Bildrausch Filmfest Basel 7, Katalog 2017

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Bildrausch Filmfest Basel 7, Katalog 2017

7. BILDRAUSCH

FILMFEST BASEL

21.06.— 25.06.17


PROGRAMMÜBERSICHT 2-3

EDITORIAL 4

CUTTING EDGE 5-33

INTERNATIONALER

WETTBEWERB

TERENCE 34-49

DAVIES

PAST AND PASSION

TERESA 50-63

VILLAVERDE

FRAGILER PUNK

SPECIALS

BILL VIOLA: THE ROAD TO ST. PAUL'S 64-65

BILL VIOLA: REFLECTIONS 66-69

INSYRIATED 70-71

MR. LONG 72-73

THE WOMAN WHO LEFT 74-75

TONY CONRAD:

COMPLETELY IN PRESENT 76-77

TONY CONRAD: LOOKING AT MUSIC 78-81

TONY CONRAD & LARY7 82-83

TALKS, EVENTS UND PODIEN 84-91

RUND UM BILDRAUSCH 92-96

DANK 118-121

FESTIVALINFORMATIONEN 122-123

IMPRESSUM 124


4

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EDITORIAL

Auch im siebten Jahr gilt: Bildrausch ist Ekstase,

Emotion und Elixier (auch gegen populistische Vereinfachungen).

Denn Bildrausch-Werke erkunden das

Leben, das eigene und das der anderen; sie spüren

die Gefühle auf, die sozialen und politischen Verstrickungen

des heutigen Individuums. Sie führen vor

Augen, wie es rebelliert und sich behauptet – mitunter

zerbricht oder sich befreit. So entstehen Filme von

provozierend-authentischer Qualität und wahrhaftiger

Schönheit, die notwendiger denn je sind in diesen

Zeiten des postfaktischen Scheins!

Genau diese Stärke findet sich in den Filmen von Terence

Davies und Teresa Villaverde, die wir heuer mit

einer Hommage ehren. Und sie vereint auch die Werke

des Wettbewerbs, von denen unsere Internationale

Jury mit Lav Diaz, Monika Willi und Ilse Hughan am

Sonntag eines besonders herausheben wird.

Kraft dieser Qualität bietet das vollgepackte Programm

an fünf Festivaltagen eine geballte Ladung

an Emotionen und Einsichten. Der amerikanische

Crossover-Künstler Tony Conrad (der post mortem

an Bildrausch nochmals auf der Leinwand und in

Konzerten aufleben wird) bringt auf den Punkt, was

das Grossartige an solchen Kunst-Erfahrungen ist:

‹«Das gehört mir! Das ist meine Erfahrung.› – Und

das kann dir niemand abkaufen. Niemand kann dich

davon abhalten, diese Erfahrung zu machen. »

Geben Sie sich also hin, tauchen sie ein und nehmen

Sie möglichst viel für sich mit. Das siebte Fest für die

Filmkunst möge beginnen!

Am Sonntagabend, 25. Juni, vergibt die Jury den

Bildrausch-Ring der Filmkunst in Verbindung mit

einer Preissumme von CHF 3000 an den Schöpfer

oder die Schöpferin des besten Bildrausch-Films.

LAV DIAZ (*1958, Philippinen): Der herausragendste

Vertreter des aktuellen

philippinischen Kinos bezeichnet sich

gerne als Geschichtenerzähler und Wahrheitssucher.

Ihn interessieren die einfachen

Landsleute, ihr Überlebenskampf

und ihre Widerstandskraft im Spiegel

der Geschichte und der Erfahrungen einer von Kolonialismus

und Diktatur geprägten Gesellschaft.

Ein weiterer wichtiger Bezugspunkt ist für Diaz die

Literatur. So diente Tolstois Novelle «Gott sieht die

Wahrheit, aber er wartet» beispielsweise als Inspiration

für The Woman Who Left (2016). Die Schönheit seiner

epischen, zumeist mehrstündigen Filme entfaltet

sich in der Dauer, wenn er in ruhigen Einstellungen

Geheimnisse menschlicher Existenz und deren moralische

Komplexität fassbar macht. Diaz arbeitet

vornehmlich mit Laiendarstellern. Selber nimmt er

nicht nur die Rolle des Regisseurs, sondern immer

wieder auch die des Drehbuchautors, Produzenten,

Cutters, Kameramanns, Komponisten, Production

Designers und Schauspielers ein. Seine Werke wurden

vielfach ausgezeichnet: jüngst The Woman Who Left

mit einem Goldenen Löwen an den Internationalen

Festspielen von Venedig, 2014 From What Is Before

mit einem Goldenen Leoparden am Internationalen

Filmfestival von Locarno.

CUTTING EDGE

Beat Schneider, Nicole Reinhard


6

7

ILSE HUGHAN (geb. in Amsterdam)

studiert Französisch und Italienisch und

fasst als Übersetzerin im Filmgeschäft

Fuss. Als Produktionsassistentin, Regisseurin

und Editorin ist sie an zahlreichen

Produktionen beteiligt, bevor sie 2002

den 1909 von ihrem Grossvater Jean Desmet

gegründeten Verleih und World Sales Fortuna

Films übernimmt. Hughan hat ein Gespür für visuell,

starkes, eigensinniges Kino und legt den Fokus der

Firma auf die Produktion unabhängigen Filmschaffens

in Südamerika. Sie arbeitet eng mit Lisandro

Alonso, dem formalen Erneuerer des argentinischen

Kinos, zusammen. Seit 2002 produziert sie alle seine

Filme – darunter die vielfach prämierten Arbeiten

Los muertos (2004) und Jauja (2014). Auch sein neustes

Fimprojekt Sangre wird von Ilse Hughan betreut. Sie

zeichnet auch für die Produktion von Filmen der

beiden jungen Filmemacherinnen Paz Encina und

Milagros Mumenthaler verantwortlich: Paraguayan

Hammock (Paraguay) läuft 2006 in der Sektion Un

certain regard in Cannes, Abrir puertas y ventanas

(Argentinien, Schweiz, Niederlande) gewinnt 2011

am Filmfestival in Locarno den Goldenen Leoparden.

Speziell zur Förderung junger Filmschaffender hat

sie zusammen mit Violeta Bava den ersten Koproduktionsmarkt

Südamerikas, das Buenos Aires Lab,

BAL / Bafici gegründet. Hughan ist zudem Mitglied

der Auswahlkommission des Hubert Bals Fund am

Internationalen Filmfestival in Rotterdam.

MONIKA WILLI (*1968, Innsbruck) tritt

als eine der bekanntesten österreichischen

Schnittmeisterinnen mit dem Film

Untitled (2001) zum ersten Mal als Co-

Regisseurin in Erscheinung. Als Michael

Glawogger bei den Dreharbeiten für sein

letztes Filmprojekt auf tragische Weise

stirbt, hinterlässt er eine klaffende Leerstelle – aber

auch einen Schatz von über 70 Stunden Filmmaterial

von einer Reise über den Balkan, Nordwest- und

Westafrika bis Liberia. Willi nimmt sich dessen mit

Zweifel und Respekt an und komponiert ein Werk, das

gleichermassen die Handschrift Glawoggers wie die

ihrige trägt. Neben früheren Werken von Glawogger

hat die angesehene Cutterin mit ihrer Präzision und

ihrem Gefühl für den Atem der filmischen Erzählung

preisgekrönte Werke von Michael Haneke, Barbara

Albert oder von Josef Hader geprägt. Darunter etwa

Michael Hanekes Amour (2012) oder La Pianiste (2001).

Für Das weisse Band (2009) von Michael Haneke und

Thank you for Bombing (2017) von Barbara Eder wird

sie von der Filmstiftung NRW mit dem Preis für den

besten Schnitt ausgezeichnet. Ebenfalls ist sie zweifache

Gewinnerin des Österreichischen Filmpreises:

im Jahr 2013 mit Die Lebenden von Barbara Albert und

2017 mit Thank you for Bombing, Barbara Eder.

CUTTING EDGE


Nur sieben ihrer fast 1800 Gedichte wurden zu

ihren Lebzeiten veröffentlicht; sie selbst mied die

Gesellschaft, lebte im Haus ihrer Familie in Amherst,

Massachusetts, zurückgezogen in ihrem Zimmer, für

sich. Inzwischen weiss die Welt freilich, wer Emily

Dickinson (1830–1886) war, sie weiss um den Beitrag

der US-amerikanischen Dichterin, die aus ihren überschaubaren

Verhältnissen einen lyrischen Kosmos

schöpfte. Enge und Weite prägen A Quiet Passion

wie Atemzüge; ein An- und Abschwellen auch der

Auseinandersetzungen, denn immer wieder hat Miss

Dickinson sich zu verteidigen – ihren privaten Raum,

ihre Moral, ihren Seelenfrieden, ihre Lyrik – gegen die

Zudringlichkeiten der Wohlmeinenden. Und Terence

Davies – dem Bildrausch dieses Jahr eine Hommage

widmet – setzt ihr in seiner meisterlichen Künstlerbiografie

ein Denkmal; von allem Kitsch befreit,

meilenweit entfernt von naturpoetischer Gefühligkeit

oder pietistischer Schwärmerei oder auch nur

ausstatterischer Opulenz, gänzlich konzentriert auf

den schaffenden Charakter einer Schreibenden. Die

wiederum Cynthia Nixon mit unversöhnlicher Präzision

und immer wieder aufbrausender Schärfe zum

Leben erweckt. Eine kühle Distanz herrscht in diesem

Film und ein loderndes Feuer, eine tiefe Leidenschaft

in grosser Stille. (as)

. A Quiet Passion (A Quiet Passion)

. Grossbritannien, Belgien 2016

. 124 Min. Farbe. DCP. E/d

. Regie, Buch: Terence Davies

. Kamera: Florian Hoffmeister

. Schnitt: Pia Di Ciaula

. Mit Cynthia Nixon, Jennifer Ehle,

Keith Carradine, Emma Bell

. Produzenten: Roy Boulder,

Sol Papadopoulos

. Kontakt: Double Dutch

International, Los Angeles,

www.doubledutchinternational.com

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SA 24.6. 19:15

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Terence Davies

SO 25.6. 10:30

Stadtkino Basel

A QUIET PASSION


Während Pinochets Militärdiktatur soll Adriana

Rivas, die in Australien lebende Lieblingstante der

jungen Filmemacherin, für die berüchtigte Geheimpolizei

DINA gearbeitet haben. Im Jahr 2007 wird sie

bei einem Besuch ihrer Familie verhaftet, kommt aber

wieder frei. Sie beteuert ihre Unschuld, sie sei weder an

Verhören noch Folterungen beteiligt gewesen. Orozco

will ihr gerne glauben, beginnt zu recherchieren –

und kommt in Teufels Küche. Ihr dokumentarisches

Projekt, das als Materialsammlung für den Beweis der

Unschuld Rivasʼ geplant war (der in Chile der Prozess

wegen Beihilfe zum Massenmord droht), wandelt sich

in den Kampf einer Nachgeborenen um die Wahrheit,

der zunehmend erbitterte und verzweifelte Züge annimmt.

In Gesprächen mit Ariana via Skype sowie mit

Familienmitgliedern, ehemaligen Kolleginnen Rivasʼ

und Zeitzeugen vor Ort stösst Orozco auf die allerorten

herrschende Verdrängung und Verleugnung

der chilenischen Vergangenheit und ihrer zahllosen

Opfer. Adriana’s Pact ist ein mit wenig Geld und einfachen

Mitteln entstandener Debütfilm; zugleich ein

erschütterndes Dokument, das den auch persönlich

hohen Preis eines Bemühens um Aufklärung und

Bewältigung zeigt. (as)

. Adriana’s Pact (El pacto de Adriana)

. Chile 2017

. 96 Min. Farbe, DCP. Esp, E/e

. Regie, Buch: Lissette Orozco

. Kamera: Julio Zúñiga, Daniela Ibaceta,

Brian Martínez

. Schnitt: Melisa Miranda

. Musik: Santiago Farah

. Produzenten: Gabriela Sandoval,

Carlos Núñez, Benjamin Band

. Kontakt: Meikincine, Buenos Aires,

www.mekincine.com

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FR 23.6. 10:00

Stadtkino Basel

Öffentliche Schul- und Pressevorstellung

In Anwesenheit von Lissette Orozco

SA 24.6. 17:00

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Lissette Orozco

ADRIANA'S PACT


Ali wurde vor Kurzem aus einem Waisenhaus

entlassen und sucht nun jenes Mädchen, von dem er

glaubt, es sei seine Schwester: Zuhal. Die nun wird von

ihrem Ziehvater, der sie bald zur Zweitfrau machen

will, wie eine Gefangene gehalten ... Klingt wie ein

Noir-Thriller, sieht so aus, fühlt sich so an – bis Big Big

World einen Haken schlägt, den man nicht kommen

sah: Ali findet Zuhal, Blut fliesst, mit einem Mal sind

sie auf der Flucht ... Und plötzlich verwandelt sich

der Film in eine Art zart-dunklen Feentraum, ein

Märchen von zwei Kindern, die auszogen, in einem

Zaubersumpf das Leben zu lernen ... Reha Erdem ist

der eigensinnigste Gegenwartsfilmemacher der Türkei,

zudem der einzige von Weltrang, dessen Ästhetik

verwurzelt ist in einer lokalen, leicht surrealistisch

grundierten Moderne. Wie schon Times and Winds

(2006), Cosmos (2010) oder Jîn (2013) hat auch Big Big

World etwas Schwebend-, fast Flüchtig-Ätherisches

in seiner Inszenierung, das die Gravitas der Fabel,

die Mächtigkeit ihrer Symbole auf immer wieder

verblüffende Weise austariert. Was fast schon zu verkopft

klingt angesichts der schieren haptischen Wucht

des Films – des Furors, mit dem er einen in einsame

Abgründe und herrliche Höhen reisst. (om)

. Big Big World (Koca Dünya)

. Türkei 2016

. 101 Min. Farbe. DCP. Tr/e

. Regie, Buch: Reha Erdem

. Kamera: Florent Herry

. Musik: Nils Frahm

. Mit Berke Karaer, Ecem Uzen,

Melisa Akman, Ayta Sözeri

. Produzent: Ömer Atay

. Kontakt: Picture Tree

International, Berlin,

www.picturetree-international.com

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FR 23.6. 12:15

Stadtkino Basel

SO 25.6. 14:45

Stadtkino Basel

BIG BIG WORLD


Casting ist ein improvisierter Fernsehfilm, der

vom Casting für ein Fernsehfilm-Remake von Rainer

Werner Fassbinders berühmtem Liebesmelodrama

Die bitteren Tränen der Petra von Kant handelt. Der

erfolgreiche Schauspieler Andreas Lust gibt darin

den erfolg- und arbeitslosen Schauspieler Gerwin,

der sich als Anspielpartner verdingt. Das heisst, dass

er in Vertretung des bereits gecasteten männlichen

Hauptdarstellers den Schauspielerinnen, die sich um

die weibliche Hauptrolle bewerben, die Stichworte

gibt. Während sich nun in Probeaufnahmen eine ganze

Reihe hochkarätiger deutschsprachiger Miminnen

um den Zuschlag bemüht, verzweifelt das Team im

Hintergrund an den reichlich verblasenen Ansprüchen

der Regisseurin und droht die ganze Produktion auseinander

zu fallen. Da wittert Gerwin seine Chance.

