Athleticker April 2020

landstrassler
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Der Athletik Schreib Klub war in den vergangenen Wochen nicht untätig – das Ergebnis ist eine neue Ausgabe des Athletickers. In dieser findet ihr unter anderem: Ein Interview mit den ASK-Sprühern, einen Zeitzeugenbericht der Auswärtsfahrt zu Banik Ostrava über den Eisernen Vorhang in die damals sozialistische Tschechoslowakei und die Entstehungsgeschichte des vielleicht beliebtesten schwarz-weißen Fangesangs. Und vieles mehr!

Aufgrund der besonderen Umstände sind die üblichen Vertriebswege vor einem Spiel natürlich ausgeschlossen. Wir haben daher entschieden, diese Ausgabe für alle online zu stellen – auch um die Langeweile in dieser seltsamen Zeit zu bekämpfen.

Wer die Ausgabe lieber in Händen halten will, kann sie auch als PDF-Datei downloaden und ausdrucken.

Unser Schaffen könnt ihr natürlich auch diesmal mit einem freiwilligen Betrag eurer Wahl honorieren:
IBAN: AT36 3400 0000 0286 2381
Kontoname: seit1908.at
Verwendungszweck: Athleticker

Da es bei dieser Ausgabe keine Druckkosten zu decken gibt, haben wir beschlossen, den gesamten Betrag einem karitativen Zweck zukommen zu lassen. Da in Krisenzeiten die Schwächsten der Gesellschaft immer am stärksten betroffen sind, werden wir den Erlös der „Arge für Obdachlose“ spenden.

Viel Spaß beim Lesen!

Athleticker

SoticktdieKurve

INTERVIEW MIT

DEM SPRÜHKLUB

OSTRAVAAWAY


Vorwort

3


DasAthletischeSchmuggler-Kartel.6

Interviewmitdem Sprühklub .8

PhilosophischeGedankenundso .21

Dekaden-Rückblick .26

Geburtsstunde .35

AthletischeSituationsKomik .38

MeinBlock:DerBecherwurf .40

Eskannnureinengeben .43

4


DasAthletischeSchmuggler-Kartel

D

iewestlichenMedienvermitelten BusüberStundenhinwegaufdenKopf

u unsdamalsSchreckenszenarienvon stelte,währendaleanderenVehikel

derGegendhinterm EisernenVorhang, durchgewunkenwurden.Zubeanstanden

waswohlauchderGrundfürdasgeringe gabesaberdanndochnichts,weshalbes

InteresederLASK-Fanswar,dieseReise irgendwanndochweiterging.Mirfiel

anzutreten.Am Endewarenesderen12,

dieeinAngebotdesVereinsannahmen,

mitderMannschaftim Busmitzufahren.

DerlegendäreFranzEnzenebner(„Ihrsats

ehordentlicheBurschen,setztseichhinten

hin,satsleiseunddannpastdes!“)übernahm

dieOrganisationderVisa-Anträge

undalerFormalitäten.FürdenAutor

dieserZeilenwurdedieReisezusätzlich

dadurcherschwert,daseralsZivildiener

eigentlichnichthäteinsAuslandreisen

dürfen,schongarnicht,ohnediesdem

Staatzumelden.DaderASKaber,damals

wieheute,überjeglicheVernunftstets

siegreichbleibt,wurdederRucksackgesatelt,derKompasaufNordengestelt,

derSchaleingepacktunddieReiseinsUn-

telüberdieGrenzebringen.Diegenauen

BestimmungenfürdieEinfuhrvonGüterwarenkannteichnicht,dasAthletbekanntekonntebeginnen.Nachdem

die

Schwarz-WeißendasHinspielzuhausemit scheSchmuggler-Kartelfeierteaber

2:0gewonnenhaten(5200Zuschauerauf einenErfolgunddieWarenwurdender

derGugl,darunter77Banik-Fans,dievon älterenDameerfolgreichübereicht,als

dersozialistischenRegierungeineAusreisegenehmigungerhaltenhaten),gingen

uns.EinweitererBusmitLASK-Fans

DankgabstschechischesPorzelanfür

wirmitvielSelbstvertraueninsRückspiel. warzwarangekündigt,kam jedochniein

DiesschienauchdietschechischeGrenzpolizeizuwisen,weshalbdieseunseren

6

nichtnurwegenmeiner„ilegalen“EinreiseeinSteinvom

Herzen,auchmuste

ichfürdieOmaeinerFreundininOstravadiverseLebensmitelundGenusmit-

Ostravaan.Wasmitdiesem geschahund

obdieInsasennochheuteinirgendei-


nem HäfnindertschechischenPrärie Banikversetzen(hoho)undinder85.

