PDF Download, CHIP FOTO-VIDEO – Landschafts ... - Martin Hülle

martin.huelle.de

PDF Download, CHIP FOTO-VIDEO – Landschafts ... - Martin Hülle

PRAXIS Landschafts-Fotografie

Landschafts- Fotografi e

64

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

Foto: Bernd Ritschel

▶ Grundlagen für

starke Fotos Seite 66

▶ Die richtige

Ausrüstung Seite 68

▶ Outdoor-Tipps

vom Profi Seite 70

▶ Landschaft extrem Seite 72

▶ Top-Locations

in den Alpen Seite 74

▶ Eigene Bergtouren

planen Seite 76

Unsere Experten

Martin Hülle: Vor allem die rauen und

abgeschiedenen Landschaften des hohen

Nordens haben es dem Wuppertaler,

Jahrgang 1973, angetan. Zu Fuß

oder auf Skiern, im Sommer oder im

Winter die Kamera ist immer dabei.

Hans-Christian Hocke ist Bergführer,

Bergsteiger und Coach für Teamentwicklung.

Seine Leidenschaft gilt der

Fotografie:„Seit ich Berge besteige,

habe ich immer die Kamera dabei“,

sagt der 48-Jährige aus Freilassing.

Bernd Ritschel: Der 48-Jährige ist

einer der renommiertesten Outdoor-

Fotografen Deutschlands. Er lebt in

Kochel am See und hat bereits 20 Bildbände

veröffentlicht. 80 Fernreisen

führten ihn in fast alle Gebirge der Erde.

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

65


PRAXIS Landschafts-Fotografie

▶ Auch mal gegen die Sonne

Die Grundregel, mit dem Licht zu fotografieren, sollte

man gezielt brechen. So kommt Leben in eine sonst

vielleicht allzu ruhige Landschaftsaufnahme. Ein Tipp:

Mit geschlossener Blende, zum Beispiel f/16, wird die

Sonne als schöner Stern abgebildet.

Canon EOS 7D 24 mm * f 6,3 * 30 Sek * ISO 200

▶ Langzeitbelichtungen

Spätestens mit dem Einbruch

der Dämmerung sollte man mit

Stativ fotografieren, wenn man

hohe ISO-Werte wegen ansteigendem

Bildrauschen vermeiden

will. Ein Stativ ermöglicht

extra lange Belichtungzeiten,

um etwa die ziehenden Wolken

mal anders einzufangen.

Grundlagen für

starke Fotos

Für Landschaften braucht man keine teure Zusatzausrüstung,

es kann direkt vor der Haustür losgehen.

Nikon D200 40 mm * f 9 * 1/500 Sek * ISO 200

Leuchtende Farben, wie sie fast

nur die Natur bieten kann: Vor

allem im Sommer gilt es oft nur

noch, die passende Perspektive

zu finden. Spielen Sie bewusst

mit starken Farbkontrasten und

machen Sie sich natürliche Linien

wie hier diese Allee zunutze die

sich verjüngende Baumreihe verhilft

diesem Bild zu mehr Tiefe.

▶ Bloß nicht langweilig!

Wenn man so in die Weite schaut, ist man oft so von

der Landschaft eingenommen, dass man denkt, man

muss nur noch auslösen. Damit das Gefühl später auch

auf dem Foto herüberkommt, sollte man bedenken,

dass dem Betrachter einer solchen Aufnahme der Maßstab

fehlt: Ist der Berg jetzt wirklich hoch, die Schlucht

wirklich tief oder die Landschaft wirklich so endlos?

Hinzu kommt, dass viel Weite auf dem Foto auch leicht

langweilig wirken kann. Ein probates Gegenmittel: Aus

niedriger Perspektive fotografieren und einen interessanten

Vordergrund einbeziehen, sei es ein Stein

oder blühende Wiesenblumen wie hier. Ein Aufhellblitz

bringt dabei den Vordergrund zum Leuchten.