Mit Casting gelingt Wackerbarth - 1973 in München

geboren, ausgebildeter Schauspieler und Regisseur,

Mitherausgeber der Filmzeitschrift Revolver, Dozent,

Kurator und Autor – eine vielfach schillernde, mehrbödige

Tragikomödie, die nicht nur von den Nöten

arbeitssuchender KünstlerInnen erzählt, sondern

auch den kreativen Prozess der Rollenerarbeitung

dokumentiert. Wobei die beim Vorgang des Castings

wirksamen komplexen emotionalen Gemengelagen

die Fassbinder-Vorlage spiegeln. (as)

. Casting

. Deutschland 2017

. 91 Min. Farbe. DCP. D/e

. Regie, Buch: Nicolas Wackerbarth

. Kamera: Jürgen Carle

. Schnittt: Saskia Metten

. Mit Andreas Lust,

Judith Engel, Ursina Lardi,

Andrea Sawatzki

. Produzentin: Franziska Specht

. Kontakt: The Match Factory,

Berlin, www.thematchfactory.de

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MI 21.6. 18:00

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Nicolas

Wackerbarth und Andreas Lust

MI 21.6. 19:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Nicolas

Wackerbarth und Andreas Lust

CASTING


Von der tiefen Erschöpfung, die das Verarmen und

der Verlust von Perspektiven mit sich bringen, mithin

vom Leben im von Wirtschaftskrisen geschüttelten

(Süd-)Europa, erzählt Teresa Villaverde in ihrem klar

strukturierten Film Colo. Dabei nutzt sie die leuchtenden

Farben des portugiesischen Sommers zu kontrastierendem

Effekt: Denn es mag die Sonne noch so sehr

vom blauen Himmel strahlen, in den Gemütern der

Protagonisten herrscht der Untergang. Der Vater ist

arbeitslos, die Mutter findet sich mit ihren beiden Jobs

am Rande ihrer Kräfte, und Teenager-Tochter Marta

lässt sich ratlos treiben. Der unaufhaltsame soziale

Abstieg dieser Mittelschichtskernfamilie – bald schon

kann man sich die hübsche Wohnung, deren stilvolle

Einrichtung vom vergangenen Wohlstand zeugt, nicht

mehr leisten – setzt Zerfallsprozesse in Gang und ein

allmähliches Versiegen von Sprache und Vertrauen.

Es ist eine zerstörerische Reduktion, die die 1966 in

Lissabon geborene Drehbuchautorin, Regisseurin

und Produzentin – 1998 mit The Mutants international

bekannt geworden – mit langen Takes, präziser

Kadrage und genau getakteten Fahrten ästhetisch

überhöht. In konzentrierter Ruhe schafft Villaverde

eine filmische Struktur von grosser Schönheit – und

macht darin einen die Persönlichkeit zerfressenden

Mechanismus sichtbar. (as)

COLO

. Colo

. Portugal, Frankreich 2017

. 136 Min. Farbe. DCP. P/e

. Regie, Buch: Teresa Villaverde

. Kamera: Acácio de Almeida

. Musik: Robert Schumann,

Noël Akchoté,

Dimitri Shostakowitsch,

Tomás Gomes

. Mit Joao Pedro Vaz,

Alice Albergaria Borges,

Beatriz Batarda, Clara Jost

. Produzentin: Teresa Villaverde

. Kontakt: Films Boutique, Berlin,

www.filmsboutique.com

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DO 22.6. 09:30

Stadtkino Basel

Öffentliche Schul- und

Pressevorstellung

SA 24.6. 16:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von

Teresa Villaverde


Zwei Leben in der Schwebe. Während um sie

herum alle ins Erwachsenenleben aufbrechen, sorgt

sich Casey um ihre ehemals drogensüchtige Mutter

und wagt nicht, Pläne für ihre eigene Zukunft zu

schmieden. Jin hingegen muss in Korea alles stehen

und liegen lassen, um seinem in den USA schwer

erkrankten, entfremdeten Vater beizustehen. Casey

und Jin begegnen einander in Columbus, Indiana,

einer relativ kleinen Stadt, die gleichwohl weltweit

für ihre ikonografische Architektur der Moderne

wie für ihre Kunst im öffentlichen Raum gerühmt

wird. Casey zeigt Jin ihre liebsten Gebäude, und Jin

zeigt Casey, wie man loslässt. Mit Columbus legt der in

Seoul geborene Kogonada (ein Pseudonym und eine

Reminiszenz an Ozus Drehbuchautor Kogo Noda),

der bislang als Videoessayist und Filmjournalist tätig

war, einen beeindruckenden Erstling vor. Ein dicht

gewobenes, narratives Geflecht, in dem die Gebäude

durch den Blick, den die Protagonisten auf sie richten,

den Status von Handlungsträgern erlangen. Und in

dem umgekehrt der umbaute Raum den in ihrem

Leben unbehausten Menschen Trost und Zuversicht

vermittelt: Die klare Linie des architektonischen Gedankens

vermag das undurchschaubare Gewirr des

Gefühls zu besänftigen. Nicht zuletzt, weil Ordnung

und Chaos gleichermassen im Menschlichen wurzeln.

(as)

. Columbus (Columbus)

. USA 2017

. 101 Min. Farbe. DCP. E/d

. Regie, Buch, Schnitt: Kogonada

. Kamera: Elisha Christian

. Musik: Hammock

. Mit John Cho, Parker Posey,

Haley Lu Richardson,

Michelle Forbes

. Produzenten: Danielle

Renfrew Behrens,

Chris Weitz, Andrew Boyd

. Kontakt: Visit Films, Brooklyn,

NY, www.visitfilms.com

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DO 22.6. 21:15

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Kogonada,

Moderation: Andreas Ruby,

Direktor S AM

FR 23.6. 16:45

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Kogonada

COLUMBUS


Manchmal hat man im Kino wie im Leben keine

Wahl. Man sieht und hört, was sich auf der Leinwand

abspielt, ist bewegt und entsetzt zugleich und kann

sich dem Sog dennoch nicht entziehen, der von den

Bildern und Stimmen ausgeht, die einem gegenüberstehen.

Wie in dem streng reduzierten, stilisierten

Dokumentarfilm Devil's Freedom, in dem sowohl

Opfer als auch Täter beschreiben, wie eng sich die

mit dem ewigen Drogenkrieg verknüpfte Gewalt

bis heute gnadenlos auf das Leben der Menschen in

Mexiko auswirkt: unter ihnen zwei Mädchen, die sich

erinnern, wie die Mutter vor ihren Augen erschossen

wurde. Oder der junge Mann, der bereits im Kindesalter

seinen ersten Mord verübt hat und weiss, dass es

für ihn längst kein Zurück mehr gibt. Was sie vereint,

sind die hautfarbenen Masken, hinter denen sie ihre

Identität verbergen. Denn vor seiner Kamera, gibt der

mexikanische Regisseur schnell zu verstehen, sind

sie alle gleich, ohne Wertung und ohne Kommentar.

Everardo González (*1971), der heute zu den wichtigsten

lateinamerikanischen Dokumentarfilmern zählt,

richtet in seinen Arbeiten stets den Blick darauf, den

unzähligen Gesichtern des Grauens in seiner Heimat

Mexiko auf die Spur zu kommen. Mit Devil's Freedom

ist ihm ein zutiefst menschliches

Portrait des Schreckens gelungen. (as)

. Devil’s Freedom

(La libertad del diablo)

. Mexiko 2017

. 74 Min. Farbe. HDCP. Esp/e

. Regie, Buch: Everardo González

. Kamera: María Secco

. Schnitt: Paloma López Carrillo

. Musik: Quincas Moreira

. Produzenten: Robert Garza,

Inna Payán

. Kontakt: Films Boutique, Berlin,

www.filmsboutique.com

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DO 22.6. 12:30

Stadtkino Basel

Öffentliche Schul- und

Pressevorstellung

In Anwesenheit von Everardo González

SO 25.6. 17:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Everardo González

DEVIL’S FREEDOM


«Denk ich an Deutschland in der Nacht,

dann bin ich um den Schlaf gebracht», dichtete

Heinrich Heine 1843. Heine trieben Sehnsucht

und Sorgen um, Romuald Karmakar schlägt in

seinem aktuellen Film, dem Heines Gedicht den

Titel gibt, eine alternative Erklärung für Schlaflosigkeit

vor: den kollektiven Rausch endloser

Raves, befeuert vom unablässigen, rhythmischen

Hämmern der Beats. Nach 196 bpm (2002),

Between the Devil and the Wide Blue Sea (2005)

und Villalobos (2009) ist If I think of Germany at

night die vierte Annäherung des renommierten

Autorenfilmers und Dokumentaristen Karmakar

an Techno, artverwandte Stile und die Tradition

der elektronischen Musik in Deutschland.

Fünf Protagonisten der Szene – Ata Macias,

Roman Flügel, David Moufang, Ricardo Villalobos

und Sonja Moonear – erzählen von ihrer

Arbeit und kommen ins Philosophieren. Karmakar

hört ihnen zu und zeigt sie im Studio,

im Club und auf der Bühne. In den Gesprächen

offenbaren sich die Musiker mit grosser Ernsthaftigkeit,

während die Dancefloor-Szenen die

unterschiedlichen Sounds zu angenehm ausgiebiger

Geltung bringen. Und die Nacht wird zum

Tag auf die allerschönste Weise, tanzend. (as)

. IF I THINK OF GERMANY

AT NIGHT (Denk ich an

Deutschland in der Nacht)

. Deutschland 2017

. 100 Min. Farbe. DCP. D, F/e

. Regie, Buch: Romuald Karmakar

. Kamera: Frank Griebe

. Schnitt: Robert Thomann,

Anne Fabini

. Sound Design: Matthias Lempert

. Produzenten: Andro Steinborn,

Stephan Holl

. Kontakt: Rapid Eye Movies, Köln,

www.rapideyemovies.de

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FR 23.6. 22:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von

Romuald Karmakar

SA 24.6. 12:30

Stadtkino Basel

IF I THINK OF

GERMANY AT NIGHT


Julian Radlmaiers Besuch des Bildrausch

2014, seine Begegnung hier mit dem Proust des

modernen Kinos, Nils Malmros, hat offenbar

Spuren hinterlassen: Mit Self-Criticism of a Bourgeois

Dog hat er seinen DFFB-Abschlussfilm als

Variante eines autobiografischen Spiels realisiert.

Radlmaier gibt den Jungregisseur Julian, der

auch noch bei der winzigsten Förderung abblitzt,

ins Hartz-IV-Fegefeuer rutscht und sich nun

als Apfelpflücker verdingen muss. Kompliziert

wird's, als er sich in eine kanadische Schöne verknallt

und ihr weismacht, dass er bei der Ernte

zwecks Recherche für einen kommunistischen

Märchenfilm mitarbeitet. Zu nicht weniger als

existenziell-ideologischen Krisen kommt's gar,

als ihm im Laufe der Arbeitszeit klar wird, was

das Wort «Klassenantagonismus» so ganz wirklich

meint. Aber da ist ja auch noch das Kino, wo

andere Regeln geltend gemacht werden dürfen ...

Und so entstand mit Self-Criticism of a Bourgeois

Dog im Spannungsfeld von Pasolini, Beckett und

Chaplin exakt jener verschroben-komische, formal

kokett strenge kommunistische Märchenfilm,

den Radlmaiers Alter Ego Julian dauernd

weiterspintisiert, um nicht die Wahrheit über

sein trübes Dasein sagen zu müssen. (om)

. Self-Criticism of a Bourgeois Dog

(Selbstkritik eines

bürgerlichen Hundes)

. Deutschland 2017

. 99 Min. Farbe. DCP. D,E/e

. Regie, Buch: Julian Radlmaier

. Kamera: Markus Korb

. Schnitt: Julian Radlmaier

. Ton: Kai Ziarkowski

. Mit Julian Radlmaier,

Deragh Campbell,

Kyung-Taek Lie, Beniamin Forti

. Produzent: Kirill Krasockiy

. Kontakt: Faktura Film, Berlin,

www.fakturafilm.de

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DO 22.6. 21:15

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von

Julian Radlmaier

SA 24.6. 10:00

Stadtkino Basel

SELF-CRITICISM

OF A BOURGEOIS DOG


Als Nam Chul-woo am Morgen in aller Früh das

Haus verlässt, ahnt er noch nicht, dass am Abend

nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Der

nordkoreanische Fischer wirft sein Netz seit Jahren im

Grenzgebiet zum Süden aus, doch an diesem Tag ist

der Strom des Flusses gegen ihn. Als sich das Netz in

der Motorschraube verklemmt, treibt er unaufhaltsam

ab ins feindliche Gewässer und wird dort von den südkoreanischen

Grenzposten prompt als vermeintlicher

Spion verhaftet und einer erwartungsgemäss unsanften

Befragung unterworfen. Je länger Nam sich den

Fragen und Torturen der feindlichen Behörden stellen

muss, wird ihm bewusst, dass, selbst wenn ihm die

Heimkehr gelingen sollte, er am Ende als zerrissener

Mensch aus der Grauzone zwischen Schein und Sein

zurückkehren wird. Dem gerne als Enfant Terrible

des koreanischen Kinos gefeierten Kim Ki-duk ist mit

The Net ein sanft wütender Spionagethriller gelungen,

der in seinem Kern so schlicht ist wie prekär. Anders

als in seinen bisherigen Arbeiten, die stets zwischen

exzessiver Brutalität und stilisierter Ästhetik changierten,

gibt sich der 56-jährige Provokateur diesmal

überraschend bodenständig, wenn auch nur, um der

inneren Pein seiner Bilder dadurch grösseren Raum

zu schaffen. (pj)

THE NET

. The Net (Geumul)

. Südkorea 2016

. 114 Min. Farbe. DCP. Kor/e

. Regie, Buch: Kim Ki-duk

. Kamera: Kim Ki-duk

. Schnitt: Park Min-sun

. Musik: Park Young-min

. Mit Ryoo Seung-bum,

Lee Won-gun, Kim Young-min,

Choi Guy-hwa

. Produzent: Kim Soon-mo

. Kontakt: Finecut, Seoul,

www.finecut.co.kr

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FR 23.6. 19:15

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Kim Ki-duk

SA 24.6. 10:00

kult.kino atelier


Eine Party soll es werden. Der Sekt steht bereit,

die Gäste, eine kleine Runde enger Freunde, finden

sich zusammen: Ein Hoch auf Janet, die zur Gesundheitsministerin

des Schattenkabinetts der Oppositionspartei

ernannt worden ist! Dann aber lässt Janets

Mann eine Bombe platzen und die Laune ist beim

Teufel. Sie war ohnehin zuvor schon nicht die beste,

Spannungen lagen in der Luft, Untertöne waren zu

vernehmen und in den Blicken liess sich manches

lesen. Missgunst? Misstrauen? Missstimmung? Auf

jeden Fall! Und noch viel mehr! Was beginnt wie ein

bissiges Boulevardstück, hat sich mir nichts, dir nichts

in eine beissende Tragikomödie gewandelt, wobei die

tonalen Wechsel zwischen Dur und Moll, zwischen

Satire, Ironie, Sarkasmus und Zynismus unvorhersehbar

bleiben und daher immer überraschend sind.