vegetieren,istnichtbekannt.VonderStadt MinutegelangChristianLehermayrdas

warenwirpositivüberascht,hatenwir vielumjubelte1:0.Nachdem SpielbelagertenvielejungeBurschenunserenBus

dochstetsdasBilddergrauen,tristensozialistischenStadtvermiteltbekommen.

um Netigkeitenauszutauschen,alerdingsim

wörtlichenSinne:siewolten

Statdesenstandenwiraufeinem wunderschönen,lebendigenStadtplatz,dersichin

SchalstauschenundsichvondenSpie

seinerForm bisheutekaum veränderte. lernAutogrammeholen.AndereZeiten,

Außerdem wareninderganzenStadtverteiltAnkündigungsplakatezusehen,die

zwischenPerserteppich,Balonsei-

andereSiten.Sohängtwohlnochheute,

derBevölkerungdasSpielgegen„LASK de-Trainingsanzügenausden1980er-Jah-

renundeinem SchalvonBanikOstrava,

Linec“anpriesen.DasSpielselbstwar

langeZeitziemlichausgeglichen,auchein einSchaldesgloreichenLinzerASKin

ominöserFlutlichtausfal(eswurdever einermährischenWohnstube.DerAuf-

mutet,dasdieserabsichtlichherbeigeführtwurde)konntedieAthletikernichtistiegbescherteunsinRunde2dieInteristi–derRestistGeschichte.

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DieJungsvom Athletik-Sprühklub

ZurdamaligenZeitbefandsichdieFanszene,genauergesagtdieUltraszene

unsererKurve,im generelenUmbruch.Grundsätzlichhatsichniemandder

damalsaktivenPersonenmitStreetartbzw.Grafitibeschäftigt.Erstalsdann

einaltbekanntesGesichtdenWegzurückindieSzenefand,nahm dasInteresezu,dasichdiesePersonwährendihrerAbwesenheithauptsächlichinden

KreisenderLinzerGrafitiszenebewegte.Soführteeinszum anderenund

eineHandvolJungsversuchtenhieranfangsmiteherkleinerenErfolgserlebnisenetwasaufzubauen.

Im GroßenundGanzenisthierschoneinehergroßerSpagatzuerkennen.Es

sindebenbeidesgrundlegendverschiedeneSubkulturen,welchealerdings

ihrengemeinsamenNennerdarinfinden,dassichsehrstarkim Untergrund

bewegtwirdundmanderÖfentlichkeitbzw.denMedienundderStaatsmachtgegenübereherkritischauftrit.WirpersönlichversuchendenSpagat,

im VergleichzumanchanderenFanszenen,sogeringwiemöglichzuhalten.

WasdieBeziehungzum LASKselbstangehtmöchtenwirklarstelen,das

derGroßteilunsereGruppenichtalsUltraoderSprayer,sondernalsLASK

Fanatikergeborenwurde.

LichtinsDunkelzubringenistbeiunserem Lifestylewohlehernichtsehr

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atsam.Wirkönnenalerdingsveraten,dasmanmitCheckern,KameraleutenundaktivenMalernsozwischen13und12Mitgliederfast.

EineeinfacheFrage,welchesichsehrgutmitderalgemeinenAnhängerstrukturdesLASKerklärenläst.WiediebreiteMaseanLASKFans,sind

auchdieLeuteunsererGruppenichtnurinLinzwohnhaft,sondernaufden

gesamtenZentralraum verteilt.Klaristtrotzdem,dassichunsereAktivitäten

natürlichvorwiegendaufdieLandeshauptstadtkonzentrieren.Alerdingsgibt

esgenügendSituationen,indenenmannichtmehrextraseinKraftfahrzeug

besteigenwil,sondernjustdennächstgelegenenSpotanvisiert.

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WersichschonschonlängermitderSzeneinLinzauseinandergesetzthat,

derweißdasdiesevoreinpaarJahrzehntenwohleinedergrößtenunseres

Landeswar.InunsererAnfangszeitwardannbisauf1-2vereinzelteSprayer

aberquasikeineAktivitätvorhanden.Nichtwenigebehaupten,das

durchunserePräsenzwiederLebenindieLinzerSzenegekommenseiund

sichdieseseitgutzweiJahrenaufkonstantem Vormarschbefinde.

Beides,daKunstimmerim AugedesBetrachtersliegt.Alerdingsistunsdie

öfentlicheWahrnehmungunsererWerkeziemlichegal.Essolsicheinfach

jedermannseineigenesBilddavonmachenundseineeigeneMeinungbilden.

EineFrage,diesichbeiunserentäglichenAktivitätensehreinfachbeantwortenläst–FTP!

