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Busse – das missverstandene Wort - Ethos

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GLAUBE UND LEBEN

Busse.

Das missverstandene Wort

Unser Unbehagen, über Busse zu

sprechen, liegt auch daran, dass

dieser Begriff oft missverstanden

wird. Busse ist Abkehr vom Bösen

und Umkehr zu Gott. Sie ist keine

herbeigezwungene emotionale

Erfahrung, sondern eine entschlossene

Haltung gegenüber Gott und

der Sünde.

Als es blitzte, wusste ich: zu schnell gefahren!

Ich habe das Gesetz übertreten

und werde eine Busse bekommen.

Nachdem ich sie bezahlt hatte, war die

Sache wieder in Ordnung.

In unserem Sprachgebrauch bedeutet

Busse das Abzahlen oder Begleichen von

Schuld. Das ist vermutlich der Grund,

weshalb viele Menschen die Bibel in diesem

Punkt gründlich missverstehen. Wir

dürfen biblische Busse nicht mit «abbüssen»

verwechseln. Menschen geisseln sich

bis aufs Blut, rutschen auf ihren Knien

über steinige Treppen, sprechen endlose

Rosenkränze, Spenden riesige Geldbeträge

und meinen, diese Selbstkasteiung

und Opfer seien ein «Abbüssen» von

Schuld und besänftigten Gott. Was für ein

Irrtum! Solches «Abbüssen» ist ein Versuch,

etwas zu tun, um das Böse auszugleichen

oder wiedergutzumachen. Aber

das ist nicht das, was die Bibel über Busse

lehrt.

In Wikipedia wird Busse gut definiert:

«In der religiösen Bedeutung ist Busse die

Umkehr des Menschen zu Gott, von dem

er sich durch die Sünde entfernt hat. Dieser

Begriff ist so unterschiedlich vom Alltagsgebrauch

des Wortes Busse, dass er

fast im Gegensatz dazu steht.» Das in der

22 ethos 11 I 2011


Sünde ist fehlende

Übereinstimmung mit

Gottes heiligem Wesen.

Bibel verwendete griechische Wort für

Busse, metanoia, meint eine Sinnesänderung,

eine völlige Umgestaltung der eigenen

inneren Haltung.

Wenn ein Mensch im biblischen Sinn

Busse tut, dann ändert sich seine Haltung

gegenüber sich selbst, gegenüber der

Sünde, gegenüber Gott und Jesus Christus.

Busse ist Abkehr vom Bösen und Umkehr

zu Gott. Es ist keine herbeigezwungene

emotionale Erfahrung, sondern eine

neue Haltung, die man entschlossen gegenüber

Gott und der Sünde einnimmt.

Die meisten Menschen meinen, man

werde zum Sünder, sobald man sündige

Taten begeht. Die Bibel sieht das genau

umgekehrt. Sie lehrt, dass der Mensch

von Natur aus Sünder ist. Das menschliche

Herz neigt von seiner Geburt an zum

Bösen. Es sucht nicht den Willen Gottes.

Also hat ein Mensch von seinem inneren

Wesen her schon «das Ziel verfehlt», noch

bevor er mit Absicht beschliesst, ein bestimmtes

Gebot zu übertreten. Aus der

verunreinigten Quelle unseres Herzens

fliessen Bäche unsauberen Verhaltens. Im

Grunde ist Sünde die fehlende Übereinstimmung

mit Gottes heiligem Wesen.

Und Gott verurteilt die Sünde wegen seines

eigenen Wesens.

Heiligkeit bedeutet: Gott ist getrennt

von der Sünde und damit von jedem

Menschen. Und der Zahltag der Sünde,

sagt die Bibel, ist der Tod, danach aber

das Gericht. Wir alle müssen sterben,

aber Gott gewährt uns in seiner Gnade

die Jahre unseres Lebens, um die Wahl

der ersten Menschen nach Unabhängigkeit

von ihrem Schöpfer wieder aufzuheben

und heimzukommen in Gottes liebende

Arme. Keiner weiss, wie viele Jahre

ihm zugemessen sind! Die Entscheidung

muss gefällt werden, für oder gegen Christus.

Wird die Gnade Gottes bis zuletzt abgelehnt,

dann bedeutet das Gericht endgültige

Trennung von Gott.

Das Neue Testament beginnt mit einem

Ruf zur Busse. Johannes der Täufer

war dazu bestimmt, den Weg des Messias

vorzubereiten, indem er die Menschen

zur Umkehr rief. Der Weg sollte geebnet

werden, damit sich die, die zutiefst beunruhigt

würden über ihre Verlorenheit,

nach der Erlösung ausstrecken, die Jesus

Christus ihnen anbietet.