Mit The Party inszeniert die renommierte englische

Filmemacherin Sally Potter nach eigenem Drehbuch

meisterlich ein Kammerspiel in Schwarzweiss, das

von seinen scharfzüngigen Dialogen lebt sowie von

einer hochkarätigen Besetzung – darunter ein Koksentfesselter

Cillian Murphy und eine beängstigend

treffsichere Patricia Clarkson , die damit Kämpfe ausfechtet:

den alltäglichen zwischen Mann und Frau und

den politischen zwischen Pragmatik und Idealismus.

Ein böses Vergnügen. (as)

. The Party

. Grossbritannien 2017

. 71 Min. sw. DCP. E/d

. Regie, Buch: Sally Potter

. Kamera: Alexey Rodionov

. Musik: Junicri Matsumoto

. Mit Patricia Clarkson, Bruno

Ganz, Cherry Jones, Kristin

Scott Thomas, Timothy Spall

. Produzenten: Christopher

Sheppard, Kurban Kassam

. Kontakt: Filmcoopi AG, Zürich,

www.filmcoopi.ch

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SA 24.6. 21:30

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Bruno Ganz

SO 25.6. 12:30

kult.kino atelier

THE PARTY


Wie beschreibt man am besten einen Film, über

den weniger zu wissen am Ende mehr ist? The Untamed

ist so ein wundersamer Fall, bei dem jeder

Versuch einer genaueren Wiedergabe scheitern muss.

Dabei beginnt alles noch relativ harmlos: Alejandra

lebt unglücklich mit ihrem Ehemann Angel und den

gemeinsamen zwei Söhnen in der öden mexikanischen

Provinz Guanajuato. Er kann sie im Bett nicht

befriedigen und sucht für sich selbst seine sexuelle Erleichterung

lieber bei ihrem schwulen Bruder Fabien.

Doch die Dinge scheinen erst dann wirklich aus dem

Ruder zu laufen, als eine junge Frau namens Veronika

in der Stadt auftaucht, die Fabien eine völlig neue

lustvolle Erfahrung verspricht. Der junge Mexikaner

Amat Escalante machte zuletzt 2013 mit seinem von

atemberaubender Gewalt durchzogenen Film Heli international

auf sich aufmerksam. In The Untamed lässt

er diesmal Sozialdrama und Fantasy so eindrücklich

und nahtlos ineinander übergehen, dass man Mühe hat,

sich dem Sog seines verstörenden, mitunter surreal

anmutenden Schauspiels zu entziehen. Kühn, reuelos

und mit einem Gespür für subtilen Humor, beweist

sich Escalante einmal mehr als unkonventioneller Regisseur,

der sein Publikum gleichermassen zu fordern

und zu unterhalten versteht. (pj)

. The Untamed (La región salvaje)

. Mexiko, Dänemark, Frankreich,

Deutschland, Schweiz 2016

. 100 Min. Farbe. DCP. Esp/e

. Regie, Buch: Amat Escalante

. Kamera: Manuel Alberto Claro

. Schnitt: Fernando De La Peza

. Mit Ruth Ramos, Simone Bucio,

Jesús Meza, Edén Vilavivencio

. Produzenten: Jamal Zeinal Zade,

Jim Stark, Dan Wechsler

. Kontakt: Bord Cadre, Genf,

www.bordcadrefilms.com

31

DO 22.6. 17:00

kult.kino atelier

SA 24.6. 14:00

kult.kino atelier

THE UNTAMED


Sein 54. Lebensjahr hindurch wollte Michael Glawogger

einmal die Erde umkreisen, dabei ein Werk

schaffen – von dem er nicht wusste, wie es aussehen

würde. Anders als seine früheren, weltumspannenden

Dokumentarfilme Megacities (1997), Workingman’s

Death (2005) und Whores’ Glory (2011) sollte dieser

kein Thema verfolgen. Themen lassen einen immer

nur das sehen und hören, was man brauchen kann –

so geht dem Kino unendlich viel verloren. Mit dem

Projekt Untitled wollte er sich den Kontinenten und

Völkern ausliefern, ein Werk aus dem Gefühl des Augenblicks

heraus schaffen. Nach rund einem Drittel

des Weges, am Ende des ersten Hauptreisestücks,

Afrika, verstarb Michael Glawogger an den Folgen

einer Malariainfektion. Der einzige Mensch, der aus

den bis dahin aufgenommenen Bildern und Tönen

etwas in seinem Sinne Erregend-Bestürzend-Geistvoll-Würdiges

würde schaffen können, war seine

langjährige Schnittmeisterin und Vertraute Monika

Willi. Mit Bildern u.a. kriegsversehrter Geisterstädte,

stolzer Ringer, Diamantensucher, paarungswilder

Esel und staubdurchtoster Müllhalden gestaltete sie

ein Stück Lebens-Erfahrung – ein Film, der einen

berührt, durchdringt, verwirrt, berauscht, bereichert.

(om)

. Untitled (ausser Konkurrenz)

. Österreich, Deutschland 2017

. 107 Min. Farbe. DCP. E/d

. Regie: Michael Glawogger, Monika

Willi

. Buch: Michael GIawogger, Attila Boa,

Monika Willi

. Kamera: Attila Boa

. Schnitt: Monika Willi

. Musik: Wolfgang Mitterer

. Produzenten: Tommy Pridnig,

Peter Wirthensohn

. Kontakt: Autlook Films, Wien,

www.autlookfilms.com

33

SA 24.6.

19:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Monika Willi

UNTITLED


PAST AND

PASSION

Er wird am 10. November 1945 in Kensington,

einem Innenstadtbezirk von Liverpool, geboren. Also

im Nordwesten Englands, wo die Landschaft etwas

weniger lieblich ist und die Bedingungen härter. Der

Zweite Weltkrieg ist eben erst zu Ende gegangen

und sein Schrecken noch allerorten spürbar. Terence

Daviesʼ vielköpfige Familie gehört der Arbeiterklasse

an: Er wächst in ärmlichen Verhältnissen mit zehn

Geschwistern auf. Der Vater regiert seine Sippe mit

harter Hand, die oftmals zuschlägt. Der kleine Junge

wird sich später als «devout catholic» bezeichnen, als

tiefreligiös. Man könnte auch sagen: verbittert. Er habe

gebetet «until my knees bled», bis seine Knie bluteten

– und sei doch abgewiesen worden. Da hatte Terence

bereits, in Teenagerjahren, seine Homosexualität entdeckt,

und zwar nicht als einen leicht gangbaren Weg,

sein sexuelles Wesen auszubilden, sondern als etwas

Untersagtes und Unsagbares, eine schwere Sünde, die

den Heranwachsenden in Gewissensnöte brachte und

an den Rand der Verzweiflung. Die Glaubenskrise

führte schliesslich unvermeidlich zu Daviesʼ Abkehr

vom Katholizismus, was nicht gleichbedeutend gedacht

werden sollte mit einer Befreiung.

Mehrfach gibt Davies, der mit seiner sexuellen Orientierung

offen umgeht, in Interviews zu Protokoll, es

sei ihm schwergefallen, sich als schwul zu akzeptieren

(«I don't like being gay. It has ruined my life»). Zugleich

ist er sich völlig darüber im Klaren, dass die Filme, die

er im Lauf seines Lebens geschaffen hat – es ist ein

schmales Πuvre: elf Filme in 40 Jahren Рohne diese

schmerzliche Auseinandersetzung in ihrer vorliegenden

Form nicht denkbar gewesen wären. Gleichsam

34

lebt in Daviesʼ überschaubarem Werk eine unverkennbare

Sensibilität. Ihre Aussagekraft schöpft sie aus dem

instinktiven Verständnis, das der Autor / Regisseur für

den Kampf eines Aussenseiterindividuums mit einer

restriktiven, ablehnenden Gesellschaft aufbringt. Ein

tiefes Mitgefühl für vergebliche Hoffnungen, allzu

gewagte Entschlüsse, bittere Enttäuschungen, das

Wiederaufstehen und das Weitermachen. Weil auch

Davies keiner ist, der so schnell aufgibt, wenn überhaupt.

Seine Schulausbildung an katholischen Instituten,

die die Prügelstrafe anwenden und in denen er von

Mitschülern drangsaliert wird, endet, als er sechzehn

wird. Es folgen zwölf lange, gehasste Jahre der Arbeit

als Buchhalter. «Nebenher» schreibt Davies unter anderem

Kurzgeschichten fürs Radio und Dramolette,

spielt Laientheater und führt Regie. 1973 endlich bricht

er auf, er verlässt Liverpool und geht zunächst an die

Coventry Drama School und danach an die National

Television and Film School in Buckinghamshire.

In den Jahren 1974 bis 1983 erwachsen jene drei

mittellangen Filme, aus denen sich The Terence Davies

Trilogy zusammensetzt: Children (1974–76), Madonna

and Child (1980) und Death and Transfiguration (1980–

83) sind stark autobiografisch geprägte Vignetten in

Schwarzweiss, die Erfahrungen und Eindrücke aus

dem Leben von Daviesʼ fiktivem Alter Ego Robert

Tucker versammeln. Dabei dient die Chronologie der

Ereignisse lediglich als Anknüpfungspunkt für Bildgeflechte,

deren eigentlicher Gegenstand weniger erzählerischer

denn emotionaler Natur ist. Soll heissen,

dass die Handlung der einzelnen Szenen gegenüber

dem jeweils vermittelten Gefühlsgehalt zurücktritt.

Ein Beispiel aus Madonna and Child: Während Tucker

in der Kirche betet, die Kamera gemächlich durchs Kirchenschiff

gleitet und ein Choral ertönt, verhandelt er

zugleich im Off telefonisch mit einem Tätowierer über

die Möglichkeit, sich den Hodensack tätowieren zu

35

TERENCE DAVIES


lassen. In dieser grossartig verdichteten Montage des

Disparaten liegt das ganze Leid der Daseinserfahrung

des Homosexuellen, dessen Sehnsucht und Begehren

auf die Ablehnung und die Kriminalisierung seitens

der gesellschaftlich normierenden Instanzen trifft.

(Bis 1967 standen Sexualkontakte zwischen gleichgeschlechtlichen

Partnern in England und Wales unter

Strafe.) Das der Szene Inhärente, Blasphemische des

Zusammentreffens von Religiosität und vermittelter

quasi(homo)sexueller Handlung wird dabei transzendiert

im den beiden Motiven gemeinsamen Bild des

gequälten Opfers: Christus am Kreuz und Tucker am

Telefon. Sage keiner, Davies wäre nicht selbstbewusst

in der Anwendung seiner künstlerischen Mittel.

Davies schöpft Stärke aus sich selbst. Er hat seine

bescheidene Herkunft hinter sich gelassen und einen

Umgang mit Gewalterfahrung und Schuldkomplex

gefunden. Ebenso findet er auch zu seiner ganz eigenen

und eigenwilligen Filmsprache. Eine Sprache

wiederum, die aus den Prägungen desjenigen, der sie

für sich erfindet, kein Hehl macht. Auch für das Publikum

gilt, dies in seiner ganzen Tragweite zu begreifen:

Ohne die schmerzliche Last seiner Erinnerungen

gäbe es Terence Daviesʼ Filme nicht. Und damit sind

eben nicht nur die autobiografisch geprägten Werke

gemeint, die am Beginn seiner Laufbahn stehen.

Neben der Trilogie sind dies Distant Voices, Still

Lives (1988) und The Long Day Closes (1992). Distant

Voices, Still Lives ist eine wilde Kombination aus Gesang

und Gewalt, mittels derer ein familiäres Soziotop

porträtiert wird, das Daviesʼ Herkunftswelt ebenso

umreisst, wie es einen historisch gewordenen Gesellschaftszustand

nachzeichnet, inklusive der Lieder, die

damals gesungen und der Drinks, die dazu gehoben

wurden. Und obwohl es allerorten lebhaft zugeht,

herrschen doch, tief in den Bildern, die spezifisch

Davies’sche Ruhe und Genauigkeit. Nie hat es die

Kamera eilig, nie ist ihr Blick ein flüchtiger, vor allem

36

aber ist dieser Blick nie grausam. Nüchtern registrierend,

das ja, nicht jedoch denunzierend. The Long Day

Closes führt das die eigenen Existenzbedingungen

reflektierende Unterfangen bis in die Mitte der Fünfzigerjahre

fort und konzentriert sich dabei auf den

elfjährigen Bud, dessen Begeisterung fürs Kino, seine

Gläubigkeit und deren erste Erschütterung, das Leben

der inzwischen vom Vaterterror befreiten Familie.

Die mittlerweile aufmerksam gewordene Kritik

bescheinigt Terence Davies eine einzigartige Handschrift

und eigenständige Ästhetik, an der besonders

der Umgang mit Zeit und Erinnerung hervorzuheben

sei. Dass Erinnerung nicht linear ist, weiss zwar jeder,

wie sich allerdings dieser Umstand – und damit der

Vorgang des Erinnerns und nicht zuletzt ein Zustand

des Bewusstseins – filmisch darstellen lässt, ohne ins

Unverständliche abzustürzen, dazu bedarf es des Talents,

der Kreativität und, nicht zuletzt, künstlerischen

Muts.

Daviesʼ Montage orientiert sich am Sinfonischen,

an musikalischen Prinzipien eher denn an der vermeintlichen

Stringenz einer immer nur im Nachhinein

erkannten Chronologie. Dabei ist jeder einzelne

der Mosaiksteine, aus denen das Gesamtbild sich

schliesslich zusammensetzt, gleich viel wert. Insofern

es Erinnerung repräsentiert, mithin das, was einem

vom eigenen Leben bleibt, wird jedes Fragment wie

ein kostbares Gut behandelt und kinematografisch mit

Flügen, Fahrten, Schwenks und Zooms eindrucksvoll

in Szene gesetzt sowie von eklektischer Musikauswahl

und wohlbedachten intellektuellen Referenzen

begleitet. Daviesʼ langsam-elliptischer Erzählstil mag

manche herausfordern, sein bildgewaltiger, poetischer

Inszenierungsansatz aber fasziniert, nicht zuletzt

aufgrund seiner Kompromisslosigkeit.

In den autobiografischen Werken bricht Davies

mit den sozialrealistischen Darstellungskonventio-

37

TERENCE DAVIES


nen des britischen Kitchensink-Films, in seinen nun

folgenden Literaturadaptionen wirft er die Klischees

des Kostümdramas Jane-Austen’scher Provenienz über

Bord. Mit The Neon Bible (1995) bewegt sich Davies

zwar auf thematisch vertrautem Terrain (wieder arbeitet

er sich an der Geschichte eines Heranwachsens

ab, angesiedelt diesmal im US-amerikanischen Süden

der Vierzigerjahre), erstmals aber adaptiert er einen

fremden Stoff (John Kennedy Tooles 1989 posthum

veröffentlichten, gleichnamigen Roman). Während

The Neon Bible vergleichsweise wenig Anerkennung

beschieden war, gelang Davies danach mit dem vielfach

preisgekrönten The House of Mirth (2000) – in dem

X-Files-Star Gillian Anderson eindrucksvoll demonstriert,

dass sie auch noch ganz anders kann – ein veritabler

kommerzieller Erfolg. Doch wieder vergehen

viele Jahre bis zu Daviesʼ nächstem Film: The Deep

Blue Sea (2011) basiert auf einem 1952 uraufgeführten

Theaterstück von Terence Rattigan und bietet mit Rachel

Weisz und Tom Hiddleston Starpotenzial in den

zentralen Rollen zweier leidenschaftlich und kopflos

gegen die Konventionen der englischen Klassengesellschaft

An-Liebender. Zwischen The House of Mirth

und The Deep Blue Sea arbeitet Davies an Sunset Song,

den er schliesslich 2015 realisieren kann. Ausserdem

entsteht 2008 seine bislang einzige dokumentarische

Arbeit, der Liverpool gewidmete Filmessay Of Time

and the City, ein Abgesang voll Trauer, Wut und Liebe.