SowirklicherwischthatesindenletztenJahrenniemandenvonuns,was

wohlauchanteilsjahrelangerVorerfahrunginderSzeneliegt.Trotzdem darf

manbeidem waswirmachenniemalsvoneinerhundertprozentigenSicherheitausgehen.Sokam

esbeispielsweiseschonzum einoderanderenKatz

undMausSpielchenmitdenörtlichenKapperlständern.Malkam esgarzur

AbgabevonWarnschüsenseitenseineswohlpsychischerkranktenWafennars.Außerdem

kommtesschonmalalepaarMonatevor,dasmanessich

zwangsweiseüberNachtim Wald,Kelerodersonstwogemütlichmachen

mus,um nichterwischtzuwerden.

Wirwurdenbeim SprühenaufeineLärmschutzwandanderA1beiAnsfelden

vonderExekutiveüberascht,aufeinmalisteinPolizeiautoquasidirekt

hinterunsgestanden.WirsinddanndurcheinenNotausganggeflüchtet,darüberwurdeauchinMedienberichtet.Wasdortalerdingsnichtzulesenwar:

EinjungerundofensichtlichübermotivierterKiwaraistunsvieleMeter

nachgesprintet,erhatunsnachgeschrien"stehenbleiben,oderichschieße".

WirhieltendasnatürlichfüreinenBlufundsindnatürlichweitergelaufen,

1


Dieskönnenwirunswohlselbstnichtwirklichbeantworten.Mankannmit

Stolzbehaupten,daswohlkeinedieserDefinitionenim nüchternenZustand

geborenwurde.(lacht)

13


H

elesTageslichtbegrüßtmeinen

Geist.DieDuschebesiegeltmeine

SehnsuchtnachSchlafundbugsiertmich

nachdraußen.Dastehichnun.Der

ausdenLautsprechernvonjenerStimme,

GesangderVögelmachtdie9°zu14und diejederLinzerirgendwiekennt.Ichfahr

ichkonzentrieremichaufdasInhalieren zueinem altenFreund.EinletztesMal

derLuft.EndlichwiederGerücheinder dasFöhngeräusch,eheichdieStraßensei-

LuftundendlichwiederLeben.Danngeh

tewechsleunddiesenseltsamen,aber

ichlos.Diewenigübriggebliebenen, dochwunderschönbesinnlichenOrtbetrete.„DerTodistderGrenzsteindes

braun-grauenBläterkadaverküsen

meineSchuheundwinselnum Gerechtigkeit.ZurgleichenZeitabergebärenihre

(einen)Steingemeißelt.Ichgeheganz

Lebens,abernichtderLiebe“,stehtin

Baumverästelungenbereitsihrefarbvollen,lebensfrischenNachfahren.EinBlat

bleibtklebenundsiehtwiesichSchrit

fürSchriteinerderletztenmitStreusalz

kontaminiertenKieselsteineindieGummisohlebohrtundsteckenbleibt.

Altenbergerstraße,33er.DasGeräusch

desBuseserinnertmicheinwenigandie

altenFöhnautomatenim Schwimmbad.

Ichliebediealten,orange-weißenLinz

AG-Buse.InSchulschwänzerzeitenhab

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ichStundendarinverbrachtundwarwohl

damitderbequemsteStreunerderStadt.

„NächsterHalt:UrnenhainUrfahr“,tönt


langsam undversuchejedenMomentaufzunehmen.DieMaiglöckchenaufund

nebendenGräbernunddienervenberuhigendeStile,diedurchdasVögelzwitscherngarnochstimulierenderwirkt.

Balsam fürHirnundSeele.Wasfürein

Ort.SovieleNamenmitsovielenJahres

zahlenbeidenenichmirbeifastjedem

immerdasAlterausrechne.Vorm Stein

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Vom BordsteinbiszurSkyline

DerAuftaktdesJahrzehntsstandfürdengeneigtenLASKlaganzim VorzeichendessichanbahnendenLinzerFrühlings,deranalogzujenem

derAraber

statfindensolte.DiediktatorischeFührungspitzenichtlängerduldenwollend,entschiedmansichdazu,dieersteHalbzeitdesAuftaktspielszuboykottieren.Nebendem

süßenDuftderbeginnendenRevolutiondurftesichdieerprobteLinzerSpürnaseaberaucham

Odeurvonreichlichabgebranntem Magnesium

erfreuen,leitetedieangebrocheneDekadedoch–dem Verbotswahn

derdamaligaktivenInnenmitzizum Trotz–dievereinsübergreifendeKampagne„PyrotechnikistkeinVerbrechen“ein.Aufdem

Rasengingesnicht

minderheißzurSacheundsowurdederKontrahentausWien-Hüteldorfaus

dem OvalkatapultiertunddarüberhinausauchderTabelenführungentledigt.

