Link zur Geschichte - Schloss Lengberg

schloss.lengberg.at

Link zur Geschichte - Schloss Lengberg

schloss lengberg

1190


H

erzlich willkommen

„Stellen sie sich einmal eine Burg im

Geiste vor: Lage oben am Berg, hermetisch

abgeschlossen, steil, hoch,

romantisch …

und nun stellen Sie sich das Gegenteil

vor: offen und barrierefrei, nüchtern –

Widersprüche per se!

Genau diese Aspekte sind die Stärke

dieser Anlage, als beschützter Ort für

junge Menschen, die gestärkt in das

Leben der Gemeinschaft finden wollen.“

Zitat: Walter Hauser, Landeskonservator Bundesdenkmalamt,

anlässlich der Eröffnung von

Schloss Lengberg

Treten Sie ein in unser Schloss!

Lassen Sie die Komposition von Alt

und Neu auf sich wirken!

Inhalt

Aufbauwerk der Jugend - Berufsvorbereitung Schloss Lengberg

Architektur - Mittelalter trifft Neuzeit

Fledermäuse - die „Kleine Hufeisennase“

Archäologie - historische Schätze

Geschichte - Ursprünge einer Burg

Kontakte, Abbildungs- & Literaturverzeichnis

Seite

................................................................................................................. 6 - 7

................................................................................................................. 8 - 13

............................................................................................................... 14 - 15

............................................................................................................... 16 - 19

............................................................................................................... 20 - 29

............................................................................................................... 30 - 31

5


»... so viel Unterstützung wie nötig,

so wenig wie möglich …«

„Aufbauwerk der Jugend“ - Berufsvorbereitung Schloss Lenberg

Team von links nach rechts:

1. Reihe: Dipl.Päd. Marlene Seidl, Stefan Mair,

MMag.a Hildegard Goller, Mag.a Dominique Kraler-Moser

2. Reihe: Dipl.Päd. Judith Simoner,

Dipl.Soz.Päd. Michael Fürhapter, Mag. Andreas Hellmann

3. Reihe: Dipl.Soz.Päd. Birgit Strasser, Dipl.Päd. Bianca Wehmeier,

Dipl.Päd. Michaela Weiß, Arnold Winkler

4. Reihe: Ingrid Moser, Mag.a Iris Strasser

5. Reihe: Mag. Martin Bichler

6. Reihe: Dipl.Soz.Päd. Christian Burkia, Kurt Trutschnig

Aufbauwerk der Jugend - Berufsvorbereitung Schloss Lengberg

Das historisch gewachsene Bauensemble

Schloss Lengberg“ ist

ein großartiger Rahmen für das Aufbauwerk

der Jugend, am Standort

Nikolsdorf seinen sozialpädagogischen

Auftrag zu erfüllen.

Schloss Lengberg ist seit 1956 im

Besitz des Landes Tirol. Noch im

selben Jahr stellte das Land Tirol

Schloss Lengberg dem Aufbauwerk

der Jugend zur Verfügung. Mit Hilfe

des Landes und großer, freiwilliger

(teils internationaler) Unterstützung

wurde das damals völlig desolate

Schloss wieder instand gesetzt.

Seither bewegt sich das Aufbauwerk

der Jugend sehr erfolgreich

im Spannungsfeld zwischen Behinderung,

Leistungseinschränkung

und wirtschaftlicher Effizienz bzw.

betrieblicher Produktivität.

Während dieser Zeit haben sich die

Trainingsinhalte fortlaufend verändert,

Methoden und Abläufe kontinuierlich

weiterentwickelt. Das nun

vorliegende berufsintegrative Training

im Aufbauwerk ist eine breit

angelegte, wissenschaftlich fundierte

sozialpädagogische Begleitung

von Menschen mit besonderem

Förderbedarf mit dem Ziel der

beruflichen Integration. Der pädagogischen

Konzeption liegt die „Lebensweltorientierte

Soziale Arbeit“

von Hans Thiersch zugrunde.

Heute begleitet das Aufbauwerk

der Jugend in 6 Einrichtungen und

einem ambulanten Projekt mehr als

400 junge Menschen in Tirol.

Die Burg, vorwiegend in den 1960er

und 1970er Jahren umgebaut,

konnte in den letzten Jahren und

Jahrzehnten die Anforderungen

einer stetig wachsenden pädagogischen

Professionalität und Modernität

nicht mehr erfüllen. Aus

diesem Grunde wurde in den Jahren

2008 bis 2010 eine Generalsanierung

durchgeführt.

