08.04.2020 Aufrufe

Kirchen zwischen Macht und Ohnmacht

Die christlichen Landeskirchen stehen wohl vor den grössten Herausforderungen seit ihrem Bestehen. In multireligiösen und weltanschaulich pluralen Gesellschaften erleidet ihre religiöse Deutungshoheit massive Einbussen, und sinkende Mitgliederzahlen machen ihnen zu schaffen. Gleichzeitig werden Kirchen gesellschaftliche Aufgaben zugestanden, die in einer Vielzahl von Gesetzen geregelt sind. Dazu gehört etwa die Ausübung von Seelsorge in Spitälern, Heimen und Gefängnissen. Kirchen bewegen sich zurzeit wahrlich zwischen Macht und Ohnmacht. Das Forum für Universität und Gesellschaft näherte sich der spezifischen Situation der christlichen Landeskirchen in der Schweiz mit einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe: Ausgehend von einer Einführungsveranstaltung zum aktuellen Zustand sowohl der reformierten wie der katholischen Kirche in der Schweiz wurden vier Schwerpunkte gesetzt: die herrschenden Verflechtungen von Kirchen und Staat; das Verhältnis von Kirchen und Wissenschaften; die sich wandelnde Bedeutung der Kirchen in der Gesellschaft und schliesslich die möglichen künftigen Rollen von Kirchen. Die Befunde und Ausblicke sind im vorliegenden Themenheft zusammengestellt.

Die christlichen Landeskirchen stehen wohl vor den grössten Herausforderungen seit ihrem Bestehen. In multireligiösen und weltanschaulich pluralen Gesellschaften erleidet ihre religiöse Deutungshoheit massive Einbussen, und sinkende Mitgliederzahlen machen ihnen zu schaffen. Gleichzeitig werden Kirchen gesellschaftliche Aufgaben zugestanden, die in einer Vielzahl von Gesetzen geregelt sind. Dazu gehört etwa die Ausübung von Seelsorge in Spitälern, Heimen und Gefängnissen. Kirchen bewegen sich zurzeit wahrlich zwischen Macht und Ohnmacht.
Das Forum für Universität und Gesellschaft näherte sich der spezifischen Situation der christlichen Landeskirchen in der Schweiz mit einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe: Ausgehend von einer Einführungsveranstaltung zum aktuellen Zustand sowohl der reformierten wie der katholischen Kirche in der Schweiz wurden vier Schwerpunkte gesetzt: die herrschenden Verflechtungen von Kirchen und Staat; das Verhältnis von Kirchen und Wissenschaften; die sich wandelnde Bedeutung der Kirchen in der Gesellschaft und schliesslich die möglichen künftigen Rollen von Kirchen.
Die Befunde und Ausblicke sind im vorliegenden Themenheft zusammengestellt.

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<strong>Kirchen</strong>umnutzungen konkret<br />

1<br />

Heiliggeistkirche Bern<br />

Baujahr | 1726 – 1729<br />

Konfession | Evangelisch-reformiert<br />

Umnutzungsart | Mischnutzung<br />

Mitten in der Stadt bietet die «offene kirche» einen<br />

Ort der Begegnung, Meditation <strong>und</strong> Raum für<br />

Ausstellungen <strong>und</strong> Konzerte. Die Heiliggeistkirche<br />

will eine für Menschen offene Kirche sein. Willkommen<br />

sind alle, die sich einem Moment der Ruhe<br />

<strong>und</strong> der Geborgenheit hingeben möchten. Oder<br />

ein Gegenüber für ein Gespräch suchen. Eine Kaffeeecke<br />

<strong>und</strong> Ausstellungen laden ein zum Verweilen.<br />

Die «offene kirche» organisiert ferner Konzerte,<br />

Vorträge <strong>und</strong> Diskussionsforen. Sie bietet Raum<br />

für spirituelle Erfahrungen. Der Verein «Offene<br />

Heiliggeistkirche» wurde im Jahr 2002 gegründet.<br />

2<br />

Neuapostolische Kirche Bern<br />

Baujahr | 1952<br />

Konfession | Neuapostolisch<br />

Umnutzungsart | Abriss<br />

Die sanierungsbedürftige neuapostolische Kirche<br />

an der Balderstrasse in Bern wurde 2009 verkauft<br />

<strong>und</strong> später abgerissen. Heute steht auf der Parzelle<br />

ein vom Architekturbüro atelier 5 errichtetes<br />

Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen.<br />

1<br />

2<br />

3<br />

Lukaskapelle Bern<br />

Baujahr | 1924<br />

Konfession | Evangelisch-methodistisch<br />

Umnutzungsart | Verkauf<br />

3<br />

Die im Jahr 1924 im Art déco-Stil erbaute Lukaskapelle in<br />

Bern diente der Evangelisch-methodistischen Gemeinde<br />

als Gotteshaus, bis sie 2010 zur Finanzierung des Umbaus<br />

der Zionskapelle in der Berner Altstadt verkauft wurde.<br />

Das Gebäude wurde 2014 zu einem Mehrfamilienhaus mit<br />

drei Wohnräumen umgebaut. Reminiszenzen an die einstige<br />

sakrale Nutzung wie das Kreuz auf dem Dach <strong>und</strong> die<br />

Inschrift wurden bewusst an ihrem Ursprungsort belassen.<br />

22<br />

Forum für Universität <strong>und</strong> Gesellschaft

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