TurbulenterBeginnineinimmerturbulenterwerdendesJahrzehnt!

45Minutenwarengespieltbeim SaisonauftaktinWienerNeustadt.Zwischenbilanz:VierElfmeter,zweiPlatzverweise,fünfGegentore.DasgutgemeinteVorhabeneiniger,ReneAufhauserundKonsortenausnächsterNähe

mitzuteilen,wiemandenMagna-GigantenvieleichtdochnochindieKnie

zwingenkönnte,stießseitensderStaatsgewaltjedochaufwenigGegenliebe.

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Sosahmansichgezwungen,dieMotivationsanspracheHelmut,dem Kräftigenzuüberlasen.Gebrachthatśwenig:dasDebakelim

Hexenkeseldes

späteren„TeddybärenundPlüsch“-StadionsstehtsinnbildlichfürdiegesamtenAbstiegsaison.

SobiterderGeschmackdesAbstiegsauchwar,sobotdieserzumindestdie

GelegenheitderGenugtuung,dem Stadtrivaleneinmalmehrseineeigenen

Grenzenaufzeigenzukönnen.InungewohnterSphäredesOvalsließman

vonAnfangankeineZweifelofen,werinunsererStadtdasSzepterinnehat,

auchwennmansichaufdem Rasenmiteinem Punktbegnügensolte.Das

dieMachtverschiebungenim LaufedesJahrzehntsimmermehrzueinem GewaltmonopoldesGloreichenbishinzum

algemeinenSelbstverständnis

einerschwarz-weißenHegemonialmachtführensolten,istausheutigerSicht

unstritig.Umsoerfreulichererscheintdaherim Rückblick,dasderselbsternannteStadtvereinauchinZeiteneinesstrauchelndenAthletiksportklubsselbigem

niedasWaserreichenkonnte.Damalswieheute,inLinznurwir!

DerbereitsinderVorwochezerstörtenTitelträumezum Trotz,machtesich

derdem MasochismusfrönendeLinzerPöbelperDoppeldecker-Autobusauf

dieReiseinsLavantal.DieAngstvorebenjenernahendenplünderndenund

brandschatzendenMeuteversetztedieörtlicheOrdnungshutinAusnahmezustand.Nachdem

GerüchtenzufolgebereitssämtlicheFrauenundKinderevakuiertwordenwaren,beschlosman,denindieProvinzeinfalendenPlebs

gänzlichvom Stadionbesuchabzuhalten.Statdesensolteeinmehrstündiges

Meet& GreetinklusiveFotoshootingundDatenaustauschunterkärntnerischem

Freilufthimmelabgehaltenwerden,welchesdem GrosderBusbesatzungalerdingsmisfiel.DasicheinsolchesEventjedochnichtvonselbstfinanziert,fandmanalsTeilnehmerderFestlichkeitenWochenspätereinLiquidationschreibenseitensdesVeranstaltersim

heimischenBriefkasten.

Am sportlichenTiefpunktderVereinsgeschichteangekommenundaufden

dörflichenSportplätzenderNationEinzuggenommen,schwandauchdasmedialeIntereseam

Gloreichenimmermehr.Dem galtesmitalenMiteln

undWegenentgegenzuwirkenundhierfürbotsichdasGastspielbeiderUVB

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Vöcklamarktan.Dabereitsim Vorfeldabsehbarwar,dasmansichauf

SeitendesHeimpublikumsmitfremdenFedernschmückenwürde,ergrif

mandieMöglichkeit,diebeschaulicheMarktgemeindedergebaltenStahlstädterAsozialitätauszusetzen.„FansdesLASKverbreiteteninVöcklamarkt

AngstundSchrecken“titelteeinerenommierteöstereichischeTageszeitung

tagsdarauf.Pflichterfült.

DasLeobeneingutesPflasterfürAufstiegsfeierlichkeitenbietet,haten

NiklasHohenederundCo.bereits2007festgestelt.SechsJahrespäterpilgertemanwiederum

zahlreichindieObersteiermarkum erneutGeschichtezu

schreiben,wenngleichininadäquaterLiga.Im GegensatzzudenAufstiegsheldenvergangenerTage,gingmanaberwesentlichnervenschonendervor

undließvonBeginnankeineZweifelam AusgangderPartie.Alsmannach

Schluspfifam regendurchtränktenSpielfeldinpurerEkstasedieheiligen

Farbenhochlebenließ,erschienderbloßeGedanke,dasdasZweitkonstrukt

ausFuschlam SeeinderdaraufolgendenWochenochzueinem Stolperstein

werdenkönnte,wieblankeBlasphemie.DasdieASK-Floteim Hochwaser

dernächstenTagedennochregelrechtunterging,markierteinenweiteren

SchicksalschlagdesJahrzehnts.