Daviesʼ bislang letzte Arbeit – A Quiet Passion

(2016) wird im Rahmen des Bildrausch-Wettbewerbs

gezeigt – stellt erneut einen Aufbruch dar. Diesmal

basiert Daviesʼ Drehbuch nicht auf einer literarischen

Vorlage, sondern auf dem Leben einer Literatin: der

US-amerikanischen Dichterin Emily Dickinson, die

ihr Leben (1830–1886) welt- und gesellschaftsabgewandt

in Amherst, Massachusetts, zubrachte und der

die ihr zustehende Anerkennung zu Lebzeiten nicht

zuteilwurde.

38

Vielleicht eine Seelenverwandte? In jedem Fall eine

wundervolle Gelegenheit für Terence Davies, einmal

mehr eine Figur der Vergangenheit zum Subjekt ihrer

eigenen Geschichte werden und direkt zu uns sprechen

zu lassen. Und einmal mehr wird Erinnerung

höchst gegenwärtig.

Alexandra Seitz

A Quiet Passion läuft im internationalen Wettbewerb,

siehe dazu S. 8 / 9.

Terence Davies

39

TERENCE DAVIES


Ein Triptychon, bestehend aus drei mittellangen

Frühwerken in Schwarzweiss: Children (1976), Madonna

and Child (1980) und Death and Transfiguration

(1983) geben Einblicke in das Leben eines Jungen, eines

Erwachsenen, eines Greises namens Robert Tucker, in

die Davies autobiografische Motive einfliessen lässt.

Zunächst ist da der tiefgläubige Bub, der an der restriktiven

katholischen Schule von seinen Mitschülern

drangsaliert wird und zu Hause mit seinen Sorgen und

irritierenden Gefühlen allein bleibt. Dann der ledige,

einsam sich nach Männern sehnende Mann, der noch

immer bei seiner Mutter lebt, die um die Homosexualität

ihres Sohnes zu wissen scheint und die doch

keine lindernden Worte findet für ihn. Und schliesslich

der Alte, der im Sterben liegt, der die Mutter längst

schon begraben hat und der kein Glück gefunden

hat in seinem Leben. Indem elegante Montagen die

(auto-)biografische Chronologie wiederholt auflösen,

greifen die kargen, dichten Filme der Terence Davies

Trilogy ineinander und verweben sich atmosphärisch

schliesslich zu einer monumentalen Anklage von

Verdrängung und Unterdrückung. Die doch auch

Schönheit und Hoffnung kennt, und den Trost der

betörenden Stimme von Doris Day, die zärtlich «It

all depends on you» intoniert. (as)

. The Terence Davies Trilogy

. Grossbritannien 1976-1983

. 101 Min. sw. DCP. E/d

. Regie, Buch: Terence Davies

. Kamera: William Diver

. Schnitt: Mick Audsley,

William Driver, Sarah Ellis,

Digby Rumsey

. Mit Philip Mawdsley, Nich Stringer,

Valerie Lilley

. Produzenten: Claire Barwell,

Geoffrey Evans, Mike Maloney,

Peter Shannon

. Kontakt: British Film Institute (BFI),

London, www.bfi.org

41

DO 22.6.

18:45

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Terence Davies

THE TERENCE DAVIES TRILOGY


Böse Menschen haben keine Lieder, heisst es.

Darüber könnte man nun ein wenig ins Grübeln

geraten, angesichts des Personals, das in diesem Film

unablässig in Gesang ausbricht. Wenn es nicht gerade

übereinander herzieht, sich gegenseitig beschimpft

oder gar handgreiflich wird – das sind dann meist die

Männer, die ihre Frauen schlagen oder ihre Kinder. In

seinem autobiografisch inspirierten Langfilmdebüt

Distant Voices, Still Lives charakterisiert Davies eine

bestimmte soziale Schicht an einem bestimmten Ort

zu einer bestimmten Zeit: in tableauhaft arrangierten

Vignetten erzählt er aus dem Leben einer Familie der

Arbeiterklasse im Liverpool der Vierziger- und frühen

Fünfzigerjahre. Und er macht dies mit derart stilisierendem,

ja, abstrahierendem Gestus, dass aus dem

soziologisch Spezifischen schliesslich das Allgemeinmenschliche

hervortreten kann. Es ist, als würden

sich in den Liedern die Träume und die Sehnsüchte,

das warmherzige Gefühl und die Freundlichkeit ausdrücken,

während die Sprache der Konfrontation

mit der meist harschen Realität vorbehalten ist. Verständigung

und Verständnis finden denn auch eher

im Gesang statt, während der stumme Blick von der

Mühsal des Alltags kündet. (as)

. Distant Voices, Still Lives

. Grossbritannien 1988

. 85 Min. Farbe. 35mm. E/df

. Regie, Buch: Terence Davies

. Kamera: William Driver,

Patrick Duval

. Schnitt: William Driver

. Mit Fred Dowie, Pete Postlethwaite,

Dean Willliams, Angela Walsh

. Produzenten: Jennifer Howarth,

Colin MacCabe

. Kontakt: Kinemathek

Le Bon Film, Basel

43

SA 24.6.

14:45

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Terence Davies

DISTANT VOICES, STILL LIVES


Das Kartenspielen wird ihr zum Verhängnis. Und

ihre Naivität. Ihr Hang zum Romantischen. Und

freilich auch der Stolz. Im Grunde ist Lily Bart weder

emotional noch intellektuell gut genug gerüstet für

das spiegelglatte, gesellschaftliche Parkett, auf dem sie

sich bewegt. Die New Yorker High Society der Belle

Époque verzeiht keine Fehler, erst recht nicht, wenn

sie von alleinstehenden Ladies begangen werden, die,

anstatt zu heiraten, mit Junggesellen flirten und an

der Börse spekulieren. Unaufhaltsam also vollzieht

sich Miss Barts Abwärtsbewegung, wird aus einer

guten Partie eine Geächtete, die wiederum ihren

Fall in Ungnade beinahe ungläubig verfolgt. Dabei

wird sie nüchtern, doch nicht kalt beobachtet von

Davies, der mit The House of Mirth den gleichnamigen,

1905 veröffentlichten Roman der US-amerikanischen

Schriftstellerin Edith Wharton adaptiert. Wie Wharton

blickt auch Davies durch ein Mikroskop auf die

Feinmechanik der Konventionen und präpariert damit

jenes Herrschaftsinstrument der Oberschicht heraus,

dem Lily Bart in aller Unschuld zum Opfer fällt. Aus

Blicken, Gesten, Worten setzt sich die Mühle zusammen,

die stetig und gnadenlos die Seele einer Frau

zermalmt, die von der Freiheit sich, sekundenkurz,

zu träumen erlaubte. (as)

. The House of Mirth

. Grossbritannien, USA, Frankreich,

Deutschland, Belgien 2000

. 140 Min. Farbe. 35mm. E/df

. Regie: Terence Davies

. Buch: Terence Davies, Edith Wharton

. Kamera: Remi Adefarasin

. Schnitt: Michael Parker

. Mit Gillian Anderson, Eric Stoltz,

Dan Aykroyd, Laura Linney

. Produzent: Olivia Stewart, Bob Last

. Kontakt: Kinemathek Le Bon Film,

Basel

45

FR 23.6.

14:30

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Terence Davies

THE HOUSE OF MIRTH


Bei Liverpool denken die meisten wohl an die Beatles.

Dann fällt vielleicht dem einen oder der anderen

noch ein, dass Liverpool vormaleinst eine der Welthauptstädte

des Schiffsbaus war, eine wohlhabende

Hafenstadt, nein, eine bedeutende, eine strahlende

Handelsmetropole. Längst verloren und verblichen

ist dieser Glanz, in den Siebzigern trafen Arbeitslosigkeit

und Kriminalität und die ganze Härte des

Thatcherismus die Stadt und ruinierten sie – fast. 2008

trug Liverpool dann schon wieder den Ehrentitel

«Kulturhauptstadt Europas», und um das zu feiern,

wünschte sie sich ein Porträt von ihrem berühmtesten

Filmemachersohn. Freilich erfüllte Terence Davies

die Erwartungen auf seine höchst eigenwillige Weise

– nicht. Sein essayistisches Porträt – prallvoll mit

Material und kulturellen Referenzen – umgreift die

Heimatstadt zärtlich und liebevoll – und wischt ihr die

Schminke weg. Davies zeigt Liverpools vergangenes

Elend, seine architektonische Hässlichkeit, die Armut

seines Proletariats, er verzichtet auf die gloriosen

Zeiten, er erzählt von der Stadt, in der er aufwuchs,

und vom Wie. Und in seinem selbst gesprochenen,

dramatisch intonierten Voiceover hört man Schmerz

und Liebe zu gleichen Teilen. (as)

. Of Time and the City

. Grossbritannien 2008

. 72 Min. Farbe. DCP. E

. Regie, Buch: Terence Davies

. Kamera: Tim Pollard

. Schnitt: Liza Ryan-Carter

. Musik: Ian Neil

. Mit Terence Davies

. Produzenten: Sol Papadopoulos,

Roy Boulter

. Kontakt: The Festival Agency, Paris.

www.thefestivalagency.com

47

SA 24.6.

12:20

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Terence Davies

OF TIME AND THE CITY


Eigentlich hatte sie Lehrerin werden wollen, das

Leben entschied dann aber anders. Vielmehr geschieht

es eben einfach, dass Chris Guthrie, deren Heranwachsen

zu einer eigenverantwortlichen Frau in Sunset Song

erzählt wird, nicht nach Aberdeen geht. Stattdessen

bleibt sie in Kinraddie, übernimmt den dort gelegenen,

elterlichen Hof und bewirtschaftet ihn weiter. Freilich

an der Seite eines Mannes, Ewan, der stark und gut und

fleissig ist, aber kein Krieger. Und der Erste Weltkrieg

zieht herauf und wirft seinen Schatten auch auf den

Nordosten Schottlands und verdunkelt das Leben

einer einfachen und bescheiden glücklichen Familie.

Die Finanzierung des Projektes gestaltete sich zwar

schwierig, schliesslich aber gelang es Davies doch, mit

Sunset Song den 1932 erschienenen, ersten Teil von

Lewis Grassic Gibbons Romantrilogie «A Scots Quair»

zu adaptieren. Gedreht wurde neben Schottland auch

in Neuseeland, das einige spektakuläre Landschaftspanoramen

beisteuert. In die hinein nun Davies die

vertrauten historischen Innenräume öffnet. Denn aus

dem Aussen, aus der Natur schöpft die Protagonistin

ihre Kraft, und Davies eignet sich ihre Perspektive

ohne Sentimentalität oder Zynismus an. Es geschieht

eben einfach. (as)

. Sunset Song

. Grossbritannien 2015

. 135 Min. Farbe. DCP. E/e

. Regie: Terence Davies

. Buch: Lewis Grasig Gibbon,

Terence Davies

. Kamera: Michael McDonough

. Schnitt: David Charap

. Musik: Gast Waltzing

. Mit Agyness Deyn, Peter Mullan,

Kevin Guthrie, Mark Bonnar

. Produzenten: Sol Papadopoulus,

Roy Boulter

. Kontakt: Hurricane Films, Liverpool,

www.hurricanefilms.net

49

SO 25.6.

14:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von Terence Davies

SUNSET SONG


FRAGILER PUNK

Ein Unglück kommt selten allein. Nirgends scheint

diese schmerzhafte Lebensweisheit so wahr zu sein

wie in den Filmen von Teresa Villaverde. Aus der

Anhäufung verhängnisvoller Ereignisse entwickeln

ihre Geschichten eine dramatische Dringlichkeit,

wie man sie dieser Tage nur selten auf der Leinwand

erleben kann. Störrisch, zart, entschieden und konsequent

verweigert sie sich den falschen Bildern und

geschönten Erzählungen des Kinos wie des Lebens

überhaupt. Ihr unermüdliches Interesse für das, was

die Gesellschaft ins Abseits drängt, hat die portugiesische

Regisseurin seit ihrem Debütfilm Alex (1991)

stets dazu geführt, sich in ihren Arbeiten, Figuren und

Schicksalen verschiedenster Milieus und Herkunft

zu widmen, Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs,

von denen sie stets aufs Neue bestürzende

Porträts zeichnet: darunter Heimkinder, die nicht

gehorchen wollen The Mutants (1998), junge Frauen,

die zu Sexsklavinnen degradiert werden Trance (2006),

und immer wieder einfache Mittelstandsfamilien, die

schleichend an den inneren und äusseren Umständen

zu zerbrechen drohen, in denen sie sich befinden. Was

nicht heisst, dass Villaverdes Filme hoffnungslos sind.

Weit entfernt von simpler Sozialkritik, thematisieren

sie akute gesellschaftliche Probleme, ohne zu werten,

sondern reflektieren ganz unangestrengt dominante

Sichtweisen und brechen diese dann auf. Als Mittel

zum Zweck wird ihr dabei eine jeweils sehr eigene,

mitunter radikale filmische Form, anhand derer sie

ähnlich entschlossen wie ihre Figuren gegen den

Status quo rebelliert.

50

Für Villaverde, möchte man meinen, ist das Kino

ein Ort der Beunruhigung. Das wird bereits in Alex

deutlich, in dem sie rückblickend eine Kindheit im

Portugal der frühen Siebzigerjahre schildert. Es ist

die Zeit vor der grossen Revolution, als das diktatorische

Kolonialregime im fernen Afrika noch immer

verzweifelt ein imaginäres Weltreich zu verteidigen

suchte, während zu Hause die Missstände sowie der

Druck auf die eigene Bevölkerung immer offensichtlicher

wurden. Wie schwer sich das Land noch lange

nach Beendigung der Kämpfe mit der Aufarbeitung

des Kolonialkriegs tat, zeigt schon, dass Villaverde

1991 noch zu den ersten Künstlern gehörte, die sich

überhaupt an die Thematik heranwagten. Aus den

Augen der neuen Generation blickt sie jedoch weniger

intensiv auf die historischen Ereignisse damals zurück

als vielmehr auf die Atmosphäre und leistet somit

eindrucksvoll ein Stück Trauerarbeit, in dem sie, mit

der unbefleckten Sicht einer jungen Autorin, den Untergang

des Gewesenen reflektiert. In langen, ruhigen

Einstellungen, in denen sich die kostbaren, sensiblen

Bilder der Erinnerung spiegeln, folgt Villaverde ihren

Protagonisten durch den Alltag, bis sich am Ende die

Katastrophen förmlich überschlagen. Bis dahin bleibt

vieles nur angedeutet, denn die Regisseurin lässt gern

viel Raum zur eigenen Reflexion.