Die Botschaft des Johannes lautet, wie

sie Matthäus in prägnanter Weise zusammenfasst:

«Tut Busse, denn das Reich der

Himmel ist nahe gekommen» (Matth. 3,2).

Auch Jesus hat zu Beginn seines Wirkens

diesen Ruf zur Busse aufgenommen und

Petrus und Paulus lehren nichts anderes.

Ohne Sinnesänderung keine Erlösung!

Weshalb scheuen sich viele Christen

unserer Zeit, diese für das Heil unabdingbare

Botschaft weiterzusagen? Unser

Unbehagen, über Busse zu sprechen, liegt

Umkehren!

«Abbüssen», um Gott günstig

zu stimmen, ist nicht, was die

Bibel unter Busse versteht.

ethos 11 I 2011 23


unter anderem daran, dass dieser Begriff,

oft völlig missverstanden wird. Zudem

stösst der Ruf nach Umkehr auf heftigen

Widerstand, denn der Mensch möchte

sein eigener Herr und Meister sein, tun

und lassen, was ihm gefällt.

Busse darf nicht mit Reue verwechselt

werden. Reue kann man empfinden, weil

uns eine bestimmte Sünde leid tut. Das

sehen wir deutlich beim Verrat des Judas.

Seine Reue half ihm jedoch nicht aus dem

Verderben. Ganz anders bei Petrus: Nachdem

er Jesus verleugnet hat, sehen wir bei

ihm Reue nach Gottes Sinn; sie bewirkt

Busse zum Heil.

Noch nie ist ein Mensch durch etwas

anderes als durch Gnade vor dem Gericht

Gottes gerettet worden. Weder Opfer

noch Werke konnten jemals dazu

beitragen, einen Ungerechten zu rechtfertigen.

Und noch nie wurde ein Sünder gerettet,

ehe er Busse getan hatte. Trotzdem

scheuen wir uns oft, nicht an Gott glaubende

Menschen über ihre Lage vor Gott

aufzuklären. Wir sprechen von der Liebe

Gottes und von der Gnade des Evangeliums.

Warum aber sollte sich ein Mensch

nach Gnade sehnen, wenn ihm die unüberbrückbare

Kluft, die zwischen ihm

und Gott besteht, nicht bewusst ist? Unsere

Gesellschaft kennt den göttlichen

Massstab nicht mehr, die Gewissen sind

abgestumpft. Das Wort Sünde existiert

kaum mehr im heutigen Sprachgebrauch,

und wenn man es benutzt, dann höchstens

im Zusammenhang mit zu viel oder

falschem Essen, das der Linie schadet.

Busse kommt, ebenso wie der Glaube

selbst, durch das Hören des Wortes Gottes.

Deshalb ist der Mensch verantwortlich,

das Reden Gottes ernst zu nehmen und

ihm zu gestatten, dass es sein Werk an unserem

Gewissen und Herz tun kann. Der

Aufruf zur Busse führt zur Kapitulation

vor Gott und bereitet den Menschen vor,

allein auf das vollbrachte Werk Christi zu

vertrauen, damit er durch die freie, unverdiente

Gnade gerettet werden kann.

Wenn wir lesen, mit welcher Schärfe

Johannes die selbstgerechten religiösen

Führer seiner Zeit zurechtwies, die immerhin

kamen, um sich von ihm taufen

zu lassen, heben wir irritiert unsere

Augenbrauen. «Schlangenbrut!», ruft

er. «Weshalb glaubt ihr, dem zukünftigen

Zorn Gottes entrinnen zu können?

Seht zu, dass ihr rechtschaffene Früchte

der Busse bringt.» Wieso diese Härte?

Da die Zuhörer die Nachkommen Abrahams

waren, wiegten sie sich in einer falschen

Sicherheit. Sie glaubten, durch ihre

Zugehörigkeit automatisch zum auserwählten

Volk zu gehören. Aber nicht die

natürliche, sondern allein die geistliche

Verwandtschaft nimmt uns hinein in den

Bund der Verheissung. Nicht die äussere

Beschneidung, sondern die Beschnei-

«Ich sage euch:

Genauso wird im Himmel

mehr Freude sein über

einen einzigen Sünder,

der umkehrt, als über

neunundneunzig Gerechte,

die es nicht nötig haben,

umzukehren.»

Lukas 15,7

Kinder Gottes und die Busse

Wenn wir uns mit Busse beschäftigen,

dann in der Regel mit ihrer

Bedeutung zu Beginn des Glaubenslebens.