KlarerHeimsieggegendieZweitmannschaftirgendeinesVereinsausdem

SüdenÖstereichsinderdrithöchstenSpielklase.EinzunächstrelativunspektakuläranmutendesEreignis,dasbeigenauerem

HinsehenzudenemotionalstenMomentendesJahrzehntsgehört.DasletzteSpieldesKalenderjahres

warindenKöpfenvielergleichbedeutendmitdem womöglichletztenSpiel

desVereins.DasletzteSpieldiesesVereins,denmankennenundlieben

lernendurfte.DiesesVereins,dem manbisindieletztenWinkelndesLandes

gefolgtwar.DiesesVereins,desenFarbenmanmitunbändigem StolzWoche

fürWocherepräsentierthate.DiesesVereins,derfüretlichevonunssoviel

mehralsnureinFußbalklubgewordenwar.Dasindenkommenden

WochenundMonatenalesanderskommensolteunddasEndederDiktatur

bereitsnahte,erscheintsomanchem im Rückblickwomöglichgeradezusurreal.Anjenem

tristenAbendim Novemberabergingesjedem lediglich

darum,aleszugebenunddenheiligenFarbenzuhuldigen.Einalerletztes

Mal.

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SchondreiTagezuvormiteinerTausendschaftindiepannonischenLande

gereist,um Schwarz-Weißzum erstenPasusim Relegationsrennenzupeitschen,solteinderHeimatnundieVolendungstatfindenunddasdunkle

Kapitel„Regionaliga“desLASK-KompendiumszuEndegebrachtwerden.

FünfsteligerZuschauerandrangim Oval,derStolzderStadtunddesBundeslandsbegannauchdieMasenwiederzubewegen.Um

derDramaturgiedes

Ganzengerechtzuwerden,mustejedochbisindieNachspielzeitgezitert

werden,ehemansichnachSchluspfifderendgültigenEkstasehingeben

konnte.DerersteSchritwargeschaft,dernächstesoltenochfolgen!

GroßwardieVorfreudeaufdasersteAuswärtspielbeim Originalausder

Mozartstadt,wenngleichvorabbereitsfeststand,dasdiePartienichtinselbigerausgetragenwerdenwürde.DasKuriositätenkabinetderöstereichischen

Bundesligasolteabernocheinendraufsetzen,wodurchsichdieSalzburger

Austriaschließlichgezwungensah,inWien-Floridsdorfum Asylanzusuchen.

DasdiePartiezualem Überdrusauchnochaneinem Dienstagabendangesetztwar,rundetedieBizareriegänzlichab.Davonunbeeindrucktmobili

siertemanim RahmenderMöglichkeitenundschluginpasablerAnzahlam

FAC-Platzauf.RetrospektivlästsichdasTraditionsdueljedenfalsmehrob

derwidrigenRahmenbedingungen,dennaufgrunddereigenensportlichen

DominanzalsHighlightderetwasanderenArtundWeisedesabgelaufenen

Jahrzehntseingliedern.

DerFreitagder13.giltim VolksglaubenalseinTag,andem besondersviele

Unglückepasierenkönnen.DieirationaleFurchtvoreinem Freitagdem 13.

wirdauchalsParaskavedekatriaphobiebezeichnet.DiesePhobiekannim

Einzelfalsoweitführen,dasdavonbetrofenePersonengeplanteReisen

undTermineabsagenodersichaneinem Freitag,dem 13.nichtausdem Bet

trauen.DadergeneigteLASKlajedochbekanntlichjeglichenparaskavedekatriaphobischenEmpfindungentrotztunderstrechtnichtgewiltist,vongeplantenReisenabzulasen,roltedieASK-Armadanachmitagsplangemäß

aufdieAutobahnauf.NiederöstereichsResidenzmetropolesolteeingenommenundderenanderBimbo-Binder-PromenadebeheimateterFußbalverein

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einerReise,dieimmernochlangenichtvorüberwar!