Die Weite der Landschaft fängt man optimal mit einem weitwinkligen

Objektiv ein. Oder eben als Panorama man muss

nur daran denken. Teures Zubehör brauchen Sie auch hier

66 CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

Die alte Glaubensfrage werden die meisten Profis klar

mit „Immer Stativ“ beantworten wer genug Zeit

hat, sollte diese auch nutzen, um sein Foto in Ruhe

zu komponieren. Und das gelingt mit Stativ natürlich

viel besser. Andererseits spricht bei ausreichend Licht

nichts dagegen, bewusst freihand zu fotografieren.

nicht: Moderne Panorama-Software ist ohne Weiteres in der

Lage, auch freihand geschossene Bilder aneinanderzufügen.

Aber: Sie sollten manuell auf einen mittelhellen Teil der

Szenerie belichten, das erleichtert nicht nur der Software die

Arbeit, sondern führt auch zu besseren Ergebnissen.

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011 67

Canon EOS 5D Mark II 14 mm * f 9 * 1/200 Sek * ISO 100

▶ Stativ oder freihand?

▶ Kontraste sehen

▶ Als Panorama fotografieren

Foto: Bernd Ritschel


PRAXIS Landschafts-Fotografie

▶ Das perfekte Stativ

Auch wenn viele DSLR-

Kameras mit grandiosen

High-ISO-Qualitäten

auftrumpfen, ein stabiles

Stativ sollte nicht

fehlen. Der Gewichtseinsparung

wegen ist

ein Carbon-Modell erste

Wahl. Die Tragfähigkeit

des Dreibeins und des

passenden Kugelkopfes

sollte dem

Gewicht der verwendeten

Kame raausrüstungentsprechen.

Kleidung & Co. für

Outdoor-Fotografen

Grundsätzlich gilt: Kleiden Sie sich nach dem Zwiebelprinzip,

also Unterwäsche, Isolationsschicht, Wetterschutz. Mit

mehreren dünnen Kleidungsstücken ist man flexibler als

mit dem dicksten Wollpulli. Bewährte Materialien sind Wolle,

Kunstfasern (Fleece) und wasserdichte/atmungsaktive

Stoffe. Softshell-Jacken und -Hosen bieten oftmals mehr

Komfort als Hardshell-Varianten à la Gore-Tex und Co.

Tagestouren: Ist man nur einen Tag unterwegs, reicht oft

ein großer Fotorucksack, der auch Platz für Fotozubehör,

Wechselkleidung, Verpflegung und Kompass/GPS bietet.

Die große Unternehmung: Ein komfortabler Rucksack und

passendes Schuhwerk sind die wichtigsten Ausrüstungsteile,

damit Sie auch Zelt, Schlafsack, Kocher und allen nöti -

gen Kleinkram beschwerdefrei über Stock und Stein tragen

können. Achten Sie bei der Ausrüstung auf das Gewicht je

weniger Kilo auf Ihren Schultern lasten, umso freier ist der

Kopf für die Outdoor-Fotografie mit spannenden Motiven.

▶ Filter zum Schutz

In widrigen Wettersituationen, etwa

bei Gischt am Meer oder Flugsand in

der Wüste, schützt ein UV-Filter das

teure Objektiv. Polfilter sorgen zudem

für sattere Farben. Damit die Leistung

des Objektivs nicht eingeschränkt wird,

empfehlen sich mehrschichtvergütete

Filter. So wird die Gefahr von Reflexionen

bei Streulicht minimiert.

▶ Objektive bewusst wählen

Unter schwierigen Bedingungen

ersparen einem Zoomopti ken

den lästigen Objektivwech sel.

Dann können sogar die verpönten

Superzooms einer Profilinse

überlegen sein. Als Optik vom Typ

„eierlegende Wollmilchsau“, die

von weit bis fern alles ablichtet,

ohne dass man die Gläser tauschen

muss, darf ein 18-200 Millimeter

(respektive 28-300 Millimeter

KB) gelten. Eine lichtstarke Normal-

Festbrennweite und ein Weitwinkel

sind eine sinnvolle Ergänzung.

Die richtige

Ausrüstung

Outdoor-Profi Martin Hülle verrät, mit welchem

Equipment erstklassige Bilder gelingen.

Speicherkarten sollte man in einer wasserdichten

und staubgeschützten Box wie dem

Gepe Card Safe Extreme unterbringen.

Und vor allem auf längeren Reisen

empfiehlt es sich, seine Fotos

zusätzlich auf einem mobilen

Datenspeicher zu sichern.