Aber es wäre falsch zu übersehen,

dass die durch Christus erlösten Menschen,

die Kinder Gottes, ebenso viel Anlass

zur Busse haben wie jeder andere.

Wir sollten nie vergessen, dass die Begnadigten

trotz allem noch Sünder sind. Das

hört sich zwar an wie ein Widerspruch,

ist es aber nicht. Je enger ein Glaubender

mit dem Herrn verbunden ist, desto mehr

wird er sich bewusst, dass ihm seine alte

Adamsnatur immer wieder zu schaf-

fen macht. Heiligung bedeutet nicht, dass

man die alte Natur reinigt. Vielmehr müssen

wir, dank des in uns wohnenden Heiligen

Geistes, nicht mehr der Sünde dienen.

Trotzdem werden wir immer wieder schuldig,

durch die Schwachheit des Fleisches

und wir werden immer wieder fallen, wenn

wir nicht nahe beim Herrn bleiben.

Du rühmst dich vielleicht, nichts Böses

zu tun. Aber kann der sich rühmen, der

nichts tut? Der Feigenbaum wurde vom

Herrn nicht darum verflucht, weil er Böses

tat, sondern weil er keine Frucht brachte.

Das war seine Schuld.

24 ethos 11 I 2011


Warum sollte sich ein Mensch

nach Gnade sehnen, wenn

ihm die unüberbrückbare

Kluft, die zwischen ihm und

Gott besteht, nicht wirklich

bewusst ist?

dung, die an unseren Herzen geschieht,

macht uns zu Kindern Gottes!

In vielen christlichen Kreisen ist man

hauptsächlich bemüht, die schlechten

Früchte, die sich in unserem Leben zeigen,

abzuschneiden. Man versucht, durch

Veränderung der Situation, durch Verständnis

oder durch religiöse Unterweisung

gute Früchte zu erzeugen. Aber alles

Herumexperimentieren nützt nichts

der Baum ist schlecht, deshalb bringt

er schlechte Frucht. Auch wenn sich ein

Mensch im Griff hat und es versteht, seine

Motive zu kaschieren seine Absichten

sind geprägt von Egoismus. Deshalb ist

der Ruf zur Umkehr buchstäblich lebensnotwendig.

Das ist die Pflicht jedes Predigers,

aber die Verantwortung liegt bei

jedem einzelnen Zuhörer. Wir wundern

uns manchmal, wenn sich Gemeindeglieder

plötzlich von Gott abwenden und der

Gemeinschaft den Rücken kehren. Oftmals,

und davon bin ich überzeugt, ist

der Grund ein Fehlstart. Die Bekehrung

geschah nicht um 180, sondern um 360

Grad und endete wieder bei sich selbst.

Falsche Vorstellungen und Erwartungen,

wie Gott im eigenen Leben handeln sollte,

führten zu Enttäuschungen. Es hat keine

alles durchdringende Wiedergeburt stattgefunden.

Bevor ein Mensch neues, ewiges Leben

aus Gott empfängt, muss er sich und seinen

zutiefst sündigen Zustand erkannt

haben. Wem der Heilige Geist seine Verderbtheit

aufdeckt, fragt und überlegt

nicht mehr endlos: «Was bringt’s mir,

wenn ich Christ werde?» Er weiss: «Es

ist nichts als Gnade, wenn ich Vergebung

und Annahme finde.»

Ein Lippenbekenntnis macht noch

keinen zum Gotteskind. Erst die Frucht

macht offenbar, wer wir wirklich sind.

Ein Evangelist beobachtete einmal

eine junge Frau, die während seiner Predigt

mit dem Nachbarn schwatzte und

kicherte. Am Ende des Abends hielt ein

übereifriger junger und wenig weiser

Seelsorgehelfer die Frau an der Tür auf

und fragte sie: «Möchten Sie nicht heute

Abend Jesus annehmen?» Überrascht

antwortete sie: «Ja, das möchte ich.» Er

zeigte ihr den wohl bekannten Vers aus

Johannes 3,16 und las ihn ihr vor: «Denn

so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er

seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder,

der an ihn glaubt, nicht verloren gehe,

sondern ewiges Leben habe.» «Glauben

Sie das?», fragte er. «Sicher glaube ich das

alles», antwortete sie bereitwillig. «Dann

verstehen Sie doch sicher auch, dass Gott

Ihnen das ewige Leben gegeben hat?»

«Das muss ich dann ja wohl haben», war

die lässige Antwort und sie ging zur Tür

hinaus. Voller Freude eilte der Mann zum

Evangelisten und berichtete ihm: «Die

junge Frau hat heute Frieden gefunden!»