LinzerASKinternational!WasimmernochwieeinentfernterTraum klingt,

auswelchem manam bestenniewiederzuerwachenbeabsichtigt,istmitlerweilezurgängigenPraxismutiert.DasersteGastspielaufinternationalem

ParketseitknappzweiDekadenreihtsichdennochindiesesSammelsurium

vonGeschichtenein,mitdenenmancheinerseinenKindernundKindeskindernnochindenOhrenliegenwird.EswardieBelohnungfüreineganzeGenerationSchwarz-Weißer,diediesenTagseitgefühltenÄonenherbeigesehnt

hate.DementsprechendwurdendieFaktorenKostenundMüheweitgehend

ignoriertum denWegnachNorwegeninAngrifzunehmend,egalobauf

Rädern,mitelsEisenbahnoderquerdurchsHimmelsgewölbe.Sofandsich

schließlichaucheinestatlicheAnzahlim lokalenStädtchendergleichnamigenKommuneLilestrøm

ein.DaderAufstiegpraktischschoninderVorwocheeindrucksvolereichtwurde,galtesinersterLinie,diestahlstädtische

Emphaseauchaufinternationalem Gefildezuversprühenunddem gesamten

Kontinentzuveranschaulichen,dasmanzurückwar.DieHeldenaufdem

RasentatenihrÜbrigesundsorgtenfüreinerundum perfekteEuropacup-Reise.Dieerstevonbereitsjetztvielenunvergeslichen.Immerweiter,ASK!

MüstemanfürdiesesSpielunddieseReiseWortefinden,gingenwohl

selbstRamsesI.dieSuperlativeaus.Damitistfreilichnichtdersichmehr

undmehrzurVereinslegendespielendegleichnamigeVerteidigergemeint,

sonderntatsächlichjenerägyptischeHerscher,deralsPharaoderSuperlative

indieGeschichteeinging.PerBuskonvoimachtesichdieMajoritätder

LASKlaaufdenWegindieStadtam Dreiländereckim westlichenNachbarland.LießendieGrenzbeamteneinenkurzzeitigam

rechtzeitigenEreichen

desJoggelizweifeln,konntederParkzuSt.JakobschlusendlichmitreichlichZeit,bengalischenFeuernsowiegeöltenStimmbändernbetretenwerden.

FreundschaftlicheVerflechtungenindiegäubschwarzeHauptstadtder

Schweizverliehendem SpielzusätzlicheWürze.DasmangegendenehemaligenSerienmeisteraufdem

PapierkraserAußenseiterzuseinschien,widerlegtendieJungsaufdem

Rasenschnelundeindrucksvolundauchim Seto

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eOspitierheltennichtnurbesagteFackelndenBaslerNachthimmel,sondernauchdasGrinsenhunderterMitgereister.DaauchdasRückspielinLinz

ineindrucksvolerManiergewonnenwurde,warbereitseineWochespäter

GeorgFriedrichHändels„ZadokThePriest“inabgewandelterForm aufder

Guglzuhören.DergemeineFußbalfankenntdiesesWerkeherals„ChampionsLeagueHymne“.

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DieGeburtsstundeeines

lyrischenMeisterwerks

„EntstandenistderGesang2010beim 4:2-AuswärtsiegderLASKAmateure

gegenVorwärtsSteyr.WichtigistaberauchdieVorgeschichte.EineWoche

vordem SpielinSteyrhabendieLASKAmateureaufderVerbandsanlage

gegenNeuhofenum denMeistertitelgespielt,damalswarennochklanghafte

NamenwieGernotTraunerbeidenAmateuren.LeiderhabensiedasSpiel

nurunentschiedengespieltundnichtwiefürdenTitelnötiggewonnenund

sinddannalebetrübtam Rasengesesen.Dannbinichundeinanderer,wir

hatenschonrechtGasgegeben,runtergelaufenundwoltensieaufmuntern.

WirhabendenSpielerndannversprochen,daswirdieWochedraufzum

AuswärtspielnachSteyrmitfahren.DerGernotTraunerhatmirseinTrikot

versprochen,wennwirdaswirklichmachen.Sohammasdannauchgemacht,

wirhatenehschonimmervor,damalhinzufahren.DamalswarderTrauner

nochnichtsoeinbekannterSuperstarwieheuteundnochAkademie-Spieler,

wobeierjabisheutesehrbodenständiggebliebenist.DasWetereineWoche

draufinSteyrwardanneinabsoluterTraum,eswarsonnig,wirsindmitdem

ZugruntergefahrenundhabenrichtigGasgegeben,eswareinHaufenLeute

dabeivonunsereraltenPartie,BoysLentiaundso,eswarechtleiwand.Weil

dasWetersoschönwarundwireineklasePartiewaren,habenwirjede

MengeCola-Weißkonsumiertundwasessonstnochsogegebenhatam Vorwärts-Platz.DieStimmungwurdedannimmerbeser.InderzweitenHalbzeit

irgendwannwarmeineeigeneStimmungdannderartiggut,dasichmich

dazuberufengefühlthabe,eineMengeneueFangesängezukreierenundeinfachirgendwas,wassichreimtundzueinerbekanntenMelodiepast,anzu