▶ Die richtige Kamera

Vollformat, APS-C oder Micro-Four-Thirds?

Für alle, die viel draußen unterwegs sind,

führt meist kein Weg an Gewichtsoptimierung

vorbei. Da punkten leichtere und kleinere

Kamerasysteme. Und durch den bei Modellen

mit kleinerem Sensor einhergehenden Verlängerungsfaktor

gewinnen auch moderate

Objektiv-Brennweiten Tele-Status. Nicht

immer ist die „beste“

Kamera auch die

praktischste.

Hier muss

jeder seinen

Kompromiss

aus Größe,

Gewicht und

Ausstattung

finden.

▶ Speicherkarten gut verstauen

Wer selbst mit aufs Bild möchte

oder mal länger belichten

muss, ist mit einem Fernauslöser

flexibler als mit dem

Selbstauslöser der Kamera.

▶ Genug Speicherplatz

Egal ob CF oder SD: Sie sollten

schnell, zuverlässig und für

extreme Bedingungen geeignet

sein. Lieber mehrere kleinere

als eine große Speicherkarte

mitnehmen so ist ein Kartenausfall

eher zu verschmerzen.

▶ Ausreichende Akkuleistung

Nichts ist ärgerlicher, als wenn

man unterwegs nicht mehr fotografieren

kann. Für kürzere Touren

sollten bei aktuellen SLRs ein oder

zwei Akkus reichen.

▶ Fernauslöser verwenden

▶ Der Transport

Wer ständig „schussbereit“ sein will, der muss seine Kamera

beim Laufen griffbereit zur Hand haben. Toploader- oder Gürtel-

Taschen, die sich bequem vor dem Bauch oder der Brust tragen

lassen, bieten sich an. Auch in Kombination mit einem Trekking-Rucksack

sind diese Modelle erste Wahl. Weitere Objektive

lassen sich in Köchern verstauen, die Sie zusätzlich an der Fototasche

befestigen oder im Rucksack verstauen können.

68 CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

Foto: Martin Hülle

69


PRAXIS Landschafts-Fotografie Outdoor-Tipps

vom Profi

Wir haben Martin Hülle nach seinen besten Tipps

zur Bildgestaltung von Landschaftsfotos gefragt.

1 Dynamik zeigen

Meistens ist man als Fotograf noch

schwerer bepackt unterwegs als die

Mitwanderer. Schließlich gilt es, neben

dem normalen Outdoor-Equipment

auch noch die Kamera-Ausrüstung zu

tragen. Dynamik zu zeigen und selbst

dynamisch zu agieren, ist da oft nicht

einfach. Da hilft nur körperliche Fitness,

um Motive aus nächster Nähe

einzufangen, statt mit hechelnder

Zunge hinterherzulaufen.

2 Weite vermitteln

Wie ist es möglich, die Weite einer

Landschaft zu vermitteln? Der naheliegende

Griff zur Weitwinkel-Optik,

mit dem Versuch möglichst viel Weite

einzufangen, führt oft nur zu einer

Leere im Bild, die vom Betrachter

nichts von der eigentlichen Dimension

vermittelt. Es fehlt ein Bezugspunkt.

Eine Person gleichzeitig klein genug,

um Verlorenheit zu symbolisieren und

groß genug, um noch gut erkennbar

zu sein erzählt eindrücklich die Geschichte

von der Isoliertheit in einer

endlos erscheinenden Wildnis.

3 Eigene Ideen umsetzen

Eine grobe Idee für das Foto hatte ich

schon vor der Wanderung - die endgültige

Umsetzung war dann spontan.

Als ich durch sehr hohen Schnee lief

und darin tiefe Fußabdrücke hinterließ,

war der Moment gekommen: Ich

trat ein besonders tiefes Loch in den

Schnee, legte die Kompaktkamera

hinein und machte mit dem Selbstauslöser

einige Fotos, bis der Ausschnitt

stimmte. Ich musste ja nur den

Fuß über das Loch (und die Kamera)

halten und zusehen, dass ich selber

auch noch gut im Bild war.

