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LERNEN MIT ZUKUNFT JUNI 2019

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Impulsmagazin, Anregungen zum Nachdenken

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information & jugend Europa-Wahl: Die neue Volkspartei der Jugend IN DEUTSCHLAND WÄHLTEN ÜBER 20 PROZENT GRÜN UND DIE PARTEI ÜBERHOLTE DABEI DIE SPD Gerald Ehegartner Lehrer, Autor, Naturpädagoge und Visionssucheleiter „Akademie für Potentialentfaltung“, „Lernwelt“; www.geraldehegartner.com DOWNLOAD Interview mit Angaangaq 4 | JUNI 2019 Youtuber Rezo veröffentlicht ein erstaunlich gut recherchiertes Pamphlet gegen die arrivierten Altparteien und die AfD – und die Politik weiß nach Millionen Klicks immer noch nicht, wie sie auf diese neue Entwicklung reagieren soll. Nach der Wahlschlappe hört man die ersten Stimmen, dass hier in Zukunft spätestens vor Wahlen zensuriert gehöre. Eigentlich unglaublich. „Fridays for future“ wird zu einer immer größeren, unaufhaltsamen Bewegung. Die deutsche Stimme dieser Initiative – Luisa Neubauer - wird heftig kritisiert. Besonders hart aber wird Greta Thunberg von einigen ins Visier genommen – meist von älteren Männern, die sich von der kleinen „Pippi Langstrumpf“ aus Schweden nicht in die altbekannte, abgestandene Suppe spucken lassen möchten. Nur – es scheint, als ließe sich der junge, grün-bunte Zug, angeführt von kraftvollen jungen Frauen, nicht mehr aufhalten. Die Jugend, der immer wieder unterstellt wurde, sie sei zu bequem, sie sei unpolitisch, interessiere sich für Fragen der Zukunft nicht und wische lieber über ihre Smartphones – genau diese Jugend steht auf. Und plötzlich herrscht Ratlosigkeit in den Parteistuben und an anderen Schalthebeln der Macht. Als ich den Grönlandschamanen und Klimaaktivisten Angaangaq Anfang dieses Jahres für die großartige Schweizer „Infothek Waldkinder“ interviewte, meinte er: „Greta repräsentiert die Zukunft der Menschheit und wie sie mit Mutter Erde verbunden ist. Im Moment vergewaltigen wir die Erde, nehmen ausschließlich und geben nichts zurück. Wir denken nicht an die Konsequenzen.“ Angaangaq plädiert auch für die Naturvermittlung im Unterricht: „Hoffentlich kannst du in deiner Schule, im Schulsystem die Kinder lehren, die Mutter Natur zu verstehen. Die Welt des Kindes wird sich öffnen. Das Herz wird sich öffnen und das Kind wird viel mitfühlender und sorgsamer mit dem Leben sein.“ Vor Jahren habe ich mit einer Kollegin das 1. österreichische Naturpädagogik-Wahlpflichtfach gegründet – mit dem Namen „Abenteuer Natur“. Wir erhielten dafür sogar den „Teacher´s award“ des Bundesministeriums. Wir setzen an unserer Schule Ziele der „Global goals“ um, sind dem Netzwerk „Ökolog“ beigetreten und bieten die unverbindliche Übung „Gartengestaltung“ an. Ja, es ist einfach Zeit aufzustehen – und sich für die Umwelt, für unsere Zukunft einzusetzen. Die Jugendlichen sind Träumer im positiven Sinne – sie träumen von einer positiven Zukunft. Und sie sind dabei zugleich auch Realisten, wie jeder ernsthafte Wissenschaftler bestätigen würde. Jene Erwachsenen, die den Klimawandel leugnen oder die in der Politik bloß ihre Machtinteressen leben – diese sind negative Träumer und schon gar keine Realisten. Und diese „negativen Träume“ erleben wir gerade als Drama auf der politischen Bühne, inszeniert von Menschen, die das Tageslicht der Realität scheuen, um weiterhin ihren krummen Geschäften nachzugehen.

information & jugend Doch dafür ist aber eigentlich keine Zeit mehr. In meinem Buch „Kopfsprung ins Herz – als Old Man Coyote das Schulsystem sprengte“ , das im Bereich „Umweltschutz“ monatelang als Amazon- Bestseller geführt wurde, findet sich folgende Stelle: „Wenn es uns in einer Gesellschaft gelingt, kraftvolle, naturverbundene und friedvolle Schüler in die Welt zu entlassen, dann haben wir am Ende am meisten gewonnen. Es geht nicht mehr um alle möglichen Kompetenzen. Dafür ist die Zeit zu knapp. Es geht darum, ob wir uns zerstören oder nicht …“ Naturvermittlung und Friedens-bzw. Herzensbildung sind hier wohl die Kernkompetenzen! Alles andere ist bei näherer Betrachtung nicht mehr so wichtig. Derzeit bläst noch Gegenwind, aber es ist Zeit aufzustehen und durchzustarten. Der Aufbruch der Jugendlichen für unsere Zukunft gibt dabei ungeheuren Mut! Ich schließe mein Plädoyer für die Rückkehr zur Natur und für Friedensbildung mit den wunderbaren Worten von Reinhard Mey: "Gegen den Wind, gegen den Strom, gegen den Wind, gegen den Geist der Zeit, gegen die Dummheit mein Kind. Nur ein Querdenker, ein Freigeist, findet aus dem Labyrinth. Fliegen kannst du nur gegen den Wind." Foto: © Archiv Gerald Ehegartner 5 | JUNI 2019