Die gelungene Verbindung aus Alt

und Neu, die Schutz bietenden

dicken Mauern, aber auch das

große, nach außen gerichtete „integrative“

Tor, verbunden mit dem

neuen Nebengebäude, bieten

dem Aufbauwerk auf Schloss Lengberg

beste Rahmenbedingungen

für das berufsintegrative Training

in den verschiedensten Bereichen

wie EDV/Archivmäuse, Unterricht/

Hauptschulabschluss, Lebenspraktisches

Training, Küche, Reinigung/

Wäschepflege, Werkstatt/Instandhaltung,

Kreatives Gestalten sowie

Wohnen/Freizeit.

Fühlen sich die Teilnehmer/innen

innerhalb der Schlossmauern auch

rundum wohl, ist es dem Aufbauwerk

der Jugend aber sehr wichtig,

den an und für sich pädagogisch

wertvollen schützenden Rahmen

der Burg immer wieder gezielt zu

sprengen. Zum einen, indem viel

Öffentlichkeit in die Burg geholt

wird (Seminare, Veranstaltungen,

Projekte etc.) und zum anderen, indem

die Jugendlichen und jungen

Erwachsenen die Burg oft verlassen

– das lebenspraktische Training bietet

hierzu genauso gute Möglichkeiten

wie die Ausführung diverser

Arbeiten bei verschiedensten Firmen

und Partnern/innen. Hierbei

schafft das Aufbauwerk das Kunststück

„so viel Unterstützung wie nötig,

so wenig wie möglich ...“.

7


A

rchitektur - Mittelalter trifft Neuzeit

Schloss Lengberg bildet ein historisch

gewachsenes Bauensemble, das sich

kontinuierlich seit dem 12. Jahrhundert

entwickelt hat.

Ziel der nunmehr abgeschlossenen Arbeiten

war die Neuordnung der Funktionen,

die in Abstimmung mit dem

Nutzer „Aufbauwerk der Jugend“

erfolgte. Die klare und barrierefreie

Erschließung des gesamten Hauses,

die Trennung von Arbeits- und Wohnbereichen

sowie die neu geschaffene

Transparenz sind dafür kennzeichnend.

Aus architektonischer Sicht und in

Hinblick auf das Baudenkmal war die

Minimierung der Eingriffe in die historische

Substanz Ausgangspunkt aller

planerischen Überlegungen.

Bauliche Veränderungen wurden nur

dort vollzogen, wo es funktional notwendig

war. An dieser Stelle ist die

konstruktive Zusammenarbeit mit dem

Landeskonservatorat Tirol, im Besonderen

mit Herrn DI Walter Hauser, hervorzuheben.

Gestalterischer Höhepunkt des Entwurfs

sind die große neue Stiegenhauswand

und der über dem Hang

schwebende Zubau, die beide von

der traditionsreichen Anwendung des

Materials Holz und handwerklicher

Gediegenheit zeugen.

Altes und Neues verbindet sich zu

einer von Qualität getragenen baulichen

Symbiose, die beeindruckend

und identitätsstiftend ist. Die Atmosphäre

des Gebäudes unterstützt

auch die sozialpädagogische Arbeit,

die in seinen Mauern stattfindet.

Bauherr

Projektleitung

Architektur und Planungskoordination

Land Tirol

Amt der Tiroler Landesregierung

Gruppe Bau und Technik, Abteilung Hochbau

Wehdorn Architekten, Ziviltechniker GmbH

DI Dr. techn. Robert Wehdorn-Roithmayr

Architekt DI (FH) Peter Silber

8


ledermäuse - die „Kleine Hufeisennase“

FUmbauten und Renovierungen von

Gebäuden, die Fledermäuse beherbergen,

stellen alle Beteiligten vor eine

große Herausforderung. Jede Störung

zur Fortpflanzungszeit von Mai bis August

kann zum Verlassen des Quartiers

oder zu Totgeburten führen. Umso

mehr ist eine möglichst frühzeitige Einbindung

des Fledermausschutzbeauftragten

der Tiroler Landesregierung/

Abt. Umweltschutz das Beste.

Im Fall Schloss Lengberg wurden die

Bedürfnisse der Fledermäuse bereits

im Vorfeld mit den Baumaßnahmen

abgestimmt. Die Arbeiten im Dachboden

wurden z.B. im Winter in der

„fledermausfreien“ Zeit durchgeführt.

