Runter vom Holzweg - ARA

araonline

Runter vom Holzweg - ARA

Runter

vom

Holzweg

Nachhaltige

Nutzung von

Wald und Holz

Eine Ausstellung der

Stiftung Eine Welt - Eine Zukunft

in Zusammenarbeit mit

dem Naturschutzbund NRW,

der Verbraucherzentrale NRW

und ARA e.V.

gefördert von der

Nordrhein-Westfälischen Stiftung

Umwelt und Entwicklung


Ausstellung “Runter vom Holzweg

Maßstab 1:100

Grundfläche 10 x 20 m

Modul 1

Holzturm

Holzstühle

Modul 7

Fenster

Brücke mit

Bodendielen

Baumscheibe

Rindentuch

Tisch

Holzverbindungen

Holzstele

Xylophon

Modul 2

Baumscheibe

Tisch

Timber-

Spiel

Modul 4

Modul 6

Specht

Baumscheibe

Modul 3

Modul 5


Das Holzspiel

Der Specht

Impressionen

aus der Ausstellung

Die sprechende

Pappelscheibe

Gartenmöbel und

Riesen-Xylophon

Der Holzturm


Modul 1 (Buche)

Titel Klima Biodiv Titel M1

Baum

Indigene

120 x 150 90x150 90x150

120x150

90x170

Rohstoff

Holz

90x150

Warenhaus

90x150

(Seite 1) (Seite 7) (Seite 8) (Seite 9) (Seite 10) (Seite 11) (Seite 12)

Modul 2 (Buche)

BrennpunktTropenwald

60x150

(Seite 15)

Gartenmöbel

120x170

Titel M2

Raubbau

120x150

Höhe in cm:

180

150

120

90

60

Orang-

Utan

120x150

Penan

und

Baum

60x150

Penan

120x170

(Seite 16) (Seite 17) (Seite 18) (Seite 19) (Seite 20)

Höhe in cm:

40

31

22

13


Modul 3 (Birke)

Kleinbauer

60x170

(Seite 21)

Papier-

Wälder

Modul 5 (Birke)

Eukalyptus-

Plantage

120x150 120x170

V+R

Austauschhölzer

120x125

55x34

Vorderseite: S.42

Rückseite: S.43

Holzeinkauf

120x160

Modul 4 (Buche)

Strenge

Regeln

120x170

Papier

120x160

gefällte

Buche

Titel

FSC

90x170

Titel M5

Hand

120x125

aufgesägter

Stamm

Naturnahe

Waldnutzung

120x150

(Seite 22) (Seite 23) (Seite 36) (Seite 37) (Seite 38)

(Seite 44) (Seite 45) (Seite 46)


60x160

Glockenturm

Holzverbindungen (Erle) Klanghölzer (Erle) Rindentuch (Erle)

90x105

Expo-Dach

90x40

Expo-Dach

90x150

Haltet den

Dieb

60x160

Holzträger

Illegaler Holzeinschlag (Buche)

60x150

V+R

120x125

60x150

V+R

(Seite 39) (Seite 40) (Seite 41) (Seite 34) (Seite 35)

60x170

Russland

60x85

Liberia

60x150

Malaysia

60x110

Kanada

60x150

Brasilien

Der deutsche

Wald

Forstweg Waldarbeiter

Wald in Deutschland (Birke)

120x160

Naturnahe

Waldwirtschaft

(Seite 25) (Seite 26) (Seite 28) (Seite 24) (Seite 27) (Seite 29) (Seite 30) (Seite 31) (Seite 32) (Seite 33)

60x60

Specht

60x170

Fichten

60x116

V+R

60x53

V+R

Vorderseite: S.13

Rückseite: S. 14


Schutz der Erdatmosphäre

Etwa die Hälfte der Trockenmasse von

Pflanzen besteht aus Kohlenstoff. Die

Wälder der Erde enthalten davon über

1,5 Milliarden Tonnen und sind damit der

wichtigste oberirdische Kohlenstoffspeicher.

Werden sie vernichtet, entweicht der

Kohlenstoff als Kohlendioxid in die

Atmosphäre und trägt so erheblich zur

Klimaerwärmung bei. Die Folgen sind

immer häufiger zu beobachtende extreme

Klimaereignisse wie Dürren, Überschwemmungen

und schwere Stürme.

... wie ein Schwamm

Wälder speichern Niederschläge - und

geben das feuchte Nass langsam ins

Grundwasser und in Gewässer ab. Damit

sind sie von entscheidender Bedeutung

für die Trinkwasserversorgung und die

Landwirtschaft. Gerade in bergigen

Regionen verhindern sie außerdem

das Abschwämmen des Bodens.

Eine bedeutende Rolle spielen die Wälder

auch in vielen regionalen Klimakreisläufen.

Wo sie großflächig abgeholzt

werden, verdunstet sehr viel weniger

Wasser und Niederschläge bleiben aus.

So ist die zunehmende Steppen- und

Wüstenbildung in der westlichen Sahelzone

eine unmittelbare Folge der großflächigen

Abholzung an der westafrikanischen

Küste.

Klimastabilisator

und Wasserspeicher


Unüberschaubare Vielfalt

Sicher ist, dass die Wälder der Erde den weitaus

größten Teil aller landlebenden Tier- und

Pflanzenarten beherbergen. Wie viele es allerdings

sind, wissen wir noch nicht, denn

gerade das Leben in den Baumkronen ist

nur ungenügend erforscht.

In den Wipfelregionen einer einzigen

Tropenbaumart entdeckte man 163 Käferarten,

die alle von dieser einen Pflanzenart abhängig

sind. Würde dies für alle tropischen Baumarten

gelten, so ergäbe sich die stolze Zahl

von acht Millionen Käferarten - viermal

mehr als die Wissenschaft heute

insgesamt an Tier- und

Pflanzenarten kennt.

Leben vom Tod

Für viele Menschen gehören heruntergefallenen

Ästen und umgestürzten Bäumen nicht in

den Wald. Dabei sind sie ein wichtiger Teil

des Ökosystems. Hier brüten nicht nur

Spechte. Auch eine Vielzahl von Insekten ist

auf tote, langsam vermodernde Bäume angewiesen.

Viele mitteleuropäische Wälder haben

über die Hälfte ihres Artenreichtums verloren,

weil in ihnen kein Totholz geduldet wird.

Vernetzte

Lebensräume

Bäume bilden häufig die

Grundlage für eng verwobene

Lebensgemeinschaften. Auf den

Ästen von Tropenwaldbäumen

wachsen beispielsweise zahlreiche

Bromelien und andere

Aufsitzerpflanzen. In deren

Blattrosetten sammelt sich

Regenwasser, in das Baumfrösche

ihren Laich ablegen. In ihrem

ganzen Leben sehen diese

Amphibien also nie einen Tümpel

- und brauchen ihn auch nicht.