4 Den Vordergrund einbeziehen

Achten Sie bei Landschaftsaufnahmen

auf eine Staffelung von Vorder-, Mittel-

und Hintergrund, die den Blick

des Betrachters von vorne nach hinten

durch das Bild führt. Vor allem bei

Fotos, die mit Super- oder Ultraweitwinkel-Objektiven

gemacht werden,

ist es wichtig, den Vordergrund mit

einzubeziehen oder gar besonders

zu betonen, da sie ansonsten schnell

sehr langweilig wirken.

5 Zu allen Zeiten

Manches interessante Motiv zeigt

sich schon im Morgengrauen oder es

kommt sogar erst in der Nacht „zu

Tage“. Da heißt es, immer aufmerksam

zu sein, und gegebenenfalls auch bei

klirrender Kälte das warme Zelt zu verlassen,

um mit klammen Fingern im

Mondschein das Stativ aufzubauen.

6 Besondere Momente einfangen

Auch wenn die Aufnahme Ruhe ausstrahlt,

vor Ort muss es häufig schnell

gehen. Ein Regenbogen ist nie lange

zu sehen da ist es besonders wichtig,

seine Ausrüstung zu beherrschen. Das

hilft, um neben der Konzentration auf

eine gelungene Bildkomposition nicht

noch lange nach der richtigen Kamera-

Einstellung suchen zu müssen.

7 Details beachten

Nicht nur die spektakuläre Landschaft

oder ein besonders dramatisches

Actionfoto machen am Ende eine gute

Geschichte aus. Wenn Sie eine ganze

Reise, Wanderung oder Trekkingtour

dokumentieren wollen, dann beachten

Sie auch die Details am Wegesrand.

▶ Spannende Blickwinkel (Seite 69)

Interessante Perspektiven sind das A

und O. Auch, wenn Sie sich dafür mal

auf den Boden werfen müssen. So

wie hier: Um die Kompassnadel und

den Blick in die Ferne in einem Bild

zu vereinen und so die Szene zu verdichten,

musste der Fotograf nahezu

senkrecht nach oben fotografieren.

70 CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011 71

Nikon D40 50 mm * f 11 * 1/250 Sek * ISO 200

1

Fotos: Martin Hülle

4

Nikon D300 42 mm * f 11 * 1/800 Sek * ISO 200

Nikon D300 27 mm * f 22 * 1/160 Sek * ISO 400

5

7

6

2

3


PRAXIS Landschafts-Fotografie

Canon EOS 4D Mark II 24 mm * f 9 * 1/800 Sek * ISO 200

Contax 645 35 mm * f 4 * 60 Sek * ISO 200

1

Landschaft extrem

Wenn Bernd Ritschel unterwegs ist, geht es auch

mal gefährlich zu. Hier erzählt er die Geschichten

hinter seinen beeindruckendsten Bildern.

2

3

5

6

4

1 Ganz weit oben

Ein Fehltritt wäre fatal. Im Gipfelbereich

ist der Südwestgrat des 3.476

Meter hohen Olperer in den Tuxer

Alpen extrem ausgesetzt und schmal.

Gut positioniert mache ich mithilfe der

Serienbildfunktion der Kamera einige

Aufnahmen und achte dabei besonders

auf die Haltung der Bergsteiger.

Daheim wähle ich in Ruhe am PC das

beste Bild aus der Serie aus.

2 Warmes Morgenlicht

Kurz nach Sonnenaufgang ist das Licht

noch warm und die Kontraste sind

noch nicht zu hart. Durch die Positionierung

des Bergsteigers gegen den

Himmel hebt sich dieser markant ab.

Da ich selbst auf einem schmalen Grat

stand, war die Flexibilität durch das

Zoom0bjektiv äußerst vorteilhaft.

3 Top-Qualität garantiert

Sonnenaufgang am Gipfelgrat des

4.248 Meter hohen Mont Blanc du

Tacul. Nur wenn ich für große Ausdrucke

oder auf Kundenwunsch hin

maximale Qualität benötige, schleppe

ich eine Mittelformat-Ausrüstung mit

ins Gebirge. Doch wenn, dann arbeite

ich, bedingt durch die Festbrennweiten,

langsamer und bewusster.