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schreien.DannsinddieerstenLeuteschonzumirhergekommenundhaben

mirgesagt,„seiendlichmalruhig,hörauf,dastdairgendwelcheneuen

Sachenerfindest,dasergibtaleskeinenSinn,dasisteinSchwachsinn,wir

haltendasnichtmehraus.“Ichwurdehaltmehrmalsdraufhingewiesen,das

ichendlichmaleineRuhegebensol.IrgendwannistmirdannaberGotsei

Dankwaseingefalen,waswirklichwitzigwar,unddaswar„Wirsinddie

Jungsvom ASK,dem geilstenKlubderWelt“.Dannhab‘ichhaltinmeinem

Zustandüberlegt,wassichdaraufreimt,daistmirzuerstnixgescheiteseingefalen.Wirhatenzudiesem

ZeitpunktnimmervielGeldeingesteckt,sind

oberkörperfreidagestandenundwarenschonrechtgutdabei,dannhabich

mirgedacht:Dareimtsichdochgutdrauf„Wirsindasozial,undwirham‘

keinGeld.“Dannwarenalediemichvorherzurechtgewiesenhabenauf

einmaltotalerstauntundhabengemeint,„he,endlichistdirmalwasleiwandeseingefalen.“WirhabendenGesangdannnocheinpaarmalangestimmt

beidem Spiel.Alsesauswar,sindwiraleaufdenRasenruntergestürmt,

weileshaltdasletzteSpielderSaisonwar,derTraunerhatmirdanndasversprocheneDresgegeben.Danachwarenwirdannmiteinem

ordentlichen

HaufeninSteyrfort,habenweitergesofenunddanndenZugversäumt,dann

mustenwirnochbisachtinderFrühinSteyrbleiben,bisunswer,denwir

zufäligkennengelernthaben,zum Bahnhofgeführthat.Zuerstwarder

Gesanggarnichtsobeliebt,ichweißgarnedwarum undwiesoderdann

letztendlichmitderZeitdochsoeingeschlagenhat.Jetztinternationalgegen

Alkmaarbeim AufstieginsEL-Achtelfinalewarseinfachire,dahatdas

ganzeStadionmitgeschrien,sogarim VIP-ClubdaGruber.Ichfind‘esist

einfachawitzigeScheibeundrepräsentiertdenLASKgut,obwohlnedale

asozialsindundvielesichereinGeldhaben.Manchehingegennicht.Vom

Sandlerbiszum hohenTiersingenhaltalemitundhabeneinenSpaß,im

Stadionsindwirjaalegleich,im Stadionwirdnedunterschiedenzwischen

AnzughosenträgernundJogginghosenträgern,dasindwiraleLASKla.Das

istgeil.“

37


komik

38


39


F

olgendeSituationkommtwohl

vielenbekanntvor,diewöchentlich

dieFusbalstadienderNationaufsuchen,um

sichanderspielerischenEleganzdesLinzerASKzulabenund

dabeiPlätzeaufdenvorderenReihen

derTribüneeinnehmen:espasiertdas

vonalensehnlichstErwartete,derBal

zappeltim Netz.Ekstase,einpures

GlücksgefühlflutetdenKörperundfür

einenMomentsindaleProblemedieser

Weltverschwunden.Mankönnte

meinen,dieserAugenblickwärenicht

zuzerstören.Fast.Dennoftholteinen

dieRealitätalsflüsigerSchwal,der

wahlweiseKopf,NackenoderRücken WocheeventuelnochKrankenstand-

benetzt,schnelerein,alseinem liebist. stagezuverbrauchen,diemanfüret-

waigeinternationaleAuswärtsfahrten

Bierduschensindsicherlichingewisen

SituationeneinfesterBestandteilunseresKulturaumes,beispielsweisewenn

jedervonunsdaselbeZiel:den

sparenwolte.Desweiterenhatwohl

einbekannterMünchnerFusbalverein gloreichenLinzerASKbestmöglich

diedeutscheBundesligagewinntund zum nächstenSiegzusupporten.

feiert,indem sichSpielerundFunktio-

DasBierduschenausden

näregegenseitigmitWeißbierausüber-

dimensionalenGläsernübergießenund

dasganzedabeiaufGoProśfesthalten,

damitauchdieNachweltüberdiegespieltenEmotionennachdem

fünfzigstenMeistertitelinFolgestaunenkann.