Hort der

Vielfalt


Luftfilter

Temperaturausgleich

CO 2 -Speicher

Menschlicher Lebensraum

Genetische Ressourcen

Kulturraum

Farbstoffe

Arzneimittel

Gummi,

Öle

Wildfleisch

Harze

Nahrungsmittel

Bodenschutz

Lawinenschutz

Regionale Niederschlagsverteilung

Mikroklima

Klimaregulation

Wasserspeicher

Schutzsystem

Nichtholz-

Produkte

Holz

Versorgungssystem

Nutzholz

Brennholz und

Holzkohle

Hoch- und Niedrigwasserregulierung

Wälder sind mehr

als Ansammlungen

von Bäumen


Abhängig von Wäldern

Wir schätzen Wälder vor allem als Orte der

Erholung, nutzen sie vielleicht noch zur

Pilzsuche. In nordischen wie in tropischen

Wäldern sieht das anders aus. Dort leben

etwa 300 Millionen Menschen dauerhaft im

Wald oder sind unmittelbar von der alltäglichen

Nutzung der Produkte eines Waldes

abhängig.

Kulturelle Vielfalt

In der Kultur indianischer Waldvölker ist das

größte Wissen über die schonende Nutzung

von Wäldern verankert. Religiöse Gebote und

Tabus dienen auch dazu, die Übernutzung der

Tiere und Pflanzen des Waldes zu verhindern.

Wo die vermeintliche Zivilisation Einzug in die

Wälder hält, wird mehr und mehr an indianischer

Kultur zerstört. Unsere Welt wird ärmer,

denn die Waldvölker der Erde verkörpern mehr

als die Hälfte aller noch lebenden Kulturen.

Die Wächter

der Wälder

Der Landbesitz der indianischen

Waldvölker Brasiliens beläuft

sich auf sieben Prozent des

Staatsgebietes - eine Fläche

deutlich größer als alle

Naturschutzgebiete des Landes.

Während amazonische

Nationalparks kaum sicher sind

vor zerstörerischen Eingriffen,

setzen sich die Indianer aktiv

für den Schutz ihrer Wälder ein

- nicht selten in einem

gefährlichen Kampf gegen

Großgrundbesitzer und

Holzfäller.

Heimat und

Lebensraum


Das orientalisch duftende südasiatische

Sandelholz zählt zu den begehrtesten

Parfümgrundstoffen.

Aus dem Harz des Dammarbaumes

werden besonders hochwertige Lacke

hergestellt.

Über 150 Milliarden Euro Jahresumsatz

erzielt die Pharmaindustrie mit Wirkstoffen

aus Tier- oder Pflanzenarten.

Die meisten davon stammen aus Wäldern,

wie auch die malayische Grubenotter, aus

deren Gift Biochemiker ein Medikament

zur Behandlung von Schlaganfällen

entwickelt haben.

Gummi:

Natur kann mehr

Naturkautschuk ist synthetischem

Gummi, das aus

Erdöl hergestellt wird, klar

überlegen. Ohne den Saft

der Gummibäume ließen

sich besonders belastungsfähige

Produkte wie

Flugzeug-Reifen,

Kondome, Schnuller oder

OP-Handschuhe nicht

herstellen.

Verkannte

Wirtschaftsgüter

Für viele Menschen bieten die Wälder

alles, was sie zum täglichen Leben

benötigen: Wild und Fisch, Früchte,

Nüsse, Arzneipflanzen und

Baumaterialien.

Daneben liefern Wälder viele so genannte

Nicht-Holzprodukte wie Harze, Öle, Duftund

Medizinalgrundstoffe oder Gewürze.

Der wirtschaftliche Gewinn, der mit der

nachhaltigen Nutzung solcher Naturprodukte

erzielt werden kann, liegt in

vielen Waldökosystemen deutlich über

dem Wert des Nutzholzes.

Rattan:

Möbel aus Kletterpalmen

Über 500 Arten der unscheinbaren

Kletterpalme wachsen in den Wäldern

Asiens.

Aus den Pflanzen werden beispielsweise

Farbstoffe und medizinische Produkte

gewonnen, die gegen Schlangengift

ebenso wirksam sind wie gegen Rheuma

und Darmerkrankungen.

Seine besondere Strapazierfähigkeit und

Flexibilität machen Rattan vor allem zu

einem weltweit begehrten Rohstoff für

die Möbelindustrie. Aus Asien wird jedes

Jahr Rattan für mehr als eine Milliarde

Euro exportiert.

Warenhaus


Wirtschaftsgut Holz

Holz ist der wirtschaftlich bedeutendste

nachwachsende Rohstoff. Seit 1960 ist

der Einschlag von Holz für industrielle

Zwecke um 50 Prozent auf heute etwa

1,5 Milliarden Kubikmeter gestiegen. Der

Anteil, der in die Papierindustrie wandert,

hat sich in den letzten 30 Jahren sogar

mehr als verdreifacht.

Holz für alle?

Weltweit werden heute Holz und

Holzprodukte im Wert von über 140

Milliarden Euro gehandelt. Dabei steht

der Verbrauch von Holzprodukten in

einem direkten Verhältnis zum

Einkommen.

Zwei Drittel aller Holzprodukte werden

von Europa und Nordamerika genutzt.

Dort lebt aber nur etwas mehr als eine

von insgesamt über sechs Milliarden

Menschen.

Holz als Energieträger

Neben seiner industriellen Bedeutung

spielt Holz eine wichtige Rolle als

Energiequelle. In den Ländern der Dritten

Welt sind immer noch fast zwei

Milliarden Menschen auf Holz als

Brennstoff angewiesen.

In der Nähe von Städten und in baumarmen

Savannengebieten ist der Bedarf

inzwischen so hoch, dass er nicht mehr

durch nachwachsende Bäume gedeckt

werden kann.

Nachwachsender

Rohstoff


Brennpunkt

Tropenwald

Schrittmacher der

Zerstörung

Noch ist ein Drittel der Landmasse der

Erde mit Wäldern bedeckt. 56 Prozent

davon finden sich in den Tropen und

Subtropen, ein Drittel sind nordische

Wälder. Die für Mitteleuropa typischen

gemäßigten Wälder bedecken 11 Prozent

der Landfläche unseres Planeten.

Jahr für Jahr werden weltweit Waldflächen

vernichtet, die zusammen halb so

groß sind wie Deutschland. Der überwiegende

Teil ist Tropenwald.

Holzeinschlag ist zwar nur eine der

Ursachen, aber fast überall leitet er

weitere Zerstörung ein.


Fällen, bis die Säge glüht

Als die Wälder Mitteleuropas vor über zweihundert

Jahren fast geplündert waren, wurde

die nachhaltige Forstwirtschaft eingeführt. Sie

funktioniert nach einer verblüffend einfachen

Regel: Es darf nicht mehr Holz eingeschlagen

werden als nachwächst.

In den meisten Wäldern der Erde ist nachhaltige

Forstwirtschaft ein Fremdwort. Dort gilt die

Faustregel: Es wird gefällt, was großes Geld

verspricht - ohne Rücksicht auf Verluste.