4 Geschickt inszeniert

Bleischwer fließt der Dana Fork durch

die Tuolumne Meadows im Hochland

des Yosemite Nationalparks in Kalifornien,

USA. Die Aufnahme entstand

um vier Uhr morgens im Licht des

Vollmondes. Das Zelt ist ein wichtiges

Element: Es ist das Licht einer kleinen

Stirnlampe, die das Zelt erleuchtet und

so dem Bild seinen Reiz verleiht.

5 Perfektes Licht

Erst als die Sonne den Horizont

berührte, war ich mit der Symmetrie

des Bildaufbaus zufrieden. Durch die

extreme Brennweite von 14 Millimeter

und auch weil die Sonne schon teilweise

verdeckt war, entstanden kaum

mehr störende Reflexe.

6 Mit dem Wetter arbeiten

Erst nach langem Warten kam die tief

stehende Sonne unter den Wolken

hervor und warf ein goldenes Licht

auf die Westwand der Vajolettürme in

den Dolomiten. Ursprünglich wollte

ich die Türme in voller Größe mit auf

das Bild bekommen, doch gerade die

Wolke im oberen Bilddrittel macht

hier den Reiz der Aufnahme aus.

7 Extremer geht‘s kaum

Der Eingang ins Paradies. In allen

Blauschattierungen glitzern Eisstrukturen,

Blöcke und Eiswände dieser

Gletschermühle des Gepatschferner.

Oval geformte Gänge führen immer

tiefer hinein. Hoch konzentriert baute

ich das Stativ auf, um einige Bilder zu

machen. An solche Abenteuer sollten

sich nur erfahrene Eiskletterer wagen.

72 CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

Canon EOS 5D Mark II 14 mm * f 14 * 1/125 Sek * ISO 400 Contax 645 35 mm * f 16 * 1/8 Sek * ISO 50

Fotos: Bernd Ritschel

7

Canon EOS 1V 24 mm * f 8 * 1/125 Sek * ISO 100

73


PRAXIS Landschafts-Fotografie Top-Locations

in den Alpen

Canon EOS 1Ds Mark III 24 mm * f 10 * 1/640 Sek * ISO 200

1▶ Walchensee, Bayern

Der Walchensee ist einer der tiefsten Alpenseen Deutschlands. Dieses Foto

von zwei Wanderern „auf“ dem Walchensee ist nicht manipuliert auf

jeden Fall nicht digital. Gut, wir haben die Wassertiefe an dieser Stelle

etwas verringert :-). Dank zweier Assistenten in Neoprenanzügen und mit

Schlauchboot, mutigen Modellen, zwei VW-Bussen voller Equipment und

jeder Menge Improvisationsvermögen gelang dieses ungewöhnliche Motiv.

Ausgangspunkt: Halbinsel Zwergern, Parken in Einsiedl am Walchensee

Wegstrecke: 2 km, Gehzeit: 0,5 Stunden, Höhenmeter: 0 m

2▶ Hirschpleißkopf, Österreich

Canon EOS 5D MkII 14 mm * f 9 * 1/125 Sek * ISO 400

Der Hirschpleißkopf ist ein beliebter Aussichtsberg in den

westlichen Lechtaler Alpen. Ohne Aufhellblitz wären die

beiden Wanderinnen auf dem Gipfel dunkel und farblos.

So sind sie nicht nur klar zu erkennen, sondern bilden

auch optisch ein schönes Gegengewicht zur untergehenden

Sonne. Das hochwertige Weitwinkel-Objektiv sowie

eine kleine Blende helfen, Reflexe zu reduzieren.

Ausgangspunkt: Leutkircher Hütte, Parken in St. Jakob im Stanztal,

Wegstrecke: 5 km, Gehzeit: 4 Stunden, Höhenmeter: 1.300 m

Wir haben Berg-Profi Bernd Ritschel nach seinen

liebsten Orten zum Fotografieren gefragt.

7

8

Canon EOS 1Ds Mark III 35 mm * f 11 * 0,4 Sek * ISO 50

6

2

4

5

3

1

Fotos: Bernd Ritschel

3▶ Hohes Moos, Österreich

Drei Versuche waren nötig, um das Hohe Moos nahe der

Neuen Regensburger Hütte (Stubaier Höhenweg) in diesem

Licht zu fotografieren. Nur für wenige Wochen im Jahr (etwa

Mitte Mai bis Anfang Juli) wirft die Sonne dieses tiefe Gegenlicht

auf den mäandernden Bach. Dazu der Wanderer, damit

der Betrachter die Weite dieses Hochtals ermessen kann.