Die wichtigsten Hangplätze wurden

so groß wie möglich erhalten, neue

Ausflugsfenster wurden an der Nordseite

angebracht. Außerdem wurde

ein kleiner Dachbodenbereich neu

geschaffen, der von den Tieren gerne

angenommen wird.

„Die Umbaumaßnahmen im Schloss

Lengberg haben die Tiere offenbar

gut verkraftet, umso mehr freut es

mich, dass die Kolonie wieder in etwa

gleich groß wie vorher ist“, so Mag.

Anton Vorauer, Fledermausschutzbeauftragter/Abteilung

Umweltschutz.

Dennoch muss die Kolonie langfristig

beobachtet werden, um ihre Entwicklung

beurteilen zu können.

14


1 2

4

5

3

Archäologie - historische Schätze

Die Renovierungsarbeiten in

Schloss Lengberg wurden seit 2008

auch archäologisch begleitet. Neben

Probegrabungen innerhalb

der Zwingermauer, bei denen einige

Latrinenfüllungen geborgen

werden konnten, wurde eine ganz

besondere Entdeckung gemacht.

Im südwestlichen Raum des 2.

Obergeschosses der Burg wurde

eine Gewölbezwickelfüllung geborgen,

die eine immense Anzahl von

Kleinfunden aus der Zeit vom 14. bis

ins 18. Jahrhundert n. Chr. enthielt.

Neben Hunderten von Münzen, kolorierten

Spielkarten aus Karton, Eisen-,

Buntmetall- und Holzgeräten,

diversen Holzgefäßen, hochwertigen

Gläsern und Importkeramik

aus Spanien, Resten von Kleidung

und Taschen, Waffenteilen, einer

beschrifteten Wachstafel aus Holz

1· Die Einhandflöte aus der Gewölbezwickelfüllung

2· Gemälde: Zeitgenössische Darstellung der Einhandflöte

3 & 5· weitere Fundstücke aus der Gewölbezwickelfüllung: kolorierte Spielkarten & Unterwäsche aus dem 15. Jahrhundert

4· Holzschnitt: „Der Bader“ (zeitgenössische Kunst, 1539-1591)

konnte auch ein einmaliger Fundkomplex

an Lederschuhen (Kinder,

Frauen und Männer) geborgen

werden. Aufregend sind auch über

15 Schriftstücke aus Papier (Rechnungsaufzeichnungen,

Schuldverschreibungen,

Zinsregister, liturgische

Texte etc.) und eine Einhandflöte

aus Holz.

Der Fundkomplex wurde am Institut

für Archäologien, Fachbereich Mittelalter-

und Neuzeitarchäologie

der Universität Innsbruck gesichtet

und wissenschaftlich untersucht.

Im Zuge dieser Untersuchungen

wurden zwei Bücher in der Reihe

Lengberger Forschungen zur Mittelalterarchäologie

der Universität

Innsbruck veröffentlicht.

Diese beiden Bücher beinhalten

die Forschungsergebnisse der Einhandflöte

und der Spielkarten. Insgesamt

sind noch neun weitere Bücher

in Vorbereitung.[1]

Die Einhandflöte

Die Einhandflöte von Schloss Lengberg

stammt vermutlich aus dem

15. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt

wurde die Burg Lengberg

einer großen Umbauphase unterzogen,

bei der ein zusätzliches

Stockwerk errichtet wurde. Im

Zuge dieser Aufstockungsarbeiten

könnte die Einhandflöte mit anderem

Material als Gewölbezwickelfüllung

eingebracht worden sein.

Im umfangreichen Fundkomplex

konnten neben der Flöte noch

weitere Musikinstrumententeile

(Stege von Zupfinstrumenten, Trommelteile)

gefunden werden. Diese

Objekte sind die bislang ersten

und einzigen archäologisch geborgenen

Bodenfunde von Musikinstrumenten

aus Holz im Raum Nordund

Osttirol.

Die Einhandflöte sowie die anderen

geborgenen Teile von Musikinstrumenten

bieten somit einen Einblick

ins „musikalische Leben“ auf Schloss

Lengberg im 15. Jahrhundert.