41

AuchwenneinFusbalstadionals

subkulturelerOrtseinenBesucherin

einwenigerengesVerhaltenskorset

zwängensolte,alsesdieGepflogenheitendernormalenGeselschafttun,

soltemansichdochdarüberim

Klarensein,dasmandasWerfen

seinesBierbechersausmehreren

GründenaufeinMinimum reduzierensolte:besondersindenkalten

Winter-undHerbstmonatenistesfür

dieGetrofenenalesandereals

angenehm,ineinerdurchnästen

JackedasrestlicheSpielzugenießen,

um danninderdaraufolgenden

eigenenReihendabeidasGemeinschaftsgefühlnichtunbedingtstärken,bedarfwohlkeinerweiteren

Erklärung.AuchdieEntsorgung

direktaufdasFeldsteltdesöfteren

eineOptionfürPersonendar,die


ihresGetränkebechersüberdrüsiggewordensind.Daselbedachtesichauchein

Faneinesmehroderwenigerbekannten

GrazerFusbalvereinsbeim Europa

LeagueQualifikationspielgegenAEK

Larnaca,alsernach„4Bierund3Mische“

lichmehralsfragwürdig,aberleiderRealitätim

irsinnigenStrafenkatalogdes

europäischenFusbalverbandes).Das

auchdieseVariantederBecherentsor-

gungkeineVorteilefürjeglicheBeteilig-

tebringt,istdamitwohlauchklar.Zu

seinevierteMischeinRichtungFeld guterLetztnochderwichtigstealer

segelnließ.DasErgebniswareneinver-

Gründe:manschütetganzeinfachkein

letzterLinienrichter,3Monateunbedingte Bierweg.

HaftundeinGeisterspielfürdenHeimverein(warum

einganzesStadionfürdieTat

einesEinzelnenbezahlenmusistnatür

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Athletickeroder„balesterer“?

Eskannnureinengeben

V

ormitlerweilemehrals20Jahren 2017erschienen,erzieltdasProdukt

wurdedieersteAusgabedes„bales-

mitlerweileeinegeradezuexplodierenterer“gedruckt–wirklichgutwaresudeAuflageundkonstantsteigendeAn-

dasMedium abernochniebestelt.„Fizeigenumsätze.DiejährlicheMedienanalysebescheinigtdem

AthletickeraunanzielistdasHeftseit20JahreneinBalanceact“,gibtmansogarselbstaufdereißerdem

besondershoheVertrauenswer-

genenWebsitezu.Weiteristdortzulesen:

„WirwoltenvonderKommerzialisierung

desFußbalsnieprofitieren,sondernkritischübersieberichten.“Im

MilionengeschäftFußbalseiesdenRedakteuren

immerwichtigergewesen,unabhängigzu

schreiben,alseineAnzeigemehrim Heft

zuhaben.„MitsolchennaivenTräumereienistnatürlichkeinseriösesGeschäftsmo

delvereinbar“,erklärtMedienexperteund

JournalismusforscherDr.Dr.Eduard

Hummel.„InZeitendeskriselndenPrintjournalismusundsinkendenAnzeigenpreisenhatderBalesterereindeutigverpast,

stärkeraufdisruptiveTechnologienzu

setzen,denGapzum Rezipientenzu

closenundOnline-Contentstärkerzumonetarisieren“,sagter.„Außerdem

haben

dienichtmaleinenNewsroom unddas

Redaktionsteam solstinkfaulsein“,fügt

Hummelhinzu.Ganzandersisteshingegenum

denAthletickerbestelt.Erstmals

teundeineengeBindungzurLeser

schaft.Zusätzlichzeigenunabhängige

Analysen,dasderAthletickereine

überdurchschnitlichhoheAnzahlfür

InserentenbesondersinteresanteMeinungsbildnerundEntscheiderereicht.

„Ichwürdesagen–undzudieserEinschätzungbinichohnejeglichenDruck,

finanzieleLeistungenoderverlockende

Gegenschäftegekommen–dasder

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Athletickerinseinem SegmentinalenBereichenabsolutneueMaßstäbesetztungenenAthletickerüberlaufenwerden.„In

Inserentenzum inalenBelangenüberle-

dieZukunftvonPrintist“,analysiert diesem Segmentkannesnatürlichnur

Hummel.Grundfürdenüberwältigenden einengebenundQualitätsetztsicheben

Erfolgseivoralem dasTeam hinterdem durch“,sagtHummel.

Athleticker.„IchhabeselteneineAnsammlungansovielenRedakteurenmidem

ausMitleidGeldschenkenwil,

Werdiesem sterbendenMedium trotz-

derartigenintelektuelenundkreativen kanndiesunterIBANAT1420111842

Kapazitätengesehen“,sagtHummel. 47196900tun,aufbalesterer.ateinAbo

Fürdenohnehinschwerangeschlagenen bestelenoderMitgliedim „balesterer

„balesterer“kommtderAufstiegdesAthletickersnatürlichzum

ungünstigstenZeit-

supportersclub“werden.

punkt.UnabhängigeExpertenrechnen

damit,dasnunauchdieletztenLeserund

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