Schmuggelware

Gartenstuhl

Billige Gartenmöbel aus Tropenholz sind

in. Als Ursprungsland wird häufig Vietnam

angegeben. Doch Vietnam ist so gut wie

entwaldet. Woher also kommt das viele

Holz?

Umweltschützer aus dem Nachbarland

Kambodscha berichten, dass seit Anfang

der 90er Jahre ein unaufhörlicher Strom

von Sattelschleppern, Armeelastern, selbst

Ochsenkarren das Edelholz über die

Grenze nach Vietnam schafft.

Noch ist Kambodscha ein vergleichsweise

waldreiches Land. Aber die Weltbank

warnt, dass in spätestens zehn Jahren

auch dort alle wirtschaftlich wichtigen

Bäume gefällt sein werden, wenn der

Holzfrevel im bisherigen Tempo weitergeht.

Mittlerweile wurde ein Exportverbot

erlassen - doch die Holzkarawane zieht

ungebremst weiter.

Vom Aussterben bedroht

Tropische Wälder zeichnen sich durch eine

besonders hohe Zahl verschiedener Baumarten

aus. Forscher haben auf der Insel Borneo auf

nur zehn Hektar mehr Baumarten gefunden als

in ganz Europa vorkommen.

Die Holzwirtschaft interessiert sich meist nur

für eine Handvoll davon, nämlich jene Arten,

die auf dem internationalen Markt hohe Preise

erzielen. Die allerdings plündert sie gründlich.

Eine davon ist das brasilianische Mahagoni. Es

ist so selten geworden, dass es auf die Liste

der gefährdeten Arten gesetzt werden musste.

Tödliche Einfallschneisen

Gerade wenn nur wenige Baumarten wirtschaftlich

interessant sind, müssen große

Waldgebiete mit Straßen und so genannten

Rückewegen erschlossen werden. Und dabei ist

man häufig nicht zimperlich: In Zentralafrika

werden 30 bis 40 Prozent des Waldes zerstört,

obwohl nur ein oder zwei Bäume pro Hektar

entnommen werden.

Die neuen Straßen bedeuten oft den Anfang

vom Ende des Waldes. Denn erst sie öffnen bislang

unzugängliche Gebiete für Siedler,

Kleinbauern, aber auch für die

Plantagenwirtschaft.

Das schnelle Geschäft

mit dem billigen Holz


Raubbau bedroht

Menschen und Wälder


Nationalparks gleichen

Holzfällercamps

Schlechte Nachrichten aus Indonesien: In letzter Zeit

schreckt der illegale Holzeinschlag auch vor den

Naturschutzgebieten des Landes nicht mehr zurück.

Manche Nationalparks gleichen Holzfällercamps. Auf die

Edelholzausbeutung folgen die Brandrodung und die

illegale Besiedlung.

Der Gunug Leuser Nationalpark gilt als eines der bedeutendsten

Rückzugsgebiete für Sumatra-Tiger, Sumatra-

Nashorn und Orang-Utan. Er ist ebenso wie andere

Schutzgebiete von weitflächiger Zerstörung bedroht.

Fachleute erwarten hier den Tod des letzten Orang-Utan

in fünf bis zehn Jahren.

Holzeinschlag außer Kontrolle

Nach offiziellen Angaben ist der Holzeinschlag

in Indonesien auf 6,8 Millionen Kubikmeter pro

Jahr beschränkt. 2001 hat die Regierung auch

die Ausfuhr von Holz verboten.

Fachleute schätzten den illegalen Holzeinschlag

des darauf folgenden Jahres auf über

50 Millionen Kubikmeter.

Auf unzähligen Schiffen wird das Holz nach

Malaysia und Singapur geschmuggelt und

von dort in alle Welt verkauft.

Die für die Strafverfolgung zuständigen

Behörden drücken beide Augen zu, sind selbst

ein Teil des Problems. Ende 2001 gelang der

indonesischen Marine beispielsweise die

Ergreifung von drei Schiffen, randvoll beladen

mit illegal eingeschlagenem Holz. Die Polizei

versteigerte das Schmuggelgut, hat sich aber

bis heute nicht um eine Strafverfolgung der

Verantwortlichen gekümmert.

Das Ende

des Orang-Utan ?

Teak und Diktatur

Teak liegt im Trend und Verkäufer versichern

gerne: "Das kommt alles von Plantagen."

In der Tat wurden während der Kolonialzeit

Teak-Plantagen auf der indonesischen Insel Java

angelegt. Doch die wurden in den letzten

Jahrzehnten so stark genutzt, dass heute die

meisten Bäume nicht älter als 10 bis 20 Jahre

sind. Schlagreif sind sie aber erst mit 40 Jahren.

Also wird zunehmend Teak aus den

Naturwäldern von Laos und Burma angeboten.

Seit Beginn der burmesischen Militärdiktatur im

Jahr 1988 sind die Wälder auf ein Drittel der

Landesfläche geschrumpft. Die Militärs beherrschen

das Holzgeschäft - ein Grund, weshalb

die burmesische Friedensnobelpreisträgerin

Aung San Suu Kyi zum Boykott von

Exportprodukten ihres Landes aufruft.


"Wir baten die

Regierung, unseren

Wald zu schützen.

Aber sie schickten die

Holzfäller ..."

Ajeng Kiew, Vorsitzender der

Penan-Vereinigung von Sarawak

Die letzten

Waldnomaden

Auf der zu Malaysia und

Indonesien gehörenden Insel

Borneo lebt eines der letzten

Nomadenvölker Südostasiens:

die Penan. Während die

meisten der etwa 12.000 Penan

heute sesshaft sind, leben noch

einige hundert als

Waldnomaden.

Sie errichten kleine Pfahlbauten

inmitten des Waldes, ernähren

sich von der Jagd auf

Wildschweine und Kleintiere,

sammeln Früchte. Ihr

Grundnahrungsmittel ist das

Sago, ein Mehl, das aus dem

Mark der Sagopalme gewonnen

wird.

Neben den Penan leben auf

Borneo rund 30 weitere Dayak-

Völker.


Kein Recht auf ihr Land

Die Regierung von Malaysia betrachtet alle

Waldgebiete des Landes als Staatswald.

Traditionelle Landrechte erkennt sie nicht an.

Die Penan und andere Dayak-Völker können

allenfalls Ansprüche auf ihre Dörfer und Felder

geltend machen. Jagd- und Sammelgebiete werden

ihnen nicht zugestanden.

Statt dessen werden fortlaufend

Einschlagslizenzen an Holzfirmen vergeben, die

bereits mehr als die Hälfte des ursprünglichen

Regenwaldes auf Borneo gerodet haben. Seit

Jahren dringen sie auch auf das Territorium der

Penan vor.

Holzfirmen

gegen

Waldvölker

Gewaltfreier Widerstand

Seit Ende der 80er Jahre stoppen die Penan

immer wieder Holzfäller durch

Straßenblockaden, die teilweise erst nach

monatelangem Einsatz von Polizei und Militär

aufgelöst werden konnten.