Spätmittelalterliche Unterwäsche

Neben der erwähnten Einhandflöte

konnten auch zahlreiche Reste von

mittelalterlichen Textilien und gut

erhaltene Schuhe aus der Zwickelfüllung

geborgen werden. Ein ganz

besonderer Fund war aber die spätmittelalterliche

Unterhose. Mittels

C14-Datierung konnte nachgewiesen

werden, dass diese Unterhose

„irgendwann um beziehungsweise

nach 1440 in Gebrauch gewesen

und dann bei den Baumaßnahmen

am Schloss als Abfall im Gewölbezwickel

entsorgt worden ist“.[2]

Die spätmittelalterliche Unterhose

stellt für die Bekleidungsgeschichte

somit eine bis dato nicht vorhandene

Wissensquelle dar. U.a. „ermöglicht

es nun den Archäologen die

genaue Machart, den Schnitt, die

verwendeten Nahttechniken und

Materialien zu untersuchen und so

Details zu entdecken, die man auf

Bildern nicht erkennen kann“.[3]

16

17


1 2 3 4

1· Wappen des Herrschergeschlechts von Lechsgemünd (schwarzer Panther), Relief Burghof

2· Wappen des Erzbischofs Graf Paris Lodron (1619-1653), Löwe mit Brezelschweif, oberhalb des Tores im Burghof

3· Wappen zeigt die doppelte Kaiserwürde Franz I bzw. II, gemalt von Christoph Brandstätter d. Ä. aus Kötschach, Südfassade

4· Blick auf den Innenhof von Schloss Lengberg, 1958

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G

1 2 3 4 5

eschichte - Ursprünge einer Burg

Die „veste Lengenberch“ (Burg

Lengberg) wurde im 12. Jhd. vom

Herrschergeschlecht der Herren

von Lechsgemünd erbaut.[4]

Die Herren von Lechsgemünd waren

kein einheimisches Herrschergeschlecht,

sondern stammten

aus dem Schwabenland (heutiges

dt. Bundesland Bayern). Um genauer

zu sein, lag ihre Stammburg

an der Mündung vom Lech in die

Donau; daher kommt auch ihre

Namensgebung „Lechsgemünd“.

Die Grafen von Lechsgemünd waren

aber keine „Fremden“ in der

Region der Hohen Tauern: Sie besaßen

nicht nur Besitzungen im Raum

Osttirol (Matrei i. O. und Lengberg),

sondern auch im salzburgischen

Pinzgau (Mittersill).

Zum Pflegschaftsbereich von Lengberg

gehörte zur damaligen Zeit die

Burg Lengberg mit ihren Gutshöfen

und auch alle Gebiete östlich von

Oberdrauburg bis zur Urpfarre von

Irschen.[5]

Der letzte Graf von Lechsgemünd,

der auf Burg Lengberg lebte, war

Heinrich von Lechsgemünd. Heinrich,

selbst kinderlos, versprach in

einem Erbvertrag dem Erzbischof

Konrad von Salzburg seine Herrschaftsgebiete

in Osttirol und im

oberen Pinzgau. Schließlich verkaufte

er 1207 dessen Nachfolger,

dem Erzbischof Eberhard, diese

versprochenen Gebiete; mit einer

Ausnahme: Für die Burg Lengberg

mit dazugehörigen Gütern

in Irschen, Nikolsdorf und Lindberg

behielt er sich das lebenslängliche

Nutzungsrecht vor.[6]

Baugeschichtlich betrachtet handelt

es sich bei der damaligen Burg

um einen trapezförmigen, romanischen

Bau, bestehend aus einem

zweistöckigen Palas mit einer 2,20

Meter dicken Ringmauer. Burg

Lengberg besaß keinen Bergfried.

In manchen Quellen wird Lengberg

auch als „Fliehburg“ bezeichnet.[7]

Nach dem Tod Heinrichs von

Lechsgemünd 1212 kam die Herrschaft

zu Lengberg endgültig an

das Hochstift Salzburg (weltlicher

Besitz des Erzbistums Salzburg). Der

Erzbischof setzte daraufhin einen

Burgpfleger, Burgrichter bzw. Burgvogt

ein, der im Namen des Erzbischofs

die Herrschaft verwaltete

und Recht sprach. Die Erzbischöfe

von Salzburg waren nun bis zur Säkularisierung

(also für ca. 600 Jahre)

die Herren über die Besitzungen der

Grafen von Lechsgemünd.[8]

Die Einrichtung der salzburgischen

Pflegeverwaltung erfolgte nun

schrittweise.

Zum einen wurde Burg Lengberg

als Pfand für aufgenommene Darlehen

des Erzbischofs an Adelige

vergeben, zum anderen wurden

Adelige gegen eine bedeutende

Kaution als Burgpfleger (Burgrichter)

mit der Herrschaft belehnt.

Schloss Lengberg von Süden

2· Wehrgang

3· Südöslicher Teil des Burghofes

mit gotischer Treppe

4· Burg von Norden

5· Nördlicher Teil des Burghofes

6· Eingangsbereich im Burghof im 19 Jhd.