Dieser spezielle Wunsch nach individueller Interpretation

und dem Ziehen eigener Schlüsse ist der

1966 in Lissabon geborenen Tochter des Journalisten

Alberto Villaverde Cabral gewissermassen schon in

die Wiege gelegt worden. Nach einem kurzen Studienaufenthalt

in Prag als Stipendiatin der dortigen

Filmhochschule begann sie ihre Karriere zunächst vor

der Kamera. Als Schauspielerin war sie unter anderem

in Hovering over the Water (1986) von João Cesar Monteiro

in einer Nebenrolle zu sehen, bis sie schliesslich

Assistentin von Paulo Rocha wurde und gemeinsam

51

TERESA VILLAVERDE


mit João Canijo und José Álvaro Morais Drehbücher

schrieb. Diese autodidaktische Herangehensweise an

das Filmhandwerk zog sie einer vermeintlich trockeneren

Hochschulausbildung vor – eine Entscheidung,

die sich im Nachhinein als ein Glückfall für das Kino

erwies, und zwar nicht nur das portugiesische. Seit

Jahren laufen ihre Filme auf den grossen internationalen

Filmfestspielen dieser Welt und sorgen dort

angesichts ihrer bildstarken, unkonventionellen Erzählweise

nicht nur regelmässig für Aufsehen, sondern

immer wieder auch für rege Diskussionen. Umso mehr

verwundert es, dass die engagierte Regisseurin über

die Festivalgrenzen hinaus bis heute noch immer als

Geheimtipp gilt.

Das dürfte zum einen an der zurückhaltenden Art

Villaverdes selbst liegen, die sich am liebsten auf ihre

Arbeit konzentriert, zudem selten Interviews gibt

und stattdessen ihre Kunst für sich sprechen lässt.

Zum anderen sind auch ihre Filme stets einem eher

zarten, unaufdringlichen Blick verhaftet, der geschult

am portugiesischen Novo Cinema der sechziger und

siebziger Jahre, im Grenzbereich zwischen Gestern

und Morgen nach neuen Antworten sucht. So wie in

Colo , dem jüngsten Film im wundersamen Œ uvre

Villaverdes, der im Vergleich zu ihren früheren Arbeiten

auf den ersten Blick (und nur auf den ersten) ein

wenig sanfter wirkt, geschlossener – und sachlicher.

Doch auch in augenscheinlich geordneten Bahnen ist

die leise Beobachterin ganz in ihrem Element, erzählt

in überlegten, tableau-artigen Bildkompositionen und

langen Kamerafahrten, wie eine mittelständische Familie

aus Vater, Mutter und 17-jähriger Tochter unter

den Folgen der Wirtschaftskrise zu kapitulieren droht.

Gemeinsam suchen sie jeder für sich einen Weg aus

der Verstrickung, die ihnen allmählich die Luft zum

Atmen nimmt. Am Ende ist nichts wahrscheinlich,

52

aber möglich schon. Und auch da ist sie wieder, die

Freiheit, die die Regisseurin ihren Protagonisten und

ihrem Publikum eingesteht, damals wie heute.

Wichtig für das Gelingen des schwierigen Balanceaktes

zwischen kühler Beobachtung und poetischer

Imagination, den Villaverde in ihren waghalsigen Inszenierungen

immer wieder eingeht, sind vor allem die

Darsteller, die ihre gescheiterten, gequälten oder vom

Verfall begriffenen Figuren verkörpern. Zwei Schauspielerinnen

fallen dabei besonders ins Auge: Maria

de Medeiros und Ana Moreira, die beide wiederholt

in Villaverdes Filmografie zum Vorschein kommen.

Ist Medeiros in Alex noch in einer Nebenrolle als

sprunghaftes Liebchen zu sehen, kann man ihr ganzes

schauspielerisches Können bereits in dem Nachfolger

Two Brothers, My Sister bewundern. In dem düsterverqueren

Familiendrama spielt sie die unter den

misslichen Familienverhältnissen leidende Schwester

in einem von Männern dominierten Haushalt, dessen

ungerechtes Gleichgewicht gänzlich kippt, als ihre

vom blinden Vater gepeinigte Mutter in einem letzten

Kraftakt begeht. Medeiros gibt ihrer Figur hier alles,

was sie kurz zuvor in ihrer glorreichen Nebenrolle

als die süsse Fabienne in Pulp Fiction verschwiegen

hatte. Oft sprachlos, mit furchterfülltem Blick und

feinsinnigsten Gesten schwebt sie permanent über

dem Abgrund, siegessicher wie ein gefallener Engel,

der verzweifelt nach Geborgenheit sucht und zur

Strafe in der totalen Isolation endet.

Ganz anders dagegen begegnet uns Ana Moreiras

trotzige Andreia, die sich mit der Einsamkeit längst

angefreundet hat. In The Mutants verkörpert sie die

junge Schwangere, die in Lissabon in einem Heim

für umherstreunende und missbrauchte Teenager

aufwächst, aus dem sie immer wieder ausbricht, um

53

TERESA VILLAVERDE


sich und der Welt zu beweisen, dass sie sich nicht

unterkriegen lässt. Und auch Sonia, die junge Russin,

der Moreira in Trance ihren Körper und Geist verleiht,

rebelliert bis zum Schluss gegen das versklavte Dasein,

in dem sie vor sich hin vegetiert und von dem sie längst

weiss, dass es daraus kein Entkommen gibt. Was sie

dennoch antreibt, ist ihr eiserner Wille, sich trotz allen

Elends noch einen Funken der eigenen Identität zu

bewahren, wie als Beweis dafür, dass sie einmal Teil

dieser Welt war und dass sie auf Erden geliebt, gelebt

und gelitten hat. Dieses Motiv der Selbstbewahrung

verbindet alle drei Frauen und es steht symbolisch

für das von einer sinnlichen und zugleich intensiven

Wucht getriebene Werk Villaverdes, in dem die Wildheit

der Verzweiflung genauso zu Hause ist wie die

Nüchternheit der Wahrheit.

«Was ist Liebe?,» fragt die Kinderstimme aus dem

Off am Ende von Two Brothers, My Sister , als der Film

in seiner letzten Einstellung das Schicksal von Maria

besiegelt. Die Antwort: «Liebe muss es irgendwo geben.»

In den Filmen von Teresa Villaverde ist sie in den

verwegensten Formen zu finden, und wer gewillt ist,

sich gemeinsam mit der Regisseurin auf die Suche zu

begeben, wird am Ende entsprechend belohnt.

Pamela Jahn

Colo läuft im internationalen Wettbewerb, siehe

dazu S. 16 / 17.

TERESA VILLAVERDE

54

Teresa Villaverde

55


Alex hängt mehr am Leben als andere in seinem

Alter. Die Gründe dafür sind in seiner Kindheit im

Portugal der frühen siebziger Jahre zu suchen, von

dessen Schatten er sich lange nicht zu befreien wusste.

Mit zweiundzwanzig lässt er die Geschehnisse von damals

noch einmal vor seinen Augen Revue passieren:

von der Einberufung seines Vaters zum Kolonialkrieg

nach Mosambik über die Zeit der Unsicherheit und

des Wartens an der Seite seiner Mutter bis hin zu

der Katastrophe, die die langersehnte Heimkehr des

unfreiwilligen Frontkämpfers für die Familie mit sich

bringt. Denn das wahre Unglück beginnt erst, als

der Vater wieder zu Hause, aber plötzlich nicht mehr

derselbe ist. Teresa Villaverde ist mit ihrem Debütfilm

ein kleines Kunststück gelungen: Während Elfie

Mikeschs feinsinnige Kamera dem selektiven, aber

glasklaren Blick des Jungen folgt, der die Bilder seiner

Jugend aus dem Off kommentiert, zeigt die junge Regisseurin

nachdrücklich und in die schönsten Farben

der Erinnerung gehüllt den Verfall einer Familie, die

unter dem fernen Krieg genauso litt wie unter der gedrückten

Stimmung an der Heimatfront. Das Thema

war lange tabu in Portugal. Villaverde nähert sich

der schwierigen Vergangenheit ihres Heimatlandes

unprätentiös, mit Verstand und Gefühl. (pj)

ALEX

. Alex (A idade maior)

. Portugal 1991

. 126 Min. Farbe. 35mm. P/e

. Regie, Buch: Teresa Villaverde

. Kamera: Elfi Mikesch

. Schnitt: Manuela Viegas,

Vasco Pimentel

. Mit Ricardo Colares, Teresa Roby,

Joaquim de Almeida, Vincent Gallo

. Produzent: Joaquim Pinto

. Kontakt: Cinemateca Portuguesa,

www.cinemateca.pt

57

MI 21.6.

21:15

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von

Teresa Villaverde


Maria tut alles, um im Leben voranzukommen,

arbeitet tagsüber in einem Eisenwarenladen und geht

abends zur Schule – und doch tritt sie seltsam auf der

Stelle. Als einzige Tochter kümmert sie sich aufopferungsvoll

um den zunehmend desolaten Haushalt

ihrer Eltern – der Vater garstig und unberechenbar,

die Mutter depressiv und mit den unkontrollierten

Gewaltausbrüchen ihres Mannes sichtlich überfordert.

Als es zu einem besonders brutalen Zwischenfall

kommt, schreiten zwar endlich auch die Brüder zur

Tat, müssen daraufhin jedoch ihr Zuhause verlassen.

Der Druck auf Maria wächst ins Ungeheure, als sie

bei einem unerwiderten Annäherungsversuch ihres

Chefs zum Messer greift. Langsam und schmerzlich

gestaltet Teresa Villaverde den unaufhaltsamen Untergang

dieser zunehmend erstarrenden jungen Frau,

die einerseits ihre Schwierigkeiten damit hat, sich zu

öffnen, und andererseits permanent um Nähe und

Zuneigung ringt, wo längst alle Hoffnung verloren

ist. In der Hauptrolle glänzt Maria de Medeiros, die

ihrer Figur eine bemerkenswert rohe, sinnlich-düstere

Intensität verleiht, die sich, getragen von Vasco Pimentels

wunderbar elegischem Soundtrack, kühn der

bewusst nüchternen, elegant konstruierten Inszenierung

des Films gegenüberstellt. (pj)

. Two Brothers, My Sister

(Três Irmãos)

. Portugal 1994

. 106 Min. Farbe. 35mm. P/e

. Regie, Buch: Teresa Villaverde

. Kamera: Ulrich Jansen

. Schnitt: Vasco Pimentel

. Musik: Vasco Pimentel

. Mit Maria de Medeiros,

Marcello Urgeghe,

Evgeniy Sidikhin, Laura del Sol

. Produzent: Joaquim Pinto

. Kontakt: Cinemateca Portuguesa,

www.cinemateca.pt

59

DO 22.6.

14:45

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Teresa Villaverde

TWO BROTHERS, MY SISTER


Sie wollen nur eins: raus! Andreia, um den Vater

ihres ungeborenen Kindes zu suchen, Pedro und Ricardo,

um sich Luft und nebenbei ein bisschen Geld

zu verschaffen. Die drei gehören zu den unzähligen

verlorenen Jugendlichen, die ihr Dasein in einer Lissabonner

Spezialeinrichtung für schwierige oder misshandelte

Teenager fristen, gefangen in einem Leben,

das nicht ihres ist – ohne Rechte, ohne Liebe und ohne

jede Hoffnung. Und so brechen sie aus, immer wieder,

rebellieren gegen die Umstände und streunen ziellos

durch die Nacht, die ihnen zum einzigen Freund wird.

Ursprünglich als Dokumentarfilm geplant, begleitet

Teresa Villaverde die Protagonisten ein Stück weit in

die Ziellosigkeit und gibt dabei nicht nur flüchtige

Einblicke in ihre missliche Vergangenheit preis, sondern

schreckt vor allem vor der harschen Gegenwart

nicht zurück, der sie vor wie hinter den Heimmauern

ausgesetzt sind und in der es keinen Platz für romantische

Träumereien gibt. Das Resultat ist ein kraftvoller,

verstörender und kontroverser Film über die

Einsamkeit, der seine leise Wucht in erster Linie aus

der Natürlichkeit der jungen Darsteller bezieht. Die

Premiere von The Mutants bei den Internationalen

Filmfestspielen in Cannes 1998 machte Villaverde

endlich auch international bekannt. (pj)

. The Mutants (Os Mutantes)

. Portugal 1998

. 117 Min. Farbe. 35mm. P/e

. Regie, Buch: Teresa Villaverde

. Kamera: Acácio de Almeida

. Schnitt: Andrée Davanture

. Mit Ana Moreira, Alexandre Pinto

. Produzenten: Jacques Bidou

. Kontakt: Cinemateca Portuguesa,

www.cinemateca.pt

61

FR 23.6.

19:50

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Teresa Villaverde

THE MUTANTS


Stationen einer Reise: Russland, Deutschland,

Italien. Viel genauer lassen sich die Orte kaum bestimmen,

an die Sonia auf ihrer Suche nach einem

besseren Leben gerät. Und am Ende könnte sie auch

ganz woanders sein, denn Sonia lebt in einer Utopie,

die mit jeder Station, an der sie Halt macht, qualvoller

wird. In St. Petersburg ist die junge Mutter aufgebrochen,

hat ihr behütetes, aber unbefriedigendes Leben

hinter sich gelassen, um im Westen eine bessere Zukunft

zu finden. Als sie sich mit Müh und Not nach

Europa durchschlägt, findet sie dort zwar zunächst

Arbeit, jedoch nur, um anschliessend umso tiefer

ins Unglück zu stürzen. Auf einen Betrug folgt eine

Entführung: Sonja wird zur Prostitution gezwungen

und von einem Bordell ins nächste verschleppt. Sämtliche

Versuche, sich ihren Peinigern zu widersetzen

oder gar zu fliehen, enden bestenfalls mit Bestrafung

und schlimmstenfalls mit Ortswechsel. Aber Trance

ist ein Film, der nicht nur seiner Hauptdarstellerin

einiges abverlangt. Teresa Villaverde begibt sich in

ihrem vielleicht mutigsten Werk auf die schwierige

Gratwanderung zwischen Poesie und Realismus, um

sich ganz dem Inneren ihrer gemarterten Heldin zu

widmen. Selten hat sich eine Reise in die Finsternis

so sehr gelohnt. (pj)

. Trance (Transe)

. Portugal 2006

. 126 Min. Farbe. 35mm. Russ, I, P, D/e

. Regie, Buch: Teresa Villaverde

. Kamera: João Ribeiro

. Schnitt: Andrée Davanture

. Mit Ana Moreira, Viktor Rakov,

Robinson Stévenin

. Produzenten: Paolo Branco,

Leopardo Filmes

. Kontakt: Leopardo Filmes,

www.leopardofilmes.com

63

SA 24.6.

22:00

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Teresa Villaverde

TRANCE


12 Jahre lang begleitet Gerald Fox den amerikanischen

Videokünstler Bill Viola und dessen

Frau und künstlerische Komplizin Kira Perron

mit seiner 16mm-Kamera; 12 Jahre, in denen

das Paar um die Konzeption und Realisierung

der Auftragsarbeiten «Martyrs» und «Mary»

ringt, die in der Londoner St Paul’s Cathedral

dauerhaft installiert werden sollen. Während

der langen Entstehungszeit des Films gelingt

es dem britischen Regisseur Gerald Fox, essentielle

Momente im künstlerischen Prozess

dieses wegweisenden Videopioniers einzufangen.

Violas Grundthemen, das Werden und

Vergehen, Geburt, Tod und Transformation

erhalten eine neue Dringlichkeit, als der Künstler

während der Dreharbeiten unerwartet und

schwer erkrankt. Der vielfach ausgezeichnete

Filmemacher Gerald Fox (*1964) hat mehr als 50

Filme über Künstler, Fotografen, Schriftsteller,

Regisseure und Musiker realisiert. Zu seinen

bekanntesten Arbeiten gehören Marc Quinn

Making Waves (2014), Leaving Home, Coming

Home: A Portrait of Robert Frank (2005), The

Fundamental Gilbert and George (1997).