«Frieden?», fragte der Evangelist. «Hatte

sie jemals Unfrieden?»

Das ist eine berechtigte Frage. Vielen

wird vorschnell ein falscher Friede durch

schlecht in der Bibel bewanderte Menschen

zugesprochen. Nur ein im Herzen

aufgewühlter Mensch findet bei Christus

Ruhe.

«Es ist schon die Axt den Bäumen an

die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht

gute Frucht bringt, wird abgehauen und

ins Feuer geworfen», sagt Johannes messerscharf.

Haue deshalb den schlechten

Du rühmst dich, nichts Böses zu tun. Aber kann der sich rühmen, der nichts tut?

Als wiedergeborene Menschen werden

wir entdecken, dass wir nicht nur sündhaft

handeln, sondern auch sündhaft sind. Die

Unruhe packt uns nicht nur über unsere

Taten, sondern auch über unser Sein. Wenn

wir am Abend über die Verfehlungen des

Tages nachdenken, dann fällt uns auf, dass

wir so manches Mal gegen das Gebot der

Liebe verstossen haben: Wir haben jemanden

vergessen, der uns gebraucht hätte;

vielleicht waren wir aufbrausend, herrisch,

rechthaberisch, schlecht gelaunt und unfreundlich.

Wir entschuldigen uns vielleicht

damit, wir seien müde gewesen und hätten

nicht in böser Absicht gehandelt. Sicher ist

das ein mildernder Umstand.

Auf der andern Seite zeigt unsere Reaktion

auf etwas Unvorhergesehenes oft

viel deutlicher, was für einen Charakter wir

wirklich haben. Was uns herausrutscht, bevor

wir unsere Maske aufsetzen können, ist

nicht das unser wahres Gesicht?

Meine Handlungen kann ich bis zu einem

bestimmten Grad kontrollieren, doch

über mein Temperament habe ich keine

unmittelbare Kontrolle. Die Veränderung,

die ich am dringendsten brauche, kann ich

nicht durch eigene, direkte, von meinem

Willen gesteuerte Anstrengungen hervorbringen.

Das gilt auch für meine so

genannten «guten Taten». Wie viele von

ihnen wurden aus dem richtigen Motiv

heraus getan? Wie viele geschahen nicht

aus Liebe, sondern aus Angst vor der Meinung

anderer oder aus dem Wunsch, sich

zu produzieren?

Wir spüren immer mehr, dass in unserem

Fleisch nichts Gutes wohnt, und unsere

einzige Chance heisst: Christus in

uns!


Yvonne Schwengeler

ethos 11 I 2011 25


Noch nie ist ein Mensch

durch etwas anderes als

durch Gnade vor dem

Gericht Gottes gerettet

worden.

Baum ab, um Platz für den neuen zu machen,

den der himmlische Vater pflanzt!

Busse, wie die Heilige Schrift sie meint,

ist die ausdrückliche Anerkennung, dass

Gottes Urteil über den verderbten Zustand

unseres Herzens richtig ist. Was wir

brauchen, ist ein neues Herz und einen

neuen Geist.

Durch den Ruf zur Busse bereitete Johannes

den Weg für das Kommen des

Gottessohnes vor. Ganz gleich, mit wem

er es zu tun hatte, er versuchte, das verborgene

Böse in den Herzen der Menschen

aufzudecken, und zeigte ihnen,

wie sehr sie es nötig hatten, sich selbst

zu richten. Menschenfurcht fand man

bei Johannes nicht. Selbst Herodes, der

damalige König, der in schlimmen Ausschweifungen

und im Inzest lebte, wurde

von Johannes mit seiner Schuld konfrontiert.

Johannes wies auf Herodias, die eigentlich

die Frau seines Bruders war, und

sagte furchtlos: «Es ist nicht recht, dass du

sie hast» (Matth. 14,4). Eine Gefängniszelle

und später das Schwert konnten den

Bussruf des Johannes zwar zum Schweigen

bringen, aber seine Worte werden die

Gottlosen am Tag des Gerichts verklagen.

Denken wir an Judas Iskariot, der Jesus

aus Habgier verriet. Die Pharisäer werden

ihm auf die Schulter geklopft und gesagt

haben: «Wenn du das für uns tust, ist das

wunderbar. Das werden wir dir nie vergessen.»

Judas beschloss, den Verrat zu begehen.

Als er später zur Besinnung kam und

begriff, was er getan hatte, war er tief betrübt.