Ausgangspunkt: Neue Regensburger Hütte, Parken am Waldcafé Knoflach,

Wegstrecke: 5 km, Gehzeit: 3-4 Stunden, Höhenmeter: 1.200 m

Canon EOS 1Ds Mark III 120 mm * f 16 * 1/10 Sek * ISO 50

4▶ Samoarsee, Österreich

Der Samoarsee, auch

Brizzisee genannt, in

den Ötztaler Alpen bietet

eines der spektakulärsten

Panoramen der Ostalpen.

Seine Spiegelung ist ein

klassisches Motiv, das

immer wieder funktioniert.

Im Spätsommer

sind die Bedingungen

für die Spiegelung ideal:

klare Luft, die frisch verschneiten

Dreitausender

im Hintergrund und

ein windstiller Morgen

ohne sich kräuselndes

Wasser. Wann immer

es geht, versuche ich

mindestens eine Stunde

vor Sonnenaufgang an

der geplanten Location

zu sein, um in Ruhe den

Bildaufbau festzulegen.

Ausgangspunkt: Martin Busch

Hütte, Parken in Vent im

Ötztal, Wegstrecke: 8 km,

Gehzeit: 4 Stunden, Höhenmeter:

1.000 m

5 ▶ Monte Altissimo, Italien

Wenn tief unten am Gardasee noch tausende

Urlauber schlafen, erlebt man knapp 2.000

Meter höher, am Monte Altissimo, oft die

schönsten Sonnenaufgänge. An klaren Tagen

sieht man die Dreitausender Adamello und

Presanella genauso eindrucksvoll wie die Dolomiten

im Nordosten. Etwas ganz Besonderes

sind jedoch die Tiefblicke auf den See. Und

wenn dann das Rifugio Altissimo öffnet, gibt es

nicht nur einen guten italienischen Café, sondern

auch ein herzhaftes Frühstück.

Ausgangspunkt und Parken: Rifugio Grazian, Wegstrecke:

3 km, Gehzeit: 2 Stunden, Höhenmeter: 500 m

6 ▶ Schweizer Bachalpe

Eines der eindrucksvollsten Panoramen des

Alpenbogens erhebt sich über den Seen der

Schweizer Bachalpe. Ein knappes Dutzend großer

und kleiner Seen bietet Motive und vor allem

Spiegelungen im Überfluss. Gegenüber stehen

auch nicht irgendwelche Berge, sondern die

ganz „Großen“ des Berner Oberlandes: Schreckhorn,

Finsteraarhorn, Fiescherhorn und Eiger.

Ausgangspunkt: Waldspitz (Zubringerbus), Parken in

Grindelwald, Wegstrecke: 3 km, Gehzeit: 1-2 Stunden,

Höhenmeter: 400 m

7 ▶ Diavolezza, Schweiz

„Die weiße Hölle am Piz Palü“ mit Luis Trenker

machte diesen Berg berühmt. Man kann ihn

jedoch auch ganz gemütlich erleben. Auf einem

perfekten Aussichtsgrat in knapp 3.000 Metern

Höhe steht, direkt neben der Seilbahn, das

Berghotel Diavolezza. Die Ausblicke von hier auf

den Piz Palü und den Piz Bernina sind legendär

und äußerst fotogen. Durch die Anbindung der

Bahn können hier Ausrüstungsfans sogar das

ganz große Equipment zum Einsatz bringen.

Ausgangspunkt und Parken: Talstation der

Diavolezzabahn im Val Bernina

8 ▶ Val Verzasca, Schweiz

Urgestein gibt es viel in den Alpen. Nur in einem

Tal jedoch bietet es dem Fotografen Formen,

Strukturen und Farben in einer unglaublichen

Vielfalt. Das Zauberwort heißt Val Verzasca. Das

enge und ursprüngliche Tal liegt im Tessin und

ist am Besten über Locarno erreichbar. Besonders

bei Niedrigwasser könnte ich tagelang am

Fluss herumklettern und nach Motiven suchen.

Nein, eigentlich muss man hier nicht suchen ...

Ausgangspunkt und Parken: zwischen Brione und

Sonogno im hinteren Val Verzasca

74 CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011 75


PRAXIS Landschafts-Fotografie Eigene Bergtouren

planen

Bergführer Hans-Christian Hocke verrät im Interview,

wie Ihre nächste Tour zum (Foto-)Erfolg wird.

Was muss ich bei der Planung beachten?

Viel hängt vom Ziel ab. Wanderung oder Bergtour,

gar Klettern oder vergletschertes Hochgebirge?

Wer eine Tour plant, muss zuallererst

Wetter und die Bedingungen vor Ort abklären.

Schlechtes Wetter kann sehr reizvolle Motive

liefern, doch auf großen Touren kann es eventuell

lebensgefährlich werden. Sind Wege nach

dem Winter zerstört? Wie leicht ist die Route

zu finden, markierter Wanderweg oder freies

Gelände? Wie lange wird die Gehzeit betragen?

Wie lange dauert der Rückweg? Gibt es schwierige

Passagen, die Sicherung oder spezielle

Ausrüstung benötigen? Wenn Sie sich gesund

und fit fühlen, steht der Motivsuche im Gebirge

nichts Grundlegendes mehr im Weg.

Welche Tour ist für mich geeignet?

Für Bergunerfahrene gilt es, auf markierten

Wegen zu bleiben kleine Touren schafft bei

normaler körperlicher Fitness dann eigentlich

jeder. Wird das Gelände herausfordernd, zum

Beispiel wenn Absturzgefahr besteht, braucht

man Trittsicherheit oder sogar solide Kenntnisse

der Sicherungstechnik. Letztere ist fürs

Gebirge nur über viele Jahre erlernbar, oder

man sucht sich einen Bergführer.

Mit einem Führer sind für sportliche Menschen

auch Kletter- oder Gletschertouren

ohne Vorkenntnisse möglich. Im Winter die

Lawinengefahr richtig einzuschätzen, gehört

zu den komplexesten Herausforderungen des

Bergsports auch an Hängen, die heute oft mit

Schneeschuhen erwandert werden.

Muss ich eine Top-Kondition mitbringen?

Es gibt wunderbare Ausflugsziele, die sich in

einer Stunde mit wenig Ausdauer erwandern

lassen, aber die große Einsamkeit sollten Sie

hier nicht erwarten. Wer drei bis vier Stunden

Aufstieg durchhält, gewinnt Raum und Aussicht,

für die großen Touren ist eine überdurchschnittliche

Fitness nötig, und für das Bergsteigen

eine spezielle Kondition. Marathonläufer

zum Beispiel tun sich erfahrungsgemäß oft

schwer mit der ganz anderen muskulären Belastung

als gleich gut trainierte Bergsportler.

Benötige ich teure Spezialausrüstung oder

reichen die Angebote von Lidl und Tchibo?

Ohne gutes Schuhwerk mit Profilsohle geht gar

nichts. Der Schuh sollte richtig gut passen und

1 Grandiose Auswahl von Zielen nahe der Franz-Senn-Hütte in den

Stubaier Alpen. 2 Gipfel der Dreiländerspitze: Silvretta (3.197 m).

3 Morgen stim mung im Alpeiner Tal, Stubaier Alpen. 4 Gipfelkreuz

ersatz auf dem Signalhorn (3.210 m) am Silvretta. 5 Wohin

nur? Fuorcla de la Valletta in Graubünden. 6 Skitour zum Rinderhorn

(3.448 m), Berner Alpen. Eine grandiose Abfahrt erwartet uns.

Praktische Tipps

Erfahrungen sammeln: Wer noch nie in den Bergen unterwegs

war, sollte vielleicht klein anfangen: Die Sektionen des Deutschen

Alpenvereins (www.alpenverein.de) bieten oft Touren für ihre Mitglieder

an perfekt, um erst einmal Erfahrungen zu sammeln.

Wanderführer & Karten: Informationen finden sich in zahllosen

Wander- und Bergführern, für jedes Gebiet gibt es ausführliche

Literatur. Mit der Landkarte (am besten topografische Wanderkarten

im Maßstab 1:25.000) lässt sich die geplante Route nachvollziehen

und im Gelände später überprüfen. Unterwegs geben auch die

Hüttenwirte gerne Auskunft über den Zustand der Wege.

Auf keinen Fall vergessen: Notfallapotheke, Biwaksack und Handy

mit alpenweiter Notrufnummer 112. Und unbedingt hinterlassen,

wo es hingeht und vor allem, wann Sie spätestens wieder zurückkehren,

so kann im Zweifelsfall schnell Hilfe organisiert werden.

Bergführer finden: Wer professionelle Unterstützung will, wird

auf den Webseiten der nationalen Verbände eines jeden Alpenlandes

wie www.bergfuehrer-verband.de fündig. In den großen

Touristenzentren gibt es oft Bergführerbüros, die einen Führer

vermitteln. Tipp: Nehmen Sie nur Personen, welche die dreijährige

Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer absolviert

haben, damit sie bestmögliche Sicherheit und Qualität erhalten.

76 CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011 77

Canon Digital Ixus 750 38 mm * f 7,1 * 1/320 Sek

Fotos: Hans-Christian Hocke

Canon Digital Ixus 750 37 mm * f 7,1 * 1/400 Sek

4 5

am besten eingelaufen sein. Nichts ist schlimmer

als Blasen und Druckstellen an den Füßen

hier rate ich zum Fachhandel. Als Bekleidung

für einfache Wanderungen reicht dann tatsächlich

häufig Discounter-Ware. Sollte es aber

ins Hochgebirge gehen, ist eine hochwertige

Ausrüs tung Pflicht. Mein Rat: Vergewissern

sie sich im Sportgeschäft, ob der Verkäufer Ahnung

vom Bergsteigen hat. Ohne eigene Praxis

wird oft nicht kompetent beraten. Nicht alles,

was es im Laden gibt, braucht man wirklich.

Spezialausrüstung zum Sichern ohne Anwendungskenntnisse

hilft auch nichts, oft bieten

Bergführer oder Bergschulen entsprechende

Leihausrüstung an, wie etwa Helme oder Gurte.

Canon Digital Ixus 750 112 mm * f 13 * 1/60 Sek

2

3

Canon Digital Ixus 750 61 mm * f 3,5 * 1/60 Sek

Was sind Ihre Tipps für Fotos im Gebirge?

Meiner Erfahrung nach ist der wichtigste

Punkt, sich vorab zu entscheiden: Gehe ich zum

Bergsteigen oder zum Fotografieren ins Gebirge?

Beim Fotografieren muss ich viel mehr Zeit

einplanen, oft früher aufbrechen, um das beste

Licht zu erhalten usw. Ganz entscheidend sind

auch meine Begleiter: Am besten, sie fotografieren

selbst oder sind begeisterte Statisten. Wenn

die Begleiter nämlich frierend warten müssen

und eher den Gipfel oder die Hütte im Kopf

haben, dann wird es schwer, Motive in Ruhe

einzufangen. Tipp: Bei einer Fototour mit Bergführer

auch vereinbaren, dass es in erster Linie

um gute Motive geht, dann kann dieser seine

6

Zeitplanung anpassen oder beraten. Denn bei

großen Touren ist es aus Sicherheitsgründen

manchmal nötig, früh genug zurück zu sein.

Haben Sie einen Tipp für eine leichte Route

an einem schönen Sonntag?

Wer den zweistündigen Aufstieg zur Blaueishütte

in den Berchtesgadener Alpen schafft,

wird doppelt belohnt: Als Stärkung gibt es leckeren

Kuchen und für die Kamera großartige

alpine Landschaft. Karstformen, Felsblöcke

und Hüttenstimmung laden zum Fotografieren

ein. Kletterer in den Wänden ringsum rufen

Seilkommandos. Darüber der Hochkalter mit

dem fast abgeschmolzenen Blaueisgletscher.


78

PRAXIS Landschafts-Fotografie

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

Canon EOS -1Ds Mark III 15 mm * f 10 * 1/80 Sek * ISO 400

Foto: Bernd Ritschel

Exklusiv

auf Ihrer DVD

Praxis-Videos zur

Landschaftsfotografie

DVD Seite 16

CHIP FOTO-VIDEO 05.2011

79

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine