Forschungsprojekte 2013/2014 - Heidelberger Akademie der ...

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Forschungsprojekte 2013/2014 - Heidelberger Akademie der ...

HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN Karlstraße 4 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 32 65 | 54 32 66 Telefax 0 62 21 | 54 33 55 haw@adw.uni-heidelberg.de www.haw.baden-wuerttemberg.de Forschungsprojekte 2013/2014 HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN Akademie der Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg


HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN Heidelberger Akademie der Wissenschaften Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften wurde 1909 in der Tradition der 1763 durch Kurfürst Carl Theodor gegründeten Kurpfälzischen Akademie konstituiert. Dem Gründungsgedanken, herausragende Wissenschaftler des Landes zum fächerübergreifenden Gespräch und zu unabhängiger Forschung zusammenzuführen, ist die Heidelberger Akademie treu geblieben. Sie ist die Akademie der Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg. Mit sieben anderen Landesakademien, die ihren Sitz in Berlin, Göttingen, München, Leipzig, Mainz, Düsseldorf und Hamburg haben, ist sie in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossen. Sie versteht sich als traditionelle Gelehrtengesellschaft und als Trägerinstitution moderner außeruniversitärer Forschung. Die Akademie veranstaltet wissenschaftliche Tagungen sowie öffentliche Vortragsreihen. Mit der Einrichtung eines Nachwuchskollegs, Unterstützung von Konferenzen junger Wissenschaftler und durch die Vergabe von Forschungspreisen fördert sie den wissenschaftlichen Nachwuchs. TRADITIONSREICHE GELEHRTENGESELLSCHAFT Die Akademie dient ihren Mitgliedern in den Sitzungen, die als Gesamt- wie als Klassensitzungen abgehalten werden, als Forum für die regelmäßige interdisziplinäre Diskussion von wissenschaftlichen Fragestellungen und Forschungsergebnissen. Zu ordentlichen Mitgliedern der Heidelberger Akademie werden Wissenschaftler des Landes Baden-Württemberg gewählt, die sich durch hervorragende wissenschaftliche Leistungen ausgewiesen haben. Daneben kann die Mitgliederversammlung Wissenschaftler aus aller Welt als korrespondierende Mitglieder zuwählen. Untergliedert in zwei Abteilungen, die Philosophischhistorische und die Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, sind durch die derzeit rund 190 ordentlichen und 70 korrespondierenden Mitglieder alle Wissenschaftsdisziplinen in der Akademie repräsentiert. Durch die Vielfalt der vertretenen Forschungsgebiete ermöglicht die 1


HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN Akademie wie kaum eine andere Institution fächerübergreifenden Gedankenaustausch und Zusammenarbeit über Disziplinen, Fakultäten und Universitäten hinweg. MODERNE FORSCHUNGSEINRICHTUNG Das Spektrum der derzeit 21 Forschungsprojekte der Akademie, in denen ca. 230 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist breit gefächert. Die wissenschaftliche Verantwortung für die einzelnen Projekte obliegt Kommissionen, die aus Akademiemitgliedern sowie externen Fachleuten zusammengesetzt sind. Die einzelnen Forschungsvorhaben werden in dieser Broschüre vorgestellt. Der Schwerpunkt der Akademiearbeit liegt auf dem Gebiet langfristiger Grundlagenforschung. Die Akademie trägt unter anderem durch kritische Editionen der Werke und Briefe großer Denker und die Erstellung wissenschaftlicher Wörterbücher zu der Bewahrung des kulturellen Erbes bei. Bei einigen Projekten arbeiten Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler Hand in Hand, wie z. B. bei „The Role of Culture in Early Expansions of Humans“. Hier werden biologische Mechanismen gleichermaßen wie Kulturtechniken bei den Wanderungsbewegungen der frühen Menschen erforscht. Die Akademie stellt damit Grundlagenwissen bereit, das von anderen Wissenschaftlern in Forschung und Lehre und von der Öffentlichkeit benutzt werden kann. Als Landesakademie wird die Heidelberger Akademie der Wissenschaften in erster Linie vom Land Baden- Württemberg finanziert. Für zahlreiche Forschungsprojekte erhält sie aber auch Zuwendungen im Rahmen des von Bund und Ländern gemeinsam geförderten „Akademienprogramms“, d. h. der Bund und das Sitzland der Forschungsstelle tragen jeweils die Hälfte der Kosten. Daneben werden durch die Forschungsstellen Drittmittel aus Schwerpunktprogrammen des Bundeswissenschaftsministeriums, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der EU und von Stiftungen eingeworben. NACHWUCHSFÖRDERUNG Ein zentrales Anliegen ist der Akademie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Baden-Württemberg. Mit dem „WIN-Kolleg“ wird seit 2002 eine interdisziplinäre Forschung zu aktuellen Themenbereichen gefördert, die von jungen Wissenschaftlern gestaltet und getragen wird. Bislang sind insgesamt zehn fächerübergreifend zusammengesetzte Projekte mit einer Laufzeit von maximal fünf Jahren in den Schwerpunkten „Gehirn und Geist: Physische und psychische Funktionen des Gehirns“, „Kulturelle Grundlagen der Europäischen Einigung“ und „Der menschliche Lebenszyklus – biologische, gesellschaftliche kulturelle Aspekte“ erfolgreich gefördert worden. Mit den „Akademiekonferenzen für junge Wissenschaftler“, die seit 2007 durchgeführt werden, gibt die Akademie jungen Forschern die Möglichkeit, in eigener Regie und Verantwortung eine interdisziplinäre Konferenz zu organisieren. Jährlich verleiht die Akademie vier Preise, mit denen hervorragende wissenschaftliche Leistungen junger Forscherinnen und Forscher ausgezeichnet werden. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften nimmt zusammen mit den anderen Akademien in dem vielgestaltigen Wissenschaftssystem Deutschlands einen eigenen Platz ein; sie führt das aus einer langen Tradition Bewahrenswerte fort und stellt sich, ihr Aufgabenspektrum erweiternd, neuen gesellschaftlichen Erwartungen. 2 3


FORSCHUNGSPROJEKTE FORSCHUNGSPROJEKTE GESAMTAKADEMIE 1 | Goethe-Wörterbuch 2 | Historische und rezente Hochwasserkonfl ikte an Rhein, Elbe und Donau im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft, Technik und Sozialökologie 3 | The Role of Culture in Early Expansions of Humans PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 4 | Buddhistische Steininschriften in China 5 | Deutsche Inschriften des Mittelalters 6 | Epigraphische Datenbank römischer Inschriften (EDH) 7 | Klöster im Hochmittelalter: Innovationslabore europäischer Lebensentwürfe und Ordnungsmodelle 8 | Nietzsche-Kommentar 9 | Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens 10 | Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas Editionen 11 | Martin Bucers Deutsche Schriften 12 | Edition literarischer Keilschriften aus Assur 13 | Europa Humanistica 14 | Evangelische Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts 15 | Geschichte der südwestdeutschen Hofmusik im 18. Jahrhundert 16 | Kommentierung der Fragmente der griechischen Komödie 17 | Kommentierung und Gesamtedition der Werke von Karl Jaspers sowie Edition der Briefe und des Nachlasses in Auswahl 18 | Melanchthon-Briefwechsel Wörterbücher 19 | Altfranzösisches etymologisches Wörterbuch, Dictionnaire étymologique de l’ancien français (DEAF) 20 | Wörterbuch der altgaskognischen Urkunden - sprache, Dictionnaire onomasiologique de l’ancien gascon (DAG) 21 | Deutsches Rechtswörterbuch (DRW) ZENTRUM FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG FRÜHE NEUZEIT 4 5


GESAMTAKADEMIE 1 | Goethe-Wörterbuch Tübingen VORSITZENDER DER INTERAKADEMISCHEN KOMMISSION Prof. Dr. Andreas Gardt FORSCHUNGSSTELLENLEITER Dr. Rüdiger Welter ANSCHRIFT Frischlinstraße 7 72074 Tübingen Telefon 0 70 71 | 2 97 21-45 oder -46 Telefax 0 70 71 | 25 40 02 E-Mail gwbsekretariat@oe.uni-tuebingen.de Das Goethe-Wörterbuch ist ein individualsprachliches Bedeutungswörterbuch, das den gesamten Wortschatz Goethes in alphabetischer Anordnung darstellt. Auf der Grundlage von rund 3 Millionen Archivbelegen zu gut 90.000 Stichwörtern analysiert es deren Gebrauchsweisen in systematisch gegliederten Artikeln mit ausgewählten Belegzitaten. Dabei werden Gemeinsprachlichkeit, vielfältige Fachsprachlichkeit und das Besondere der Goetheschen Dichtersprache gleichermaßen berücksichtigt. So ist das Goethe-Wörterbuch nicht nur ein Instrument der Goethe-Philologie, sondern auch eine Informationsquelle für Wissenschafts- und Kulturgeschichte, Begriffs- und Ideengeschichte. Artikelbeispiel aus Band 4, Lieferung 3. Erschienen sind im Verlag Kohlhammer, Stuttgart: Band 1: A – azurn (1978), Band 2: B – einweisen (1989), Band 3: einwenden – Gesäusel (1998), Band 4: Geschäft – inhaftieren (2004), Band 5: Inhalt – Medizinalaufwand (2011), Band 6: Medizinalausgabe – mikrokosmisch (2012), Band 6.2: Mikrokosmos – Mittwoch (2012). Das Vorhaben wird gemeinsam getragen von den Akademien der Wissenschaften in Heidelberg, Göttingen und Berlin, mit weiteren Arbeitsstellen in Hamburg und Berlin/Leipzig. 6 7


GESAMTAKADEMIE 2 | Historische und rezente Hochwasserkonflikte an Rhein, Elbe und Donau im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft, Technik und Sozialökonomie VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Hermann H. Hahn FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier Prof. Dr.-Ing. Rainer Helmig ANSCHRIFT Universität Stuttgart Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung Lehrstuhl für Hydromechanik und Hydrosystemmodellierung Pfaffenwaldring 61 70569 Stuttgart Telefon 07 11 | 6 85-6 46 67 und -6 45 11 E-Mail thomas.haas@adw.uni-heidelberg.de Das Projekt analysiert und vergleicht historische, rezente und prognostizierte Konfl ikte und Konfl iktpotenziale im Spannungsfeld Hochwasser. Am Beispiel von Rhein, Elbe und Donau soll in transdisziplinärer Zusammenarbeit ein methodisches Instrumentarium für Lösungsanalysen globaler Wasserkonfl ikte entwickelt werden. Hochwasser wird mehr und mehr als materiell-physischer und gleichzeitig gesellschaftlich geprägter Prozess verstanden, dessen Verlauf und dessen Beeinflussung nicht vollständig vorhersagbar und kontrollierbar sind. Daher lässt sich ein Konzept zum Umgang mit Hochwasser erstellen, das nicht mehr nur auf dessen Beherrschung und Ausgrenzung setzt. Stattdessen fördert es in der Anpassung an und Reduzierung von Überschwemmungen Lösungsansätze, die die Komplexität der Wirkungsbeziehungen zwischen Natur, Technik und Gesellschaft berücksichtigen. Die den räumlichen Kontext und gesellschaftlichen Umgang mit Hochwasser konstituierenden Faktoren stehen miteinander in enger Wechselwirkung im Hinblick auf ■ die räumliche und zeitliche Integration von natürlichen Prozessen, baulichen Maßnahmen und Schutz- und Nutzungsansprüchen, ■ Risikobewusstsein und Deutungen von Bedrohung und Sicherheit, ■ Bewältigung und Vorsorge als langfristigem Lernund Aushandlungsprozess, ■ normative Regulation, ■ Aufgliederung von Planung, Bau und Betrieb. Häufig kam oder kommt es zu Interessenskonfl ikten zwischen beteiligten Gruppen und/oder Anliegern um ökonomische, ökologische oder auch soziale Faktoren. Als Grundlage für zukünftige Konfl iktmediationen ist eine vergleichende historische Analyse unverzichtbar. Zum Gelingen der Vermeidung, Beilegung oder Schlichtung von Auseinandersetzungen können auch Methoden der Umweltsystemmodellierung entscheidend beitragen. Theoretischer Ansatz ist die Überprüfung der Übertragbarkeit eines sozial-ökologischen Raumkonzepts auf die gegebene Fragestellung sowie, im positiven Falle, auf Wasserkonfl ikte im Allgemeinen. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt wird mit Mitteln der Klaus Tschira Stiftung gefördert. Elbehochwasser bei Dresden Januar 1932 (Bundesarchiv, Bild 102-12896, Foto o. Ang.) 8


GESAMTAKADEMIE 3 | The Role of Culture in Early Expansions of Humans VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Volker Sellin FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger (geschäftsführend) Prof. Nicholas Conard PhD Prof. Dr. Friedemann Schrenk Prof. Dr. Volker Hochschild PROJEKTKOORDINATORIN PD Dr. Miriam Haidle Daten zu Fundschichten und verschiedenen Informationen zur Archäologie. Ergänzend werden Informationen zur menschlichen Fossilgeschichte und zu Klima, Vegetation und Tierwelt für die Modellierung früherer Lebensräume erhoben. Die Ergebnisse finden Eingang in einen digitalen Atlas der Mensch-Umwelt-Entwicklung auf der Basis Geographischer Informationssysteme (GIS). Die Forschungsstelle „The role of culture in early expansions of humans“ ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Schnittstelle zwischen Kultur- und Naturwissenschaften. Die international weit verzweigten wissenschaftlichen Arbeiten werden übergreifend von den beiden Arbeitsstellen am Forschungsinstitut Senckenberg und an der Universität Tübingen durchgeführt. ANSCHRIFT Forschungsinstitut Senckenberg Eberhard Karls Universität Tübingen Senckenberganlage 25 Rümelinstraße 23 60325 Frankfurt 72070 Tübingen Telefon 0 69 | 75 42-15 69 Telefon 0 70 71 | 2 97 24 16 Telefax 0 69 | 75 42-15 58 Telefax 0 70 71 | 29 57 14 Von Afrika ausgehend breitete sich in den letzten 2 Millionen Jahren die Gattung Homo in verschiedenen Wanderungswellen nach Asien und Europa aus. Während der Lebensraum der Australopithecinen und frühen Menschen formen wie bei anderen Lebewesen durch natürliche Bedingungen beschränkt war, erlaubten kulturelle Errungenschaften im Laufe der Menschwerdung neue Anpassungswege an die Umwelt. Das Projekt hat zum Ziel, die raumzeitlichen und phylogenetischen Expansionen der verschiedenen Homininenarten, die Ausweitung des ökologischen Umfeldes und die Erweiterung der kulturellen Kapazitäten zwischen 3 Millionen und 20.000 Jahren vor heute zu rekonstruieren und die ursächlichen Beziehungen zu beleuchten. Besonderes Augenmerk wird auf die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten zu kulturellem Handeln gelegt, deren Hintergründe und tatsächlichen Ausprägungen. Archäologische Ausgrabungen in Afrika, Asien und Europa liefern hierzu wichtige Erkenntnisse. In der ROAD-Datenbank werden geographische Daten zu Fundstellen zusammengefasst mit stratigraphischen Der Wind als Grabungshelfer: Dokumentation einer vom Dünensand freigewehten Fundstelle in Südafrika. Das nur 3,7 cm große Mammut aus Elfenbein wurde 2006 bei Nachgrabungen an der Vogelherdhöhle im Lonetal, Baden-Württemberg, entdeckt. Mit einem Alter von ca. 32.000 Jahren stellt es einen der ältesten Belege fi gürlicher Kunst weltweit dar. Musik spielte bereits vor 32.000 Jahren eine große Rolle im sozialen Leben der Bewohner des Geißenklösterle bei Blaubeuren, Baden- Württemberg. Die mit einer Länge von 12,6 cm erhaltene Flöte aus Schwanenknochen wurde aus zahlreichen Fragmenten zusammengesetzt. 10 11


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 4 | Buddhistische Steininschriften in China VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Frank Kolb FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Lothar Ledderose ANSCHRIFT Kunsthistorisches Institut Abteilung Ostasien | Buddhistische Steinschriften Seminarstraße 4 | 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 39 67 Telefax 0 62 21 | 54 33 84 E-Mail claudia.wenzel@urz.uni-heidelberg.de sueyling.tsai@urz.uni-heidelberg.de Die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. war für den chinesischen Buddhismus eine Epoche des Umbruchs. Trotz der in den Jahren 577/578 erlittenen Verfolgungen brach die Rezeption der heiligen Schriften der ursprünglich aus Indien stammenden Religion nicht ab. Im Zuge der Anpassung der fremden Lehre an ihre einheimischen Traditionen der Schriftkunst und des Umgangs mit Landschaft schufen chinesische Mönche einzigartige Steininschriften. Sie meißelten die heiligen Texte in mühevoller Arbeit und in bis zu drei Meter hohen Zeichen in den gewachsenen Fels unter freiem Himmel und sie integrierten die Inschriften auch in die architektonische Gestaltung von Höhlentempeln. Mit diesem „Netz“ aus Steinschriften schufen die chinesischen Buddhisten damals die kulturhistorisch bedeutsamsten Monumente Nordchinas. Aufgabe der Forschungsstelle ist die vollständige und systematische Dokumentation dieser teilweise erst in den letzten Jahren wieder entdeckten Steinschriften. Von besonderem Interesse ist zudem die Einbettung der Texte in unterschiedliche räumliche Zusammenhänge. Die Felsinschriften unter freiem Himmel verleihen der Landschaft sakralen Charakter: Monumentale Stelen verkünden die heiligen Lehren, steile Felswände werden zu Orten der Meditation, und große Felsbrocken markieren bergansteigende Pilgerpfade. In den geschützten Höhlentempeln bedecken hunderttausende von Schriftzeichen die Wände; das Textprogramm erschließt sich in Wechselwirkung mit dem ikonographischen Programm benachbarter Bildnischen. Das Projekt basiert auf internationaler Zusammenarbeit, vor allem mit chinesischen Wissenschaftlern, die sich seit einigen Jahren wieder verstärkt religionshistorischen Fragen zuwenden. Darüber hinaus bestehen enge Verbindungen zu japanischen Gelehrten, die die hervorragende buddhologische Tradition ihres Landes fortführen. Interdisziplinär sind Forscher vom Lehrstuhl Geoinformatik des Geographischen Instituts der Universität Heidelberg und vom Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik am i3mainz zur Klärung der topographischen Situation der gemeißelten Texte in das Projekt mit eingebunden. Über den Einsatz moderner 3 D Lasertechnik und den Aufbau einer Geodateninfrastruktur kann eine Webapplikation mit Analysewerkzeugen zur Verfügung gestellt werden, welche das Projekt innerhalb der Digital Humanities etabliert. 12 13


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 5 | Deutsche Inschriften des Mittelalters VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Dieter Mertens FORSCHUNGSSTELLENLEITER Dr. Harald Drös ANSCHRIFT Karlstraße 4 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54-35 74 oder -32 69 Telefax 0 62 21 | 54-33 69 E-Mail harald.droes@urz.uni-heidelberg.de ilas.bartusch@adw.uni-heidelberg.de Aufgabe der Forschungsstelle sind die Erfassung und kommentierte Edition der lateinischen und deutschsprachigen Inschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis zum Jahr 1650 in Baden-Württemberg. Das Unternehmen ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts der wissenschaftlichen Akademien Deutschlands und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das 1933 begründet wurde und nach einer Unterbrechung der Arbeiten durch den Zweiten Weltkrieg ab den 60er Jahren einen neuen Aufschwung nahm. 17 der bislang 81 Bände des Corpuswerks „Die Deutschen Inschriften“ (DI) sind in der Heidelberger Reihe erschienen; zwei weitere Bände sind in Arbeit. Ein Band umfasst jeweils sowohl den original als auch den nur mehr abschriftlich überlieferten Inschriftenbestand eines oder mehrerer Stadt- oder Landkreise. Angesichts der Bedrohung vieler Inschriftenträger durch Umwelteinflüsse ist die systematische Inventarisierung und fotografische Dokumentation vor Ort auch in den noch nicht unmittelbar zur wissenschaftlichen Bearbeitung anstehenden Regionen eine dringliche, Kulturgut sichernde und bewahrende Aufgabe. Die Forschungsstelle leistet Grundlagenforschung für zahlreiche Disziplinen, u. a. der Geschichte, Philologie, Kunstgeschichte und Volkskunde. Besonders hervorzuheben ist die inschriftenpaläographische (schriftkundliche) Komponente der Arbeit als wichtiger Beitrag zur allgemeinen Schriftgeschichte. Bad Urach (Landkreis Reutlingen), Amanduskirche, Taufstein (1518), Ausschnitt. Gotisch-humanistische Mischminuskel. 14 15


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 6 | Epigraphische Datenbank römischer Inschriften (EDH) VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Tonio Hölscher FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Christian Witschel ANSCHRIFT ZAW – Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik Marstallhof 4 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 22 39 Telefax 0 62 21 | 54 22 34 E-Mail epigraphische.datenbank@adw.uni-heidelberg.de Internet www.epigraphische-datenbank-heidelberg.de Seit 1993 ist das bereits 1986 im Rahmen des Gottfried- Wilhelm-Leibniz-Programms gegründete Projekt eine Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Sein Ziel besteht darin, möglichst alle lateinischen Inschriften des Römischen Reiches mittels einer kostenfreien Datenbank im Internet zugänglich zu machen und damit eine leicht zu erschließende Grundlage für die Erforschung der epigraphischen Quellen zu schaffen. Den Schwerpunkt bilden die lateinischen Inschriften, daneben in geringerem Umfang auch bilingue (v. a. lateinisch-griechische) und griechische Texte. Die originär in Abkürzungen verfassten und heute meist nur noch fragmentarisch erhaltenen epigraphischen Zeugnisse werden in der EDH mit Auflösungen und Ergänzungen wiedergegeben und können zusammen mit weiteren forschungsrelevanten Daten (u. a. Fundort, soziale Klassifizierung, Maße, Datierung, Bibliographie), mit Fotos oder mit Zeichnungen abgerufen werden. Der Datenbestand wird ständig erweitert und aktualisiert. Im Rahmen des international koordinierten Datenbankportals EAGLE (Electronic Archives of Greek and Latin Epigraphy: www.eagle.let.uniroma1.it) wird weiter an einer Zusammenführung der maßgeblichen epigraphischen Datenbankvorhaben gearbeitet mit dem Ziel, möglichst alle lateinischen und griechischen Inschriften der Antike über eine gemeinsame Such maske abfragbar zu machen. Im Sinne der im Jahre 2003 vereinbarten Arbeitsteilung fällt der EDH die Bearbeitung der lateinischen und bilinguen Inschriften aus den Provinzen des Römischen Reiches zu. Die Datenbank umfasst derzeit mehr als 65.000 Inschriften. Seit 2002 ist die Gesamt-Textdatenbank mit allen verfügbaren Informationen zu Inschrifttext und Inschriftträger über das Internet zugänglich, nachdem bereits seit 1997 ein Teil des Gesamtdatenbestandes online abgefragt werden konnte. Im Jahr 2003 konnte die online-Dateneingabe in die EDH realisiert werden, womit es Wissenschaftlern ohne eigene Datenbank technisch möglich ist, ihre epigraphischen Daten von jedem beliebigen Standort aus auf diesem Wege im www zugänglich zu machen. Es folgte die online-Schaltung der beiden weiteren Teildatenbanken der EDH: 2004 der Epigraphischen Bibliographie mit derzeit rund 14.000 Datensätzen und 2007 der Epigraphischen Fotothek mit derzeit rund 24.000 Datensätzen. Alle drei Teildatenbanken werden ständig aktualisiert und erweitert. Insbesondere die gemeinsame Präsentation von Inschrifttext und Foto ermöglicht es dem Benutzer, Lesung und Original direkt miteinander zu konfrontieren. Grabinschrift aus Nemausus/Nimes (Frankreich). Grabrelief aus Andematunum/Langres (Frankreich). 16 17


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 7 | Klöster im Hochmittelalter: Innovationslabore europäischer Lebensentwürfe und Ordnungsmodelle VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Eike Wolgast FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Bernd Schneidmüller Prof. Dr. Stefan Weinfurter ANSCHRIFT Historisches Seminar ZEGK Grabengasse 3–5 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 30 36 und 0 62 21 | 54 30 37 E-Mail kloester@adw.uni-heidelberg.de Im Rahmen des Akademieprojekts „Klöster im Hochmittelalter. Innovationslabore europäischer Lebensentwürfe und Ordnungsmodelle“ wird die klösterliche Welt des Mittelalters als eine Wegbereiterin der Moderne analysiert. Mittelalterliche Klöster entwickelten im sozialen und religiösen Wandel des 11. bis 13. Jahrhunderts eine bislang unerreichte Rationalität der Lebensgestaltung. Damals entstanden Modelle jenes gesellschaftlichen wie kulturellen Aufbruchs, aus dem sich spezifische Ordnungskonfigurationen der europäischen Moderne ausformten. Diesen Forschungszielen widmen sich zwei Arbeitsstellen in enger Vernetzung, die an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie der Sächsischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt sind. Während sich die Arbeitsstelle Dresden mit innermonastischen Ordnungen und dem innermonastischen Leben befasst, konzentrieren sich die Heidelberger Forschungen auf Texte aus dem 12.–13. Jahrhundert, die sinnstiftend fundamentale Weltdeutungen und gesellschaftliche wie politische Ordnungen gerade auch mit außerklösterlicher Wirkung präsentieren wollten. Wesentliche Bereiche der Der hl. Augustinus überreicht Norbert von Xanten seine Ordensregel (um 1140). Abschrift der Norbertsvita, Clm 17144, Bayerische Staatsbibliothek München. Materialbasis werden zunächst erschlossen, dann identifiziert und dokumentiert, historisch analysiert und zu einem großen Teil auch ediert. Aktuelle Editionsprojekte: Projektteil A (12. Jahrhundert): Vita Arnoldi (Lebensbeschreibung des Mainzer Erzbischofs Arnold von Selenhofen); Projektteil B (13. Jahrhundert): Bonum universale de apibus des Dominikaners Thomas von Cantimpré. 18 19


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 8 | Nietzsche-Kommentar VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Otfried Höffe FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Jochen Schmidt ANSCHRIFT „Nietzsche-Kommentar“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Deutsches Seminar II Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Platz der Universität 3 79085 Freiburg im Breisgau Telefon 07 61 | 2 03 32-39 oder -55 Telefax 07 61 | 2 03 32-53 Internet www.nietzsche-kommentar.de Friedrich Nietzsche (1844–1900) gehört zu den zentralen und wirkungsmächtigsten Philosophen der abendländischen Geistesgeschichte. Seine Werke gelten mittlerweile als fundamental für das Selbstverständnis modernen Denkens überhaupt. Sein weltweiter Einfluss auf Philosophie, Literatur, Anthropologie, Psychologie, Religions- und Kulturkritik kann kaum überschätzt werden. Umso erstaunlicher ist es, dass bis heute kein übergreifender Kommentar zu seinem Gesamtwerk existiert, der dessen philosophische, historische und literarische Voraussetzun gen aufarbeitet und die Wirkungsgeschichte der von Nietzsche selbst publizierten Bücher erschließt. Diese Lücke soll das Forschungsprojekt „Nietzsche-Kommentar“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften schließen. Der „Nietzsche-Kommentar“ wird in sechs umfangreichen Bänden Nietzsches Werke in ihrem histo- Friedrich Nietzsche. Porträt von Hans Olde, 1899/1900. rischen Kontext untersuchen und damit ein neues wissenschaftliches Werkzeug zum Verständnis von Nietzsches Denken bereitstellen. Der Kommentar wird die bereits vorhandenen Forschungsergebnisse zusammenführen, systematisieren und erweitern. Die auf einzelne Textpartien bezogenen Erläuterungen werden durch einleitende Überblickskommentare in einen konzeptionellen, strukturellen sowie entstehungs- und wirkungsgeschichtlichen Zusammenhang gestellt. 20 21


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 9 | Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Joachim Friedrich Quack Der ptolemäische Horus-Tempel von Edfu mit vorgelagertem Geburtshaus, Photo Chr. Leitz FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Christian Leitz ANSCHRIFT Eberhard Karls Universität Tübingen IANES – Abteilung für Ägyptologie Projekt „Tempeltexte Ägyptens“ Schloss Hohentübingen Burgsteige 11 72070 Tübingen Telefon 0 70 71 | 29-7 85 40 Telefax 0 70 71 | 29-59 09 E-Mail tempeltexte@aegyptologie.uni-tuebingen.de Nachdem im Jahre 332 v. Chr. Alexander der Große Ägypten erobert und 306 v. Chr. sein ehemaliger General Ptolemaios die Dynastie der Ptolemäer begründet hatte, setzte überall im Land ein gewaltiges Tempelbauprogramm ein, dessen Wurzeln vielleicht schon in die 30. Dynastie (380–342 v. Chr.) zurückreichen und das bis in das zweite nachchristliche Jahrhundert andauern sollte. Während die pharaonischen Heiligtümer Ägyptens (spätes drittes Jahrtausend bis etwa Mitte drittes Jahrhundert v. Chr.) vergleichsweise knapp gehaltene religiöse Texte aufweisen, versah man nun Tempel, Kapellen und Torbauten in einem bis dahin nicht gekanntem Maße mit Hieroglypheninschriften von teilweise beachtlicher Länge. Die wegen ihres erweiterten und zudem speziellen Hieroglyphensystems bisweilen schwierigen späten Tempelinschriften enthalten umfangreiche, vielfältige und nicht selten einzigartige Informationen über Kult- und Festgeschehen, über die religiöse Topographie des Nillandes, Mythen und Göttergruppen, Baugeschichte und Raumfunktionen und werden deshalb von manchen Ägyptologen zu Recht als „Bibliotheken aus Stein“ bezeichnet. 22 Hauptziel des Projektes ist es, eine Definition dessen zu finden, was das Wesen eines ägyptischen Tempels in griechisch-römischer Zeit ausmacht. Hierzu werden erstmals die grundsätzlichen Textgattungen, die in den späten Tempeln zu finden sind, über eine detaillierte Form-, Motiv-, Strukturund Inhaltsanalyse herausgearbeitet. In einem weiteren Schritt untersucht das Projekt die Funktionsbestimmung der Inschriften und Darstellungen, also die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen Dekoration und Architektur, sowie die mögliche Verankerung der ptolemäischen und römischen Tempel inschriften im traditionellen religiösen Textgut. Am Ende wird die Rekonstruktion einer Enzyklopädie des priesterlichen Wissens vorgelegt werden, wobei auch die wichtige Frage zu klären ist, ob eine solche Art Kanon ägyptischer religiöser Literatur, der trotz individueller Freiheiten und lokaler Besonderheiten als verbindlicher Rahmen für die Dekoration der Spätzeittempel anzusehen ist, überhaupt existiert hat. 23


