4/2007 EUROPA:MOBIL - Pro Qualifizierung

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4/2007 EUROPA:MOBIL - Pro Qualifizierung

EUROPA:MOBIL

4/2007

AUSGABE 20, APRIL 2007

SEITE 1

SOZIALE WIRKLICHKEIT IN

EUROPA

EU-Kommission startet Debatte

um soziale Herausforderungen

ZAHLENWERK

Erwartungen der Menschen an die

soziale Entwicklung in den nächsten

zwölf Monaten

ZITIERT

Berliner Erklärung

SEITE 2

LATEINAMERIKA DOMINIERT

Herkunftsregionen der in

Spanien lebenden ausländischen

Bevölkerung (2005)

ERFOLGSGESCHICHTEN

AUF DEM ARBEITSMARKT

DVD mit sechs Beispielen von Menschen

mit Migrationshintergrund

KREISVERWALTUNG DÜREN

WILL WEITER INTERKULTURELLE

KOMPETENZ STÄRKEN

Befragung unter leitenden

Mitarbeitern

SEITE 3

ASYLBEWERBERZAHLEN IN

DEN INDUSTRIELÄNDERN

WEITER GESUNKEN

Jahresbericht 2006 des UNHCR

veröffentlicht

VIELFALT IST GEWINN

Kampagne zum Thema

interkulturelle Öffnung

ZWEITE WEITERBILDUNGS-

PHASE JETZT ANGELAUFEN

Aus der Arbeit des spanischen

Projektpartners I-ESCOSUR

SEITE 4

„DAS ZUWANDERUNGSGESETZ

WAR EINE INITIALZÜNDUNG“

Gespräch mit Rudolf Stummvoll,

Leiter der Stelle für interkulturelle

Arbeit in München

Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit

und Soziales und den Europäischen Sozialfonds

SOZIALE WIRKLICHKEIT IN EUROPA

EU-Kommission startet Debatte

um soziale Herausforderungen

ZITIERT

Berliner Erklärung

Ende Februar 2007 startete die

EU-Kommission ein öffentliches

Konsultationsverfahren

zu der sozialen Wirklichkeit in

der Union. In einer weit reichenden ergebnisoffenen

Debatte mit Interessenvertretungen

und Einrichtungen auf

europäischer, nationaler und lokaler

Ebene sowie Wissenschaftlern sollen

soziale Herausforderungen definiert

werden. EU-Kommissionspräsident José

Manuel Barroso: „In unserer globalisierten

Welt hat die Europäische Union

die Aufgabe, den europäischen Bürgern

zu mehr Wohlstand, Solidarität

und Sicherheit zu verhelfen.“ Dazu bedürfe

es aber eines gemeinsamen Bezugsrahmen

vor allem auch im Bereich

der sozialen Herausforderungen.

Grundlage für die Debatte im Rahmen

des Konsultationsverfahrens ist eine

Eurobarometer-Umfrage, die vom 17.

November bis 19. Dezember 2006 in

den 27 Ländern, die aktuell der EU angehören,

durchgeführt wurde. Thema

war das soziale Wohlbefinden der Bürgerinnen

und Bürger. Eine generelle

Tendenz: Die Zufriedenheit ist groß. 86

Prozent sind mit ihrem persönlichen

Leben und mit ihrem Alltag zufrieden.

ZAHLENWERK

Erwartungen der Menschen an die soziale Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten

(ausgewählte Länder in Prozent)

b = besser, s = schlechter, g = gleich

= EU 25, = Deutschland, = Spanien, = Italien

Leben allgemein

35

20

b s g

39

35

7

16

11

6

62

58

52 49

25

Finanzielle Situation

in ihrem Haushalt

13

b s g

28

24

16

26

8

15

64

60

56

54

Persönliche Situation

in der Arbeit

b s g

22 23 26

15

7 9 11

5

62

6868

58

Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist

bei rund drei Viertel hoch.

Es gibt aber auch eine andere Tendenz:

64 Prozent der Unionsbürgerinnen und

-bürger sind der Ansicht, dass die Kinder

von heute später ein schwereres

Leben haben werden als sie selbst.