Darum ging er zu den Hohepriestern

und Ältesten und sagte: «Ich will euer

Geld nicht mehr, es brennt in meinen Taschen,

nehmt es zurück. Ich bin verzweifelt.

Was soll ich nur tun?» Sie antworteten:

«Das ist deine Sache, nicht unsere.»

Sie überliessen ihn sich selbst, einsam

und verzweifelt, sodass er keinen Ausweg

mehr wusste und sich erhängte. So ist das

immer, wenn wir uns von Gott abwenden.

Auch die sogenannten Freunde des verlorenen

Sohnes waren nicht mehr an ihm

interessiert, als er ihnen nicht mehr nützlich

war.

Einer der grössten Dichter Deutschlands

war sicherlich Goethe. Er lehnte

die christliche Lehre ab. Goethe hatte einen

scharfen Verstand, kannte die Philosophen

und hatte alle Klassiker gelesen.

Er dachte, das genüge. Doch nun lag er

auf seinem Sterbebett. Wisst ihr, was seine

letzten Worte waren? «Mehr Licht!» Goethe

rief nach Licht. Warum? Er steckte

in einer undurchdringlichen Dunkelheit

und sein scharfer Verstand, seine Gelehrsamkeit

und sein Wissen und alle seine

prominenten Freunde konnten ihm nicht

helfen! Der Einzige, der ihm das ersehnte

Licht hätte geben können, den kannte er

nicht.

Der Gegensatz zwischen der Sünde

und dem Evangelium ist, dass die Sünde

uns zum Narren hält, uns beraubt und

hoffnungs- und hilflos zurücklässt, während

das Evangelium uns das gibt, was

unseren wahren Hunger und Durst stillt.

Johannes der Täufer wird als der letzte

Prophet des Alten Testaments bezeichnet.

Er kam, um den harten Herzensboden

aufzubrechen, damit die Botschaft des

Evangeliums Aufnahme finden konnte.

Die vordringlichste Aufgabe eines

Nachfolgers Jesu ist es, den Menschen die

Augen zu öffnen und sie von der Dunkelheit

ins Licht zu bringen. Sie brauchen

eine Botschaft, die sie aufschreckt, damit

sie erkennen, in welcher Schuld und Gefahr

sie leben. Ohne dies kann sie auch die

süsseste Botschaft des Evangeliums nicht

aus der Gleichgültigkeit reissen.

Wer die Bibel aufmerksam liest, der

sieht, dass Menschen, nachdem sie den

Bussruf vernommen haben, häufig ausrufen:

«Was sollen wir denn tun?»

So war es auch bei der Bekehrung von

Paulus. Noch war er der selbstgerechte

Pharisäer, der wirklich dachte, dass es

Gottes Wille wäre, wenn er die Nachfolger

Jesu bis aufs Blut bekämpfte. Doch

wenige Augenblicke später war er völlig

verändert. Er hörte die herausfordernde

Stimme vom Himmel: «Ich bin Jesus,

den du verfolgst» (Apg. 9,5). Von seiner

Schuld überführt schrie er: «Was soll ich

tun, Herr?» Das war und ist bis heute die

Frage eines wahrhaft bussfertigen Menschen,

dessen ganze Haltung sich verändert,

wenn er erkennt, wer er in den Augen

Gottes ist.

Der Kerkermeister von Philippi erhielt

keine solche Botschaft, denn die ganze

Haltung des Mannes zeigte, dass er in

seinem Herzen schon Busse getan hatte.

Deshalb galt für ihn, wie für jeden andern

Sünder, der seine Schuld eingesteht:

«Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst

errettet werden!» (Apg.16,31). In dieser

Haltung dürfen wir die Verheissung in

Anspruch nehmen: «Da wir nun gerechtfertigt

worden sind aus Glauben, so haben

wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn

Jesus Christus» (Röm. 5,1). In seiner Predigt

sagt Petrus unmissverständlich (Apg.

3,19): «So tut nun Busse und bekehrt euch,

dass eure Sünden getilgt werden.» Busse

und Vergebung der Sünden sind die zwei

Seiten einer Medaille. Das eine ist ohne

das andere nicht zu haben.

Nur wenig später lesen wir in der Apostelgeschichte

(5,3031): «Der Gott unserer

Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an

das Holz gehängt und getötet habt. Den hat

Gott durch seine rechte Hand erhöht zum

Fürsten und Retter, um Israel Busse und

Vergebung der Sünden zu gewähren.»

In Jesus allein finden Menschen das

Heil. Durch Gnade und durch Vertrauen

und Gehorsam.

n


I Yvonne Schwengeler

26 ethos 11 I 2011

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