Schließlich suchten Holzkonzerne und Regierung

nach anderen Wegen, den Widerstand der

Penan zu brechen. Sie versprachen, den Wald

zukünftig schonender zu nutzen und dabei die

Lebensbedürfnisse der Waldnomaden zu

berücksichtigen. Dafür wurde ein Wald-

Bewirtschaftungsplan erarbeitet, dem die Penan

zustimmen sollten.

Weil nicht einmal ein kleiner Teil ihrer

Forderungen erfüllt wurde, lehnten sie die

Unterzeichnung ab und errichteten statt dessen

neue Blockaden.

Makabrer Rechtsstreit um

Existenzrecht

Im Kampf um die Anerkennung ihrer traditionellen

Landrechte zogen jetzt vier Penan-Dörfer

vor Gericht. Sie verklagten die Holzfirma

Samling und die Regierung des malaysischen

Teilstaates Sarawak.

Makaber aber wahr: Die Gegenseite beharrt auf

ihrem Standpunkt, völlig rechtmäßig auf dem

Territorium der Penan Holz einzuschlagen beziehungsweise

dafür Lizenzen zu vergeben. Ihr

Argument: Die Ureinwohner sollten doch erst

einmal beweisen, dass sie überhaupt rechtmäßige

Bürger des Landes seien. Solange sie dazu

nicht in der Lage wären, könnten sie auch keine

Landrechtsansprüche stellen.


"Wenn der

Papierverbrauch in

Europa und den USA

weiter steigt, werden

sie neue Plantagen

anlegen ...

Die Deutschen ver-

brauchen sechs mal

mehr Papier als die

Brasilianer. Sind sie

deshalb zufriedener?"

Ein von "Papier"-Plantagen betroffener

Kleinbauer aus dem brasilianischen

Bundesstaat Espírito Santo


Eintönige Holzäcker

Holzplantagen und Wälder haben nur eines

gemeinsam: Es gibt dort viele Bäume.

Holzplantagen bestehen in der Regel aus gleichaltrigen

Bäumen einer Art. Das

Bewirtschaftungsziel: So rasch wie möglich so

viel Holz wie möglich produzieren.

Beim besonders schnellwüchsigen Eukalyptus

dauert es ganze sieben Jahre, bis er im

Kahlschlag "geerntet" werden kann. Massiver

Dünger- und Pestizideinsatz sind die

Voraussetzung dafür.

Solche Monokulturen sind extrem arm an anderen

Pflanzenarten und bieten kaum einer Tierart

Lebensraum. Ihr ökologischer Wert gleicht dem

eines Kornfeldes - und der ist bekanntermaßen

recht gering.

Gute Geschäfte

mit dem weißen Papier

Überall auf der Welt entstehen neue

Holzplantagen. Am stärksten breiten sie sich

dort aus, wo Papier- und Zellstofffabriken die

Nachfrage bestimmen.

Allein in Indonesien ist die Produktion von

Zellstoff in den letzten 15 Jahren um das

Fünfzigfache gestiegen. Binnen weniger Jahre

stieg das Land zum achtgrößten Produzenten

von Zellulose auf.

Immer neue Flächen werden mit Eukalyptusund

Akazienmonokulturen bepflanzt. Da sie bislang

nur zehn Prozent des Holzbedarfes der

indonesischen Zellstoffwerke liefern können,

bedient man sich vor allem am Holz der

Regenwälder.

Tropenwälder sterben

für Toilettenpapier

"Im Klopapier liegt unsere Zukunft". So lautet

der Werbeslogan der Firma Aracruz, die im

Süden Brasiliens jedes Jahr zwei Millionen

Tonnen Zellstoff produziert. Etwa zehn Prozent

davon gelangen nach Deutschland - hauptsächlich

zur Herstellung von Toilettenpapier.

Die Firma Aracruz verfügt bereits über 300.000

Hektar Land, das mit Eukalyptus-Monokulturen

bestückt ist. Für die ersten Plantagen wurden

mehr als 50.000 Hektar Regenwald vernichtet.

Danach nahm man landwirtschaftliche

Nutzflächen in Besitz und vertrieb dafür 7.000

Kleinbauernfamilien von ihrem Land.

Papier-Wälder


Bäume in Reih´ und Glied -

Wälder sehen anders aus


Tatort

Malaysia

Malaysias Holz-Defizit

Zahlen für 2001 in Millionen m³ Rundholzäquivalent

Holz-Exporte

24,9 Mio. m³

Verbrauch in

Malaysia

9,2 Mio. m³

Quelle: USDA Global Agricultural Information Network 2002

Kriminelle Geschäfte

Verbrauch von

illegalem Holz

13,4 Mio. m³

Legaler

Holzeinschlag

18,9 Mio. m³

Legale Importe

1,9 Mio. m³

Malaysia hat bereits fast die Hälfte seiner

Wälder verloren. Doch immer noch gehört

das Land zu den führenden Exporteuren von

Tropenholz.

Umweltorganisationen konnten nachweisen,

dass im Nachbarland Indonesien illegal

eingeschlagenes Holz in großem Stil nach

Malaysia geschmuggelt wird. Auf Booten und

LKWs wird es ins Land geschleust. Kriminelle

Banden bestechen nicht nur Zollbeamte,

sondern verschaffen sich auch noch

Bescheinigungen, mit denen bedrohte Baumarten

wie Ramin später weiter verkauft

werden können.

Foto: Sam Lawson/Telapak/

Environmental Investigation Agency


Gestohlenes Holz

Illegaler Holzeinschlag und Handel ist eine der

Hauptursachen für den weltweiten Waldverlust,

insbesondere die Vernichtung von

Urwäldern. Riesige Waldgebiete werden

unwiederbringlich zerstört, wenn ohne

Genehmigung oder über das erlaubte Maß

hinaus Holz eingeschlagen wird. Auch vor

Schutzgebieten oder geschützten Baumarten

machen viele Holzfäller nicht halt.

Schätzungen zufolge stammt etwa die Hälfte

der Tropenholzimporte in die EU aus illegalem

Holzeinschlag. So gelten beispielsweise in

Indonesien offiziell über 70 Prozent der Hölzer

als illegal, in Brasilien sind es fast 80 Prozent.

Auch für Russland wird der illegale Holzeinschlag

mit mehr als 20 Prozent beziffert.

Die EU als weltgrößter Holzimporteur bezieht

jährlich illegales Holz im Wert von

1,2 Milliarden Euro. Als weltweit drittgrößter

Importeur von Holz und Holzprodukten ist

Deutschland mitverantwortlich für diese

Missstände.

Wer

sich

nicht

mitschuldig

machen will an

der Zerstörung der

letzten Naturwälder,

der kauft heimisches Holz

oder solches mit einem

FSC-Zertifikat.

Haltet

den Dieb!

Europa zu zögerlich

Im Mai 2003 hat die EU-Kommission einen

Aktionsplan vorgeschlagen, mit dem sie dem

illegalen Holzeinschlag und dem Handel mit

Holz aus Konfliktregionen wie Liberia

begegnen will. Er ist aber völlig unverbindlich.