Die Ergebnisse der Eurobarometer-Erhebung

stehen im Internet unter:

www.pro-qualifizierung.de/

soziale_wirklichkeit

und

www.migration-online.de/

soziale_wirklichkeit

Quelle: European Social Reality (Februar 2007)

Ökonomische Situ -

ation in ihrem Land

20 23 16

b s g

24

34

40

21

36 39 35

50

34

Beschäftigungssituation

in ihrem Land

b s g

22 24 1722

37

33

„Wir wahren in der Europäischen

Union die Eigenständigkeit und

die vielfältigen Tra ditionen ihrer

Mitglieder. Die offenen Grenzen

und die lebendige Vielfalt der

Sprachen, Kulturen und Regionen

bereichern uns. Viele Ziele

können wir nicht einzeln, sondern

nur gemeinsam erreichen.

Die Europäische Union, die Mitgliedstaaten

und ihre Regionen

und Kommunen teilen sich die

Aufgaben.

(...)

Wir werden den Terrorismus und

die organisierte Kriminalität gemeinsam

bekämpfen. Die Freiheits-

und Bürgerrechte werden

wir dabei auch im Kampf gegen

ihre Gegner verteidigen. Rassismus

und Fremdenfeindlichkeit

dürfen nie wieder eine Chance

haben.“

aus:

Die Berliner Erklärung – Erklärung

der Staats- und Regierungschefs

der Mitgliedstaaten

der Europäischen Union anlässlich

des 50. Jahrestages der Unterzeichnung

der Römischen

Verträge vom 24. März 2007

20

38 37

4938

34


LATEINAMERIKA DOMINIERT

Herkunftsregionen der in

Spanien lebenden ausländischen

Bevölkerung (2005)

Amerika 40%

Afrika 19%

Asien 5%

Europa 36%

Daten: Instituto Nacional de Estadistica,

padrón municipal 2005

DVD mit sechs Beispielen von

Menschen mit

Migrationshintergrund

Sechs Migrantinnen und Mig -

ranten, die es geschafft ha -

ben, auf dem Arbeitsmarkt

Fuß zu fassen, zeigt ein Film,

der vom ZWH im Rahmen der Equal-

Entwicklungspartnerschaft Pro Qualifizierung

produziert wurde und als DVD

erschienen ist: „Erfolgsgeschichten –

Von den Chancen kultureller Vielfalt in

Arbeitswelten.“

Zahlen belegen: Menschen mit Migrationshintergrund

haben es auf dem Arbeitsmarkt

schwerer als Angehörige

der Mehrheitsgesellschaft. Die Arbeitslosenquote

unter Ausländerinnen und

Ausländern ist doppelt so hoch wie bei

Deutschen und sie arbeiten durchschnittlich

in geringer qualifizierten Tätigkeiten.

Die Ursachen für die Situ ation sind

vielfältig. Klar aber ist: Arbeit zu haben

eröffnet die Möglichkeit einer aktiven

Teilhabe an der Gesellschaft und das

wiederum ist der sicherste Weg zu

einer erfolgreichen Integration. „Integ -

ration und Arbeit gehören zusammen“

– so auch die Integrationsbeauftragte

der Bundesregierung, Maria Böhmer, in

einem Interview auf der DVD.

Die gezeigten sechs Beispiele sind

keine exotischen Geschichten von

einem türkischen Studenten, der von

Kreuzberg aus ein millionenschweres

Reiseunternehmen aufbaut oder von

einem Einwanderer der dritten Generation,

der als Profi-Fußballer erfolgreich

ist – wenngleich es solche Ge schichten

Über lange Zeit stellten die Europäer

die größte Gruppe unter der ausländischen

Bevölkerung in Spanien. Sie wurden

inzwischen abgelöst von den Einwanderern

aus Amerika, was praktisch

Lateinamerika heißt.