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 10 | Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Bernhard Zimmermann FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Mischa Meier ANSCHRIFT Universität Tübingen Seminar für Alte Geschichte Wilhelmstraße 36 72074 Tübingen Telefon 0 70 71 | 29-7 85 20 E-Mail mischa.meier@uni-tuebingen.de Im 6. Jahrhundert n. Chr. verfasste Johannes Malalas eine ‘Weltchronik’ – eine Darstellung der Geschichte von Adam bis in seine eigene Zeit. Über den Autor selbst, der außerhalb seiner Chronik keine Spuren hinterlassen hat, wissen wir nicht viel: Er muss in der höheren Provinzialverwaltung mit Sitz in Antiochia (h. Antakya, Türkei) gearbeitet haben, denn er hat ausgiebig das dort gelagerte Archivmaterial benutzen können. In den 530er Jahren scheint er in die Hauptstadt des Oströmischen Reiches, nach Konstantinopel, umgesiedelt zu sein, denn der Fokus seiner Chronik wechselt plötzlich von Antiochia auf die Bosporus-Metropole. In der ursprünglichen (nicht erhaltenen) Fassung reichte die Chronik wohl bis zum Tod des Kaisers Justinian (565 n. Chr.), die heute vorliegende Version bricht wenige Monate davor ab. Die ‘Weltchronik’ des Malalas besitzt herausragende Bedeutung für die spätere mittelalterliche Geschichtsschreibung: Nachfolgende byzantinische Chronisten haben sich nicht nur an ihrem Aufbau orientiert, sondern auch vielfach Teile des Textes übernommen und weiter ausgearbeitet, so dass Malalas‘ Werk letztlich einen Grundpfeiler der byzantinischen Historiographie darstellt. Die Chronik, die in ihren ersten Büchern biblische Geschichte bietet, in die historische und mythologische Überlieferungen der Antike hineingewoben sind, behandelt nach der römischen Königszeit, der Geschichte Alexanders und seiner Nachfolger und der Herrschaft des Augustus in zunehmender Ausführlichkeit die römische Kaiserzeit mit einem Schwerpunkt auf den Jahrzehnten, die der Autor selbst erlebt hat, d.h. die Regierungszeiten der Kaiser Anastasios (491–518), Justin I. (518–527) und Justinian (527–565). Gerade für das 6. Jahrhundert stellt dieses Geschichtswerk somit ein grundlegendes Quellendokument dar, aber auch für die älteren Perioden bietet es wichtige Informationen. Die ‘Weltchronik’ des Johannes Malalas konnte von der Forschung bisher noch nicht hinreichend bearbeitet werden. Aufgabe der Forschungsstelle ist es, diese Lücke zu schließen. Im Zentrum des Vorhabens steht die Erarbei tung eines umfassen den philologischhistorischen Kommentars zur Chronik; gleichzeitig soll der Text durch spezielle Einzeluntersuchungen analysiert, verortet und einem besseren Verständnis zugeführt werden. Das Projekt dient damit auch dem Zweck, unsere Kenntnisse der spätantiken bzw. frühbyzantinischen Historiographie maßgeblich zu erweitern. Dinsdorf-Ausgabe (Deckblatt der Erstausgabe) 24 25


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 11 | Martin Bucers Deutsche Schriften VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Eike Wolgast FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Christoph Strohm ANSCHRIFT Karlstraße 5 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 43 91 Telefax 0 62 21 | 54 43 95 E-Mail bucer@adw.uni-heidelberg.de Der Straßburger Reformator Martin Bucer (1491–1551) gehört als Theologe, Kirchenmann, Politiker und Christ zu den wirksamsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschen wie der europäischen Kirchengeschichte. Durch seine für verschiedene deutsche Territorien und Reichsstädte entworfenen Kirchenordnungen, welche durch die Vermittlung Calvins auch den gesamten reformierten Protestantismus prägten, erlangte Bucer erhebliche Bedeutung für die institutionelle Ausgestaltung der evangelischen Kirchen. Darüber hinaus bemühte er sich unermüdlich um die Verständigung der Protestanten untereinander und mit der katholischen Kirche. Auch Anfragen der Vertreter des sogenannten „linken Flügels“ der Reformation wurden von ihm ernstgenommen und bei seinen Bemühungen um die Einführung der Konfirmation und der Kirchenzucht einbezogen. Ferner leistete Bucer grundlegende Beiträge zum Verhältnis von Staat und Kirche, insofern er einerseits die Trennung von Kirche und Staat bis hin zu freikirchlichen Erwägungen vertrat, andererseits während seiner Wirkungszeit in Cambridge die Grundlage für das englische Staatskirchentum schuf. Die kommentierte Edition der Deutschen Schriften Martin Bucers ist ein Teil des internationalen Vorhabens einer ersten historisch-kritischen Gesamtedition der Werke dieses Reformators. Sie gehört zu den für die Epoche der Reformation derzeit wichtigsten Editionsvorhaben. Bislang umfasst die Edition 21 Bände; drei weitere sind geplant. 26 27


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 12 | Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Stefan Maul ANSCHRIFT Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg Assyriologie Hauptstraße 126 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54-29 65 Telefax 0 62 21 | 54-36 19 In dem Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie wird das Corpus der ‘literarischen’ Keilschrifttexte aus Assur erfasst. Es gilt zusammengehörige Tontafelfragmente zu identifizieren, sie zusammenzufügen und so zuvor unbekannte Texte wiedererstehen zu lassen. Diese werden entziffert, übersetzt und kommentiert. Die Texteditionen werden gemeinsam mit Zeichnungen der Keilschrifttexte in der von der Forschungsstelle herausgegebenen Reihe Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts veröffentlicht. Fünf von zwanzig geplanten Bänden liegen vor. Keilschriftliches Faksimile eines Tontafelfragmentes mit einer erstmals bekannt werdenden Passage aus dem Gilgamesch-Epos. In den Ruinen Assurs, der im heutigen Nordirak gelegenen assyrischen Königsresidenz, wurden bei Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft etwa 11.000 Tontafeln und Tontafelfragmente geborgen. Neben Archiven mit Dokumenten aus Wirtschaft und Verwaltung entdeckte man Bibliotheken mit narrativen, religiösen und gelehrten Keilschrifttexten aus mittel- und neuassyrischer Zeit (ca. 1.500 v. Chr. – 614 v. Chr.). Unter den insgesamt etwa 4.500 Tontafeln und Tontafelfragmenten ‘literarischen’ Inhalts finden sich mythische Erzählungen, Epen, Fabeln und Sprichwörtersammlungen. In den Ruinen des Haupttempels der Stadt entdeckte man darüber hinaus umfangreiche Omensammlungen, religiöse Texte aller Art, Festbeschreibungen, Königsinschriften und vieles andere mehr. Der Fund einer umfangreichen Gelehrtenbibliothek aus dem 7. Jh. v. Chr. mit der Fachliteratur eines assyrischen Heilers, der mit divinatorischen, rituellen, magischen und medizinischen Mitteln jedes Unheil von König, Land und Leuten fernhalten sollte, gewährt außerdem tiefe Einblicke in die Heilkunst des Alten Orients. 28 29


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 13 | Europa Humanistica VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Dieter Mertens FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Wilhelm Kühlmann ANSCHRIFT Karlstraße 5 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 43 75 Telefax 0 62 21 | 54 43 95 Dokumentarisches und bibliographisches Handbuch zur Überlieferung der antiken und mittelalterlichen Literatur in der Frühen Neuzeit. Die Heidelberger Arbeitsstelle von „Europa Humanistica“ ist Teil eines europaweiten Forschungsverbundes, der vom Centre National de Recherche Scientifique in Paris koordiniert wird. Ziel des Gesamtprojektes ist es, gegliedert nach Regionen und Personen, die editorische, kommentierende und übersetzende Vermittlung der Bibel, der antiken sowie der mittelalterlichen Literatur durch humanistische Gelehrte im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts bibliographisch zu rekonstruieren. Dabei findet auch die teilweise bis ins 19. Jahrhundert reichende Wirkungsgeschichte dieser Überlieferungstätigkeit Berücksichtigung. Ferner werden durch den Abdruck der Textbeigaben (das sind vor allem Vorreden und Glückwunschgedichte) wichtige Quellen zur politischen, sozialen und wissenschaftlichen Funktionsvielfalt der Tradierung älterer Literatur in der humanistischen Gelehrtenrepublik erschlossen. Die Vorreden werden durch Regesten und umfangreiche Personen- und Sachkommentare erläutert, die mit Hilfe von Registern gezielt aufgesucht werden können. Die Kommentierung der Gedichte beschränkt sich aus arbeitsökonomischen Gründen auf die Verfasser und Widmungsträger. In die Zuständigkeit der Heidelberger Arbeitsstelle fallen die in der Kurpfalz unter Einschluss ihrer Nebengebiete tätigen Gelehrten. Veröffentlichungen: Bd. 1: Marquard Freher und Janus Gruter. 2 Teilbände 2005 Bd. 2: David Pareus, Johann Philipp Pareus und Daniel Pareus. 2010 Bd. 3: Jacobus Micyllus, Johannes Posthius, Johannes Opsopoeus und Abraham Scultetus. 2010 Bd. 4: Hieronymus Commelinus, Balthasar Copius, Lambertus Ludolphus Pithopoeus, Henricus Smetius, Simon Stenius und Friedrich Sylburg. (in Vorbereitung) Bd. 5: Wilhelm Xylander, Aemilius Portus, Dionysius Gothofredus u. a. (in Vorbereitung) Die Publikationen des europäischen Forschungsverbundes erscheinen im Verlag Brepols (Turnhout, Belgien). 30 31


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 14 | Evangelische Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Peter Graf Kielmansegg FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Eike Wolgast ANSCHRIFT Karlstraße 5 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54-81 69 oder -43 94 Telefax 0 62 21 | 54 43 95 E-Mail kirchenordnungen@adw.uni-heidelberg.de Konfessionsbild aus der evangelischen Kirche in Kasendorf von Andreas Herrneisen, 1602 In den Territorien, die sich der evangelischen Lehre zuwandten, nahmen sich die Obrigkeiten auch der kirchlichen Neuordnung an. Die Landesherren und städtischen Magistrate sorgten für die Umsetzung der neuen Lehre in ihrem Einflussbereich, indem sie Ordnungen erließen, die das kirchliche Leben neu regelten. Durch die Verzahnung von Religion und Politik im 16. Jahrhundert hatten Kirchenordnungen nicht nur Bedeutung für den engen kirchlich-religiösen Bereich; vielmehr übten sie weit reichenden Einfluss auf das gesamte Leben aus. Bestandteil von Kirchenordnungen sind nicht nur gottesdienstliche Regelungen, sondern auch Bestimmungen etwa zur Anstellung von Geistlichen oder zur Besetzung des Konsistoriums. Daneben treten mit den Ehe- und Armenordnungen Regelungen sozialdisziplinierender Art. Mit der Edition der Evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts wird an die Arbeit des Erlanger Juristen Emil Sehling angeknüpft. Die von ihm initiierte Edition, die 1902 begonnen und von anderen Wissenschaftlern mit Unterbrechungen bis 1980 fortgesetzt wurde, umfasst Ordnungen für den mittel-, nord- und ostdeutschen Raum, für Bayern und die Kurpfalz. Seit Einrichtung der Forschungsstelle 2002 sind bereits acht Bände zu Württem berg, Baden, den südwestdeutschen Reichsstädten, der Pfalz, Straßburg sowie hessischer Länder und Reichsstädte erschienen. Die Fortsetzung der Edition widmet sich nun den elsässischen Reichsstädten, den historischen Territorien in den heutigen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie – als Sonderband – den evangelischen Kirchenordnungen in Siebenbürgen. Die Edition soll 2016 komplettiert sein. 32


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 1 2 3 15 | Geschichte der südwestdeutschen Hofmusik im 18. Jahrhundert VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Sellin FORSCHUNGSSTELLENLEITERIN Prof. Dr. Silke Leopold ANSCHRIFT Palais Hirsch Schlossplatz 2 68723 Schwetzingen Telefon 0 62 02 | 4 09-61 65 oder -72 48 E-Mail baerbel.pelker@adw.uni-heidelberg.de ruediger.thomsen-fuerst@adw.uni-heidelberg.de Internet www.hof-musik.de 4 1 Ignaz Holzbauer (1711 – 1783), Kapellmeister der Mannheimer Hof kapelle 2 Niccolò Jommelli (1714 – 1774), Kapellmeister der Stuttgarter Hofkapelle 3 Johann Melchior Molter (1696 – 1765), Kapellmeister der Karlsruher Hof kapelle Ziel des 2006 gegründeten Landesprojektes ist vor allem die umfassende Sammlung und Aufbereitung der archivalischen und musikalischen Quellen zur Sozial- und Institutionsgeschichte der südwestdeutschen Hofkapellen. Vergleichende institutionsgeschichtliche Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext sowie stilkritische Untersuchungen zur Kompositionspraxis der Hof- und Adelskapellen, Studien zu ihrer Rolle in der Entwicklungsgeschichte des modernen Orchesters unter Einbeziehung der Neuerungen im Instrumentenbau des 18. Jahrhunderts sowie Fragen zur historischen Aufführungspraxis bilden weitere Schwerpunkte der Forschungsarbeit. Die Ergebnisse werden in der Reihe „Schriften zur südwestdeutschen Hofmusik“ im Heidelberger Universitätsverlag Winter erscheinen. Forschungsergebnisse werden außerdem im Informationsaustausch und in der Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen durch internationale Kongresse und 4 Joseph Aloys Schmittbaur (1718 – 1809), Kapellmeister in den Rastatter und Karlsruher Hofkapellen Ausstellungen, in Lexika und Fachzeitschriften sowie – in populärwissenschaftlicher Form – in Vorträgen, Rundfunksendungen, Zeitungsartikeln, Programmheften und CD-Booklets präsentiert. Zum Arbeitsauftrag der Forschungsstelle gehört auch, die schriftlich überlieferte und überwiegend unbekannte Hofmusik wieder zum Erklingen zu bringen und u.a. in der zu diesem Zweck eigens gegründeten Konzertreihe »Faszination Hofmusik« einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Aus der Fülle der überlieferten Werke wird daher eine Auswahl der wertvollsten und historisch wichtigsten Kompositionen getroffen und im Selbstverlag publiziert. Diese Notenausgaben wenden sich unter Berücksichtigung quellenkritischer und historisch-aufführungspraktischer Aspekte gleichermaßen an Wissenschaft und Praxis. 34 35


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 16 | Kommentierung der Fragmente der griechischen Komödie VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Bernhard Zimmermann ANSCHRIFT Kommentierung der Fragmente der griechischen Komödie Friedrichstraße 50 79098 Freiburg Telefon 07 61 | 2 03 94 88 E-Mail a.bagordo@altphil.uni-freiburg.de christian.orth@altphil.uni-freiburg.de Theater-Maske, Typ des „Ersten Sklaven“ aus der Neuen (griechischen) Komödie, pentelischer Marmor, 2. Jahrhundert v. Chr. Archäologisches National - museum Athen. Große Bereiche der griechischen Literatur der Antike sind nur in mehr oder weniger umfangreichen Fragmenten erhalten. Dies gilt insbesondere für die Gattung Komödie, deren Bild maßgeblich durch die beiden Autoren bestimmt ist, von denen ganze Stücke erhalten sind: durch Aristophanes (5./4. Jh. v. Chr.) und Menander (3./2. Jh. v. Chr.). In dem Forschungsprojekt wird durch die Kommentierung der fragmentarisch erhaltenen Komödienautoren – unter Einbeziehung der Fragmente des Aristophanes und Menander – literaturgeschichtliches Neuland gewonnen und der bisher eher einseitige Blick auf eine zentrale Gattung der europäischen Literatur korrigiert und ergänzt. Ziel der Kommentare ist es, einerseits die in der Regel schwierig zu verstehenden Texte unter allen möglichen Gesichtspunkten zu erschließen, andererseits, wo dies möglich ist, eine Rekonstruktion der Stücke zu versuchen und eine literaturgeschichtliche Einordnung der Autoren vorzunehmen. Die Fragmente und Testimonien werden ins Deutsche übersetzt. Die in den Kommentaren erzielten P.Oxy. XXXV 2738, In: E. Lobel, Commentary on an Old Comedy, 1968. Ergebnisse sollen in allgemeine Studien einfl ießen: zur Komik und komischen Techniken wie Parodie, Satire sowie zur politischen Funktion. Das Projekt ist international vernetzt und arbeitet mit Zentren zur Erforschung der fragmentarisch erhaltenen griechischen Literatur in Italien, Großbritannien und den USA zusammen. 36 37


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 17 | Kommentierung und Gesamtedition der Werke von Karl Jaspers sowie Edition der Briefe und des Nachlasses in Auswahl VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Otfried Höffe FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs Prof. Dr. Jens Halfwassen ANSCHRIFT „Jaspers-Edition“ Philosophisches Seminar Schulgasse 6 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54-24 83 Telefax 0 62 21 | 54-22 78 E-Mail j.halfwassen@urz.uni-heidelberg.de Karl Jaspers (1883-1969) gehört als Vertreter der Existenzphilosophie zu den bedeutendsten deutschsprachigen Philo sophen des letzten Jahrhunderts. Die Reichweite seines Denkens umfasst neben der Existenzphilosophie die Logik, Metaphysik und Erkenntnistheorie, Religions- und Geschichtsphilosophie, Philosophiegeschichte, Psychopathologie, Psychologie und Politik. Zeitlebens nahm Jaspers auch aktiv und kritisch am aktuellen politischen Leben teil und bezog Stellung zur Entwicklung der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit. Bis heute genießen seine Person und sein Werk nationales und internationales Ansehen. Eine umfassende Werk-Edition mit einheitlichem Kommentar existiert jedoch bislang nicht, ebenso sind zentrale Werke vergriffen und Nachlass-Werke wie die „Weltgeschichte der Philosophie“ teilweise noch unveröffentlicht. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften nimmt nun eine auf über 50 Bände geplante, kommentierte Edition seines Werkes in Angriff, die zugleich die philosophischen, zeitgeschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Handschrift von Karl Jaspers Voraussetzungen seines Denkens erforschen und seine Wirkungsgeschichte aufarbeiten soll. Die auf 18 Jahre geplante Ausgabe wird in Kooperation mit der Baseler Karl-Jaspers- Stiftung an den Universitäten Heidelberg und Oldenburg erstellt. Die Herausgeber greifen dabei auf den im Deutschen Literaturarchiv Marbach verwahrten Nachlass und auf die in Oldenburg im künftigen Karl-Jaspers-Haus untergebrachten 11.000 Bände der Jasperschen Forschungsbibliothek zu. Die Edition soll über die Kommentierung hinaus auch der Forschung zu Karl Jaspers neue Impulse verleihen und sein im besten Sinne interdisziplinäres und kosmopolitisches Denken für kulturelle und politische Fragestellungen der Gegenwart fruchtbar machen. 38 39


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | EDITIONEN 18 | Melanchthon-Briefwechsel VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Thomas Maissen FORSCHUNGSSTELLENLEITERIN Dr. Christine Mundhenk ANSCHRIFT Heiliggeiststraße 15 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 2 63 28 Telefax 0 62 21 | 2 09 37 E-Mail melanchthon@adw.uni-heidelberg.de Internet www.melanchthon-forschungsstelle.uni-hd.de Die Korrespondenz des Humanisten und Reformators Philipp Melanchthon (1497–1560) gehört mit etwa 9750 Stücken zu den umfangreichsten der Geistesgeschichte. Aufgabe der Forschungsstelle ist die kritische und kommentierte Gesamtausgabe dieses Briefwechsels. Die Ausgabe „Melanchthons Briefwechsel“ erscheint in zwei Reihen: 1. Das Regestenwerk mit Registern und Handschriftenverzeichnis. Die Regesten sind deutsche Inhaltsangaben; sie bieten eine erste Erschließung durch Verständnishilfen und exakte Datierungen. Bisher sind zwölf Bände erschienen, in denen Briefe, Gutachten, Vorreden und verwandte Schriftstücke aus den Jahren 1514 bis 1560 erschlossen und kommentiert werden; dabei werden die im Briefwechsel vorkommenden Orte und Personen in eigenen Indexbänden behandelt. Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 1 Schluss eines eigen - hän digen Briefes mit Unterschrift Melanchthons; Budapest, Evangelisch-Lutherisches Nationalarchiv, I. A. 24/4 (6) Abb. 2 Titelseite der von Caspar Peucer (1525–1602) 1565 heraus - ge gebenen Sammlung von Melanchthonbriefen; in der Mitte das Wappen Melanchthons Abb. 3 Melanchthon-Porträt, 1537, von Lukas Cranach d. Ä. (1472–1553); Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv. Nr. 15 2. Die kritische Edition präsentiert die vorwiegend lateinischen, aber auch deutschen und griechischen Texte in einer leserfreundlichen Form. Darüber hinaus wird die handschriftliche und gedruckte Überlieferung aufgelistet. In Apparaten werden die Entstehungsgeschichte, Textkritik und Wirkungsgeschichte dokumentiert sowie Quellen, Zitate und literarische Anspielungen nachgewiesen. Inzwischen liegen 13 Bände mit den Texten der Jahre 1514–1544 vor. Bibliographische Angabe: Melanchthons Briefwechsel. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe, im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften herausgegeben von Heinz Scheible und Christine Mundhenk. Stuttgart- Bad Cannstatt, Verlag Frommann-Holzboog, 1977 ff. 40 41


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | WÖRTERBÜCHER 19 | Altfranzösisches etymologisches Wörterbuch Dictionnaire étymologique de l‘ancien français (DEAF) VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Wolfgang Raible FORSCHUNGSSTELLENLEITER PD Dr. Thomas Städler ANSCHRIFT Romanisches Seminar der Universität Heidelberg Seminarstraße 3 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 27 53 Telefax 0 62 21 | 54 31 53 E-Mail deaf@urz.uni-heidelberg.de Herausgabe eines Grundlagenwörterbuches des mittelalterlichen Französisch, das den gesamten Wortschatz von den ältesten Sprachdenkmälern (Straßburger Eide von 842) bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts in allen seinen Bedeutungen erfasst und, etymologisch in Wortfamilien gruppiert, in die Geschichte des Französischen und der romanischen Sprachen einordnet. Verknüpfungen mit dem Mittel lateinischen und dem Lehngut anderer europäischer Sprachen sowie die Öffnung zur Sachkultur dienen zusätzlich der europäischen Geistesgeschichte. Die Publikation erfolgt zum einen in gedruckten Faszikeln, zum anderen in einer Online-Version, die kostenfrei auf der Homepage des Wörterbuchs unter www.deaf-page.de zu konsultieren ist. hairon bis „Graureiher“, DEAF H 47: erster Beleg und älteste Abbildung in Friedrichs II. Falkenbuch, französische Fassung, Hs. Paris BN fr. 12400 fº51 rºa, Anfang 14. Jh. – Wort und Bild in selten schönem Einklang. 42 43