Deutschland könnte hier Maßstäbe setzen:

Firmen, die illegal eingeschlagenes Holz einführen

und damit handeln, müssen mit Strafen

belegt werden können.


Tatort

Russland

Verschlungene Wege

In Skandinavien ist illegaler Holzeinschlag

selten. Doch Finnland

bezieht wesentliche Mengen des

Rohstoffs für seine holzverarbeitende

Industrie aus Russland und

Estland. Hier werden schätzungsweise

20 bzw. 50 Prozent illegal

eingeschlagen.

Deutschland ist der wichtigste

Abnehmer von finnischen Papierprodukten.

Aufgrund der Handelsund

Verarbeitungsketten ist davon

auszugehen, dass mindestens

5 Prozent davon aus illegalen

Quellen stammen.

Wertvolles Holz

aus Sibirien

Die steigende Holznachfrage aus

China, Japan und Südkorea hat den

illegalen Einschlag in den Wäldern

im russischen Fernen Osten auf 40

Prozent des Gesamteinschlages

steigen lassen. Weil dafür keine

Steuern und Zollgebühren gezahlt

werden, verliert Russland jährlich

über eine Milliarde Euro an Staatseinnahmen.

Fast 20 Prozent der deutschen

Nadelholzimporte stammen aus

Russland. Wenn ein Viertel davon

unerlaubt eingeschlagen wird, sind

das jedes Jahr fast 300.000 Kubikmeter

illegales Holz, die auf den

deutschen Markt gelangen.


Tatort

Kanada

Kettensägen-Gangs

In der kanadischen Provinz British Columbia machen

gut organisierte Gruppen von Holzdieben auch vor

den Grenzen der Schutzgebiete nicht halt. Einige

arbeiten nur nachts. Mit Hilfe von Propangas-Lampen

finden sie den Weg zu besonders großen Rot-Zedern.

Ihre Kettensägen haben sie mit Schalldämpfern

ausgerüstet.

Sie arbeiten mit skrupellosen Sägewerken zusammen,

die das gestohlene Holz in kurzer Zeit weiter verarbeiten.

Die Behörden schätzen den Wert des Diebesgutes

auf 100 Millionen Dollar im Jahr.


Tatort

Liberia

Holz für Waffen

In einigen Ländern werden militärische Konflikte

durch den Handel mit Holz finanziert - zum Beispiel

in Liberia. Laut UN-Berichten organisiert hier ein

niederländischer Holzhändler den Waffenhandel für

den liberianischen Präsidenten Charles Taylor und

stellt dafür auch die Holztransporter seiner Firma zur

Verfügung. Das Holz wurde auch in Deutschland

verkauft.

Im Mai 2003 hat der Sicherheitsrat der Vereinten

Nationen endlich beschlossen, den Geldhahn für

Waffenschiebereien in Liberia abzudrehen: Ab Juli

2003 dürfen die UN-Mitgliedsstaaten kein

liberianisches Holz mehr importieren.


Tatort

Brasilien

Die Mahagoni Mafia

Nach offiziellen Schätzungen sind fast 80 Prozent

aller Abholzungen im Amazonas-Urwald illegal. Für

das Jahr 2000 wurde der Einschlag von 4,5 Millionen

Kubikmeter Holz genehmigt - gefällt wurden aber

fast 30 Millionen Kubikmeter.

Das wertvollste Holz ist Mahagoni. Während die

Holzfäller höchstens 30 Euro pro Baum erhalten,

verkauft sich das gesägte Holz eines Stammes auf

dem Exportmarkt für über 3.000 Euro.

Verbraucher sollten wissen: Was auch immer ein

Verkäufer behauptet, es gibt keine Möglichkeit nachzuvollziehen,

ob ein Mahagoni-Produkt aus legal

eingeschlagenem Holz gefertigt wurde oder nicht -

alle Zeichen deuten heute auf Raubbau.


Holzplantagen auch bei uns?

Der deutsche Forst verändert langsam sein

Gesicht. Artenreiche, naturnahe Waldflächen

nehmen wieder zu. Aber nach der letzten

Bundeswaldinventur prägen sie noch längst

nicht den deutschen Wald. Denn:

97 Prozent unserer Forste sind "Altersklassenwälder".

Wälder mit natürlichem, gemischten

Altersaufbau sind rar.

Fast 60 Prozent sind Monokulturen, ein großer

Teil davon reine Fichtenwälder. Auf weiteren 14

Prozent der Fläche dominieren zwei Baumarten.

Nadelholz-

Monokulturen

43 %

16 %

Laubholz-

Monokulturen

27 % Mischwald

14 % Bikulturen

Aufgeräumt, ...

Ganze fünf Baumarten bestimmen das Bild

unserer Wälder: Buche, Eiche, Kiefer, Fichte -

und die bei uns nicht heimische Douglasie. Die

von Natur aus vorherrschenden

Buchenmischwälder sind in weiten Teilen unseres

Landes durch immergrüne Nadelwälder

ersetzt, die eigentlich erst in nördlicheren

Breiten heimisch sind. Das ursprüngliche

Verhältnis von 70 Prozent Laubwald zu 30

Prozent Nadelwald wurde fast umgekehrt - zum

Schaden der heimischen Tierwelt.

... jung ...

Bedenkt man, dass die meisten Baumarten

Mitteleuropas ihr natürliches Ende erst in einem

Alter von 250 bis 500 Jahren finden, so ist der

deutsche Wald sehr jung. Jeder zweite Baum ist

jünger als 60 Jahre, 39 Prozent sind zwischen

60 und 120 Jahren alt. Nur einer von zehn

Bäumen wird älter als 120 Jahre.

... und krank

Das Waldsterben scheint zwar gebremst. Doch

noch ist jeder fünfte Baum krank.

Die Schadstoffeinträge durch Landwirtschaft,

Industrie und Individualverkehr müssen weiter

gesenkt werden.

Der deutsche Wald


Natürliche Verjüngung

Wälder müssen nicht gepflanzt werden. Die

Samen für den Nachwuchs liefern sie selbst.

Verteilt werden sie vom Wind oder von

Waldtieren wie Eichhörnchen und Eichelhäher.

Die naturnahe Waldwirtschaft nutzt diesen

Prozess der natürlichen Verjüngung - und spart

dabei Geld für die künstliche Bepflanzung.

Ein Problem ist allerdings die häufig zu hohe

Zahl an Rehen oder Hirschen, die dem

Jungwuchs keine Chance lässt. Die Schäden

müssen durch Wildschutzzäune verhindert

werden - oder durch eine effiziente und

tierschutzgerechte Jagd.

Waldwirtschaft im Wandel

Viele Waldbesitzer bemühen sich heute, neben

der Holznutzung auch den Schutz- und

Erholungsfunktionen des Waldes gerecht zu

werden.