Unter den Europäern waren früher EU-

Bürgerinnen und Bürger mit über 80

Prozent die große Mehrheit. Seit den

1990er-Jahren sank der Anteil bis auf

57 Prozent im Jahr 2005. Das lag vor

allem an dem starken Zuzug insbesondere

aus Rumänien. Diese Gruppe stellte

2005 23 Prozent der europäischen Ausländer

in Spanien. Da auch aus Bulgarien

nennenswerte Zuwanderung gekommen

ist, dürfte die Statistik für 2007

ERFOLGSGESCHICHTEN

AUF DEM

ARBEITSMARKT

natürlich auch gibt. Diese Erfolgsgeschichten

zeigen Menschen, die in ganz

normalen qualifizierten Berufen arbeiten.

Dazu, dass sie es geschafft haben

gehört zweierlei. Sie müssen auf Strukturen

treffen, die ihnen gegenüber offen

sind, und sie müssen motiviert sein,

ihre Chance wahrzunehmen. Beides

zusammen kam bei dem Polizeimeister

Wladimir Luzenko aus Düsseldorf. Die

nordrhein-westfälische Po lizei strebt

an, dass ihre Beschäftigtenstruktur der

Struktur der Wohnbevölkerung entspricht.

Sie geht also offen auf Menschen

mit Migrationshintergrund zu.

Und Wladimir, der mit 16 Jahren aus

Usbekistan eingewandert ist, wollte

immer Polizist werden. Die glückliche

Konstellation wurde nicht automatisch

zur Erfolgsgeschichte. Vokabeln pauken,

trainieren, lernen, all das hat erst

im dritten Anlauf gereicht, um die Prüfung

für die Polizeischule zu schaffen.

Jetzt profitieren beide Seiten. Wladimir

hat den Arbeitsplatz, den er immer

wollte und die Düsseldorfer Polizei

kann ihn schon einmal gezielt einsetzen,

wenn in der interkulturell zusammengesetzten

Bevölkerung Sprachkenntnisse

und das Wissen um bestimmte

kulturell geprägte Verhaltensmuster

gefragt sind. Andere können davon lernen:

Unternehmen und Verwaltungen

haben alle irgendwie mit interkulturellen

Zusammenhängen zu tun. Öffnung

tut gut. Und Menschen mit Migrationshintergrund

sollten die Motivation

aufbringen und motiviert werden, eine

Chance zu nutzen – auch wenn es die

zweite ist und es nicht im ersten Anlauf

klappt.

heftig durcheinander gewirbelt werden.

Beide Länder sind seit dem 1. Januar

EU-Mitglieder, was den Anteil der Unionsbürgerinnen

und -bürger wieder

heftig ansteigen lassen wird.

Bei den Ausländerinnen und Ausländern

aus Afrika kommt der mit Abstand

größte Teil, nämlich über 70 Prozent,

aus Marokko. Von den (Latein)Amerikanern

kommen über ein Drittel aus

Ecuador, knapp 20 Prozent aus Kolumbien

und rund zehn Prozent aus Argentinien.

Die eher kleine Gruppe von

asiatischen Zuwanderern wird mit 47

Befragung unter leitenden

Mitarbeitern

Wie sehen die leitenden

Mitarbeiter der Kreisverwaltung

in Düren

das Verhältnis von Mig -

rantinnen und Migranten zu den Stellen

der öffentlichen Verwaltung? Dieser

Frage ist das Netzwerk öffentliche Verwaltungen

des DGB Bildungswerks in

der Entwicklungspartnerschaft Pro Qualifizierung

nachgegangen und hat die

Betroffenen befragt.

Das war natürlich keine Umfrage, die

als fixe Idee vom Himmel gefallen ist.

Im Herbst letzten Jahres hat die Führung

der Kreisverwaltung den grundsätzlichen

Beschluss gefasst, eine kulturelle

Öffnung auf den Weg zu bringen.

Mitarbeiter von IQ Consult und DGB

Bildungswerk haben seinerzeit in einer

Veranstaltung über die Relevanz von

Diversität und Interkulturalität in der

Arbeit einer öffentlichen Verwaltung informiert

und Weiterbildung auf dem

Gebiet interkulturelle Kompetenz angeboten

(siehe EUROPA:MOBIL Novem -

ber 2006). Die Umfrage diente nicht

zuletzt dazu, Einsichten zu gewinnen,

wo bei einer Weiterbildung angesetzt

werden kann.

Von den 27 befragten leitenden Mitarbeitern

haben nur drei an konkreten

Fortbildungsmaßnahmen zu interkultureller

Kompetenz teilgenommen. 16

von ihnen führen die geringe Zahl auf

den hohen Arbeitsanfall zurück.

Prozent von Chinesinnen und Chinesen

dominiert.

KREISVERWALTUNG

DÜREN WILL WEITER

INTERKULTURELLE

KOMPETENZ STÄRKEN

Eine deutliche Mehrheit von 19 Befragten

ist der Meinung, dass sprachliche

Schwierigkeiten den Kontakt zwischen

den Ämtern und Kunden mit Migrations -

hintergrund erschweren. Kulturelle und

religiöse Unterschiede sowie unzureichende

Integrationsbereitschaft der Migranten

werden ebenfalls als Gründe

angeführt.

Ebenfalls 19 erklärten, dass sie selten

mit Konflikten zwischen Amt und Kunden

konfrontiert sind, die ihre Ursache

in kulturellen Unterschieden haben. 17

Befragte sind der Meinung, dass es für

den Kontakt mit Menschen, die nicht

der Mehrheitsgesellschaft entstammen

hilfreich ist, wenn der Mitarbeiter der

Kreisverwaltung selbst auch einen Migrationshintergrund

hat. Eine Erhöhung

des Anteils von Migrantinnen

und Migranten unter den Beschäftigten

der Kreisverwaltung begrüßen acht

Befragte, 16 beantworten diese Frage

mit „weiß nicht/keine Angabe“. Die

Gründe für den geringen Anteil von Migrantinnen

und Migranten sehen acht

Befragte in der fehlenden Qualifikation.

Als Maßnahme zur Erhöhung des

Migrantenanteils schlagen ebenfalls

acht Maßnahmen zur Qualifizierung

und gezielte Ansprache bei der Nachwuchssuche

vor.

Informationen:

DGB Bildungswerk – Beratungsnetzwerk

öffentliche Verwaltungen

Robert Gereci

Telefon 02 11/43 01-1 82

robert.gereci@dgb-bildungswerk.de


ASYLBEWERBERZAHLEN

IN DEN

INDUSTRIELÄNDERN

WEITER GESUNKEN

Jahresbericht 2006 des UNHCR

veröffentlicht

Die Zahl der Asylanträge in

den Industriestaaten ist

2006 im fünften Jahr in

Folge gefallen. Dies geht

aus der Jahresstatistik 2006 hervor, die

am 23. März 2007 vom UN-Flüchtlingskommissariat

(UNHCR) veröffentlicht

wurde.

Das Hauptherkunftsland von Asylsuchenden

in den Industriestaaten war

der Irak. Die Zahl der Menschen aus

dem Irak, die Asyl beantragten stieg

von 12.500 (2005) auf 22.200, das ist

eine Steigerungsrate von 77 Prozent.

Irak war zuletzt 2002, vor dem Fall des

damaligen Regimes, Hauptherkunftsland

von Asylbewerbern in den Indus -

trienationen. Damals suchten über

50.000 Irakerinnen und Iraker Schutz

in Europa und anderen Industrieländern.

Die meisten Anträge irakischer Asylsuchender

verzeichnete im Vorjahr Schwe -

den (9.000), gefolgt von den Niederlanden

(2.800), Deutschland (2.100).

und Griechenland (1.400). Damit leben

nur ein Bruchteil der irakischen Flüchtlinge

in den Industriestaaten. Von den

insgesamt geschätzt zwei Millionen

Irakern, die ihr Heimatland verlassen

haben, leben rund eine Million in Syrien

und 750.000 in Jordanien.

Der deutliche Anstieg bei der Zahl der

irakischen Asylbewerber steht in Kont -

rast zum allgemeinen Abwärtstrend

bei der Gesamtzahl der Asylanträge in

den Industrieländern. In den von der

Statistik erfassten 50 Staaten wurden

im letzten Jahr rund 300.000 Asylanträge

gestellt – zehn Prozent weniger

als im Jahr zuvor.

In Gesamteuropa wurden 223.990

Asylanträge gestellt, in den 25 EU-Mitgliedstaaten

198.900. Das sind die

niedrigsten Zahlen seit 20 Jahren. Aus

Sicht des UNHCR sind die Gründe zum

einen in verbesserten Bedingungen in

den Herkunftsländern zu suchen, zum

anderen aber auch in zunehmend

restriktiven Maßnahmen in vielen Industriestaaten,

die potenzielle Asylsuchen -

de von einem Schutzgesuch abhalten.

Das Ziel, die Zahl der Asylsuchenden so

gering wie möglich zu halten, kann

dazu führen, dass Flüchtlingen dringend

benötigter Schutz verweigert

wird. Der UNHCR hat wiederholt hie -

rüber seine Besorgnis ausgedrückt.

Die Hauptherkunftsländer der Asylsuchenden

im Jahre 2006 waren der Irak

(22.200), China (18.300), die Russische

Föderation (15.700), Serbien und

Montenegro (15.600) und die Türkei

(8.700).

Die meisten Asylanträge in Europa

wurden 2006 in Frankreich gestellt

(30.690). Es folgen Großbritannien

(27.850), Schweden (24.320), Deutschland

(21.030) und die Niederlande

(14.470). In Italien gab es 10.110 Asylanträge,

in Spanien 5.310.

Bei einem Vergleich der Asylanträge

pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner

sieht die Rangfolge ganz anders

aus. An erster Stelle liegt Zypern

(5,3), es folgen Malta (3,1), Schweden

(2,7), Österreich 1,6 und die Schweiz

und Liechtenstein mit je 1,4. Im hinteren

Feld liegen Deutschland (0,3), Italien

(0,2) und Spanien (0,1).

Der Jahresbericht 2006 des UNHCR

kann in englischer Sprache heruntergeladen

werden unter:

www.pro-qualifizierung.de/

unhcr2006

und

www.migration-online.de/

unhcr2006

VIELFALT IST GEWINN

Kampagne zum Thema

interkulturelle Öffnung

Mitte März 2007 wurde

auf der Veranstaltung

„Europas versteckte Talente“

in Dortmund die

Kampagne „Vielfalt ist Gewinn“ vorgestellt,

die im Rahmen der europä -

ischen Gemeinschaftsinitiative Equal

durchgeführt wird. Mit der Kampagne,

die sich auf ausgewählte Schwerpunkt -

regionen in Deutschland konzentriert,

unterstützt das Bundesministerium für

Arbeit und Soziales die Arbeit verschiedener

Equal-Projekte zum Thema

Aus der Arbeit des spanischen

Projektpartners I-ESCOSUR

Über 150 Teilnehmer aus den

Gemeinden Lucena, Cabra,

Priego de Córdoba, Puente

Genil und Montilla haben

die Gelegenheit, eine Ausbildung in

den verschiedensten Berufsbereichen

zu erhalten, wie zum Beispiel in der

Gastronomie, im Friseur- und Kosmetikbereich,

in der Gebäudereinigung,

der Alten- und Kinderbetreuung oder

der Unternehmensberatung.

Nach einer ersten Phase der Weiterbildung,

in der Themen wie Selbstwertgefühl,

Selbstbestimmung, kreatives

Arbeiten, Umweltschutz, Gleichberechtigung

und Zugang zu neuen Technologien

vermittelt wurden, folgt nun die

Fortsetzung der Qualifizierungsmaßnahmen

und die Vorbereitung für den

Einstieg ins Arbeitsleben unserer

Programmteilnehmer. Im vergangenen

interkulturelle Öffnung. Ziel der Kampagne

ist es, die Vorteile einer interkulturellen

Öffnung für die Unternehmen

aufzuzeigen und dies an konkreten

Beispielen zu belegen.

Inhaltlich kombiniert die Kampagne

„Vielfalt ist Gewinn“ überregional gesteuerte

Aktivitäten wie zielgruppengerechte

Pressearbeit und Schaltung

von Anzeigen mit der regional angelegten

Arbeit der verschiedenen Equal-

Projekte und Netzwerke.

Informationen unter:

www.vielfalt-ist-gewinn.de

ZWEITE WEITER-

BILDUNGSPHASE JETZT

ANGELAUFEN

Februar wurden mehrere Weiterbildungs -

kurse initiiert, die der zweiten Fortbildungsstufe

des staatlichen Projekts

I-ESCOSUR (Inserción por el Empleo

Solidario Córdoba Sur), im Rahmen der

Gemeinschaftsinitiative EQUAL angehören.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen

sollen nach Abschluss dieser Weiterbildungsphase

in einem der mitwirkenden

Unternehmen des Projekts

I-ESCOSUR Praktika machen, so dass

sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen

und auf diese Weise Zugang zum

Arbeitsmarkt finden können. Im Lauf

dieser Maßnahmen entstehen unter

den Teilnehmern des Weiterbildungsprogramms

auch kleinere unternehmerische

Initiativen, die im Rahmen des

Projekts entwickelt und begleitet werden,

immer mit dem grundlegenden

Ziel der Eingliederung ins Erwerbsleben.

(Sergio Cruz)


Setzkasten GmbH, Kreuzbergstraße 56, 40489 Düsseldorf

Postvertriebsstück, Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt, 72402

EUROPA:MOBIL1

„DAS ZUWANDERUNGSGESETZ

WAR EINE INITIALZÜNDUNG“

GESPRÄCH

mit Rudolf Stummvoll, Leiter

der Stelle für interkulturelle

Arbeit in München

EUROPA:MOBIL: Die Stelle für interkulturelle

Arbeit hat die Aufgabe, die

interkulturelle Öffnung der kommunalen

Verwaltung als Querschnittspolitik

zu verankern. Vielleicht können Sie kurz

erläutern, was das im Alltag heißt.

Rudolf Stummvoll: Da muss ich ein

wenig ausholen. Wir haben ein Integ -

rationskonzept entwickelt, das der Stadtrat

zur Kenntnis genommen hat. Darin

ist eine Art Vision formuliert, wie wir

uns eine solidarische Stadtgesell schaft

vorstellen. Daneben stehen Grund sätze

für die Arbeit. Da ist zum Beispiel formuliert,

dass die freiheitlich-demokratische

Grundordnung die Basis des

Zusammenlebens ist. Und um die Dimension

klarzumachen, über die wir

hier reden: Es geht um 38,5 Prozent

der Münchner Bevölkerung, 38,5 Prozent

der 1,3 Millionen Einwohnerinnen

und Einwohner haben einen Migrationshintergrund.

Zuwanderung kennen wir seit einem

halben Jahrhundert, und Bemühungen

um Integration gab es auch immer.

Worin aber unterscheidet sich die aktuelle

Situation von der vor – sagen wir

mal – fünf oder zehn Jahren?

Ich würde da gar nicht so weit zurückgehen.

Wichtig aus meiner Sicht ist der

1. Januar 2004, als das Zuwanderungs -

gesetz in Kraft trat. Das war wie eine

Initialzündung. Die Politik hat sich mit

dem Gesetz unendlich schwergetan.

Das kann nicht verwundern. 50 Jahre

lang hieß die politische Botschaft

„Deutschland ist kein Zuwanderungs -

land“. Das heißt: Jeder, der kommt, soll

eigentlich dankbar sein, dass er kommen

darf und die, die da sind, nehmen

gnädig zur Kenntnis, dass er kommt.

Dass Zuwanderung ein ganz zentraler

Baustein für Wohlstand und Perspektive

dieser Gesellschaft ist, hat die Politik

nie vermittelt.

Im November 2006 gab es dann den

einstimmigen Beschluss des Stadtrats

zu dem Integrationskonzept. Wie wich -

tig ist das für Ihre Arbeit?

Die großen Kommunen mussten sich

immer mit dem Thema auseinandersetzen.

Das geht seit 30, 35 Jahren so.

Schon unter Hans-Jochen Vogel gab es

eine Debatte darüber, welche Auswirkungen

die Zuwanderung von Ausländern

auf die Kommunalpolitik hat. Das

war Anfang der 1970er-Jahre. Vogel

hat damals schon gesagt: „München

ist eine Einwanderungsstadt.“ Es ist

auch viel Beachtliches geleistet worden.

Was uns gefehlt hat, war eine Art

Dach, eine Verknüpfung der unterschiedlichen

Aktivitäten. Das haben wir

mit dem Beschluss geschafft. Der ist ja

gerade vier Monate alt, aber ich spüre

ein Wollen der Stadtverwaltung, sich

dem Thema verpflichtend zu nähern

und es umzusetzen.

Interkulturelle Öffnung schließt ja auch

ein, dass Menschen mit Migrationshintergrund

die Chance haben, dort zu arbeiten.

Angesichts der Haushaltslage

dürfte der Ansatzpunkt wohl bei den

Auszubildenden liegen. Was bewegt

sich da?

Es gab in Deutschland eine lange Debatte

um eine Verwaltungsreform.

Dabei ging es darum, ob die Verwaltung

ihren Aufgaben noch gerecht

wird. Dazu gehörte auch die Frage:

Stellen wir überhaupt die richtigen

Leute ein? Die Kolleginnen und Kollegen

aus dem Personalreferat haben

das aufgegriffen und sich einmal angesehen,

welche Kriterien bei der Aus -

wahl eine Rolle spielen und wie das

Aufgabenprofil im mittleren und gehobenen

Verwaltungsdienst aussieht.

Und das passte bisweilen nicht zusammen.

Deshalb wurde zusammen mit

der Ludwig-Maximilian-Universität ein

so genanntes optimiertes Einstellungs -

verfahren entwickelt.

Oberste Maxime ist nach wie vor: Wir

stellen die am besten geeigneten Bewerber

ein. Die Auswahlkriterien dafür

waren bislang vor allem Schulnoten. Im

optimierten Einstellungsverfahren spielen

auch Dialogfähigkeit, Konfliktfähigkeit

oder auch Sprachkenntnisse

eine Rolle. So haben – immer unter

dem Label: wir wollen die Besten –

auch junge Leute eine Chance, die früher

allein schon deshalb nicht genommen

wurden, weil sie in Deutsch eine

Vier hatten. Und das waren zu einem

guten Teil Jugendliche mit Migrations -

hintergrund. Wir sind also nicht den

Weg gegangen, Migranten einzustellen,

nur um deren Anteil zu erhöhen.

Wir haben vielmehr Qualität definiert

und gefragt, was die jungen Leute mitbringen

sollen. Und da haben wir gemerkt,

dass Jugendliche mit Migrationshintergrund

oft Fähigkeiten haben, die

wir sehr gut gebrauchen können.

Das schlägt sich auch in Zahlen nieder?

Ja. Es hat sich deutlich verändert.

Der Text wurde für die Printausgabe

gekürzt. Das gesamte Interview können

Sie nachlesen auf:

www.pro-qualifizierung.de/

int_Stummvoll

www.migration-online.de/

int_Stummvoll

IMPRESSUM

HERAUSGEBER

Pro Qualifizierung, IQ Consult gGmbH

Beratungsgesellschaft für Innovation

und Qualifikation. Die IQ Consult

gGmbH ist eine Tochtergesellschaft

des DGB Bildungswerk e.V.

VERANTWORTLICH

für den Inhalt: Leo Monz

KOORDINATION

Tatjana Butorac

REDAKTION

Bernd Mansel

(Medienbüro Arbeitswelt), Berlin

LAYOUT

Gitte Becker

DTP/REINZEICHNUNG

Gerd Spliethoff

FOTOS

photocase

DRUCK UND VERTRIEB

Setzkasten GmbH, Düsseldorf

ERSCHEINUNGSWEISE

Monatlich: Print und Online.

Der Newsletter ist ein Produkt der

transnationalen Partnerschaft S.E.E.D.

(„Solidaristic Employment and

Enterprise Development“), ein

Zusammenschluss der Projektpartner

Franchising ETnICO, I-ESCOSUR und

Pro Qualifizierung.

Daher erscheint der Newsletter auch in

italienischer und spanischer Sprache.

Bei Interesse können Sie alle drei

Sprachversionen des Newsletters online

unter folgendem Link abonnieren:

www.pro-qualifizierung.de/

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Telefax 02 11/43 01-1 34

migration.iq@iq-consult.de

www.iq-consult.de

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