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Taxi Times DACH - März 2017

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ÖSTERREICH & SCHWEIZ

ÖSTERREICH & SCHWEIZ Taxi vs. Uber: Theodor Thanner (rechts) von der Bundeswettbewerbsbehörde hatte Christian Holzhauser (links, Taxi 40100) und Andreas Weinberger (Mitte, Uber) zum Austausch der Argumente geladen. RÜCKKEHR NACH UNGARN Wie kann sich die Taxibranche gegen Wettbewerbsverzerrung schützen? Die verschiedenen Strömungen des Wiener Gewerbes machen sich darüber ihre Gedanken. So hatte beispielsweise der Taxiclub- Wien Ende Februar zum Fachgespräch über Uber geladen. Das Interesse der Taxikollegen war überschaubar. Umso hochkarätiger war die kleine Gruppe besetzt – mit Folgen für das Mietwagen-Unwesen. „Letztes Jahr, am 1. April 2016, hat man mich kritisiert, eine Demo sei das falsche Mittel, um auf die Not im Taxigewerbe aufmerksam zu machen. Jetzt ist ein Jahr lang nichts passiert. Da frage Wolfgang Eberling, Obmann des Taxiclub Wien. ich mich doch: Was wäre denn das richtige Mittel?“, eröffnet Wolfgang Eberling, Obmann des Taxiclub-Wien, die Sitzung. Er wirft Behörden und Politik, allen voran der Wirtschaftskammer und dem Bürgermeister der Stadt Wien, Untätigkeit vor. Diese ließen das Taxigewerbe im Stich und würden auch nichts gegen den US-Anbieter Uber unternehmen. „Man bekommt den Eindruck“, sagt Eberling, „als sei das Taxi unerwünscht!“ In der Tat gerät das Wiener Taxigewerbe gleich mehrfach unter Druck. Zum einen ist da Uber. Mit Dumpingpreisen werden Kunden angelockt und so dem Taxigewerbe entzogen. Darüber hinaus ignoriert der US- Fahrdienst sämtliche Regeln von der Betriebsordnung für den nichtlinienmäßigen Personenverkehr, die österreichweit gilt, bis hin zur Wiener Landesbetriebsordnung. Insbesondere dort sind Taxi- und Mietwagenverkehre deutlich voneinander abgegrenzt. Auch die Wiener Taxiunternehmen und Taxi-Funkzentralen sehen den Fahrdienstvermittler Uber weiterhin als unfaire Konkurrenz. Branchenvertreter werfen dem US-Konzern vor, sich nicht an die Wiener Taxi- und Mietwagen-Verordnung und die darin enthaltene Rückkehrpflicht für Mietwagenbetreiber zu halten. Teilweise kommen die Fahrzeuge aus anderen Bundesländern und sind nicht einmal als Mietwagen gekennzeichnet und daher für die Exekutive nicht als Uber- Autos erkennbar. Es wurden sogar schon Kennzeichen aus dem Ausland beobachtet. Uber argumentiert, dass man wegen der großen Nachfrage nicht dazu käme, zum Betriebssitz zurückzukehren – kaum glaubhaft, wenn der angeblich in Graz oder Ungarn sein soll. „Wir Taxis sind Teil des öffentlichen Verkehrs und halten uns an die Gesetze“, sagte Taxi-40100-Geschäftsführer und Wirtschaftskammer-Funktionär Christian Holzhauser bei einer Veranstaltung der »Politik, Exekutive und Verwaltung lassen uns im Stich.« Wolfgang Eberling Bundeswettbewerbsbehörde im Februar in Wien, bei der es zum Schlagabtausch zwischen Holzhauser und dem Uber-Austria-Chef Andreas Weinberger gekommen war. „Politik, Exekutive und Verwaltung lassen uns im Stich“, beschwert sich Eberling wenige Tage später bei seiner Veranstaltung. FOTOS: BWB, Tom Buntrock 26 MÄRZ / 2017 TAXI