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | WÖRTERBÜCHER 20 | Wörterbuch der altgaskognischen Urkundensprache Dictionnaire onomasiologique de l‘ancien gascon (DAG) VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Wolfgang Raible FORSCHUNGSSTELLENLEITER Prof. Dr. Martin-Dietrich Gleßgen WISSENSCHAFTLICHE BERATER Prof. Dr. J.-P. Chambon, Paris-Sorbonne Dr. habil. Jean-Paul Chauveau, Nancy Prof. Dr. Thomas Field, Baltimore ANSCHRIFT Romanisches Seminar der Universität Heidelberg Seminarstraße 3 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54 31 56 E-Mail daodag@urz.uni-heidelberg.de Das Alte Bordeaux, Kirche St-Rémi im Seilerviertel. Herausgabe eines Begriffswörterbuchs der mittelalterlichen Sprache Südwestfrankreichs, des Altgaskognischen. Dass Gaskognisch neben Französisch, Frankoprovenzalisch und Okzitanisch als viertes Sprachgebiet der Galloromania bezeichnet werden muss, zeigt seine frühe eigenständige Entwicklung aus dem gesprochenen Spätlatein: Die Spezifika des (Proto)Gaskognischen sind um 600 bereits herausgebildet. Der DAG bearbeitet die frühe gaskognische Scripta von den ersten Texten im 11. Jh. bis zum Einsetzen literarischer Zeugnisse zu Beginn des 14. Jhs. Die onomasiologische Betrachtungsweise strukturiert die Lexik des administrativen und juristischen Korpus anschaulich nach Sachgruppen und erschließt damit zugleich Gesellschaft, Wirtschaft und Alltagskultur nach dem Zeugnis einer bisher ungenügend erforschten romanischen Sprache, die einzige, für die noch kein historisches Wörterbuch existiert. Der DAG führt die in den Dictionnaires onomasiologiques de l‘ancien occitan et gascon (DAO/DAG) begonnene Aufarbeitung des gaskognischen Wortschatzes mit Verlagerung des Schwerpunkts auf die Anfänge der Schriftsprache fort. Erschienen sind zu den Themenbereichen ‘Universum’ (Kosmos, Erde, Pfl anzen- und Tierwelt), ‘Mensch’ (biologisch-physiologische Gegebenheiten und körperliche Bedürfnisse) sowie ‚Intellekt‘ (Intelligenz und kognitive Fähigkeiten): DAO: 10 Fasz.; DAOSupplément: 10 Fasz.; DAG: 14 Fasz.; DAO, Supplément bibliographique; DAO/DAG, Index alphabétique Laufend erweitert wird die Liste bibliographique des sigles du DAG (online verfügbar): www.dag-haw.uni-hd.de 44 45


PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE | WÖRTERBÜCHER 21 | Deutsches Rechtswörterbuch (DRW) VORSITZENDER DER KOMMISSION Prof. Dr. Dr. h. c. Knut Wolfgang Nörr FORSCHUNGSSTELLENLEITER Dr. Andreas Deutsch, Dipl. droit comparé (Paris) ANSCHRIFT Karlstraße 4 69117 Heidelberg Telefon 0 62 21 | 54-32 70 oder -32 71 Telefax 0 62 21 | 54-33 69 E-Mail deutsch@adw.uni-heidelberg.de Internet www.deutsches-rechtswoerterbuch.de Als Großwörterbuch zur historischen deutschen Rechtssprache bildet das „Deutsche Rechtswörterbuch“ (DRW) den rechtlich relevanten Wortschatz nicht nur des Neuhochdeutschen, sondern aller westgermanischen Sprachvarietäten vom Beginn der schriftlichen Überlieferung bis ins 19. Jahrhundert hinein ab. 1897 als Projekt der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften begonnen, wird das Wörterbuch heute von einer Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften erstellt. Derzeit wird der zwölfte von sechzehn geplanten Bänden bearbeitet. Die rund 90.000 bislang publizierten Artikel reichen von Aachenfahrt bis Schnappkorb. Jedes Jahr kommt ein Doppelheft mit 320 Druckspalten und etwa 1000 Artikeln hinzu. Die frei zugängliche Online-Version (www.deutsches-rechtswoerterbuch.de) bietet eine Vielzahl zusätzlicher Recherchemöglichkeiten und wird durch elektronische Volltexteditionen und Faksimiles historischer Quellen ergänzt. Das Deutsche Rechtswörterbuch schöpft aus einem Quellen corpus mit rund 8400 Titeln, das über ein Archiv mit etwa 2,5 Millionen Belegen und eine stetig wachsende Datenbank ausgewählter Quellentexte erschlossen wird. Landesvermessungsscheibe, Quelle: Hällisch- Fränkisches- Museum Schwäbisch Hall Neben spezifisch juristischen Fachtermini wie z.B. Anwalt, Litiskontestation, Mahnung und Ratsordnung beschreibt das Deutsche Rechtswörterbuch auch ausführlich den Alltag des Rechtslebens, wie er sich in Wörtern wie Almosen, Galgen, Kuss, melken, Nachbarschaft, Pfuscher, Querdaumen, rot und Salzmutter widerspiegelt. Den Wortbedeutungserklärungen sind historische Belegtexte beigegeben, aus denen sich sprachgeschichtliche Entwicklungen ebenso ablesen lassen wie regionale Besonderheiten. Auf diese Weise präsentiert das Wörterbuch über 1200 Jahre Sprach-, Rechts- und Kulturgeschichte. 46 47


ZENTRUM FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG FRÜHE NEUZEIT HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ZENTRUM FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG FRÜHE NEUZEIT Das Zentrum für Grundlagenforschung Frühe Neuzeit ist als Verbund der diesen Zeitraum betreffenden Forschungsaktivitäten geschaffen worden. Neben der Zusammenarbeit der Forschungsstellen innerhalb der Heidelberger Akademie dient das Zentrum auch der Koordination der Zusammenarbeit mit anderen relevanten Forschungsstellen und Institutionen. Auch soll die gemeinsame Fortbildung zum Beispiel in neuen Methoden der Editionstechnik geleistet werden. Ferner unterstützen sich die Mitglieder des Zentrums bei der Konzeption neuer Forschungsprojekte. So wurden in den vergangenen Monaten die Bemühungen verstärkt, Forschungsvorhaben zu entwickeln, welche nach dem Ende laufender Forschungsprojekte die hier erworbenen Kompetenzen bewahren sollen. VEREIN ZUR FÖRDERUNG DER HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN E.V. Der Förderkreis der Heidelberger Akademie der Wissenschaften wurde 1965 gegründet. In seiner Satzung stellt sich der Verein zur Förderung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften e.V. die Aufgabe, die Akademie ideell und materiell bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu fördern und zu unterstützen. Dazu gehören wissenschaftliche Akademievorhaben, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen sowie Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Akademie. Mitglied des Vereins kann jede natürliche oder juristische Person werden, die bereit ist, die Ziele des Vereins zu fördern und zu unterstützen. LEITUNG Prof. Dr. Christoph Strohm BETEILIGTE FORSCHUNGSSTELLEN DER HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ■ Martin Bucers Deutsche Schriften ■ Deutsche Inschriften des Mittelalters ■ Deutsches Rechtswörterbuch ■ Europa Humanistica ■ Evangelische Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts ■ Luther-Register ■ Melanchthon-Briefwechsel ■ Geschichte der Südwestdeutschen Hofmusik im 18. Jahrhundert erfolgreich abgeschlossene Projekte: ■ Geschichte der Mannheimer Hofkapelle im 18. Jahrhundert ■ Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke Osianders d.Ä ■ Edition des Reuchlin-Briefwechsels ANSCHRIFT Verein zur Förderung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften e. V. Karlstraße 4 69117 Heidelberg Postfach 10 27 69 69017 Heidelberg SPENDENKONTO Deutsche Bank Heidelberg Kontonummer 0 435 255 Bankleitzahl 672 700 03 48

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