Bildrausch präsentiert die Schweizer Premiere

in Zusammenarbeit mit dem Kunstfilmfestival

Le FIFA (Festival International du Film

sur l’Art, www.artfifa.com) in Montreal, dem

international grössten Filmfestival im Bereich

Kunstfilm. (as)

. Bill Viola:

The Road to St. Paul’s

. Grossbritannien 2017

. 81 Minuten. Farbe.

Super-16mm. E/d

. Regie, Buch: Gerald Fox

. Montage: John Street

. Kamera: Steve Haskett,

Simon Fanthorpe

. Produktion: Foxy Films

. Kontakt: Foxy Films,

London,

geraldmfox@aol.com

65

SO 25.6.

10:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von

Gerald Fox

BILL VIOLA:

THE ROAD TO ST. PAUL’S


Bill Violas Bestreben, Träume, Erfahrungen und

das Unbewusste in ästhetische Bild- und Klangwelten

zu übersetzen, zieht sich wie ein roter Faden durch

sein Werk. Die assoziativen Erzählstränge, denen

existenzielle Fragen zugrunde liegen, entfalten sich

rund um die Gegensatzpaare Geburt und Tod, Realität

und Virtualität. Für seine Arbeit schöpft Viola

sowohl aus dem Christentum wie auch dem Zen-

Buddhismus, den er selbst während eines Aufenthalts

in Japan praktiziert. Seine tiefe Spiritualität verwebt

Viola mit autobiografischen Elementen, wie etwa

der eigenen Nahtoderfahrung durch Ertrinken, zu

vielschichtigen Werken. Als Ergänzung zu Gerald

Fox’ einfühlsamer Doku Bill Viola - The Road to St.

Paul’s bietet Bildrausch mit dem Kurzfilmprogramm

Reflections die Möglichkeit, direkt in zwei Werke

dieses wegweisenden Videopioniers einzutauchen. In

The Passing (1991) kontrastiert und verwebt Viola Bilder

von Tod und Geburt mit Traumsequenzen und Erinnerungen.

Die ruhigen Atemzüge eines schlafenden

Mannes, Viola selbst, und die schweren seiner sterbenden

Mutter rhythmisieren die Sequenzen. Viola

zeigt das Leben als Übergang von Geburt zum Tod,

als eine Fortsetzung der Generationen. Um Sterben

und Wiedergeburt geht es auch in The Reflecting Pool

(1977 / 78). Schon in diesem frühen Werk kommt dem

Element Wasser eine mehrschichtige Symbolik zu: als

Metapher für den Anfang und das Ende oder als Spiegeloberfläche,

die die Realität als illusionär entlarvt.

(mp)

Mit einer Einführung von Jasmin Sumpf, wissenschaftliche

Mitarbeiterin am Schaulager.

67

BILL VIOLA: REFLECTIONS


The Reflecting Pool

. USA 1977—1979

. 7 Min. Farbe. Ohne Dialog

. Regie, Buch: Bill Viola

. Kontakt: Electronic Arts Intermix,

(EAI), New York. www.eai.org

The Passing

. USA 1991

. 54 Min. Farbe. E

. Regie, Buch: Bill Viola

. Kontakt: Electronic Arts Intermix

(EAI), New York. www.eai.org

69

SO 25.6.

13:15

Stadtkino Basel

BILL VIOLA: REFLECTIONS


Eine Mittelstandswohnung in Damaskus. Ein Tag

wie jeder andere. Draussen herrscht Krieg. Drinnen

herrscht die Angst. Während ihr Schwiegervater allmählich

Hoffnung und Lebenswillen verliert, versucht

Oum Yazan (Hiam Abbass) mit spärlichen Mitteln

eine Art familiären Alltag aufrecht zu erhalten. Dann

aber wird der Nachbar, der, ausgebombt, bei ihr Unterschlupf

gefunden hat, im Hof von Scharfschützen

niedergestreckt, das Haus wird von Bombenexplosionen

erschüttert und finstere Gestalten verschaffen sich

Zutritt. Nach Ruanda - The Day God Walked Away in

dem er 2009 den Völkermord in Ruanda in den Augen

einer Frau auf der Flucht spiegelte, ist der bei der diesjährigen

Berlinale mit dem Panorama-Publikumspreis

ausgezeichnete Insyriated die zweite Arbeit Philippe

Van Leeuws. Erneut verfilmt der renommierte belgische

Kameramann hier ein eigenes Drehbuch, und

erneut rückt er darin die weibliche Erfahrung eines

Kriegszustandes mit all seinen gewaltsamen und moralzersetzenden

Auswirkungen ins Zentrum. Dabei

verlässt das bedrängend dichte Kammerspiel - gedreht

wurde in Beirut – kaum einmal die vier Wände, die

zwar den familiären Schutzraum repräsentieren, doch

vor der Katastrophe nicht schützen können. Einer

Katastrophe, und das ist das eigentlich Schreckliche,

die längst schon zum Alltag geworden ist. (as)

. Insyriated

. Belgien, Frankreich, Libanon 2017

. 85 Min. Farbe. DCP A/e

. Regie, Buch: Philippe Van Leeuw

. Kamera: Virginie Surdej

. Schnitt: Gladys Joujou

. Musik: Jean-Luc Fafchamps

. Mit Hiam Abbass, Diamand Abou

Abboud, Juliette Navis

. Produzenten: Tomas Leyers,

Pierre Sarraf, Philippe Logie,

Olivier Bronckart,

Jacques Henri Bronckart

. Kontakt: Agora Films, Genf,

www.agorafilms.net

71

DO 22.6.

19:00

kult.kino atelier

In Anwesenheit von

Philippe Van Leeuw

INSYRIATED


Mr. Long ist ein Meister der Messerkunst – und

das nicht nur im herkömmlichen Sinn. Sein besonderes

Talent hat dem geheimnisvollen taiwanesischen

Routinier vor allem in der zwielichtigen Unterwelt

einen Ruf als skrupelloser Auftragskiller beschert. Als

ein Job plötzlich doch schiefgeht und Long daraufhin

schwer verletzt in Tokio feststeckt, besinnt sich der

angeschlagene Profi angesichts der widrigen Umstände

mithilfe eines kleinen Jungen schliesslich auf seine

wahre Leidenschaft: das Kochen ... Das neue Gangsterdrama

des unter dem Pseudonym Sabu agierenden

japanischen Provokateurs Hiroyuki Tanaka ist ein

Film, der mit wenigen Worten und äusserst sparsamen

Bewegungen auskommt und trotzdem sämtliche Register

zieht. Diverse Verstrickungen und eine Riege

herrlich aufdringlicher Nebendarsteller machen Mr.

Long (2017) zu einer emotionalen Achterbahnfahrt,

nach der man am Ende auf wackligen Beinen steht.

Inszeniert ist das Ganze wie üblich bei dem 1964 in

Wakayama geborenen Schauspieler und Regisseur in

präzisen, eindrücklichen Bildern und eingebettet in

eine komplexe Erzähldramaturgie, die weder melancholische

Momente noch brutale Gewalt scheut und

selbst die Verkettung absurdester Ereignisse stets

plausibel und unbedingt sehenswert macht. (pj)

. Mr. Long

. Japan, Taiwan, Hongkong,

Deutschland 2017

. 128 Min. Farbe. DCP. Jap. Man/e

. Regie, Buch: Sabu

. Kamera: Kochi Furuya

. Musik: Junicri Matsumoto

. Mit Chen Chang, Sho Aoyagi,

Yiti Yao, Runyin Bai, Shô Aoyagi

. Produzenten: Stephan Holl,

Shozo Ichiyama, Koki Kageyama,

. Kontakt: Rapid Eye Movies,

Köln, www.rapideyemovies.de

73

FR 23.6.

22:20

Stadtkino Basel

MR. LONG


The Woman Who left basiert lose auf einer Kurzgeschichte

Tolstojs: «Gott sieht die Wahrheit, aber

er wartet» (1872). Lav Diaz Parabel auf Gnade und

Vergebung beginnt, wo Tolstoj endet, nämlich mit

einer Entlassung aus dem Gefängnis. Jahrzehnte

verbrachte Horacia Somorostro in Haft für ein Verbrechen,

das sie nicht begangen hatte. Horacia kennt

den Schuldigen und will sich nun rächen – nur: Hat

sie diesen Gewaltakt in sich? Und wie geht man damit

um, wenn sich andere Menschen diesen scheinbar

privaten Hass zu eigen machen? Ein Film auf Leben

und Tod. Wer macht heute so etwas schon? Tolstoj

steht, neben Dostojewski, ganz am Anfang von Lav

Diaz’ künstlerischem Schaffen – als er noch Schriftsteller

werden wollte, auch weil das Kino so teuer

und damit unmöglich wirkte. Es sind denn auch die

gestalterische Weite, Wucht, Kraft und Komplexität

von Romanen wie Dostojewski «Die Dämonen» (1872)

oder Tolstojs «Anna Karenina» (1878), mit denen sich

am Besten der Atem von Werken wie Evolution of a

Filipino Family (2004), Death in the Land of Encantos

(2007) oder A Lullaby to the Sorrowfull Mistery (2016),

beschwören lässt – und damit auch ihre moralische

Macht wie spirituelle Unbedingtheit, Tiefe. (om)

. The Woman Who Left

(Ang babaeng humayo)

. Philippinen 2016

. 226 Min. sw. DCP. Fil/e

. Regie, Buch: Lav Diaz

. Kamera, Schnitt: Lav Diaz

. Mit Miss Charo Santos-Concio,

John Lloyd Cruz, Michael De Mesa,

Shamaine Centenera-Buencamino

. Produzent: Ronald Arguelles

. Kontakt: Films Boutique, Berlin,

www.filmsboutique.com

75

SO 25.6.

15:00

kult.kino atelier II

In Anwesenheit von Lav Diaz

THE WOMAN WHO LEFT


Tony Conrad war ein Hüne, im direkten

wie im übertragenen Sinn. Das verrät schon ein

kurzer Blick auf das überragende künstlerische

Werk des US-amerikanischen Avantgardisten,

der seit den frühen Sechzigerjahren immer wieder

entscheidende Impulse gesetzt hat. Denn

Conrad hat nicht nur Musikgeschichte geschrieben,

sei es gemeinsam mit dem Minimalisten

La Monte Young, an der Seite von John Cale

und Lou Reed oder mit seinen ganz eigenen

experimentellen Noise-Collagen, sondern auch

als experimenteller Filmemacher, Performanceund

Videokünstler stellte er immer wieder

nachdrücklich die gegebenen Paradigmen auf

den Kopf. Der erfahrene Cutter von The Devil

and Daniel Johnston (2005) und Kurzfilmer Tyler

Hubby ist dem Phänomen Tony Conrad in

seinem dokumentarischen Regiedebüt auf die

Spur gegangen. Über 20 Jahre lang hat er den

umtriebigen Künstler begleitet und in dieser Zeit

eine Fülle von Material gesammelt, das einen

bemerkenswert persönlichen Einblick in die

Gedankenwelt und Arbeitsweise Conrads gibt

und dabei zugleich eine Leidenschaft versprüht,

die regelrecht ansteckend wirkt. (pj)

. Tony Conrad:

Completely in the Present

. USA 2016

. 96 Min. Farbe. DCP. E/d

. Regie, Buch: Tyler Hubby

. Kamera: Fortunato Procopio,

Damian Calvo

. Schnitt: Tyler Hubby

. Produzenten: Paul Williams,

Christine Beebe

. Kontakt: Burning Bridges, London,

www.burning-bridges.com

77

FR 23.6.

17:30

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Tyler Hubby

und Paul Williams

TONY CONRAD:

COMPLETELY IN THE PRESENT


79

Zum Urknall der Minimal Music kam es

kurz nachdem der junge Harvard-Mathematiker

Tony Conrad (1940–2016) nach New York zog.

Arbeiten war damals nicht sein Ziel. Viel lieber

diskutierte er nächtelang mit dem Avantgardekünstler

Henry Flynt über das Potenzial von

Kunst und Musik, die Gesellschaft zu verändern.

Nach einer Begegnung mit La Monte Young trat

er dessen Theatre of Eternal Music (später als

Inside the Dream Syndicate bekannt) bei, das er

in den Jahren 1962–1967 stilprägend beeinflussen

sollte. Zusammen mit anderen Musikern

wie Marian Zazeela und John Cale begründeten

sie eine neue Form von «Drone»-Musik:

einen mäandrierenden, nur leicht modulierten,

auf wenige Klänge reduzierten Sound. Unser

Programm «Looking at music» spürt Conrads

musikalische Spuren auf – etwa mit einem unveröffentlichten

Mitschnitt eines Konzerts, das

auf die legendäre Liveperformance im Jahr 1972

«Ten Years Alive on the Infinite Plain» im damals

eben gegründeten Kunst- und Performance-

Raum «The Kitchen» in New York zurückgeht.

Musik und (Flicker-)Film treffen hier mittels

einer Mehrscreen-Installation performativ aufeinander.

Conrad wollte eine Musik schaffen,

komplett aus dem Moment heraus, ohne die

Autorität eines Komponisten und ohne Noten.

Seit der 1996 veröffentlichten CD-Box Early Minimalism

knüpfte Conrad bis zu seinem Tod mit

Drone-Konzerten an diesen Ursprung an. Wie

er immer wieder auch lustvoll über das Wesen

von Musik philosophierte, zeigt das Interview

«The Nature of Sound». (bs)

TONY CONRAD:

LOOKING AT MUSIC


Ten Years Alive on the Infinite

Plain

. USA 1996

. 40 Min. Digital HD. sw. Farbe.

Ohne Dialog,

. Regie: Tyler Hubby

. Musik: Tony Conrad (Violine),

Jim O’Rourke (Bass),

David Grubbs (Saiteninstrument),

Alex Gelencser (Cello)

The Nature of Sound

. USA 2002

. 10 Min. Farbe. Digital HD. E

. Regie: Tyler Hubby

. Kontakt: Burning Bridges, London

Straight and Narrow

. USA 1970

. 10 Min. sw. 16mm. Ohne Dialog.

. Regie / Buch: Tony Conrad,

Beverly Grant

. Musik: John Cale, Terry Riley

. Kontakt: Lux, London

Unveröffentlichter Konzertmitschnitt

der Live-Performance am Table of the

Elements Festival, Chicago.

«Was ist Musik?» Tony Conrad gibt

furiose Antworten in einem unveröffentlichten

Interview, das für den

Dokfilm Tony Conrad: Completely in

Present entstanden ist.

Horizontale und vertikale Streifen

flickern in Schwarzweiss zu Klängen

von John Cale und Terry Riley. Die

halluzinogene Kraft der Projektion

lässt den Zuschauer Farben wahrnehmen.

81

SO 25.6.

16:45

Stadtkino Basel

TONY CONRAD:

LOOKING AT MUSIC


Psychedelischer Trip für Nachteulen: In

den Sechzigerjahren leistete Tony Conrad mit

The Flicker (1965) einen wichtigen Beitrag zur

US-amerikanischen Avantgarde. Jack Smith, für

dessen Filme Scotch Tape (1961) und Flaming Creatures

(1963) Conrad für den Ton verantwortlich

zeichnete, begeisterte ihn für Film. Das rhythmische

Pulsieren schwarzer und durchsichtiger

Kader in The Flicker löst stroboskopische

Lichtblitze aus, welche auf die Netzhaut des

Zuschauers einwirken und diesen allmählich

(imaginierte) Farben und Formen sehen lassen.

Conrad wollte ekstatische Erfahrung schaffen

und erhoffte sich bewusstseinserweiternde

Effekte. Auch der New Yorker Multi-Media-

Künstler Lary7, für den Conrad eine wichtige

Inspirationsquelle ist, beschäftigt sich mit Wahrnehmungsprozessen

und Trance-Zuständen. In

seinem neuesten Werk Owl Movie (2017) geht

er vom Stillleben einer ausgestopften Eule aus,

das er mit zwei 16mm-Projektoren in unterschiedlichen

Geschwindigkeiten übereinander

projizierte und nochmals abfilmte. Dank der

Überlagerung der beiden Bilder, der Inszenierung

der Eule mit pulsierendem Licht und Farbe

beginnt der Film zu atmen. Traumartiges Erlebnis

garantiert! (bs)

. The Flicker

. USA, 1966

. 30 Min. sw. 16mm

. Regie: Tony Conrad

. Kontakt: Lux, London

. Owl Movie

. USA 2017

. 35 Min. 16mm.

. Regie, Buch, Kamera: Lary7

. Musik: Lary7

. Kontakt: Lary7

83

FR 23.6.

00:45

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Lary7

TONY CONRAD / LARY7:

THE FLICKER MEETS OWL MOVIE


BIO-SUPER-8-WORK-SHOP

MIT SCHMALFILM-IKONE

DAGIE BRUNDERT

DO 22.6 11:00-18:00 / FR 23.6. 11:00 – 18:00,

im Bildrausch-Salon

Sie beglückt uns seit fast 30 Jahren mit verspielten

Super-8-Filmen, die so grandiose Titel tragen wie 23

Barbiepuppen kippen um . Sie war Herausgeberin des Filmfestival

Fanzines «Der Jochen». Sie ist Partikelfinderin

und Wellenfängerin. Mit ihrer Lochbildkamera fängt sie

die schönen, merkwürdigen Dinge dieser Welt ein und

drückt ihnen ihren ganz Stempel auf. Dagie Brundert

gibt seit einigen Jahren auf der ganzen Welt Super-8

Workshops. Jetzt ist sie bei Bildrausch zu Gast und nicht

nur in die Kunst und den Spass der Super-8-Filmerei

einführen, sondern die Filme auch noch gleich mit den

Teilnehmenden entwickeln. Anstatt giftiger Chemikalien

werden Rheinwasser, Blüten, löslicher Kaffee, und

Waschsoda verwendet. Das Ergebnis ist ein Schwarzweiss-negativ-Film,

der von Tweaklab zum digitalen

Positiv umgerechnet wird. Gezeigt werden die Werke der

Kurs-Teilnehmenden zu den Beats der Abschlussparty.

Anmeldung: super8@bildrausch-basel.ch

84

DER VIDEOKÜNSTLER TONY CONRAD

VORTRAG TABEA LURK

Do, 22.6. 17:15, Stadtkino Basel, 60 Min. E

Seit den späten 1970er Jahren nutzte Tony Conrad

vermehrt das Medium Video, um sich künstlerisch zu

artikulieren. In einem videografischen Rückblick auf

sein Schaffen zeigt Tabea Lurk (Autorin der Monografie

«Tony Conrad: Video und darüber hinaus») wie Conrad

in seinen Werken immer wieder selbst auftritt und

in angeeigneten Künstlerrollen wie etwa als Musiker,

als Moderator, Psychologe oder Hochschullehrer das

Publikum mit sprühender Wortgewandtheit direkt

anspricht. Zu sehen sein werden Beispiele aus den

unterschiedlichsten Schaffensphasen: von strukturalistischen,

filmtheoretischen Videoarbeiten der späten

1970er-, über die narrativen 1980er-Jahre, die Rückkehr

zur Musik in den 1990er Jahren und schliesslich die

selbst- und gesellschaftsreflexiven Ansätze der 2000er

Jahre. Collageartig entsteht so ein lebendiges Bild des

vielfältigen Performance- und Videokünstlers Conrad.

85

TALKS, EVENTS, PODIEN


IT’S THE END OF THE WORLD

...AS YOU CHOOSE IT!

DO 22.6., 22:00, im Bildrausch-Salon

Flammende Infernos, verheerende Flugzeugkatastrophen,

vernichtende Seuchen, aber auch Abstürze

und Entgleisungen im eigenen Haushalt oder (Liebes-)

Leben: Was könnte es Schöneres geben, als sich ein individuelles

Katastrophenprogramm selbst zu gestalten

– und das reduziert auf wenige Minuten, ohne unnötige

Dialoge und Handlung. Die Viewers-Digest-Form

grosser Kinoerfolge wurden in 70er- und 80er-Jahren

auf Super-8 und bis zu 150 Franken teuer für Ungeduldige

angeboten. Bernd Brehmer, Super-8-Sammler

und Bildrausch-Bespasser der ersten Stunde, bringt

sie nach Basel. Im Bildrausch-Salon darf der geneigte

Zuschauer aus seiner Wunderkiste Kurzfassungen

bizarrer Werke des Untergangs auswählen: eine alles

verschlingende Feuersbrunst in vierzig Minuten, die

Welt dem Erdboden gleichgemacht in zwanzig und die

Menschheit ausrottende Angriffe von Riesenspinnen

in nur zehn Minuten! So schöne Katastrophen gibt es!

86

ATELIER FILMKRITIK

FR 23. Juni von 9.30 bis 16.30 Uhr,

im Bildrausch-Salon

Wie schreibt man professionell über Film? Im

Atelier Filmkritik werden journalistische Grundlagen

vermittelt: Die Herangehensweise an unkonventionelle

Werke und das Finden einer guten Balance

zwischen persönlicher Meinung und Interpretation

werden diskutiert und im Anschluss an das Atelier

praktisch erprobt. Geschrieben wird über den Film

Big Big World von Reha Erdem, der im Wettbewerb

gezeigt wird. Die beste Besprechung wird mit der

Veröffentlichung auf der Website von «Filmbulletin»,

einem Jahresabo der Filmzeitschrift und einem

Bildrausch-Festivalpass 2018 belohnt. Der Kurs wird

durch die Chefredaktorin von «Filmbulletin» Tereza

Fischer geleitet. Unkostenbeitrag CHF 20. Anmeldung

mit kurzer Angabe zu Person und Motivation: anmeldung@bildrausch-basel.ch.

87

TALKS, EVENTS, PODIEN


PODIUM: INSYRIATED –

KRIEG ERZÄHLEN

FR 23.6.18:00, im Bildrausch-Salon

Gibt es eine adäquate Form der Erzählung wenn

es um die Erfahrungen von Krieg geht? Inwiefern

ähneln sich die im Spiel-, im Dokumentarfilm und der

Reportage angewandten dramaturgischen Mittel um

Spannung und Emotionen zu erzeugen? Ist es ethisch

vertretbar mit dem Schicksal einer traumatisierten

Bevölkerung zu unterhalten? In einem Podiumsgespräch

setzen sich Philippe van Leeuw, Regisseur von

Insyriated, der syrische Filmemacher Ossama Mohammed

(Silvered Water, Syria Self-Portrait 2014) und die

Journalistin Noëmi Landolt, die über ihre Erlebnisse

auf dem Flüchtlings-Rettungsschiff Sea-Watch 2 einen

Blog führte, mit der Frage auseinander, wie und warum

im Kino und in Reportagen über Krisen, Krieg und

Terror berichtet wird. Moderiert wird das Gespräch

über Chancen, Grenzen und Verantwortung von Jean

Perret, Leiter Cinéma du réel, HEAD Genf.

(Für Silvered Water bietet Bildrausch einen Streaminglkink

an – siehe Webseite)

In Kooperation mit Balimage

88

FILMKARAOKE

«YOU TALKIN' TO ME?» –

«HERE'S LOOKING AT YOU, KID!»

FR 23. JUNI 2017, ab 22:30 Uhr, auf dem

Theaterplatz, bei schlechtem Wetter im Foyer

des Theater Basel. Eintritt frei.

Sie wollten schon immer mal in die Haut Ihres Lieblingsfilmhelden

schlüpfen? Jetzt bietet sich die perfekte

Gelegenheit dazu: Nach dem Erfolg des ersten Basler

Film-Karaokes im vergangenen Jahr laden Bildrausch

und das Theater Basel erneut zu einem Karaoke-Abend

der besonderen Art: Nicht Songs, sondern Filmszenen

warten darauf, neu synchronisiert oder mit ganz eigenen

Texten auf dem Theaterplatz performt zu werden.

Die Musiker Joao Carlos Pacheco und Aleksander Gabrys

begleiten die Clips musikalisch, der Schauspieler

Mario Fuchs führt durch den Abend. Die Filmclips, die

zur Auswahl stehen, sind auf der Bildrausch-Homepage

aufgeschaltet. Anmeldeschluss ist der 21. Juni. Den

glorreichen Siegern winkt ein Festivalpass für die Bildrausch-Ausgabe

2018 sowie Tickets für das Stadtkino

und das Theater Basel. «May the force be with you!»

Anmeldung: filmkaraoke@bildrausch-basel.ch

89

TALKS, EVENTS, PODIEN


90

91

LARY7 CASTS A SPELL OVER YOU –

TRIBUTE-PERFORMANCE TO

TONY CONRAD

SA 24.6. 22:00, im Bildrausch-Salon

Lary7 lässt in seiner Live-Performance mehrere

16mm-Projektoren tanzen und nutzt sie für eine

hypnotisierende Sound- und Lichtinstallation. Der

New Yorker Multimedia-Künstler, zentrale Figur der

experimentellen Underground-Musik seit den 70er-

Jahren und Mitbegründer von Plastikville Records,

wird Tony Conrad bei Bildrausch mit einem Tribute-Konzert

ehren. Conrad ist für ihn, neben Hollis

Frampton oder Paul Sharits, die alle an der Universität

in Buffalo New York unterrichteten, bis heute

eine wichtige Inspirationsquelle. Ganz in Conrads

minimalistischem Geist wird Lary7 den Projektoren

durch direkte Manipulationen wie die Änderung der

Laufgeschwindigkeiten oder Vor / -Rückwärts-Spulen

mechanisch-magisch-rhythmische Klänge entlocken

und das Publikum mit stroboskopischen Effekten in

eine Art Trance versetzen.

FILM-CAFÉ FÜR FILMLIEBHABER

SO 25. Juni 16:30, im Bildrausch-Salon

Der Bildrausch-Salon verwandelt sich im Anschluss

an die Vorführung von Big, Big World in

ein offenes Film-Café. Welches Bild ist bei Ihnen

aus dem Film von Reha Erdem hängen geblieben?

Haben Sie sich in den Film verliebt oder hat Sie etwas

irritiert? Für einmal heisst es nicht: «Wie haben Sie

das gemacht, Herr Regisseur, Frau Regisseurin?»

Wir interessieren uns für die Wahrnehmungen des

Publikums. Denn: Bei jedem entsteht ein anderer

Film im Kopf, nichts ist falsch, alles ist richtig. Im

Film-Café ist jeder ein Experte, genauso wie unsere

beiden Gäste, Christian Zehnder, Stimmenkünstler

und Brigitte Lustenberger, Fotografin, die wir zu

diesem Gespräch eingeladen haben. Angestossen

wird der Talk durch Tereza Fischer, Chefredaktorin

«Filmbulletin». Im Film-Café soll aber jeder eifrig

mitdiskutieren, einen Gedanken oder eine Erfahrung

teilen oder auch nur zuhören. Anschliessend

an das Gespräch lädt Aésop zum Apéro.

TALKS, EVENTS, PODIEN


DIE BILDRAUSCH FESTIVAL-TASCHE

MI 21. 6. – SO 25.6.

Wohin beim Festival mit Katalog, Brille und all

dem Krimskrams, den man sonst noch mit sich rumträgt?

In die Festivaltasche natürlich! Bildrausch freut

sich, heuer erstmals eine eigens kreierte Tasche an

seine Gäste – und vielleicht auch an Sie – verschenken

zu können. Die Gestaltung / Kunst Klasse 3E der

Fachmaturitätsschule Basel FMS hat die Tasche für

Bildrausch entwickelt. In der Auseinandersetzung mit

den Bedürfnissen der Festivalbesucher und mit bekannten

Festivaltaschen wurde unter der Leitung von

Dinesh Mehta und Judith Schnyder eine eigenständige

Form entwickelt und mittels eines Prototypen erprobt.

Als Ausgangsmaterial entschied sich die Klasse für

alte Festival-Werbeblachen. Ihre Steifheit in Kombination

mit einer leichten Transparenz erzeugt eine

ungewöhnliche Wirkung. Dank der Materialwahl ist

zudem jede Tasche ein Unikat. Zu kaufen gibt es die

coolen Taschen nicht. Wir werden aber jeden Abend

zwei Exemplare verlosen!

92

FEIERLICHE ERÖFFNUNG

MI 21. 6., 17:30–2:00, Stadtkino

Mit einem Glas Sekt und Sounds

von DJ Rocco Raùl werden die Gäste

in der charmanten Gartenlandschaft

vor dem Stadtkino Basel begrüsst.

Nach einem Grusswort von Elisabeth

Ackermann, Regierungspräsidentin Basel-Stadt,

eröffnet Casting (2017) in Anwesenheit des Regisseurs

Nicolas Wackerbarth und des Schauspielers Andreas

Lust um 18:00 Uhr im Stadtkino Basel den Internationalen

Wettbewerb und damit auch das Festival. Anschliessend

an die Filmvorführung und das Q&A laden

Bildrausch und tibits zum Apéro riche. Um 21:15 Uhr

präsentiert Teresa Villaverde ihr Debut Alex, eine

poetische und schmerzliche Reise in die lang tabuisierte

Vergangenheit ihrer Heimat Portugal. DJ Rocco

Raùl lädt derweil auf der Piazza und im Bildrausch

Salon mit seinem fabelhaften Spaghetti-Surf dazu ein,

das Tanzbein zu schwingen.

BAR UND GRILL

MI 21. 6. – SO 25. 6., Piazza

Der Bildrausch-Salon, die Piazza

und die Bar im Stadtkino Basel öffnen

jeweils eine halbe Stunde vor

dem ersten Screening und bleiben

bis um 2 Uhr offen (am Freitag und

Samstag bis 4 Uhr). Die lauschige Piazza vor dem Kino

und der Bildrausch-Salon laden zum Verweilen und

Diskutieren ein. Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt:

Kleine Snacks und türkische Spezialitäten gibt

es den ganzen Tag an der Bar, gegen Abend ist der

Grill mit Gemüse-Spiessen und würzigen Salsiccias

von Tellplatz 3, Spezereien & Frohkost, in Betrieb.

93

RUND UM BILDRAUSCH


BASLER BIER –

HOCHWERTIG UND HAUSGEMACHT

MI 21. 6. – SO 25. 6., Piazza, Bildrausch-Salon

Aus dem Zapfhahn auf der Piazza

und im Bildrausch-Salon fliesst in

diesem Jahr ausschliesslich Bier aus

Basler Mikro-Brauereien: Handwerk

aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe

für puren Genuss! Welches Bier gerade gezapft ist,

zeigt jeweils ein Schild. Obergärige, süffig, frischfruchtige

Ales aus dem Gundeli (Bîrtel RedAle), aus

dem St. Johan (Volta-Bräu PaleAle, Gleis 1 Gold) und

aus Riehen (Amsel-Bräu PaleAle).

DJS IM BILDRAUSCH SALON UND AUF

DER PIAZZA – LET’S DANCE!

MI 21.6.–SO 25.6., 21:00–2:00 (FR/SA bis 4:00)

Piazza, Bildrausch-Salon

. MI 21. 6. ab 21:00 DJ Rocco Raùl

Spaghetti Surf

. DO 22. 6. ab 21:00 DJ Tom Best

Rock ’n’ Roll, Rhythm ’n’ Blues,

Early Soul

. FR 23. 6. ab 21:00 DJ B-Seite & Monaco Bertrand

Beats aus Schwabing und Berlin – eine beflügelnde

Symbiose

. SA 24. 6. ab 21:00 DJ Pult & Other System

Exerimental, Drone, Minimalism, Flickering

Bleeps & Beats

. SO 25. 6. ab 21:00 Djane-duo Booster09

7“singles von Ray Charles bis Marilyn Manson

94

SCHULVORSTELLUNG

DO 22. 6. – FR 23. 6., Stadtkino

In unserem 7. Bildrausch-Jahr bauen

wir die Schulvorstellungen aus

und bieten am Donnerstag- und Freitag

gleich mehrere Filme in Anwesenheit

der Filmschaffenden an. Interessierte

Klassen können sich gerne noch bei Steffi

Giaracuni anmelden: s.giaracuni@bildrausch-basel.

ch.

TEN YEARS ALIVE ON THE

INFINITE PLAIN – ON VINYL

Ab 21. 6., Plattfon

Das legendäre Minimal Music und

Film-Konzert «Ten Years Alive On

the Infinite Plain» von Tony Conrad

fand am 11. 3. 1972 im New Yorker

Club The Kitchen statt. 45 Jahre danach

hat das unabhängige Plattenlabel Superior Viaduct,

San Francisco die Original-Tonaufnahme auf

Vinyl herausgebracht. Die LP kann ab 21. 6. bei Plattfon

an der Feldbergstrasse 48, in Basel gekauft werden.

Ein Mitschnitt der Wiederaufführung dieses Konzerts

ist am Sonntag um 16:45 Uhr im Stadtkino Basel bei

Bildrausch zu sehen.

95

RUND UM BILDRAUSCH


FRÖHLICHE TAFELRUNDE

MIT DEN FILMSCHAFFENDEN

SA 24. 6. 17:45, Piazza

Bildrausch lädt auch heuer zum

traditionellen Filmemacher Essen,

an dem alle teilnehmen können. Setzen

Sie sich an die grosse Tafel zu

unseren Filmschaffenden aus der

ganzen Welt – mit einem Glas Wein von der Bar, einer

Wurst vom Grill oder auch einfach so zum Reden. Für

Feinschmecker gibt es den leckeren 3-Gänger von

Tellplatz 3, Spezereien & Frohkost inkl. Wein für

CHF 60. Anmeldungen für das Menu werden an der

Stadtkino-Kasse bis zum 22. 6. um 15.00 Uhr entgegengenommen.

Achtung: Die Plätze sind beschränkt.

BEAT THE ARTISTS

SO 25. 6., 12:30, Piazza

Beim Töggeli-Turnier fordern sich

Journalisten, Jury und Filmschaffende

von nah und fern zum sportlichen

Wettbewerb heraus. Fünf Festival-

Besucher haben die Chance, per Los

einen Turnierplatz zu ergattern. Fussballerinnen und

Fussballer melden sich bis zum 22. 6. 2017 um 18.00

unter: turnier@bildrausch-basel.ch an.

PREISVERLEIHUNG

SO 25. 6., 20:15, Stadtkino Basel

Am Sonntagabend prämiert die

internationale Jury den besten Bildrausch-Film

mit einer Preissumme

von CHF 3000 und überreicht den

Bildrausch-Ring der Filmkunst (Design:

Christa Wegener). Die Preisverleihung wird von

Niggi Ullrich moderiert. Im Anschluss laden Bildrausch

und tibits zu einem Apéro ein. Der Gewinnerfilm

wird um 21.00 Uhr im Stadtkino Basel gezeigt.

RUND UM BILDRAUSCH

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UNTERSTÜTZUNG

Bildrausch gäbe es nicht ohne die Menschen, die an uns

glauben. An erster Stelle sei hier den Kulturabteilungen

und den Swisslos-Fonds beider Basel gedankt. Der Dank

gilt auch allen Stiftungen, Institutionen und Firmen

sowie weiteren Donatoren, die nicht genannt sein wollen:

• Swisslos-Fonds Basel-Stadt

• Swisslos-Fonds Basel-Landschaft

• GGG Basel

• Isaac Dreyfus-Bernheim Stiftung

• Sulger Stiftung

• Saly Frommer Foundation

• Doms Stiftung

• Verein Le Bon Film

• Aesop

• Bogen 33

• Burckhardt+Partner AG

• Carbagas

• Chiemsee-Light Swiss

• Creaplot AG

• Delinat

• Druckerei Gremper AG

• FedEx. Feliton AG

• Hotel Krafft

• Mineralquelle Eptinger AG

• Musfeld Kran AG

• Restaurant Kunsthalle

• Tellplatz 3, Spezereien & Frohkost

118

Sulger Stiftung

• Stadtgärtnerei Basel

• SUBS Subtitling

• tibits

PARTNERSCHAFT

• Balimage

Basel Tourismus

• Basler Kunstverein

• Christa Wegener

• Fachmaturitätsschule Basel

• Filmbulletin

• Fondation Beyeler

• GGG Stadtbibliothek Basel

• kult.kino

• Kulturbox

• Kunsthalle Basel

• Maya Rikli. mediaTon

• Pro Innerstadt

• Stadtkino Basel

• Theater Basel

• ZHAW Angewandte Linguistik

Kunsthalle Basel

119

DANK


MEDIENPARTNER

• bz basel

• Cineman

• Filmbulletin

• Kulturjoker

• ProgrammZeitung

• Radio X

• ray Filmmagazin

• Telebasel

• WOZ Die Wochenzeitung

DANK

Bildrausch dankt den folgenden Personen und

Institutionen für ihren Beitrag zum Filmfest:

An Cha Flubacher-Rhim, Basel. Axel Töpfer, Basel. Bernd

Brehmer, München. Tereza Fischer, Zürich. Brigitte

Häring, Basel. Daniel Gautschi, Zürich. Steffi Giaracuni,

Basel. Sabine Olff, Zürich. Luis Miñarro, Barcelona. Maya

Rikli, Basel. Michael Sennhauser, Basel. Niggi Ullrich,

Arlesheim. Rosa Maino, Zürich. Primo Mazzoni, Zürich.

Simon König, Basel. Niggi Polt, Basel. Susana Santos

Rodrigues, Berlin. Pascal Trächslin, Basel (Cineworx).

Jolanda Gsponer, Zürich.

Bootsmann, Lörrach (Günter Bassler). Evented,

Ensdorf (Michael Woll, Dennis Kucher). Fachmaturitätsschule

Basel (Judith Schnyder). kult.kino, Basel (Romy

Gysin, Tobias Faust, Roman Weiss). Kulturbüro, Basel.

Kunsthalle Basel (Elena Filipovic, Beatrice Hatebur, Klaus

Haenisch, Claudio Vogt, Jan Kudrnovsky, Elena Gerosa,

Herbert Rehbein, Uwe Walther).

120

mediaTon, Basel (Raphael Zehnder). Preiswerk+Esser

AG, Basel (Martin Keller). Stadtgärtnerei, Basel (Mareike

Holluba). Salzgeber GmbH (Björn Knoll, Jürgen Pohl,

Hermann Lorsbach), Subs, Hamburg (Thorsten Birk, Lisa

Grabe). Tellplatz 3, Basel (Christof Lehmann, Tom

Wiederkehr, Tanja Allemann). Theater Basel (Andreas

Beck, Mario Fuchs, Katrin Michaels, Ingrid Trobitz,

Almut Wagner, Beat Weissenberger). Verein Le Bon Film

(David Glauser, Isabel Heiniger, Catherine Reinau,

Dominique Steg, Christoph Stratenwerth).

Agora Film (Laurent Dutoit), Autlook Films, Wien (Youn

Ji). Bord Cadre, Genf (Dan Wechsler). British Film

Institute, London. Cineteca Portuguesa, Lissabon (Sara

Moreira). Burning Bridges, London (Paul Williams).

Double Dutch International, Los Angeles (Lisa Clark,

Ron Moring). Electronic Arts Intermix (EAI) (Rebecca

Cleman), Faktura Films, Berlin (Kiril Krasovski).

Filmcoopi, Zürich (Wolfgang Blösche). Films Boutique,

Berlin (Susana Santos Rodigues). Finecute, Seoul (Yejin

Jeon). Foxy Films, London (Gerald Fox) Hurricane Films,

London (Sol Papadopoulos). Leopardo Filmes, ? (Paulo

Branco, Antonio Costa ). Meikincine, Buenos Aires

(Fernanda Descamps). NOS Lusomundo Audiovisuais,

Lissabon ( Fernando Jorge Santos), Park Circus,

Edinburgh (Jack Bell). Picture Tree International, Berlin

(Valeria Bronzini) The Match Factory, Köln (Brigitte

Suarez, Sergi Steegmann). Rapid Eye Movies, Köln

(Thorsten Peters). The Festival Agency, Paris (Selina

Boye). Visit Films, New York (Joe Yanick).

Und nicht zuletzt danken wir unseren Mitarbeitenden,

Moderierenden, Helferinnen und Helfern, die mit ihrer

Begeisterung und ihrem Engagement dieses Festival

mitgestalten und –tragen.

121

DANK


TICKETPREISE

• Einzeleintritt CHF 17/13 *

• Early-Bird-Eintritt CHF 12/8 *

• Multipass CHF 55/44 *

• Festivalpass CHF 110/90 *

* Studierende, AHV, Stadtkino-Mitglieder

mit Super-8-Karte oder Passepartout

• Der Eröffnungsfilm ist für Passepartout-Mitglieder von

Stadtkino Basel/Landkino kostenlos

• Film-Karaoke, Podium, Film-Café, Preisverleihung und

sämtliche Veranstaltungen im Bildrausch- Salon und

auf der Piazza sind kostenlos.

• Bio-Super-8-Work-Shop CHF 90

(Anmeldung: super8@bildrausch-basel.ch)

• Atelier Filmkritik CHF 20

(Anmeldung: filmkritik@bildrausch-basel.ch)

TICKETVERKAUF

Vorverkauf (ab 5. 6.2017) online auf

www.bildrausch-basel.ch und an der Kinokasse des

Stadtkino Basel. Der Verkauf von Festival- und

Multipässen erfolgt exklusiv an der Kinokasse des

Stadtkino Basel. Einzeleintritte für sämtliche

Vorstellungen können im Stadtkino Basel oder im

kult.kino atelier gekauft werden.

ÖFFNUNGSZEITEN

Die Bar des Stadtkino Basel und die Piazza sind jeweils eine

halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet. DJs legen

bis 2 Uhr auf – am Freitag und Samstag bis 4 Uhr.

122

ANFAHRT

• Ab Bahnhof SBB: in 7 Minuten zu Fuss oder mit Tram

2, 8, 10, 11 bis Haltestelle Bankverein

• Ab Badischem Bahnhof: Tram 2 bis Haltestelle Bankverein

oder Tram 6 bis Haltestelle Theater

• Parkhäuser: Elisabethen, Steinen, Bahnhof

SPIELSTELLEN UND SATELLITEN

1 Stadtkino Basel, Piazza und Bildrausch-Salon,

Klostergasse 5, 4051 Basel

2 kult.kino atelier, Theaterstrasse 7, 4051 Basel

3 Film-Karaoke, Theaterplatz, 4051 Basel

< BARFÜSSERPLATZ

THEATERSTRASSE

2

TINGUELY

BRUNNEN

THEATER-

PLATZ

3

KLOSTERGASSE

1

STEINENBERG

KUNSTHALLE

ELISABETHEN-

KIRCHE

123

FREIE STRASSE

4

ELISABETHENSTRASSE

HENRIC PETRI-

STRASSE

FESTIVALINFORMATIONEN


7. BILDRAUSCH

FILMFEST BASEL

21.06.—25.06.2017

. Bildrausch ist eine Initiative des Vereins Bildrausch

. Vorstand: Isabel Heiniger, Hanspeter Giuliani, Brigitte Häring

. In Zusammenarbeit mit dem Verein Le Bon Film. Vorstand: Isabel

Heiniger, David Glauser, Catherine Reinau, Dominique Steg,

Christoph Stratenwerth

BILDRAUSCH – FILMFEST BASEL

Theaterstrasse 22, 4051 Basel, Telefon: 061 205 98 81

. Direktion: Nicole Reinhard, Beat Schneider

. Kuratorische Mitarbeit: Olaf Möller

. Filmscouting: Olaf Möller, Bernd Brehmer

. Film-Karaoke: Primo Mazzoni, Lorenzo Berardelli, Marius Kuhn

. AutorInnen: Pamela Jahn (pj), Olaf Möller (om), Marina Porobic,

Nicole Reinhard, Beat Schneider (bs), Alexandra Seitz (as), Bernd

Brehmer (bb)

. Produktionsleitung/Technik: meyer-am-start, Simone Meyer

. Medienarbeit: Ursula Pfander

. Marketing: Waelti Content & PR, Christine Waelti

. Redaktion: Marina Porobic, Beat Schneider, Nicole Reinhard

. Korrektorat: Dominik Süess

. Übersetzung: Andrew Blackwell, Kate Whitebread

. Backoffice/Team-Catering: Angela Knor

. Kopientransport: Flavio Caldana

. Website: Angela Reinhard (Gestaltung), Bütler BIZ,

Bruno Bütler (Web-Programmierung)

. Homepage: Kaspar Aebi

. Praktikant: Cyril Jocz

. Bildrausch-Salon: Isabel Heiniger

. Blumen-Schmuck: Maya Rikli

. Fotografen: Daria Kolacka, Nicholas Winter, Diana Pfammatter

. Trailer: Nanouk Leopold, Daan Emmen

. Drucksatz/Layout: Gremper AG, Karl Gremper, Mario Venzin

. Inserate: Barbara Keller-Bergheimer

. Buchhaltung: IMAGO Treuhand

. Filmfest-Team: Adeline Sirlin (Barchefin), Johannes Wolfsperger

(Chefoperateur), Sarah Amelie Bodner, Julie Brunner, Claudia

Gruntz, Sibylle Lustenberger, Sandro Mazzoni, Thomas Oehler,

Catia dos Santos, Jaël Senn, Yelisaveta Staehlin, Tobija Stuker, Axel

Töpfer, Niggi Ullrich, Tobias Voss, Harry Wagner, Bianca

Wiedersich, Anja Zimmer

. Grafischer Auftritt: Ludovic Balland Typography Cabinet, Ludovic

Balland, Sinja Steinhauser

. Prepress und Druck: Gremper AG

124


7. BILDRAUSCH

FILMFEST BASEL

21.06.— 25.06.17

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