ÖSTERREICH & SCHWEIZ FOTO: Taxi Times Gökhan Keskin, Obmann der Fachgruppe Wien, kann mit solchen Pauschalanschuldigungen wenig anfangen. „Es ist Aufgabe der Fachgruppen, ungleichen Wettbewerb zu verhindern“, sagt er im Gespräch mit Taxi Times. „Verstöße bringen wir zur Anzeige.“ Christian Holzhauser verweist auf die mühsamen und zeitraubenden Rechtswege. „Die Anzeigen werden aktuell in der zweiten Instanz verhandelt.“ Braucht es eine Reform des Gelegenheitsverkehrsgesetzes? Keskin sagt, dass man die Macken kenne, und verweist auf die intensiven Beratungen, die aktuell innerhalb der Fachgruppen aller österreichischen Bundesländer laufen. „Unterm Strich wird es ein Ergebnis geben, noch in diesem Jahr“, ist sich Keskin sicher. Holzhauser sieht die Aufgabe des Gewerbes darin, die geltenden Vorschriften noch klarer zu formulieren. Eigentlich ist die Gesetzgebung eindeutig. Die Bestellung von Mietwagen muss in der Betriebsstätte eingehen. Dem Mietwagenunternehmer stehen somit nur zwei Möglichkeiten zur Fahrgastaufnahme offen. Indem er entweder von der Betriebsstätte zu dem vorher vereinbarten Ort fährt und den Fahrgast dort aufnimmt oder indem der Mietwagenunternehmer bzw. -lenker auf der Rückfahrt von seiner letzten Bestelltfahrt einen weiteren Auftrag annimmt. Das ziellose Umherfahren ist untersagt. Im Zusammenhang mit dieser Regelung und weiteren Definitionen (Start UND Ziel müssen bei der Fahrtbestellung eines Mietwagens bekannt sein, es darf kein Messgerät zur Berechnung des Fahrpreises verwendet werden) ist das Uber-Geschäftsmodell rechtswidrig. DIE POLIZEI KANN NICHTS MACHEN Ein Gesetz zu haben, bedeutet aber nicht, es auch jederzeit umsetzen zu können. Der Polizei seien mehr oder weniger die Hände gebunden, sagt Eberling. Sie könne erst dann von sich aus aktiv werden, wenn Verstöße offensichtlich sind. Und die Finanzbehörde sieht keinen Handlungsbedarf: „Wenn Uber billiger ist, fahren die Leute halt Uber, wenn Uber teurer ist, fahren sie halt wieder Taxi“, heißt es von dort lapidar. Aus den Folgen der Untätigkeit der politisch Verantwortlichen macht Eberling keinen Hehl. Seine Aussage, er könne sich kein neues Paar Unterhosen mehr leisten, ging durch alle Medien. „Ich habe da nicht übertrieben! Für viele Taxilenker reicht der Verdienst nicht mehr zum Leben, sondern nur mehr zum Überleben.“ Keskin versucht, diese Aussagen zu relativieren. „Herr Eberling ist kein Unternehmer, sondern ein Taxilenker. Somit stehen ihm aus dem Kollektivvertrag monatlich 1 200 Euro zzgl. 200 Euro Tagesdiäten zu.“ Die Mietwagenunternehmer, die für Uber fahren, warnt er: „Die Kostenstruktur von Uber hat fürchterliche Folgen für die Unternehmer.“ AN DIE EIGENE NASE FASSEN Bei aller Kritik an der Wettbewerbsverzerrung durch Uber sieht Eberling auch das Taxigewerbe in der Pflicht: „Ich habe als Taxilenker den Taxiclub-Wien ins Leben gerufen, weil wir selbst etwas unternehmen müssen – Lenker und Unternehmer.“ Das beginnt mit einer serviceorientierten Einstellung und endet bei vernünftig gewarteten Fahrzeugen. „Bei manchen Taxis kommt einem einfach das Grausen, damit können wir Uber nicht wirklich Konkurrenz machen“, weiß Eberling. Leopold Müllner, Geschäftsführer Taxi 40100 Wien. Diesen Ansatz verfolgt auch die Wiener Taxizentrale 40100. „Was hilft es, wenn in einem Rolls-Royce ein schlecht angezogener, unfreundlicher und ungepflegter Fahrer vorfährt? Wenn der Lenker höflich und vertrauenserweckend ist, ist die Automarke egal“, sagte Leopold Müllner, Geschäftsführer »Ein höflicher Lenker ist wichtiger als ein Rolls-Royce.« Leopold Müllner der Taxi 40100, anlässlich der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten der Taxischule. Aus dem bisher 10. Bezirk ist man zum Jahreswechsel in die Pfarrgasse des 23. Bezirks gezogen. Dort sitzen auch die Verwaltung und die Funkvermittlung der Taxizentrale. Im Nebengebäude stehen der Schule zwei Räume mit jeweils 24 Plätzen zur Verfügung, in denen umfangreiche Schulungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dabei setzen Schulungsleiter Leopold Kautzner und sein Team auf moderne und visuelle Lehrmethoden. Die Ortskunde wird beispielsweise am Monitor in Form von Echtbildern gelehrt. Animierte Wegweiser und Verkehrszeichen veranschaulichen die Fahrtbeschreibungen wichtiger und praxisnaher Fahrtrouten. Neben der reinen Ortskunde werden unter anderem auch rechtliche Inhalte vermittelt sowie Maßnahmen zur Unfallverhütung bzw. – falls es doch passiert ist – zum richtigen Verhalten danach. „Zum Schulen gibt es genug“, sagte Müllner, der zusammen mit Gökhan Keskin, Obmann der Wiener Taxifachgruppe, das Band zerschnitt und damit die neuen Räume auch mit dem gewerbepolitischen Segen der Fachgruppe offiziell eröffnete. Eberling plant derweil umfangreiche Maßnahmen in der Causa Uber. Der u Der neue EKO-Umbau zum Rollstuhlbeförderungsfahrzeug Effizient Kostengünstig Original im Doorgrund 13 D-26160 Bad Zwischenahn fon +49 4403 58902 fax +49 4403 58903 info@reha-automobile.de www.reha-automobile.de

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