Dafür wurde das Konzept der naturnahen Waldwirtschaft

entwickelt. Ihr Ziel sind artenreiche

Mischwälder, die vielfältige Lebensräume für

Tiere und Pflanzen bieten und gleichzeitig einen

guten wirtschaftlichen Ertrag liefern. Wertvolle

Bäume werden dabei einzelstammweise

genutzt. Kahlschläge sind verpönt.

Pferde statt Traktoren

Eisenketten klirren, dumpfes Hufgetrappel pocht

auf gefrorenem Humusboden, tiefes Schnauben,

ein paar laute Rufe - mit einem kraftvollen Ruck

zieht der Braune die schweren Baumstämme bis

zum Verladeplatz.

Holzrücken mit Pferden richtet im Wald deutlich

weniger Schaden an als der Einsatz schwerer

Maschinen. Sie verdichten den Boden und verletzen

leicht die Bäume. Kurzfristig gesehen

kostet die Rückearbeit mit Pferden mehr Geld

als der Einsatz von Maschinen, langfristig ist

der schonende Umgang mit der Natur jedoch

wirtschaftlicher.

Vorrang für die

naturnahe

Waldwirtschaft

Totholz lebt

Für die einen sieht es aus wie ein schlecht

gepflegter Wald, für die anderen ist es unverzichtbarer

Lebensraum.

Totes, verrottendes Holz bietet einer großen

Zahl von Arten die notwendige Lebensgrundlage.

Viele Vögel und Säugetiere nutzen

Baumhöhlen zum Aufziehen ihrer Jungen oder

zum Überwintern. Von zahlreichen Pilzen und

Insekten wird das tote Holz zerlegt und geht als

Humus wieder in den Nahrungskreislauf des

Waldes ein.


Hohe

Ansprüche

Das Vorkommen

bestimmter Vogelarten

zeigt an, wie es um

einen Wald bestellt ist.

Der Totholzanteil, die

Baumartenmischung

und das Alter des

Waldes bestimmen das

Angebot an Nahrung

und Nistplätzen.

Schwarzspechte beispielsweise

leben am

liebsten dort, wo sie

große und alte Bäume

finden, in denen sie

ihre Bruthöhlen anlegen

können. Davon

profitieren auch viele

"Nachmieter", wie

Fledermäuse, Siebenschläfer,

Käuze, Bienen

und andere Insekten.


"Willst Du den

Wald vernichten,

pflanze Fichten

nichts als

Fichten."

Ein deutscher Förster


Jedes Holz

klingt anders

Beim Bau von Musikinstrumenten kommt es auf die Wahl

des richtigen Holzes an. Je härter es ist, um so stärker ist

seine Resonanz. Weiches Holz kann man dagegen nicht

zum Schwingen anregen, es dämpft.

Probieren Sie es aus

Am Xylophon lässt es sich ausprobieren: Padouk aus

Afrika erzeugt warme und lang anhaltende Töne. Esche

dagegen klingt kurz und stumpf. Hell, klar und obertonreich

klingt der seltene Rio-Palisander. Die europäische

Robinie mit ihrem weichen und vollen Klang hält dem

Vergleich mit vielen Tropenhölzern stand.

Dennoch ist der Bau von Holzinstrumenten der einzige

Anwendungsbereich, in dem zumindest bestimmte

Tropenhölzer nicht durch heimische Arten gleichwertig

ersetzt werden können. Würde Tropenholz nur für den

Bau hochwertiger Musikinstrumente eingesetzt, wäre

dadurch kein Regenwald bedroht.


Der

Geigen-Baum

Klangholz aus Bergwäldern

Eine Besonderheit der Bergwälder Südtirols sind

"Klangholz-Fichten", die im Instrumentenbau

Verwendung finden. Die so genannte "Haselfichte"

ist sehr selten und hat eine besondere Holzstruktur:

Ihre Faser ist gewellt und bewirkt lang anhaltende

Töne. Schon lange wissen vor allem Geigenbauer

diese außergewöhnliche Holzart zu schätzen.

Haselfichten wachsen nur in windgeschützten

Mulden auf Höhen zwischen 1.000 und 1.700

Metern - und sie kommen nur in naturnahen

Wäldern vor.

Schon von Stradivari wird berichtet, dass er das

Klangholz zum Bau seiner Geigen aus dem Fleimser

Tal bei Bozen bezog.


© WWF

© WWF

© WWF

Was ist nachhaltige

Waldbewirtschaftung?

Oft hört man als Antwort: Wenn nur soviel Holz

geschlagen wird, wie nachwächst.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn auch

eine ökologisch wertlose Holzplantage kann

diesem Anspruch gerecht werden.

Wirklich nachhaltig ist eine Waldbewirtschaftung

nur dann, wenn sie auch dafür Sorge

trägt, dass die natürliche Artenvielfalt der

Wälder erhalten bleibt - und dort, wo

Menschen noch vom Wald leben, ihre

Lebens- und Wirtschaftsinteressen nicht in

Mitleidenschaft gezogen werden.

© WWF

Strenge Maßstäbe

Entsprechend streng sind die Waldnutzungskriterien

des FSC:

! Es dürfen keine genmanipulierten Bäume

gepflanzt werden.

! Der Einsatz von Pestiziden ist verboten

beziehungsweise streng geregelt.

! Eingeschlagenes Holz muss schonend aus

dem Wald geholt werden.

! Die natürliche Vielfalt an Pflanzen und

Tieren muss erhalten bleiben.

! Ein gerechter Anteil der Gewinne aus der

forstlichen Nutzung muss den Menschen

vor Ort zugute kommen.

! Nicht zuletzt müssen die traditionellen

Rechte der in und von den Wäldern lebenden

Menschen gewahrt werden.

Bis heute sind über 36 Millionen Hektar Wald

in 55 Ländern FSC-zertifiziert.

© WWF

Augenmerk auf

schwarze Schafe

Im August 2001 wurde dem indonesischen

Forstunternehmen PT Perhutani das Gütesiegel

des FSC entzogen. Dem Unternehmen

unterstehen unter anderem fast die gesamten

zwei Millionen Hektar Teak-Plantagen auf Java.

Es war nicht in der Lage, den illegalen

Holzeinschlag auf seinen Konzessionen zu

unterbinden.

Strenge Regeln

zum Wohle

des Waldes

© WWF

© WWF


Gütesiegel für nachhaltige

Waldbewirtschaftung

1993 wurde der "Weltforstrat" - Forest Stewardship Council (FSC) -

gegründet. Waldbesitzerverbände, Naturschutzorganisationen,

Holzindustrie, Gewerkschaften und Vertreter von traditionellen

Waldvölkern arbeiten im "Weltforstrat" zusammen. Dieser hat

international gültige Maßstäbe für eine ökonomisch, ökologisch

und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung erarbeitet und in

zehn Prinzipien festgelegt.

Forstbetriebe und holzverarbeitende Unternehmen, die diese

Prinzipien anerkennen und anwenden, können für ihre Produkte

mit dem FSC-Gütesiegel werben. Voraussetzung ist, dass vom FSC

anerkannte, unabhängige Gutachter überprüft haben, ob die

Qualitätsstandards auch eingehalten werden.