Baustufe „Romanik“

12./13. Jhd.

Baustufe „Neuzeit“

60er Jahre des 20. Jhd.

Baustufe „Gotik“

Ende des 15. Jhd.

Baustufe „Zeitgeschichte“

21. Jhd.

20 21


6

V

1 2 3 4

irgil von Graben

Zitat

Virgil von Graben erhielt in der zweiten

Hälfte des 15. Jahrhunderts als

einer der mächtigsten Adeligen seiner

Zeit im Raum Oberkärnten-Osttirol

hofes um drei Meter gesenkt und

somit auch das ursprüngliche romanische

Tor nach unten versetzt.

Nach seinem Tod verzichtete das

Eine grobe Beschreibung der neuen

gotischen Burg findet man in

den Reisetagebücher des Paolo

Santonino, dem Sekretär des damaligen

Burg Lengberg auf Lebenszeit.[9] Mit Herrschergeschlecht „Von Graben

Bischofs von Carole, der

diesem neuen Pfleger begann die von Stein“ gegen eine große

die Weihe der Burgkapelle vollzog:

Hochblüte von Burg Lengberg. Unter

seiner Verwaltung ließ er auf eigene

Kosten die „veste Lengenberch“ in

den Jahren 1480-85 zu einer repräsentativen

gotischen Burg ausbauen.[10]

Geldzahlung auf die Burg Lengberg.

[11] Ab diesem Zeitpunkt wechselten

sich die Burgpfleger in Lengberg

ab und die Burg wurde aufgrund

fehlenden Geldes von Seiten der

„Die Burg selbst wird nicht von einer

ausgedehnten Mauer umschlossen

… Die Mauern der Burg selbst

sind dick und sehr hoch, sodass

Der damalige zweistöckige Palas salzburgischen Hofkammer immer

sie durch Belagerungsmaschinen

erhielt im Zuge dieser Umbauarbeiten

ein drittes Stockwerk, ergänzt mit

einem West- und einem Osttrakt. Im

so genannten Westtrakt wurde eine

Burgkapelle geschaffen, die 1485 den

Heiligen Sebastian und Nikolaus geweiht

wurde. Neben diesen Bautätigkeiten

wurde die Ringmauer zusätzlich

mehr vernachlässigt.[12]

Die katastrophalen Zustände in der

Burg führten schließlich dazu, dass

sich der Pfleger Joseph Franz Getzinger

(1763-1805) im 18. Jahrhundert

entschloss, das baufällige Schloss zu

verlassen und in das frei gewordene

kaum gebrochen würden. Die innere

Einteilung ist vorzüglich, unten

und im Stockwerk gibt es schöne

Wohnzimmer, hergerichtet für

Sommer und Winter … In der Burg

ist auch ein Springbrunnen, dessen

Wasser in einen hölzernen Trog

zurückfällt … Innerhalb der Burg

aufgestockt und durch eine Zwingermauer

ehemalige Trattenhaus, entspricht

hat der Burgherr vielartige Befestigungskünste

ergänzt.

Ferner wurde das Niveau des Burg-

dem heutigen „Getzenhof“, unterhalb

des Schlosses zu ziehen.[13]

angebracht zur Ver-

teidigung und zum Abschlagen

eines feindlichen Angriffes … Er hat

auch eine Sonnenuhr bzw. einen

1· Älteste Ansicht der salzburgischen Burg Lengberg (Schloß Lemperg), Ausschnitt aus der Gebietskarte Lienz-Oberdrauburg, 1653

Stundenmesser aufgestellt …“[14]

2· Sonnenuhr (Südfassade)

3· „Sebastian-Altar“ aus der ursprünglichen Burgkapelle (Spätmittelalter), derzeit im Tiroler Landesmuseum

4· Grabplatte von Virgil von Graben in der St. Michaels-Kirche, Lienz (Osttirol)

24


I

1 2

m 19. Jahrhundert

In dieser Zeit wechselten sich die Besitzer

von Schloss Lengberg ab. Im Zuge

des Reichsdeputationshauptschlusses

von 1803 wurde das Erzstift Salzburg

aufgelöst und in das Kurfürstentum

Salzburg umgewandelt. Das bedeutete

für das Gericht Lengberg und somit

für Schloss Lengberg, dass es nun

Teil des Kurfürstentums Salzburg wurde

und somit dem habsburgischen Großherzog

Ferdinand von Toscana übergeben

wurde. Es gehörte somit zum

Haus Habsburg.[15]

Nach der Niederlage der habsburgischen

Koalition gegen Napoleon

kam Osttirol zu den neu gegründeten

Illyrischen Provinzen und somit unter

französische Verwaltung. Das Gericht

Lengberg, das ja immer noch bestanden

hatte, wurde nun 1812 aufgelassen.

Mit der Niederlage Napoleons bei

Waterloo kehrte offiziell 1816 die österreichische

Verwaltung wieder. „Das

1812 aufgelassene Gericht Lengberg

wurde aber nicht wiedererrichtet“;

sein Bereich wurde mit dem Landesgericht

Lienz vereinigt und damit der

Grafschaft Tirol zugeordnet.[16]

Seit 1821 befand sich Schloss Lengberg

in Privatbesitz. Seine Verwendung

war vielfältig: Einerseits wurde es

als Altarwerkstatt des Kalser Tischlermeisters

Steiner genutzt, andererseits

aber auch als Lazarett während der

Choleraepidemie von 1831.

Neben vielen privaten Vorschlägen

bzgl. seiner Verwendung (u.a. wollte

Herr Franz Clement ein Ferienheim für

Kinder in Schloss Lengberg einrichten)

erwarb um 1913 der Kärntner Landtagspräsident

Karl Graf Lodron-Laterno

das Schloss.

Schlossherr Paul May mit Gesinde

2· Stube mit Kachelofen (20. Jhd.)

3 & 4· Salon (20. Jhd.)

as 20. Jahrhundert

D1920 kaufte schließlich der holländische

Bankier Paul May das heruntergekommene

Schloss. Er ließ Teile

des Schlosses soweit renovieren,

dass es wieder bewohnbar war.

Die Familie May war u.a. mit dem

holländischen Königshaus gut befreundet.

So weilte die holländische

Königin Wilhelmine auf Sommerfrische

in Schloss Lengberg.

Im Zuge des Anschlusses Österreichs

an Nazi-Deutschland wurden

die Besitzungen und somit Schloss

Lengberg enteignet und der örtlichen

Verwaltung übergeben. Erst

nach dem zweiten Weltkrieg erhielt

die Familie May das Schloss

zurück, musste es aber aus Geldnot

wieder verkaufen. Danach gab es

umfangreiche Renovierungspläne,

u.a. war ein internationales Erholungsheim

für Sportler (Initiator

Victor Mazocco) geplant. Diese

wurden jedoch aufgrund fehlenden

Geldes nicht realisiert.[17]

1956 konnte das Land Tirol das

Schloss käuflich erwerben und

übergab es im gleichen Jahr dem

Verein „Aufbauwerk der Jugend“

3 4

zur Pacht. Schloss Lengberg, das

zu diesem Zeitpunkt sehr renovierungsbedürftig

war, wurde in den

kommenden Jahrzehnten mehrmals

unter Einsatz vieler Freiwilliger

renoviert und instand gesetzt. Während

dieser notwendigen und infrastrukturellen

Adaptierungsmaßnahmen

büßte Schloss Lengberg

viel historischen Charme ein: U.a.

wurde bei diesen Renovierungsarbeiten

die bestehende Burgkapelle

im Westtrakt des Palas abgerissen

und durch eine Küche ersetzt. Als

Ersatz wurde eine neue Burgkapelle

nach den Plänen des Architekten

Hubert Völlenklee im Untergeschoss

– in der ehemaligen Futterkammer -

eingerichtet und eingeweiht.

Nach diesen Renovierungsarbeiten

diente das Gebäude zuerst als Jugendherberge.

Später stand es der

Landwirtschaftlichen Schule als Unterkunft

zur Verfügung.

Das Erdbeben im Jahr 1976 führte

zu starken Beschädigungen am

Gebäude, so dass erneut Renovierungsarbeiten

und Adaptierungen

durchgeführt werden mussten.

