you can eat“-Restaurant unser

Ziel, so war der erste Tag und wir dann erstmal

erledigt.

SL Benfica – Zenit St. Petersburg 1:0

48.615 Zuschauer ( 500 Gäste)

CL Achtelfinale, Di. 16.02.2016

Matchday! Heute wurde uns zum Frühstück

erstmal Pancakes oder wahlweise French Toast

angeboten. Beides wusste geschmacklich und

von der Portion her zu überzeugen. Danach

schlossen wir uns einer Free Walking Tour an,

die am Rossio startete. Auch für mich, selbst

wenn ich das fünfte oder sechste Mal in

Lissabon war ein cooles Erlebnis und man

erfuhr wieder etwas mehr über die Stadt und

das Land. Der Kollege machte die Tour echt

gut und zeigte auch Ecken, wo man als Tourist

nicht unbedingt vorbeikommen würde. Zu der

Tour gehörte u.a. auch das probieren des

portugiesischen Nationalgetränks, ein

Kirschlikör aus einem Becherchen aus

Bitterschokolade – like „Mon Cherie“. Mittags

nach der Führung wurde Belem ein kurzer

Besuch abgestattet um die dortigen

Sehenswürdigkeiten – Sehfahrerdenkmal,

Torre de Belem und Mosteiros dos Jeronimos –

abzuhaken. Wieder in Lissabon-Stadt,

statteten wir dem bekannten „All you can eat“-

Restaurant noch einen Besuch ab, um danach

in Richtung Stadion aufzubrechen. Hier gab es

ein großes Gewusel von der Metrostation weg,

was sich dann aber etwas auflöste, sodass man

entspannt in Richtung Stadion laufen konnte.

Lediglich unsere Kartenbeschriftung sorgte

etwas für Verwirrung, sodass wir erstmal am

Hallen- statt am Stadioneingang vorstellig

wurden. War dann aber kein Problem, eine

halbe Stunde vor Anpfiff konnten wir unsere

Plätze einnehmen.

Das Spiel gab dann eher weniger her. Auffällig

war jedoch der etwas kräftigere

Außenverteidiger von Benfica, der sich warm

machte, als würde er irgendwo in der Kreisliga

Reserve kielen. Der Kollege wurde daraufhin

über die 90 Minuten etwas genauer

begutachtet und festgestellt, dass noch viel

Luft nach oben ist und er offensichtlich eine

der wenigen Benfica-Schwachstellen zu sein

scheint. Alle Augen waren bei dem Spiel aber

auf einen gewissen Renato Sanches gerichtet -

seines Zeichens 19jähriger Portugiese mit der

Rückennummer 85. Auf diesen jungen Herren

sind wohl, wie immer kolportiert, alle

europäischen Topvereine heiß. Herr Sanches

wusste aber wirklich zu gefallen und bot eine


sehr gute Leistung. Für sein Alter

bemerkenswert, welche Präsenz er hatte und

wie er die Bälle forderte und wieder verteilte.

Fazit: Der Junge wird seinen Weg machen.

Ansonsten war das Spiel aber eher von Ballhin+

und -hergeschiebe geprägt. In der

Nachspielzeit kam es zum einzigen geglückten

und sehenswerten Spielzug von Benfica-Seite

und dieser wurde dann fulminant vollendet.

Nach dem Treffer war das Stadion in völliger

Extase. Ich muss sagen, so einen Torjubel habe

ich in portugiesischen Gefilden selten erlebt.

Nach Abpfiff feierte sich Benfica dann noch

kurz selber und dann aber ab nach Hause. In

zwei Wochen in St. Petersburg weht aber

sicherlich ein anderer Wind. Wir fuhren mit der

Metro wieder Richtung Hostel um uns

abzulegen, da es am Morgen in Richtung

Spanien gehen sollte.

Ohne Frühstück ging es zum Aeropurto. Da wir

nach Valencia wollten, mussten wir von

Lissabon einen kleinen Umweg in Kauf

nehmen und verbrachten den gesamten

Mittwoch mit fliegen, Zug fahren und

gammeln. Aber wie bekannt, ist ja der Weg das

Ziel. Morgens von Lissabon mit Iberia nach

Madrid, wo wir schon mal zum Atocha fuhren.

Dort angekommen, versuchten wir unser

Gepäck abzugeben, was nur halb funktionierte,

da der Automat, an welchem man das

Schließfach im Vorhinein bezahlen musste, nur

einen Teil seines Jobs erledigte und dann,

nachdem er das Geld hatte, einfach mal auf

Fehler schaltete. Um das Geld

wiederzubekommen war dann etwas

Gestikulieren und Deuten von Nöten, bis der

Security-Kauz, der die Schließfächer

bewachte, mal einen Techniker oder so was

Ähnliches rief. Der interviewte uns dann auch

noch mal, was los war etc. und nach der

Odyssee mussten wir einen Wisch

unterschreiben, um das Geld

wiederzubekommen. Wir hatten ja eh nix

anderes zu tun. Nach dem Akt schauten wir

uns den größeren Park in der Nähe des Atocha

an, in welchem u.a. der sogenannte

Kristallpalast steht. Den Park hatte ich bereits

bei meinem letzten Madrid Aufenthalt

entdeckt, wollte diese Schönheit aber nicht

meinem Mitfahrer vorenthalten. Nach dem

kleinen Sightseeingprogramm versorgten wir

uns noch mit Ess- und Trinkbarem, um dann

die Zugfahrt nach Valencia anzutreten. Hier zu

erwähnen ist der Preis, für 55,-€ durch die

komplette iberische Halbinsel zu kommen,

halte ich für ein echtes Schnäppchen (Anm. d.

Korr.: geht so…). Von Madrid nach Valencia

nahmen wir dann keinen AVE (gleichzusetzen

mit dem deutschen ICE), sondern einen

Intercity, der natürlich länger fuhr, aber dafür

um Einiges weniger auf das Reisebudget

schlug. So kamen wir dann gegen 22 Uhr in

Valencia an.

Valencia weiß einfach durch seine bauliche

Gestaltung zu Gefallen. Mein Mitfahrer war

dementsprechend begeistert. Ist meiner

Meinung nach nicht mit Madrid oder Barcelona

zu vergleichen. Valencia kann einfach mehr,

wenn man die Größe etc. ins Verhältnis setzt.

Die Stadt war schon sichtbar gut besetzt mit

Rapidlern, die am Folgetag ihre Visitenkarte

beim FC Valencia abgeben wollten. Wir

stiefelten auf fast direktem Weg in Richtung

Hostel, checkten ein und waren froh, als wir

nach dem Reisetag alle Viere von uns strecken

konnten.

Der nächste Morgen begann für mich mit

Ausschlafen und einem schönen Frühstück.

Mein Mitfahrer wollte sich währenddessen

schon mal mit den Stadien in Valencia vertraut

machen. Nachdem wir uns gegen 11:00 Uhr

wieder zusammenfanden, liefen wir am

trockengelegten Flussbett entlang zu den

neueren Bauten von Valencia. Hier ist

stellvertretend die City of Arts and Science zu


nennen, wo auch das größte Aquarium

Europas zu finden ist. Sehr futuristisch

anmutend, auf jeden Fall ein Hingucker. Von

dort wollten wir zu Fuß in Richtung Strand, was

dann eine eher weniger prickelnde Idee war.

Wir verliefen uns ein wenig in einem sehr

großzügig angelegten, neueren und

moderneren Stadtteil. Dieser wurde dann aber,

wie in Spanien üblich, nicht wirklich

fertiggestellt. So gab es eine Brücke mit Tram-

Schienen, aber dann eben keine Anbindung

geschweige denn eine Haltestelle. Auch waren

in dem Stadtteil offensichtlich neuerrichtete

Gebäude im Eingangsbereich verrammelt und

verriegelt. Die freien Parkplätze und die nicht

vorhandene Masse an Leuten schienen die

offensichtliche Fehlplanung dieses Projektes zu

bestätigen. Nach einem Marsch von

geschätzten 2 km kamen wir dann zur

ehemaligen Stadtrennstrecke von Valencia.

Hier war noch ganz klar sichtbar, dass die

Formel 1 dort mal gastierte. Die Straßen waren

für die Rennboliden ausgelegt und geteert. Die

Verkehrsinseln und Begrenzungen waren

sichtbar nur für temporären Verbleib errichtet,

sodass man den Kurs mit relativ geringem

zeitlichem Aufwand startklar machen konnte.

Sichtbar waren dann noch die Zielgeraden,

Boxengasse und meist auch der Verlauf der

Strecke. An sich ein netter Streckenverlauf, der

das etwas heruntergekommene Viertel

wenigstens etwas aufgewertet hatte. Nach

einem weiteren Kilometer erreichten wir den

Sandstrand. Dieser wusste durch Länge, Breite

und die Flaniermeile mit vielen Restaurants zu

gefallen. Im Gegensatz zu Barcelona scheint

dieser Strand auch nicht künstlich angelegt zu

sein, wer Gegenteiliges weiß, bitte melden ;-)

Von dort fuhren wir mit der Tram bzw. Metro

in die Innenstadt, schauten uns diese noch

etwas genauer an und aßen zu Mittag - wie in

Valencia typisch natürlich eine Paella

valencianischer Art, was wohl so viel heißt, wie

„mit Hühnchen“. Nun hatte der Nachmittag

schon begonnen und wir machten uns auf zu

unserem heutigen Ziel, dem Europa League

Knaller Villareal CF – SSC Napoli. Also im

Bahnhof Hin- und Rückticket gelöst, was um

die 12 bis 14 € gekostet hat, hielt sich im

Rahmen. Man fuhr dann ca. eine Stunde mit

einer Art S-Bahn bis nach Vila-Real. Vom

Bahnhof dort läuft man einfach nur die Straße

gerade hoch, irgendwann der Masse nach,

nach links und schon ist man am El Madrigal

(Fußmarsch ca. 20 bis 30 Minuten, kommt halt

darauf an, welchen Schritt man so drauf hat

(Anm. der Korr: Also brauchtest Du eher 40

Minuten ;-)).

Villareal CF – SSC Napoli 1:0

17.686 Zuschauer ( 800 Gäste)

EL Sechzehntelfinale, Do. 18.02.2016

Da es für den Kick keine Karten online gab,

musste man die Kasse beehren, an denen wir

feststellen mussten, dass die Spanier, was

Kartenpreise angeht, immer noch den

Allerwertesten ganz weit offen haben. Kurzer

Dialog von der Kasse: “Hello, we need two

tickets. Cheapest.“ - “Sixty Euro!“ – „No

problem. Sixteen Euro.“ 16,- Euro werden

hingelegt. – “No. Sixty Euro“ – „Okay, but we

want the cheapest tickets. How much are the

other categories?” – “Oh. Seventy or one

hundred and ten!” – “Okay. Thank you for the

information. We take two tickets for sixty

Euro.” In diesem Sinne, Augen auf beim

Ticketkauf.

Auf der Hintertortribüne angekommen, wusste

der Allseater mit um die 20.000 Plätzen dann

aber schon zu gefallen. Nicht der typische

0815-Bau. Das Ding hat doch seinen eigenen


Charme, ob einem das gefällt oder nicht, ist

dann immer geschmacksabhängig. Mir hat es

gefallen, jede Tribüne hatte ihre Handschrift

und glich nicht der anderen, richtig schön

zusammengeschustert.

Na ja, dachte man sich, wenn hier der

Tabellenführer der Serie A gegen den vierten

der Primera Division kielt, wird das Spiel

wenigstens bisschen was hergeben und so

versuchte man, sich die 60,-€ schönzureden.

Außerdem war man auf den anwesenden

Napoli-Anhang gespannt. Zu unserer

Verwunderung war für die aufgerufenen

Ticketpreise der Besuch des Spiels doch sehr

gut. Enttäuschung machte sich dann breit, als

man feststellen musste, dass Napoli ohne

Higuain und Insigne auflaufen würde. Aber gut,

auf der Bank waren sie wenigstens. Nach

Anpfiff plätscherte das Spiel eher vor sich hin

und die erste Halbzeit verlief recht ereignislos.

Die Spanier fanden es geil, dass Pepe Reina das

Napoli-Tor hütete und die 20 Mann Fanblock-

Kapelle gab alles mit ihren vier Trommeln,

einer Perücke und allerhand Schnickschnack,

den man eher in einem Second Hand Laden

vermuten würde als in einem europäischen

Fanblock. Vielleicht war auch eine Art Karneval

im Fanblock ausgerufen worden. Egal, auf

jeden Fall war es peinlich. Zum Napoli-Block

gibt es leider nicht viel zu berichten. Es gab vor

dem Spiel wohl eine Festsetzung eines Teiles

der Gruppe oder sogar Festnahmen, sodass

sich die Tifosi dann auf das Fußball schauen

konzentrierten und nicht einmal stimmlich zu

vernehmen waren. Die am Anfang

angebrachten Banner wurden mit Beginn der

ersten Halbzeit ebenso entfernt. Wieder mal

eine Glanzleistung der spanischen

Ordnungsbehörden, die sich zeitgleich in

Valencia beim Rapid-Anhang auch noch beliebt

machten, als sie diverse Banner nicht zuließen.

Man sollte sich immer mal fragen, in welchem

Verhältnis solche Aktionen stehen. Aber

Spanien ist dahingehend ja leider bekannt.

Ab der 60. Minute wurden dann nach und nach

die etatmäßigen Offensivkräfte auf beiden

Seiten eingewechselt, was bei Villarreal den

Kongolesen Bakambu auf den Plan rief und bei

Napoli die schon zuvor erwähnten Higuain und

Insigne. Das brachte schon etwas mehr

Schwung für die letzten 30 Minuten, aber vom

Hocker riss es uns trotzdem nicht. In der 82. fiel

das Tor des Tages durch Denis Suárez und wie

sollte es anders sein, durch einen Freistoß, der

traumhaft, direkt verwandelt wurde. Die etwas

unkonventionell vorgetragenen Angriffe von

Napoli fanden dann alle in der spanischen

Defensive ihr Ende. Einen Sieger hätte das

Spektakel auf jeden Fall nicht verdient gehabt.

Nach dem Spiel ging es schnurstracks wieder

zum Bahnhof, wo wir feststellen mussten, dass

nicht mehr jede halbe Stunde eine Bahn fährt,

sondern nur noch jede Stunde. Also noch mal

einen Supermarkt geentert. Recht interessant

ist in Spanien, dass man beispielsweise

Tiramisu abwiegen muss. Sorgte bei mir an der

Kasse erstmal für etwas Verwirrung, wurde

aber nach einer kurzen Erklärung wie

gewünscht erledigt und ich konnte das


Tiramisu mein Eigen nennen. War den

Umstand dann auch wirklich wert, weil das

Ding sau lecker war. Wieder am Bahnhof

angekommen, war hier natürlich die Hölle los,

weil die Jungs aus Napoli zum Großteil nach

Valencia wollten. Im Zug selber hatte sich die

Meute aber recht gut verteilt, sodass man

doch gechillt die Heimreise antreten konnte.

In Valencia liefen uns zwei Rapidler über den

Weg, die wir nach dem Ergebnis fragten,

woraufhin diese nur hämisch grantelten, dass

es ein Tennisergebnis wäre. Ich dann:“15:0?“;

Kumpel:“6:1“… Antwort war dann

nur:“Machste das eine Tor noch weg, dann

passts.“ Trotzdem denke ich, dass sich Rapid

mit der Masse an Fans - um die 2.500 würde ich

sagen, laut anderen Quellen bis zu 3.500 - ganz

gut präsentiert hat und immerhin die

Gruppenphase überstanden hatte. Im Hostel

wurden dann noch Ergebnisse gecheckt und

entspannt.

19.02.2016 Sevilla Irish Pub

Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 0:0

(Zuschauer: 2 Frankfurter)

gewissen Partypotential, da der große

Gemeinschaftsbereich abends immer bis 0:00

Uhr genutzt wurde um sich wegzuflacken und

sich danach in die umliegenden Bars und

Diskotheken zu begeben. Der Rezeptzionist

gab in der Runde auch immer wieder mal

Vollgas. Das englischsprachige Kerlchen war

recht sympathisch und sich auch nicht zu

schade, seinen Oberkörper mit

Eddingschmierereien verzieren zu lassen. Wir

begaben uns dann auf den Weg und schauten

uns die ersten Sehenswürdigkeiten an. Zu

empfehlen sind hier vor allem der Plaza de

Espana, die Kathedrale und der Königspalast,

dazu später mehr. Sevilla an sich weiß dann

schon zu gefallen. Wir machten uns gegen

Abend auf die Suche nach einer Location, wo

man sich an einem Freitagabend die deutsche

Bundesliga anschauen konnte. Nach langer,

vergeblicher Suche, wurden wir nach

Nachfrage fündig und kehrten in einem Irish

Pub nahe des Flusses ein. Dort durften wir

selber das Fernsehprogramm bestimmen und,

da keine anderen sportlichen Highlights

anstanden, war dies dann kein Problem. SGE -

Heute sollte es weitergehen nach Sevilla. Nach

einiger Recherche war klar, dass man von

Valencia nach Sevilla entweder nur über

diverse Umwege kommt oder man nimmt

einen der wenigen, günstigen Flüge. Da wir

den Flug recht schnell fixierten, war dieser

dann preislich entsprechend angenehm. Bus

wäre günstig möglich gewesen, doch wäre

dieser dann über zwölf Stunden unterwegs

gewesen. Da war die Entscheidung dann klar.

Also morgens ab an den Flughafen und mit Air

Nostrum weiter nach Sevilla, wo uns der Bus

für 4,-Euro in 20 Minuten ins Zentrum brachte.

An der Endstation angekommen, war das

Hostel wieder in Laufweite mit um die 20

Minuten in die Altstadt. Das Hostel an sich war

eine typische Backpackerlocation mit dem


HSV würde ich persönlich jetzt auch nicht als

sportliches Highlight bezeichnen. So konnten

wir dort locker was Essen, ein paar Halbe in die

Birne stellen und dem 0:0 gegen den HSV

fröhnen. Fazit: So wird das in der kommenden

Zeit nix. Aber besser ein Punkt, als kein Punkt.

So machten wir uns dann wieder auf Richtung

Hostel und lagen gegen Mitternacht in der

Kiste.

Real Betis – Sporting Gijon 1:1

39.415 Zuschauer (500 Gäste)

1. Liga Spanien, Sa. 20.02.2016

Am heutigen Morgen stand ein Besuch des

Königspalastes an. Dort kann ich empfehlen,

die Tickets vorher über das Internet zu ordern.

Es erspart einem das Warten und man weiß,

wann man in den Palast hereinkann.

Andernfalls kann es sein, dass man um 10:00

Uhr da ist, aber im dümmsten Fall erst um

14:00 Uhr in den Palast kann. Den Palast sollte

man sich definitiv anschauen, wenn man schon

mal in Sevilla ist. Die Kosten sind mit um die

10,- € überschaubar. Der Palast ist sehenswert,

die Parkanlagen sind Geschmacksache,

manches kann man sich sparen und manches

ist schon nett anzusehen, mit welchen Ideen

gearbeitet wurde und was dann wie umgesetzt

wurde. Mit seinen ganzen Anlagen hat man

ihn, wenn man gut zu Fuß ist, in einer bis

eineinhalb Stunden durch. Wenn man sehr

viele Fotos machen will oder sich die Knüpfung

der Wandteppiche genauer ansehen will,

dauert es schon mal etwas länger. Nach

unserem Besuch suchten wir uns ein Tapas

Restaurant, um ein Mittagessen zu uns zu

nehmen. Dies ist in Sevilla relativ günstig

mmöglich und man kann bei fast keinem

Restaurant etwas falsch machen. Qualitativ

und preislich aus meiner Sicht alles im

Rahmen. Nach dem Mittagessen wollten wir

uns noch die Kathedrale anschauen. Von

Außen ist dies kein Problem, ein riesiges

Gebäude und eine der größten Kathedralen in

Europa. Als wir dann aber den Eintrittspreis für

das Innere der Kathedrale sahen, machten wir

kehrt und wir liefen lieber schon langsam in

Richtung Stadion, vorher checkten wir noch

mal Möglichkeiten zum Bundesliga schauen

aus, waren aber weniger erfolgreich, da heute

der spanische König Fußball regiert und dies in

Person des FC Barcelona, der mittags auf

Teneriffa spielen sollte. Schön, dass die Spiele

in Spanien so schön auseinander gezogen sind.

Da kann man sich immer mal ausmalen, wie

das in Deutschland werden würde…

Hopperfreundlich, aber für den normalen

Zuschauer der absolute Albtraum. Da das

Stadion von Betis eine Ecke von der Innenstadt

weg ist, liefen wir die Strecke gemütlich und

machten das ein oder andere Päuschen und

fachsimpelten viel über den deutschen, sowie

internationalen Fußball.


Zweieinhalb Stunden vor dem Spiel kamen wir

am Stadion an und liefen schnurstracks in

Richtung Kasse. Vorher rief uns ein alter Mann

zu, dass das Spiel ausverkauft wäre. Wir

schauten uns an und dachten, dass das nie im

Leben der Fall sein kann. An der Kasse sagte

die Dame uns dann tatsächlich, dass das Spiel

ausverkauft sei. Das war für mich

unvorstellbar, da ich das Spiel von vornherein

bei der Tour, vom Prinzip her als einziges Spiel

identifizierte, wo man sicherlich keine Karten

vorher organisieren müsse. Na ja, jetzt waren

wir schon mal da und wollten dann natürlich

rein. Nach und nach erklärte sich die Sache,

warum das Ding ausverkauft war. Es gab wohl

eine Aktion von Seiten Betis’, dass

Dauerkarteninhaber, Mitglieder o.ä. Karten,

egal wo im Stadion, für 10,- € kaufen konnten.

So waren dann knapp 50.000 Tickets im

Umlauf und die Jungs, die die Karten für 10,- €

aufgekauft hatten, waren am Verscherbeln

ihrer Tickets. So waren wir also seit Langem

mal wieder auf den Schwarzmarkt angewiesen.

Natürlich hatten wir von den Kollegen gleich

mehrere an der Backe, man merkte aber

schnell, dass der Haufen zum Großteil

zusammengehörte. So hatten wir einen

dickeren Kollegen mit Zahnspange und Bart als

Verhandlungspartner. War an sich ein lustiges

Kerlchen und der bestvorbereitetste

Schwarzhändler, den ich je gesehen habe.

Stadionplan, Stadioninnenansicht und die

normalen Preise abgedruckt, die wir uns vorher

im Internet schon mal angeschaut hatten. Wir

waren also informiert, dass wir unter 30,- € auf

keinen Fall ins Stadion gekommen wären. Dies

wären dann natürlich Plätze hinter dem Tor

gewesen. So also auf zum Einstieg. Wir

starteten wie üblich sehr hoch rein und

landeten nach eine ca. halbstündigen

Verhandlung bei 35,- € die Karte. Sitzplatz war

dann aber immerhin Haupttribüne oben,

welche normal 50,- € gekostet hätte. Bisschen

schön reden muss man es sich ja, wenn 10,- €

auf der Karte angedruckt sind. Im Nachhinein

hätte man vielleicht warten sollen, aber da uns

diese Info überraschend traf, waren wir dann

glücklich und zufrieden, als wir die Karte in

Händen hielten. Vor dem Spiel wurde ein

Hamburger mit Pommes eingenommen und

nachdem wir satt waren, suchten wir uns eine

Kneipe für Bier und Fußball. Bierpreise waren

in Ordnung und Fußball konnte man schauen.

Vor dem Betis Stadion gibt es eine Straße mit

jeder Menge kleinerer Lokalitäten, welche

dann vor dem Spiel auch völlig überlaufen war.

Was wiederum interessant ist in Spanien, ist

die Tatsache, dass die meisten

Kneipen/Restaurants, egal welcher Größe, nur

eine Toilette haben, wenn man Glück hat sogar

eine Toilette pro Geschlecht. Als dann die

letzte Notdurft vor dem Spiel verrichtet war,

machte man sich zum Stadion und war nach

einer kurzweiligen Kontrolle schnell an seinem

Platz. So nach und nach erkannte man dann

die Ausmaße der Promoaktion. Auf unserer

Tribüne waren ausschließlich Familien bzw.

Väter mit ihren Sprösslingen. Auch wenn für

Betis-Verhältnisse wohl etwas mehr los war,

ließ der Spanier an sich die Sache wieder schön

ruhig angehen und so tauchten manche, wie

gewohnt, halt erst 15 Minuten nach Anpfiff auf.

Sollte der ganzen Sache keinen Abbruch tun.

Als das Spiel lief, fiel auf, dass es keineswegs

„ausverkauft“ war. Klar, am Ende waren alle

Tickets weg, aber trotzdem würde ich mal

behaupten, dass die Auslastung bei um die

80% lag. Später bei der Zuschauerzahl wurde

seltsamerweise kein ausverkauft gemeldet,

obwohl es doch keine Tickets mehr gab. Muss

man nicht verstehen. Die Stimmung war wider

erwarten dann recht angenehm, das ganze

Stadion grölte das Vereinslied vor Anpfiff und

riss dazu seine Schals in die Luft. War dann

doch etwas mehr, als ich erwartet hatte. Was

dann wiederum seltsam ist in diesen iberischen

Gefilden, dass es bei mehreren Klubs zwei

Bereiche gibt, in welchen versucht wird,


Stimmung zu machen. Bei der Masse an

Leuten (maximal mittlere zweistellige Anzahl),

stellt sich dies natürlich als nicht so einfach

heraus. Effektiver wäre da meist ein

Zusammenschluss, aber wem erzähle ich das?!

Betis hat aber nach den zuvor eher mauen bis

nicht vorhandenen Auftritten auf jeden Fall zu

gefallen gewusst.

Das Spiel war dann eher mau und man sah,

dass beide Clubs eher Mitläufer in der Liga sind

bzw. aufpassen müssen, nicht zufällig auf die

Abstiegsränge zu rutschen. Wenn man sich die

Mannschaften anschaut, geben diese nicht

wirklich viel her. Die Legionäre sind nur

internationale Mittelklasse und wenn jemand

richtig geil kicken kann in so einer Truppe

gehört er dann einem anderen größeren Verein

in Europa. Dies war der Fall beim Spielmacher

von Gijon, Alen Halilovic (19), vom FC

Barcelona ausgeliehen. Das Kerlchen wusste

mit dem Ball umzugehen und war immer,

wenn es gefährlich wurde, beteiligt, so wie auf

der anderen Seite der Kollege Charly Musonda

Jr. (19), welchen sich Betis leihweise von

Chelsea organisiert hatte. Auch ein geiler

Kicker, mit einer riesigen Geschwindigkeit und

der Fähigkeit, Lücken zu reißen und Räume zu

schaffen. Von den Jungs wird man sicherlich

noch hören, wenn vielleicht auch nicht gerade

bei ihren Stammclubs. Das Spiel ging

gerechterweise mit einer Punkteteilung zu

Ende. Noch ein Highlight: Während der

Halbzeitpause wurden auf einmal jede Menge

Sandwiches um uns herum ausgepackt, umher

gegeben und herumgeworfen. Es gab echt nur

wenige in unserem Umkreis, die nichts zu

kauen in der Hand hielten. Halbzeitshow nahm

ich glücklicherweise keine wahr, ist mal was

Positives bei der ganzen

Durchkommerzialisierung. Nach Abpfiff

nahmen wir dann die Beine in die Hand und

erwischten einen Bus in Richtung Innenstadt

und wir kehrten dann relativ zügig im Hostel

ein, da es früh am nächsten Morgen nach

Màlaga weitergehen sollte.

Málaga CF – Real Madrid 1:1

29.415 Zuschauer (viele Gäste)

1. Liga Spanien, So. 21.02.2016

Gegen 7:00 Uhrverließen wir unser Hostel und

waren eine gute halbe Stunde vor Abfahrt am

Abfahrtspunkt. Der Bus ist in Spanien eine gute

Möglichkeit von A nach B zu kommen. Über

das Internet findet man ausreichend

Informationen. ALSA ist dort die größte

Gesellschaft, die mir jetzt aufgefallen ist, es

gibt wohl auf manchen Strecken andere, das

wird man dann aber sicher merken. ALSA ist

sowohl von Busqualität, Internetauftritt und

Preis auf alle Fälle zu empfehlen. Wir hatten

die Ehre, die Busse drei Mal zu nutzen und

waren stets zufrieden, außer dass bei einem

Trip der Bus vorher gewechselt werden musste

und der Neue dann keine Toilette hatte, was

aber am End auch nicht nötig war. Der Bus war

am besagten Morgen pünktlich zur Abfahrt in

Sevilla. Ist schon eine Leistung, wenn man

überlegt, dass er aus dem neun Stunden

entfernten Gijon kam. Aber es lief alles perfekt

und nach ca. 2 Stunden erreichten wir Màlaga.

In Màlaga orientierten wir uns erstmal in

Richtung unserer Unterkunft. Zum Abschluss

mal ein Zweibettzimmer, um mal ausgeruht in

die Tage zu starten. Auf dem Weg war schon

auffällig, dass die Stadt sehr

orientalisch/arabisch geprägt ist. Fing an bei

den Restaurants und Läden, an denen man

vorbeilief, sowie den Menschen, die man auf

den Straßen sah. Der Hauptteil der Menschen

mit Migrationshintergrund in dieser Region


scheint aus Nordafrika zu stammen. Im Hostel

angekommen, warfen wir unser Gepäck ab. Da

unser Zimmer leider noch nicht bezugsfertig

war, machten wir erstmal einen Trip durch die

Stadt und besichtigten die Kathedrale, den

Hafen nebst Promenade sowie den Strand und

weitere Bauwerke von Weitem (z.B. die Burg).

Die Promenade war schön gestaltet und recht

weitläufig. Der Strand war von dunklem, mehr

oder weniger grobkörnigem Sand und lud zum

Verweilen ein. Dies lag aber eher am tosenden

Mehr und den doch recht hohen Welle, war

schon ein Spektakel. Trotzdem muss man

abschließend sagen, dass der Strand von

Valencia aber doch die Nase vorne hätte, wenn

man sagen müsste, welcher der bessere ist. So

ging es nach der Runde wieder in Richtung

unseres Hotels, wo wir noch einen

Straßenkünstler trafen, der mit seinen Fingern

innerhalb von drei Minuten wahre Kunstwerke

auf kleine Glas-/Acrylscheiben zauberte. Bei

den vermeintlichen Details ist das mit dem

„Zaubern“ nicht untertrieben - Riesenkerl! Das

Zimmer wurde dann umgehend bezogen, dass

Wifi noch etwas in Anspruch genommen und

schwupps, waren es auch nur noch drei

Stunden bis zum Anpfiff und wir hatten noch

nichts in unseren Mägen. Wir steuerten wieder

die Altstadt an, nahmen dort das erstbeste

Restaurant und bestellten eine schöne

Bandbreite an Tapas, dazu noch ein schönes

Bierchen und schon war die Welt wieder

schwer in Ordnung. Wie bisher tat der Laden

den anderen keinen Abbruch und alles durch

die Karte weg war sehr schmackhaft und nicht

wirklich teuer.

Satt und zufrieden liefen wir danach

gemächlich zum Stadion, das wir schon am

Flussbett sahen und nur wenige Minuten zu

Fuß entfernt war. Dort war das Gewusel groß

und jeder Eingang nahezu verstopft, weil nur

eine kleine Zahl an Drehkreuzen offen war.

Habe mich dann gefragt, wann da mal alle im

Einsatz sein werden, wenn nicht gegen Real,

wenn die Hütte mit Ansage bis auf den letzten

Platz gefüllt ist. Die Tortur nahm dann

irgendwann ein Ende und wir waren ca. 20

Minuten vor dem Anpfiff in der guten Stube.

Die Platzsuche sollte dann ein weiteres

Highlight werden, da irgendwie nichts auf

unserer Karte auf einen Aufgang, Sektor oder

irgendwas Ähnlichem hinwies. Nachdem man

sich durchgefragt hatte, saß man zwar auf dem

richtigen Platz, aber fragt bitte nicht, was die

bei der Kartenbeschriftung für eine Taktik

haben. Tickets hatte ich vorher via Internet

gekauft und haben uns pro Person 73 €

gekostet. Im Nachhinein hätte man hier einen

Schnapp auf dem Schwarzmarkt machen

können, aber bei dem Spiel war die Devise

„Safety first“. Das Rosaleda weiß dann schon

zu überzeugen. Zwar relativ neu, aber

irgendwie doch ganz cool, da es irgendwie

Persönlichkeit ausstrahlt. Zu Beginn des Spiels

gaben wieder „zwei“ Fangruppen von Màlaga

Gas und supporteben das Team. Außerdem

gab es eine gesponserte Choreo, welche das


Stadion in blau-weiß-blau hüllen sollte. Machte

dann für spanische Verhältnisse schon was her

und war von der Stimmung wieder besser als

gedacht. Die Mannschaften gaben aber auch

alles, um das Publikum auf ihre Seite bzw.

gegen sich zu bringen. Màlaga machte ein sehr

gutes Spiel und hielt über weite Strecken mit

und Real bekam nichts auf die Kette. Benzema

und Bale waren noch verletzt und CR7 fiel mehr

durch Theatralik und schauspielerische

Leistungen auf. Obwohl er das 1:0 einwandfrei

einköpfte, das kann er halt wirklich gut,

verschoss er später einen Elfer gegen Kamin,

den Puma im Tor des Màlaga CF.

Glücklicherweise erlahmte sich dann ein Kicker

der Heimmannschaft den Ball auch mal

zwischen die Pfosten zu bugsieren. Die Heimelf

hatte Chancen für zwei Spiele und hätte gut

und gerne den Platz als Sieger verlassen

können. Meine Màlaga-Serie hielt und bisher

habe ich die Truppe noch nicht verlieren sehen.

Dazu gehören drei Spiele, dieses Heimspiel

gegen Real (1:1), Auswärtssieg in Madrid bei

Atletico und Auswärtssieg bei keinem

Geringeren als dem FC Barcelona. Ich freue

mich schon auf den nächsten Kick der Truppe.

In Spanien ist sehr faszinierend, wie schnell

nach dem Spiel das Stadion schon komplett

leer ist. Ich würde sagen, 30 Minuten nach

Abpfiff befindet sich da kein Mensch mehr auf

den Tribünen und 15 Minuten später machen

die die Hütte schon komplett dicht. Was dann

noch recht ominös war, waren jede Menge

Busse mit Aufschriften, wie Fanclub Finland,

Fanclub Sweden etc. also Fanclubs die in Busse

verfrachtet wurden und alle aus den

skandinavischen Ländern. Was ich bis heute

nicht ganz gecheckt habe, ist, ob dies Real oder

Màlaga Fanclubs waren. War nicht eindeutig

auszumachen, weil jeder mit einem Spielschal

versorgt war. Ich will nicht wissen, was sich die

Jungs und Mädels dieses Spiel haben kosten

lassen. Ich würde die Busanzahl schon auf über

20 Busse schätzen, da kann man sich mal

ausrechnen, was man sich für ne goldene Nase

an den Skandinaviern verdient haben wird.

Für uns war das nächste Ziel das Hostel und

danach wollten wir uns das eigentliche

Topspiel dieses Spieltages anschauen. Dies

wurde schön auf einer Tafel bei einem Café

nebenan angepriesen. Dort wurde erstmal Bier

geordert, das laufende Spiel fertig geschaut

und dann tat sich erstmal nichts. Das Topspiel

sollte aber fünf Minuten später laufen und weit

und breit nichts zu sehen. So sprach ich mal

den „Wirt“ an und der kümmerte sich nach

kurzer Diskussion um den Wechsel des

Programms. Auch gut, wenn ich irgendwas auf

ein Schild schreibe und dann nicht mehr weiß,

dass ich vielleicht mal umschalten muss.

Während dem Spiel kamen wir mit einem

Marokkaner ins Gespräch, der uns dann noch

zeigte, dass das Tor von Real am Mittag sogar

noch Abseits war. Harter Tobak für die

gebeutelte Màlaga-Seele, da man eigentlich

das bessere Team war. Ich hätte es ihnen

gegönnt. Mit dem Marokkaner wurde ein

wenig über den deutschen Fußball mit Händen

und Füßen gefachsimpelt, zwischendrin hatte

er uns dann mal Kokain und Marihuana

angeboten. Halt so das übliche

Kneipengespräch. Das Topspiel, das übrigens

Atletico gegen Villarreal hieß, gab gar nichts

her und ging sogar 0:0 aus. Während dem Spiel

verspeisten wir noch jeder zwei Schinken-

Tomaten Paninis. Sehr lecker und vor allem für

2,50 € sehr preiswert. Man musste immer mal

bisschen auf den Geldbeutel achten, bei den

hiesigen Kartenpreisen. Am Abend reifte dann

noch die Überlegung, am nächsten Tag nach

Granada zu fahren, um sich die Alhambra

anzuschauen. Die Alternative wäre Gibraltar

gewesen, was aber dann alles in allem sehr eng

geworden wäre und so entschieden wir uns für

die stressfreie Granada-Variante. Nachdem

dies abgehandelt war und wir uns aus dem

Café verabschiedet hatten, ging es in die Kiste.


22.02.2016 Granada - Alhambra

Am nächsten Morgen wurde ausgeschlafen,

sich in Ruhe fertiggemacht und dann ging es

zum Busbahnhof. Recht nett ist es, dass man

bei ALSA die Bustickets an einem Automaten

kaufen kann, der Einem alles anzeigt, was man

wissen muss. Zeiten, Preis, freie Plätze etc. die

Dinger sind selbsterklärend und echt klasse.

Die Schlangen davor sollte man bei seiner

Abfahrtszeit einkalkulieren, da wir außerhalb

der Saison da waren, kann ich mir vorstellen,

dass dort im Sommer die Hölle los sein wird. So

hatten wir dann recht schnell unser Hin- und

Rückfahrtticket für Granada. Die Fahrtzeit

beträgt ungefähr zwei Stunden auf einer sehr

hügeligen Strecke, die den Fahrzeugen viel

abverlangt. Zum Busbahnhof in Granada muss

man sagen, dass dieser recht weit weg vom

Stadtzentrum inklusive Sehenswürdigkeiten

liegt. Der Busbahnhof ist aber mit Bussen recht

gut angebunden, nur muss man sich mit dem

Liniensystem auseinandersetzen, um dort

anzukommen, wo man schlussendlich hin will.

In der Innenstadt sind wir an einem für uns

günstigen Punkt ausgestiegen. Vorbei an der

Kathedrale machten wir uns gleich auf in

Richtung Alhambra. Granada als Stadt war

nicht so wirklich der Burner. Sieht auf jeden

Fall von oben besser aus als wenn man durch

den Moloch fährt oder läuft. Hoch zur

Alhambra hat man zu Fuß jede Menge

Souvenir-, aber z.B. auch Handwerkeläden, die

ich in der Art selten gesehen habe, wie

Gitarrenbauer und andere Handwerker, die

Holz sehr fein bearbeiten können. War echt

eine Augenweide. Durch das Tor durch,

wurden die Läden dann durch die ersten

Parkanlagen ersetzt. Wir erklommen den Berg

zu Fuß, natürlich wäre es möglich gewesen,

dort mit dem eigens eingerichteten Alhambra-

Bus (gegen entsprechendes Entgelt)

hinaufzufahren. Zur Alhambra muss man

erstmal sagen, wenn man diese besichtigen

will, gibt es drei Perioden, wann Besucher

hereingelassen werden. Am Morgen, dann ab

Mittag und noch „nachts“ bzw. im Dunkeln. Die

beste Variante ist es, Tickets vorab zu buchen.

Dann kann man sich in einer Prio-Reihe

einordnen und kommt etwas zügiger vorwärts.

Außerdem hat man dann u.a. nicht das

Problem, hoffen zu müssen, dass man noch an

Tickets kommt. Wir waren jetzt außerhalb des

Touristenansturms da, aber ich kann mir sehr

gut vorstellen, wenn man den Einlassbereich

sieht, was dort los sein kann. Nach einer etwa

halbstündigen Wartezeit buchten wir dann das

Komplettpaket. Ohne die Nasridenpaläste

kann man sich den Besuch des UNESCO-

Weltkulturerbes eigentlich sparen und diese

sind nur beim Komplettpaket inklusive. Das

Ding ist auf jeden Fall jeden Euro wert. Wie die

verschieden Räume und Höfe der

Nasridenpaläste gearbeitet sind, ist einfach die

wahre Pracht. Jeder Raum ein Highlight und

kein Quadratzentimeter, der nicht bearbeitet

wurde. Auch traumhaft die Anlagen, die sich in

angelegten Wasserflächen spiegelten. Bei der

kompletten Anlage hatte man den Eindruck,

dass da jemand einen Riesenplan hatte. Für

mich eines der geilsten Bauwerke, das ich

bisher gesehen habe. Auch die Festungsanlage

Alcazaba und der Generalife sind wahre

Hingucker. Nachdem wir mit dem ganzen

Komplex durch waren und uns noch mit einer

vordrängelnden französischen Familie

angelegt hatten, was von der ganzen Schlange

beklatscht wurde, begannen wir mit dem

Abstieg in Richtung City. Während der Suche

nach einer Bushaltestelle kehrten wir noch in

einem Café ein um einen Hamburger zu

verhaften. Danach ging es wieder raus zum

Busbahnhof. Was in Granada dann ein wenig

suspekt erscheint ist, dass man weit und breit

keine Flocke Schnee sieht, aber dann Leute mit

Skianzügen rumrennen. Da merkt man halt,

dass die Sierra Nevada in der Nähe ist. Diese


hat man eventuell nicht gesehen, da Granada

den ganzen Tag in einem unbeschreiblichen

Dunst lag. So was Dunstiges hatte ich noch

nicht oft gesehen. So stelle ich mir Smog vor ;.)

Zurück in Màlaga fielen wir nach diesem

ereignisreichen Tag schön geplättet in die

Falle.

23.02.2016 Heimreise

Am frühen Morgen ging es für uns mit der

Metro zum Flughafen, um unseren Flug in den

Hunsrück um 10 Uhr zu bekommen. Der

Flughafen ist recht stadtnah und nach zehn

Minuten Fahrt aus der Innenstadt zu erreichen.

Angeblich ist er der drittgrößte seiner Art in

Spanien. Ich weiß aber nicht, ob sich dies nur

auf das Festland bezieht und Palma de

Mallorca am Ende den dritten Rang neben

Madrid und Barcelona einnimmt (Anm. der

Korr.: Wenn Größe=Passagieraufkommen ist,

dann ist Malle Nummer drei. Recherchezeit: 0,2

Minuten). In der Saison gibt es sogar

Interkontinentalflüge mit Zielen in Kanada und

den USA im Angebot. Hatte mich dann doch

ein wenig überrascht. Wie wir dann das

Terminal betreten hatten, war erstmal die

Suche der Sicherheitskontrolle von Nöten.

Diese war weder ausreichend noch klar

ausgeschildert. Hier besteht sicherlich noch

Verbesserungsbedarf. Vor allem ist die

Aufteilung in die verschiedenen Buchstaben

echt irreführend. Na ja, hatte dann alles

geklappt, wir waren drin und nach Springer-

Presse Studiums lief man zum Gate, um den

Heimflug anzutreten. Denkste, wenn man mit

mir unterwegs ist und von Ryanair abhängig

ist, muss man immer einkalkulieren, dass es

etwas später werden könnte. So kam dann

nach und nach ans Licht, dass es im Hunsrück

nachts um die 30 cm Neuschnee gegeben hatte

und wir ca. drei Stunden später nach Hause

kommen würden. Ryanair war sogar so nett

und stellte noch 5 € zur Verfügung, um sich zu

verpflegen. Ich weiß, in einem Flughafen ein

Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin.

Nach der Warterei bestiegen wir dann den

Vogel und erreichten drei Stunden später den

Hunsrück. Am Auto sah man dann die

Schneemassen und die Sache wurde etwas

nachvollziehbarer. Alles in allem kein

gewöhnlicher, aber kulturell und

groundtechnisch, gelungener Trip. (finale

Anmerkung d. Korr.: So ein ganz kleines bisschen

alt seid ihr aber schon, oder?) (E)

B

FC Basel – AS Saint Etienne 2:1

20.976 Zuschauer (3.000 Stéphanois)

EL Achtelfinale, Do. 25.02.2016

evor es am Folgetag auf

Selbstzerstörungstour gen Osteuropa

gehen sollte, ist es natürlich eine Riesenidee,

noch einmal einen Spontantrip zu den

Eidgenossen zu unternehmen. Ist ja nicht so,


dass die Nacht vorher aufgrund des

Staffelfinales der Sons of Anarchy nur von

wenigen und allerhöchstens unentspannten

Tiefschlafphasen geprägt war, aber

bekanntlich komplettiert sich ja auch die

Schweiz nicht von alleine. So hätte zumindest

die Begründung ausgesehen, wäre es mein

Erstbesuch im Joggeli gewesen. Aber was

soll’s, die Begegnung versprach nicht nur

wegen des Hinspielresultates (3:2 für ASSE)

genug Potential, und Basel geht ja eigentlich

auch immer.

Von der Hinfahrt ist meine Erinnerung noch

ungefähr so ausgeprägt wie es mein Schlaf in

der Nacht zuvor war, holte ich diesen doch auf

der Rückbank nach und war erst in Basel

wieder richtig ansprechbar. Ede am Steuer, der

Duke als Navigator füllte daneben den Rest der

vorderen Reihe aus, hinten rechts schlummerte

ich und zu meiner Linken entwickelte sich aus

Edes Abfällen der letzten Monate so langsam

aber sicher neues Leben.

Von unseren 25 CHF Plätzen in der Family

Corner trennte uns nur noch ein kurzer, von

Eiseskälte begleiteter Spaziergang und die

strenge Einlasskontrolle des Sicherheitspersonals.

Diese war aber in etwa so streng wie

der Geruch von Achselschweiß nach einer

ausgiebigen Dusche, so dass mal wieder

jegliche Sorge unbegründet war. Aber zur Not

hätten wir denen auch glaubhaft versichern

können, dass der Duke unser Kind ist ;-)

Vorteil an der Family Corner ist natürlich der

Preis. Die nächsthöhere Kategorie hätte mal

locker das Fast-Doppelte gekostet. Nachteil

hingegen ist, dass man den Gästebereich nur

zur Hälfte einsehen kann. Und dieser war heute

richtig gut gefüllt. Der eigentliche Awaysektor

war komplett ausverkauft, wobei Green Angels

den rechten und Magic Fans den linken Teil

einnahmen, der Sitzplatzbereich daneben war

ebenfalls sowohl im Ober- als auch im

Unterrang in fester Hand des französischen

Rekordmeisters. Zum Intro loderte es dann

auch zum ersten Mal so richtig schön, danach

konnten unsere Lauscherlein einen recht

angenehmen Support vernehmen, auch wenn

ich wohl nie ein großer Fan dieser

hochgepitchten Gesänge werde.

Die Muttenzerkurve begrüßte die Teams mit

einem großen durchsichtigen Transparent mit

der bekannten „12“, die von uns erhoffte

Illuminierung derselben blieb leider aus.

Trotzdem überzeugte das Gesamtbild in

Kombination mit den coolen Fahnen und

einigen bengalischen Tigern, respektive

Fackeln. Gesanglich war ich aber trotz

Halbzeitführung durch ein tolles Freistoßtor

von Luca Zuffi relativ enttäuscht, absoluter

Bundesligastandard und überhaupt nicht das,

was ich von Basel gewohnt war.

Zur zweiten Halbzeit legten die Gäaste auf der

Pyroskala nochmals ordentlich nach. Green

Angels mit einer großen Menge grüner

Bengalos, MF mit derselben Anzahl roter,

super Gesamtbild. Trotzdem waren wir noch

mehr damit beschäftigt, nicht zu erfrieren.

Damit wir jedoch nicht komplett den Kältetod

erleiden mussten, hatte die Muttenzerkurve

ein Einsehen und packte endlich einige der von

mir so gefeierten Chansons aus. Und auch

wenn diese in der Regel lautstärkemäßig keine

Rekorde brechen, fällt mir auf Anhieb keine

deutschsprachige Kurve ein, die ich lieber sehe

(vielleicht noch der FCZ). Inner Circles „Rock

with you“ kommt aber auch einfach sowas von

mächtig rüber, so dass ich die mittlerweile im

Fünfminutentakt fliegenden Franzosenböller

ganz galant ignorierte.

Nachdem in der 82. Minute des Spiels aus der

Gästeelf eine Gästezehn wurde, verglich Ede

das Spiel von nun an mit einem gelutschten


Drops. Zwei Minuten später glich der einzig

wahre FCB in Sachen Anzahl der noch

spielberechtigten Sportgenossen schon wieder

aus, womit für die Schlussphase doch noch für

eine gehörige Portion Suspense gesorgt war.

Und ähnlich wie Basel numerischen

Gleichstand herstellte, schaffte es ASSE

tatsächlich eine Minute vor offiziellem Ultimo

gleiches in Bezug auf den Spielstand zu

reproduzieren. Der Gästeblock jetzt natürlich

völlig am Ausrasten, teilweise befanden sich

die Gestalten sogar auf dem Spielfeld wieder,

die anrückende Staatsmacht wurde auch

erfolgreich bekämpft, womit es nur noch galt,

die Nachspielzeit ohne Gegentreffer über die

Runden zu bringen. Dieses Unterfangen war

jedoch nur von suboptimalen Erfolg gekrönt,

mit Vollendung der zweiten von drei

zusätzlichen Zeigerumrundungen drosch Luca

Zuffi das lederne Spielgerät zum zweiten Mal

in die Maschen. Ungläubiges Staunen

allenthalben, Schockstarre bei den Stéphanois,

Ausnahmezustand bei allen anderen noch

Anwesenden. Da war er wieder, einer der

Momente, nach denen man solange sucht und

die doch so selten, dafür aber umso kostbarer

sind. Davon kann man wieder eine zeitlang

zehren und der Adrenalinkick gab auch genug

Power für die nächtliche Heimfahrt. Nach dem

obligatorischen Verpflegungsstopp in

Herbolzheim befand ich mich dann irgendwann

gegen halb vier wieder auf der heimischen

Couch, wo mich die schlummernde Kate mit

der Frage nach der Uhrzeit begrüßte. Fuchs

wie ich bin, korrigierte ich diese listigerweise

um zwei Stunden nach vorne und

schwuppdiwupp war mein schlechtes Gewissen

ob der verspäteten Heimkehr auch schon

wieder beruhigt. Jetzt nur noch einen halben

Tag arbeiten, und schon geht es wieder los. Ich

warte auf den Tag, an dem mein Körper seinen

Rachefeldzug gegen mich startet. (Ö)


Selbstzerstörungstour 2016

aka „wenn der Beat droppt...“

O

k Google: Wie überlebt man neun Tage

Südosteuropa im Kreise von

Schwerstalkoholikern?

Wenn ich eines in den vergangenen Tagen

gelernt habe, dann dass dieses Google ja auf

fast jede Frage eine Antwort parat hat. Die

oben gestellte Frage überstieg allerdings

endgültig dessen Wissensgrenze. Folglich

musste die Lösung im Selbstexperiment

gefunden werden. Jetzt, wo ich diesen Text

hier schreibe, weiß ich zumindest, dass ich eine

vorübergehende Antwort liefern kann –

eventuell auftretende negative Spätfolgen

allerdings nicht ausgeschlossen.

Aber der Reihe nach.

Das Kalenderjahr besteht ja wie allgemein

bekannt aus 365 Tagen (oder, wenn man

Korinthen kackt, alle vier Jahre aus 366). In die

meisten dieser Tage lebt man einfach so

hinein. Aber die Termine des Städtevergleichs

der beiden größten Beograder Fußballvereine

streiche ich mir immer im Vorhinein rot an und

versuche, zumindest eines pro Jahr in den

Reisekalender einzubauen. Das

Rückrundenderby der aktuellen Spielzeit

sorgte im persönlichen Bekanntenkreis für

reges Interesse, so dass sich eine illustre Runde

geselliger Typen einfand. Namentlich waren

das neben eurem Erzähler noch MJ, Chuck,

Pascal und Fritz. Jetzt wäre mit diesem

Sammelsurium an gescheiterten Existenzen

lediglich ein Wochenende zu wenig, also den

Rückflug für eine Woche später ab Tirana

angesetzt und mal geschaut, was in der

Zwischenzeit so auf uns zukommen würde.

Nach der Rückkehr aus Basel war der letzte

Arbeitstag für mich von Müdigkeit geprägt, die

ich kurzfristig mit einer Eule (Guarana no sleep

– der Energy Schlager aus Serbien,

Überbleibsel der letzten und perfekte

Einstimmung für die gleich folgende Tour)

besiegte, während der jetzt schon in Beograd

weilende MJ die noch im Büro schuftenden

Nachzügler mit einer Liveberichterstattung

seiner konsumierten Pivo- und Euledosen zur

Weißglut trieb. Das änderte sich aber

spätestens, als dieser seinen Hostelgenossen

Nikolai kennenlernte, seines Zeichens Hool von

CSKA Moskva, Nazi und – wenn man den

Aussagen der Angestellten glauben darf –

eigentlich ein sehr netter Geselle. Scheinbar

hatte er aber einen schlechten Tag erwischt

und erlaubte MJ von nun an nicht mehr, das

Hostel zu verlassen. Wenigstens waren wir

jetzt nicht mehr neidisch auf die ständig

eintrudelnden Bilder geleerter Jelen Hülsen. Es

ist wie es ist, irgendwann ist auch der längste

Arbeitstag zu Ende. Schnell noch von den


Liebsten verabschiedet und schon saßen

Pascal, Chuck und ich im Kranich. Der Flug

dauerte genau 0,5 Liter Wodka, wobei wir uns

wohl erstaunlicherweise und ganz ohne jede

Ironie so gut benommen hatten, dass unser

Flugbegleiter uns von sich aus die letzten an

Bord verfügbaren Biere aushändigte. Hvala.

Im Hostel kamen wir pünktlich an, befreiten MJ

aus seiner selbstauferlegten Einzelhaft und

schon ging’s raus auf die Straße. Der erste

Abend ist schnell erzählt. In verschiedensten

Lokalitäten galt es so viel Pivo und Rakija

einzuverleiben, wie der eigene Körper

aufnahmebereit ist. Logisch, dass solch ein

Abend in einer der größten Taxiabzocken

meines Lebens gipfelte. Selbstredend gab ich

dem Mafioso am Steuer auch noch ein

Trinkgeld, obwohl ich mit diesem vorher eine

minutenlange Diskussion führte, dass er uns

gerade gehörig die Hosen auszog. Keine

Ahnung was mich da geritten hat, beim

Aussteigen konnte ich schon wieder lachen. Ich

weiß jetzt nur nicht mehr, ob das am im

Fahrpreis inkludierten Knabberzeug aus dem

Handschuhfach oder aber an Chuck lag, der im

Zustand völligen geistigen Deliriums erstmal in

die falsche Straße rannte.

Keine Ahnung, wieviel Uhr es war, als wir in

unsere Schlafgemächer fielen, war aber auch

gerade mal so egal wie der Ausgang eines

Pokalfinals zwischen Bayern und Dortmund,

schließlich hatten wir bis zum Anpfiff des

Derbys um 17:00 Uhr mangels sportlichen

Vorprogramms genügend Zeit zum

Ausnüchtern. Also in der Theorie. In der Praxis

sah das dann so aus, dass MJ ab der achten

Stunde des neuen Tages mit zwei

vollgepackten Tüten Jelen- und Euledosen im

Zimmer stand und jeden zum gepflegten

Frühschoppen animieren wollte. Die

anfängliche Skepsis wurde schon bald vom gut

gekühlten Gerstensaft weggespült, trotzdem

brachte es Pascal mit einem kurzen

Kommentar zu MJ treffend auf den Punkt: Der

Typ ist einfach die Hölle. Aber auch der

schönste Frühschoppen findet trotz

interessanter Sexgeschichten und

Wäscheklammern in den Nippeln spätestens

dann sein Ende, wenn sich der Magen zwecks

Verlangens nach fester Nahrung zu Wort

meldet. Bevor dieser aber ruhig gestellt

werden sollte, galt es noch die weitere Reise zu

planen. Nach diversen Pro- und Contra-

Diskussionen entschieden wir uns für einen

Weiterflug nach Athen am nächsten Tag. Aus

fußballerischer Sicht die sinnvollste

Alternative, dank Air Serbia auch preislich

absolut im Rahmen. Weiterer Vorteil: Man hat

einen weiteren Abend in Beograd zur

Verfügung. Aber jetzt erstmal essen. Nach

leckeren Steaksandwiches war dann auch die

Zeit gekommen, langsam aber sicher Richtung

Stadion aufzubrechen. Pascal, Chuck und ich

wie gewohnt zu Fuß, MJ bekam wohl sein

eigenes Tempo an der Dose nicht so wirklich

und er wollte sich noch etwas ausruhen, um

dann mit dem Bus zum Ort des Geschehens zu

fahren. Ehrlich gesagt wusste ich bis dato nicht

einmal, dass es einen Bus zum Stadion gibt.

Positiv, dass wir nach dem Essen und dem

recht langen Fußweg trotz zwischenzeitlichem

Vinjak mit Eule Aphrodisiaca (for those who

know) wieder gut nüchtern waren, schließlich

gehört es sich nicht, hier im alkoholisierten

Zustand aufzutauchen. Auf dem Weg sonst

ergab sich wieder das übliche Bild. Ab dem

Slavija Platz nahm die Polizeipräsenz stetig zu

und es war eigentlich nur noch Fußballvolk

unterwegs. Warum wir allerdings von einer

dieser (immer siebenköpfigen) Polizeigruppen

aufs Schärfste gefilzt wurden und unsere Eulen

leeren mussten, nur um am nächsten Kiosk

neue Getränke zu holen und mit diesen ohne

Probleme an den nächsten Kontrollpunkten

vorbeikamen, kann mir sicherlich keiner


erklären. Gut, wahrscheinlich ist diese

Berufsgruppe hier auch einfach genauso

planlos wie in jedem anderen Land auch.

Zwischenzeitlich meldete sich auch MJ wieder,

der im Hostel auf Fritz, der erst heute aus

München anreiste, getroffen ist und mit

diesem gemeinsam schon am Stadion auf uns

wartete. Das ließ nur zwei Schlussfolgerungen

zu: 1. Es fährt wohl wirklich ein Bus. 2. Zum

Glück war Fritz zeitgleich mit MJ im Hostel,

sonst würde dieser wohl immer noch dort

schlafen.

Nachdem wir dann die Heimkurve passiert

hatten, vor der kurzzeitig Aufregung wegen

Personen mit den falschen Fandevotionalien

herrschte (diese hatten sie aber auch nicht

mehr lange an), feierten wir mit den anderen

Beiden vor der Westtribüne kurze (Re-)Union,

und schon ging es rein ins bekannte Oval, die

Einen ohne jegliche Kontrolle, die Anderen

nach der Kontrolle ohne jegliches Kleingeld.

FK Partizan – FK Crvena Zvezda 1:2

25.000 Zuschauer (8.000 Helden)

1. Liga Serbien, Sa. 27.02.2016

Als wir die Tribüne betraten, war diese schon

vollkommen überfüllt, womit wir im

hauptsächlich von Roter Stern Fans

bevölkerten Teil der Haupttribüne ein mehr

oder weniger flauschiges Plätzchen fanden.

Vor allem MJ dürfte sich hierüber sehr gefreut

haben, fiel er hier mit seiner signalroten Jacke

nicht ganz so sehr auf. Riesenidee übrigens,

mit einer roten Jacke durch die ansonsten

einheitlich modisches Schwarz tragenden

Stadiongänger zu watscheln. Wobei, bei

dessen ebenso roter Haarpracht machte das

den Bock auch nicht mehr fett ;-)

Joa, und ansonsten halte ich den Spielbericht

zum Jubiläumsderby, es war heute das 150. bei

dem es um Punkte ging, relativ kurz. Gibt ja

eigentlich nichts, was nicht schon geschrieben

wurde, und da heute keine super

außergewöhnlichen Aktionen anstanden, will

ich euch nicht mit einer schon tausendmal

gelesenen Lobhudelei auf die ach so krasse

Stimmung und utopischen Pyroorgien

langweilen. Es wurde wieder einmal alles

geboten, was dieses Spiel so besonders macht:

pure Passion, Verrücktheit, aber auch eine

gehörige Portion Nationalismus, Schönheit

und Krieg, Liebe, Treue, Loyalität und ein

Musterbeispiel an Emotionen und Mentalität.

In diesem Sinne auch von mir ein kräftiges

„Coungradulations“ zum 150. ;-)

Zum Intro konnten die zahlreich anwesenden

„Pressefotografen“ bei Delije eine ansehnliche

Choreo ablichten, während die Grobari etwas

zeitversetzt mit der ersten Pyroeinlage das

Spiel unterbrachen. Danach folgten die

gewohnten brachialen Gesänge und

Schlachtrufe (Sieg für Delije), weitere

Pyroaktionen (Erdrutschsieg für Grobari),

gegenseitige Liebesbekundungen, verbrannte

Fahnen und der Versuch unserer Reisegruppe,

nicht ganz so sehr als Ortsfremde aufzufallen,

in dem wir uns mit Kerneknabbern

beschäftigten. Allerdings wage ich zu

behaupten, dass wir uns aufgrund unserer

dilletantischen Ausführung erst recht outeten.

MJ indes war es egal, über die komplette

Spielzeit perfektionierte er sein Kau- und

Spuckverhalten, bis die Tüte nahezu komplett

geleert war. Zum Glück schlief er

zwischendurch immer mal wieder ein, sonst

hätten die Leckereien sicherlich nicht bis

Abpfiff gereicht.

Wir fragten uns unterdessen, ob er das jetzt

ernst meint, bei dem zweifelsohne gebotenen

Spektakel tatsächlich seine Augen auszuruhen,


aber jeder wie er mag. War wirklich wieder

richtig cool, auch wenn das ganz große Wow

meiner vorherigen Derbybesuche gefehlt hat.

Dafür hatte ich das Gefühl, dass auf dem Platz

mal wirklich was passiert. Die sportliche

Ausgangslage war ja relativ unspannend.

Entgegen der letzten Jahren spielt Partizan

eine mittelschwere Grottensaison, während

Zvezda rein von den Ergebnissen her gerade

die beste Runde der Vereinsgeschichte

anstrebt. Mit 26 Punkten Vorsprung auf den

Zweiten führt man die serbien-interne

Rangliste an, Partizan liegt mit noch ein paar

Pünktchen weniger dahinter auf Rang drei.

Auch wenn der Verband die Riesenidee eines

neuen Austragungsmodus hatte (nach der

Rückrunde gibt es noch eine Meisterschaftssowie

Abstiegsrunde, bei der von den ersten

bzw. letzten acht der regulären Spielzeit

nochmals jeder gegen jeden spielt, wobei die

Punkte aus der regulären Saison halbiert

werden), dürften die Buchmacher wohl kaum

noch Wetten auf eine Meisterschaft Zvezdas

annehmen. Aber was nützt die beste Saison,

wenn man das Derby verliert. Oder anders

ausgedrückt: Man kann durch einen Derbysieg

eine beschissene Saison noch halbwegs retten.

Dementsprechend feurig ging es auch von

Anpfiff an zur Sache und nach der frühen

Führung für die Gastgeber schien das Stadion

förmlich zu explodieren. Bis zur Halbzeit führte

der heutige Favorit aber schon wieder, vor

allem der Flugkopfball durch Publikumsliebling

und Toptorjäger Hugo Vieira ließ den nicht nur

an Tribünenaction interessierten Zuschauer

mit der Zunge schnalzen.

Die von Delije mit einer zwar schönen, aber

irgendwie auch halbherzigen Pyroshow

eingeleitete zweite Halbzeit konnte von der


Intensität jedoch nicht in Ansätzen an den

ersten Durchgang anknüpfen. Nach dem

aberkannten Ausgleich und einem nicht

gegebenen Elfmeter machten auch wieder

erste Gerüchte über eine mögliche

Spielmanipulation die Runde, ob dies der

Anlass für die Jug war, nach zwei weiteren

wahrhaft exquisiten Pyroinfernos – u.a. eines

anlässlich des 15jährigen Jubiläums der Vandal

Boys – in den letzten 20 Minuten eigentlich

durchgehend Fackeln auf das Spielfeld zu

werfen und damit mehrere

Spielunterbrechungen zu provozieren, kann an

dieser Stelle nur gemunkelt werden. In der auf

Minutenebene betrachtet zweistelligen

Nachspielzeit drängte Partizan zwar noch stark

auf den Ausgleich, doch der in

augenkrebsverursachenden, neonorangen

Stutzen agierende Gästekeeper Damir

Kahriman konnte den Ball mit Paraden

irgendwo zwischen Bahnschranke und Olli

Kahn vorm Einschlag hindern. Den Sieg feierte

Roter Stern noch ausgiebig mit ihren Fans vor

der Kurve, bevor sie unter einem Hagel von

allem, was so fliegen kann, in den Spielertunnel

verschwanden. Schön war’s mal wieder.

Kurze Trivia noch: Partizan Veteran Sasa Ilic

bestritt bereits sein 26. Derby, wodurch er

alleiniger Rekordhalter in dieser Disziplin ist.

Auf dem Weg zurück in die City trennten wir

uns wieder. MJ, der lieber ein überteuertes Taxi

nimmt als einen Schritt zu viel zu laufen (jaja,

gaaaanz dünnes Eis nach unserer Aktion ein

paar Stunden zuvor, ich seh es ja ein), fuhr

natürlich wieder Bus, der Rest bewegte sich

mit der Masse auf einem mir unbekannten

Wege Richtung Zentrum. Dass dabei auf einer

mehrspurigen Schnellstraße oder über eine

nicht sehr vertrauenswürdige Brücke, was

besonders mir mit relativ stark ausgeprägter

Höhenangst - um es mal wohlwollend zu

formulieren – zu schaffen machte, marschiert


wurde, bereitete uns im Endeffekt aber

weniger Sorgen, als dass es mehrere Kilometer

dauerte, bis wir an das erste geöffnete Kiosk

kamen. Nach einer guten Stunde betraten wir

dann wieder unser Zimmer, in dem MJ mit

mehreren Burgern von KFC bestimmt schon

seit drei Minuten auf uns wartete. Super

Zeitersparnis, so ein Bus.

Lang aufhalten war aber nicht, kurz frisch

gemacht und schon zog es uns zu viert – MJ

wollte erstmal schlafen – nach einer

Nahrungsaufnahme bei KFC (wird hier nur

erwähnt, da es unser einziges wirkliches

Fastfoodverbrechen der Tour war) in eine Bar

in einer Seitenstraße der Knez Mihailova, in der

wir auf Moritz trafen, der hier schon wieder mit

internationalsten Saufpartnern übers Leben

schwadronierte und Partizan Lieder in

perfektem Serbisch intonierte. Nachdem wir

zunächst von der hübschen Bedienung auf

einer Treppe mitten im Laden platziert

wurden, kam Fritz nach einem Toilettenbesuch

mit seinem neuen besten Freund zurück, der

uns eine Etage weiter oben zu sich an den Tisch

holte. Hier saßen wir dann mit absoluten

Klischeehools von Motor Lublin und lauschten

deren Geschichten. Die anfängliche Skepsis

war spätestens dann verflogen, als der Tisch

voller Bier stand, Polen die keinen Wodka

trinken hatte ich bis dahin aber auch noch nicht

kennengelernt. Leider spielte die Ein-Mann-

Band in einer solchen Lautstärke, dass die

Konversation teilweise schwierig bis unmöglich

wurde, waren die Storys über Kämpfe und

erlittene Verletzungen sowie Bündnisse und

Feindschaften in Polen doch mehr als

interessant. Als die illustre Runde jedoch noch

von CSKA Moskva Lads erweitert wurde, von

denen ich mit dem bösesten Blick, den ich je

gesehen habe – ja, dagegen schaut selbst der

Gesichtsausdruck eines intrigierenden Jo

Gerners aus wie der eines Leopardenbabys –

über meine Meinung zum Ukrainekonflikt

ausgefragt wurde, war es wirklich an der Zeit

zu gehen. Dieselbe Idee hatte Lublin auch, und

so befanden wir uns bald schon in großer

Runde auf den eiskalten Straßen. Mittlerweile

hatte MJ auch ausgeschlafen und wollte wieder

zu uns stoßen, zunächst musste er aber einen

fingierten Angriff von Mr. Oberhool abwehren.

Ich glaube, so schnell ist MJ nicht mehr

gelaufen, seit er vor 15 Jahren letztmalig die

100 Meter in unter elf Sekunden abgerissen

hatte. Fand und findet er bis heute aber nur so

semi-lustig, wobei er diese Meinung auch

relativ exklusiv hat. Jetzt hätte der Abend

eigentlich enden können, doch auf der Suche

nach dem ihm angepriesenen fünf Euro Puff

musste Mr. Ich-verdecke-mein-Thor-Steiner-

Polo-mit-einer-Nordic-Division-Jacke noch

seine politische Weltanschauung zum Besten

geben. Details erspare ich jetzt mal, das fanden

wir hingegen nur so semi-lustig (wobei

natürlich von Anfang an klar war, mit was für

Leuten wir es zu tun hatten). Wenigstens

wusste er, dass er ein Rassist ist, aber…

Kurze Zeit später waren wir aber wirklich

wieder auf uns alleine gestellt und ließen den

Abend bzw. mittlerweile schon die Nacht in

einer Sportsbar ausklingen. Fritz schlief, MJ,

wenig begeistert vom Verlauf des Abends, sah

es vor mit ihm nach Hause zu gehen, der Rest

trank sich zwischen Diskussionen um

Prostataorgasmen und Tanz- und

Gesangseinlagen auf dem Interieur des Ladens

die restlichen Gehirnzellen weg. Als Chuck mit

seinem ersten Wurf auf die Dartscheibe mitten

ins Bullseye traf, hätte man den Abend nicht

besser zusammenfassen können, jedes

Drehbuch wäre für diesen Moment zerrissen

worden. Und was hatte die Bedienung

eigentlich für eine geile Hose an?

Damit war Beograd auch schon wieder passé.

Am für uns gefühlten frühen Sonntagmorgen

beförderte uns Air Serbia relativ ruhig nach


Athen, wo wir nach einer schier endlosen

Metrofahrt irgendwann am Omonia Platz

ausstiegen. Da wir nicht unendlichen Puffer bis

zum Anstoß des nächsten Derbys hatten, hieß

es hier nicht die erstbeste Bleibe für die

nächsten beiden Nächte zu finden, sondern

lediglich die erste. Und Freunde der Nacht, was

soll ich euch erzählen? Wir wurden nicht

enttäuscht. Für zehn Euro pro Person und

Nacht durften wir unsere geschundenen

Körper auf den durchgelegenen Matratzen des

Athina Hostels (oder so ähnlich) ausruhen. Was

sich im ersten Moment relativ unspektakulär

anhört, bedarf einer kurzen Erläuterung. Der

Weg in den fünften Stock war natürlich völlig

unbeleuchtet, man könnte auch sagen, trotz

der Tageszeit stockdunkel, was aber vielleicht

auch gar nicht so verkehrt war, so konnte man

die mit Gittertoren abgesperrten Stockwerke

nur schemenhaft erkennen. War das ne

Irrenanstalt? Als wir die Rezeption betraten,

wurde dieser Verdacht ob des dort arbeitenden

Herbergsvaters weiter bekräftigt. Diese Helge

Schneider Karrikatur saß da an seinem

Schreibtisch, senkte den Blick zu Boden und

machte – nichts. Selbst als wir zu fünft vor ihm

standen erfolgte keinerlei Reaktion. Lebte der

noch? Nach einem kurzen Räuspern

meinerseits konnten wir diese Frage immer

noch nicht abschließend beantworten. Zwar

bewegte er sich jetzt, doch seine Augen sahen

nicht sehr lebendig aus. Keine Ahnung, was der

sich reingepfiffen hatte, aber fünf Stockwerke

tiefer auf der Straße bekommt man ja alles,

von daher. Immerhin hatte er – wie wohl jeder

Grieche – einmal eine Zeit lang in Deutschland

gelebt und tourte als Kneipensänger durch die

verschiedensten Städte. Wenn seine

Performance dabei genauso gut war wie die

seiner neuen Profession, wundert es mich

nicht, dass er seine Karriere aufgegeben hat.

Seine nächste Amtshandlung bestand nämlich

darin, in eine Schüssel voller Schlüssel zu

greifen, darin herumzuwühlen, scheinbar

wahllos einen rauszuholen, ihn uns zu

präsentieren und ernsthaft zu sagen: „You are

luck“. Alter. Da sind eine Million Schlüssel drin,

und du tust so, als wäre das ein Weltwunder,

dass du einen gefunden hast. Ich weiß nicht, ob

das annähernd so skurril rüber kommt wie es

für uns war, aber in diesem Moment mussten

wir die schier unmögliche Balance zwischen

dem dringenden Wunsch wegzurennen, vor

lachen nicht zusammen zu brechen und seriös

zu bleiben finden. Irgendwie gelang es uns,

also auf ins Zimmer. Der Freak (Bezeichnung

stammt aus einer Internetbewertung dieses

Ladens) schloss die Tür auf, schaute kurz rein

und meinte sinngemäß nur ganz trocken: „Oh,

hier liegt ja schon einer drin. Den muss ich jetzt

umquartieren. Also ihr. Sagt dem, wenn er

kommt, dass er in ein anderes Zimmer soll“.

Klar, machen wir doch gern, dafür folgen wir

dir auch auf Besichtigungstour durch die

restlichen Räume. Dass die Duschen nicht in

allerbestem Zustand waren, geschenkt. Dafür

gab es ja ein Solarium. Sagte zumindest der

Freak. Gemeint war damit eine von

Solarenergie betriebene Dusche. Warmes

Wasser gibt es nur, wenn die Sonne scheint.

Heute war schönes Wetter, sagte der Freak.

Also ist heute das Wasser warm. Den

Schlusspunkt und krönenden Abschluss seines

Erlebnisspaziergangs setzte er dann in der

Küche. Hier ein kurzer Fingerzeig auf zwei

Töpfe, die auf der Waschmaschine standen,

dazu der original wiedergegebene Kommentar:

„Here you can cook. Spaghetti…or salad“. Und

ich wiederhole, der Kerl sah aus wie Helge

Schneider, nur etwas korpulenter, hatte ein

ausgewaschenes und aufgeknüpftes


Satinhemd an und war offensichtlich auf

irgendeinem Drogentrip. Ich glaube, der kocht

sich wirklich Salat auf der Waschmaschine ;-)

Das mussten wir erstmal verarbeiten. Also

schnell in den schneeweißen Hoodie und die

pechschwarzen Chucks geschlüpft und als

Quartett auf den Weg zum OAKA gemacht.

Einmal dürft ihr raten, wer beim Freak

geblieben ist und sich somit freiwillig bereit

erklärt hatte, unserem Noch-Zimmergenossen

von dessen bevorstehendem Auszug zu

berichten. Zu MJs Ehrenrettung sei aber

gesagt, dass er schon seit dem gestrigen

Abend mit schweren Magenproblemen zu

kämpfen hatte und sich eigentlich kaum auf

den Beinen halten konnte (und das ist ernst

gemeint, muss ich ja immer dazu sagen). Am

Olympiagelände angekommen, konnten wir

gleich auf semilegalem Wege

Zugangsberechtigungen für faire fünf Euro

erstehen. Dabei wurde uns auch gleich vor

Augen geführt, wie streng die Handhabung mit

der eigentlich verpflichtenden AMKA Nummer

(griechische Sozialversicherungsnummer,

muss laut Gesetz bei jedem Kauf einer

Eintrittskarte für irgendeine Veranstaltung

angegeben werden) ausgelegt wird. Bei uns

bestand diese lediglich aus einer Ansammlung

verschiedener Einsen. Für was wir die Karten

überhaupt gekauft hatten, ist allerdings auch

wieder so eine typische Frage. Eigentlich

galten diese für die Kurve, bis wir in dieser

standen, wurde nicht ein einziges Mal auf eine

etwaig vorhandene gültige Eintrittskarte

geachtet. Gut, in die Kurve wollten wir nicht,

also schauten wir mal, ob dies in den anderen

Sektoren auch so easy funktionieren würde.

Hier wurden jedoch die Karten nach Passieren

des Drehkreuzes kontrolliert und auch

gescannt, allerdings war den Ordnern gerade

mal scheißegal, was auf der Karte stand oder

ob nach Scannen das falsche Licht leuchtete.

So konnten wir das kleine Athener Derby – für

beide ist der Hauptfeind natürlich Olympiakos

– ganz bequem von der Tribüne aus verfolgen.

AEK F.C. – Panathinaikos A.O. 1:0

30.000 (Gästeverbot)

1.Liga Griechenland, So. 28.02.16

Die gleiche Partie in umgekehrter

Konstellation sah ich vor vier Jahren schon

einmal an selber Stelle. Damals war ich vom

allgemeinen Zuschauerzuspruch etwas

enttäuscht. Entsprechend groß waren meine

Augen heute, als wir endlich einen für uns

akzeptablen Platz einnehmen konnten. Klar,

das Olympiastadion – im Volksmund nur OAKA

(„Olymbiako Athlitiko Kendro Athinon,

sinngemäß Olympischer Sportkomplex Athen,

also eigentlich die Bezeichnung des gesamten

Areals) genannt – ist und bleibt völlig

überdimensioniert, aber heute dürfte es gut

zur Hälfte gefüllt gewesen sein. Ich tippe mal

auf mindestens 30.000 Zuschauer, so genau

weiß man das ja auch nie, die offiziellen

Angaben entsprechen ja selten den tatsächlich

Anwesenden – Stichwort Steuer sparen und so

(offizielle Angabe heute: Etwas mehr als

20.000). Neben dem attraktiven Gegner wird

auch die sportliche Situation zu diesem

Andrang beigetragen haben. Nachdem AEK zu

Ende der Saison 12/13 aus finanziellen Gründen

in die Drittklassigkeit zurück musste, gelang

der Durchmarsch und man spielt seit dieser

Saison wieder da, wo man hingehört. Aber

nicht nur das, vor Anpfiff lag man auf Rang

zwei der Tabelle und damit ebenso viele

Punkte vor dem heutigen Gegner und

Stadtrivalen. Zwar ist die Meisterschaft wie

jedes Jahr schon längst an Olympiakos

vergeben, trotzdem konnten diese vor zwei

Wochen mit 1:0 aus dem OAKA geschossen


werden, was die Euphorie nochmals zusätzlich

anfeuerte. So erklärt sich die hohe

Besucherzahl heute, ansonsten verirren sich

oftmals keine 10.000 ins Olympiastadion. Die

Anhängerschaft wird verständlicherweise nicht

warm mit diesem Exil. Nachdem AEKs

eigentliches (und unfassbar geiles) Stadion im

Stadtteil Nea Filadelfia beim Erdbeben 1999

erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde,

riss man es 2003 ab, um im Zuge der

olympischen Spiele einen Neubau an gleicher

Stelle zu errichten. Aber natürlich wurde dieser

nie realisiert, und seit dem muss AEK seine

Heimspiele auf dem Olympiagelände

austragen. Bemühungen, ein eigenes Stadion

in Nea Filadelfia zu bauen, wurden in der

Zwischenzeit regelmäßig unternommen,

scheiterten aber an verschiedensten Instanzen.

Pläne für das neue Stadion sind

abgeschlossenen, (viel zu niedrige)

Kostenkalkulationen ebenso, nur der

Baubeginn lässt noch auf sich warten.

Ursprünglich sollte die als „Agia Sophia“

betitelte neue alte Heimat Ende 2015 fertig

sein, dann 2016, mittlerweile heißt es lediglich

„very soon“. Der Name stellt dann auch direkt

Bezug zur Geschichte AEKs her, wurde dieser

doch 1924 von aus Konstantinopel

vertriebenen Griechen gegründet (AEK =

Athlitiki Enosi Konstantinoupoleos =

Sportvereinigung Konstantinopel). Nicht

zufällig ziert deshalb auch der byzantinische

Doppelkopfadler das Wappen AEKs, ist dieses

doch auch das Symbol der griechischorthodoxen

Kirche (analog kann man diesen

historischen Kontext auch auf PAOK

übertragen).

Und auch wenn das OAKA für den normalen

Ligabetrieb völlig überdimensioniert ist, muss

ich zugeben, dass ich es doch relativ geil finde.

Diese Dachkonstruktion macht schon was her.

Weniger gut war unsere Sicht auf das Spielfeld

in der ersten Hälfte, saßen wir doch relativ weit

unten. Dafür war der Blick in die Kurve umso

besser. Diese war mit allerlei erbeuteten

Fahnen behangen, dahinter sang man sich

angefeuert von Original 21 schon vor

Spielbeginn mächtig warm. Machte Bock auf

mehr, und dieses Mehr gab es dann mit einem

wunderschönen Pyrochaos zum Einlauf der

Mannschaften. Leider flachte danach die

Stimmung erstmal etwas ab und nur der

mittlere Teil der Kurve war am Durchdrehen,

dafür wurde aber die grün-weiße Beute dem

Flammengott übergeben – übrigens auch am

gegenüberliegenden Ende der Geraden, wo

sich ein zweiter Pöbelblock versammelte und

ordentlich Diebesgut und Silvesterartikel dabei

hatte. Nachdem alles fein säuberlich verkohlt

war, konnte der Zaun richtig beflaggt werden,

auch wenn mir die Fahnen hier nicht wirklich

zusagten. Nach diesen zu urteilen, waren heute

Gäste aus Marseille und Livorno anwesend.

Den Rest des ersten Durchgangs schwankte die

Stimmung dann irgendwo zwischen naja und

fantastisch, aber selbst die ruhigste Phase war

immer noch aufregender als das Spiel an sich.

Daher auch dazu erstmal keine weiteren Worte

;-)

Die zweiten 45+ Minuten wollten wir uns dann

aufgrund der besseren Sicht vom Oberrang aus

anschauen. Was sich im ersten Moment wie

eine Superidee anhörte, entpuppte sich im

Endeffekt als ziemliche Katastrophe. Es war

von unten auch einfach nicht zu erahnen, dass

dieser komplett überfüllt war. Fast die

komplette Pause benötigten wir, um einmal

die Längsseite der Tribüne zu überqueren, nur

um am anderen Ende wieder in den Unterrang

zu wechseln. Genau als der Referee die zweite

Hälfte für eröffnet erklärte, hatten wir wieder

Sicht auf Spielfeld und Kurve – und damit noch

genau rechtzeitig. Der Pfiff des Schiris war

nicht nur Startsignal für die 22 Mannen auf

dem Rasen wieder loszulegen, auch die Kurve

erwachte aus ihrer zwischenzeitlichen


Lethargie. Dicker schwarzer und gelber Rauch,

jede Menge Bengalen und ein mehr als fünf

Minuten anhaltendes Bombardement mit C4

Sprengsätzen ließen unsere Augen und

Kameras nur noch in das mittlerweile weit

entfernte Stimmungszentrum blicken. Danach

wurde auch akustisch eine ganze Schippe

draufgelegt, teilweise stieg das komplette

Stadion ein, Leute am Ausrasten, kleine Kinder

warfen mit Wasserflaschen durch die Gegend,

jedes zweite gehörte Wort war „Malaka“ und

das Ganze immer untermalt von diesen

perversen griechischen Melodien. Absolut geil

– man wünschte sich nur noch ein passendes

Spiel auf dem Rasen dazu. Doch da passierte

so gut wie nichts. Umso größer nicht nur der

Jubel der anwesenden Zuschauer, auch wir

konnten uns einen kleinen Ausschrei der

Freude nicht verkneifen, als Ronald Alejandro

Vargas Aranguren in der 78. Minuten einen

direkten Freistoß in den Winkel zwirbelte. Und

war es bis hierher trotz des miserablen Kicks

schon ziemlich abgefahren, kamen wir jetzt

aus dem Staunen nicht mehr raus. Über die

überkochende Atmosphäre muss ich nichts

mehr sagen, aber plötzlich wurde sich auf dem

Platz zusammen getreten, dass es eine wahre

Pracht war. Nicht weniger als sechs gelbe

Karten und zwei Platzverweise folgten bis zum

Abpfiff nach 98 Minuten, allesamt wegen

„überharten Einsteigens“. Ein Traum. Schade,

dass die erst so spät damit angefangen haben,

andererseits auch verständlich. Hätten die von

Anfang an so getreten, hätte das Spiel wohl

mangels spielberechtigter Akteure nach 30

Minuten abgebrochen werden müssen.

Völlig begeistert verließen wir den Ort des

Geschehens. Der Bierkauf für die

anschließende Rückfahrt verzögerte sich zwar,

da man uns nicht an jedem Stand bedienen

wollte, trotzdem konnten wir noch relativ gut

ausgestattet an der Metrostation Monastiriki

aussteigen, wo für uns im Anschluss der

kulturelle Höhepunkt des Trips anstand:

Saufen mit Akropolisblick. Dafür bezahl ich

dann auch gerne neun Euro für einen zwei

Finger breiten Cocktail – und ich habe echt

schmale Finger, fast schon feminine. Der Rest

des Abends ist wieder schnell erzählt: Nach

unserem günstigen Scheidebecher in der

Rooftopbar wollten wir das bisher erlebte noch

bei einem gemütlichen allerletzten Bier

auswerten, lange Zeit und viele Schnäpse – u.a.

wurde uns auch ein absoluter Geheimtipp

kredenzt: so ein Anisgedöns mit Stücker drei

Kaffeebohnen, den man dann anzünden muss.

Nennt man hier wohl Sambuca…oh mann –

später wurden wir gebeten, die schon längst

geschlossene Lokalität zu verlassen, nur um

auf dem Heimweg nicht auf die Vernunft,

sondern auf die aus der nächsten Kneipe

ertönende Musik zu hören. Hier wiederholte

Fritz sein Schlafprogramm vom Abend zuvor,

während sich die restlichen drei Fragezeichen

um Kopf und Kragen tranken. Danach war aber


auch wirklich Schluss, und zur Feier der Nacht

spendierte Fritz ein Taxi, das uns für 2,39€ zum

Omonia Platz kutschierte. Da muss man sich

echt nicht wundern, dass das Land pleite ist,

wenn nicht mal die besoffenen Touristen beim

Taxifahren abgezockt werden. Am Omonia

kaufte Chuck noch kostenneutral am Kiosk ein,

ehe wir nach einem finalen Tanz zu Hoodie &

Chucks auf unseren Betten in eben jene fielen.

Sensationeller Tag.

Die muffige Luft in unserer Unterkunft schien

irgendeine heilende Wirkung zu besitzen, da

am nächsten Morgen nicht nur keinerlei

Nachwirkungen der Pressbetankung

auszumachen waren, auch MJ wirkte wieder

quietschfidel, was er am ersten Kiosk direkt

bestätigte. Nach einem wahren

Fleischmassaker – dass solche Berge

aufgetischt wurden, hielten wir für völlig

unbegründet – umrundeten wir kurz die

Akropolis, schauten eine Aufführung einer

Highschoolklasse aus Dallas an und stellten

fest, dass Fritz wohl Ähnlichkeit mit einem

Starfotografen haben muss, so viele Portraits

wie er von fremden Leuten knipsen musste.

Wer die erste Ausgabe unserer kleinen Postille

gelesen hat, wird sicherlich festgestellt haben,

dass ich ja ein kleines Problem mit diesem

Selfiewahn und dem Wort an sich habe. Ad

absurdum führten wir dies auf unserem Weg

den Akropolis-Hügel hinab, waren wir danach

doch stolze Besitzer einer Selfiestange. Bis

zum bald folgenden Verlust dieser sind aber

auch einige Meisterwerke entstanden.

Zusätzlich fungierte unser neuester Erwerb als

Opener für eine direkt anschließende

Stadtführung eines sehr seltsamen Kauzes. Der

ältere, kleinwüchsige Herr im feinen

Nadelstreifenanzug und mit Aktenkoffer wollte

uns die Welt erklären und einen Ouzo mit uns

trinken. Nur einen, aber nicht irgendwo an der

Hauptstraße, da wäre es zu teuer, nur in „small

bars“. So überquerten wir ohne auf den

Verkehr zu achten mehrere stark befahrene

Straßen, hörten uns einen Spartipp nach dem

Andern an, und landeten schließlich in einer

„small bar“ – natürlich direkt an der

verkehrstechnischen Hauptader. Das uns

versprochene urige Ambiente bestach durch

süßlichen Parfumgeruch, die einzigen weiteren

Gäste waren weiblich und hatten ebenso kurze

Röcke wie hohe Schuhe und der Ouzo schlug

mit absolut günstigen fünf Euro zu Buche. Ob

der Kerl sich nicht selbst schäbig vorkam?

Lange bleiben wir auch nicht, mit Verweis auf

den bald folgenden Anpfiff im Stadtteil

Peristeri machten wir uns ohne anzustoßen

wieder von dannen. Kann ich empfehlen,

dieses Cafe Merlin. Vielleicht verirrt sich ja

aufgrund dieses Tipps ein Leser dort hin und

trinkt einen Schampus mit seiner Traumfrau,

dann will ich aber auch die gleiche Provision

haben wie unser freundlicher Begleiter. Warum

er uns allerdings ständig erzählte, dass wir kein

Gel in die Haare schmieren sollen, weiß ich bis

heute nicht.

Fünf Metrostationen, zehn Fußminuten und

nochmal so viele Zeiteinheiten in der nicht

vorhandenen Schlange beim Kartenerwerb

später betraten wir das Stadion Peristeriou,

heute ausnahmsweise mal nach Körper- und

ernsthaft durchgeführter, elektrischer

Kartenkontrolle.

P.A.E. Atromitos – Iraklis Saloniki 1:0

800 Zuschauer (Gästeverbot)

1.Liga Griechenland, Mo. 29.02.16

Bevor wir uns auf der Gegentribüne

niederließen, überprüften wir erst einmal, was

im „Members Club“ so geht. Dabei handelt es


sich um so etwas wie ein Vereinsheim auf dem

Dorfsportplatz. Am äußersten Ende der

Tribüne gelegen, waren wir mehr als froh, dass

wir hier aus Dosen frisch gezapftes Alfa

erwerben konnten. So ließ sich die Zeit bis

Anpfiff gut überbrücken, eigentlich war es im

Nachhinein eh völliger Humbug, dass wir

unsere Ärsche überhaupt auf die

Plastikschalen bequemten. Das Spiel toppte

den gestrigen Grottenkick nochmal um ein

Vielfaches, jedes Wort dazu wäre eins zu viel,

nicht mal etwas Kurioses passierte (das waren

damit schon mindestens elf Wörter zu viel), die

einheimischen und ultralinks gerichteten Ultras

der Fentagin überzeugten nur durch einige

schöne Graffitis im Stadionumfeld. Etwas

enttäuschend war das schon. Für mich war es

ja heute der Zweitbesuch hier (womit ich seit

Donnerstag die vierte Groundbestätigung in

Folge absolvierte), vor vier Jahren waren die

Heimfans noch die Überraschung der Tour und

sorgten für fantastische Atmosphäre. In der

Zwischenzeit ist der sportliche Höhenflug

vorbei, das Geld sitzt noch knapper und

überhaupt ist man eh beim Hallensport

präsenter als beim Rasenschach, trotzdem

waren die lediglich 30 Hanseln viel weniger als

erwartet. Ebenfalls doof, dass diese auf der

selben Tribüne standen wie wir, obwohl direkt

anschließend eine sahnemäßige Stehtraverse

in blau-weißen Vereinsfarben aus dem Boden

emporragt, die starke Erinnerungen an

Argentinien hervorrief. Die leise Hoffnung auf

einen kleinen, aber sehr feinen Gästepöbel aus

Saloniki zerschlug sich auch mit Blick auf den

etwas abseits stehenden und schon gut

entstuhlten Gästeblock, da hier nicht mal ein

Ordner zugegen war. War zwar aufgrund des

größtenteils herrschenden Gästeverbots zu

erwarten, aber da die großen Athener Vereine

hier in letzter Zeit ordentlich auftrumpfen

durften, hatten wir ein kleines bisschen

Resthoffnung. Geschenkt, der Membersclub

hatte ja offen, so gab es wenigstens während

unserer Gesprächsrunden keine trockenen

Mäuler, während MJ weiter an seinen

Knabberkünsten feilte. Aber ohne Scheiß, im

Prinzip sind diese Kerne eine super Sache. Man

ist beschäftigt, kann sich vom Spiel ablenken

und raucht nicht (gerade der letzte Punkt ist

ein Argument dafür, dass Kollege MJ noch

mehr Kerne kauen sollte ;-)). Als positiver

Nebeneffekt lösen sie auch noch ein akkurates

Durstgefühl aus, dass uns nach Beendigung der

Partie sofort wieder in den Members Club

führte. Chuck und ich kümmerten uns um die

Getränkebestellung bei den reizenden

Servierschwestern, von denen leider nur die

optisch weniger anprechende auf uns stand.

Nachdem in der Halbzeitpause unsere Order

eines White Russian an den Sprachkenntnissen

der Bedienung scheiterte, wollten wir unsere

Reisepartner diesmal mit einem leckeren

Bacardi-Fanta überraschen. Vier Euro sollte so

ein Teil kosten, dafür wurden diese auch

stilecht in 0,5l Pappbechern aufgetischt. Ich

weiß nicht, wann ich das letzte Mal so

ungläubig aus den Augen geschaut habe, aber

die Alte hat ungelogen die komplette Flasche

Bacci auf die fünf Becher verteilt (gut, wenn ich

ehrlich bin, war es eine dreiviertel Flasche, aber

dafür hatte diese auch ein ursprüngliches

Fassungsvermögen von einem Liter). Für

besonders viel Fanta blieb da natürlich kein

Platz mehr, und als wir irgendwann das

Stadion durch den Ausgang der Gaststätte

verließen (Memo an mich selbst: Beim

nächsten Mal überprüfen, ob man hier auch

rein kommt) waren wir logischerweise nur ganz

leicht angetüdelt.

In der City folgte dann nur noch das völlig

übertriebene zweite große Fressen des Tages,

danach noch ein paar wenige Getränke im sehr

schönen Altstadtviertel Plaka und dann war

auch mal Zeit zum Ausruhen.


Der folgende Dienstag stand eigentlich nur im

Zeichen des Transfers nach Thessaloniki. Bis

zur Abfahrt des Zuges hatten wir jedoch noch

genügend Zeit, in der Fritz noch schnell die

Zugtickets im Hostel drucken wollte.

Immerhin wurde uns der Drucker vom

sogenannten Freak als eines der Highlights

angepriesen. Unverrichteter Dinge und

sichtlich verstört kam Fritz jedoch in unser

luxuriöses Apartment zurück, er brabbelte

lediglich etwas davon, dass ihm eine

mysteriöse Stimme aus dem Off die Nutzung

des Druckers untersagte. Spukte es hier jetzt

auch noch, oder was? Endgültig konnten wir

das Rätsel nicht lösen, beim Auschecken

mussten wir aber auch mit dieser Stimme

kommunizieren. Alter, da sitzt der Freak

irgendwo hinter einer verschlossenen Tür,

beobachtet uns und gibt mit seiner unfassbar

verstörenden Stimme Anweisungen, was wir

beim Check-Out zu beachten haben. Gesehen

haben wir ihn freilich nicht mehr. Als wir

endlich die Tür zum letzten Male hinter uns

schließen konnten, durften wir uns auch

nochmal von der Hygiene überzeugen, da

unser als Test nach Ankunft ausgelegter Keks

immer noch auf der letzten Treppenstufe vor

dem Portal zur Hölle lag. Und als wir auf dem

Weg die Stufen hinab zum ersten Mal andere

Menschen im Treppenhaus erblickten,

erhärtete sich der Verdacht, dass sich eine

Irrenanstalt in diesem Gebäude befinden muss.

Wenn ich mal einen Horrorfilm drehe, weiß ich

zumindest schon mal die Location.

Bis zur Abfahrt des Zuges kümmerten sich vier

Fünftel der Reisegruppe um Kalorienzufuhr in

unterschiedlichster Form, während euer

liebgewonnener Schreiberling zum ersten Male

mit Problemen im Magen-Darm-Trakt zu

kämpfen hatte und sich sowohl anal als auch

oral entgiften musste. Zur Entschädigung

durfte dieser Eisenbahnromantiker die

nächsten Stunden aber in seinem

Lieblingsfortbewegungsmittel verbringen. Was

hat er nicht alles die Werbetrommel gerührt:

Traumhafte Landschaften, gemütliches Abteil,

wir werden uns wünschen, nie anzukommen

und was weiß ich noch alles. Bullshit. Aus dem

Fenster gucken war nicht, die Abteile waren

alle belegt, wirklich vorwärts ging es auch nicht

– zum Glück schlief ich die meiste Zeit, so

entging ich den Schimpftiraden der dem

Zugfahren weniger zugeneigten Vögel.

Bevor wir in Thessaloniki ankamen, noch ein

paar abschließende Worte zu Athen. Es lässt

sich nicht verleugnen, dass die Auswirkungen

der Wirtschaftskrise offensichtlich sind.

Wirklich viele leerstehende Läden, Obdachlose

gehören zum Straßenbild dazu wie in Buenos

Aires und bei vielen Gebäuden hat man das

Gefühl, dass diese schon in weiser Voraussicht

als Ruine oder Rohbau geplant wurden. Ich war

jetzt das vierte Mal hier, und trotz erlebter

Generalstreiks hatte ich das so offensichtlich

noch nicht mitbekommen. Dazu leben jetzt

noch viele Flüchtlinge auf den Straßen (auch

wenn MJ diese um ihre Decken beneidete), so

dass sich teilweise schon ein recht

deprimierendes Bild ergibt. Immerhin hatte ich

das Gefühl, dass rund um den Omonia Platz

weniger Junkies und Nutten unterwegs waren

als zu früheren Zeiten. So richtige Drogenopfer

sahen wir eigentlich nur zwei. Einer davon tat

so, als würde ein Hostel leiten…

Jetzt waren wir aber in der zweitgrößten Stadt

Griechenlands angekommen. Etwas über

300.000 Menschen leben in der Kernstadt,

dazu kommen nochmal 81.000 Studenten –

das klang doch vielversprechend. Von der

wechselhaften und über 2000jährigen

Geschichte der Stadt zeugen die überall

stehenden historischen Baudenkmäler aus

römischer, byzantinischer und osmanischer

Zeit. Bereits seit 1988 gehören die vielen

byzantinischen Kirchen zum Unesco Welterbe,


weithin bekanntes Wahrzeichen ist der im 15.

Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft

entstandene Weiße Turm. Zum Glück habe ich

das Kreuz im Welterbeinformer schon gesetzt,

mit diesen Kulturbanausen wäre das nämlich

nicht möglich gewesen ;-)

Dafür ging es nach Hostelbezugs – nach den

Erfahrungen aus Athen sind wir diesmal

vorsichtshalber auf Nummer sicher gegangen –

direkt auf die Pirsch. Nach dem vielleicht

besten Essen der Tour (und wir haben

insgesamt wirklich fantastisch gespeist)

folgten wir Tourguide MJ, der einige

Geheimtipps von einem Franzosen, der aus

seinem Hostelzimmer in Athen verbannt

wurde, sowie von seiner Lieblingsseite – also

nach youporn -,nämlich „spottedbylocals“,

parat hatte. Um ihn nicht noch mehr in die

Scheiße zu reiten, mache ich es kurz. Wir eilten

von Flop zu Flop, obwohl in den Bars am

Meerufer der Bär steppte (wie lange habe ich

denn diese Phrase nicht mehr genutzt?). Wieso

sollte man auch da hin gehen, wo viele

stöckelnde Frauen sind, wenn das Internet (und

ein Franzose!!!) andere Vorschläge bereit hält.

Wenigstens waren wir dadurch am Mittwoch

fit.

Oh ja, der Mittwoch :-)

Nachdem wir den ersten spielfreien Tag des

Trips hinter uns gebracht hatten, stand heute

das eigentliche Highlight an: PAOK vs.

Olympiakos im Hinspiel des Pokalhalbfinals.

Bis zum Kick Off am Abend taten wir einfach

so, als wären wir in Italien und gaben uns bei

vorsommerlichen 22 Grad mit Pasta und Gelati

an der Strandpromenade, auf der an einem

Mittwochmittag jede Bar gerammelt voll war,

dem Dolce Vita hin. Aufgrund unseres

Nahrungsverhaltens outeten wir uns auch

gleich als Ortsfremde, waren wir doch so

ziemlich die Allereinzigsten, die nicht an einem

Frappé nuckelten. Nachdem wir dann auch die

Ticketfrage sowohl für die Weiterfahrt nach

Tirana als auch für das abendliche Spiel (in

einem Handyladen) großteils zufriedenstellend

geklärt hatten, machten wir uns langsam aber

zielstrebig auf Richtung…Hostel. Schließlich

galt es hier noch, den fehlenden fünften der

Reisegruppe einzusammeln. Ihr werdet es

wahrscheinlich erahnt haben, aber bei diesem

handelte es sich natürlich um – Trommelwirbel

- MJ, der den Tag in französischer Gesellschaft

mit wahllosem Bierkonsum verbrachte.

Nachdem wir ihn befreit hatten, gönnten wir

uns ein Taxi direkt zum Toumba. Überhaupt


erstaunlich, wie oft wir uns von diesen

befördern ließen, aber so günstig wie die

waren, war das am Ende billiger als laufen. Am

Stadion angekommen, entließ uns der Fahrer,

der vorher gemeint hatte, dass PAOK nicht

mehr so wild wäre wie früher und heute die

Leute hauptsächlich zum Weintrinken ins

Stadion gingen, mit den Worten „Be careful“.

Auf unsere Antwort, dass wir das sein werden,

konterte er nur nochmals: „No, really, be

careful“. Klar, PAOK ist nicht Offenbach, ist

uns schon bewusst, dass man sich hier

gefälligst zu benehmen hat. Auch klar, ich habe

PAOK schon mehrmals gesehen und auf

meiner Liste der übelst-aussehenden Mobs

rangieren sie unangefochten auf Platz eins,

weshalb uns schon bewusst war, dass man sich

hier gefälligst zu benehmen hat. Aber was sich

mit Verlassen des Taxis abspielte, ist nur

schwer in Worte zu fassen.

PAOK FC – Olympiakos Pireaus 1:2 abgebr.

30.000 Zuschauer (Gästeverbot)

Pokalhalbfinale, Mi. 02.03.16

Es war wie das vielzitierte, aber selten wirklich

zutreffende Bild vom Eintritt in eine andere

Welt. Gut, wir wurden auch auf Seite der Kurve

rausgelassen, hier sah aber wirklich fast jeder

so aus, als würde er dich ohne mit der Wimper

zu zucken in Stücke reißen. Die

Jogginghosenquote lag bei annähernd, die der

schwarzen Hoodies und Jacken bei fast schon

über 100%. Wobei: Nein. Eine von einem

unbeugsamen MJ getragene rote Jacke hörte

nicht auf, dem heimischen Pöbel Widerstand

zu leisten. Dass das mal wieder nicht die beste

Idee war, erkannte er aber glücklicherweise

gleich selbst und trug sie fortan nur noch in

seinen Händen, während sein Hals ab da von

einem PAOK Schal geschmückt wurde.

Dachten wir noch beim Betreten dieser

fremdartigen Welt, dass sich die

schwarzgekleideten Ausgeburten der Hölle

ordentlich auf das Spiel einböllerten, wurden

wir nach einigen zurückgelegten Metern eines

Besseren belehrt, als wir anhand der

meterhohen Stichflammen erkannten, dass es

sich bei den Böllern um Molotowcocktails

handelte, die von einem aufgebrachten,

vermummten Haufen in Richtung Polizei

geschleudert wurden. Dieses Schauspiel

beobachteten wir solange, bis uns der

Gegenangriff der Staatsmacht in Form von

Reizgaspatronen zum Rückzug zwang. Herzlich

willkommen bei PAOK.

Wir sahen es dann mal lieber vor, uns etwas zu

entfernen und auf den Gebrauch unserer von

Geburt an erlernten Sprache zu verzichten –

hielten wir in diesem Moment ausnahmsweise

mal nicht für völlig unbegründet. Nach einem

kurzen Fanshopbesuch, der jedoch nichts

Aufregendes im Angebot hatte, betraten wir

gute 45 Minuten vor Spielbeginn den

eigentlichen Gästeblock, in dem sich bis auf MJ

natürlich keine weiteren Personen mit roten

Klamotten aufhielten. In Griechenland ist es ja

gerade bei brisanten Spielen oftmals so, dass

die Stimmung vorm Anpfiff besser ist als

während des eigentlichen Hauptaktes, heute

war dies aber nicht so. Gate 4 und Umgebung

sangen sich zwar ordentlich warm, ab und an

auch das ganze Rund, bis zum

gänsehauterzeugenden Einklatschen des

ganzen Stadions überwog allerdings mehr die

Anspannung beim restlichen Publikum. Ist ja

auch verständlich. Die Meisterschaft überzeugt

seit Jahren durch die Definition von

Langeweile, da ist der Pokal für alle anderen

Mannschaften abseits von Olympiakos die

einzige Möglichkeit, einen Titel zu gewinnen.


ausgleichen. Das war dann leider ein gehöriger

Stimmungsdämpfer, bis zum Pausentee

passierte nicht mehr viel. MJ hätte sich auch

gerne einen Pausentee gegönnt, leider wurde

dieser aber im recht provisorischen Catering-

Bereich nicht angeboten, so dass er weiter

frieren musste. War sicherlich auch kalt so

ohne Jacke ;-)

Als die Spieler das Feld betraten, verwandelte

sich die Hintertortribüne in eine grell rot

leuchtende Wand. Immer wenn diese etwas

von ihrer Strahlkraft zu verlieren schien,

wurden weitere Brennstäbe entzündet, so dass

die daraus resultierende Nebelwand den

Anstoß erstmal um einige Minuten verzögerte.

Derweil geizte man auch nicht mit der Nutzung

von Böllern, was sogar den Stadionsprecher zu

einer mahnenden Durchsage verleitete,

wodurch sich das alles andere als nur zum

Weintrinken erschienene Publikum erst recht

angestachelt sah und in einer phänomenalen

Lautstärke die von mir so innig geliebten

bekannten Kurvengassenhauer intonierte. Hell

Yeah - So kann man auch mal ein Spiel starten.

Ähnlich feurig wie die Jungs – nicht nur aus

Gate 4, von Gate 1 bis Gate 8 ebenso –

präsentierten sich auch die Spieler. Nach

tollem Spielzug brachte Róbert Mak die

Hausherren bereits in der neunten Minute in

Führung. Ich glaube, was sich daraufhin

abspielte, muss ich nicht groß erläutern, Worte

könnten es eh nicht annähernd wiederspiegeln.

Leider verflachte danach die Partie, obwohl Ex-

Eintrachtler Tzavellas mit seinen weit nach

vorne gechipten Pässen immer wieder für

Gefahr sorgen wollte. Junge, das hat doch

schon bei uns außer einem 70-Meter-Tor

gegen Neuer nix gebracht. Olympiakos bekam

immer besseren Zugriff und konnte nach

einem nach Meinung der meisten Zuschauer

unberechtigten Freistoß folgerichtig

Ich hab es ja bestimmt schon öfters

geschrieben, aber so ein Stadionbesuch lebt ja

auch oder gerade durch seine Skurrilitäten

abseits des großen Ganzen. Eigentlich wird dir

hier alles geboten: Ausschreitungen vorm

Spiel, eine durch jede Vene gehende

pulsierende Atmosphäre, mehr Pyro als in zwei

Bundesligasaisons, ein hitziges Spiel – aber

wenn es dann auf der Toilette keine

Geschlechtertrennung gibt oder sich ein

kleines Kind vor einem von einer

Styroporpappe ernährt und die Kleidung von

oben bis unten mit Krümeln eben dieser

eingesaut ist, dann sind das erst recht diese

magischen Momente (und ja, der Bub hat das

Teil wirklich gegessen, obwohl sein Vater (?)

neben ihm gesessen hat), die den ganzen

Scheiß so unbezahlbar machen.

So, und bevor ich jetzt zurück zum Spiel

komme, muss ich etwas ausholen. Für das

Verständnis der Ereignisse der zweiten Hälfte

ist dies aber nicht ganz unerheblich.

Wie bereits erwähnt, ist Olympiakos im

griechischen Fußball quasi konkurrenzlos.

Bereits vor Wochenfrist konnte der 43.

Meistertitel eingefahren werden, immerhin der

18. der letzen 20 Jahre. Damit dies bitteschön

auch in den Folgejahren so weiter geht, sagt

man dem Klubbesitzer, Reeder und Oligarchen

Evangelos Marinakis diverse dunkle

Machenschaften nach. Spielmanipulationen

sind da noch der harmloseste Vorwurf, gerne

wird auch mal die Bäckerei eines


unbestechlichen Schiedsrichters in die Luft

gejagt. Aktuell ist er nur auf Kaution draußen,

als Auflage darf er keine fußballbezogenen

Aktivitäten ausüben. Das juckt ihn allerdings

scheinbar herzlich wenig und es geht weiter

wie zuvor. So mal ganz kurz zusammengefasst.

Man kann auf jeden Fall attestieren, dass der

allgemeine Hass auf Olympiakos ins

Unermessliche gestiegen ist – übrigens nicht

nur bei den sogenannten Fußballfans, auch

Funktionäre schlagen sich gerne einmal

gegenseitig in die Fresse.

Für das Tagesgeschehen bedeutete das jetzt,

dass nach dem Führungstreffer des

Serienmeisters die Atmosphäre in eine

Mischung aus blanker Wut und Sarkasmus

umschlug. Nach dem Gästetrainer Marco Silva

von einem vollen Getränkebecher – abgefeuert

übrigens von der Haupttribüne – getroffen

wurde, stand das Spiel das erste Mal vorm

Abbruch. Nach einer längeren Unterbrechung

konnte es dann doch noch weitergehen. Dem

Publikum war das Spiel jetzt jedoch relativ

egal, man fühlte sich schon wieder

verschaukelt und witterte ob der vielen

Entscheidungen zu Gunsten Olympiakos‘ eine

neuerliche Verschwörung. Jeder Pfiff des

Schiedsrichters wurde höhnisch bejubelt, bei

jedem Tackling PAOKs eine gelbe Karte für

den heimischen Akteur gefordert. Wurde ein

Tackling mal nicht gepfiffen, gipfelte das in

einem gellenden Pfeifkonzert. Momente, wie

ich sie auch noch nicht erlebt hatte. Ich kann

jetzt auch gar nicht sagen, ob sonderlich

einseitig gepfiffen wurde, auffällig viel ging

jedenfalls schon in Richtung Olympiakos.

Gehässig wie ich bin, hoffte ich jetzt noch auf

eine herrliche Fehlentscheidung. Es lag einfach

das Potential zur vollständigen Eskalation in

der Luft. Ich konnte ja nicht ahnen, dass in der

85. Minute ein PAOK Spieler direkt vor Gate 4

vom Torwart von den Beinen geholt wird, der

fällige Strafstoß-Pfiff samt Platzverweis jedoch

ausbleibt. In meiner Erinnerung war es jetzt

eine Mischung aus totenstill und unfassbar

laut, ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch,

dass der Torschütze des 1:0, Róbert Mak,

minutenlang auf den Torlinienrichter einschrie,

was ihm im Endeffekt die vorzeitige

Beendigung des Spiels einbrachte. Ob dem

Parteiischen-Gespann das Bestechungsgeld

lieber als das Leben ist, lässt sich nur munkeln,

mit der folgenden Reaktion hätte man aber

durchaus rechnen können. Zunächst flogen

nur zwei Fackeln in Richtung des vierten oder

fünften oder was-weiß-ich-wievielten

Offiziellen, danach öffnete sich wie von

Geisterhand ein Tor und ein paar wenige

Vermummte folgten dem Weg der Fackeln.

Bevor diese jedoch auf dem Feld ankamen,

waren die Spieler und Offiziellen schon wieder

in den Katakomben verschwunden und von der

anderen Seite eine massive Polizeikette

angerückt. Und natürlich bekam es letztere

jetzt ab. Allerhand Feuerwerkskörper

prasselten auf diese nieder, dazu entluden sich

immer mehr Wahnsinnige auf dem Feld, die

ihre ganze Wut auf das System, Olympiakos

und die Polizei mittels Werfen von Sitzschalen,

Fahnenstangen, Werbebanden und was sonst

noch so überall rumstand oder lag, zeigten.

Das ging jetzt bestimmt eine halbe Stunde hin

und her, das Stadion leerte sich derweil schon

etwas und wir untermalten das unwirkliche

Szenario mit einer grimmepreisverdächtigen

Moderation. Fritz wollte es nicht wahrhaben,

wusste er doch nicht, ob er den Ground im

Falle eines Abbruches zählen kann (dabei

hatten wir doch vorher noch festgelegt, dass

ein Gewaltabbruch immer zählt), ich hingegen

hielt eine eventuelle vorzeitige Beendigung der

Partie (oder auch der Party) für völlig

unbegründet, Pascal fand alles nur noch

wahllos und MJ erwachte zu neuem Leben und

vergaß, dass er kurz vorm Kältetod – es waren

wohlgemerkt zweistellige Temperaturen –

stand. Und nachdem die gröbsten Schlachten


geschlagen waren, kamen tatsächlich zunächst

die Balljungen und kurz darauf auch beide

Mannschaften wieder aufs Feld. Jetzt stieg die

Spannung natürlich ins Unermessliche.

Würden sich auch die Schiedsrichter wieder

zeigen? Besonders bei Chuck leuchteten die

Augen, als wir schon die Wettkassen öffnen

wollten, doch da kam uns das Gespann zuvor

und trottete unter einem gellenden

Pfeifkonzert zurück auf den Rasen. Jetzt

leuchteten kurzfristig bei Fritz die Augen. Als

der Torlinienrichter seinen angestammten

Platz vor Gate 4 einnehmen wollte, leuchteten

nur noch die Feuerwerkskörper, die auf diesen

geschossen wurden. Da hätte jetzt aber auch

wirklich das größte Hohlbrot drauf kommen

können, dass es vielleicht nicht die gesündeste

Idee war, in dieser schon überkochenden

Atmosphäre nochmals eine solche Provokation

zu bringen. Man könnte auch sagen, es war

einfach völlig unbegründet.

Gerade noch bevor der Lynchmob aus der

Kurve seine Hassobjekte erreichen konnte,

fanden diese wieder Zuflucht im Spielertunnel,

der jetzt jedoch von der Haupttribüne mit

Bengalos und Flaschen bombardiert wurde.

Das war jedoch nicht annähernd etwas gegen

das Bombardement aus der Kurve. Rappel und

Schläg tat es, immer mehr Leute lebten im

Innenraum ihre Wut aus und lieferten sich ein

Katz- und Mausspiel mit der Polizei. Immer

wieder gingen größere Gruppen auf diese los,

diese schlug mit extrem lauten

Reizgaspatronen zurück, es ging hin und her.

Wenn ein Mob auf der Tribüne eine Pause

brauchte, formierte sich an anderer Stelle ein

neuer und irgendwie wirkte es, als hätten alle

Beteiligten sichtlich Spaß am Geschehen. Wir

von unserem Platz aus sicherer Entfernung

hatten diesen jedenfalls. Gegenüber

wechselten sich Molotowcocktails und

Reizgaspatronen ab, die Kurve wurde fast

vollständig entstuhlt und zur optischen

Abrundung legte man noch diverse Feuer, die

teilwiese zu großflächigen Bränden

anwuchsen. Aufgrund des ganzen Unrates auf

dem Rasen zweifelten wir in der Zwischenzeit

jedoch tatsächlich an einer eventuellen

Weiterführung des Spiels. Und tatsächlich

erklärte der Stadionsprecher den wenigen

noch anwesenden Schaulustigen die

Angelegenheit für beendet. Misti – wir blieben

noch solange im Stadion, bis die Polizei den

Gefahrenherd geräumt und die daraufhin

anrückende Feuerwehr die Brände gelöscht

hatte, danach wollten wir mal sehen, was auf

der Straße noch so los war. Hier knallte es zwar

auch gehörig, sehen konnten wir jedoch nichts

mehr, zu stark reizte die Waffe der Polizei in

unseren Augen und Atemwegen. Das Ganze ist

jetzt vielleicht recht nüchtern beschrieben,

aber die Ausschreitungen im Stadion dauerten

weit über eine Stunde an. Im Endeffekt gab es

dafür nur ein Wort: PAOK.

Bereits am Folgetag zog PAOK die

Konsequenzen aus den Vorfällen und kündigte

an, nicht zum Rückspiel nach Piräus zu fahren.

Hätten sie aber auch gar nicht gebraucht, da

die griechische Regierung den Pokal erst

einmal aussetzte. Der nationale

Fußballverband EPO möchte den

Pokalwettbewerb zwar wieder aufnehmen,

auch FIFA und UEFA haben bereits mit

Konsequenzen gedroht, zum Zeitpunkt des

Schreibens des Berichts gab es jedoch noch

keine Entscheidung.

Und wenn ich jetzt noch einmal so darüber

nachdenke, dann fallen mir alleine für das

Kalenderjahr 2015 mehrere Spiele mit

Beteiligung Olympiakos‘ ein, die einen

ähnlichen Verlauf nahmen:


- Im Januar 2015 quasi das Gleiche in

Gelb-Schwarz, als AEK Fans nach

einem Gegentreffer in der letzten

Minute das Feld stürmen.

- Im Februar wird das Derby bei

Panathinaikos erst nach schweren

Ausschreitungen mit einer Stunde

Verspätung angepfiffen, nachdem

sich Herr Marinakis vor Gate13

zeigte

- Im November wird das Derby dann

erst gar nicht mehr angepfiffen…

Jetzt ist es natürlich ein Leichtes, die Gewalt zu

verurteilen und die Schuld ausschließlich bei

den Fans zu suchen, man könnte aber auch mal

überlegen, woher der Hass rührt und versuchen

etwas am System zu ändern. Aber gut, die

einen sagen so, die andern sagen so – und ich

frage mich gerade, ob ich dieselbe Begründung

für einen haltlosen Zustand gebracht habe wie

ein AFD Wähler.

Bei fantastischen Würstchen- und

Biftekisandwiches und diversen Bieren

respektive Cocktails werteten wir die

vergangen Stunden aus, bevor wir MJ

nochmals mit der Gestaltung des Abend- bzw.

mittlerweile schon des Nachtprogramms

beauftragten, auch wenn wir nach der letzten

Nacht noch in etwa so viel Vertrauen in ihn

hatten wie in ein gerechtes Lizenzverfahren

dieses Leipziger Dosenkonstruktes durch die

DFL. Aber da ein MJ laut

Selbstcharakterisierung ja kein Typ für eine

Nacht ist, gaben wir ihm noch eine Chance. Da

machten wir es ganz wie er und waren einfach

mal relativ treu ;-)

Für heute hörte die auserkorene Lokalität auf

den Namen „8Ball“ und sollte der Nährboden

für eine ekstatische Erasmus-Karnevalsparty

sein – so zumindest die Lobpreisungen des

Partyministers. Für fünf Euronen Eintritt waren

wir so ziemlich die ältesten in diesem

Etablissement, dafür sorgte die Abfahrtzeit des

Busses nach Tirana im frühen Morgengrauen

auch nicht unbedingt dafür, dass wir schnell in

Stimmung kamen. Aber Bier und Cuba Libre

spülten jedwede Bedenken bezüglich des

Folgetages weg, und nachdem wir die

Tanzfläche erobert hatten, verließ mich auch

so langsam die Erinnerung. Jeder kam zu einer

anderen Uhrzeit nach Hause, als der letzte kurz

vor Abfahrt des Busses laut pöbelnd von seiner


Odyssee die Zimmertür zuknallte, vermeldete

der Flurfunk, dass der Länderpunkt

Griechenland endlich auch im Bettsport

gefallen war.

Trotz der exzessiven Nacht fanden wir uns

tatsächlich alle zur richtigen Zeit im richtigen

Bus ein, wo wir auch fast die einzigen Insassen

waren. Hätte ne richtig entspannte Fahrt

werden können, so eine Rückbank für mich

alleine war schon bequem, aber dieses

ständige Kotzgefühl hinderte mich am Schlaf.

Wäre ja auch zu viel verlangt gewesen, auf

einer 7-8stündigen Fahrt einen Bus mit Toilette

einzusetzen. So dauerte es bis zum No-Man’s-

Land zwischen Griechenland und Albanien, bis

ich endlich für Besserung in meinem

Magenbereich sorgen konnte. Ein paar

Stündchen später entstiegen wir unserem

mobilen Zuhause im strömenden Regen und

nochmals einige wenige Zeiteinheiten später

waren wir auch schon wieder im Hostel.

Kurz frisch gemacht, überragend gespeist –

wem läuft bei der Vorstellung eines Octopus-

Carpaccios nicht das Wasser im Mund

zusammen? Na ja, für den gab’s immer noch

deiliziösete Pasta Carbonara für umgerechnet

unter drei Euro – und danach wieder auf MJ

vertraut. Die vorgeschlagene „Raum-Bar“

entpuppte sich als ideal für den Abend.

Günstige Getränke und feine Musik ließen das

Tanzbein das ein oder andere Mal wackeln,

auch wenn es heute keine größere Ambitionen

mehr gab. Dass wir nach MJs und Fritz‘

taxibedingtem Ausfall dennoch nicht alleine

nach Hause mussten, lag an zwei

Straßenkötern, die es sich wohl zur Aufgabe

gesetzt hatten, uns sicher durch die eigentlich

gut beleuchteten Gassen zu begleiten. Völlig

vernarrt hatten wir uns schlussendlich in die

beiden, als sie auf offener Straße ein

Polizeiauto anhielten und dieses mit

fletschenden Zähnen anbellten – großes Kino.

Nachdem wir unsere ACAB-Hunde in die

streichelnde Obhut des vorm Hostel

rauchenden MJs gegeben hatten, war der Tag

dann auch endgültig gehalten. Dass mein

Magen zwischendurch mal wieder rebellierte,

verschweige ich an dieser Stelle mal lieber (hat

ja super geklappt). Und gerade als ich endlich

im tiefsten Reich der Träume angekommen

war, weckte mich schon wieder ein Schlag, als

hätten ein paar AEK Hools diverse Böller in

unser Zimmer geschleudert. Noch im Zustand

völliger geistiger Verwirrtheit dachte ich im

ersten Moment, dass einer von uns aus dem

Hochbett gefallen sei. Als Fritz den selben

Gedanken geäußert hatte, tastete ich mal ganz

vorsichtig den Boden ab, wo tatsächlich ein

fleischiges Häufchen Elend in einer triefenden

Pfütze lag. Die mir mit „Alles gut“ antwortende

Stimme konnte ich nach Ausschlussverfahren

MJ zuordnen, der eigentlich zwei Meter weiter

oben liegen sollte. Der Geruchstest ergab, dass

die Flüssigkeit nach Bier riecht, was dann doch

beruhigte, auch wenn ich mir vorstellen

könnte, dass MJs Blut mittlerweile einen

ähnlichen Geruch angenommen hat. Alter, da

fällt der aus zwei Metern auf eine Bierflasche

und schrammt mit dem Kopf um ein paar

Zentimeter an der Bettkante vorbei – das kann

auch ganz anders ausgehen. Fortan musste er

jedenfalls in der untersten Etage schlafen, auch

wenn wir uns von da an anhören durften, dass

wir ihm nicht mehr vertrauen würden – völlig

unbegründet übrigens.

Der nächste Morgen begann für mich wie der

Abend geendet hatte, sprich mit dem Kopf in

der Kloschüssel. Und während sich mein

Zustand von Auswurf zu Auswurf

verschlechterte, gönnte sich der Rest der

Banausen einen frisch gepressten Orangensaft

nach dem anderen in der Lobby. Bei den

gelegentlichen Klobesuchen der Idioten fragte

ich mich, ob diese mittlerweile schon einen

Vitaminschock erlitten hatten, oder ob der


Nektar doch mit dem einen oder anderen

Kartoffelschnaps verdünnt wurde. Ich werde es

wohl nie erfahren. War mir aber auch so latte

wie Macchiato (für den sollte ich mich

eigentlich selber schämen), ich war einfach nur

froh, dass ich irgendwann nachmittags wieder

auf beiden Beinen stehen und somit halbwegs

fit mit zum Stadion marschieren konnte.

Vielleicht halfen da auch die jetzt schon aus

dem nahen Nationalstadion erklingenden

Gesänge mit, liegen bleiben wäre aber auch

egal in welchem Zustand keine Option

gewesen. Gut, sah nicht jeder so, einem

bekamen die ganzen Vitamine wohl so gut wie

mir der körperliche Raubbau der letzten

Woche, so dass dieser jenige erstmal kurz

Körper und Geist schonen musste. Namen

werden nicht genannt, des Kollegen

bevorzugtes Kleidungsstück ist aber eine rote

Jacke ;-)

Die belegte Semmel und eine eiskalte Coke

bleiben glücklicherweise in meinem

verwesenden Körper, wodurch ich meiner

Aufwartung dem zur ungewohnten Zeit –

Freitagabends, 18:00 Uhr – stattfindenden

Derbys etwas positiver entgegensah. Vorm

Nationalstadion Qemal Stafa herrschte bei

unserer Ankunft schon allerhand Gewusel. Da

unser Weg am Gästebereich vorbei führte, war

blau die vorherrschende Bekleidungsfarbe.

Auffällig, dass das Durchschnittsalter hier in

etwa dem einer C-Jugend entsprach, erklärt

dann aber auch, wieso ich das Derby in Tirana

nie so wirklich auf dem Schirm hatte.

Zugegebenermaßen rückte es bei mir erst in

den letzten zwei bis drei Jahren aufgrund

einiger im Netz erblickter Bilder in den Fokus –

jaja, das böse Internet. Während der

kommunistischen Diktatur (1944-91) war das

Ausleben dessen, was wir heutzutage

Fankultur nennen, verboten und schon

Gesänge oder Fahnen konnten ein Grund sein,

mehrere Jahre ins Gefängnis zu wandern. Von

daher ist es logisch, dass sich hier keine

gestandene Fanszene wie in den anderen

Balkanländern entwickeln konnte, dafür wirkt

aber alles irgendwie sehr frisch und

unbeschwert. Also mit Ausnahme des Stadions

versteht sich. Dieses hat seine besten Tage

schon länger hinter sich, falls es diese

überhaupt mal gesehen hatte. Dass die große,

unüberdachte Gegengerade noch nicht in sich

zusammen gefallen ist, grenzt bei der hier

abbröckelnden Fassade schon fast an ein

Wunder. Trotzdem findet sich hier der

Stimmungspöbel Parzizanis rund um die Ultras

Guerrils ein, die angrenzende Kurve ist jedoch

nicht für Besucher zugelassen. Die Kurve

gegenüber befindet sich zwar auch in

bedauernswertem Zustand, war aber

Unterbringungsort für die Sympathisanten des

heutigen Gastvereins. Nachdem ich nach einer

intensiven Taschenkontrolle mein hart

zusammengespartes Münzgeld für die

abschließende Bahnfahrt in der Heimat

gezwungenermaßen in die Staats- bzw. eher

die Privatkasse des Ordners gespendet hatte,

nahmen wir am äußeren Rand der überdachten

und ca. siebenreihigen Haupttribüne Platz.

Partizani Tirana – KF Tirana 2:0

8.531 Zuschauer (2.000 Gäste)

1. Liga Albanien, Fr. 04.03.16

Der Blick nach links ließ mich mein flaues

Gefühl im Magen endlich komplett vergessen.

In der total verranzten Kurve sangen sich die

Jungspunde unter Führung der Tirona Fanatics

jetzt schon in einen Rausch, immer wieder

stieg auch der angrenzende Sitzplatzbereich,

in dem ein weiterer ultraorientierter Mob

vorzufinden war, in die Gesänge ein.


Phänomenal jedoch die Optik der Gästekurve:

gefühlte Kilometer vom Spielfeld entfernt,

erinnerten die am Zaun befestigten

blauweißen Trommeln, die eher nach

missbrauchten Mülltonnen aussahen, und der

völlig ekstatische Vorsänger an längst

vergangene Zeiten im Nachbarland am

gegenüberliegenden Adriaufer. Da sich auch

der Heimbereich nur relativ langsam füllte, fiel

es leicht, die Augen und Ohren nicht

abzuwenden. Bis zum Anpfiff war der

Heimbereich dann aber auch gut gefüllt. Auch

hier stand am unteren Ende der Tribüne eine

weitere Gruppe hinter einer riesigen Ultras

Schießmichtot Fahne, diese wirkte aber so

deplatziert wie ein MJ auf einem Straight Edge

Treffen und werden deshalb nur der

Vollständigkeit halber erwähnt.

Die Choreo der Heimseite bestand aus einer

Blockfahne zum 70jährigen Vereinsjubiläum –

Partizani wurde 1946 gegründet und fungierte

fortan als Armeeverein. Abgerundet wurde

diese von einigen roten Fahnen am Rand. War

ok, das Flammenmeer nach dem die Fahne

runtergelassen wurde, überzeugte aber schon

mehr.

Das wahre Spektakel fand aber eh zu unserer

Linken statt. Auf mehreren Spruchbändern

erklärten die Tirona Fanatics in mittelmäßigem

Schulenglisch, wieso der Verein ihr Alles ist.

Während dazu immer noch wie im Wahn

gesungen und fahnengewedelt wurde, flogen

nach und nach immer mehr Fackeln und Böller

in den Innenraum. Ein grandioses Schauspiel.

Obwohl die Show natürlich allein schon rein

von der Größe her nicht an die anderen auf der

Tour gesehenen heran reichen konnte, waren

wir doch einstimmig der Meinung, dass wir so

eben mit das atmosphärische Tourhighlight

gesehen hatten.

Die Rauchschwaden waren noch nicht

verzogen, die Gesänge nahmen beiderseitig

noch ein Stück an Intensität zu und der

Eröffnungspfiff des Schiedsrichters war noch

nicht lange verhallt, da knallten im Mittelkreis

schon die ausgestreckten Beine zweier

gegenseitiger Akteure gegeneinander. Und das

war nur der Auftakt für ein höchstintensives

Spiel. Fußballerisches Können streite ich den

meisten Spielern zwar ab, dafür stimmte bei

jedem der Einsatz. Herrliche Grätschen,

Rudelbildungen, Hektik – alles was dem

grobkörnigen Fußballfan so gefällt, wurde

geboten. Dem frühen Führungstreffer des

Tabellenzweiten folgte die erste längere

Unterbrechung aufgrund übermäßiger

Pyroentsorgung auf das Spielfeld, nach dem

Folgetreffer ging es plötzlich ohne feurige

Jubelausbrüche weiter. Ob die Reserven jetzt

schon aufgebraucht waren oder die Ansagen

der Spieler und Offiziellen nach dem ersten

Mal Wirkung zeigten, kann ich hier nicht

aufklären. Trotz des schnellen Zwei-Tore-

Unterschiedes dachte jedoch niemand daran,

das Spiel als entschieden zu betrachten. Auf

dem Platz gab es weiter Action, in der

Gästekurve dachte man sich wohl, dass man


wenigstens den Vergleich der Kurven

gewinnen möchte. Das immer wieder

angestimmte „Uh – Ah“ mit passenden

Armbewegungen entwickelte sich zum

Ohrwurm der letzten Stunden unserer

geselligen Kaffeefahrt.

Ein jeder Spielbeobachter sieht so einen Kick ja

aus einem anderen Blickwinkel. Pascal

schlüpfte heute mal in die Rolle des Scouts.

Bereits nach kurzer Zeit folgten seine

Sehorgane nur noch dem Gästestürmer

Masato Fukui. Pascal konnte jetzt nicht sagen,

ob ihm dessen fußballerisches Nichtkönnen

(und das ist wahrhaftig untertrieben) oder die

blondierte Mähne mehr in seinen Bann zog,

das abschließende Urteil lautete jedenfalls:

„Der schlechteste Spieler aller

Zeiten…WELTWEIT“ – nichtsahnend, dass

diese Aussage in nicht mal 20 Stunden revidiert

werden sollte.

Die Halbzeitpause wollte ich zur Entspannung

der Blase nutzen. Vorbei an den V.I.P. – und

Presseräumen (leere Räume, in denen einfach

Holzstühle standen) führte der Weg immer der

Nase nach. Der Weg die Treppen in die

Katakomben hinab war dunkler als im Hostel in

Athen und jede Stufe war schon als Pissoir

missbraucht. Ich habe ja wahrlich keine gute

Nase, was deren Riechfunktion betrifft, aber

dass einem hier vom reinen Gestank die Kotze

schon wieder im Anschlag saß, bekam sogar

ich mit. Als ich dann jedoch das eigentliche Klo

betrat, war auch mir klar, wieso sich alle bereits

vor diesem ihrer Notdurft entledigten. Ich weiß

nicht, ob es sich bei diesem um einen der

200.000 während der Diktaktur Enver Hoxhas

errichteten Bunker, ein Testfeld für

Atomwaffen oder einen im letzten Jahrtausend

stillgelegten Folterkeller handelte, das einzige

was nach Sanitäreinrichtungen aussah, war

jedenfalls eine völlig zerstörte Kloschüssel.

Zum reinurinieren taugte es aber auf jeden Fall

;-)

Der zweite Durchgang stand in Sachen

Intensität und Atmosphäre dem ersten in

nichts nach. Wenn der Schiri die Regeln streng

ausgelegt hätte, wäre auch nach 55 Minuten

Ende gewesen. Nach dem Platzverweis gegen

einen Gästespieler durfte er sich einige verbale

und handgreifliche Meinungsverschiedenheiten

anhören, wohl aus

Sicherheitsgründen beließ er es aber hier und

auch bei weiteren Tätlichkeiten höchstens

noch mit Zücken der gelben Karte. Den Sieg

feierten die Spieler vor ihren Fans mit

brennenden Bengalos (!), und wir zogen

einstimmig das Fazit, heute eine der oft

gesuchten und selten erlebten absoluten

Bomben gesehen zu haben. Dass es gut

werden könnte, war von Anfang klar; dass wir

jedoch solch einer intensiven und

stimmungsgeladenen Geschichte ausgesetzt

würden, konnte man so nicht erahnen.

Dementsprechend breitgrinsend kehrten wir in

ein traditionell albanisches Restaurant ein, das

sich im Endeffekt eher als Touriladen

entpuppte. Nur mäßig lecker wurden wir zwar

trotzdem satt, spätestens als MJ zur

Nachspeise jedoch völlig unbegründet einen

Lammkopf bestellte, wäre eh jeder noch

vorhandene Hunger verflogen gewesen. Das

zweimalige Signal der Mikrowelle in

Kombination mit dem angeekelten Gesicht der

Bedienung, als sie den in der Mitte gespaltenen

Schädel vor MJ auf den Tisch knallte, ließ

unsere Skepsis noch weiter ansteigen. Und das

Teil war vollständig erhalten, samt Gehirn,

Zähnen, Augen und Zunge. Letztgenannte soll

eine etwas feste Konsistenz haben, sonst aber

ganz lecker sein, die Bäckchen jedenfalls wären

eine Delikatesse. So zumindest die wenig

glaubhaften Aussagen unseres Gourmets. Das

dürfte so ziemlich das Widerlichste gewesen


sein, seitdem Ede vor Jahren in Vilnius einen

Teller frittierter Schlachtabfälle verspeiste.

Wenigstens besaß MJ im Gegensatz zu Ede

noch so viel Anstand, von der Order eines

Nachschlages abzusehen. Vernünftig ist er ja,

unser Lammkopf Millionaire.

Unsere Fassungslosigkeit bemerkte auch die

Dame im Service des von uns gleich

aufgesuchten Tirana Rock Cafe – der Tipp kam

natürlich von spottedbylocals – fragte sie uns

doch gleich, wo unser Spirit wäre. Nachdem

wir mehrere Stunden später die Getränkekarte

um Bacardi-Fanta erweitert hatten und zu viert

zu „Mexiko“ Pogo tanzten, kehrten wir die

Frage ins Gegenteil um. Das fünfte

Reisemitglied hatte zu diesem Zeitpunkt die

Lokalität schon längst verlassen. Als wir im

Morgengrauen die Tür unseres Zimmers

öffneten, bestätigen sich aufgrund der hier von

ihm engumschlungen liegenden 41jährigen

Amy die Gerüchte, dass auch der Länderpunkt

Albanien eingetütet wurde – oder auch nicht

(bääääm – ich feier mich gerade riesig für

dieses Wortspiel ).

Der nächste Tag begann mit der Begutachtung

der nachts entstandenen, mehr als eindeutigen

Portraits Amys, bevor es uns nach Durrës

verschlagen sollte. Die Busse für diese

Destination fahren gefühlt am anderen Ende

Albaniens ab, wodurch wir wieder einmal auf

eine Droschke zurückgreifen mussten, um zu

diesen zu gelangen. Dadurch kamen wir

wenigstens nochmals in den zweifelhaften

Genuss einer Sightseeing Tour durch Tirana,

führte die Route doch an allen sehenswerten

Punkten vorbei – welche das auch immer sein

mögen. Zwar ist Tirana schon seit grauer

Vorzeit besiedelt, war aber immer ein eher

unbedeutendes Kaff. Erst 1920 wurde es zur

Hauptstadt ernannt, wodurch eine

Bevölkerungsexplosion und erste

Modernisierungen entstanden. Nachdem die

deutschen und italienischen Invasoren 1944

besiegt und daraufhin von Enver Hoxha eine

kommunistische Diktatur errichtet wurde, die

u.a. 1967 im totalen Religionsverbot gipfelte,

wurden die meisten historischen Gebäude

zerstört, weshalb man heutzutage alte

Bausubstanzen vergeblich sucht. Dafür

kommen Freunde sozialistischer Prachtstraßen

und brutalistischer Architektur noch auf ihre

Kosten. Generell keine Schönheit, dieses

Tirana, aushalten ließ es sich aber ganz prima.

Am Busbahnhof herrschte dann ein Gewusel

wie auf dem Basar. Überall standen

Marktschreier, die die in bester Tetrismanier

eingeparkten Busse propagierten. Ich weiß ja

nicht, ob der gewöhnliche Albaner an seinem

freien Samstag mal so auf gut Glück an den

Busbahnhof geht und angelockt vom besten

Angebot einfach mal irgendwo hinfährt, ich

zumindest weiß im Vorfeld, wo ich mich hin

befördern lassen möchte. So saßen bzw.

standen wir auch kurze Zeit später für wenige

Lek (1.000 Lek = 7 €) im überfüllten Bus, dem

wir 30 km und 60 Minuten später in Albaniens

zweitgrößter Stadt (ca. 150.000, so genau weiß

das keiner. Für die Statistiker: Albanien selbst

hat um die 3Mio, Tirana gebe ich mal mit 500k

an, die offiziellen Angaben schwanken doch

gewaltig) und größtem Hafen. Diese

entpuppte sich im Zentrum als recht

ansehnlich. Ein schöner Hauptplatz, direkt

daneben die Überreste eine Amphitheaters aus

römischer Zeit (es soll auch noch weitere alte

Steine zu entdecken geben), dazu Meerblick

und an der Küste entlang angeblich schöne

Strände. Letztere sahen wir nicht, dafür schon

bald das Stadion des ortsansässigen

Fußballklubs KS Teuta. Dieses findet man nach

einem kleinen Fußmarsch direkt neben der

weithin bekannten „Klaus Bar“, die ihre

internationalen Gäste durch ein umfangreiches

Softdrinkangebot sowie frisches Bier

überzeugt. Wenn ein MJ trotz Kater,


Kopfschmerzen und Magen- und

Kreislaufproblemen seine Brühe nicht

austrinken mag, dann muss die entweder

schal, nur minimal zu warm oder wie in diesem

Fall extrem flockig sein. Wenigstens waren wir

so pünktlich zum Anpfiff im völlig

überdimensionierten Fußballtempel.

KS Teuta - KS Bylis Ballsh 1:0

300 Zuschauer (0 Gäste)

1. Liga Albanien, Sa. 05.03.16

Das sehr weitläufige Oval bietet Platz für

12.000 Zuschauer. Ich bezweifle allerdings,

dass sich hier in allen Veranstaltungen seit

Grundsteinlegung zusammen so viele Leute

eingefunden haben. Heute waren es wenige

Hundert, die das Spiel des Tabellendritten

gegen den Abstiegskandidaten aus Ballsh

sehen wollten. Eine Fanszene sucht man hier

so erfolgreich wie Niveau in Offenbach, die

fußballerische Qualität entsprach auch in etwa

der der Antisportler von diesem komischen

Hügel. Einzig das wandelnde Paradoxon – der

schwarze Stürmer mit der Nummer 88, der

trotz größter Chancen so viel Torgefahr

ausstrahlte wie die magische SGE ohne den

Fußballgott – sorgte für permanente

Erheiterung beim Blick auf das saftige Grün.

Von daher auch nicht weiter tragisch, dass ich

einen Teil des ersten Durchgangs nicht sehen

konnte, da mich meine Konfirmandenblase auf

die Suche nach einer geeigneten Notdurftstelle

trieb. Drei interviewte Ordner und zwei

umgedrehte Polizeibefragungen später war ich

der festen Überzeugung, dass die

Sanitäranlagen beim Bau des Stadions

vergessen wurden, so dass ich mich in eine

Kneipe gute 200 Meter vom Spielgeschehen

entfernt begeben musste. Nach meiner

Rückkehr änderte sich nichts, außer dass

irgendjemand die letzten vier pisswarmen

Büchsenbiere aufgetrieben hatte. Natürlich

drückt Pivo auch bei Chuck auf die Blase, sein

Toilettengang war aber nach kürzester Zeit

und vor allem im Inneren des Stadions erledigt.

Das war doch ein abgekatertes Spiel. Die

haben doch alle gemeinsame Sache gemacht,

um mich mal schön zum Affen zu machen.

Nach Abpfiff überzeugte ich mich selbst von

den im VIP Bereich liegenden Urinalen.

Spektakulärer als diese waren aber die auf dem

Weg dorthin passierten und jeder

Beschreibung spottenden Presse- und VIP-

Räume. Kleine leere Räume, zwei Stühle, ein

paar Kabel und sonst nix. Als wir abends die

Zusammenfassung des Spiels im Fernsehen

sahen, wunderten wir uns deshalb auch nicht

über die unsagbar schlechte Aufnahmequalität

der Bilder.

Den Abend wollten wir eigentlich auf der heute

stattfindenden Party in unserem Hostel


ausklingen lassen. Als wir unseren Thekenplatz

an der Rezeption jedoch verließen, um auf

diese zu gehen, zeugten nur noch Kotzhaufen

von einer vorher stattgefundenen Sause.

Trotzdem palaverten wir hier noch solange

über die Vernachlässigung vom Genitiv in der

deutschen Sprache bis der Bacardi leer und

seine Longdrink-Variante mit Fanta auf der

Getränkekarte aufgenommen war. Das

feuchtfröhliche lyrische Quartett – nein,

diesmal war es nicht MJ, der die Segel strich –

diskutierte noch in einer nahen Cocktailbar

weiter, ehe jeder seinen eigenen Weg ging.

Einen guten Abend erkennt man u.a. auch

daran, dass von vier Leuten vier eine andere

Heimkehrzeit angeben können.

Am frühen Morgen verabschiedete sich Fritz

von uns, dessen Flug einen Tag später ging und

der den zeitlichen Überfluss nutzte, um gen

Kosovo aufzubrechen und dort den inoffiziellen

Länderpunkt zu holen. Für uns bestand die

Tagesaufgabe lediglich darin, irgendwie zu

überleben. Bis wir aus den Betten geschmissen

wurden, hatte ich schon wieder eine annähernd

zweistellige Anzahl leider nur teilweise

gelungener Kotzversuche. Allerdings war es ja

auch so, dass wir aufgrund des Heimfluges nur

eine bestimmte Zeit im Bettel liegen bleiben

konnten, bevor wir – ähm ja – weiterzogen.

Von daher war jede Angst des Hostelpersonals

vor einer Überziehung unsererseits völlig

unbegründet ;-)

Völlig unbegründet wäre auch gewesen, am

Montag nach Landung Urlaub zu nehmen.

Stinkend brachte ich den Tag hinter mich,

später erfüllte ich meinem Körper den Wunsch

nach Vitaminen, Gemüse, Sport, Schlaf.

Furchtbar, so ein vorsätzlicher körperlicher

Raubbau. Das war’s von mir. Für den

krönenden Abschluss und das Highlight der

Ausgabe sorgt nochmals Ede. (Ö)

B

Werder Bremen II – VfB Stuttgart II 0:1

400 Zuschauer

3. Liga Deutschland, Di. 01.03.2016

ei der Paarung schnalzt jeder geneigte

Fußballinteressierte sicher mit der Zunge.

Aber wie schon bei der Tour über die iberische

Halbinsel erwähnt, waren nun mal

Semesterferien und was lag da näher, als diese

auszukosten. Da man der magischen SGE

auswärts aufgrund des Studiums aktuell fast

komplett den Rücken kehren muss, wollte ich

wenigstens den Trip nach Berlin nicht sausen

lassen. Etwas vorher die Spielpläne gewälzt

und so fiel die Entscheidung für ein

dienstägliches Spiel auf Bremen. Grund hierfür

war eigentlich, dass es einer der wenigen

3.Liga Grounds war, der mir noch fehlte.

Außerdem war es eine verheißungsvolle

Paarung, die mit klangvollen Namen, wie

Cacau, Verlaat und Hinkel (Co-Trainer VfB)

lockte. So wurde Dienstagvormittag der ICE

bestiegen und nach Umstiegen in Fulda und

Hannover war der Bremer Hbf, natürlich mit

Verspätung, erreicht. Zwischen Hannover und

Bremen verkehrt einer dieser neuen

doppelstöckigen IC-Zügen, die mitunter zu

gefallen wissen. Ansonsten verlief die Anreise

recht ereignislos. In Bremen dachte ich zu

allererst, ich wäre mitten in Ostfriesland

gelandet, da der vorherrschende Geruch am

Bahnsteig an ländliche Misthaufen und/oder

Gülle erinnerte. Also mal raus aus dem

Bahnhofsgebäude und zum Hostel. Das Hostel

war mit knapp über 20,-€ -wohlgemerkt für ein

10er Zimmer - die günstigste

Übernachtungsalternative. Dafür machte es

wenigstens einen guten Eindruck. Es war sehr

sauber, ganz nett eingerichtet und hatte alles

was man braucht. Nur das Personal war etwas


reserviert, die Einrichtung recht steril und die

Mitbewohner laut und sehr unlustig, wofür das

Hostel dann aber weniger etwas kann. Ich

machte mich dann erstmal auf den Weg nach

etwas Essbarem und wurde fündig beim Döner

2013, der von Bild-Lesern damals gewählt

wurde. Nachdem ich den Döner geordert und

vertilgt hatte, war ich zufrieden und man kann

den Döner durchaus bei den besseren

einordnen, mein Bester war es jedenfalls nicht.

Danach schaute ich mir die bekannten Bremer

Viertel und Sehenswürdigkeiten an. Die Zeit

bis Anpfiff noch mit zwei Bierchen

Totgeschlagen, und schwupps, schlug der

vorherrschende Nieselregen während meines

Kartenkaufs in Schnee um. So fiel meine Wahl

auf die einzige Kategorie, die ein Dach zu

bieten hatte. So begab ich mich in den mir

zustehenden Sektor und nahm einen

trockenen Platz ein. Bis zum Anpfiff waren es

noch einige Minuten, die sich ganz gut

anließen, da man den Ordnern bei ihren

Geschichtchen zuhören konnte und man sich

dabei doch manchmal kneifen musste, wenn

man diesen Schabernack hörte. Das sind ja

echt vom Labern her die geilsten Typen,

stehen dann aber für Mindestlohn, Würstchen