Im November 2002 hat das Ökotest-Magazin verschiedene

Gütesiegel für Waldbewirtschaftung auf Inhalt und Glaubwürdigkeit

überprüft. Neben dem FSC-Siegel erhielt nur das Naturland-Zeichen

die Note "sehr gut".

Hand in Hand:

Waldschutz und

Waldnutzung


Wirksamer Naturschutz

Im Gegensatz zu anderen Weltregionen, wo der

Flächenverlust des Waldes das größte Problem

darstellt, geht es in Europa vor allem um die

Rückführung artenarmer Forste in naturnahe

Wälder.

In Schweden beispielsweise wird das Gütesiegel

des FSC nur vergeben, wenn mindestens fünf

Prozent der Waldfläche nicht bewirtschaftet und

damit unter Schutz gestellt werden. Die

gesetzlich geschützte Waldfläche liegt je nach

Region zwischen 0,1 und 2,4 Prozent.

Durch die Zertifizierung von vier großen

schwedischen Unternehmen wurden in den

letzten Jahren über 350.000 Hektar Wald aus

der Bewirtschaftung herausgenommen.

Das ist deutlich mehr als von der schwedischen

Regierung im gleichen Zeitraum unter

Naturschutz gestellt wurde.

FSC in Deutschland

Von der deutschen FSC-Arbeitsgruppe wurden

die allgemeinen Kriterien des "Weltforstrates"

durch speziell für Deutschland geltende

Richtlinien ergänzt.

! Danach sind Kahlschläge und Chemieeinsatz

grundsätzlich ausgeschlossen.

! Naturnahe Waldökosysteme bilden das

Leitbild jeder Forstbewirtschaftung.

! Natürliche Prozesse, wie der langsame

Zerfall von toten Bäumen, sollen verstärkt

zugelassen werden.

! Ein Teil der Waldflächen soll ganz aus der

Nutzung herausgenommen werden.

Mittlerweile sind in Deutschland über 400.000

Hektar Wald nach den Kriterien des FSC

zertifiziert.

NRW ist dabei

Seit Anfang des Jahres 2002 dürfen die

staatlichen Forstämter des Landes Nordrhein-

Westfalen ihr Holz mit dem FSC-Gütesiegel

verkaufen. Nach eingehender Prüfung

verschiedener Zertifizierungssysteme entschied

sich das Land für das FSC-Gütesiegel, weil es

die anspruchsvollsten Standards für eine

nachhaltige Waldbewirtschaftung festschreibt.

Auf einer Fläche von 115.000 Hektar sollen jetzt

die Vorteile dieses Systems gezeigt werden -

und als Vorbild für kommunale und private

Wälder dienen.

Naturnahe

Waldnutzung

auf dem

Vormarsch


Holz:

Moderner

Baustoff mit

langer

Tradition


Ungeahnte

Möglichkeiten

Moderner Holzbau

Eines der größten Holzbauwerke der Welt ist

ein Dach, das für die Weltausstellung in

Hannover gebaut wurde. Zehn 25 m hohe

Schirme überspannen eine Fläche von mehr

als zwei Fußballfeldern.

Für die Stützen der Schirme wurden 40

Weißtannen verwendet, die auch in 17 m

Höhe noch einem Durchmesser von 70 cm

haben. Bereits vor dem Fällen wurde mit

Ultraschall die Qualität des Holzes geprüft.

Die Tragarme und die Schirmflächen wurden

aus Fichtenholz gefertigt. Mit der so

genannten Brettstapelbauweise gelang es,

mit einfachen Holzqualitäten großflächige,

stark belastbare Strukturen zu schaffen.

Auf chemischen Holzschutz wurde vollständig

verzichtet.

Zeichnung:

Herzog und Partner

Foto: Verena Herzog-Loibl

Foto: Dieter Leistner


Bauprobleme

elegant lösen

Holz statt Stahl

oder Beton

Moderne Konstruktionen für Niedrigenergiehäuser,

Trägerkonstruktionen für

Überdachungen oder Werkstoffe für

den Innenbereich - es gibt kaum einen

Bereich, in dem Holz nicht seine außergewöhnlichen

Eigenschaften beweist.

Hohe Tragfähigkeit bei geringem

Gewicht machen es auch im Zeitalter

von Stahl, Glas und Beton zu einer

interessanten architektonischen

Alternative.

Leicht und energieeffizient

Holz Stahl Stahl- Kalksandbetonsteinmauer

Ein drei Meter hoher Träger wiegt

60 78 300 420 kg

Für die Herstellung wird an Energie

benötigt:

60 561 221 108 kWh


Robinie haltbarer als

Plantagen-Teak

Wind und Wetter stellen hohe Ansprüche an

Härte, Formstabilität und Widerstandsfähigkeit

von Holz.

Diese Qualitäten werden vor allem Tropenhölzern

zugeschrieben. Doch längst nicht alle

können sich mit zwei heimischen Arten messen:

der Edelkastanie (Esskastanie) und der Robinie.

Beide sind in hohem Maß resistent gegen

Wasser, Säure, Pilze und Insekten. Auch wegen

ihrer hohen Festigkeit und Elastizität sind diese

Holzarten ohne chemischen Holzschutz für den

Außenbereich hervorragend geeignet.

Dauerhaftigkeitsklasse

sehr dauerhaft 1

(Standzeit über 13 Jahre)

2

3

4

5

dauerhaft

(Standzeit 8-13 Jahre)

mäßig dauerhaft

(Standzeit 5-8 Jahre)

wenig dauerhaft

(Standzeit 3-5 Jahre)

Teak

(Natur)

Eiche

Lärche

nicht dauerhaft

(Standzeit weniger als 3 Jahre)

Teak

(Plantage

Buche

Robinie Bongossi

Kiefer

Edelkastanie

Douglasie

Bangkirai

(Yellow

Balau)

Die Dauerhaftigkeitsklasse beschreibt die Haltbarkeit des Holzes

in direktem Kontakt mit der Erde.

Teak ist nicht gleich Teak

Teakholz ist wegen seiner hohen Dauerhaftigkeit

sehr begehrt. Mit "Teak aus Plantagen"

versuchen mehr und mehr Gartenmöbel-

Hersteller umweltbewusste Kunden zu

beruhigen.

Was sie nicht verraten: Plantagenholz ist

weniger dauerhaft als Teak von Naturstandorten.

Fachleute stufen es nur in die Dauerhaftigkeitsklassen

2 bis 3 ein - vergleichbar mit

Eiche oder Douglasie. Grund ist der Weißfäulepilz,

der sich in Plantagen wesentlich schneller

ausbreitet als in Naturwäldern.

Tropenholz überflüssig

Fichte

Kiefer, Fichte

(öl- oder

hitzebehandelt)

Kiefer, Fichte

(Kesseldruckimprägniert)


Natürlicher Holzschutz

Holz langfristig haltbar zu machen, ist das Ziel

von zwei neuen, umweltfreundlichen Verfahren:

Bei der Verarbeitung zu ThermoWood werden

dem Holz bei Temperaturen von 130 - 200°C

Wasser und Harz entzogen. Die Zellstrukturen

verändern sich so, dass das Holz kaum noch

Feuchtigkeit aufnehmen kann. So ist es weitgehend

vor Schädlingsbefall geschützt.