26

27


K

ontakte

Land Tirol

Amt der Tiroler Landesregierung

Gruppe Bau und Technik,

Abteilung Hochbau

Herrengasse 1-3

A-6020 Innsbruck

Tel: +43 (0)512-5084101

Fax: +43 (0)512-5084105

hochbau@tirol.gv.at

www.tirol.gv.at/themen/bauenund-wohnen/hochbau/

Aufbauwerk der Jugend

Rennweg 17

A-6020 Innsbruck

Tel: +43 (0)512-585814-50

Fax: +43 (0)512-585814-53

office@aufbauwerk.com

www.aufbauwerk.com

A

bbildungsverzeichnis

Seite 16-17: von links nach rechts:

Darstellung der Querschnitte der

Einhandflöte. Übernommen aus:

Michael Schick: Die Einhandflöte

aus den Gewölbezwickelfüllungen

von Schloss Lengberg in Osttirol,

Nearchos Beiheft 8/2010 (Lengberger

Forschungen zur Mittelalterarchäolgie

2), Innsbruck 2010, S. 95

Altaraufsatz mit Darstellung eines

Einhandflötenspielers (Bar-sur-Loup,

E. 15. Jhd., Guis/Lefrancois/venture

1993, 104)

Der Bader, Holzschnitt aus: Jost Amman

(1539-1591): Eygentliche Beschreibung

aller Stände auff Erden

hoher und nidriger, geistlicher und

weltlicher, aller Künsten, Handwerken

und Händeln ... (erstmals Frankfurt

am Main 1568; auch bekannt

als: Das Ständebuch)

Wehdorn Architekten, Ziviltechniker

GmbH

Schlossgasse 20

A-1050 Wien

Tel: +43 (0)1-5440644

Fax: +43 (0)1-5444650

mail@wehdorn.at

www.wehdorn.at

Bundesdenkmalamt

Burggraben 31

A-6020 Innsbruck

Tel: +43 (0)512-582932

Fax: +43 (0)512-581915

kontakt@bda.at

www.bda.at

Foto der spätmittelalterlichen Unterhose.

Übernommen aus: Beatrix

Nutz: Die Unaussprechlichen, in:

Harpfe. Zeitschrift für Landeskunde

(Nr. 2), hrsg. v. Stiftung Harpfe, Innichen

2010, 30-31

Foto der spätmittelalterlichen Spielkarten.

Übernommen aus: Peter

Blass: Die Spielkarten aus den Gewölbezwickelfüllungen

von Schloss

Lengberg in Osttirol, Nearchos

Beiheft 10/2011 (Lengberger Forschungen

zur Mittelalterarchäolgie

2), Innsbruck 2011, S. 39-51

Seite 19: Foto: Blick auf den Innenhof

von Schloß Lengberg, 1958: aus

dem Buch Nikolsdorf in Osttirol. Aus

Vergangenheit und Gegenwart einer

Osttiroler Landgemeinde, hrsg.

v. Gemeinde Nikolsdorf, Nikolsdorf

1988, S. 77

Universität Innsbruck

Institut für Archäologien,

Fachbereich für Ur- und Frühgeschichte

sowie Mittelalter- und

Neuzeitarchäologie

Langer Weg 11/3. OG

A-6020 Innsbruck

Tel: +43 (0)512-507-37501

Fax: +43 (0)512-507-37599

ur-fruehgeschichte@uibk.at

www.uibk.ac.at/

urgeschichte/institut1/

Fledermausbeauftragter des

Landes Tirol

Mag. Anton Vorauer

Karl-Innerebner-Straße 54

A-6020 Innsbruck

Tel: +43 (0)676 444 66 10

anton.vorauer@utanet.at

www.fledermausschutz.at

Seite 24: von links nach rechts

Älteste Ansicht der salzburgischen

Burg Lengberg (Schloß Lemperg),

Ausschnitt aus der Gebietskarte

Lienz-Oberdrauburg, 1653,

aquarellierte Federzeichnung,

40,5 x 197,5 cm, Salzburger Landesarchiv,

Karten und Risse C2.68

Sebastian-Altar aus der Schlosskapelle

Lengberg, spätgotischer

Schnitzaltar aus Lindenholz (im Tiroler

Landesmuseum Ferdinandeum),

aus dem Buch Nikolsdorf in Osttirol.

Aus Vergangenheit und Gegenwart

einer Osttiroler Landgemeinde,

hrsg. v. Gemeinde Nikolsdorf,

Nikolsdorf 1988, S.162

Grabplatte von Virgil v. Graben, St.

Michaels-Kirche, Lienz, Osttirol, in

Meinrad Pizzinini: Lienz. Das große

Stadtbuch. Stadt Lienz, Lienz, 1982

L

iteraturverzeichnis

[1] Harald Stadler: Eine Schatztruhe

unter dem Fußboden, in: Harpfe.

Zeitung für Landeskunde (Heft 2,

2010), S. 27-29; vgl. auch: Michael

Schick: Die Einhandflöte aus den

Gewölbezwickelfüllungen von

Schloss Lengberg in Osttirol, Nearchos

Beiheft 8/2010 (Lengberger

Forschungen zur Mittelalterarchäolgie

2, Innsbruck 2010; Peter Blass:

Die Spielkarten aus den Gewölbezwickelfüllungen

von Schloss Lengberg

in Osttirol, Nearchos Beiheft

10/2011 (Lengberger Forschungen

zur Mittelalterarchäologie 2, Innsbruck

2011

[2] Beatrix Nutz: Die Unaussprechlichen,

in: Harpfe. Zeitung für Landeskunde

(Heft 2, 2010), S. 31

[3] Ebd.

[4] Magdalena Weingartner: Lengberg,

in: Tiroler Burgenbuch Bd. 9:

Pustertal, hrsg. v. Oswald Trapp, Innsbruck-Wien

2003, S. 545

[5] Ebd., S. 546

[6] Otto Stolz: Politisch-historische

Landesbeschreibungen von Südtirol,

Innsbruck 1937 (= Schlern-

Schriften Nr. 40), S. 709, vgl. Gerhild

Kutschera: Schloss Lengberg, in:

Nikolsdorf in Osttirol. Aus Vergangenheit

und Gegenwart einer Osttiroler

Landgemeinde, Nikolsdorf

1988, S. 155

[7] Josef Astner: Die Pfleger von

Lengberg und ihre Zeit, in Nikolsdorf

in Osttirol. Aus Vergangenheit und

Gegenwart einer Osttiroler Landgemeinde,

hrsg. v. Gemeinde Nikolsdorf,

Nikolsdorf 1988, S. 28, 31;

ergänzend: Eine Fliehburg (auch

Volksburg genannt) dient einer

vollständigen lokalen Bevölkerung

vorübergehend als Rückzugsorte in

Zeiten der Gefahr.

[8] Noch heute findet man im

Burghof Überbleibsel der Erzbischöfe,

u.a. das Wappen des Salzburger

Erzbischofs Paris Graf von Lodron

(1586-1653), das sich oberhalb des

Burgtores befindet. Es zeigt einen

stehenden, herschauenden Löwen

mit Brezelschweif.

[9] Rudolf Egger: Santonino in Kärnten.

Aus seinen Reisetagebüchern

1486-86 (= Kleine Kärnten-Bibliothek,

Bd. 10), Klagenfurt 1978, S. 34

[10] Gerhild Kutschera: Schloß Lengberg,

in: Nikolsdorf in Osttirol. Aus

Vergangenheit und Gegenwart einer

Osttiroler Landgemeinde, hrsg.

v. Gemeinde Nikolsdorf, Nikolsdorf

1988, S. 156; Magdalena Weingartner:

Lengberg …, S. 551ff

[11] Josef Astner: Die Pfleger von

Lengberg …, S. 31

[12] Magdalena Weingartner:

Lengberg …, S. 547ff

[13] Gerhild Kutschera: Schloß

Lengberg …, S. 178

[14] Rudolf Egger: Santonino ...,

S. 34

[15] Josef Astner: Die Pfleger, S. 98

[16] Meinrad Pizzinini: Das höchste

landesherrliche Wappen auf

Schloss Lengberg. Ein bemerkenswertes

heraldisches Denkmal und

sein historischer Hintergrund, in: Geschichte

als Gegenwart. Festschrift

für Magdalena Hörmann-Weingartner

(Schlern-Schriften 352), hrsg.

von Leo Andergassen und Lukas

Madersbacher, Innsbruck 2010

[17] Gerhild Kutschera: Schloß

Lengberg …, S. 172

Herausgeber: Land Tirol | für den Inhalt verantwortlich: Aufbauwerk der Jugend - Berufsvorbereitung Schloss Lengberg

MMag.a Hildegard Goller, Dipl.Soz.Päd. Michael Fürhapter, Mag. Andreas Hellmann | Konzept & Layout: wolfart.cc

Technische Zeichnungen: Dr. Nadja Riedmann, Mag. Michael Schick

Fotografie: DI Wolfgang Retter S 9, 10 (außer oben Mitte), 11, 12 (außer oben rechts), 13, 28-29· Nicolas Moser S 4, 6-7, 10 (oben Mitte), 12

(oben rechts), 15, 18 (1,2), 24 (2)· Familie Rohracher S 22· Dr. Meinrad Pizzinini S 18 (3)· Institut für Archäologien, Fachbereich für Ur- & Frühgeschichte

sowie Mittelalter- & Neuzeitarchäologie, Universität Innsbruck S 16-17 (1,2,5) | Druck: Oberdruck Dölsach


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