Allerdings wird das Holz dabei spröder und

kann nur bedingt in tragenden Konstruktionen

verarbeitet werden.

Einen anderen Ansatz nutzt die Firma Menz:

Das Holz wird in einem Bad aus pflanzlichen

Ölen "gebacken". Dabei nimmt es eine durchgehend

braune Farbe an.

Durch die Aufnahme von Öl wird es bis zu 70

Prozent schwerer, reißt nicht und büßt auch von

seinen mechanischen Eigenschaften kaum

etwas ein.

Auch hier ist das Holz nach der Behandlung

weitgehend vor Pilzbefall geschützt.

Am Ende lässt sich dieses Holz problemlos

verbrennen, dank dem darin enthaltenen

Pflanzenöl sogar mit höherem Heizwert.

Öl-Hitze-behandelt unbehandelt

Chemischer Holzschutz

Wenn Holz für die Verwendung im Freien

gegen Witterungseinflüsse imprägniert

wird, bleibt der Umweltschutz oft auf der

Strecke. Das gängigste Verfahren ist die

so genannte Kesseldruckimprägnierung.

Dabei werden Chrom-, Arsen- oder

Kupfersalze unter hohem Druck in das

Holz gepresst, um es für Schädlinge

ungenießbar zu machen. Nach der

Behandlung hat es häufig eine grüne

Färbung.

Die schwermetallhaltigen Salze gehen mit

dem Holz eine unlösbare Verbindung ein

und können nicht mehr ausgewaschen

werden. Das so behandelte Holz kann

zwar gefahrlos genutzt werden, bei der

Entsorgung gilt es aber als Sondermüll.

Schutz vor

Nieselregen


Der Konsument bestimmt mit

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff - und ein

wichtiger Kohlenstoffspeicher. Wer es nutzt,

kann sogar helfen, Wälder zu erhalten. Denn

kaum ein Waldbesitzer wird seinen Wald

schützen, wenn er nicht auch Gewinne abwirft.

Entscheidend ist, welches Holz wir kaufen. Mit

dem FSC-Gütesiegel steht uns ein relativ

sicheres Gütesiegel für "gutes" Holz zur

Verfügung. Ein mindestens ebenso gutes

Gewissen verschafft das Naturland-Siegel.

Noch ist das Angebot an Holz und Holzwaren

mit verlässlichen Gütesiegeln relativ begrenzt.

Wie stark es sich ausweitet, hängt maßgeblich

von unserer Nachfrage ab.

Tipps für den Holzkauf

Ob beim Tischler, im Baumarkt oder Möbelgeschäft:

Wir als Käufer haben das Recht zu

erfahren, woher das angebotene Holz stammt.

Welche Anbieter gutes Holz vertreiben, erfahren

Sie z.B. unter www.fsc-deutschland.de.

Je kürzer die Wege eines Produktes sind, desto

leichter ist die Kontrolle der Herkunft und desto

geringer ist der Energieaufwand für den

Transport. Zwei wichtige Gründe, bevorzugt auf

Holz aus der Region, auf heimische Hölzer

zurückzugreifen.

Naturbelassene Massivholzprodukte offenbaren

nicht nur am besten die verwendete Holzart.

Sie lassen sich auch leichter für andere Zwecke

wiederverwenden. Billigwaren finden sich

dagegen schnell auf dem Sperrmüll wieder.

Drei Argumente zu Tropenholz

Ob Fenster, Türen, Treppen, Parkett, Möbel,

Besenstiele oder Holzleisten: Es gibt keine

technischen oder ästhetischen Gründe, die für

Tropenholz und gegen die Verwendung gleichwertiger

heimischer Holzarten sprechen.

Umweltverbände und jeder gute Tischler

beraten uns gerne.

Vorsicht: Immer wieder tauchen im Handel neue

Unbedenklichkeitsbescheinigungen für

Tropenholz auf, auf die schon so mancher

gutgläubige Konsument hereingefallen ist. Sehr

oft handelt es sich dabei um Scheinzertifikate

betrügerischer Holzexporteure, durch die oft

genug auch Holzhändler getäuscht werden.

Wer nicht auf Tropenholz verzichten möchte, der

sollte ausschließlich solche Produkte kaufen, die

ein FSC-Gütesiegel tragen. Anderenfalls besteht

die große Gefahr, sich an der Vernichtung von

Regenwäldern mitschuldig zu machen.

Augen auf

beim Holzeinkauf


Wussten Sie,

dass jeder fünfte Baum, der weltweit eingeschlagen

wird, in einer Papiermühle endet -

Tendenz steigend?

Um ein Kilogramm Papier aus Zellstoff herzustellen,

werden 2,4 Kilogramm Holz benötigt.

Für ein Kilogramm Recyclingpapier braucht man

dagegen nur 1,15 Kilogramm Altpapier.

Außerdem werden für die Herstellung von

Recyclingpapier deutlich weniger Chemikalien,

Energie und Wasser benötigt als für die

Produktion von Papier aus Frischfasern.

Und es steht dem Papier aus Frischfasern an

Qualität heute in nichts mehr nach.

Papierkonsum drosseln

Jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich 225

Kilogramm Papier im Jahr. Damit gehören wir

weltweit zu den Spitzenreitern in Sachen

Papierkonsum.

Das können wir im Interesse der Wälder weltweit

ändern,

! indem wir nur noch Recyclingpapier verwenden,

am besten das mit dem "Blauen

Umweltengel".

! indem wir sparsamer mit Papier umgehen.

Übrigens: Jedes Blatt Papier hat eine

Rückseite, die man auch benutzen kann.

! indem wir uns massiv gegen die zunehmende

Werbeflut wehren - zum Beispiels durch

einen Aufkleber auf dem Briefkasten "Keine

Werbung oder kostenlose Zeitungen".

! indem wir Illustrierte mit dem Nachbarn

tauschen, anstatt jedes Journal selbst zu

kaufen.

Pro Recyclingpapier

- contra Papierflut

Umweltbewusst einkaufen

Der Einkauf von umweltschonendem Papier

wird uns durch folgende Gütesiegel leicht

gemacht:

Blauer Umweltengel

Vergabe durch das

Umweltbundesamt, offizielles

Zeichen mit klaren Kriterien:

100% Altpapier, davon mindestens

50 % untere Sorten -

Besonders empfehlenswert!

Zeichen für

Umweltschutzpapier

Vergabe durch Firmen, ungeschützte

Zeichen für Papier

aus Altpapier ohne Bleiche;

Entfärbung mit geringem

Wasserverbrauch -

Empfehlenswert!

Achtung: Auch bei Papier gibt es zahlreiche

Siegel, die viel versprechen und wenig halten!


Wir haben es

in der Hand

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine